Mittwoch, 18. Mai 2016

Ein Trümmerhaufen


Was am Ende übrig bleibt? Zweieinhalb Jahre nach der Insolvenz hat es nach außen den Anschein, als habe das Unternehmen sich erst einmal vorübergehend stabilisiert. 

Die Kunden bekommen weiterhin den Weltbild Katalog.
Sie bestellen im Online Shop.
Sie finden noch rund 90 Filialen quer über Deutschland verteilt.
Auch für Kunden in Österreich und der Schweiz ist die Marke weiterhin präsent.

Alles in Ordnung also? Keineswegs ... 
Natürlich bemerkenswert, dass das Unternehmen überhaupt noch existiert. Kaum jemand hätte dem Versandhändler damals im Jahr 2014 zugetraut, die ersten Monate der Pleite zu überstehen. Aber in Ordnung ist die Weltbild-Welt deshalb noch lange nicht.

Der nach den schmerzhaften Personaleinschnitten übrig gebliebene kleine Rest der Belegschaft bangt weiterhin um die Zukunft, angesichts einer weitgehend undurchschaubaren Unternehmenspolitik aus dem Hause Droege.

Ein Stimmungsbild über die aktuelle Lage bei Weltbild vermittelt ein Bericht auf domradio.de vom 29.04.2016 nach Eindrücken des Betriebsseelsorgers Erwin Helmer, der immer wieder in Augsburg vor Ort ist und viele Gespräche mit den Beschäftigten geführt hat.




"Ein Trümmerhaufen"

Weltbild war einmal das Aushängeschild des katholischen Verlagswesens in Deutschland. 2014 ging das Unternehmen pleite, die Kirche zog sich zurück. Seelsorger kümmern sich noch immer um die verbliebenen Mitarbeiter.

Das ehemals katholische Unternehmen mit Sitz in der Fuggerstadt hat heute - gut zwei Jahre nach seinem Absturz - nur noch einen Bruchteil seiner Belegschaft.

Wer in den Betrieb hineinhört, bekommt einen Eindruck von den Enttäuschungen bei Weltbild. Von Chaos ist die Rede, von einem infamen Umgang mit den Beschäftigten. "Die Leute sind überarbeitet", sagt Verdi-Betriebsgruppensprecher Timm Boßmann. "Wir kriegen eine höhere Krankheitsrate, weil die Leute fertig sind." Der katholische Betriebsseelsorger Erwin Helmer nennt den Umgangsstil der Geschäftsleitung "unsäglich". Für Betriebsratschef Peter Fitz ist der neue Besitzer Walter P. Droege schlicht eine "Heuschrecke".

"Belogen" 
Nach einer ersten Entlassungswelle kam Droege. Der Milliardär erwarb die Mehrheit der Anteile, spaltete die Logistik ab und steckte sie in die von ihm kontrollierte Also-Group. Droege versprach Konsolidierung. "Wir wurden von vorne bis hinten belogen", so die Gewerkschafter. Ein Jahr nach der Insolvenz waren mehr als die Hälfte der vormals 2.300 Arbeitsplätze in der Zentrale weg, 90 von 250 Filialen dicht. Heute habe Weltbild ohne Logistik 1.300 Mitarbeiter, davon 400 in Augsburg, so eine Firmensprecherin. Der Betriebsrat weiß von 350.

Die Also-Logistik ging im Sommer 2015 in die Insolvenz. Darauf habe die Geschäftsleitung "mit Gewalt gedrängt", sagt Boßmann. Als die Mitarbeiter erfuhren, dass Droege eine bereits erzielte Einigung über Nacht gekippt hat, blickte Helmer in blasse Gesichter, sah Entsetzen in den Augen, Tränen. Der Seelsorger schrieb Briefe an den Milliardär und bekam keine Antwort. Im Dezember der nächste Schlag, 240 weitere Logistiker verloren ihre Jobs. Inzwischen ist klar, dass Also in Augsburg zum Jahresende 2016 zumacht. Auch die restlichen 210 Mitarbeiter der abgespalteten Logistik stehen dann auf der Straße.

Seelsorger Helmer und seine beiden Kollegen versuchen, Mut zu machen, die Mitarbeiter zu stärken, vorschnellen Trost zu vermeiden. "Ob Christen, Muslime oder Atheisten, sie haben alle mit uns geredet." Wichtig sei: "Wie kriege ich Distanz zu dieser brenzligen Situation, die viele kaputt und krank gemacht hat?" Vor der Betriebsversammlung fährt einer wie verrückt auf dem Gabelstapler durch die Hallen. Ein anderer ist fast dankbar für seine Entlassung: "Ich hätt's eh nicht länger ausgehalten. Ich muss da raus." Eine Kollegin tapfer: "Ich war immer ein Stehauf-Männchen." Helmer nennt sie Stehauf-Frauchen.

"Man blickt sich um und sieht auf einen Trümmerhaufen", so Fitz. Doch Betriebsrat und Gewerkschaft geben nicht auf. Mit der Kirche ist man im Reinen. "Wir haben uns gekloppt mit denen", sagt Boßmann, "aber ohne sie hätten wir den Fortbestand bis jetzt nicht geschafft." In der Tat federten die Bistümer damals mit einer Millionen-Geldspritze nicht nur soziale Härten ab. Sie verhinderten auch, dass das Geschäft in der Insolvenzphase völlig einbrach.

Millionen treue Kunden 

Noch lebt Weltbild: Das Haus ist Nummer zwei im Onlinebuchhandel und Rangdritter im Gesamt-Buchmarkt. "Millionen von Kunden sind dem Unternehmen treu geblieben", macht sich eine Firmensprecherin Mut.


Ergänzung in eigener Sache: 
Als Gewerkschafter sind wir 2014 mit öffentlichen Aktionen und auch in diesem Blog die Kirche tatsächlich hart angegangen. Was durchaus notwendig gewesen ist, um bestimmte Entscheidungen zu bewirken. Wir sehen aber auch mit Respekt, dass die Kirche daraufhin zu einem Konsens bereit gewesen ist. Sie war gesprächsbereit und hat ihre Zusagen vertrauenswürdig und verlässlich eingehalten. Das unterscheidet sie ganz wesentlich von dem heutigen Firmeneigentümer. Nur durch einen Kirchenkredit konnte Weltbild die ersten Monate der Insolvenz überleben. Sie ermöglichte erhebliche Transfermaßnahmen und Abfindungen. Und ihre Seelsorger sind heute noch wichtige Ansprechpartner für die Sorgen und Nöte der Beschäftigten. Gerade dem Seelsorger-Team rechnen wir das persönlich hoch an, weil sie in der heißen Konfliktphase quasi "zwischen den Stühlen" saßen und sich einiges von uns haben anhören müssen, was sicher keine einfache Situation für sie gewesen ist.


Kommentare:

  1. DHL ist ein Paket-und Brief-Express-Dienst, der im Jahr 1969 von Larry Hillblom, Robert Lynn und Adrian Dalsey in San Francisco gegründet wurde. DHL gehört als DHL Inmternational GmbH zum Konzern der Deutschen Post AG. Es gibt drei Unternehmensbereiche in die interne Struktur der DHL: DHL Express, DHL Global Forwarding/DHL Freight und DHL Supply Chain. Zum Unternehmensbereich Brief zählen DHL Paket und Global Mail DHL telefonnummer

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  2. am 30.06.2016 ist der lagerverkauft und sonstiges GESCHICHTE!ist sehr traurig und alles wegen einem der seinen kragen nicht VOLL bekommet - aber auch er kann nichts mitnehmen am schluß und das ist auch gut so.

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  3. zu "Ergänzung in eigener Sache": warum gab es trotz Drohung seitens Gürlebeck (Herr Dröge, wir können auch nach Düsseldorf kommen)keine, keine , keine einzige öffentlich Aktion in den 1 1/2 Jahren ALSO / Dröge ? Warum mussten wir stillhalten, warum wurde hier seitens Gewerkschaft/ BR nichts organisiert ?

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    1. Das ist nicht ganz richtig: Immerhin gab es die Aktion vor dem Arbeitsgericht. Aber da waren auch bloß wieder die üblichen 50 - 60 Verdächtigen, obwohl über 1.000 betroffen waren. Stattdessen sind BR und ver.di hier und in dem unsäglichen Wegemer-Blog ständig nur beschimpft und angegriffen worden. Ich verstehe gut, dass man unter solchen Umständen keine öffentlichen Aktionen mehr plant. Zumal die Erfahrungen der Vorjahre ähnlich waren. Für die Fahrt zur Bischofskonferenz in Würzburg kam gerade mal eine Busladung zusammen, obwohl es um 65.000.000 Euro ging, die am Ende unter allen verteilt wurden. Selbst zu den Demos in der Stadt, musste man die Kolleginnen und Kollegen geradezu hinprügeln. Erst nix machen und hinterher jammern, das ist nach meiner Erfahrung leider typisch für die Beschäftigten bei Weltbild/ALSO.

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