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Freitag, 27. Februar 2015

Update zur Karstadt Story


Wir hatten im November 2014 über Karstadt berichtet.

Damals bestand, ähnlich wie bei Weltbild mit Droege, noch die Hoffnung, dass Benko eine Art "weißer Ritter" wäre und Karstadt mit einem klaren Konzept und notwendigen Investitionen wieder auf die Erfolgsspur bringen würde.

Aber auch hier sieht es so aus, als ob die Wirtschaft eben ein Haifischbecken wäre, in dem ein verwundetes Tier nicht aufgepäppelt, sondern gnadenlos zerrissen und aufgefressen wird, egal was vorher für Flötentöne gesäuselt wurden.

Die ver.di Zeitschrift Publik berichtet, hier nur ein Auszug.

Neuer Besitzer mit altem Konzept

Wieder drastische Einschnitte auf Kosten der Beschäftigten
(Gudrun Giese)

Mit der Veräußerung der letzten Anteile an den Premium-, Sport- und Warenhäusern von Nicolas Berggruen an René Benko und seine Signa-Holding im August kam leise Hoffnung auf. Doch bei der Aufsichtsratssitzung am 23. Oktober wurde die Katze aus dem Sack gelassen: Häuserschließungen und Entlassungen sind einmal mehr zentrale "Ideen" des neuen Managements, um Karstadt zu "retten".

"Statt genaue Ursachenforschung zu betreiben, warum Karstadt in der Krise ist, wird überstürzt die Entscheidung gefällt, einzelne Filialen zu schließen und in weiteren Filialen noch mehr Personal abzubauen", sagt Stefanie Nutzenberger aus dem ver.di-Bundesvorstand. Bis zu 300 Arbeitsplätze werden dadurch vernichtet. Der neue Vorstand will weitere 2 000 Stellen in den Warenhäusern und der Essener Zentrale streichen.

Die Betriebsräte der Filialen hätten fortlaufend Vorschläge für strategische Korrekturen gemacht, ohne Erfolg. Die Pläne für Schließungen und Personalabbau seien ohne Kenntnis der Beschäftigten und der Arbeitnehmervertretungen entwickelt worden. Die Betriebsräte und ver.di fürchten, dass der Abbau mit den jetzt angekündigten Einschnitten nicht beendet ist. 

 In den derzeit 83 Karstadt-Häusern geht derweil die Angst um. "Manche Kollegin zittert schon, wenn ein Kunde sie nur auf die aktuelle Situation anspricht. Die meisten wollen keinesfalls auffallen, um nicht ihren Arbeitsplatz zu riskieren." "Es geht nicht, immer weiter auf Geld, Freizeit und Sozialleistungen zu verzichten."

Genau das will die neue Geschäftsleitung den derzeit 17 .000 Beschäftigten zumuten: Keine Rückkehr zur Tarifbindung, Verlängerung der Arbeitszeit und Verzicht auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld, das 2014 dank der ver.di-Tarifkommission gezahlt wird. Neue Konzepte sollen laut Vorstandschef Fanderl 2015 umgesetzt werden; wie die aussehen, ist noch unbekannt. Fest steht, dass Benko aus einem Teil seines neuen Besitzes schon ordentliche Gewinne zieht: Laut Immobilien-Zeitung sollen derzeit 22 der 122 Karstadt-Immobilien im Besitz der Benko-Firma Signa sein. Bei den Premiumhäusern KaDeWe, Alsterhaus und Oberpollinger erhöhte er Anfang des Jahres die Mieten; laut Süddeutscher Zeitung um mehr als 20 Millionen für die nächsten fünf Jahre. Auch in den weiteren Häusern der Signa-Gruppe wurden die Mieten heraufgesetzt.

Die ver.di Zeitschrift Publik berichtet weiter:

Die Zukunft bleibt ungewiss

Schlechtere Arbeitsverträge angeboten

Wie es weitergeht mit den verbliebenen Karstadt-Warenhäusern und ihren 20.000 Beschäftigten, das war auch Ende Januar unklar. Fest steht, dass Eigentümer René Benko Fakten beim Kerngeschäft schafft: Seine Signa-Holding übernimmt die Immobilien der Premiumhäuser KaDeWe, Alsterhaus und Oberpollinger sowie die Karstadt-Häuser in der Stuttgarter Innenstadt und am Kurfürstendamm. Das Stuttgarter Haus gehört zu den Filialen, die in diesem Jahr geschlossen werden. ver.di hatte Benko schon bei der Schließungsankündigung vorgeworfen, hier lediglich ein Haus in bester Lage für eine Vermietung an Filialbetriebe nutzen zu wollen. 20 weitere Karstadt-Immobilien übernimmt Benkos Partner Beny Steinmetz; Benko werde sie anschließend mieten, hieß es in einem Pressebericht.

Beschäftigte berichten, dass sie neue Arbeitsverträge zu schlechteren Konditionen unterzeichnen sollen. Statt der klassischen Verkaufstätigkeit "offeriert" Karstadt ihnen, künftig nur noch Ware zu "verräumen". Wer Personal im Verkauf einsparen wolle, "setzt das Format Warenhaus aufs Spiel", sagt Arno Peukes von ver.di. Die Beschäftigten sollten sich keinesfalls zu Vertragsänderungen nötigen lassen. Die Verhandlungen mit dem Arbeitgeber über Karstadts Zukunft stagnieren derweil.

Gudrun Giese


Auch in der süddeutschen Zeitung ist Karstadt Thema

Für uns leidgeprüfte Weltbild-Mitarbeiter ist dieses Instrumentarium nur allzu vertraut.
Fillialen werden geschlossen oder verkauft, die Personalkosten sollen durch Entlassungen, Einsparungen und durch Herabstufung von Mitarbeitern reduziert werden.
Benkos Firma hat immerhin 1 (einen) Euro für Karstadt gezahlt !
Da kann ja nicht viel schief gehen, vielleicht sollte man auch mal bei solchen Gelegenheiten mitbieten !

Für Karstadt liegt ein 32-seitiges "Zukunftskonzept" vor.
Im Gegensatz zur Süddeutschen Zeitung dürfen wir das in Gänsefüßchen setzen...
Es sollen fast 1600 Mitarbeiter abgebaut werden.
Fast jeder zweite Abteilungsleiter soll das Unternehmen verlassen.
In den Filialen soll eine komplette Führungsebene gestrichen werden.
Die Warenhäuser werden unterschiedlich gewichtet, nach Umsatz und Bedeutung, es gibt sogenannte Kopffilialen und sogenannte Anhängefilialen, für die die Leiter der Kopffilialen mitverantwortlich sein sollen.

Mitarbeiter sollen in Einräumteams abgestuft werden und nur noch nach Logistiktarif bezahlt werden, bis zu 1100 Mitarbeiter wären laut ver.di betroffen und hätten Lohneinbußen von ca. 300 Euro.
Die Produktivität wäre geringer als bei der Konkurrenz.
Grundbesetzung soll nur noch ein Mitarbeiter pro Etage sein !
Warum man dann nicht gleich online bestellen würde, ist intern noch nicht ausdiskutiert worden.
Die Schaufensterdeko wird vereinfacht, weniger Kassen, der Aufwand beim Abkassieren soll minimiert werden, es soll weniger Meetings und Telefonkonferenzen geben.

Wer sich von den Weltbildmitarbeitern noch ein bisschen Sarkasmus und schwarzen Humor aufgespart hat, müsste jetzt eigentlich anfangen zu wiehern bei dieser kreativen Sammlung von Maßnahmen, das kommt einem doch irgendwie bekannt vor.

Es geht nur um Einsparungen an allen Fronten, ein Konzept, warum Kunden bei Karstadt einkaufen sollten, ist nicht zu erkennen, die Vorschläge der Mitarbeiter werden ignoriert.

Einen treffenden Kommentar zu Karstadt findet man bei der Augsburger Allgemeinen.

Montag, 26. Januar 2015

Droeges Kahlschlag: 400 Jobs bei WELTBILD bedroht


Am Freitag hat die Geschäftsleitung der ALSO Logistics dem Betriebsrat ihr Restrukturierungskonzept vorgestellt: 120 Vollzeitstellen sollen wegen schlechter Umsätze entfallen. Umfangreiche Rationalisierungsmaßnahmen gefährden zusätzlich 40 - 60 Jobs. Weitere 30 KollegInnen werden mit Kündigung bedroht, um Urlaubskürzungen und die Erhöhung der Wochenarbeitszeit durchzusetzen. In Summe sind damit in der Logistik rund 200 Vollzeitstellen in Gefahr.

Im November hatte die Geschäftsführung der WELTBILD Retail bereits angekündigt, rund 200 Arbeitsplätze in der Verwaltung streichen zu wollen. Als Grund wurden sinkende Umsätze genannt. Diese sind durch die massive Senkung des Werbeetats aber selbst verursacht worden.

Der Umsatzrückgang schlägt nun direkt auf die Auftragslage der Logistik durch. Deshalb sollen dort weitere 120 Vollzeitstellen gestrichen werden. Nach dem Willen von Hermann Scharl und Hans Schmitz-Wenzel von ALSO sollen tatsächlich hauptsächlich Vollzeitbeschäftigte gehen. JahresteilzeitlerInnen werden geschont, weil sie flexibler einsetzbar sind.

Insgesamt geht es bei Retail und ALSO um 400 Arbeitsplätze

Parallel läuft in der Logistik ein umfangreiches Rationalisierungsprogramm an. Das Ziel: kürzere Durchlaufzeiten und niedrigere Stückkosten, um die Logistik als Dienstleister für andere Unternehmen attraktiv zu machen. So soll das angekündigte Drittgeschäft ins Haus geholt werden. Dagegen ist grundsätzlich nichts zu sagen. Die Dienstleistung für Dritte ist auch Teil des vom Betriebsrat unterstützten WELTBILD-2.0-Konzepts. Eine schnellere Auslieferung ist wichtig, um neue KundInnen zu gewinnen und wieder zu wachsen. Die bessere Auslastung soll die Kosten für WELTBILD senken und Arbeitsplätze sichern.

Betriebsspaltung als Ziel

Während der Betriebsrat aber immer WELTBILD als Ganzes  im Blick hat, geht es den   ALSO-Managern einseitig um die Rendite des Logistikbereichs. WELTBILD ist für sie nur ein möglicher Kunde unter vielen. Das heißt: wenn die Akquise des Drittgeschäfts misslingt oder WELTBILD durch das Wirken von Patrick Hofmann und Sikko Böhm weiter Umsatz verliert, werden mit der Rationalisierung weitere Arbeitskräfte überflüssig. Hans Schmitz-Wenzel und Hermann Scharl nennen eine Zahl „zwischen 40 und 60“.

Hinter den am Freitag vorgestellten Plänen wird sichtbar, dass es dem Mehrheitsgesellschafter Droege mittelfristig um eine Spaltung des Betriebs in Augsburg geht. Damit wäre der Weg frei für eine deutliche Verschlechterung der Tarife in der Logistik. Schon jetzt fordern die ALSO-Manager eine höhere Wochenarbeitszeit und weniger Urlaubstage. Um das durch-zusetzen, haben sie als Gegenwert weitere 30 Vollzeitstellen genannt.

Die Gewerkschaft ver.di und der Betriebsrat lassen sich aber nicht erpressen. Wir stehen weiterhin für den gemeinsamen Betrieb in Augsburg und fordern die Umsetzung des WELTBILD-2.0-Konzepts. Der derzeitige Kurs von Walter Droege bedeutet ein Sterben auf Raten.

Ausverkauf: 70 Filialen weg

Wie katastrophal sich das aktuelle Missmanagement auswirkt, wurde am Freitag nachmittag nochmals deutlich. Am Rande des Infotreffens wurde dem Betriebsrat mitgeteilt, dass sich Walter Droege zum Verkauf von 70 unrentablen WELTBILDplus-Filialen entschlossen habe. Schon wieder weniger Aufträge für die Logistik…

Erste Berichte in der Presse

Augsburger Allgemeine: 400 Jobs und 70 Filialen in Gefahr: Droht Weltbild ein Kahlschlag?

Buchreport: Sterben auf Raten

Süddeutsche Zeitung: Weltbild könnte bis zu 70 Filialen verkaufen

Bayerischer Rundfunk: Weltbild auf dem Weg zum Kahlschlag

Sonntag, 11. Januar 2015

Ein Jahr nach Insolvenzantrag – der Stand der Dinge


Als Carel Halff, Dr. Martin Beer und Josef Schultheis vor einem Jahr den Gang zum Insolvenzgericht antreten mussten, hat kaum jemand an eine Zukunft für WELTBILD geglaubt. Einzig der Betriebsrat und die Gewerkschaft ver.di waren – und sind – überzeugt, dass WELTBILD einen gesunden Kern hat, und die Belegschaft im Gegensatz zum Management gute Arbeit geleistet hat und weiter leistet.

Mit enormen Einsatz haben BR und ver.di für die Zukunft des Unternehmens gekämpft: Wir haben die Kirche dazu gebracht, die soziale Verantwortung für die Pleite zu übernehmen, deren Opfer finanziell abzusichern und mit einem Massekredit den Neustart zu ermöglichen. Wir haben der Politik klar gemacht, dass WELTBILD in der Region unverzichtbar ist, und die Unterstützung der Landesregierung gesichert. Wir haben die Insolvenzverwaltung überzeugt, dass es sich lohnt einen anderen Weg als den der Abwicklung einzuschlagen.

2.000 Arbeitsplätze bis heute gerettet

Der Lohn dieser Überzeugungsarbeit: WELTBILD gibt es noch. Wir haben 2.000 Arbeitsplätze bis heute gerettet: 445 in der WELTBILD Retail, 505 in der ALSO Logistics und ca. 1.000 in den WELTBILDplus-Filialen. 2.000 Menschen haben weitere 12 Monate ihre Gehälter bekommen und davon ihre Familien ernährt. Das ist ein Erfolg.

Rund 1.000 andere Menschen haben ihre Arbeit verloren und sind heute in einer der Transfergesellschaften beschäftigt: 650 KollegInnen von WELTBILD in Augsburg, 300 aus den Filialen. Viele haben noch keinen neuen Arbeitsplatz gefunden. Das ist bitter.

Die Entlassungen waren der Preis, der gezahlt werden musste, um für WELTBILD eine Chance auf Zukunft zu schaffen. Gemeinsam mit der Unternehmensberatung Roland Berger und der Insolvenzverwaltung SchneiderGeiwitz haben wir ein tragfähiges Konzept für den Neustart von WELTBILD entwickelt. Einen Plan, der viele schmerzhafte Schnitte beinhaltete. Etwas anderes kann man nicht erwarten, wenn knallharte Sanierungsexperten von Roland Berger am Tisch sitzen, zusammen mit einem erfahrenen Insolvenzverwalter, der als Vertreter der Gläubiger alles doppelt und dreifach durchrechnet. Betriebsrat und ver.di haben um jeden einzelnen Arbeitsplatz gekämpft, aber das wichtigste Ziel war immer der Fortbestand des Unternehmens. So ist das Konzept WELTBILD 2.0 entstanden: keine sozialromantische Fantasiegeburt, sondern das Ergebnis harter Arbeit von kompetenten Fachleuten innerhalb der Firma und erfahrenen BeraterInnen von außen.

Walter Droege verzockt unsere Zukunft

Das Problem ist: Die von Walter Droege gesteuerte Geschäftsführung setzt WELTBILD 2.0 nicht um. Andererseits können Patrick Hofmann und Sikko Böhm auch kein alternatives Konzept auf den Tisch legen. Mit Gerd Robertz hat das einzige GF-Mitglied mit Buchhandels-Expertise nach nur sieben Wochen die Firma verlassen. Im Streit um die Strategie, wie viele mutmaßen, die es durchaus wissen könnten. Unter der Leitung des Insolvenzverwalters hatte auch Robertz am Konzept WELTBILD 2.0 mitgewirkt.

Die einzig erkennbare Strategie der zurück gebliebenen Droege-Manager ist das Totschrumpfen der Firma: Werbegelder werden gestrichen; der daraus resultierende Umsatzrückgang wird als Argument für die Forderung nach weiteren Entlassungen hergenommen. Die Filialen werden kaum beworben und nur eingeschränkt mit Ware beliefert; das gefloppte Weihnachtsgeschäft soll weitere Schließungen begründen. Als nächstes werden die durch den Umsatzrückgang stark geschrumpften Aufträge der Logistik bejammert werden; das ist absehbar und wird bei der ALSO als Argument für den geplanten Personalschnitt benutzt werden.

Das Schlimmste aber ist, dass die Marke und das Geschäftsmodell von WELTBILD zerstört werden, jeden Tag ein bisschen mehr.

Enttäuschung, Unsicherheit und Misstrauen

Die Stimmung in der Belegschaft ist drei Monate nach dem Droege-Einstieg katastrophal. Drei Gefühle dominieren: ENTTÄUSCHUNG – weil Walter Droege seine Versprechen nicht gehalten hat. UNSICHERHEIT – weil viele wieder um ihren Arbeitsplatz fürchten müssen. MISSTRAUEN – weil Droeges Strategie für alle erkennbar in die falsche Richtung geht.

Auch der Betriebsrat und die Gewerkschaft ver.di sind enttäuscht und wütend, weil Droeges Statthalter in Augsburg jeden Tag neues Porzellan zerschlagen. Das Ergebnis monatelanger, harter Arbeit wird zielstrebig ruiniert, als wolle man Selbstmord verüben aus Angst vor dem Tod.

BR und ver.di weiter gesprächsbereit

Von Seiten der Arbeitnehmer-VertreterInnen hat es zahlreiche Gesprächsangebote gegeben: Wir waren bereit über Führungsstruktur und -gehälter zu verhandeln, genauso wie über unsere Tarifverträge. Wir waren willens, die geltenden Betriebsvereinbarungen zu überprüfen und Abstriche zu machen. Mit uns wären Anpassungen vereinbar gewesen, die dem Unternehmen helfen konkurrenzfähig zu bleiben. Wir wollten Innovationspotentiale innerhalb der Firma heben. Wir waren und sind bereit für jede Strategie, die WELTBILD als Unternehmen nach vorne bringt.

Dagegen beharrt die Droege-Geschäftsführung einseitig auf ihrer Forderung nach einem umfassenden Personalabbau – ohne ein schlüssiges Konzept vorlegen zu können, wie es danach mit WELTBILD weitergehen soll. Wir werden trotzdem weiter mit dem Arbeitgeber sprechen. In der Hoffnung, dass am Ende doch die Vernunft und das Verantwortungsgefühl über die Gier des Düsseldorfer Milliardärs nach dem schnellen WELTBILD-Euro siegen werden. Die nächsten Gesprächstermine sind für Ende Januar vereinbart.

Zum Abschluss noch der Hinweis auf einen Bericht in der Süddeutschen Zeitung vom Samstag: "Allein der Glaube bleibt".

Samstag, 22. November 2014

Solidaritätsadresse der Umweltgewerkschaft


Solidaritätsadresse an die Kolleg(inn)en von Weltbild

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Wir, die Aktivisten der Umweltgewerkschaft, haben von euren aktuellen Schwierigkeiten gehört. Bestürzt verfolgen wir mit Eurer Kollegin und unserer Mitstreiterin zum Aufbau einer Umweltgewerkschaft die unsäglichen Angriffe der Droege Group auf Euch. Bereits die Insolvenz im Januar war mit den Massenentlassungen vieler hundert Kolleg(inn)en eine bittere Erfahrung für Euch. Diese Arbeitsplatzvernichtung betraf neben der Stammbelegschaft in Augsburg auch Leiharbeiter und befristet Angestellte, sowie die Schließung dutzender Filialen. Von den Menschen, die dabei Ihren Job verloren, konnten trotz Versprechungen mit Transfergesellschaft und Weiterbildung nur Wenige wieder vermittelt werden. Der Verlag stand vor der Zerschlagung, die Verantwortlichen stahlen sich aus der Affaire. Ihr habt den Kampf dagegen aufgenommen und dafür über die Stadtgrenzen hinaus breiten Zuspruch für diesen Kampf bekommen.

Nun soll von der Droeger Group wieder für kurzfristigen Profit eine weitere massenhafte Arbeitsplatzvernichtung durchgepeitscht werden. Arbeitsplätze, die uns und unseren Kindern fehlen werden.

Wir von der Initiatorengruppe Augsburg zur Gründung einer Umweltgewerkschaft solidarisieren uns mit eurer Sache.

Umweltschutz bedeutet für uns den Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Dazu gehört auch der Schutz durch Arbeit unser Leben bestreiten zu können. Wir brauchen Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen, die uns nicht krank machen. Arbeitshetze, Existenzkämpfe und –Ängste belasten die Kollegen körperlich und seelisch, sie machen krank. Die Einheit zwischen Mensch, Umwelt, Frieden und Arbeit gehören zu den Grundlagen unseres Lebens. Wir wollen die soziale Frage und die Umweltfrage eng miteinander verbinden, denn die Verursacher, die diese Grundlagen vernichten sind dieselben. Banken und Konzerne, die sich aus Profitstreben nichts um unsere Existenz scheren.

Deshalb werden wir nach unseren Kräften Euren Kampf unterstützen und unter unseren Verbündeten bekannt machen.

Wir haben diese Solidaritätserklärung bei unserem monatlichen Treffen am 13. 11. 2014 beschlossen.

i.V. Uwe Hauser (Ansprechpartner der Initiatorengruppe in Augsburg)

www.umweltgewerkschaft.org

Donnerstag, 13. November 2014

Betriebsversammlung Weltbild 12.11.2014


Wieder einmal hatten wir eine Betriebsversammlung, in der wir uns über Arbeitsplatzbedrohung und Probleme unterhalten mussten, statt über Erfolge, Gewinne und Erfolgsprämien.
Doch dieses Mal wäre das nicht notwendig gewesen, wenn der Investor Herr Droege sein Wort halten würde und die Geschäftsführung die Geschäfte führen würde, statt sie zu verhindern.
Geschäftsverhinderer oder Geschäftsvernichter wäre die richtigere Bezeichnung für diese Herren, so war der Tenor der Versammlung.

Mehrere Male wurde die Forderung laut, statt dreier unfähiger Geschäftsführer fordern wir einen, der sich mit dem Handel auskennt und das Konzept Weltbild 2.0 weiter fortführt.
Diese drei Geschäftsführer und auch der Herr Droege hielten es übrigens nicht für nötig, sich den Fragen der Mitarbeiter zu stellen, sie blieben trotz Einladung der Betriebsversammlung fern, sie kommunizieren lieber über die Presse mit ihren Mitarbeitern.



Der Betriebsratsvorsitzende Peter Fitz eröffnete die Versammlung.

In der letzten Betriebsversammlung jubelten wir noch über den Einstieg von Droege, heute sieht das ganz anders aus.
Droege sagte damals, es werde keine weiteren Entlassungen geben, er möchte Ruhe in dem Laden, Weltbild vernünftig fortführen und er sehe großes Potential in diesem Unternehmen.

Die Übernahme hat sich von Anfang Juli bis Anfang Oktober verzögert.
Das hat Umsatz gekostet, es wurden Werbemaßnahmen reduziert, was automatisch mit weniger Aufträgen einhergeht.
Am 1.10. hat die neue Geschäftsführung übernommen, es gab mehrere Treffen des Betriebsrats mit der Geschäftsführung und bis heute haben wir keine konkreten Aussagen über ein Konzept für Weltbild.
Die Geschäftsführung ist heute nicht anwesend trotz Einladung.

Die Geschäftsführung hat in vielen Abteilungen für Unruhe gesorgt, viele Mitarbeiter haben schon freiwillig das Haus verlassen.
Wo will die Geschäftsführung hin ?
Der Betriebsrat bekam die Aussage, 160 Vollarbeitsplätze sollen abgebaut werden, das sind ca. 200 Mitarbeiter wegen Teilzeitarbeitsplätzen, aber ohne einen Plan, wie Weltbild weitergeführt werden soll.
Man muss vermuten, die Geschäftsführer kennen das Geschäft nicht, ihnen sind nicht einmal die Betriebsvereinbarungen im Detail bekannt.

Die Werbung wurde eingeschränkt, ein TV-Spot wurde abgesagt, die Absage verursacht sicher auch Kosten.
Es liegt kein gemeinsames Konzept für Weltbild Retail und die Logistik (Also) vor.
Das Konzept der Geschäftsführung, welches sie nach außen tragen, besteht aus Überschriften wie kundennah, schnell, digital - keine Inhalte, ohne Substanz !
Ein Personalabbau ohne Konzept ist mit dem Betriebsrat nicht zu machen.
Peter Fitz stinkt es, dass die Geschäftsführung nicht hierher kommt und mit uns spricht.

Gewerkschaftssekretär Thomas Gürlebeck von ver.di folgte als nächster Redner.
Wir haben alle zusammen Weltbild gerettet und brauchen niemanden von extern, der uns sagt, wie Weltbild dasteht.
Droege hat gewusst, was er kauft, es ist nicht fair, jetzt so zu tun, als ob der aktuelle Stand eine Überraschung wäre.
Die drei Geschäftsführer kommunizieren nicht mit der Belegschaft, sondern über die Presse.

Diejenigen, die die Krise verschärft haben, bleiben jetzt der Betriebsversammlung fern.
Es ist kein Manager mit Handels-Expertise an Bord.
"Bescheidenheit üben" war im Interview mit der Augsburger Allgemeinen für Patrick Hofmann der Grund für die Absage des TV-Spots zum Weihnachtsgeschäft.
Das ist dummes Zeug.

Digitalisierung und Newsletter sprechen die Online-Junkies an, die von einem Angebot zum nächsten hüpfen.
Die Geschäftsführung läuft nachts durch die Räume, um die Lichter auszuschalten.
Das sind nicht die richtigen Manager.
Das Feld sollte freigemacht werden für richtige Manager mit Expertise.

Die zweite Chance für Weltbild wurde in der Insolvenz erarbeitet und dann kam der Investor.
Die Umsetzung des mit Roland Berger erarbeiteten Konzepts Weltbild 2.0 sollte ab 1.7.2014 starten, durch die Verzögerung im Investor-Prozess wäre es jetzt der 1.10.2014 gewesen, nun müsste es losgehen.

Es hört sich alles sehr nach Luftnummern an.
Ein Personalabbau ohne Zukunftsperspektive für Weltbild wird vom Betriebsrat und ver.di nicht mitgetragen, das muss dann über das Arbeitsgericht laufen.

Es ist Unterstützung von uns allen nötig.
Die Mitarbeiter müssen den überbezahlten Managern Nachhilfe geben und kritisch sein.

Niemand sollte meinen, wenn 200 Mitarbeiter gehen, dass dann der Arbeitsplatz sicher wäre.
Keiner weiß, was Droege vorhat.
Der hat sich darüber aufgeregt, dass man ihn im Flugblatt als Milliardär bezeichnet hat.
Es wurde eine Klage auf Schadensersatz angedroht.
Die Geschäftsführung bedroht den Betriebsrat mit Schadensersatzforderungen, wenn dieser die Belegschaft informiert.
Wir lassen uns nicht den Mund verbieten, wenn es darauf ankommt, sammeln wir.
Wir lassen uns diesen Umgang nicht gefallen.

Unsere Botschaft ist: wir wollen statt drei Geschäftsführer nur einen, aber diese drei müssen alle weg.
Wir brauchen jemanden, der den Schneid hat, auch zu werben.
Wir wollen, dass die Entscheider hierher kommen und sich unseren Fragen stellen.

Anschließend informierte Peter Fitz weiter.
Die Antwort von Herrn Droege auf die Einladung zu Betriebsversammlung war, dass er sich nicht in die konkreten operativen Einzelmaßnahmen einmischen würde und volles Vertrauen in die neue Geschäftsführung habe.
Sein Stichwort war "Corporate Governance".
Am 19.11.2014 ist der nächste Termin zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung, in der Hoffnung, dass ein tragfähiges Konzept vorgestellt wird. Dieses sollte sich an das vorhandene Konzept halten.
Überschriften reichen als Konzept nicht.

In der folgenden Diskussion gab es diverse Beiträge.
In der ersten Jahreshälfte soll es nur einen Katalog geben, nämlich zu Ostern !
Wir sehen hier niemanden mehr, der überflüssig wäre.
Wir haben die Schnitte schon hinter uns, wir haben nur noch die Hälfte Mitarbeiter und sind überzeugt davon, dass der Laden bei weiterem Personalabbau nicht mehr funktionsfähig ist.

Wir sind motiviert und müssen für Umsatz GEGEN diese Geschäftsführung sorgen !
Wir haben die Erwartung, dass wir zusammenhalten und uns nicht auseinander dividieren lassen !
Die Insolvenzverwaltung ist nicht amüsiert über die Entwicklung.
Wir hätten die besten Voraussetzungen - mit einer anderen Geschäftsführung !

Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende und ver.di-Betriebsgruppensprecher Timm Bossmann führte fort.
Es sind nur Floskeln: schnell, flexibel, kundennah, Online, Katalog, Ausbau der Filialen - es ist davon nichts zu sehen.
Alle sind schon jetzt bis oben hin voll mit Arbeit, wie soll das die Hälfte der Mitarbeiter machen ?
Es gibt Druck der Geschäftsführung, Filialen zu schließen - von wegen neue Filialen aufmachen !
Multichannel ist das, was wir können und was Amazon nicht kann !
Der Tolino wird vor allem in den Filialen verkauft.

In der Zeitung (Interview Augsburger Allgemeine mit den Geschäftsführern) wurde schlicht Unsinn erzählt.
Stichworte Familie und Kinder - aber von Kidoh ist nichts zu hören.
Stichwort Bescheidenheit als Begründung, den TV-Spot nicht zu senden: die Aussage wäre "wir sind wieder da" - was ist daran falsch ?
Stichworte Millionen Kataloge: es werden 3 Millionen Kataloge versendet, früher waren das 15 Millionen, das bringt natürlich dann auch nur einen Bruchteil des Umsatzes !
Der Satz von Patrick Hofmann in der Augsburgen Allgemeinen zur Sicherheit der Arbeitsplätze bei Weltbild ist eine Unverschämtheit.
Wir müssen jetzt alle zusammenhalten und bei Aktionen müssen alle Gesicht zeigen und auf die Straße gehen !

In der folgenden Diskussion gab es verschiedene Wortbeiträge.
Für Droege ist das der erste Konflikt mit einer arbeitsamen und wehrhaften Belegschaft.
Wir können uns gut vorstellen, dieses Mal mit 15 Bussen nach Düsseldorf zu fahren !
Wir müssen die Kameraden dazu bringen, das zu tun, was Händler machen: Umsatz !
Wir brauchen eine Rückmeldung von den KollegInnen, wenn irgendwo ein mieses Spiel gespielt wird.
Wir diskutieren zu diesem Zeitpunkt über keine personellen Maßnahmen mit der Geschäftsführung.

Die Kirche ist außen vor, die Geschäftsführung muss das Geld für personelle Maßnahmen selbst aufbringen.
Auch bei Paragon wäre die Kirche außen vor, nur ohne Investor wären wir alle in die Transfergesellschaft gegangen, dann aber ohne Abfindung.
Der Bestandschutz (Besitzstandwahrung) gilt für ein Jahr, außer es wird ein neuer Tarifvertrag abgeschlossen.
Im Rahmen der Übernahme darf es keine Entlassungen geben.
Eine betriebsbedingte Kündigung ist durch den Betriebsübergang nicht geschützt, daher wird mit weniger Umsatz argumentiert.
Weder Betriebsrat noch ver.di haben dieses Gesetz gemacht !

Die Tarifverhandlungen wurden jedesmal abgesagt oder abgebrochen.
Es gab keine vernünftigen Verhandlungen, man fragt sich, was das für Leute sind und fühlt sich an die Grundschule erinnert.

Frage: Frau Fink hätte gesagt, dass Gedis bis 2016 für Aufnahmen zur Verfügung stünde.
Antwort: Das ist faktisch falsch, am besten bei Frau Fink nachfragen !
Laut Aussage Personalabteilung hätten wir nichts schriftlich.
Aber wir wollen zum heutigen Zeitpunkt auch gar nicht über Kündigungen sprechen !
Wir wollen, dass Weltbild 2.0 durchgeführt wird !

Lasst uns zusammenstehen und nach vorne sehen, statt zu resignieren !
Lasst uns diesen Droege aus Düsseldorf daran hindern, dass er einfach unseren Laden zumacht !


Montag, 3. November 2014

Die Karstadt-Story


Die ver.di-Zeitschrift Publik hat in der aktuellen Ausgabe Karstadt zu einem der Themen gemacht.
Gerne nehmen wir das Thema auf und versuchen Rückschlüsse für uns als Weltbild zu ziehen.

Zunächst einige Auszüge aus dem Artikel:
Karstadt wurde am 14. Mai 1981 als "Tuch-, Manufactur- und Confectionsgeschäft Karstadt" von Rudolf Karstadt gegründet.
Bis 1931 sind es schon 89 Filialen geworden.

Mitte 1999 fusionieren die Karstadt AG und das Versandhaus Quelle zur KarstadtQuelle AG mit insgesamt 113.000 Beschäftigten und einem Börsenwert von 3,3 Milliarden Euro.
2003 verzeichnet der Konzern einen Gesamtumsatz von 15,2 Milliarden Euro, einen Vorsteuergewinn von 464 Millionen Euro und einen Börsenwert von 2,3 Milliarden Euro. Insgesamt gibt es noch 101.000 Beschäftigte.

Die Krise beginnt schleichend und erreicht 2004 einen vorläufigen Höhepunkt. Der Konzern rutscht in die Miesen. Die Beschäftigten leisten durch Verzicht auf Sonderleistungen mit 745 Millionen Euro einen erheblichen Sanierungsbeitrag. 5500 der noch rund 100.000 Arbeitsplätze sollen abgebaut werden. Ver.di handelt Sanierungstarifverträge mit Standort- und Beschäftigungssicherung aus.

Die Umsätze gehen weiter zurück. Nach weiteren Verkäufen und Umstrukturierungen bekommt die neue Holding für KarstadtQuelle den Namen "Arcandor". Auch der restliche Immobilienbesitz wird verkauft: Im März 2008 gehen 49 Prozent des Grundbesitzes an Highstreet; Karstadt ist nun Mieter in den ehemals eigenen Warenhäusern.
Die 75 Hertie-Häuser gehen in die Insolvenz und werden ein Jahr später geschlossen.

Im Juni 2009 reicht Arcandor einen Antrag auf Insolvenz ein.
Verhandlungen über Sanierungsbeiträge beginnen; die Tarifkommission stimmt einem Sanierungstarifvertrag zu, wonach die nunmehr nur noch rund 28.000 Karstadt-Beschäftigten bis zum 31. August 2012 jährlich auf rund 50 Millionen Euro Sonderzahlungen und mehr verzichten; dafür handelt ver.di die Sicherung von Standorten und Beschäftigtenzahl aus. Das Versandhaus Quelle wird aufgelöst; einzelne Karstadt-Filialen werden geschlossen. Es bleiben 120 Häuser.

Karstadt soll 2010 an einen Investor verkauft werden.
Am 7. Juni erhält Nicolas Berggruen für 1 Euro den Zuschlag. Karstadt wird in drei eigenständige Geschäftsbereiche aufgeteilt: 83 Warenhäuser, 26 Sportfilialen, drei Premiumhäuser.

Mit Auslaufen des Sanierungstarifvertrages kehrt Karstadt zum 1. September 2012 in die Tarifbindung zurück. Die Beschäftigten bezahlen die Managementfehler der Vergangenheit und Gegenwart mit dem Abbau von 2000 der jetzt nur noch 24.400 Stellen bis Ende 2014.

Im Mai 2013 kündigt Karstadt die Tarifflucht an. ver.di und Betriebsräte demonstrieren und fordern Nicolas Berggruen zu Investitionen bei Karstadt auf, was nicht passiert. Berggruen hat jedoch von Karstadt für die Namensrechte Millionen kassiert, die Karstadt in Form von Lizenzgebühren zahlen musste.

Im Dezember 2012 kauft der österreichische Investor René Benko mit seiner Signa-Gesellschaft für 1,1 Milliarden Euro von Highstreet 17 Karstadt-Immobilien, darunter das KaDeWe. Zuvor war Signa mit dem Projektentwickler Centrum für 250 Millionen bei Oberpollinger und einem Karstadt-Sporthaus in München eingestiegen.
Im Herbst 2013 übernimmt Benko für 300 Millionen Euro je 75,1 Prozent am operativen Geschäft der Premiumhäuser und an Karstadt-Sport; die restlichen Anteile an diesen Sparten und 100 Prozent der 83 Warenhäuser bleiben bei Berggruen.

Neue Karstadt-Chefin wird Anfang 2014 Ex-Ikea-Managerin Eva-Lotta Sjöstedt. Sie hört nach fünf Monaten auf, weil Berggruen nicht bereit ist, in Karstadt zu investieren.

Am 14. August übernimmt René Benkos Signa für 1 Euro die restlichen Anteile an Premium, Karstadt-Sport und allen Warenhäusern. Ver.di und die Karstadt-Betriebsräte fordern den neuen Eigentümer zu substanziellen Investitionen und zum Erhalt von Häusern und Arbeitsplätzen auf.

Der komplette Text steht hier.

In der Handelsbeilage zu Ver.di-Publik finden sich die Forderungen von ver.di zu Karstadt.

Im Auszug:
Ver.di fordert ein schlüssiges und nachhaltiges Zukunftskonzept für die Warenhäuser, das von den neuen Eignern mit den notwendigen Investitionen ausgestattet wird.
Nach dem fluchtartigen Abgang von Nicolas Berggruen, der u.a. über Lizenzeinnahmen für die Namensrechte viele Millionen Euro aus Karstadt herausgezogen hat, sich selbst dort aber finanziell nur geringfügig engagierte, ist eine seriöse und zukunftsorientierte Unternehmensleitung überfällig.

Der komplette Text steht hier.

Inzwischen gibt es schon wieder neue Nachrichten über Karstadt.
Nach zusammen 300 Millionen Euro Verlusten in den Geschäftsjahren 2011/2012 und 2012/2013 hat das Unternehmen 2013/2014 weitere Verluste gemacht.

Der neue Warenhaus-Chef Stephan Fanderl will mit der Belegschaft über mögliche Zugeständnisse verhandeln.
"Wir müssen über Einsparungen beim Weihnachts- und Urlaubsgeld sprechen und darüber, die Tarifpause über 2015 hinaus zu verlängern", sagte Fanderl dem "Handelsblatt" (Freitag).
Weitere Filialen sollen geschlossen und 2000 Arbeitsplätze abgebaut werden.
Nach erfolgter Sanierung will Signa in den kommenden Jahren in dreistelliger Millionenhöhe in Karstadt investieren.
Zum Beispiel sollen alle Filialen eine Lebensmittelabteilung und Restaurants bekommen.

Was können wir aus dieser Karstadt-Story lernen ?

Für den Niedergang werden Konkurrenten mit preiswerten, schnell wechselnden Kollektionen, Konkurrenten mit einem attraktiveren Erscheinungsbild und der boomende Online-Handel mit verantwortlich gemacht.
Die vier Jahre Berggruen werden als verlorene Jahre bezeichnet, weil in dieser Zeit viel zu wenig investiert wurde.
Man hätte versuchte, Karstadt mit Gewalt ein jugendlicheres Image zu verpassen und auf neue trendige Marken gesetzt.
Andererseits wurden ganze Sortimentsbereiche wie Elektronik aufgegeben.
Die ältere Stammkundschaft wurde vergrault, aber neue Kunden nicht genügend dazu gewonnen.

Einiges davon haben wir bei Weltbild auch durchexerziert.
Wir haben unser Sortiment reduziert, um dann staunend festzustellen, dass der Umsatz sinkt.
Das hat uns Halff als geplant verkauft, wie er auch gegen Ende die Verluste als geplant bezeichnet hat.
Komisch bloß, dass wir dann wegen der geplanten Verluste pleite gegangen sind.
Da hat er wohl die Geduld der Kirche überschätzt.

Ganz klar ist, dass es gute und weniger gute Investoren gibt, um es mal höflich zu formulieren.
Natürlich muss Benko auch erst mal noch beweisen, dass er besser als Berggruen ist und wirklich investieren will.
Aber immerhin hat er schon einiges Geld in die Hand genommen, um letztendlich bei Karstadt einzusteigen, während Berggruen anscheinend ganz gut abkassiert hat und im Plus aus der Geschichte herauskommt.

Wir bei Weltbild haben nach langer und zermürbender Suche einen Investor namens Droege gefunden.
Er wurde in einer Nacht- und Nebelaktion überraschend aus dem Hut gezogen, nachdem ebenso überraschend kurz vor dem Abschluss Paragon abgesagt wurde.
Eine der ersten Amtshandlungen der neuen von Droege eingesetzten Geschäftsführung ist die Ankündigung von weiterem Stellenabbau, genaueres ist noch nicht bekannt.

Wir hätten uns positive Nachrichten gewünscht, darauf müssen wir weiter warten.
Ein Investor sollte, wie der Name schon sagt, investieren - von nichts kommt nichts, das sieht man bei Karstadt.
Wird ein Unternehmen in Schieflage nur verwaltet, so wird es immer weniger.
Wir wünschen uns auch, dass es ein Miteinander wird und kein Gegeneinander, auf der einen Seite die Geschäftsführung, auf der anderen Seite die Belegschaft.

Mit Entlassungen, Kürzungen oder Streichungen bei den wenigen freiwilligen Leistungen, die Weltbild gewährt und Streichungen bei den Gehältern wird das Miteinander nicht gerade gefördert.
Man erreicht damit höchstens, dass jeder, der noch eine Möglichkeit dazu sieht, die Firma verlässt.
Das ist dann eine Abwärtsspirale, wie man an Karstadt sieht: weniger Mitarbeiter und keine Investitionen führt zu weniger Umsatz und Gewinn, was dann wieder zu neuen Einsparmaßnahmen mit weiterem Umsatzrückgang führt.
Ich bin gespannt, wann wir statt mit rückwärtsgerichtetem Sparkurs endlich Schlagzeilen mit neuen Ideen und Produkten machen.

Die aktuelle Entwicklung beunruhigt inzwischen die komplette Belegschaft und den Betriebsrat.
Wichtige Werbemaßnahmen für das Weihnachtsgeschäft und geplante Einstellungen werden abgesagt, es soll über Tarife verhandelt werden, dann wird das abgesagt, dann soll über die Führungsstruktur verhandelt werden, dann wird das auch wieder abgesagt, wegen geheimer anderer Aktivitäten (s. vorangegangenen Artikel).
So haben wir uns den neuen Investor nicht vorgestellt.
Wir hatten gedacht, nach den Monaten der Quälerei kehrt jetzt Ruhe ein und es geht aufwärts.




Samstag, 20. September 2014

WELTBILD Logistik und WELTBILD Retail bleiben EIN Betrieb


Mehrere Zeitungen, z. B. die FAZ und die NZZ, haben am Freitag gemeldet, dass der IT-Logistiker ALSO die WELTBILD-Logistik "gekauft" hat.

Das ist richtig, aber kein Grund zur Sorge. Das Vorgehen ist mit Betriebsrat und Gewerkschaft abgesprochen. ALSO gehört mehrheitlich der Droege-Gruppe. Es handelt sich nur um eine gesellschaftsrechtliche Konstruktion, die auch WELTBILD Vorteile bringt.

Rechtlich gibt es zukünftig zwei GmbH's, praktisch ändert sich aber nichts: Der gemeinsame Betrieb von WELTBILD Logistik und WELTBILD Retail bleibt im vollen Umfang bestehen.

Das haben Betriebsrat und Gewerkschaft auch vertraglich abgesichert.

Freitag, 29. August 2014

Endlich – Weltbild Übernahme ist perfekt


Betriebsversammlung feiert Weltbild Retter 


Donnerstag, der 28.08.2014

In der Betriebsversammlung am Standort Augsburg wurde die Übernahme von Weltbild und Weltbild Plus durch die Droege Group bekannt gegeben.


Die gefüllte Halle während der Betriebsversammlung


Zu Beginn der Versammlung war die Anspannung der Beschäftigten mit Händen greifbar. Noch immer stand zu befürchten, dass es am Ende des Übernahme-Prozesses zu weiteren personellen Einschnitten kommen könnte. Seit Beginn des Jahres waren die verbleibenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch ein Wechselbad der Gefühle gegangen und hofften doch immer auf eine Wende zum Positiven.

Umso größer war das Aufatmen und die Erleichterung, als der Betriebsratsvorsitzende Peter Fitz die Unterzeichnung der Verträge bekannt gab und die befreienden Worte sprechen konnte:

"Im Zuge der Weltbild Übernahme durch Droege wird es keine weiteren Entlassungen geben!"


Ein großer Erfolg für die Arbeitnehmervertreter des Betriebsrates und der Gewerkschaft, die stürmischen Beifall ernteten.

Die Droege Group übernimmt vorerst 60% der Weltbild Anteile mit dem derzeitigen Mitarbeiter-Stamm. 40% hält weiterhin der Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz im Interesse der Gläubiger.


BR-Vorsitzender Peter Fitz informiert die Belegschaft

Endlich ein Tag für gute Nachrichten


Auf dem Podium vor der Belegschaft hatten diejenigen Platz genommen, die in den vergangenen Monaten auf die eine oder andere Weise zum Fortbestand des Weltbild-Unternehmens beigetragen haben. Die Redner sparten nicht mit anerkennenden Worten für das Engagement aller Beteiligten.
Das hatte nichts mit gegenseitiger Beweihräuscherung zu tun. Vielmehr wurde deutlich, wie komplex die Weltbild Rettung gewesen ist und wie viele Räder ineinander greifen mussten, um das angestrebte Ziel zu erreichen. Arndt Geiwitz, dessen Einsatz von vielen als beispielhaft gesehen wurde, verdeutlichte in seiner Ansprache, die besonderen Herausforderungen des Investoren-Prozesses und welche Hürden in den vergangenen Monaten genommen werden mussten.


Insolvenzverwalter Geiwitz schildert die Maßnahmen zum Erhalt des Unternehmens


Teils als Gäste, teils als Redner anwesend waren Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz, Hubert Thiermeyer, ver.di Landesleitung Fachbereich Handel in Bayern, Thomas Gürlebeck ver.di-Sekretär Augsburg, Generalvikar Prof. Dr. Beer (ehemaliger Weltbild Aufsichtsratschef), Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl, Wirtschaftsreferentin Eva Weber und Herr Tanski, Generalbevollmächtigter der Droege Group.

Der Betriebsratsvorsitzende Peter Fitz betonte: "Besonderer Dank für die engagierte Arbeit um die Fortführung des Unternehmens und der Sicherung von knapp eintausend Arbeitsplätzen gilt dem Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz mit seinem Team sowie Prof. Dr. Beer von der katholischen Kirche für das zwingend notwendige Massedarlehen und die finanzielle Ausstattung der Transfergesellschaft und die Abfindungen."

Die übernehmende Droege Group nehme nicht nur Abstand von betriebsbedingten Kündigungen im Zusammenhang mit der Übernahme, sondern wolle auch tatkräftig investieren und sich langfristig bei Weltbild engagieren.

Dies bekräftigte nochmals Herr Tanski als Abgesandter der Droege Group, der deutlich sagte, Droege engagiere sich bei Weltbild, weil man an die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens glaube.

Trotzdem soll nicht verschwiegen werden: In Folge der Fehler der alten Geschäftsführung und der daraus folgenden Insolvenz haben im vergangenen halben Jahr mehr als 600 Menschen im Zuge der Restrukturierung ihren Arbeitsplatz verloren.


Ver.di Sekretär Thomas Gürlebeck findet wie immer deutliche Worte


Thomas Gürlebeck, ver.di-Sekretär bei Weltbild, stellte daraufhin klar, wie wichtig es gewesen sei, durch öffentlichkeitswirksame Aktionen die ehemaligen kirchlichen Eigentümer in die Pflicht zu nehmen.
Dadurch sei für die entlassenen Kolleginnen und Kollegen etwas Außergewöhnliches erreicht worden:
"Einzigartig ist, dass es gelungen ist, durch einen Tarifvertrag eine gut ausgestattete Transferlösung und gerechtfertigte Abfindungen zu vereinbaren – und zwar über den insolvenzrechtlichen Abfindungsdeckel hinaus. Dies wäre nicht möglich gewesen, hätte die Kirche ihre finanziellen Zusagen nicht eingehalten." Anfang Oktober wird die erste Rate der Abfindungen ausgezahlt werden.

Generalvikar Dr. Beer, der hierzu maßgeblich beigetragen hatte und mit seinem Einsatz für einen Massekredit überhaupt erst eine Fortführung der Geschäfte in den ersten Wochen der Insolvenz ermöglichte, wünschte den Beschäftigten und dem Unternehmen einen glücklichen Neustart und eine erfolgreiche Zukunft.

Der Wirtschaftssachverständige Klaus Warbruck machte noch einmal deutlich, welchen Verhandlungserfolg man bei den Überleitungsvereinbarungen für die Beschäftigten erringen konnte: "Das Unternehmen wird mit allen Teilen fortgeführt. Gesellschaftsrechtliche Veränderungen sind durch eine umfassende Unternehmenshaftung gesichert. Dies wird durch einen weiteren Tarifvertrag gewährleistet."

Solidarität von vielen Seiten


"Solidarität, Kollegialität und viele UnterstützerInnen haben diesen Erfolg erst möglich gemacht", betonte Thomas Gürlebeck.

Ein besonderer Dank ging bei der Versammlung auch an die Politik: an den anwesenden Augsburger Bürgermeister Kurt Gribl sowie an den bayerischen Ministerpräsidenten. Durch die Initiative eines runden Tisches und flankierende Weichenstellungen haben sie Weltbild in der Insolvenzphase unterstützt.

Am Ende der Betriebsversammlung wurde jedem Anwesenden als Erinnerung an diesen denkwürdigen  Tag und als Dank für ihre Unterstützung ein rotes Weltbild-Schlüsselband überreicht.
Die Erleichterung war den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern anzusehen und in der Betriebsversammlung deutlich spürbar.



Donnerstag, 17. Juli 2014

Presseschau 16.7.2014


Die Neuigkeiten über Weltbild haben erwartungsgemäß ihren Weg in die Presse gefunden.
Hoffen wir, dass wir nun bald in ruhigeres Fahrwasser kommen und es über Weltbild nichts aufregendes mehr zu berichten gibt, sondern nur noch Nachrichten über tolle Produkte und gute Angebote.








Freitag, 11. Juli 2014

Insolvenzverwalter stellt Falschmeldungen in der Presse richtig



Heute am frühen Nachmittag ging folgende Information des Insolvenzverwalters an die Belegschaft:

Liebe Weltbild Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

wir bedauern sehr, dass falsche Darstellungen und teils reißerische Artikel in der lokalen Presse bei Ihnen Sorgen und Ängste verursacht haben.

Dazu nehme ich Stellung:

Falsch ist: „Paragon streitet mit dem Betriebsrat über die Streichung von zusätzlichen Stellen.“
Richtig ist: Das Arbeitsrecht ist nur einer der offenen Punkte. Die Konkretisierung eines gemeinsamen, tragfähigen Zukunftskonzepts für Weltbild steht im Zentrum der Gespräche.
Richtig ist zudem: Ich führe als Insolvenzverwalter Verhandlungen mit Paragon, nicht der Betriebsrat oder ver.di.

Falsch ist: „In München fand ein Krisengespräch zwischen Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz und Paragon statt.“
Richtig ist: Es fanden übliche Verhandlungen statt.

Falsch ist: „Das Sanierungskonzept steht vor dem Scheitern. Weltbild droht nun die Zerschlagung.“
Richtig ist: Ich halte an dem Konzept Weltbild 2.0 fest, weil es betriebswirtschaftlich sinnvoll ist. Das bedeutet, dass selbst in dem Fall, dass es keinen Vertragsabschluss mit Paragon geben sollte, immer noch alternative Vorgehensweisen möglich sind.

Falsch sind zahlreiche Darstellungen der Weltbild Mitarbeiter-Zahlen.
Richtig ist: Weltbild plus: 1.150 Arbeitnehmer, Verlagsgruppe: 945 Arbeitnehmer + 24 Auszubildende. Diese Mitarbeiterzahlen stellen aktuell alle derzeit unbefristeten und ungekündigten Arbeitsverhältnisse dar.

Abschließend möchte ich Ihnen mit diesem Schreiben erneut meinen Dank aussprechen. Sie haben trotz der schwierigen Zeit hervorragende Arbeit geleistet, was sich auch in den Geschäftszahlen klar wiederspiegelt. Dieser Dank galt immer und gilt auch jetzt jeder Abteilung und allen von Ihnen.

Herzliche Grüße
Ihr
Arndt Geiwitz

Mittwoch, 9. Juli 2014

Verhandlungen mit Paragon gehen weiter


Heute Abend wurden die MitarbeiterInnen von WELTBILD per Mail und Aushang informiert, dass die Verhandlungen mit Paragon weitergehen.

In dem Info-Schreiben heißt es, Paragon habe ein "geändertes Angebot" vorgelegt, das in den nächsten Tagen schriftlich präzisiert werden soll.

Insolvenzverwaltung und Investoren treten damit Gerüchten entgegen, dass die Verhandlungen kurz vor dem Scheitern stünden. In dem Schreiben heißt es weiter, dass es keine zeitliche Begrenzung des Verhandlungszeitraums gebe. Ein Endtermin für die Gespräche sei ausdrücklich nicht vereinbart worden.

Als nächstes soll das neue Angebot mit weiteren Beteiligten besprochen werden. Damit dürften die Gläubiger und die Arbeitnehmer-Vertretung gemeint sein. Wir sind gespannt.

Derweil spekuliert die Presse weiter: Artikel im Buchreport. Die dort geäußerte Vermutung, dass Paragon WELTBILD eventuell zu 100% übernehmen wolle, ist neu. Wir können derzeit nicht einschätzen, ob da etwas dran ist.

Dienstag, 8. Juli 2014

Pressemitteilung der Insolvenzverwaltung vom Donnerstag


Jahresergebnis gibt Weltbild Zeit bei Verhandlungen

Umsatz stabil und über Plan, Sanierungsmaßnahmen greifen

Augsburg, 03.07.2014 – Sechs Monate nach dem Insolvenzantrag der Verlagsgruppe Weltbild am 10. Januar 2014 kann der Insolvenzverwalter der Verlagsgruppe Weltbild eine positive Trendwende berichten. Erstmals seit langer Zeit verzeichnet die Verlagsgruppe wieder ein stabiles Wachstum. Im ersten Halbjahr 2014 lag der Umsatz sogar über dem Planziel. Maßgeblich für die Trendwende sind vor allem der loyale, große Kundenstamm, das starke Engagement der Weltbild Mitarbeiter sowie bereits durchgeführte Sanierungsmaßnahmen.

Der Umsatz der Gruppe wird für das Gesamtjahr 2013/14 mit voraussichtlich rund 610 Millionen Euro über Plan liegen. Zu Beginn des Insolvenzverfahrens rechneten Insolvenzverwalter Geiwitz und die Unternehmensberatung Roland Berger mit rund 604 Millionen Euro Umsatz.

Im Betriebsergebnis der Gruppe ist eine Trendwende erkennbar. Seit April ist eine kontinuierliche Ergebnisverbesserung aufgrund der realisierten Kostensenkungen erreicht worden.

„Weltbild ist noch nicht aus den roten Zahlen, aber die Entwicklung stimmt durchaus zuversichtlich“, sagt Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz. Vor allem in den Bereichen Sortimentsgestaltung, Marketing und Vertrieb sowie Logistik laufen derzeit umfangreiche Arbeiten, die das Unternehmen weiter stärken werden.

Geiwitz hatte gemeinsam mit Beratern von Roland Berger ein Maßnahmenpaket unter dem Titel „Weltbild 2.0“ entwickelt. Es befindet sich seit Anfang Februar 2014 in der Umsetzung. Dazu hat der Insolvenzverwalter sowohl strukturelle als auch betriebswirtschaftliche Schritte eingeleitet, um das Unternehmen zu sanieren und die Fortführung des Geschäftsbetriebs zu gewährleisten. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz: „Die aktuellen Zahlen zeigen sowohl den gesunden Kern des Unternehmens, als auch, dass unsere Stabilisierungsmaßnahmen greifen. Das gibt uns Zeit für die Vertragsgestaltung mit dem Investor.“

Entsprechend legte sich der Insolvenzverwalter nicht fest, wann ein Vertragsabschluss erfolgen könne. Es gehe jetzt weniger darum, maximale Kostenreduktionen zu diskutieren, sondern um die Konkretisierung eines gemeinsamen, tragfähigen Zukunftskonzepts für Weltbild. Dafür will sich der Insolvenzverwalter die notwendige Zeit auch nehmen.

Donnerstag, 3. April 2014

Mitarbeiterversammlung Weltbild 2.0 - Weltbild startet neu durch als erfolgreicher Multi-Channel Händler


Am 3.4.2014 fand um 10 Uhr eine Mitarbeiterversammlung im Kuppelsaal statt, in der die Mitarbeiter über die aktuellen Entwicklungen, das Konzept "Weltbild 2.0" und die neue Organisationsstruktur informiert wurden.

"Weltbild startet neu durch als erfolgreicher Multi-Channel Händler" war die Kernbotschaft.

Der Insolvenzverwalter Herr Geiwitz machte den Mitarbeitern von Weltbild ein großes Kompliment für ihren Einsatz.
Wir erfinden das Unternehmen neu und müssen es rentabel machen.
Das ist ein Kraftakt für alle Beteiligten, aber wir sind auf dem richtigen Weg.
Es gibt eine Berechtigung für unser Unternehmen auf dem Markt und so sehen es auch die Investoren.
Der Investorenprozess läuft gut, es gibt verbindliche Angebote und intensive Diskussionen über Konditionen.
Der Gläubigerausschuss steht einstimmig hinter dem Vorgehen.

Anschließend führte Herr Gerlach in die neue Organisationsstruktur ein.
Weltbild hat viele Kunden, viele Lieferungen an Kunden, viele stationäre Verkäufe, viele Produkte und eine hohe Bekanntheit.
Wir stehen also vom Fundament her sehr gut da.
Die Bereiche in denen wir uns verbessern wollen, ist der Fokus auf die Kunden, die Sortimentspolitik, das Marketing und die Senkung der Kosten von Verwaltung, Fulfillment und Logistik.
Er führte im weiteren noch näher aus, wie wir diese Ziele erreichen können und welche Maßnahmen wir in näherer und fernerer Zukunft ergreifen werden, um die Marktposition von Weltbild zu stärken.

Im nächsten Punkt der Tagesordnung stellten die Mitglieder des Projektboards die neue Organisationsstruktur vor, wobei jeder den Bereich erläuterte, für den er zukünftig zuständig ist.

Zusammenfassend war die Aussage der Veranstaltung:
wir haben einen Plan, wir sind bereit, uns dafür einzusetzen, wir haben eine gute Basis, wir werden gebraucht, man glaubt an uns und gemeinsam schaffen wir das !

Sonntag, 16. Februar 2014

Insolvenzen bei anderen Betrieben


Wie sind Insolvenzen bei anderen Betrieben verlaufen ?

Aktuell (30.1.2014) hat auch die Firma "Strauss Innovation" Antrag auf Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens gestellt.
Das heißt, sie steht kurz vor der Insolvenz und hat im Gegensatz zu uns die alternative Variante gewählt, was der Geschäftsführung erlaubt, die Fäden in der Hand zu behalten.
Die Warenhauskette hat ca. 1400 Mitarbeiter und knapp 100 Filialen.
Sie hatten 2008 schon mal einen Sparkurs gefahren und 15 Filialen und 430 Stellen abgebaut.

Diesen Versuch haben sich die Bischöfe bei uns gespart und gleich die für sie kostengünstigere Insolvenz gewählt.
Es mag ein Vorteil sein, wenn die Geschäftsführung im Amt bleibt, weil der Insolvenzverwalter eigentlich nur das Geld der Gläubiger sichern soll.
Andererseits hat die Geschäftsführung in der Regel den Karren in den Dreck gefahren, welchen Sinn das hat, wenn sie das noch drei Monate länger machen darf, ist für mich fraglich.

Schon 2009 ist uns Quelle vorangegangen.
Während Otto überlebt hat, ist Quelle zusammengebrochen und kein Rettungsversuch gelang.
2012 war Neckermann dran.
Hier wurde der Investitionsstau dafür verantwortlich gemacht, dass sich kein Interessent fand.
Zumindest das Argument dürfte bei uns nicht ziehen, wir haben eher zu viel investiert...

Wenn man nach abgewendeten Insolvenzen sucht, findet man die Städtischen Theater Chemnitz, hier haben die 452 Mitarbeiter durch einen Lohnverzicht die Insolvenz verhindert.
Oder den Pralinenhersteller Sawade aus Berlin (50 Mitarbeiter), der einen neuen Eigentümer fand und ohne Entlassungen fortgeführt werden soll.

Dann gibt es da eine IVG Immobilien AG, die auch 2013 vor der Insolvenz stand.
Die Schulden waren etwas höher als bei Weltbild: ca. 6,4 Milliarden (!) Euro.
Die Gesellschafter und die beteiligten Banken einigten sich hier aber im Gegensatz zu unserem Fall.
Man gewinnt den Eindruck, auch aus der Finanzkrise, dass je größer der Betrag ist, desto eher wird eine Lösung gefunden.

2011 wurde die Insolvenz des Holzverarbeiters Pfleiderer abgewendet. Die Aktionäre, Banken und Hedgefonds mussten Einbussen hinnehmen und Banken und Hedgefonds übernahmen die Kontrolle über die Firma und stellten weitere Kredite in Aussicht.

Löwe wurde nach monatelangen Verhandlungen von einem Sammelsurium von neuen Eigentümern übernommen. Was mit den Mitarbeitern geschieht, ist noch unklar.
Rosenthal wurde 2010 durch den Einstieg eines neuen Eigentümers gerettet.

Man sieht, es gibt nicht nur Schlecker, Praktiker und Quelle.

Mit genügend Energie, Verstand, Verantwortungsgefühl und gutem Willen bei Eigentümern und Banken lassen sich Lösungen finden, um Unternehmen für die Zukunft zu wappnen.

Ich behaupte, in unserem Falle fehlt es bisher mindestens an gutem Willen, sowohl bei den Eigentümern, als auch bei der ehemaligen Geschäftsführung, verstärkt durch den "Krisenmanager" Schultheis.

Es ist absolut unglaublich, dass die Herren Geschäftsführer arrogant und kaltschnäuzig zu den Bischöfen gehen und kurz mal das Doppelte an Zuschuss verlangen, und das mit einer 24 Stunden Frist.
Es ist wortwörtlich sträflich, keinen Plan B und C in der Tasche zu haben.

Plan B:
Wenn 130 Millionen für 3 Jahre reichen, dann hätten doch die 65 Millionen 1,5  Jahre gereicht, wieso also Insolvenz anmelden ????

Plan C:
Wir nehmen uns x Monate Zeit (x irgendwo zwischen 6 und 12), die Firma zu verkaufen, notfalls zu verschenken oder eine Mitgift dazu zu geben, und solange wird sie am Leben erhalten, damit ihr Wert erhalten bleibt.
Hier wäre der Aufwand nochmals geringer als 65 Millionen.

Herr lass Hirn herabregnen !


Freitag, 6. September 2013

Ausbildung - und was kommt danach?


Einstellungstest, Vorstellungsgespräch, Schulaufgaben, Exen, Zwischenprüfung und bald die Abschlussprüfungen - All das haben unsere Auszubildenden durchgestanden! – Und was jetzt?
Jugendliche müssen sich immer wieder die Frage stellen „und was jetzt?“, das fängt bereits bei der Frage an ob weiterführende Schule oder Ausbildung.

Unsere Azubis haben sich für eine qualitativ hochwertige Ausbildung entschieden, diese 2 ½ Jahre durchgezogen, dabei in verschiedensten Abteilungen tatkräftig mitgeholfen und unterstützt wo es nur ging. Sie haben gute Noten in der Berufsschule geschrieben, die Zwischenprüfung gemeistert und befinden sich gerade mitten im Lernstress mit festem Blick auf den Zeitraum November bis Januar in dem die Abschlussprüfungen anstehen, die sie mit Sicherheit ebenso gut meistern. Und trotz diesem ganzen Stress der sich quer durch die Ausbildung zieht wollen sie immer noch im Unternehmen bleiben – haben sie denn dann nicht alle einen Übernahmeplatz verdient?! – Wir sagen „JA!“ zur Übernahme!

Aktuelle Situation

Derzeit stehen insgesamt 8 Auszubildende zur Übernahme an. Von diesen 9 sind 3 Medienkaufleute für Digital und Print, 2 Kaufleute für Bürokommunikation und 3 Fachkräfte für Lagerlogistik.

Diese haben im November ihre schriftlichen und im Januar ihre mündlichen Abschlussprüfungen. Somit sind sie ab der Zeugnisvergabe im Februar offiziell ausgelernt. Diese Azubis werden mit Sätzen wie „Derzeit können wir noch keine Aussagen zum Thema Übernahmechancen treffen“ und „Wir sind dabei unser bestes zu geben, offene Stellen zu finden“ vertröstet.

Einstellung der Auszubildenden und den Mitarbeitern

Die Azubis haben bereits in Zusammenarbeit mit der Jugend- und Auszubildendenvertretung auf den Betriebsversammlungen mit ihrer Aktion „Sag JA! zur Übernahme!“ ihr Statement klar abgegeben. Sie wollen einen Übernahmeplatz – und warum? Sie wollen hier bleiben weil es ihnen gefällt hier zu arbeiten und „Weil sie es verdient haben!“, wie eine Mitarbeiterin der Verlagsgruppe Weltbild auf der Versammlung schön geäußert hat. Bisher haben über 300 Mitarbeiter bei der immer noch anlaufenden Unterschriftenaktion der JAV ihre Stimme abgegeben. Die Unterschriftenlisten finden Sie im Betriebsratsbüro, falls auch Sie sich anschließen wollen.

Die Jugend- und Auszubildendenvertretung sagt: „Um allen klar zu machen, wie wichtig uns und den Auszubildenden Übernahme ist werden noch weitere Aktionen folgen!“
 
 

Donnerstag, 20. Juni 2013

Weltbild sortiert schwule Literatur aus


Weltbild hat es mal wieder geschafft, negative Schlagzeilen zu produzieren.

Innerhalb kürzester Zeit konnte man in allen Medien, von Spiegel über Stern bis Süddeutsche und Augsburger Allgemeine usw. lesen, dass Weltbild schwule Liebesgeschichten aussortiert hat.
Diese haben offensichtlich keinerlei Bezug zu Pornos, sondern sind anscheinend einfach nur Liebesgeschichten.
Es heißt sogar, dass Weltbild alle Bücher des betreffenden Verlages aus dem Programm nehmen würde.

Dass solche Negativ-Schlagzeilen geschäftsschädigend sind, steht wohl außer Frage.

Wir haben es uns jetzt schon mit den strengen Katholiken verdorben, weil wir angeblich "Pornos" verkaufen.
Wir haben es uns mit allen verdorben, die etwas gegen Buchzensur haben, da sollten wir Deutschen sehr empfindlich sein.
Wir haben es uns mit allen verdorben, die etwas gegen die katholische Kirche haben und dort nichts einkaufen wollen, denn vor dem sogenannten "Porno-Skandal" wussten sicherlich viele Kunden gar nicht, wem Weltbild gehört.
Jetzt haben wir auch noch alle Kunden verärgert, die es nicht mögen, wenn man die Menschen nach ihren sexuellen Vorlieben sortiert und kategorisiert.

Was kommt als nächstes ?
Wir könnten versuchen, die emanzipierten Frauen zu verärgern, da könnten wir auch noch eine Menge Kunden vergraulen.

Zurück zum Anfang: hat das wirklich Weltbild gemacht ?
Haben das die vielen fleißigen Mitarbeiter gemacht, die auch bei Widrigkeiten mit großen Einsatz die Firma voranbringen wollen ?
Nein, natürlich nicht.
Man weiß nicht, wer das genau bestimmt, was aussortiert wird.
Ob das die Schere im Kopf ist, die im vorauseilenden Gehorsam im Sinne des Herrn arbeitet.
Oder ob die Anweisung direkt von "oben" kommt, von den katholischen Besitzern von Weltbild.
Falls das so ist, sollte man auch Ross und Reiter nennen und klar stellen, dass nicht Weltbild aussortiert, sondern der Herr Bischof sowieso wünscht, dass das Buch XYZ von Weltbild nicht verkauft wird !

Was ist eigentlich mit der Stiftung los ?
Würden wir dann immer noch der Zensur unterliegen ?
Wie lange braucht man eigentlich, um ein paar Unterlagen zu gestalten ?
Da ist ja der Flughafen in Berlin noch schneller fertig.
Mir kommt das langsam wie eine Verzögerungstaktik zum St. Nimmerleins Tag vor, um entweder alles beim Alten zu lassen oder Weltbild doch noch zu verkaufen, wenn es ein passendes Angebot gibt, was ich für die wahrscheinlichere Variante halte.

Falls das das Ziel ist, sollte man mit dem Zensurtheater aufhören, denn mit jeder Negativschlagzeile sinkt der Kaufpreis !

Montag, 13. Mai 2013

Interview: Unsere JAV in Berlin


Bundeskonferenz der JAV'en in Berlin – unsere Kolleginnen Jessica Uhl, Ramona Ratschker und Lisa Wiedenmann waren auch dabei.

Ihr wart als Jugend- und Auszubildenden Vertretung (JAV) kürzlich in Berlin. Warum?
Die Ver.di Jugend im Handel veranstaltete vom 16.04 – 18.04.2013 die 4. Bundesweite JAV-Konferenz im Handel. Zu dieser Konferenz wurden alle JAV’en aus dem Einzelhandel, Groß- und Außenhandel und aus dem Buch- und Versandhandel eingeladen. Insgesamt nahmen schließlich ca. 80 Jugendliche an der Konferenz teil.
Welche Themen wurden auf der Konferenz besprochen?
Während der Konferenz konnte man an verschiedenen Workshops teilnehmen. Für uns war vor allem das Thema Übernahme von Auszubildenden und JAV wichtig. Daher belegten wir die Workshops „Ziel: Übernahme“ und „Betriebliche Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Übernahme“. Nach den Workshopphasen präsentierten alle Gruppen die erarbeiteten Ergebnisse, so dass wir auch aus anderen Workshops verschiedene neue Vorschläge für unsere JAV-Arbeit bei Weltbild mitnehmen konnten.
Neben den Workshops erhielten wir auch verschiedene sehr interessante Vorträge wie „Gute Arbeit / Gute Ausbildung im Handel“, „Gute Arbeit – für Jung und Alt“ und „Perspektiven im Handel für junge Beschäftigte“.
Gab es in Berlin besondere Aktionen im Umfeld der Konferenz?
Ja. Am Mittwoch starteten wir in unserer Mittagspause eine große Aktion auf dem Alexanderplatz. Alle jugendlichen Teilnehmer, die Ver.di Jugend im Handel und noch weitere Gewerkschaftsmitglieder fuhren mit der S-Bahn vom Ostbahnhof zum Alexanderplatz. Dort demonstrierten wir für eine bessere Ausbildung und für eine größere Übernahmequote. Mit unserem Kampfschrei „Wir wollen Übernahme – Schalalalala!“ motivierten wir auf dem Platz sowie in der S-Bahn auf dem Rückweg viele Menschen mitzumachen. Zu der Aktion gibt es übrigens auch ein tolles Video:


Was ist aus eurer Sicht für die zukünftige Arbeit der JAV bei Weltbild besonders wichtig?
Für uns ist jetzt und auch in Zukunft vor allem wichtig, dass bei Weltbild eine gute und qualitativ hochwertige Ausbildung garantiert ist. Natürlich liegt uns auch die Übernahme von den Auszubildenden sehr am Herzen.
Noch dazu ist es uns wichtig, als Ansprechpartner in Bezug auf Auszubildenden und Jugendlichen da zu sein. Egal ob ein Azubi ein Problem hat oder sich zum Beispiel ein Ausbilder über etwas informieren möchte. Wir versuchen natürlich alle offenen Fragen bzw. auftretenden Problemen zu klären.
Welche Themen bearbeitet die JAV aktuell?
Momentan ist unser größtes Thema die Überarbeitung des aktuellen Beurteilungsbogens. Nachdem sowohl von den Abteilungen als auch von den Auszubildenden Kritik an diesem Bogen ausgeübt worden ist und dieser eh veraltet ist, haben wir uns dazu entschlossen einen Neuen zu entwerfen. Von unserer Seite aus ist dieser nun endlich fertig. Jetzt warten wir nur noch auf die Genehmigung der Ausbildungsleitung.
Noch dazu planen wir gerade wieder ein Mittagessen mit den zukünftigen Azubis, die im September bei uns im Unternehmen starten werden.
Auch die Übernahme von den Auszubildenden, die im November ihre Abschlussprüfungen haben werden, ist natürlich auch ein aktuelles Thema.

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