Dienstag, 28. Januar 2020

ver.di Bundeskongress: mit ver.di Flächen- und Branchentarif­verträge stärken


Gute Arbeit ist Tagesordnungspunkt Nummer 1 bei ver.di!

Gute Arbeit ist und bleibt das Leitbild von ver.di, so der erste Leitantrag A001 des Bundeskongresses. 

Um gute Arbeit zu erreichen, kämpft ver.di für die Verteidigung und Rückeroberung der Flächen- beziehungsweise Branchentarifverträge. Die Gewerkschaft bekämpft damit den durch die Agenda-Reformen befeuerten Unterbietungswettlauf. Dazu bedarf es auch Mindeststandards. ver.di setzt sich deshalb weiterhin dafür ein, dass noch in dieser Legislaturperiode der Mindestlohn auf mindestens 12 Euro pro Stunde angehoben und anschließend an die Tariflohnentwicklung des Vorjahres angepasst wird. Da aber der Mindestlohn nur eine untere gesetzliche Grenze einzieht, bleibt das beste Mittel gegen Niedriglöhne eine Ausweitung der Tarifbindung, und es braucht gute Tarifabschlüsse. Zudem setzt sich ver.di für ein echtes Entgeltgleichheitsgesetz auch im Privatsektor ein, damit die Geschlechter bei gleicher Arbeit nicht unterschiedlich behandelt werden. So haben es die Delegierten am vierten und fünften Kongresstag beschlossen.

Offensive "Gute Arbeit"

Die Offensive für Gute Arbeit soll in Betrieben und Verwaltungen ausgebaut, Konzepte sollen weiterentwickelt und die Anwendung des „DGB-Index Gute Arbeit“ ausgeweitet werden. Befragungs- und Forschungsergebnisse und gute Fallbeispiele sollen transparent und für andere nutzbar gemacht werden. ver.di setzt sich für sichere, selbstbestimmte und zukunftsgerechte Arbeit ein. Das zentrale Problem der Arbeitsintensivierung muss angegangen werden. Die Veränderungen in der Arbeitswelt durch Globalisierung, Digitalisierung, neue Arbeitsformen und auch die demografischen Entwicklungen hin zu einer insgesamt älter werdenden Gesellschaft erfordern eine Stärkung des Arbeitsschutzes: Fehlende Gefährdungsbeurteilungen sind viel schärfer zu sanktionieren als bislang.

Arbeitsschutz und Arbeitszeitpolitik

Die Arbeitszeitgestaltung ist vor allem ein Element des Arbeits- und Gesundheitsschutzes. ver.di wird sich zum Schutz der Gesundheit für eine Verkürzung der durchschnittlichen Arbeitszeit einsetzen. Das Ziel ist die kurze Vollzeit mit Lohn- und Personalausgleich. Die Forderung nach einer 30-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich soll breit in ver.di diskutiert werden. Zudem macht sich ver.di für eine gesetzlich abgesicherte geförderte Bildungsteilzeit stark, die sich an dem Modell der Altersteilzeit orientiert und durch betriebliche Weiterbildungsoffensiven mit entsprechenden Zeitbudgets ergänzt werden soll. Berufliche Weiterbildung ist zu fördern, dafür muss Zeit zur Verfügung gestellt werden.


ver.di setzt sich auch dafür ein, die Mitbestimmung zu stärken und auszubauen, das betrifft die Unternehmensmitbestimmung, aber auch die Betriebsverfassung und die Personalvertretung. So soll die Wahl von Betriebsräten für Betriebe mit bis zu 100 Wahlberechtigten vereinfacht werden, der Kündigungsschutz von Initiator*innen von Betriebsratswahlen soll ausgeweitet und die Behinderung von Betriebsratswahlen konsequent strafverfolgt werden. Gegen Union Busting soll effektiver vorgegangen werden, mit einer Koordinierungsstelle, angesiedelt in der ver.di-Bundesverwaltung, die die Fälle bündelt und die Erstberatung koordiniert, sowie durch bessere Strafverfolgung. Vertreter*innen in Jugend und Ausbildungsvertretungen sollen per Gesetz besser geschützt werden.


 Zukunftsgerechte Tarifpolitik

Von elementarer Bedeutung aber ist die Stabilisierung von Flächentarifverträgen sowie „Häuserkämpfe“ um Tarifbindung. Dazu bedarf es auch einer Erleichterung von Allgemeinverbindlichkeitserklärungen von Tarifverträgen.

ver.di will die Kollektive Gewerkschaftsarbeit in den Fachbereichen stärken und die Kräfte strategisch und systematisch bündeln, um Unternehmen ohne Tarifbindung zu erschließen oder wieder zu erschließen oder bestehende Tarifverträge zu stabilisieren, Tarifflucht zu verhindern und neue Branchentarifverträge zu verhandeln. Und ver.di wird zudem gegen Mitgliedschaften in Arbeitgeberverbänden ohne Tarifbindung (OT-Mitgliedschaften) vorgehen.



Quelle: https://publik.verdi.de/2019/ausgabe-06/spezial/bundeskongress/seiten-20-21/so-wird-arbeit-gut










Freitag, 24. Januar 2020

Union Busting und BR-Mobbing bei Unternehmen



Im November hatten wir über Aldi Nord und Dennree und deren Vorgehen geben ihre Betriebsräte berichtet.

Nun gibt es weitere Neuigkeiten zu Aldi Nord:
Blaupause für Mobbing - Strategisches Vorgehen gegen Betriebsräte beim Discounter Nummer eins

Hier kann man nachlesen, dass ein Strategiepapier für das Top-Management  von Aldi Nord aufgetaucht ist, gezeichnet mit HU wie Dr. Emil Huber, der für die Aldi-Gründer und ihre Erben seit über 40 Jahren diverse Dienste leistet.
In diesem Strategiepapier wird eine Kampagne gegen den Betriebsrat empfohlen, mit Rundschreiben von Filialleitern, um den BR innerbetrieblich als Störer darzustellen.

Das alles passt zum oben genannten Artikel aus dem November und klingt doch schon fast nach Behinderung der Betriebsratsarbeit nach § 119 Abs. 1 Nr. 2 BetrVG, was eine Straftag wäre und mit Geldstrafe oder Haft bis zu einem Jahr bestraft würde.



Auch über Lidl, Kikxxl, Massimo, trans-o-flex (t-o-f), Sparkasse Regen-Viechtach und Kötter gibt es leider nichts Gutes zu berichten:

aus ver.di publik 8/2019:

Die Angriffe abwehren


UNION BUSTING - Wenn Gewerkschaftsmitglieder im Betrieb beim Einsatz für Beschäftigte behindert werden, sind Solidarität und Unterstützung durch ver.di besonders wichtig


Von Heike Langenberg

Immer wieder erreichen uns Berichte darüber, wie Arbeitgeber versuchen, engagierte Kolleg*innen an ihrem Einsatz für die Rechte der Beschäftigten zu hindern, quer durch alle Branchen, quer durch die Republik. So hatte Aytekin Erayabakan unlängst wieder einmal ­einen Gütetermin vor dem Arbeitsgericht in Augsburg. Tagtäglich ist er im Lidl-­Zentrallager Graben Angriffen seitens der Geschäftsführung ausgesetzt, seine Vorgesetzten können offenbar nicht damit umgehen, dass er eine der treibenden Kräfte für die erste Betriebsratswahl dort gewesen ist, und wollen ihn deshalb loswerden. Mehrfach hat die Geschäftsführung versucht, ihm zu kündigen. Jetzt versucht sie es erneut. Aber Aytekin Erayabakan erlebt auch viel ­Solidarität und Unterstützung bundesweit, ob persönlich, im Internet oder bei den Verhandlungen. Und er sagt, das gebe ihm viel Kraft im täglichen Kampf.

Grobe Behinderung


Unterstützung benötigen auch die Kolle­g*innen des Callcenters Kikxxl. In Dortmund störten Führungskräfte eine Veranstaltung, bei der ver.di über Betriebs- ratswahlen informierte. ­Eine „grobe Behinderung unserer Gewerkschaftsarbeit“, nennt ver.di-Sekretär Matthias Baumann solches Auftreten.

In Bochum war drei Wochen zuvor drei Mitarbeiter*innen des Callcenters gekündigt worden, die dem Arbeitgeber die Einladung für die Wahlversammlung zur Einleitung einer Betriebsratswahl übergeben hatten. Dagegen hat ver.di bereits Klage eingereicht, ein Wahlvorstand ist seit zwei Wochen im Amt. Auch in München musste ver.di die Gerichte bemühen, damit die Beschäftigten der dortigen Filiale der Textilkette Massimo Dutti einen Betriebsrat wählen können. Es war zu massiven Einschüchterungsversuchen und Schikanen gekommen, eine gekündigte Kollegin erhält Rechtsbeistand von ver.di vor Gericht.

Die Vorgänge führen auch strafrechtlich zu einem Nachspiel, da Urkunden gefälscht wurden und offizielle Erklärungen der Gewerkschaft verschwunden sind. „Im Textilhandel scheint man sich gerade im Wettbewerb um den Titel des härtesten Arbeitgebers zu befinden“, so Felix Bußmann, ver.di-Verantwort­licher für die Betriebsratswahl. Massimo Dutti gehört wie Zara zur spanischen Inditex-Gruppe.

Über das Medizin-Logistikunternehmen trans-o-flex (t-o-f) hat ver.di publik bereits im Frühjahr berichtet. Damals wurde der südhessische Standort Knall auf Fall geschlossen. Jetzt soll in Nordhessen die Betriebsratsvorsitzende Yvonne Langner aus dem Betrieb geklagt werden. Sie soll vor Gericht manipulierte Unterlagen vorgelegt und so dem Arbeitgeber geschadet haben. ver.di hält die Vorwürfe gegen Langner für absurd und den geschilderten Sachverhalt für konstruiert.

Das Vorgehen ist nicht neu: Engagierte Betriebsrät*innen sind dem trans-o-flex Konzern ein Dorn im Auge. Wer nicht kuscht, wird fertiggemacht, ist zu hören. Informationen müssen mühsam eingefordert und Beteiligungsrechte eingeklagt werden. Ständig drohen arbeitsrechtliche Konsequenzen. Lohn wird einbehalten, Ansprüche müssen geltend gemacht werden. Das Betriebsratsbüro taugt allenfalls als Besenkammer. Das alles nimmt Yvonne Langner hin. Seit 15 Jahren arbeitet sie bei trans-o-flex. „Vor Problemen wegzulaufen, ist nicht mein Ding. Bevor ich mich aufrege, versuche ich lieber, es zu ändern“, sagt die 43-Jährige.

4.000 Unterschriften


Vor dem Verwaltungsgericht München hat jüngst der Dienststellenleiter der Sparkasse Regen-Viechtach zwei Verfahren verloren. Er wollte die Personalratsvorsitzende aus dem Gremium ausschließen lassen und sich die Zustimmung zu deren außerordentlicher Kündigung ­einholen. ver.di hat die Kollegin unter anderem mit 4.000 gesammelten Unterschriften unterstützt. Die Sicherheitsfirma Kötter hat Ende Oktober versucht, den hauptamtlichen ver.di-Kollegen Özay Tarim mit einer Unterlassungserklärung mundtot zu machen. Er hatte die Arbeitsbedingungen des Sicherheitsdienstleisters am Düsseldorfer Flughafen kritisiert.

Leider hat diese Auflistung keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Immer wieder werden engagierten Gewerkschafter*innen Steine in den Weg gelegt, wenn sie sich für ihre Kolleg*innen und ihren Betrieb im Sinne des Betriebsverfassungsgesetzes stark machen. Aber die hier aufgeführten Fälle zeigen, wie wichtig die Unterstützung einer starken Gemeinschaft wie ver.di ist – rechtlich wie solidarisch.

Dienstag, 21. Januar 2020

Für einen Tarifvertrag – Der Kampf bei Amazon geht weiter ...


Worum geht es? Seit ein paar Jahren kämpft die Gewerkschaft ver.di für einen Tarifvertrag bei Amazon. Dieser soll sich an den Gehältern im Handel orientieren und nicht an den schlechter bezahlten Standards aus der Logistik-Branche. 


Denn es stellt sich die Frage: Ist Amazon nur ein reines Logistik-Unternehmen oder nicht vielmehr das größte Online-Handelsunternehmen auf dem deutschen Markt?


Ein dickes Brett, das die Gewerkschaft ver.di hier zu bohren hat – aber immer mehr Beschäftigte schließen sich den Streiks und Aktionen an. Selbst an US-Standorten finden sie mittlerweile statt.

Allen Verdianern bei Amazon weiterhin viel Durchhaltevermögen und einen langen Atem beim Durchsetzen dieses wichtigen Tarifvertrages!

In folgendem Video sieht man, wie erfolgreich der Kampf für Tarifverträge in anderen Branchen und Unternehmen bereits geführt wurde:



Quelle: youtube / ver.di tv




Freitag, 17. Januar 2020

Wider die schwarze Null


aus ver.di publik 8/2019

ZUKUNFT - Arbeitgeber und Gewerk­schaften wollen Investitionsoffensive



Die Berliner Republik muss in ihre Zukunft investieren. Deutschland verfehlt die Klimaziele, die Schulen und Universitäten sind marode, der Strom kommt nicht von Nord nach Süd und das Internet lahmt. Seit der Jahrtausend­wende ist zu wenig Geld in die Infrastruktur unseres Landes geflossen. Allein der kommu­nale Investitionsstau beläuft sich auf 138 Milliarden Euro. Doch damit nicht genug: In den Kitas, Schulen, Krankenhäusern, Altenheimen und beim ÖPNV fehlt es an Personal. Der Bundesverband der Deutschen Industrie, BDI, und der DGB haben nun die Merkel-Regierung aufgefordert, eine Investi-tionsoffensive zu starten. Ein Jahrzehnt lang sollen zusätzlich 45 Milliarden Euro pro Jahr in Bildung, Klimaschutz, Verkehr und Digitalisierung gesteckt werden. Aus dem laufenden Haushalt ist das nicht finanzierbar. Gewerkschaften und Industrie schlagen daher vor, die Ausgaben über Kredite zu finanzieren. Dafür soll die schwarze Null geopfert und die Schuldenbremse gelockert werden.


Das Arbeitgeberlager vollzieht dabei eine 180 Grad-Wende. Jahr­zehntelang wollten Henkel, Rogowski, Kempf & Co die „Bestie Staat“ aushungern. Mit Steuersenkungen und Schuldenregeln wurden den Kommunen, Ländern und Bund Fesseln angelegt. Jetzt aber leiden die Unternehmen unter maroden Straßen, schlecht qualifizierten Auszubildenden und verstopften Datennetzen. Nun soll also der Staat in die Infrastruktur investieren. Liebend gern würden die Arbeitgeber dafür die Rente kürzen oder weniger Geld für Gesundheit ausgeben. Dieser Sozialabbau ist aber gesellschaftlich und politisch nicht durchsetzbar. Und da niemand auf die Idee kommen soll, die Steuern auf hohe Gewinne, Einkommen und Vermögen zu erhöhen, soll der Staat jetzt Schulden machen. Kurzfristig ist das ökonomisch und sozial sinnvoll. Mittelfristig sollten Unternehmen, Spitzenverdiener und Vermögende wieder angemessen an der Finanzierung der öffentlichen Aufgaben beteiligt werden.

Freitag, 10. Januar 2020

WELTBILD-Konsolidierung: Versand und Filialbetriebe jetzt in einer Gesellschaft


Bisher wurden Filialgeschäft und Versandhandel bei WELTBILD in zwei getrennten GmbH abgebildet. Zum Jahreswechsel wurden die beiden Vertriebswege in einer Gesellschaft zusammengefasst. Die Interessenvertretungen bewerten die Vereinigung grundsätzlich positiv als Zeichen der weiteren Konsolidierung. Auch die parallele Rückführung zwischenzeitlich abgetrennter Gesellschaften wie buecher.de in die WELTBILD Holding ist ein gutes Zeichen. Sie zeigt das Vertrauen des Gesellschafters in das Geschäftsmodell. 

Die Vereinigung von Filialen und Versand erfolgte juristisch in der Form einer "Anwachsung". Etwas vereinfacht bedeutet das: Die Weltbild Filialvertrieb GmbH und Co. KG wurde aufgelöst, ihre Besitzstände und Verpflichtungen gingen 1:1 an die WELTBILD GmbH & Co. KG über. In der Folge wechselte auch der Arbeitgeber für die Beschäftigten. Sämtliche früheren WBF-Angestellten sind seit 01.01.2020 Angestellte der WELTBILD GmbH & Co. KG.

Keine Betriebsänderung
Dieser Vorgang ist keine Betriebsänderung im Sinne des Betriebsverfassungsgesetzes und damit weder mitbestimmungspflichtig noch gibt es einen Grund für einen Interessenausgleich. Letzteres schon deshalb nicht, weil keinem der betroffenen MitarbeiterInnen irgendwelche Nachteile entstanden wären, die man ausgleichen müsste/könnte.

Trotzdem besteht eine Informationspflicht des Arbeitgebers gegenüber dem Betriebsrat, die dieser auch gewissenhaft erfüllt hat. Der Sachverhalt wurde dem Gremium ausführlich dargestellt  und alle Fragen dazu beantwortet. Außerdem haben sowohl der Gesamtbetriebsrat der Filialen als auch der BR in Augsburg die Möglichkeit erhalten, den Vorgang durch Anwälte und Sachverständige unserer Wahl prüfen zu lassen. Die Ergebnisse dieser Prüfung liegen nun vor.

Die Juristen unterscheiden zwischen "gesellschaftsrechtlichen" und "betrieblichen" Strukturen. Gesellschaftsrechtlich ändert sich durch die Anwachsung einiges, betrieblich aber nichts, weil die Leitungsstrukturen und die Arbeitszusammenhänge sowohl in den Filialen als auch in der Augsburger WBF-Zentrale unverändert bleiben. Deshalb sind die Veränderungen für die Beschäftigten faktisch nicht spürbar.

Mitbestimmung neu aufgestellt
Etwas anders sieht es im Bereich der Mitbestimmung aus. Die Vereinigung erforderte die formale Erneuerung des Gesamtbetriebsrats und des Wirtschaftsausschusses des Betriebsrats. Diese Neukonstituierung haben die Interessenvertretungen gestern gemeinsam vollzogen, und zwar so, dass sich auch hier faktisch nichts ändert: Julia Käding und Daniel Schmitz sind weiterhin die Vorsitzenden des GBR. Das Gremium heißt jetzt nur anders, nämlich "Gesamtbetriebsrat der WELTBILD GmbH & Co. KG/Jokers GmbH & Co. KG" – die Weltbild Filialvertrieb GmbH und Co. KG existiert ja nicht länger, ist also aus dem Namen des Gremiums verschwunden. Der Wirtschaftsauschuss muss unter den neuen Voraussetzungen auf der Ebene des GBR gebildet werden. Auch das wurde pragmatisch gelöst: Im Wirtschaftsausschuss sitzen jetzt die Mitglieder der Vorgänger-Ausschüsse gemeinsam.

Außerdem erzielten die BetriebsrätInnen wir Einigkeit über die Geltungsbereiche der bestehenden Betriebsvereinbarungen: Die Betriebsvereinbarungen der WELTBILD GmbH & Co. KG, die mit dem dort bestehenden Betriebsrat geschlossen wurden, gelten weiterhin für alle Beschäftigten am Standort Augsburg, also auch für die KollegInnen des früheren Gemeinschaftsbetriebs der Filial-Verwaltung.
Die Betriebsvereinbarungen, die mit dem Gesamtbetriebsrat der früheren Weltbild Filialvertrieb GmbH & Co. KG in originärer Zuständigkeit oder per Übertragungsbeschluss geschlossen wurden, gelten weiterhin für sämtliche MitarbeiterInnen der Filialbetriebe von Jokers und WBD inklusive der GebietsverkaufsleiterInnen, die den Wirtschaftsräumen zugeordnet wurden.

Betriebsvereinbarungen gelten weiter
Der neue Gesamtbetriebsrat hat ein entsprechendes Schriftstück vorbereitet und geht davon aus, dass der Arbeitgeber dieses ebenfalls unterzeichnet, da hier letztlich nur die ohnehin bestehende Rechtslage nochmals klargestellt wird.

Faktisch ändert sich also auch im Bereich der Interessenvertretung nichts: Der Augsburger Betriebsrat unter dem Vorsitz von Timm Boßmann und Dolores Sailer bleibt für die Betriebe und Gesellschaften am Standort Augsburg zuständig (also die WELTBILD Deutschland, Jokers und die Editionen), der GBR unter dem Vorsitz von Julia Käding und Daniel Schmitz kümmert sich um die Belange der MitarbeiterInnen in den Filialen von WELTBILD und JOKERS.

Freitag, 20. Dezember 2019

Tolles Jahr – aber etwas fehlt…


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ihr habt es sicher schon bemerkt: Die Blog-Redaktion freut sich auf den Winterschlaf und ist bereits tiefenentspannt. Wir haben uns ein bisschen Ruhe verdient, meinen wir.

Nachdem 2018 extrem konfliktreich war, haben wir in 2019 sehr viel Energie in die Vermittlung von Maßnahmen und Vereinbarungen gesteckt, die ein Jahr zuvor so gar nicht denkbar gewesen wären: Gesundheitsschutz, Umzugsplanung, Integration der WBF und Mitwirkung bei der Personalplanung. Der Betriebsrat hat 2019 extrem viel erreicht und wir haben das publizistisch begleitet.

Dazu kamen etliche allgemeinpolitische Themen: der um sich greifende Rechtsextremismus in unserem Land, die Europawahl oder die Fridays-for-Future-Bewegung, um nur einige zu nennen. Außerdem immer wieder Angriffe von Arbeitgebern auf KollegInnen, die sich als BetriebsrätInnen oder GewerkschafterInnen für andere stark machen.

Wir haben in diesem Blog stets Stellung bezogen und bei vielen Auseinandersetzungen auch persönlich unterstützt. Darum sind wir im Moment tatsächlich ein bisschen erschöpft.



Aber das wird sich nach der Weihnachtspause ändern: Für das kommende Jahr haben wir uns vorgenommen, das Thema Tarifbindung in den Fokus zu nehmen. Der Tarifvertrag „Buchhandel und Verlage in Bayern“ gilt für WELTBILD-KollegInnen nur noch in der Nachwirkung. Tarifliche Lohnerhöhungen gehen an uns vorbei. EIne Runde haben wir bereits verpasst. Während die Mieten kontinuierlich steigen und die Spritpreise voraussichtlich nächstes Jahr explodieren werden, sind unsere Gehälter eingefroren.

In 2019 hat der Arbeitgeber nach dem Nasenprinzip Lohnerhöhungen an einzelne verteilt. Wir sind sicher, dass jeder und jede dieses Geld redlich verdient hat. Aber alle anderen arbeiten ebenfalls hart und haben genauso Anspruch auf die Anpassung ihrer Gehälter an die steigenden Lebenshaltungskosten. Dafür wollen wir im kommenden Jahr mit euch gemeinsam kämpfen.

Aber bevor wir wieder in den Ring steigen, wünschen wir euch frohe Weihnachten im Kreise eurer Lieben und ein gesundes, erfolgreiches und glückliches neues Jahr.

Glück auf! Eure Blog-Redaktion

Donnerstag, 5. Dezember 2019

Klimawandel muss nichts Schlechtes sein ...


Am 28. November 2019 lud der Betriebsrat die Belegschaft zur letzten Betriebsversammlung des Jahres ein, die nach den Zeiten harter Auseinandersetzung mit der Geschäftsführung, von schier unglaublicher Harmonie geprägt war.

Zu Beginn begrüßte der BR-Vorsitzende Timm Boßmann die Kolleginnen und Kollegen, sowie CEO Christian Sailer, Björn Minnier und Personalchef Manfred Ries aus der Geschäftsleitung. Er betonte, dass sich die Zusammenarbeit der Betriebsparteien in den letzten Monaten wieder deutlich verbessert hat. "Wir haben uns wieder zusammengerauft" umschrieb er den langen Weg zurück zu einem normalen und konstruktiven Umgang.
Dadurch wurde es endlich auch wieder möglich, in vielen wichtigen Punkten, Positives für die Belegschaft und das Unternehmen zu erreichen. Grundlage dafür ist ein regelmäßiger, offener Informationsaustausch, lösungsorientierte Verhandlungen und die Bereitschaft die Perspektive der anderen Seite im Blick zu behalten.  
Mit der Beteiligung des Betriebsrats an der Personalplanung, sowie der Anerkennung des gemeinsamen Betriebs der Weltbild GmbH & Co. KG und der Weltbild Filialvertriebsgesellschaft, sind  dann auch die zwei elementaren Streitpunkte beigelegt worden. 
Im Fortgang der Veranstaltung stellten dann Mitglieder des Gremiums die weiteren Ergebnisse der Arbeit des Betriebsrats vor.

  Der große Umzug  (Dirk Neu) 
Angestrebt war die Zusammenführung von bisher räumlich getrennten Abteilungen bereits im Herbst 2018. Da die ersten Planungen für sehr viele Kollegen eine Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen mit sich gebracht hätten und auch zentrale Vorgaben der Arbeitsstättenverordnung nicht eingehalten wurden, hat der Betriebsrat seine Zustimmung verweigert und Nachbesserungen gefordert. Erst durch die Anmietung neuer Büroflächen konnte das Projekt dann im September 2019 durchgeführt werden. Bei Feinjustierungen und Nachbesserungen wurde auf dem "kurzen Dienstweg" zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung zügig Einigkeit erzielt, so dass sich das Ergebnis für beide Seiten positiv gestaltet hat. Vor allem für die Mitarbeiter war das Stühlerücken dann letztlich ein Gewinn, was die Qualität ihrer neuen Arbeitsplätze angeht. Dass aber nicht alles eitel Sonnenschein ist, deutet sich im Bereich Marketing an, wo aufgrund von Neueinstellungen bereits wieder ein gewisser Platzmangel herrscht. Der BR wird auf diesen Bereich ein besonderes Auge haben, damit nicht wieder eine unzulässige Verdichtung stattfindet.

Betriebsvereinbarungen im Bereich Software (Jürgen Puschmann)
Der zentrale Punkt bei neu eingeführten Programmen und Veränderungen an bereits verwendeter Software ist, dass der Schutz der MitarbeiterInnen gewährleistet sein muss. Es gilt zu verhindern, dass eine personenbezogene Auswertung mit dem Ziel einer Leistungskontrolle durchgeführt werden kann. Zusätzlich müssen die Zugriffsrechte für bestimmte Usergruppen und die Dauer der Datenspeicherung festgelegt sein. Ausnahmen können nur mit Erlaubnis des Betriebsrats gemacht werden.
Zu folgenden Programmen wurden Betriebsvereinbarungen geschlossen, beziehungsweise bereits bestehenden mit verbindlichen Ergänzungen versehen:
  • neue SAP Systeme
  • JIRA-Service-Desk
  • neue Drucker
  • AFI (Rechnungs-Genehmigung)
In Planung:
  • neues Zeiterfassungssystem
  • Windows 10
Maßnahmen zur Senkung der psychischen Belastung (Hannes Walk)
In der seit 2016 verschleppten und vor sich hindümpelnden Umsetzung notwendiger Verbesserungen für die Belegschaft, hat sich im Zuge der von HR-Chef Ries einberufenen Einigungsstelle, wirklich viel getan. So sind inzwischen in allen Bereichen Maßnahmen umgesetzt worden oder stehen zumindest kurz davor. 
  1. Zur Bekämpfung der körperlichen Beschwerden aus sitzender Tätigkeit und Bildschirmarbeit fanden mehrere Workshops statt. Dort wurden Möglichkeiten aufgezeigt, wie man Rückenbeschwerden, Nackenschmerzen und Verspannungen mit keinen Übungen selbst zu Leibe rücken kann.   
  2. Im Zuge des großen Umzugs wurden die räumlich bedingten Defizite der einzelnen Arbeitsplätze, soweit es möglich war, beseitigt oder zumindest deutliche Fortschritte erzielt.
  3. Zur Verbesserung des allgemeinen Arbeitsklimas, vor allem was  Führungsstil und  Wertschätzung durch die Vorgesetzten angeht, haben die Betriebsparteien verbindliche Führungsleitlinien vereinbart. Hervorzuheben ist, dass den Führungskräften von Seiten der Geschäftsführung Zeit für ihre Führungsaufgaben neben dem Tagesgeschäft eingeräumt wird und auch Unterstützung in Form von Schulungen zugesagt wurde. Es wird auch eine doppelte  Evaluierung zum Stand Umsetzung erfolgen. Der Betriebsrat führt eine Mitarbeiterbefragung zum Führungsstil durch  und parallel gibt es Feedbackgespräche der Geschäftsleitung mir den Führungskräften. Eine Betriebsvereinbarung ist bereits unterschrieben und die Belegschaft wird zeitnah ausführlich darüber informiert.
  4. Zur Optimierung von "hakeligen" und umständlichen Arbeitsabläufen, wird demnächst eine Art Prozessanalyse durchgeführt bei der Defizite und Verbesserungsmöglichkeiten ermittelt werden sollen. Es geht dabei sowohl um die verwendeten Arbeitsmittel, als auch um die Abläufe im Allgemeinen, sowie Kompetenzen und Kommunikation. Dies wird vom Betriebsrat begleitet und soll den KollegInnen unnötigen Stress bei der tägliche Arbeit nehmen.
 Sicherheit im Betrieb und  Gesundheitsschutz (Manuela Natterer)
  • Es gibt jetzt endlich in allen Gebäuden ausreichende Benennungen und vollständige Listen mit Erst- und Brandschutzhelfern
  • Alle in den Büros verwendeten Elektrogeräte sind geprüft worden und entsprechen den nötigen Sicherheitsanforderungen
  • Über Begehungen wurde sicher gestellt, dass alle Arbeitsplätze die Vorgaben der Arbeitsstättenverordnung erfüllen
  • Durch eine Vorverlegung der Arbeitszeit, hatten die KollegInnen die Möglichkeit der Sommerhitze in ihren Büros zu entgehen 
  • Wo es angebracht ist, wurden Klimageräte und Luftbefeuchter angeschafft
Nach dem Bericht zu Tätigkeit des Betriebsrats hatte CEO Christian Sailer das Wort. Er informierte die Belegschaft über die wirtschaftliche Lage des Unternehmens und die laufenden und geplanten Aktivitäten, um Weltbild weiter zu entwickeln und nach vorn zu bringen.
Wirtschaftlich liegt das Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr über dem Stand des Vorjahrs und über den für 2019 geplanten Umsätzen. Ausschlaggebend für das finale Ergebnis wird allerdings das Weihnachtgeschäft sein, für das er persönlich positive Erwartungen hat. Kern des Erfolgs sind eine Erhöhung der Margen und die Fokussierung auf Eigenproduktionen, die es nur bei Weltbild gibt. Ein entscheidender Schritt hierbei war die Gründung einer eigenen Einkaufsgesellschaft in China. Positiv wirkte sich auch die Schließung unrentabler Filialen aus und die Tatsache, dass der Versand über unser Lager im tschechischen Bor jetzt besser funktioniert.
Der Trend neue Sortimente zu integrieren hat gut funktioniert und wird im nächsten Jahr weiter fortgesetzt. Er nannte hier die Bereiche Ernährung, Spititualität und Gesundheit. Auch die Digitalisierung soll weiter vorangetrieben  werden. Positiv bewertete Sailer die Einbindung neuer Marken, wie Orbisana und Gärtner Pötschke, die nächstes Jahr weiter ausgebaut werden sollen. Nach seiner Darstellung scheint sich Weltbild nun endlich wieder auf Erfolgskurs zu befinden ...
Am Ende seines Vortrags informierte er die Belegschaft über eine geplante Änderung in der Unternehmensstruktur. Wie in der Schweiz und Österreich, sollen  nun auch in Deutschland die Filialen nicht mehr über eine separate Gesellschaft betrieben werden. Er kündigte an, dass die Weltbild Filialvertriebsgesellschaft im Zuge einer "Anwachsung" noch dieses Jahr in der Weltbild GmbH & Co. KG aufgehen wird. Für die Angestellten würde sich durch diesen Schritt nichts ändern, vielmehr würde die Struktur der Weltbild Gruppe nun klarer und transparenter, was für zukünftige Kreditgeber ein positives Zeichen ist. 

 Zum Abschluss der Veranstaltung trat nochmals Timm Boßmann ans Rednerpult und ergänzte die Liste der abgeschlossenen Betriebsvereinbarungen um zwei weitere:
  1. Für die außertrariflich angestellten Mitarbeiter wurde die Möglichkeit festgeschrieben, ihren variablen Gehaltsanteil von Zielerreichungsprämien zu entkoppeln und den faktischen "Gehaltsverzicht" über einen Freizeitausgleich in Form von zusätzlichen Urlaubstagen zu kompensieren.
  2. Die Vergütung von Praktikanten wurde einheitlich geregelt und die maximale Praktikumsdauer auf 6 Monate festgelegt ,um sie nicht als billige Arbeitskräfte weiter beschäftigen zu können.

Dann, nach knappen zwei Stunden, bedankte sich Timm Boßman für das zahlreiche Erscheinen und wünschte den KollegInnen eine schöne und entspannte Weihnachtsfeier, die direkt im Anschluss stattfand.

Freitag, 29. November 2019

125 Jahre Gewerkschaftlicher Rechtsschutz



Am 1. November 1894 eröffnete in Nürnberg das erste Arbeitersekretariat, eine Anlaufstelle für rechtssuchende Arbeiter*innen. Es markiert damit den Beginn der institutionalisierten Rechtshilfe bei Gewerkschaften. Heute ist der Rechtsschutz ein selbstverständlicher Teil der Mitgliederleistungen, auch bei ver.di. Mitglieder haben einen in der ver.di-Satzung verankerten Anspruch darauf, in rechtlichen Fragen beraten und im Konfliktfall auch gegenüber ihren Arbeitgebern oder den Sozialversicherungsträgern vor Gericht vertreten zu werden. Zum Teil erbringen sie diese Leistung durch eigene Beschäftigte, zum Teil durch die DGB Rechtsschutz GmbH.

Rechtsschutz sichern, bevor Du ihn brauchst? Hier lang: https://www.verdi.de/ueber-uns/mitmachen 


Der Beginn des Rechtsschutzes als breit aufgestellte Institution ist die Gründung der Arbeitersekretariate. Zwar gab es schon Anfang des 19. Jahrhunderts, insbesondere im Bergbau, sogenannte Rechtsschutzvereine, die den Bergleuten bei ihren Beschwerden gegen die Oberbergämter halfen. Mit den Arbeitersekretariaten dehnte sich diese Möglichkeit jedoch auf die gesamte Arbeiterschaft aus. Der Rechtsschutz war umfassender und professioneller.


Hinzu kam, dass durch die Bismarck'sche Sozialgesetzgebung Ende des 19. Jahrhunderts zwar neue Ansprüche für die Arbeiter*innen geschaffen wurden, diese waren jedoch zum Teil nur schwer zu verstehen und noch schwieriger durchzusetzen. Das Bedürfnis an qualifizierter Rechtsberatung war also erheblich gewachsen. Nicht verwunderlich ist daher, dass das 1894 gegründete Arbeitersekretariat in Nürnberg nicht nur schnell wuchs, sondern auch viele Nachahmer fand. Bis zu Beginn des Ersten Weltkriegs wuchs die Zahl die Arbeitersekretariate auf insgesamt 127.

Ursprünglich gegründet, um Hilfestellung in sozialversicherungsrechtlichen Fragen zu geben, beschäftigte sich das Arbeitersekretariat mit einer Vielzahl von Rechtsfragen. Ab 1906 traten die Arbeitersekretäre auch bei Gericht auf. Sie verstanden sich aber als Streiter für das Recht der Arbeiter in einem umfassenden Sinne. Viele Arbeitersekretäre engagierten sich politisch, traten als Redner bei Gewerkschaftsversammlungen auf und waren lokal gut vernetzt.

Der erste Arbeitersekretär, Martin Segitz, wurde im März 1919 Präsident und Innenminister der bayerischen Räterepublik, andere Arbeitersekretäre waren Abgeordnete, Minister, oder gar Reichskanzler. Der prominenteste Arbeitersekretär ist zweifellos der spätere Reichspräsident Friedrich Ebert.


Quelle: verdi 
Bild: flickr, "John, Justice or In-justice-1&", CC-Lizenz (CC BY-SA 2.0)

Dienstag, 26. November 2019

Einmal reich, immer reich


aus https://publik.verdi.de/2019/ausgabe-06/gesellschaft/meinung/seite-15/einmal-reich-immer-reich

EINKOMMEN - Nie waren die Unterschiede so groß wie zurzeit


Polarisierung und Verfestigung, das war der Titel eines Referats, das die Soziologin Dorothee Spannagel vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung auf dem ver.di-Bundeskongress gehalten hat. Es beschreibt die traurige Realität der Verteilungs­ungerechtigkeit in Deutschland. Mehr Arme, mehr Reiche, die Gesellschaft driftet immer weiter auseinander. Und das betrifft nicht nur die Verteilung der Ver­mögen. Eine Anfang Oktober vorgestellte WSI-Studie kommt zu dem Schluss, dass die Ungleichheit bei den Einkommen in Deutschland einen neuen Höchststand erreicht hat, trotz guter Konjunktur und niedriger Arbeitslosigkeit. Gemessen wird diese Ungleichheit in dem sogenannten Gini-Koeffizienten. Der ist hoch wie nie zuvor. Das spürt man besonders an den Rändern. Arm wird ärmer, reich wird reicher, auch, weil die Einkommen sich auseinander­entwickeln.

Bis zum Jahr 2005 hat es schon mal einen starken Schub gegeben, nach der Wirtschaftskrise, also etwa ab 2010, so stellen die Wissen­schaftler*innen fest, hat die Einkommensungleichheit erneut stark zugenommen – und diesmal besonders der Abstand vom unteren zum oberen Rand. Die materiellen Mittel der Armen sind so gering, dass immer mehr Menschen nicht mehr am kulturellen oder sozialen Leben teilhaben können. Sie sind ausgeschlossen von weiten Bereichen des alltäglichen Lebens in diesem Land. Und nicht nur das, denn je ungleicher die Einkommen sind, desto ungleicher sind die Lebenschancen. „Einmal reich, immer reich“, sagte Spannagel in ihrem Vortrag. Hinzu kommen steigende Mieten, die diese Situation weiter verschärfen.

Es muss endlich umverteilt werden. Reiche Haushalte müssen über höhere Steuern ihren Beitrag leisten. Niedrige Einkommen müssen durch einen höheren Mindestlohn aber auch durch eine stärkere Tarifbindung und arbeitsmarktpolitische Maßnahmen aufgewertet bzw. abgesichert werden. Sonst wird das nichts mit Gerechtigkeit.

Donnerstag, 21. November 2019

Einladung zur Betriebsversammlung


Die nächste Weltbild-Betriebsversammlung ist am Donnerstag den 28.11. 

Wie üblich findet die Versammlung in der Böwe-Kantine statt.
Die Veranstaltung beginnt um 13:30 Uhr.


Alle Beschäftigten der WBD in Augsburg und erstmals auch alle Beschäftigten der WBF-Zentrale in Augsburg sind herzlich eingeladen und können daran teilnehmen. 

Hierzu ein Hinweis:  Betriebsversammlungen haben Vorrang vor anderen Terminen im Betrieb. Andere Termine sollten in diesem Zeitraum nicht angesetzt bzw. nach Möglichkeit verschoben werden.

Worum geht es?


Auf dem Programm stehen unter anderem neue Betriebsvereinbarungen und Regelungsabsprachen, die zwischen Betriebsrat und der Unternehmensführung vereinbart wurden sowie ein Bericht der Geschäftsführung über den Verlauf des Geschäftsjahres und die wirtschaftliche Entwicklung bei Weltbild.

An dieser Stelle auch wieder der Hinweis an die Kolleginnen oder Kollegen in Teilzeit:
Auf Grund des Kantinenbetriebs bei Böwe kann die Veranstaltung nicht am Vormittag stattfinden.




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