Donnerstag, 4. April 2019

ver.di empört: Wirtschaftsminister Aiwanger schießt gegen den arbeitsfreien Sonntag!


Der bayerische Wirtschaftsminister Aiwanger hat einen Generalangriff auf den freien Sonntag in Bayern gestartet. Er will dem Vernehmen nach den sogenannten Anlassbezug streichen. 

Der arbeitsfreie Sonntag hat aber als zentrales Element unserer Gesellschaft Verfassungsrang. Aiwangers Angriff auf unseren Sonntag ist also ein Angriff auf unser Grundgesetz!

Es hätte zur Folge, das damit nicht nur Sonntagsöffnungen möglich wären, sondern auch die Sonntagsarbeit zur Regelarbeit werden könnte. Wir werden entschieden gegen diesen Angriff auf den Schutz des freien Sonntags kämpfen.

Noch letzten November versprach Aiwanger  der Sonntagsallianz im Internet großspurig, wie sehr er sich für den freien Sonntag einsetze: Ein viertel Jahr und eine Regierungskoalition später fällt Aiwanger um und er verdrängt seine einst guten Vorsätze...




NICHT MIT ver.di!


Quellen: mit Material der Kollegen vom Hugendubel ver.di blog und ver.di

Dienstag, 2. April 2019

Tarifrunde 2019 Handel - Forderung Großhandel


Wie bereits berichtet, ist die Tarifrunde Handel gestartet.

Neben dem Einzelhandel, führt auch der Großhandel Tarifverhandlungen.

Forderungen der Tarifkommission Großhandel

ver.di:  Beschäftigte  im  Großhandel  brauchen  deutlich  mehr  Geld  

6,5 % mehr Geld für Alle 

München,  07.03.2019.  Respekt  und  Wertschätzung  für  die  Leistung  der  Groß- 
handelsbeschäftigten  muss  sich  nach  der  Überzeugung  von  ver.di  auch  bei  
den  Entgelten  und  Ausbildungsvergütungen  wiederspiegeln.  Deshalb  hat  die 
bayerische  Tarifkommission  einstimmig  eine  Erhöhung  der  Entgelte  um  6,5%  
für  die  anstehende  Tarifrunde  gefordert.  


 Der  bayerische  Großhandel  ist  einer  der  zentralen  Branchen  in  Bayern.  Ohne  die 
rund  240  000  Beschäftigten  im  Großhandel  wäre  die  Grundversorgung  faktisch  nicht  
vorhanden.  Angefangen  vom  Lebensmittelgroßhandel,  dem  pharmazeutischen 
Großhandel  bis  hin  zum  Baustoffgroßhandel  ist  der  Großhandel  das  wichtigste  Bin- 
deglied.  Die  Beschäftigten  im  Großhandel  stellen  somit  die  Versorgung  der  Volks-  
wirtschaft  mit  Waren  und  Dienstleistungen  sicher.  Dabei  ist  die  Umsatz-  und  Ge- 
winnsituation  der  Unternehmen,  die  im  Großhandel  tätig  sind,  ausgesprochen  gut.    

Um  den  Beschäftigten  ihren  Teil  an  dem  Erfolg  zukommen  zu  lassen,  wurde  heute 
die  Tarifforderung  beschlossen.  Konkret  beschloss  die  große  Tarifkommission  fol-  
gende  Forderungen  für  die  rund  240.000  Beschäftigten:  



  • Erhöhung  der  Löhne  und  Gehälter  um  6,5%  
  • Erhöhung  der  Bezahlung  von  weiteren  Anforderungen  auf  80€ 
  • Erhöhung  der  Ausbildungsvergütungen  um  100  €  
  • Die  Laufzeit  des  Tarifvertrages  soll  12  Monate  betragen 
  • Allgemeinverbindlichkeit  wird  gemeinsam  mit  den  Arbeitgebern  beantragt  

„Beschäftigte  im  Großhandel  leisten  wertvolle  Arbeit  für  die  Gesellschaft  und  erwirt- 
schaften  Milliarden  Umsätze  für  die  Unternehmen.  Dafür  verdienen  sie  Respekt  und  
Wertschätzung,  vor  allem  durch  Entgelte  von  denen  die  Menschen  ihr  Leben  be- 
streiten  können  und  in  Zukunft  nicht  von  Altersarmut  bedroht  sind“,  so  Thomas  
Gürlebeck,  ver.di  Verhandlungsführer  in  Bayern.  


Vor  der  Forderungsfindung  führte  ver.di  in  den  Großhandelsbetrieben  eine  breit  an- 
gelegte  Beschäftigtenbefragung  durch. Die  Befragung  ergab  unter  anderem,  dass  36%  
der  Befragten  sagten,  ihr  Einkommen  reicht  nicht  aus  und  57%  angaben,  dass 
ihr  Einkommen  gerade  so  ausreicht. Dass  die  zu  erwartende  Rente  nicht  zum  Leben
ausreicht,  bestätigten  in  der  Befragung  91%  der  Beschäftigten 

Quelle: Pressemitteilung ver.di-bayern / Handel / Großhandel







Donnerstag, 28. März 2019

Tarifrunde Handel 2019 - Forderungen Einzelhandel


2019 ist Tarif-Jahr und die Tarifrunden im Handel haben begonnen.

Auch wenn Weltbild von den Ergebnissen der Tarifrunde nicht profitieren wird, da WBD ein Betrieb ohne Tarifbindung (OT-Betrieb) ist, sind die Verhandlungen rund um Tarife, Entgeltstrukturen und Forderungen der Tarifkommissionen interessant zu verfolgen.

Das fordert die Tarifkommission Einzelhandel in Bayern


ver.di: Beschäftigte im Einzelhandel brauchen deutlich mehr Geld

Einen Euro pro Stunde mehr


München, 12.03.2019. Respekt und Wertschätzung für die Leistung der Einzelhandelsbeschäftigten muss sich nach der Überzeugung von ver.di auch bei den Löhnen, Gehältern und Ausbildungsvergütungen wiederspiegeln. Deshalb hat die bayerische Tarifkommission einstimmig eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um einen Euro in der Stunde gefordert.

Konkret beschloss die Große Tarifkommission hat am 12. März 2019 folgende Forderungen für die rund 300.000 Beschäftigten, auf die der Tarifvertrag Anwendung findet:

  • Erhöhung der Löhne und Gehälter um 1 € in der Stunde
  • Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 100 €
  • Die Laufzeit des Tarifvertrages soll 12 Monate betragen
  • Die Tarifverträge des bayerischen Einzelhandels sollen wieder allgemeinverbindlich werden, damit Dumpingkonkurrenz und Vernichtungswettbewerb wirksam bekämpft werden.

„Beschäftigte im Einzelhandel leisten wertvolle Arbeit für die Gesellschaft und erwirtschaften Milliarden Umsätze für die Unternehmen. Dafür verdienen sie Respekt und Wertschätzung, vor allem durch Löhne und Gehälter von denen die Menschen ihr Leben bestreiten können und in Zukunft nicht von Altersarmut bedroht sind“, so Hubert Thiermeyer, ver.di Verhandlungsführer in Bayern.

Bis dahin ist aber nach Auffassung der ver.di Tarifkommission in Bayern noch ein weiter Weg, denn die Mehrzahl der Beschäftigten im Einzelhandel sind akut von Altersarmut betroffen. Ihre Gehälter reichen vielfach nicht aus um im Alter über die Grenzen der gesetzlichen Grundsicherung hinaus zu kommen.

„Ein Euro mehr in der Stunde verbessert nicht nur heute die Arbeits- und Lebensbedingungen, sondern verringert auch das Risiko von  Altersarmut. Und jeder Euro mehr in der Lohntüte finanziert auch unser Sozialsystem, also Kranken-, Arbeitslosen-, Pflege- und Rentenversicherung,“ so Thiermeyer weiter.

Die Legitimität der beschlossenen Forderungen untermauert eine breite Beschäftigtenbefragung bei der 46 % angaben, ihr Arbeitseinkommen reicht nicht aus und 49 % der Aussage zustimmen, ihr Arbeitseinkommen reiche gerade so aus. 60 % der Befragten gaben an, dass ihre spätere Rente nicht zum Leben reichen wird, weitere 35 % sind darüber hinaus skeptisch ob es reicht. 



Info-Flyer der ver.di zur Tarifrunde 2019 Einzelhandel Bayern

Quellen: 
- Pressemitteilung des Fachbereichs 12 der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di
- Info-Flyer ver.di Bayern / Einzelhandel
             

Montag, 25. März 2019

Luftsicherheitskräfte - 80 Prozent organisiert


aus ver.di publik 1/2019:




Die Luftsicherheitskräfte haben mehr Lohn und den ersten bundesweiten Entgelttarifvertrag erstreikt – mit einem hohen Organisationsgrad setzt man sich eben durch


Von Petra Welzel

Sie haben 20 Euro Stundenlohn gefordert, die rund 23.000 Sicherheitskräfte im Bereich der Passagier-, Fracht-, Personal- und Warenkontrolle an den deutschen Flughäfen. Und die Empörung darüber war groß. Einer von weit über tausend Kommentaren auf der ver.di-Facebook-Seite bringt die Empörung auf den Punkt: „Die Leute dort machen definitiv einen wichtigen Job. Das tun viele andere allerdings auch. [...] Es ist nicht so, dass ich es den Leuten nicht gönne. Nur für viele andere Berufsgruppen ist das ein Schlag ins Gesicht.“ Warum? Weil sie einen Lohn fordern, von dem zum Beispiel eine Kollegin in der Altenpflege träumt? Einen Lohn, den manche Erzieherin nicht bekommt? Die Luftsicherheitskräfte haben Applaus verdient.

Denn sie haben viel erreicht. Der Einigung nach sollen die Sicherheitsbeschäftigten in der Passagierkontrolle an den Flughäfen in drei Stufen bis 2021 einen Stundenlohn von 19,01 Euro erhalten, in den anderen Bereichen der Kontrolle fällt er etwas geringer aus, aber das Ergebnis könne sich „sehen lassen“, sagte der ver.di-Verhandlungsführer Benjamin Roscher in den frühen Morgenstunden des 24. Januar.

Nach fünf zähen Verhandlungsrunden und mehreren Warnstreiks seit Oktober letzten Jahres haben sich an jenem Morgen der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) und ver.di auf den ersten bundesweiten Entgelttarifvertrag in der Luftsicherheit geeinigt. Auch das kann sich sehen lassen. Ebenso die erreichte Angleichung der Ost- an die Westlöhne. Insgesamt liegen die Erhöhungen jährlich zwischen 3,5 und 9,77 Prozent. Nach drei Jahren je nach Region und Tätigkeit insgesamt zwischen 10,5 Prozent und 26,7 Prozent. Am 18. Februar entscheiden die ver.di-Mitglieder über die Annahme.

„Das ist ein großer Erfolg für die Kolleginnen und Kollegen in der Branche“, sagt Ute Kittel, im ver.di-Bundesvorstand zuständig für die privaten Luftsicherheitsbeschäftigten. Aber den haben sie sich schwer verdient. Oliver Ladwig, tätig am Flughafen München, antwortete auf einen Kommentar auf Facebook: „Wir haben vor Jahren angefangen, uns zu organisieren, und die letzten 4 Jahre war es sogar noch stärker. [...] Fakt ist, wer was Vernünftiges bekommen möchte, muss auch was dazu beisteuern, ...“ Ute Kittel sagt: „Es war ein hartes Ringen, das zeigt: Es lohnt sich, Gewerkschaftsmitglied zu sein.“ Was nichts anderes heißt als: Organisiert euch! Und empört euch über die niedrigen Löhne und nicht über gute Ergebnisse.

Als im Oktober 2010 in Frankreich die ­kleine Streitschrift „Empört euch!“ des damals 93-jährigen ehemaligen Widerstandskämpfers Stèphane Hessel erschien und sich vier Monate später schon eine Million mal verkauft hatte und auch in Deutschland ein Bestseller wurde, war genau das Hessels Anliegen. Er kritisierte mit Blick auf die damalige Finanzkrise den Sozialabbau, insbesondere bei der Alterssicherung, und eine vielfach verfehlte Politik, die die Armen ärmer und nur die Reichen reicher mache. Darüber sollten sich die Beschäftigten empören, dagegen sollten sie sich wehren.

„Das geht um die Welt!“


Genau das haben die Luftsicherheitskräfte getan. Benjamin Roscher hatte den Erfolg des dritten Streiktags Mitte ­Januar am Frankfurter Flughafen mit den Worten „Alles ist dicht!“ verkündet. Das sei „ein großartiges Signal. Das geht um die Welt!“ Auf einer Pressekonferenz gefragt, wie es sein kann, dass die Sicherheitskräfte höhere Löhne durchsetzen können als eine Altenpflegerin, verweist der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske auf deren „Organisationsgrad von beeindruckender Stärke“, der bei bis zu 80 Prozent liege. In der Altenpflege hingegen sei er nur gering.

Alle Beschäftigten brauchen Löhne, die für ein auskömmliches Leben reichen. Allein in der Bankenstadt Frankfurt am Main gehen von den Einkommen laut einer vom Polit-Magazin Panorama in Auftrag gegeben Studie schon durchschnittlich 40,7 Prozent für die stetig steigenden Mieten drauf.

Rund 5.000 Menschen arbeiten dort auf dem Flughafen in der Luftsicherheit für sechs verschiedene Arbeitgeber. Bisher wurden sie unterschiedlich bezahlt. Für Qadeer Rana (35), seit 16 Jahren am Flughafen tätig, war das ein unerträglicher Zustand. Wie alle anderen Kolleg*innen leiste er hochkonzentriert qualifizierte Arbeit, inklusive regelmäßiger Schulungen, täglicher Kontrollen von den Arbeitgebern und der Bundespolizei. Zudem müssten sie ständig Personalmangel ausgleichen.

Wie der behoben werden soll, ist noch nicht ­geklärt. ver.di und der BDLS haben sich ­jedoch darauf verständigt, direkt nach Abschluss des Entgelttarifvertrages in Verhandlungen über Zeitzuschläge, Funktionszulagen und die Umwandlung von Entgelt in zusätzliche Freizeit einzusteigen. Ohne gewerkschaftliche Organisation ­wäre das alles nicht drin.


Freitag, 22. März 2019

Wandern mit ver.di


Der Frühling beginnt dieses Jahr mit viel Bewegung an der frischen Luft ... 

Ver.di lädt ein zu einer etwa 2-stündigen Wanderung rund um Zusmarshausen im Westen von Augsburg. 


Auf dem Programm steht eine kleine Wanderung mit anschließender Einkehr in ein ortsansässiges Lokal. Dabei besteht die Möglichkeit zum gegenseitigen Kennenlernen und zum Austausch mit anderen Gewerkschafts-Mitgliedern. Auf Grund der frühen Uhrzeit ist die Wanderung vermutlich nur für Kolleginnen und Kollegen interessant, die an diesem Tag Urlaub haben oder bereits in Rente sind. Wir hoffen, es bietet sich demnächst auch die Gelegenheit zu einer solchen Veranstaltung außerhalb der normalen Büro-Arbeitszeiten.

Wer am Donnerstag den 28.03. teilnehmen möchte, meldet sich bitte rechtzeitig an unter folgendem Link: Verdi Veranstaltungen









Dienstag, 19. März 2019

Verhandlungserfolg des BR: 
Streit um Personalplanung beigelegt


Mit diesem Rundschreiben informierte der BR
die Belegschaft über die positive Entwicklung. 
Über ein Jahr lang haben Betriebsrat und Geschäftsführung bei WELTBILD über die Personalplanung gestritten. Viele dieser Differenzen wurden vor Gericht ausgetragen. Wir haben zum Beispiel hier immer wieder darüber berichtet. Vor anderthalb Wochen ist nun ein Durchbruch auf der Verhandlungsebene gelungen, der viele dieser Verfahren erledigt.

Am vergangenen Donnerstag wurde einer der zentralen Prozesse – das Verfahren um die Beteiligung des Betriebsrats an der Personalplanung gemäß § 92 BetrVG – mit einem Vergleich beendet. Den Text des Vergleichs hatten BR und GF bereits in den Tagen vor dem Prozesstermin ausgehandelt. Das Gericht hat den Vergleich protokolliert, die Vereinbarung ist damit rechtskräftig.

Der Arbeitgeber sichert darin zu, den Betriebsrat künftig „vollständig und umfassend unter Vorlage der erforderlichen Unterlagen über die Personalplanung, insbesondere über die Personalbedarfsplanung nach Kopfzahl, Stellenanforderungen und Stellen zu unterrichten und diese mit dem Betriebsrat zu beraten.“

Sind weitere Lösungen in Sicht?

Darüber hinaus gibt es Regelungen, die präzisieren, wie oft diese Beratungen stattfinden – mindestens vierteljährlich – und wie mit Konflikten umgegangen werden soll – nämlich im Sinne einer „vertrauensvollen Zusammenarbeit“. Im Gegenzug erklärt der Betriebsrat seine Zustimmung zu allen derzeit vor Gericht verhandelten Einstellungen, insgesamt sieben an der Zahl.

Der Betriebsrat ist sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Die Interessenvertretung hofft, in Kürze auch die Auseinandersetzung um den Betriebsbegriff im Zusammenhang mit der Verwaltung des Filialvertriebs abschließend klären zu können.

Sonntag, 17. März 2019

Einladung: Arbeitnehmertag der KAB zum Thema Pflege


Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) lädt wieder ein zum jährlichen Arbeitnehmertag am Dienstag, 19. März, in Augsburg Pfersee. Diesmal wird das wichtige Thema Pflege im Mittelpunkt stehen. Beschäftigte aus diesem Bereich werden aus ihrem Alltag erzählen. Was Pflegenden gut tut, was sie bräuchten, damit ihre Arbeit wertgeschätzt wird.

18:30 Uhr Gottesdienst zum Fest des Heiligen Josef in St. Michael, Stadtberger Straße, Augsburg-Pfersee

ca.19:30 Uhr Vortrag mit Diskussion im Pfarrheim, Franz-Kobinger-Str. 10

„Wir wollen Euch wieder besser pflegen!“ Pflegekräfte aus verschiedenen Einrichtungen schildern ihre Situation 

DiskussionsteilnehmerInnen:

Gabi Hiesinger, Krankenschwester, Dominikus-Ringeisen-Werk, Wohngruppe Pfersee 

Cornelia Idiaghe, Altenpflegerin, Seniorenzentrum Servatius 

Franz Josef Uhlemayr, Fachkrankenpfleger, Stationsleitung, Uniklinik Augsburg, derzeit freigestellt als stellvertretender Personalratsvorsitzender 

Moderation: Gerhard Wild, Krankenpfleger i. R., Mitglied der KAB-Kreisverbandsleitung 


Anfahrt:


Montag, 4. März 2019

Weltfrauentag in Augsburg


Auch dieses Jahr lädt die Gewerkschaft ver.di in Augsburg wieder alle Interessierten zur Feier des Weltfrauentages ein. Feiert zahlreich mit am Freitag den 8. März im Kolpingsaal Augsburg. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr.


Natürlich ist auch wieder ein buntes Unterhaltungsprogramm geboten ...







Freitag, 1. März 2019

Psychische Gefährdungsbeurteilung - eine unendliche Geschichte?


Am vergangenen Freitag fand endlich die Einigungsstelle zum Thema psychische Gefährdungsbeurteilung statt. Auf diversen Betriebsversammlungen hatte der Betriebsrat immer wieder über diesen Beurteilung berichtet. Es fanden auch Verhandlungen über eine Betriebsvereinbarung statt, worin geregelt wird, welche Maßnahmen der Arbeitgeber zur Senkung der psychischen Belastung ergreift. An einigen wichtigen Punkten lagen Betriebsrat und Geschäftsführung weit auseinander. Wer dies nachlesen möchte, kann das hier und dort tun.

In der Folge wurde die Einigungsstelle angerufen. Diese besteht aus 3 Vertretern der Geschäftsführung und 3 Vertretern auf der Seite des Betriebsrat plus einem Arbeitsrichter, der das ganze moderiert und ganz am Ende mit abstimmt. Auf der Seite der Geschäftsführung waren Rechtsanwalt Herr Gollwitzer, Personalchef Herr Ries und Personalrefentin Frau Marquardt. Auf der Seite der Betriebsrat waren Rechtsanwalt Herr Michael Huber, die Sachverständige Frau Tatjana Fuchs und Herr Timm Boßmann. Herr Dr. Dahl hat die Einigungsstelle geleitet.

Um es gleich vorweg zu nehmen: an einem Tag eine komplette Betriebsvereinbarung zu dem Thema zu machen, ist nicht gelungen, da das Thema sehr komplex ist, und es soll ja auch was rauskommen, was auch gelebt wird.

Erste Schritte sind gemacht

Aber es wurden konkrete erste Maßnahmen verbindlich vereinbart: Anhand von Soll-Werten soll unserer Fachkraft für Arbeitssicherheit die tatsächlichen Werte in allen Büros messen. Es werden dort u. a. die Flächenmaße genommen, Lichtwerte gemessen und die Lärmwerte. Diese Ergebnisse werden den Einigungsstellen-TeilnehmerInnen übermittelt, und daraus werden dann Maßnahmen entwickelt. Wir wissen ja alle, dass in vielen Büros große Enge herrscht, dass es Mängel in Bezug auf Luft, Licht und Lärm gibt, aber bis jetzt gab es keine verbindlich gemessenen Werte, die das auch mit Zahlen belegen. Das ist der erste Schritt hin zu konkreten Maßnahmen, die im zweiten Schritt in der Einigungsstelle vereinbart werden.

Ebenso wird der Arbeitgeber die Bewegungs-Kurse und das Führungskräfte-Coaching unverzüglich terminieren. Auch die Prozess-Aufnahme soll bis zum nächsten Einigungsstellen-Termin stattfinden. Diese erfolgt in den gleichen Bereichen, die damals bei der Befragung in 2016 festgelegt wurden. Und nicht ohne euch, weil ihr wisst ja am besten über die Abläufe im Betrieb Bescheid. Gleichzeitig sollen Tätigkeitsbeschreibungen gemacht werden. Nicht namentlich auf Personen bezogen aber auf alle FunktionsträgerInnen der zuvor analysierten Abläufe.

Wie geht es weiter?

Der nächste E-Stellen-Termin ist für Ende Juni festgelegt worden. Deswegen sind auch für die obigen Schritte verbindliche Termine vereinbart worden, damit was voran geht. Es scheint, dass auch diese gefühlt unendliche Geschichte nun ein vernünftiges Ende findet. Danke Betriebsrat, dass ihr so hartnäckig wart und drangeblieben seid!

Freitag, 22. Februar 2019

Tarifvertrag Gesunde Führung bei PRIMARK in der Umsetzung


aus ver.di-Handel Magazin 03-2018:

Der Praxistest


Bei Primark tut sich was, seit im März ein Tarifvertrag zur gesundheitsförderlichen Führung abgeschlossen wurde. Inzwischen hat die Fortbildung der Führungskräfte in vier Pilotfilialen begonnen. Im August und September fanden überall Gesundheitstage statt – mit großer Resonanz.

Ein Perspektivwechsel kann sehr erhellend sein. Wenn sich etwa eine Filialleiterin in die Rolle einer Aushilfe versetzen muss und nun zur schnelleren Verräumung angetrieben wird, spürt sie am eigenen Leib, dass ein unfreundlicher Tonfall alles andere als motivierend wirkt.
An den Gesundheitstagen in den Stores gehörten Rollenspiele ebenso zum Konzept wie eine Präsentation des geplanten neuen Führungsstils.

Überall Gesundheitstage

Eine, die in mehreren Städten dabei war, ist Heike Eckert, Betriebsratsvorsitzende bei Primark Dortmund und Mitglied im Arbeitskreis gesundheitsförderliche Führung. »Es kam sehr gut an, dass die Arbeitskreis-Mitglieder überall persönlich den Tarifvertrag vorgestellt haben.«

Auch Arbeitgebervertreter/innen waren mit von der Partie. Heike Eckert besuchte Primark-Filialen in Dresden, Leipzig, Berlin, Dortmund und Münster und freute sich über das große Interesse der Beschäftigten. »Sie sollten eins zu eins erfahren, welche Inhalte in den Schulungen für Führungskräfte vermittelt werden, zum Beispiel, wer welcher Lerntyp ist oder wie ein Rollenspiel abläuft.«

Auch skeptische Nachfragen habe es gegeben, besonders dort, wo Beschäftigte und Vorgesetzte schon die eine oder andere ernüchternde Erfahrung sammeln mussten. »Am Ende kommt es darauf an, dass sich durch gesundheitsförderliches Führen die Arbeit wirklich positiv verändert«, findet Heike Eckert.

Ausgangspunkt für den Tarifvertrag war bei Primark eine Gefährdungsbeurteilung zu den psychischen Belastungen. Daraus sei der Tarifvertrag zur gesundheitsförderlichen Führung abgeleitet worden, berichtet ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.

Es ist bisher der erste Gesundheitstarifvertrag im Einzel-, Versand- und Onlinehandel. Wichtig sei dabei, dass Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter/innen gleichermaßen im Arbeitskreis und im Beirat gesundheitsförderliche Führung mitwirken. »Hier findet Erfahrungsaustausch statt und es wird die Umsetzung des Tarifvertrages bewertet«, so Damiano Quinto, bei ver.di zuständig für Textileinzelhandel.

Workshops in 4 Pilotfilialen

Nicht zuletzt spielen auch die Tarifkommission (TK) und die externe Beraterin Tatjana Fuchs eine wichtige Rolle bei der Erarbeitung der Schulungskonzepte.

Heike Eckert, die auch der TK angehört, findet es gut, dass sie alle Unterrichtsmodule erproben, bevor die Manager geschult werden.
Im Januar sind Workshops in den vier Pilotfilialen geplant. Dabei sollen auch die Beschäftigten zurückmelden, was konkret vom neuen Führungsstil in den Geschäften ankommt.
Heike Eckert ist optimistisch: »Alle wollen, dass der Tarifvertrag in der Praxis funktioniert.«
GUDRUN GIESE

Mittwoch, 20. Februar 2019

GF an Belegschaft: Wie wirklich ist die Wirklichkeit?


Immer wenn es für Käpt’n Kirk von der Enterprise so richtig eng wurde, griff er zum Communicator und befahl: „Beam me up, Scotty!“ Dieser kleine Trick ließ schon die Kiefer unzähliger Monster in die interstellare Leere schnappen. Daran mag sich Christian Sailer erinnert haben, als er am Horizont wieder einmal ein paar hässliche Pleitegeier ihre Runden drehen sah. Aber anstatt sich selbst in Luft aufzulösen, nimmt der WELTBILD-CEO gleich die ganze Belegschaft mit auf seinen Sternen-Trip. Mitarbeiterversammlung heißt das dann, und viele Lichtjahre von der Wirklichkeit entfernt dringt die Geschäftsführung in Galaxien vor, die nie ein Düsseldorfer zuvor gesehen hat...

Den Auftakt macht Tobias Winstel, der seit Jahresbeginn den Buchbereich leitet. Er hat fleißig zur WELTBILD-Historie recherchiert und berichtet der erstaunten  Belegschaft, dass sie „in den letzten vier Jahren eine tolle Geschichte hingelegt“ habe. „Eine tolle Geschichte“ – so kann man es natürlich auch nennen, wenn von 2.300 KollegInnen rund 2.000 ihren Arbeitsplatz verlieren. Man kann das aber auch eleganter sagen: Für den neuen Leiter Online-Marketing, der sich im Anschluss vorstellt, ist die Insolvenz schon nur noch eine „Saure-Gurken-Zeit“. Eine Episode, die mit seinem Erscheinen abgeschlossen ist.

Diese Steilvorlage lässt sich der stets gut gelaunte Märchenonkel Christian natürlich nicht entgehen. Er spricht im Folgenden selbst von einer „Sauren-Gurken-Zeit, die wir aber in kurzer Zeit gedreht haben...“ Die darauf folgenden Aussagen zur wirtschaftlichen Lage sind dann etwas widersprüchlich: Mal „haben wir ein leichtes Plus“, dann ging im zweistelligen Millionenbereich „Umsatz verloren“, doch das Ergebnis sei „positiv“ – wenn auch „unter Plan“ bzw. „Vorjahr“.

Neu: die „Weniger-ist-Mehrwert-Theorie“

Kurz bevor sich gar keineR mehr auskennt, verrät der inspirierte Versandhandelsstratege sein Erfolgsrezept: „Weniger Filialen, weniger Kataloge – aber die Ersparnis ist größer als die Umsatzverluste.“ Und schon ist sie geboren, ganz frei nach Marx: die Weniger-ist-Mehrwert-Theorie.

Während die Belegschaft noch über diese betriebswirtschaftliche Vision staunt und nachzurechnen versucht, was das für ihre Arbeitsplätze bedeutet, kriegt der Clown Executive Officer schon wieder die Kurve: 2019 greife die „Wachstumsinitiative!“ Die legendären 3 - 5% Umsatzwachstum, die bereits für 2017 und 2018 versprochen waren – jetzt kommen sie, ganz bestimmt...

In dem Stil geht es weiter. Der neue Marketing-Chef Ferdinand Mahr hat durch beherzte „Marketing Analytics“ herausgefunden, dass die KundInnen von Weltbild in der Mehrzahl alt und weiblich sind. Während die Belegschaft recht verhalten auf diese nicht völlig neue Erkenntnis reagiert, zeigt sich CEO Sailer begeistert: „Ich war total überrascht: von unseren Neukunden sind fast 50% unter 45!“ Mehr als die Hälfte also älter. So sieht Zukunft aus – man muss nur ganz fest die Augen zusammenkneifen.

Sklaventreiberei als Verbesserungsprozess

Oder die Zähne zusammenbeißen. Das dürften unsere KollegInnen in Tschechien derzeit tun. Geschäftsführer Nummer 4, Bjoern Minnier, berichtet aus Bor: Dort laufe es super, seit man die Arbeitsleistung jedes einzelnen Mitarbeiters elektronisch erfasse. Der persönliche Leistungsreport werde nicht nur im Betrieb öffentlich ausgehängt, sondern es gebe auch Einzelgespräche mit den ArbeitnehmerInnen, deren Leistung unter einer willkürlich festgelegten Benchmark liege. Wenn auch das nicht fruchte, tausche man die „Ressource“ eben aus. Kein Problem, weil „wir beschäftigen dort zum größten Teil Leiharbeiter“.

Wenn AMAZON sowas macht, kommt das im Fernsehen und Günter Wallraff spricht den Kommentar dazu. Bei WELTBILD läuft das inzwischen unter „Prozessoptimierung“. Damit kennt sich Bjoern Minnier als ehemaliger Unternehmensberater der Droege-Gruppe natürlich sehr gut aus.

Am Ende wird es dann noch mal unterhaltsam – MitarbeiterInnen dürfen Fragen stellen: „Wenn es alles so gut läuft, warum zahlen wir unsere Rechnungen nicht?“ Da wird ein Herr Sailer ganz verständnisvoll und geradezu altväterlich: „Sehen Sie, ich will das mal so erklären: Wir bauen hier sozusagen gerade ein Haus…“ Da müsse man sein Geld eben zusammenhalten und deshalb „gehen wir beim Bezahlen von Rechnungen nicht in die Offensive“. Interessanter Ansatz, und wenn unsere Geschäftspartner das in Gänze verstanden haben, schicken sie die Mahnung vor der Rechnung. Oder wie eine Kollegin es ausdrückte: „Das Haus wird nicht fertig, wenn die Maurer abhauen, weil sie keinen Lohn bekommen.“ Beifall der Belegschaft, Lippenpressen bei Sailer.

Umzug: der Geschäftsführer redet Unsinn

Leider nicht fest genug, denn schon auf die nächste Frage rutscht ihm wieder eine Lüge als Antwort heraus: Wie es mit dem Umzug aussehe, möchte eine Kollegin wissen. „Prima“, sagt Sailer: Der Betriebsrat habe Vorschläge vorgelegt, die er jetzt an Personalchef Manfred Ries, respektive den Leiter der Zentralen Dienste, zur Umsetzung weitergegeben habe. Im März, suggeriert Sailer, könne umgezogen werden.

Wahr ist: Der Betriebsrat hat ein arbeitswissenschaftliches Gutachten anfertigen lassen, das belegt, was die Betroffenen ohnehin schon lange wissen. 80% der geplanten Arbeitsplätze entsprechen nicht den gesetzlichen Vorschriften. Die Neuplanung ist aber Aufgabe des Arbeitgebers. Der Betriebsrat hat keine neue Planung gemacht, sondern der GF nur einen gutgemeinten Tipp gegeben: Ohne die Anmietung weiterer Büroflächen wird es nicht funktionieren.

So weit, so wenig Neues unter der Sonne. Aber ganz zum Schluss erinnern wir uns an einen Satz, der dem ersten Redner herausgerutscht ist: „Ich bin erst 5 Wochen da“, hatte Tobias Winstel zu Beginn gesagt, „aber es kommt mir vor wie 5 Jahre.“ Ja genau, so fühlt sich WELTBILD an. Beam me up, Scotty…!

Dienstag, 19. Februar 2019

Die Beschäftigten stärken!


Die internationale Arbeitsorganisation (ILO) feiert dieses Jahr ihren 100. Geburtstag. Diese UN-Sonderorganisation, an der Arbeitgeber und Gewerkschaften mitwirken, veröffentlicht jährlich einen Lohnreport. In ihrem jüngsten Bericht zeichnet die ILO ein trauriges Bild der Entwicklung der Arbeitseinkommen.
In den großen Industrieländern stiegen die preisbereinigten Löhne zwischen 1999 und 2017 um insgesamt nur neun Prozent. Dies entspricht einem jährlichen Plus von mickrigen 0,5 Prozent. Ursächlich dafür ist einerseits die schwache und krisenhafte Wirtschaftsentwicklung, andererseits die schlechte Durchsetzungsmacht der Beschäftigten und ihrer Gewerkschaften.

Bereits seit Anfang der 1980er Jahre ist der Anteil der Löhne am Volkseinkommen stark gesunken, der der Kapitaleinkommen gestiegen. Dies ist kein Ergebnis vermeintlicher Sachzwänge der Globalisierung oder Digitalisierung, sondern Ergebnis neoliberaler Politik.

Die Deregulierung der Arbeitsmärkte, Privatisierungen und der Umbau der sozialen Sicherungssysteme führten zu einem starken Zuwachs prekärer Jobs und von Niedriglöhnen. Die Tarifverträge wurden geschwächt. Wenn die Löhne wieder kräftiger steigen sollen, muss die Verhandlungsmacht der Beschäftigten politisch gestärkt werden. Der Neoliberalismus muss durch eine soziale Politik überwunden werden.


ver.di Bundesvorstand
Bereich Wirtschaftspolitik
10179 Berlin
Dieser Artikel wurde von den Kollegen von H.C. Beck übernommen.
Herzlichen Dank - http://chbeck-verdi.blogspot.com/

Freitag, 15. Februar 2019

Fusion Karstadt und Kaufhof


Seit  Jahren kämpfen die großen Warenhäuser Karstadt und Kaufhof gegen Billiganbieter wie Primark aber auch gegen den Online-Giganten Amazon.
Karstadt hatte zuletzt auf Grund eines,mit der ver.di abgeschlossenen Sanierungstarifvertrags, gerade so die Kurve bekommen, die Kaufhof Filialen laufen defizitär.

Um am Markt weiterhin bestehen zu können, planten die beiden Warenhaus-Riesen zu fusionieren. Dieser Fusion stimmte das Bundeskartellamt im November 2018 zu.

Karstadt/Kaufhof- Filialen finden sich europaweit an 243 Standorten. Das Unternehmen beschäftigt rund 32.000 MitarbeiterInnen.

Die Ankündigung der Unternehmensleitung Karstadt/Kaufhof aus der Tarifbindung auszusteigen, bestürzte nicht nur die Beschäftigten sondern auch die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di.

Wie soll die Zukunft aussehen?


Im Januar 2019 fand ein Spitzengespräch zwischen der ver.di und den Gesamtbetriebsräten von Karstadt und Kaufhof statt.

Am 31.01.2019 gab die ver.di die folgende Pressemitteilung heraus.

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und die Gesamtbetriebsräte der Warenhäuser Karstadt und Kaufhof haben in einem Spitzengespräch mit der Unternehmensführung deutlich erklärt, dass ein Zukunftskonzept nur unter Einbeziehung der Beschäftigten und ihrer Gewerkschaft erfolgreich sein könne. An dem Treffen in Berlin nahmen auch der Eigner der Signa-Holding René Benko, CEO Stephan Fanderl, die Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Peter Zysik (Kaufhof) und Jürgen Ettl (Karstadt) und ihre Stellvertreter sowie der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske und ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger teil.

Die Unternehmensführung von Karstadt/Kaufhof erklärte in dem Gespräch, sie erwarte von den Kaufhof-Beschäftigten einen Beitrag in Höhe von 70 Millionen Euro zur Sanierung des Unternehmens. Die Signa-Holding wolle ihrerseits im Frühjahr eine Finanzspritze in Höhe eines dreistelligen Millionenbetrags zur Stützung von Kaufhof bereitstellen. Auch würde kein Geld abgezogen, sondern reinvestiert.

Scharfe Kritik übte ver.di an der Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmens. "Die bisherige Informationspolitik des Unternehmens und die Ankündigung, aus der Tarifbindung auszuscheren, war weder sachdienlich noch förderlich für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.
Einseitiges Handeln verhindert Vertrauen", sagte Stefanie Nutzenberger. "Eine Tarifflucht und die Mitgliedschaft im Arbeitgeberverband ohne Tarifbindung stellt für die Beschäftigten eine Provokation dar". Ein Zukunftskonzept müsse von den Beschäftigten mitgestaltet werden.

Das Unternehmen seinerseits stellte klar, eine Tariflösung für Kaufhof und Karstadt mit ver.di anzustreben. Die ver.di-Forderungen sind eindeutig. Nutzenberger: "Wir brauchen eine Beschäftigungs- und Standortsicherung - auch für die 40 Doppelstandorte und ein Bekenntnis zur Tarifbindung. Dann sind wir auch bereit, über ein Zukunftskonzept zu verhandeln", so Nutzenberger.

Die Gewerkschaft will die Tarifkommissionen von Kaufhof und Karstadt noch im Februar zu gemeinsamen Beratungen über die nächsten Schritte und Maßnahmen zusammenrufen. Bis dahin sollen die Eckpunkte eines Zukunftskonzepts des Unternehmens inklusive eines möglichen Arbeitnehmerbeitrages schriftlich vorliegen und den Tarifkommissionsmitgliedern plausibel dargelegt werden.

Quellen:
- WiWo
ver.di - Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Bundesvorstand www.verdi.de

Mittwoch, 13. Februar 2019

Prima Klima?


Jede/r Zweite hat Angst, mit dem Vorgesetzten über Probleme zu sprechen


Unterstützung durch Kollegen gut, Kommunikation mit Vorgesetzten schwierig:  Beschäftigte in Deutschland bewerten das Klima in ihrem Unternehmen differenziert. Während ein gutes Klima Motivation und Wohlbefinden fördert, führen mangelnde Wertschätzung und destruktives Führungsverhalten häufig zu Stress und Gesundheitsproblemen.


Fast die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland hat Angst, gegenüber ihren Vorgesetzten Probleme anzusprechen. Das zeigt eine Auswertung des "DGB-Index Gute Arbeit". Doch die Zahlen zum Betriebsklima in Deutschland zeigen auch positive Seiten: Die Solidarität unter Kolleginnen und Kollegen ist groß.

44 Prozent der Beschäftigten geben laut "DGB-Index  Gute Arbeit" an, dass es in ihrem Betrieb nur in geringem Maß oder gar nicht die Möglichkeit gibt, Probleme gegenüber den Vorgesetzten oder der Geschäftsführung offen anzusprechen.

Dabei spielt die Größe des Betriebs offenbar eine wesentliche Rolle: Kleinbetriebe mit weniger als 20 Beschäftigten werden hinsichtlich des Betriebsklimas etwas positiver bewertet als mittlere und größere Unternehmen. Allerdings traut sich auch in den Kleinbetrieben jede/r Dritte (34 Prozent) nicht, gegenüber Vorgesetzten offen seine Meinung zu sagen.

Und: Jede/r dritte Beschäftigte (32 Prozent) erfähr von den Vorgesetzten nur geringe oder gar keine Wertschätzung für die eigene Arbeit.

Solidarität unter den Beschäftigten groß

Ein deutlich positiveres Bild zeigt sich beim Betriebsklima innerhalb der Belegschaft: 85 Prozent aller Beschäftigten sagen, dass sie sich auf große Unterstützung ihrer Kolleginnen und Kollegen verlassen können.


Allerdings könnten viele Betriebe noch mehr tun, um diese Kollegialität auch zu fördern: Gut ein Drittel der Beschäftigten (35 Prozent) ist der Meinung, dass Kollegialität im Betrieb gar nicht oder nur in geringem Maß gefördert wird.

Wie die Beschäftigten die sozialen Bedingungen im Betrieb bewerten, steht hier:

DGB-Studie Gute Arbeit


Quelle: die Kollegen des Hugendubel ver.di blog

Montag, 11. Februar 2019

Umzug: So nicht, sagt der Betriebsrat


Der Betriebsrat hat beschlossen, dem Umzug in seiner jetzigen Planung zu widersprechen. Die Einhaltung wesentlicher Mindestvorgaben der Arbeitsstättenverordnung und des technischen Regelwerks ist nicht sichergestellt. Nach dem Soll-Ist-Vergleich von aktueller Planung und Arbeitsschutzregelwerk ist absehbar, dass vor allem im BÖWE-Gebäude die Gefährdungsbeurteilung wesentliche Mängel im Bereich der Verkehrswege, der Funktions- und Bewegungsflächen, des Lärmschutzes, des Umgang mit Gefahrstoffen und gegebenenfalls auch des Brandschutzes zeigen wird. In diesem Fall dürfen an diesen Arbeitsplätzen keine Beschäftigten eingesetzt werden.

Wer den Einlassungen von CEO Christian Sailer auf der Betriebsversammlung genau zugehört hat, dem ist eine wundersame Wandlung vom Paulus zum Saulus aufgefallen. Am Anfang lobte Sailer die genaue Analyse der Pläne und sicherte zu, alle entsprechenden Gesetze einhalten zu wollen. Einige Sätze weiter sprach er davon, alles zu "versuchen", um die Gesetze "wenn möglich" einzuhalten. Und am Ende hieß es dann, man solle ihm doch mal eine Firma zeigen, die tatsächlich alle Vorschriften einhalte, das gehe ja gar nicht…

Keine Ausreden mehr – Gesetze gelten auch für WELTBILD

Wir möchten die Geschäftsführung deshalb nochmals an die Fakten erinnern. Bei der aktuellen Planung wurden folgende Mindestanforderungen an die Gestaltung von Arbeitsstätten nicht berücksichtigt:

  • Verkehrs- und Bewegungsflächen dürfen sich nicht überlagern. Das heißt, bei nebeneinanderliegenden Bildschirm-Arbeitsplätzen ist mit einer Tiefe von 1,60 Meter für Stuhl, Bewegungsfläche und Verkehrsweg zu kalkulieren. Befindet sich hinter dem Schreibtisch ein Regal/Schrank so ist zusätzlich die Funktionsfläche bzw. der Sicherheitsabstand in Ansatz zu bringen.
  • Von besonderer Bedeutung sind die Verkehrswege. Es ist zwingend sicher zustellen, dass Beschäftigte jederzeit ungehindert ihren Arbeitsplatz betreten und verlassen können. Hierfür ist – neben den oben genannten Mindestflächen – auch sicher zu stellen, dass keine Utensilien, wie Ordner, Accessoires, Kleinmöbel etc. den Weg zum und vom Arbeitsplatz verstellen.
  • Brennbare Produkte und solche, die im Falle einer Temperaturerhöhung schmelzen oder zu starker Rauchentwicklung neigen, sind grundsätzlich nicht in Arbeitsplatznähe zu lagern. Hierfür ist bereits bei der Planung sicher zu stellen, dass ausreichend geeignete Lagerflächen zur Verfügung stehen. Gegebenenfalls sind bei der Konzeptionierung dieser Lagerflächen besondere Anforderungen des Brandschutzes und die Anforderungen der Gefahrstoffverordnung zu beachten. Es ist nicht von „haushaltsüblichen Mengen“ auszugehen.
  • Bei der Planung wurde der Lärmschutz nicht ausreichend berücksichtigt: Es ist davon auszugehen, dass der Dauerschallpegel insbesondere in den Mehrpersonenbüros im BÖWE-Gebäude deutlich über 55 dbA liegen wird, außer es werden umfassende Lärmschutzmaßnahmen bei der Planung berücksichtigt und zugleich die Flächenbelegung reduziert.

BR-Vorschlag: Weitere Räume bei SIGMA anmieten

Unter Berücksichtigung der oben genannten Mängel ist – nach grober Schätzung – davon auszugehen, dass die Mindestvorgaben der Arbeitsstättenverordnung nur dann eingehalten werden können, wenn die Belegung des BÖWE-Gebäudes um ca. 20% reduziert wird (bezogen auf die Mehrpersonenbüros).

Der BR regt daher eine stärkere Belegung des SIGMA-Gebäudes an, und schlägt vor, dort weitere Räumlichkeiten anzumieten. Denn auch bei der Belegung der Gebäude SIGMA und in der Rumplerstraße gibt es erhebliche Belegungsprobleme, die ebenfalls die oben genannten Punkte betreffen.

Montag, 28. Januar 2019

Betriebsversammlung Teil 4: Geheim, geheim!


Unmittelbar im Anschluss an die Betriebsversammlung erreichte den Betriebsrat ein E-Mail des Geschäftsführers Christian Sailer. Der CEO war mit seiner Performance auf der Versammlung offenbar unzufrieden und machte seinem Ärger Luft, indem er schon wieder BR-Mitglieder mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen bedrohte. 

Ihm sei berichtet worden, schrieb Sailer, dass ein Mitglied des Gremiums die Folienpräsentation seines Berichts zur wirtschaftlichen Lage abfotografiert habe. Das sei aber alles vertraulich, streng geheim usw. … Untergang des Abendlandes also, falls die Zahlen in falsche Hände gerieten. Dazu zählt der CEO in seinem Schreiben auch die „Gewerkschaft“ – gemeint war wahrscheinlich die Redaktion dieses Blogs.

Wir können Sie beruhigen, Herr Sailer. In diesem Blog sind noch niemals Umsatzzahlen oder Deckungsbeiträge veröffentlicht worden. Und der Gewerkschaft haben Sie Ihre Folien selbst gezeigt: Deren Mitglieder saßen nämlich zuhauf in der Versammlung.

Also hören Sie auf mit den albernen Scheingefechten! Greifen Sie die offensichtlichen Probleme an, und lösen Sie diese, anstatt ständig die Interessenvertretung zu attackieren. Weder die Gewerkschaft noch der Betriebsrat können irgendetwas dafür, dass WELTBILD nicht aus der Krise kommt.

Die Wahrheit ist: Es gibt ganz konkrete und bekannte Schwierigkeiten – mit den Lieferanten, mit der Auslieferung und im ganzen Haus umständliche und fehlerhafte Prozesse, die selbst mit der doppelten Anzahl von Personal nicht zeitgerecht abzuarbeiten wären.

Darum sollten Sie sich kümmern, statt Zahlen schönzureden und alle zwei Wochen eine neue Strategie auszurufen. Am Ende noch ein gut gemeinter Tipp: In dieser Situation ein paar Indianer rauszuschmeißen und dafür im Dutzend billiger neue Häuptlinge einzustellen – das ist ganz sicher nicht die Lösung des Problems!

Samstag, 26. Januar 2019

Betriebsversammlung Teil 3: Warum widerspricht sich die Geschäftsführung selbst?


Im Februar 2018 hatte Personalleiter Manfred Ries weitere Stellenstreichungen angekündigt. Rund 40 KollegInnen sollten auf die ein oder andere Art entsorgt werden. Der Protest des Betriebsrats ließ den Arbeitgeber kalt – bis das Gremium den Konflikt um die Arbeitsplätze vor das Arbeitsgericht brachte. Seither bestreitet die Geschäftsführung, dass Ries' Äußerungen tatsächlich so gemeint waren.

Diese Frage spielt bei den Verfahren vor dem Arbeitsgericht eine wichtige Rolle, weil sich der Betriebsrat bei seinen Zustimmungsverweigerungen auch auf den geplanten Personalabbau bezieht. Obwohl ein Gedächtnisprotokoll des BR-Vorsitzenden vorliegt, leugnen die gegnerischen Anwälte die Personalreduktion in den einschlägigen Verfahren. Als „Beweis“ führen sie an, dass es ja faktisch gar keinen Abbau, sondern in Summe sogar einen Personalaufbau gegeben habe. Dem aber widersprach auf der Betriebsversammlung am 17. Januar CEO Christian Sailer höchstpersönlich: Er erklärte vor versammelter Belegschaft eine Verringerung von 341 auf 317 Köpfe im Laufe des Jahres 2018.

Alles nur Missverständnisse und Zeitungsenten?

Offenbar wissen die Männer an der Spitze von WELTBILD selbst nicht mehr genau, was sie wollen bzw. was sie gerade tun. Sicher ist dagegen: Dass der für 2018 geplante Personalabbau nicht deutlich schmerzhafter ausgefallen ist, ist einzig der Widerständigkeit des Betriebsrats zu verdanken, der sich mit Händen und Füßen gegen eine weitere willkürliche und sinnlose Personalreduktion wehrt.

Leider sind die Pläne der Geschäftsführung immer noch nicht vom Tisch. Am 17. November 2018 konnte jedeR in der Augsburger Allgemeinen nachlesen, dass Christian Sailer auch in Augsburg einen weiteren Personalabbau anstrebt…

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Der Betriebsrat verwies kürzlich vor Gericht auf diesen Artikel als Beleg für die Pläne der Geschäftsführung. Daraufhin erklärte Personalchef Manfred Ries dem Richter, der Reporter habe Herrn Sailer eben falsch verstanden bzw. falsch zitiert. Dabei stammt der Bericht aus der Feder von Stefan Stahl, dem Leiter der Wirtschaftsredaktion der Augsburger Allgemeinen. Er ist bekannt – und in gewissen Kreisen auch gefürchtet – für seine bohrenden Nachfragen.

Es darf als sehr unwahrscheinlich gelten, dass sich ein erfahrener und renommierter Journalist „verhört“ hat. Und selbst wenn: Falls ein verantwortungsvoller Geschäftsführer in einem so wichtigen Punkt völlig falsch verstanden wird, dann bittet er doch um Richtigstellung in der Zeitung  – oder er informiert zumindest sofort intern die Belegschaft, dass es ein Missverständnis gegeben hat…

Nichts davon ist geschehen, und das hat Gründe: Es handelt sich nämlich um ein Missverständnis ganz anderer Art. Die Geschäftsführung von WELTBILD missversteht Personalplanung als kurzfristiges Steuerungsinstrument betriebswirtschaftlicher Ergebnisse. Anders gesagt: Wenn es – aus welchen Gründen auch immer – Defizite gibt, dann werden einfach ein paar Leute rausgeschmissen, und die Bilanz ist wieder in Ordnung.

Clown Executive Officer 

Dass diese simple Rechnung nicht aufgeht, sieht jeder, der WELTBILDs Abstieg unter der Düsseldorfer Herrschaft verfolgt hat. Nur CEO Christian Sailer nicht, der auf der Betriebsversammlung allen Ernstes erklärt hat, man befinde sich im „Jahr 3 nach der Insolvenz“ und WELTBILD habe vor der Pleite ja auch nur 500 MitarbeiterInnen in der Augsburger Verwaltung gehabt.

Für Nicht-WELTBILD-ler und den aktuellen CEO zum Mitschreiben: Vor der Pleite, die sich am 10. Januar 2019 zum 5. Mal gejährt hat, waren rund 1.300 VerwaltungsmitarbeiterInnen in der Augsburger WELTBILD-Zentrale angestellt. Weitere 1.200 KollegInnen sorgten im eigenen Versandzentrum für eine pünktliche und fehlerfreie Auslieferung der Kundenbestellungen. Insgesamt waren es also 2.500 MitarbeiterInnen allein in Augsburg. Deutschlandweit standen bei WELTBILD und den verbundenen Unternehmen, darunter die damals deutlich größeren Filialketten, rund 6.500 Menschen in Lohn und Brot.

Als er auf seinen Fauxpas aufmerksam gemacht wurde, reagierte der WELTBILD-Chef wütend: Offenbar hätten die vielen Leute ja auch nichts genutzt, an irgendwas sei der Laden schließlich pleite gegangen. Dieser Einwurf kam sehr gut an bei den MitarbeiterInnen, von denen viele seit 20, 30 Jahren bei WELTBILD sind und das Unternehmen mit aufgebaut haben.

Was der CEO sonst noch so zum Besten gegeben hat?

Fortsetzung folgt…

Freitag, 25. Januar 2019

Betriebsversammlung Teil 2: Darüber streiten WELTBILD und Betriebsrat vor Gericht


Noch nie in der 70jährigen Geschichte von WELTBILD standen sich Geschäftsführung und Betriebsrat so oft vor dem Arbeitsgericht gegenüber. Auf der Betriebsversammlung am 17. Januar 2019 fasste BR-Vorsitzender Timm Boßmann den Stand der juristischen Auseinandersetzungen zusammen. Für viele überraschend war sicher die Erkenntnis, dass nur vier der Verfahren seit Februar 2018 vom Betriebsrat eingeleitet wurden.

Die 4 Verfahren des Betriebsrats

Verfahren 1: Bereits im April 2018 zeigte der Betriebsrat die fortgesetzten Verstöße gegen die Betriebsvereinbarung „Flexible Arbeitszeit“ beim Arbeitsgericht an. Dieses Verfahren wurde am 19. September 2018 mit einem Vergleich abgeschlossen, der mehrere gerichtliche Auflagen für den Arbeitgeber beinhaltete. Erst danach war die Personalleitung bereit, über eine Regelung mit dem Betriebsrat zu sprechen. Diesen Sachverhalt haben wir im ersten Teil unseres Berichts zur Betriebsversammlung ausführlich dargestellt.

Verfahren 2: Hier ging es um die Einsetzung der Einigungsstelle zu den Verhandlungen über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan für den Personalabbau im Logistikkompetenzzentrum und die Ausgliederung von Beschäftigten in die WELTBILD FIlial GmbH.

Dieses Verfahren hat der Betriebsrat am 17. April 2018 vor dem Augsburger Arbeitsgericht gewonnen. Einen Tag vor Ablauf der Einspruchsfrist am 9. Mai hat der Arbeitgeber eine juristisch völlig aussichtlose Beschwerde beim Landesarbeitsgericht in München eingelegt und so das Ende des Verfahrens nochmals um 3 Monate hinausgezögert. Das Landesarbeitsgericht bestätigte den Augsburger Richterspruch erwartungsgemäß und damit endete dieses Verfahren am 25. Juli 2018.
Leider hat die Einigungsstelle bislang keine Ergebnisse gebracht, außer dass der Arbeitgeber die Überleitungsvereinbarung von 2014 gekündigt hat. Wir berichteten hier ausführlich.

Verfahren 3: Obwohl diese Einigungsstelle noch nicht abgeschlossen ist, hat der Arbeitgeber mehrere KollegInnen und Kollegen in die WELTBILD Filial GmbH ausgegliedert. Dabei wurde zum Teil massiver psychologischer  Druck seitens der Personalleitung aufgebaut, um die KollegInnen in eine Gesellschaft zu zwingen, die keinen Betriebsrat hat, und die faktisch ohne Vermögen ist, aus dem im Falle einer Insolvenz Abfindungen gezahlt werden könnten.

Der Betriebsrat hatte dagegen vorgeschlagen, eine Regelung zu treffen wie im Falle der Übergänge in die Jokers GmbH und die Editionen GmbH. Diese beiden Gesellschaften werden als gemeinsame Betriebe mit der WELTBILD geführt. Das heißt: im Falle von Personalmaßnamen bestehen – auch finanzielle! – Ansprüche gegenüber der WELTBILD und der bewährte Betriebsrat bleibt für die KollegInnen zuständig.

Nachdem die Geschäftsführung das rigoros ablehnt, hat der BR eine Klage bei Gericht eingereicht, das feststellen soll, dass der gemeinsame Betrieb faktisch ohnehin besteht und entsprechend zu verfahren ist, egal ob die Geschäftsführung darin einen eigenen Vorteil sieht oder nicht. Der Kammertermin in diesem Verfahren wird am 17. April diesen Jahres sein.

Verfahren 4: Im Betriebsverfassungsgesetz gibt es zwei Paragraphen, die eine Beteiligung des Betriebsrats an der Personalplanung des Unternehmens gesetzlich vorschreiben. Das sind der § 92, der diese sogenannte „Unterrichtungs- und Beratungspflicht“ konkreter beschreibt und der § 92a, der den Arbeitgeber zwingt, verschiedene Maßnahmen der Beschäftigungssicherung mit dem Betriebsrat zu beraten und die Vorschläge des Betriebsrats in diesem Zusammenhang zumindest ernsthaft zu prüfen.

Beides findet bei WELTBILD – natürlich –  nicht statt. Deshalb hat der BR das Gericht bemüht, dem Arbeitgeber aufzugeben, seinen Verpflichtungen zukünftig nachzukommen. Dieses Verfahren läuft ebenfalls noch und der nächste Termin findet am 14. März statt.

Die meisten Prozesse hat der Arbeitgeber eingeleitet

Im Gegenzug hat der Arbeitgeber insgesamt 10 Verfahren gegen den Betriebsrat eingeleitet. Es handelt sich dabei um Zustimmungsersetzungsverfahren im Zusammenhang mit Neueinstellungen. Im Laufe des letzten Jahres hat der Betriebsrat in 12 von insgesamt 31 Neueinstellungen seine Zustimmung verweigert. Das hatte unterschiedliche Gründe, zum Beispiel,

  • weil die Neueinstellung auf einem Arbeitsplatz erfolgen sollte, den auch eineR der gekündigten Beschäftigten aus dem Logistikkompetenzzentrum hätte übernehmen können, oder 
  • weil neue MitarbeiterInnen für eine Position eingestellt werden sollten, die bereits von einem oder einer KollegIn besetzt ist. Das hat in der Vergangenheit schon einmal dazu geführt, dass nach einer solchen Neueinstellung die Person, welche die Stelle bis dahin innehatte, regelrecht weggemobbt wurde. Deshalb ist der BR in diesem Zusammenhang besonders kritisch.
  • weil dem Betriebsrat wichtige Informationen fehlen, was der oder die Neueingestellte in Abgrenzung zu den anderen KollegInnen in der Abteilung überhaupt tun soll. Aber die Personalleitung weigert sich offenbar aus Prinzip, Stellenbeschreibungen zu verfassen und schaltet auf stur – um den Preis eines teuren Gerichtsverfahrens…
  • Last but not least hat der Betriebsrat einen kleinen Teil der Einstellungen auch deshalb verweigert, weil sie dem geplanten Personalabbau gegenüberstehen: Im Februar letzten Jahres hat Personalchef Ries dem BR-Vorsitzenden mitgeteilt, dass der Personalstand auf unter 300 Beschäftigte gesenkt werden soll. Wenn gleichzeitig neues, zusätzliches Personal eingestellt wird, heißt das nichts anderes, als das für jede Person, die neu kommt, eine andere, die derzeit da ist, gehen muss. Dem kann ein Betriebsrat, der seine Verantwortung ernst nimmt, nicht zustimmen! 

Ob und in welchem Umfang die Geschäftsführung weitere Arbeitsplätze streichen möchte, war auch im weiteren Verlauf der Versammlung Thema.

Fortsetzung folgt…

Donnerstag, 24. Januar 2019

Betriebsversammlung Teil 1: Zusammenarbeit mit der GF bleibt schwierig


Bei der ersten Betriebsversammlung des Jahres am vergangenen Donnerstag platzte der Versammlungsraum aus allen Nähten. „Schön wieder hier zu sein!“, begrüßte Timm Boßmann die Belegschaft. Der Betriebsratsvorsitzende spielte damit auf den gescheiterten Versuch der Geschäftsführung an, ihn mit haltlosen Anschuldigungen zu kündigen. Die KollegInnen quittierten das mit donnerndem Beifall.

Boßmann bedankte sich für die Unterstützung durch ver.di und andere  Gewerkschaften, für den Beistand der KAB/Betriebsseelsorge und bei weiteren Organisationen, PolitikerInnen sowie zahllosen Privatpersonen, die bundesweit gegen die ungerechtfertigte Kündigung Position bezogen hatten.

Am meisten habe ihn aber die starke Solidarität im Betrieb gefreut, sagte der Vorsitzende: „Ich glaube, ich bin noch nie in meinem ganzen Leben so oft gefragt worden, wie es mir geht! Liebe Kolleginnen und Kollegen: Danke, es geht mir gut.“ Applaus!

Weil die Geschäftsführung nach der Niederlage vor Gericht eine verzerrte Version des Ergebnisses per E-Mail an die Belegschaft verschickt hatte, stellte Boßmann abschließend klar, was bei der Gerichtsverhandlung Ende November tatsächlich herausgekommen war: „Es hat keinen Vergleich irgendeiner Art gegeben. Ich habe keine Abmahnung für irgendeine Verfehlung bekommen. Der Arbeitgeber hat vom Gericht in keiner Weise Recht bekommen, sondern ist zu 100% gescheitert.“

Ungenügend: Umzugspläne und Gesundheitsschutz

BR-Mitglied Hannes Walk berichtete Neuigkeiten zum geplanten Umzug innerhalb der bestehenden Firmengebäude. Inzwischen liegen dem Betriebsrat dazu die kompletten Pläne der Geschäftsführung vor. Sie entsprechen in weiten Teilen aber nicht den gesetzlichen Vorschriften, wie die Sachverständige Tatjana Fuchs von der Gesellschaft für Gute Arbeit eindrucksvoll ausführte.

Danach musste Betriebsrätin Manuela Natterer wieder auf den Dauerbrenner „Psychische Gefährdungsbeurteilung“ zu sprechen kommen. Bereits Ende 2016 hatte  eine arbeitswissenschaftliche Untersuchung gravierende Belastungen offenbart. Trotzdem hat die Geschäftsführung bis heute keinerlei Schritte zu einer Verbesserung der Situation unternommen. Das wichtige Thema wird deshalb Ende Februar in einer gerichtlichen Einigungsstelle gemeinsam mit Sachverständigen verhandelt.

Neue Betriebsvereinbarung stärkt digitales Geschäft

Im Anschluss stellte die stellvertretende Vorsitzende Dolores Sailer eine neue Betriebsvereinbarung vor. Die BV „Mehrarbeit im Marketing“ ergänzt die BV „Flexible Arbeitszeit“ und schafft arbeitsrechtlich korrekte und gesundheitlich vertretbare Möglichkeiten, die Marketing-Aktivitäten in den Sozialen Netzwerken auch am Wochenende zu betreuen.

Damit reagiere der Betriebsrat auf die Veränderung der Arbeitsaufgaben im Zuge der Digitalisierung des Handels, führte Boßmann ergänzend aus: „Diese Betriebsvereinbarung ist der Beweis, dass es gelingen kann, die Erfordernisse des Geschäfts mit den Rechten und den gesundheitlichen Bedürfnissen der Beschäftigten unter einen Hut zu bringen. Man muss nur miteinander reden und bereit sein zu verhandeln. Dann geht das auch!“ Leider sei es keiner Geschäftsführung zuvor jemals so schwer gefallen, mit dem Betriebsrat konsensorientiert zusammenzuarbeiten.

So war es auch bei den Wochenendeinsätzen im Bereich Marketing, erzählte Dolores Sailer. Der BR musste tatsächlich vor das Arbeitsgericht ziehen, damit ein Richter der Geschäftsführung erklärt, was ihre Pflichten aus der Betriebsvereinbarung „Flexible Arbeitszeiten“ sind. Und selbst nach dem Prozess hat Personalchef  Ries eine Betriebsvereinbarung zunächst abgelehnt und wollte das Thema lieber outsourcen als eine vernünftige Vereinbarung zu treffen. Erst nachdem sich das als – vorhersehbarer – Rohrkrepierer erwiesen hatte, war vernünftig zu reden. Einmal am Verhandlungstisch wurde innerhalb weniger Tage eine Vereinbarung getroffen, von der jetzt beide Seiten gleichermaßen profitieren.

Fortsetzung folgt…

Dienstag, 15. Januar 2019

Einladung zur Betriebsversammlung


Die erste Betriebsversammlung von Weltbild 

im Jahr 2019 findet statt am 

Donnerstag, den 17.01. um 13:30 Uhr in der Böwe-Kantine. 


Alle Beschäftigten von Weltbild Deutschland sind herzlich eingeladen und können daran teilnehmen. 

Hierzu ein Hinweis: 
Betriebsversammlungen haben Vorrang vor anderen Terminen im Betrieb. Andere Termine sollten in diesem Zeitraum nicht angesetzt bzw. nach Möglichkeit verschoben werden. 

Auf der Tagesordnung stehen wichtige Themen, die die gesamte Belegschaft betreffen:
So zum Beispiel der aktuelle Stand des von der Geschäftsführung geplanten Umzuges innerhalb der vorhandenen Räumlichkeiten. Dieser Umzug betrifft nahezu alle Abteilungen. Außerdem die Frage, wie es mit der Betriebsvereinbarung zur Senkung der psychischen Belastungen weitergeht.

Die fortschreitende Digitalisierung gab Anlass für eine Betriebsvereinbarung zur Mehrarbeit im Bereich Marketing, die kürzlich abgeschlossen wurde. Der Betriebsrat informiert über die Regelungen, die nun gelten.


Weitere Themen werden sein:
Die gerichtlichen Auseinandersetzungen zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber
Die Einigungsstelle zum Personalabbau
Die wirtschaftliche Lage: Informationen zum letzten Weihnachtsgeschäft (Herr Sailer)
Und die variablen Gehaltsbestandteile der außertariflich Beschäftigten.

Neben Hans Gilg von der Betriebsseelsorge wird diesmal Tatjana Fuchs als Gast dabei sein, die den Weltbild-Betriebsrat in Fragen des Arbeitsschutzes mit ihrem Fachwissen berät.





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