Als letztes Jahr in einer Betriebsversammlung angekündigt worden ist, dass bei Weltbild ein betriebliches Gesundheitsmanagement eingeführt wird, haben sich viele Mitarbeiter sehr gefreut. Diese, aus einer Grazil-Befragung entstandene Erkenntnis, dass wir in Sachen Gesundheit was tun müssen, war endlich ein Schritt in die Zukunft.
Diese Botschaft haben wir damals sehr gut angenommen. Meine Kollegen und ich waren so euphorisch, dass wir beschlossen haben, endlich mehr Sport zu treiben, gesunde Koch-und Backrezepte auszutauschen, uns gegenseitig zu unterstützen und diese Vorhaben nicht aufzugeben.
Sogar heute können wir uns an das Gesagte in der Betriebsversammlung erinnern:“ Wir wollen einen neuen Weg gehen, gemeinsam werden wir mehr für unsere Gesundheit und das Betriebsklima tun!“
Ein sehr ehrgeiziges Ziel, bei allen Vorhaben an mögliche Über-und Fehlbeanspruchungen der Mitarbeiter zu denken! Ich wünsche mir und allen Mitarbeitern, dass dieses schöne Ziel irgendwann zu unserer Unternehmenskultur wird!
Das Unternehmen verspricht sich aus dem BGM eine hohe Motivation und Leistungsbereitschaft seiner Mitarbeiter, sowie deren steigende Arbeitsfähigkeit.
Der Mitarbeiter aber hofft auf bessere Arbeitsbedingungen, weniger Leistungsdruck, gutes Betriebsklima, Wertschätzung, Lob und Anerkennung seitens der Vorgesetzten.
Es hat sich einiges bei uns getan Richtung Gesundheit: das Essen in der Kantine ist besser geworden; Trinkwasser- Spender wurden überall aufgestellt, Getränke-und Kaffeeautomaten verfügen über ein reichhaltiges Angebot und in der kalten Jahreszeit überall dort, wo die Hallen- Temperaturen nicht über 13 Grad stiegen, gab es sogar auf Anregung vom Betriebsrat kostenlosen warmen Tee.
Auch der technischer Arbeitsschutz und Notfall-und Krisenmanagement funktionieren mehr oder weniger gut. Betriebsbegehungen werden zur Regelmäßigkeit, der Suchtleitfaden wird angewendet und die Unterweisungen für die Leiharbeiter mit dem Patenkonzept wurden ebenfalls als Maßnahme aus Grazil auf die Beine gestellt.
Doch was ist mit so gennannten “weichen“ Faktoren im Gesundheitsschutz? Wessen Aufgabe ist es, die Unterstützung bei Stress, Leistungs-und Zeitdruck, bei sozialen Konflikten, bei Über/Unterforderung, Arbeitsverdichtung und anderen psychomentalen Belastungen zu leisten und bei der Bewältigung der Aufgaben zu helfen?
Ich meine, unsere Führungskräfte müssen sich um die Mitarbeiter kümmern und ein besseres Betriebsklima erzeugen.
Doch das Bewusstsein darüber, dass die Vorgesetzten eine Fürsorgepflicht für ihre Mitarbeiter haben müssen, scheint nicht bei unseren Führungskräften angekommen zu sein.
Der Umgangston in manchen Abteilungen ist rau, der Leistungsdruck ist ständig präsent.
Probleme der Mitarbeiter werden nicht bemerkt, bzw. nicht angesprochen, Stärken und Schwächen jedes Einzelnen werden nicht erkannt. Die Bedürfnisse und Entwicklungswünsche werden nicht erfragt. Es werden keine Perspektiven besprochen, keine Schulungen angeboten und die Fachkompetenzen nicht weiterentwickelt.
Wo bleiben die Monats/Abteilungsbesprechungen? Braucht eine Führungskraft kein Feedback von den Mitarbeitern?
Werden die schönen BGM- Ziele nicht an die Führungskräfte weiter gegeben? Oder bilden womöglich unsere Kommunikationskanäle einen ewigen Stau?
O.K. BGM ist ein lernendes System.
Hoffentlich lernen wir schnell daraus, dass es nicht reicht, wenn alle Feuerlöscher vorhanden sind und die Fluchtwege ausreichend bemessen sind. Wir müssen lernen, dass der Mitarbeiter selbst und seine psychomentale Gesundheit im Vordergrund stehen, denn das größte Gut, das ein Unternehmen besitzt sind seine Mitarbeiter.
Die Mitarbeiter sind es, die das Unternehmen erfolgreich machen, Gewinne erwirtschaften und seine Marktposition stärken!
Ich bin gespannt, wann diese Tatsachen bei den Verantwortlichen ankommen…

