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Freitag, 9. Dezember 2016

Wie sinnvoll ist der Einsatz von WELTBILD-MitarbeiterInnen in der Logistik?


Gestern hat Personalleiter Matthias Haack die WELTBILD-Verwaltungsangestellten eingeladen, ihren dritten Advents-Samstag in der Logistik zu verbringen. Die Geschäftsleitung sucht Freiwillige, die helfen das erhöhte Sendungsaufkommen im Weihnachtsgeschäft abzuarbeiten. Dieser Sondereinsatz ist nicht mit dem Betriebsrat besprochen, geschweige denn vom Gremium genehmigt worden.

Zum Hintergrund sollte man folgendes wissen: Aufgrund der Massenentlassungen in der Logistik im Januar diesen Jahres ist dort tatsächlich zu wenig eigenes Personal vorhanden, um das Weihnachtsgeschäft abzuwickeln. Darauf hatte der Betriebsrat mehrfach im Rahmen der Verhandlungen über einen Interessenausgleich hingewiesen. Die Geschäftsführung von WELTBILD setzte die Entlassungen trotzdem durch. Als Druckmittel diente die Kostenübernahme-Erklärung, die der Insolvenzverwalter für den Fortbetrieb der Logistik verlangte.

Nachdem das Kind – wieder einmal – in den Brunnen gefallen war, hat der Betriebsrat schweren Herzens dem Einsatz von LeiharbeiterInnen im November/Dezember zugestimmt. Ein weiteres von vielen Zugeständnissen der Interessenvertretung, um WELTBILD auf dem Weg aus der Krise zu unterstützen: Nur mit zusätzlichen Händen ist das Weihnachtsgeschäft zu stemmen.

Warnungen des BR wieder einmal in den Wind geschlagen

Ende November dann hat Versandleiter Abdullah Balcilar  gemeinsam mit der WELTBILD-Geschäftsführung entschieden, etliche LeiharbeiterInnen wieder nach Hause zu schicken. Der Betriebsrat hat darauf hingewiesen, dass diese KollegInnen im Dezember fehlen würden, und dass es schwierig bis unmöglich sein würde neue Kräfte zu rekrutieren. Diese Einwände wurden ignoriert. Nun sollen also die Verwaltungsangestellten den Karren wieder aus dem Dreck ziehen. Als wäre die Arbeit bei WELTBILD derzeit nicht schon herausfordernd genug…

Der Betriebsrat blockiert den Einsatz von Freiwilligen nicht, aber er rät zur eigenen Sicherheit folgende Fragen zu stellen:

  1. Was passiert, wenn ein Unfall passiert? Die neu eingerichteten Versandhallen sind bis heute nicht sicherheitstechnisch abgenommen worden. Wir bezweifeln, dass die Berufsgenossenschaft Krankenhausaufenthalte und Verdienstausfälle bezahlt, wenn Mitarbeiter eines rechtlich anderen Betriebs in den ALSO-Hallen verunglücken sollten.
  2. Wer Arbeitnehmer verleiht – und nichts anderes ist dieser Einsatz von WELTBILD-MitarbeiterInnen bei ALSO – braucht dafür eine Genehmigung zur Arbeitnehmerüberlassung. Diese hat WELTBILD nicht. Damit ist der Einsatz letztlich illegal. Wie steht die Geschäftsleitung dazu?
  3. Die KollegInnen aus Lager/Versand haben nach den letzten Einsätzen von WELTBILD-MitarbeiterInnen vielfach versichert, dass die Unterstützung durch unerfahrene Kräfte zwar gut gemeint aber keine Hilfe sei. Vielmehr sei das Einlernen ein zusätzlicher Aufwand und störe die Arbeitsprozesse. Warum wiederholt die GF eine offensichtlich sinnlose Aktion?

Jeder muss selbst entscheiden, ob er vor diesem Hintergrund seinen Advents-Samstag opfern möchte.

Montag, 13. Juni 2016

LeiharbeiterInnen sollen Management-Fehler ausbügeln


Seit den Massenentlassungen am Jahresanfang läuft es in der Logistik nicht mehr. Die verbliebenen KollegInnen leisten täglich Überstunden und fahren Zusatzschichten am Samstag. Trotzdem knirscht es an allen Ecken und Enden. Der Arbeitgeber stellt jetzt LeiharbeiterInnen ein, um unsere KundInnen weiter zuverlässig und pünktlich beliefern zu können.

Der Betriebsrat hatte wieder einmal recht

Ein rein an Kosten orientiertes Management ist eine Sackgasse. Das beweisen die Zustände in unserer Logistik jeden Tag aufs Neue. Bei der jüngsten Entlassungswelle hat der Arbeitgeber rund 280 KollegInnen gekündigt. Viel zu viele, um die Auslieferung zuverlässig und schnell am Laufen zu halten. Das hat der Betriebsrat in den Verhandlungen um den Interessenausgleich immer wieder gesagt und vorgerechnet. Aber niemand wollte der Interessenvertretung glauben. Jetzt stellt der Arbeitgeber LeiharbeiterInnen ein, um den Betrieb aufrecht zu erhalten.

Die KollegInnen aus der Transfer dürfen nicht zurück

Leider ist es gesetzlich unmöglich, die entlassenen KollegInnen, die jetzt in der GeDiS sind, befristet wieder einzustellen. Damit war der Betriebsrat in einer Zwickmühle, als der Arbeitgeber in der vergangenen Woche 44 LeiharbeiterInnen zur Genehmigung vorlegte. Einerseits hat das Gremium kein Interesse, die ständigen Fehlentscheidungen des Managements zu alimentieren; andererseits will der Betriebsrat das Geschäft von WELTBILD nicht gefährden. Dazu kommt, dass die KollegInnen im Versand mittlerweile am Ende ihrer Kräfte sind.

Gesundheitsschutz im Vordergrund

Nach langen und kontroversen Diskussion ist im Gremium eine Entscheidung gefallen. Der Betriebsrat stimmt der Einstellung von bis zu 60 LeiharbeiterInnen bis zum 30.9.2016 zu. Das sind mehr, als der Arbeitgeber zunächst gefordert hatte. Die zusätzlichen Kräfte sind aus Sicht des BR notwendig, um die festangestellten KollegInnen zu entlasten; sprich: die Arbeitszeiten in der Logistik wieder auf ein normales und gesundes Maß zurückzufahren.

Nur unter dieser Voraussetzung hat der Betriebsrat dem Einsatz der LeiharbeiterInnen zugestimmt. Die Gesundheit der KollegInnen ist ein zentrales Anliegen der Interessenvertretung. Daneben geht es auch um die Sicherung der verbliebenen Arbeitsplätze in der Verwaltung. Die schnelle und zuverlässige Belieferung unserer KundInnen ist Voraussetzung für den Geschäftserfolg von WELTBILD.

In der Logistik entscheidet sich die Zukunft von WELTBILD

Selbstverständlich kann der Einsatz von LeiharbeiterInnen nur eine Übergangslösung sein. Der Betriebsrat erwartet von der Geschäftsführung, dass die Logistik wieder auf stabile Füße gestellt wird. Die Kosten sind nur eine Seite der Medaille. Unsere KundInnen verlangen eine flexible, schnelle und zuverlässige Belieferung. Wenn das Management hier weiter so dilettantisch agiert, geht auch WELTBILD den Bach runter. Der Betriebsrat hätte sehr ungern wieder recht…

Montag, 5. Oktober 2015

KAB-Einladung: "Was ist uns die Arbeit wert?"


Am 7. Oktober ist der Internationale Tag der menschenwürdigen Arbeit. Aus diesem Anlass lädt die  Katholische Arbeitnehmer Bewegung (KAB) am Donnerstag zu einem öffentlichen Fachgespräch über Werkverträge und Ausgliederungen ein.
 

Die Zunahme von „Werkverträgen“, Ausgliederung von Betriebsteilen und prekäre (Leih-)Arbeit machen uns zunehmend Sorgen. Politisches Handeln tut Not. Dies sind unsere Themen, die wir mit Fachleuten aufgreifen.

Donnerstag, 8.Oktober 2015, 18:00 Uhr
Augsburg-Pfersee, Pfarrsaal, Franz-Kobingerstr. 10 

Gesprächsrunde mit

Karl Bauer,            IG BAU Schwaben/Oberbayern
Nicole Avramidis, IG Metall Augsburg
Erwin Helmer,       KAB-Präses, Betriebsseelsorger
Xaver Rothmair,   Betriebsrat Brembo SGL
Martina Frank,      Betriebsrätin POST AG

Moderation: Betriebsseelsorger Hans Gilg

Mittwoch, 12. August 2015

Vernichtung statt Sanierung: Droege lässt die Maske fallen


Nach monatelangem Ringen um einen Sanierungsplan für WELTBILD/ALSO setzt Walter Droege auf eine Vernichtungsstrategie und gefährdet damit den Fortbestand der gesamten Gruppe. Die vorsätzlich herbeigeführte Insolvenz der ALSO-Logistik in Augsburg ist der letzte Trumpf des Milliardärs aus Düsseldorf. Sein Ziel: die MitarbeiterInnen der Logistik sollen ohne einen angemessenen Sozialplan billig entsorgt werden, die Betriebsratsstrukturen zerschlagen und regulär Beschäftigte im großen Stil durch LeiharbeiterInnen ersetzt werden.

Zuvor hatten Droeges Anwälte die Einrichtung einer gerichtlichen Einigungsstelle gegen den Betriebsrat durchgesetzt. Der Vorsitzende dieser Einigungsstelle, der Arbeitsrichter Holger Dahl, forderte Walter Droege im Juli auf, persönlich an den Verhandlungen um die Zukunft des Augsburger Unternehmens teilzunehmen. Daraufhin veranlasste Droege die Insolvenz des Logistik-Bereichs. Offenbar hatte Droege erkannt, dass er Massenentlassungen zum Nulltarif auch über eine Einigungsstelle nicht erzwingen kann, und sich daraufhin für eine perfide Strategie entschieden: Er nutzt nun das Insolvenzrecht als Waffe gegen die Beschäftigten und ihre Interessenvertretung. So sollen die Beteiligungsrechte des Betriebsrats und die vertraglichen Ansprüche der MitarbeiterInnen aus der Überleitungsvereinbarung von 2014 vom Tisch gefegt werden.

Beim Einstieg hatte Droege 2014 folgende Punkte vertraglich mit Betriebsrat und Gewerkschaft vereinbart: • Kündigungen nur als letztes Mittel nach Ausschöpfung aller Alternativen (Kurzarbeit, zeitweiser Verleih von Arbeitskräften an andere Unternehmen, freiwilliges Ausscheiden mit Abfindung) • kein Einsatz von LeiharbeitnehmerInnen, solange in der Logistik noch Unterbeschäftigung besteht • Sozialplanleistungen und eine Transfergesellschaft wie 2014, falls doch Kündigungen notwendig sein sollten • Verhandlungen zum Abschluss eines Haustarifvertrags.

Stattdessen hat Reiner Wenz, Eigenverwalter der insolventen ALSO-Logistik in Augsburg, dem BR gestern ein E-Mail ausgehändigt. Dieses Mail richtete sich nicht an den Betriebsrat, sondern es handelte sich um das Schreiben eines Anwalts an einen anderen Anwalt. Beide stehen mittelbar in den Diensten von Walter Droege, der mit diversen und ständig wechselnden Rechtsvertretern seit Monaten jeden Verhandlungs-Fortschritt verhindert. Aktuell sind auf Arbeitgeberseite vier unterschiedliche Kanzleien beauftragt. Worin deren Auftrag genau besteht, ließ sich bisher nicht abschließend klären.

In dem Mail werden mehrere Forderungen formuliert, die ALSO Deutschland angeblich gegenüber dem Augsburger Betriebsrat aufstellt:
Zitat:
a) Personalabbau von 300 Vollzeitstellen zum 1.9.2015 (Abfindung maximal mit Faktor 2,5; insgesamt maximal 2,3 m€).
b) Kündigung aller Betriebsvereinbarungen zum 1.9.2015 (Wochenarbeitszeit, Urlaubstage, Sonderurlaub, Weihnachtsgeld, etc.).
c) Anwendung logistischer Tarifvertrag.
d) Keine Sozialauswahl.
e) Aufnahme von Leiharbeit.
Wenn diese Forderungen nicht erfüllt werden, droht laut Wenz die Schließung der Logistik noch vor dem 1. Oktober.

Ein verhandlungsfähiges Konzept liegt dagegen weiterhin nicht vor. Stattdessen verweisen die beteiligten Anwälte darauf, dass sie sich erst einarbeiten müssten. So wird der enge Zeitraum bis zur Insolvenzeröffnung am 1. Oktober bewusst vertan. Der aktuelle Geschäftsführer der Logistik, Interims-Manager Reiner Wenz, kann keinerlei Expertise im Bereich Logistik vorweisen und hat bis heute keinen einzigen eigenen Vorschlag zur Lösung der Misere beigetragen. Aus Sicht des Betriebsrats gehört auch das zur perfiden Strategie des Walter Droege: Chaos in die Verhandlungen bringen, Zeit schinden und dann die Insolvenzordnung nutzen, um Fakten zu schaffen und die Mitarbeiter billig zu entsorgen.

Wie geht es weiter? Am 24.8. ist die nächste Sitzung der Einigungsstelle und möglicherweise die letzte Chance auf eine vernünftige Einigung. Der Betriebsrat verlangt die Einhaltung der geltenden Verträge einschließlich der Haftungsvereinbarung mit der nicht insolventen ALSO Mobility GmbH für Sozialplanansprüche der Logistik-MitarbeiterInnen. Wir brauchen zeitnah einen runden Tisch mit den Anteilseignern, der Politik und dem BR und ver.di als Beteiligten. Dass die Logistik geräuschlos entsorgt wird, werden wir nicht zulassen.

Samstag, 4. Mai 2013

Film ab zum 1. Mai


Die OrganisatorInnen hatten gezittert. Aber am Ende blieb Augsburg am 1. Mai vom Regen verschont. So zogen rund 1.500 TeilnehmerInnen gut gelaunt vom Moritzplatz zur Mai-Feier des DGB auf der Freilichtbühne. Unser kleiner Film zeigt den Marsch und Ausschnitte der Redebeiträge unseres ver.di-Betriebsgruppensprechers Timm Boßmann von Weltbild. Sehen Sie selbst:



Einige der Bilder im Film haben wir mit freundlicher Genehmigung von Peter Feininger verwendet, der mit www.forumaugsburg.de einen wesentlichen Beitrag zur Vernetzung linker Gruppen in Augsburg leistet. Schauen Sie sich die Seite ruhig einmal an.

Mittwoch, 20. März 2013

Wettbewerbsvorteile für Amazon


Amazon hat zur Zeit keine gute Schlagzeilen.

Leiharbeiter verdienen weniger als versprochen, Leiharbeiter werden kontrolliert, werden von zweifelhaften Sicherheitsdiensten überwacht und schließlich in unbefriedigenden Unterkünften untergebracht.

Es gibt diverse Berichte, dass das Personal insgesamt nicht gut behandelt wird.
Schlechte Luft oder Schrittzähler für die Logistikmitarbeiter sind nur zwei Beispiele für die Beschwerden.

Amazon weigert sich, einen Tarifvertrag mit Ver.di abzuschließen.
Amazon lässt sich seine Arbeitskräfte teilweise vom Arbeitsamt finanzieren.
Amazon lagert Gewinne ins Ausland aus.
Amazon liefert ebooks von Luxemburg aus, weil man dort Umsatzsteuer sparen kann.

Das alles hat auch die Betriebsseelsorge Diözese Augsburg auf den Plan gerufen und zu einem offenen Brief an Frau von der Leyen veranlasst.

Bei aller Kritik sollen auch die Gegenstimmen zu Wort kommen.
So hat Amazon gerade im Raum Augsburg viele Menschen zu Arbeit gebracht, die vorher Probleme hatten, etwas zu finden.
Da dürfen sich die anderen Arbeitgeber gerne an die Nase fassen, die die Menschen im Regen stehen lassen und ihnen keine Chance geben.

Was bedeutet das alles für uns Weltbildler ?

Ein Arbeitgeber wie Amazon, der keine Tarifverträge hat, teilweise keine Betriebsräte, viele Leiharbeiter, Zeitverträge, Werksverträge, jedes Instrument zum Sparen ausnutzt, setzt alle anderen Arbeitgeber unter Druck.

Wer mit Amazon konkurrieren will, muss mindestens genauso scharf oder besser noch schärfer herangehen, um bestehen zu können.
Es entsteht eine Abwärtsspirale, gut zu beobachten auch insgesamt bei den wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen in Deutschland.

Öffentliche Gelder für Amazon verzerren den Wettbewerb, wobei man bei diesem Argument nicht vergessen darf, dass es anderen Arbeitgebern auch möglich wäre, Langzeitarbeitslosen eine Chance zu geben.

Aber diese Förderung sollte mit Augenmaß vergeben werden und nicht, wenn der Langzeitarbeitslose die Stelle ohne Förderung auch bekommen würde.

Und man sollte peinlichst darauf achten, dass das Förderungsziel der dauerhaften Beschäftigung auch erreicht wird und hier nicht nur öffentliche Gelder abgeschöpft werden und der Geförderte hinterher wieder arbeitslos ist.

Die Folgerung ist, dass die Vorgehensweise von Amazon den Wettbewerb verzerrt und Firmen benachteiligt, die tariflich zahlen, ihre Steuern in Deutschland zahlen und ihre Mitarbeiter anständig behandeln.
Das kann dann bei diesen Firmen Arbeitsplätze kosten, das muss man mal klar sagen.

Abhilfe könnte die Politik schaffen.
Abhilfe können wir schaffen.

Wir können die Politik beeinflussen, in dem wir am 1. Mai auf die Straße gehen und bei den Wahlen Parteien wählen, die sich dafür einsetzen, die Arbeitsverhältnisse zu verbessern.

Wir können die Gewerkschaft(en) unterstützen, die bei der Einführung von Betriebsräten helfen und Tarifverträge abschließen können.
Wir sind nicht hilflos, sondern gemeinsam stark.

Montag, 14. Januar 2013

Kein Urlaubsanspruch als Leiharbeiter


Dies ist kein Märchen, sondern bittere Wahrheit. Viele Leiharbeiter wundern sich, dass Helmes keinen Urlaub gewährt. Helmes sagt, dass sie keinen Anspruch haben.

Weltbild hat ja vermehrt zum Weihnachtsgeschäft Leiharbeiter angefordert. Helmes hat erst zu diesem Zeitpunkt Personen eingestellt und ihnen meistens auch nur einen befristeten Arbeitsvertrag gegeben. Anfang und Ende des Vertrages sind nicht am Anfang oder am Ende des Monats, sondern irgendwo im Monat. Also hat jemand nicht am 1.12. angefangen, sondern am 3.12. als Beispiel oder der Vertrag lief zum 22.12. aus.

Im Arbeitsvertrag wird auf die Urlaubs-Regelung im BZA-Tarifvertrag und Bundesurlaubsgesetz verwiesen. In § 11.2 BZA-Tarifvertrag steht:
Bei Ausscheiden innerhalb der ersten sechs Monate des Bestehens des Beschäftigungsverhältnisses erwirbt der Arbeitnehmer einen Urlaubsanspruch gemäß §§ 3 und 5 Bundesurlaubsgesetz …. Im Ein- und Austrittsjahr hat der Mitarbeiter gegen den Arbeitgeber Anspruch auf so viele Zwölftel des ihm zustehenden Urlaubs, als er volle Monate bei ihm beschäftigt war.
Dies wird auch so in § 5.1 Bundesurlaubsgesetz geregelt.

Das heißt, wenn jemand am 3.12. anfing, hat er keinen Urlaubsanspruch für den Monat Dezember. Auch wenn jemand zum 22.12. aufhört kein Anspruch. Helmes beharrt auf den tariflichen und gesetzlichen Regelungen und zeigt sich hier überhaupt nicht kulant, auch wenn bei jemand nur 1 Tag fehlt. Hiermit spart sich Helmes einen Haufen Geld, weil Urlaubstage sind ja zu bezahlen.

Wir von der Weltbild-Ver.di-Blogredaktion finden: Eine Sauerei, weil schließlich hier Menschen arbeiten und keine Arbeitseinheiten. Urlaub dient der Erholung, auch wenn man „nur“ befristet arbeitet. Entsprechend frustriert sind jetzt die Leiharbeiter, die das betrifft.

Wir fordern Weltbild auf, darauf zu achten, dass die Leiharbeiter einen Urlaubsanspruch erwerben können. Sprich: dass sie volle Monate arbeiten können und von Helmes einen entsprechenden Vertrag bekommen.

Freitag, 20. Juli 2012

Respekt: Eine rundum gelungene Betriebsversammlung




So wie in diesem Film geht es bei WELTBILD sicher nicht zu. Aber auf die Frage "Sind Sie heute schon gelobt worden? Oder in der letzten Woche, letzten Monat oder im vergangenen Jahr?" konnte fast niemand der 800 MitarbeiterInnen auf den beiden Betriebsversammlungen mit "Ja" antworten. Betriebsrat Peter Hellriegel warb in seiner Rede für mehr Respekt im Umgang miteinander. Als sichtbares Zeichen zur Verbesserung des Betriebsklimas hatte der Betriebsrat Buttons fertigen lassen und zusammen mit einer Extra-Ausgabe des Pickers auf allen Stühlen ausgelegt. Die Aktion kam bei der Belegschaft sehr gut an, viele steckten sich den kleinen Smiley gleich ans T-Shirt.



Zuvor hatte Betriebsseelsorger Erwin Helmer von den unhaltbaren Zuständen bei der Friedberger Landbäckerei Ihle berichtet und für Solidarität mit dem BR-Vorsitzenden Lothar Rother geworben: "Ein absolut respektabler Mann!" Die Geschäftsführung der Bäckerei-Kette Ihle hat den PC des Betriebsrats mit einem Trojaner ausspioniert und steht deshalb gerade vor Gericht (wir berichteten). 

Aber zurück zu WELTBILD: In den letzten Wochen wurde viel über die Stiftung diskutiert, die unser Unternehmen zukünftig übernehmen soll. Betriebsrat Timm Boßmann fasste noch einmal kurz zusammen, was das für die Belegschaft bedeutet, und beantwortete die Fragen aus dem Publikum.


Betriebsratsvorsitzender Peter Fitz berichtete unter anderem von Fortschritten bei der Einführung des Betrieblichen Eingliederungs-Managements (BEM) und freute sich "über einen historischen Tiefstand der Leiharbeit". Derzeit sind nur noch 50 LeiharbeiterInnen bei WELTBILD beschäftigt. Das ist das Ergebnis mehrerer Betriebsvereinbarungen, die in Summe für über 450 neue Festanstellungen zu Tarifbedingungen sorgten. Diesen beispiellosen Erfolg lobte auch Hans Gilg von der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), der bei der zweiten Versammlung am Nachmittag zu Gast war.

Ein weiteres Thema war wieder einmal die Bürosituation im Neubau. Viele Büros sind mit bis zu 6 (!) MitarbeiterInnen völlig überbelegt: "Das erinnert an Käfighaltung!" Personalchef Michael Seher versprach einen Stufenplan, um die Belegung zurückzufahren und wieder ein vernünftiges, konzentriertes Arbeiten zu ermöglichen. 


Ein weiteres Thema aus dem Verwaltungsbereich ist die geplante Neuordnung der Arbeitszeiten für BüroarbeiterInnen. Timm Boßmann stellte das geplante "Ampelmodell" dar und beschrieb die Probleme der "Nicht-Stempler": "Es kann nicht sein, dass Leute in Tarifgruppe IV oder V ohne Stempelkarte kostenlos Mehrarbeit leisten müssen!" Der Verzicht auf die Stempelkarte müsse mit deutlichen Lohnaufschlägen honoriert werden: "Alles andere ist ein ganz schlechtes Geschäft für die MitarbeiterInnen." Dabei wies Boßmann darauf hin, dass nach der derzeitig gültigen Betriebsvereinbarung jedeR ein Recht auf eine Stempelkarte habe, auch die sogenannten "Außertariflichen": "Wenn Sie ihre Karte zurückhaben wollen, kommen Sie ins Betriebsratsbüro, wir gehen zusammen in die Personalabteilung und holen Ihre Karte wieder!"

Zum Ende des Geschäftsjahres zogen die Geschäftsführer Carel Halff bzw. Dr. Martin Beer Bilanz. Die Verlagsgruppe hat demnach trotz schwieriger Branchenlage einen positiven Abschluss erzielt. Vor allem aber sei man für die Zukunft bestens aufgestellt: Im Gegensatz zu Mitbewerbern wie Amazon verfügt WELTBILD über ein ausgebautes Filialnetz, starke Katalog-Werbung und punktet bei den KundInnen mit redaktioneller Kompetenz und vielen Eigenausgaben. Im nächsten Jahr werde die Renovierung der IT-Landschaft abgeschlossen und das neue automatische Kisten-Lager in Betrieb genommen. Dann werde die Nummer 2 im deutschen Buchhandel noch ein Stück näher an den Marktführer Amazon heranrücken. 


Zu Amazon nahm auch ver.di-Sekretär Thomas Gürlebeck Stellung. Die miesen Arbeitsbedingungen zum Beispiel im Amazon-Lager in Graben sorgten für eine Wettbewerbsverzerrung: "Ich mache im Bekanntenkreis gern Werbung für WELTBILD: Mag sein, dass euer Paket 12 Stunden länger unterwegs ist, aber dafür sind die Arbeitsbedingungen im Großen und Ganzen in Ordnung!" Gürlebeck lobte die Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung. Auch wenn man unterschiedliche Positionen vertrete, gebe es am Ende meist gemeinsame Ergebnisse: "Der Zukunftstarifvertrag und die Betriebsvereinbarungen zur Leiharbeit sind sehr positive Beispiele."

Für die kommende Tarifrunde kündigte Gürlebeck Lohnforderungen von 6% und mindestens 110 Euro für die unteren Tarifgruppen an: "Aber da werden wir uns wahrscheinlich noch ein bisschen streiten müssen", grinste der Gewerkschafter, der am Mittwoch einen sehr sympathischen und von der Belegschaft viel gelobten Auftritt hinlegte.



Donnerstag, 10. Mai 2012

Betriebsversammlung: viele Erfolge und ehrgeizige Pläne

Das muss es auch mal geben! Nachdem der Zukunftstarifvertrag unterschrieben und von den Bischöfen gesiegelt worden ist, traf sich die WELTBILD-Belegschaft zu einer sehr harmonischen und gut gelaunten Betriebsversammlung. 


Betriebsratsvorsitzender Peter Fitz berichtete von Erfolgen der täglichen BR-Arbeit, die in den letzten Monaten im Schatten des Themas »Zukunftstarifvertrag« kaum wahrgenommen wurden.

Erfolgsmeldungen des Betriebsrats 
BR-Vorsitzender Peter Fitz berichtete von den anderen Projekten, die der Betriebsrat in jüngster Zeit zufriedenstellend abgeschlossen hat:

  • Die Betriebsvereinbarung zur Reduzierung von Leiharbeit bei WELTBILD wurde konsequent umgesetzt. Damit sind über 450 neue, feste Arbeitsplätze geschaffen worden. In einigen Wochen im Jahr sind überhaupt keine LeiharbeiterInnen im Versand beschäftigt. Ein beispielloser Erfolg, den es in keinem anderen Versandhandelsunternehmen gibt. 

  • Ebenfalls positiv: Die Umstellung auf SAP kostet keine Arbeitsplätze in der IT. Ursprünglich wollte die Geschäftsführung rund 80 ES-9000-ProgrammiererInnen nach Einführung von SAP "dabei helfen, neue Jobs außerhalb des Unternehmens zu finden". Mit einer Betriebsvereinbarung und viel Kleinarbeit in der täglichen Mitbestimmung ist jetzt für alle KollegInnen aus dem Bereich gesorgt. 

  • Last but not least: seit die Kantine von WELTBILD direkt betrieben wird, schmeckt das Essen und wird von den meisten MitarbeiterInnen ausdrücklich gelobt. Kompliment an den neuen Koch! 

Angestellte in Verwaltung und Kreation werden mit Arbeitsaufträgen überhäuft. Statt Dank kriegen die KollegInnen am Ende des Geschäftsjahres auch noch Druck von ihren Vorgesetzten. In einem sehr gelungenen Sketch stellten die Kollegen Peter Hellriegel und Peter Reichert-Meissl die Situation treffend dar.

Neue Arbeitszeitregelung für die Verwaltung 
Eine neue Baustelle für den Betriebsrat ist die Arbeitszeitregelung im Verwaltungsbereich. Diese muss dringend überarbeitet werden. Peter Hellriegel und Peter Reichert-Meissl machten die täglichen Probleme der aktuellen Regelung mit einem gelungenen und äußerst amüsanten Sketch deutlich. Danach stellten sie das "Ampelmodell" des Betriebsrats vor: klar, praktisch und eigenverantwortlich – as sind einige Schlagworte zu diesem Thema. In Kürze werden wir hier ausführlicher berichten.


Wie immer sehr gut besucht: Am Montag kamen rund 1.000 KollegInnen zu den beiden Betriebsversannlungen.

Betriebliches Eingliederungs-Management 
Die Mitglieder des Gesundheits-Ausschusses Johannes Ihmenkamp und Tanja Sedlmeier sowie die Schwerbehinderten-Vertreterin Gaby Schäfer berichteten von Fortschritten beim betrieblichen Gesundheitsmanagement. Schwerpunkt ihrer vielstimmig vorgetragenen Präsentation war das sogenannte BEM (= Betriebliches Eingliederungs-Mangement). Das ist eine gesetzliche Regelung, die greift, wenn einE MitarbeiterIn länger als sechs Wochen innerhalb der letzten zwölf Monate krankgeschrieben war. Hier sorgt der BR dafür, dass diese neue gesetzliche Regelung bei WELTBILD im Sinne der Belegschaft ausgelegt wird und nicht etwas zum Druckmittel der Chefs verfremdet wird.

Neue Jugend- und Auszubildenden-Vertretung gewählt 
Auf der Betriebsversammlung stellten sich Jessica Uhl, Ramona Ratschker und Lisa Wiedenmann als frisch gewählte JAV vor. Dazu gibt es hier in Kürze einen eigenen Bericht mit Foto. Wir wünschen den mutigen jungen Kolleginnen viel Erfolg bei ihrer wichtigen Arbeit!


Nach den harten Auseinandersetzungen der letzten Monate fühlte sich diesmal auch Carel Halff sichtlich wohl im Kreise seiner MitarbeiterInnen. Der Vorsitzende der Geschäftsführung stellte viele neue Projekte vor, die WELTBILD an der Spitze des deutschen Buchandels halten sollen.

Bericht der Geschäftsführung 
Carel Half berichtete der Belegschaft von einem betriebswirtschaftlich abwechslungsreichen Geschäftsjahr. Den Schwerpunkt legte er auf die vielen Investitionen, mit denen WELTBILD seine Marktposition im (Versand-)Buchhandel ausbaut. Insbesondere im Bereich eBooks ist die Verlagsgruppe Spitze: Über eine Viertelmillion verkaufte Geräte und ein Angebot von mehr als 180.000 elektronischen Büchern sichern WELTBILD eine prominente Stellung im Buchmarkt der Zukunft. Direkten Konkurrenten wie THALIA (200.000 Euro Verlust im letzten Geschäftsjahr) haben große Schwierigkeiten, entlassen bereits Leute (NECKERMANN will 50% der Belegschaft kündigen) oder planen grundlegenden Veränderungen (OTTO-Gruppe). Carel Halff ist sich sicher, dass WELTBILD die Weichen bereits heute richtig gestellt hat: "Ich sehe sehr zuversichtlich in die Zukunft, wir haben ein großes Potential!"

Tarifrunde 2012: ver.di fordert 6 Prozent mehr Lohn 
Die Stichworte "Investitionen" und "Potential" kamen der Betriebsrätin Dolores Sailer gerade recht. Als Mitglied der ver.di-Tarif-Kommission forderte sie in einer sehr pointierten Rede: "Investieren Sie in die MitarbeiterInnen von WELTBILD: Wir haben dieses Unternehmen aufgebaut und wir sind das Potential für eine erfolgreiche Zukunft!" Die Gewerkschaft fordert 6% mehr Lohn (mindestens 110 Euro in den unteren Gehaltsgruppen) und 55 Euro mehr für die Auszubildenden bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Das entsprechende ver.di-Flugblatt wird in den nächsten Tagen im Betrieb verteilt.

Donnerstag, 19. April 2012

Leiharbeit - Aufruf zur Kundgebung am 27. April 2012

Unsere Kolleginnen und Kollegen der IG Metall, Arbeitsgruppe Zeitarbeit, haben uns gebeten folgendes zu veröffentlichen:

Am 27. April findet in Frankfurt die 4. Verhandlung zu den Branchenzuschläge der Metall- und Elektroindustrie zwischen IG-Metall und BAP/iGZ statt. Die IG-Metall plant am Rande dieser Veranstaltung eine Kundgebung, um der Verhandlungsgruppe mehr Gewichtung zu verleihen.

Die Kundgebung findet am 27. April ab 10:30 Uhr statt. Treffpunkt: 10 Uhr, vor dem DGB-Haus, Wilhelm-Leuscher-Str. 80, 60330 Frankfurt.

Für Mittags ist ein Imbiss geplant. Diese Veranstaltung ist nicht nur für IG-Metall-Mitglieder von Bedeutung, sondern für die komplette Zeitarbeitsbranche. Diese Verhandlungen sind ausschlaggebend für die Zukunft der Zeitarbeit. Sollte man sich hier nicht einigen, werden Betriebsräte, auch die von Zeitarbeitsfirmen, keinen Einfluss auf zukünftigen Verhandlungen haben.
Eine "Experten-Kommision", von Frau von der Leyen eingesetzt, wird dann über die Zukunft in der Zeitarbeit entscheiden. Was das bedeutet, sieht man anhand des AÜGs, das zum Großteil von Menschen verabschiedet wurde, die keine Ahnung von der Zeitarbeit haben.

Freitag, 9. März 2012

Presseschau



Einen ausführlichen Hintergrundbericht über "Ein veritabler Wirtschaftskrimi - Die wechselvolle Beziehung zwischen katholischer Kirche und dem Weltbild Verlag" findet man in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Man sollte den Weltbild-Verkauf überdenken, meint Hans Tremmel, Vorsitzender des Diözesanrats der Katholiken in der Erzdiözese München und Freising.
Interessanterweise sind die Artikel in kath.net
und ein bisschen weniger ausführlich in kathweb.at
deutlich länger als der in Radio Vatikan.
Ein bisschen Zensur kann nicht schaden, oder ?

Dann haben wir noch eine vierte Variante.
Die katholischen Medien sprechen mit vielen Zungen. Hier liest sich Herr Tremmel wieder etwas anders und spricht über die Erlöse und einen Teilverkauf.

Auch die Augsburger Allgemeine informiert über die Bischofskonferenz, interessant hier auch die Passage, daß die katholische Kirche laut Erzbischof Zollitsch gegen Leiharbeit ist und dagegen vorgeht.

Erzbischof Marx besteht auf einem Verkauf von Weltbild und meint, daß er sich für das Schicksal der Weltbild-Mitarbeiter interessiert und es sozialethisch wichtig sei, ihre Interessen im Blick zu behalten.
Er hat auch Verständnis für den Wunsch nach einem Tarifvertrag.

Man merkt, dass die Kirchenleute Meister der Worte sind.
Besonders verbindlich klingt das nicht.
Ich interessiere mich auch für das Schicksal der Schnecken im Garten und vermutlich ist es biologisch wichtig, ihre Interessen im Auge zu behalten.
Und ich habe Verständnis für ihren Wunsch nach frischen Salatblättern.
Ich streue aber trotzdem Schneckenkorn.

Die Stiftungslösung ist in der Frankfurter Allgemeinen Thema.

Der offene Brief findet Widerhall im Börsenblatt.

Was nettes zum Schmunzeln findet sich in der Süddeutschen - wie Mönche Wildschweine und Spanferkel in Wassertiere verwandelten, um sie während der Fastenzeit verspeisen zu können.

Ein Jesuit erzählt über die Medienpolitik der Kirche.
Über seine unternehmerischen Fähigkeiten soll sich jeder selbst ein Urteil bilden.
Er meint, dass Weltbild aufgrund der Überfülle der Titel und mangelnder Qualität wie Schlecker noch vor Ostern ins Trudeln geraten könne. Wie kommt er denn nur auf so etwas ?


Samstag, 25. Februar 2012

Augsburg: Aktionstag zur unsicheren Arbeit am unsichersten Tag des Jahres, Mittwoch 29.02.2012 18:00 Uhr


Dieser Tag ist der Gedenktag für den unsichersten und prekärsten "Heiligen" Prekarius bzw. Prekaria.
Prekarius/a ist das Symbol für alle Menschen, die in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen leben, gegen Leiharbeit, gegen andauernde Befristungen und Armutslöhne.
Entstanden aus Demütigung und menschenunwürdigen Verhältnissen und aus der Hoffnung auf eine gerechte, menschliche und liebevolle Welt.

Den unsichersten Tag des Jahres - einen Tag - der nur alle vier Jahre im Kalender steht - nehmen Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) und Christliche Arbeiterjugend (CAJ) in Augsburg in Kooperation mit attac Augsburg zum Anlass, auf die unbefriedigende Situation hinzuweisen.

Daher findet am Mittwoch, dem 29.2.2012 ab 18:00 Uhr, eine öffentliche Aktion zur unsicheren Arbeit in Deutschland statt.
Leiharbeit, befristete und geringfügige Beschäftigung, Solo-Selbständige, Generation Praktikum usw...

Neben der Beschreibung der aktuellen Situation um 18.00 Uhr wird es bei der anschließenden Veranstaltung auch um mögliche Auswege aus der Misere gehen.
"Sankt" Prekarius




CAJ, KAB und attac laden zu folgenden Veranstaltungen ein: 


18.00 Uhr auf dem Fuggerplatz
"Entwicklung und Ausmaß der unsicheren Beschäftigung"



 19.00 Uhr im Tagungszentrum Annahof
"Wege aus der Armutsfalle - leben und arbeiten, aber anders"






 
"Seit Jahren haben wir es mit einer Zunahme der unsicheren Beschäftigung zu tun. Nicht nur Leiharbeit und befristete Beschäftigung, sondern auch geringfügige Anstellung oder unbezahlte Praktika sind an der Tagesordnung. Diese Beschäftigungsverhältnisse machen bereits heute ein gedeihliches Auskommen unmöglich, über Anwartschaften für die Rente braucht man dabei überhaupt nicht nachzudenken."

"Die Würde der Arbeit misst sich an der Person" Kompendium Kath. Soziallehre 271

Deshalb weg mit der Leiharbeit - her mit existenzsicherndem Lohn !

Freitag, 30. September 2011

"Wege aus der Leiharbeit" - Fachgespräch



Am Dienstag, 18.Oktober 2011, 18.30 UhrAugsburg, Pfarrsaal St. Ulrich, Ulrichsplatz 16

Sie sind herzlich eingeladen zum Fachgespräch über die Zukunft der Leiharbeit, die wir sehr kritisch sehen, mit folgenden kompetenten Gesprächspartnern:

Dolores Sailer, Betriebsrätin WELTBILD
Claus Hartmann, AK „Menschen in Zeitarbeit“
Präses Erwin Helmer, KAB + Betriebsseelsorge
Inge Christl, Betriebsrätin Fa. SCHLECKER
Gerald Brückner, stv. BR-Vorsitzender, Fujitsu-Siemens
Karl Bauer, IG Bauen-Agrar-Umwelt

Moderation: Hans Gilg, Betriebsseelsorger

Wir freuen uns über Ihr Interesse !

Montag, 29. August 2011

BR fordert Betriebsvereinbarung Leiharbeit: Jetzt Nägel mit Köpfen machen!



Übernahmen sind schön und gut, aber sporadische Aktionen sind nicht ausreichend. Das Ziel des Betriebsrats ist eine ordentliche Betriebsvereinbarung zur Leiharbeit. Der Ausschuss "Leiharbeit" hat der Geschäftsleitung einen Entwurf vorgelegt. Jetzt wird verhandelt.

Hier einige zentrale Punkte, die in der Betriebsvereinbarung geregelt werden sollen: Festgelegt soll z. B. werden, wieviel Leiharbeiter maximal bei Weltbild eingesetzt werden dürfen. Leiharbeit soll wieder zu dem werden, wofür es ursprünglich gedacht war: Zum Einsatz bei unvorhersehbaren Spitzen und als Ersatz für Langzeitkranke. Und das in einem planbaren Rahmen.

Es gibt genügend andere Möglichkeiten, Arbeiter flexibel einzusetzen, wie etwa Aushilfen oder Ferienjobs. Schließlich haben vor 15 bis 20 Jahren die Aushilfen tatkräftig mitgeholfen, die Firma zu dem zu machen, was sie heute ist.

Gute Arbeit muss auch entsprechend bezahlt werden. Und Übernahmen sollen fest geregelt werden.
Gerade im Hinblick auf Amazon in Graben brauchen wir für das nächste, anstehende Weihnachtsgeschäft wieder genügend Personal. Aber keine unterbezahlten Leiharbeiter, schließlich ist Weihnachten planbar – damit jeder Kunde am 24. Dezember sein Päckchen hat.

Freitag, 26. August 2011

DGB: "Der Staat subventioniert Lohndumping."


Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Nach einer Sonderauswertung von Daten der BA (Bundesanstalt für Arbeit) kommt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zu dem Schluss, dass im Arbeitsamtsbezirk Augsburg Leiharbeitskräfte in Vollzeit Ende 2009 im Schnitt 40%  weniger verdient haben als andere Vollzeitbeschäftige.

Für Helmut Jung, Regionsvorsitzender des DGB (Augsburg), ist Leiharbeit – unabhängig vom Qualifikationsniveau – ein ausgeprägter Niedriglohnsektor, »bei dem der Staat Lohndumping und nicht Existenz sicherndes Arbeitseinkommen oftmals über Hartz IV oder andere Sozialleistungen wie Wohngeld (indirekt) subventionieren muss«. 

In keiner anderen Branche sei das Armutsrisiko trotz Erwerbstätigkeit so groß wie in der Leiharbeit, so Jung. Er sieht die Neuordnung der Leiharbeit mit den Hartz-Gesetzen als »gründlich gescheitert« an. Nach Auffassung des DGB sei diese Situation auch nicht mit einer EU-Richtlinie vereinbar, die bis zum Jahresende in deutsches Recht umgesetzt werden müsse, so Jung. 

Die Richtlinie verlange, dass auch bei einer tariflichen Abweichung der Gesamtschutz der Leiharbeiter gewahrt werden müsse. »Angesichts dieser Daten kann davon in Deutschland jedoch keine Rede sein. Vielmehr wird das unternehmerische Risiko auf die Leiharbeitskräfte, die Sozialkassen und den Steuerzahler verlagert.«

Jung weist darauf hin, dass mittlerweile in 10 EU-Ländern die Gleichbehandlung der Leiharbeitskräfte ohne Ausnahme gelte: »In keinem EU-Land sind die Lohnunterschiede so hoch wie in Deutschland.«

Donnerstag, 25. August 2011

Kirchenvertreter fordert WELTBILD zum Handeln gegen Leiharbeit auf



Hans Gilg ist Pastoralreferent und Mitarbeiter der Katholischen Betriebsseelsorge im Raum Augsburg. Auf der jüngsten Weltbild-Betriebsversammlung hielt er einen Vortrag zum Thema Leiharbeit unter dem Titel "Die einen und die anderen … und wer schützt die anderen?". Hier Auszüge aus seiner engagierten Rede – klare Worte, die nachdenklich stimmen und immer noch nachwirken. 

Die einen arbeiten bei Weltbild, die anderen sagen, dass sie bei Weltbild arbeiten. Der Bekanntenkreis soll nicht wissen, dass sie Leiharbeiter sind. Die einen haben einen festen Arbeitsvertrag, die anderen auch – aber mit „Helmes“ und wie sie alle heißen. 
Die einen sind unter Personalkosten verbucht, die anderen unter Sachkosten oder ähnlichen Bezeichnungen. Die eine arbeitet als Verpackerin am Band, die andere auch – aber zu weniger Lohn. Die einen bekommen einen Mietvertrag, die anderen eine nette Absage – wenn sie sich als Leiharbeiter outen. 
Für die Zukunft planen?Die einen erhalten Kredit bei ihrer Bank, die anderen wieder eine höfliche Absage („Sie müssen schon verstehen, uns sind auch die Hände gebunden, aber wir brauchen natürlich Sicherheiten…“) Die einen können für die Zukunft planen, die anderen überlegen, von was sie gegen Ende des Monats leben sollen.
Die einen hoffen, dass sie einmal eine Rente bekommen, von der sie leben können, die anderen ahnen schon, dass im Alter nicht viel übrig bleibt, um würdig leben zu können. Die einen hoffen auf Leiharbeit als Sprungbrett in die Festanstellung, die anderen haben entmutigt aufgegeben, weil sie aus dieser Mühle seit vielen Jahren nicht mehr herausgekommen sind. 
Es ist gut, dass die einen diese Standards haben: Fester Arbeitsplatz, gerechter Lohn, Sozialleistungen usw. – das alles wurde in unserem Land über viele Jahrzehnte durch Gewerkschaften und mutige Frauen und Männer erkämpft und will den Wert der Arbeit sichtbar machen.
Arbeitsplätze 2., 3. und 4. Klasse
Es ist schlecht, dass wir in unserem Land durch die maßlose und gesetzlich schlecht geregelte Leiharbeit Arbeitsplätze 2., 3. und 4. Klasse geschaffen haben. Die einen haben gottseidank ihre Standards – und wer schützt die anderen?
Der Heilige Precarius Er ist nur ein virtueller Heiliger, den gibt es nicht im Heiligenkalender der Kirche. Aber unsere Kirche sagt auch, dass es neben den offiziellen Heiligen noch viele unbekannte, nicht genannte heilige Frauen und Männer gibt. Gerade für die steht Precarius: • für alle, die die Ungerechtigkeiten prekärer Arbeit aushalten müssen • für die Kolleginnen und Kollegen, die solidarisch mit euch sind, die euch Würde geben • für die Betriebsräte und Gewerkschafter, die Schritt für Schritt Leiharbeit verbessern • für alle verantwortlichen Menschen in den Betrieben und in der Politik, die daran arbeiten, dass Leiharbeit überflüssig wird. 
Gleicher Lohn für gleiche ArbeitIch wünsche mir, dass die Menschen bei Weltbild den gleichen Lohn für gleiche Arbeit bekommen. Ich wünsche mir, dass Weltbild als kirchliches Unternehmen hierbei mit gutem Beispiel vorangeht.

Wie stehen Sie persönlich zum Thema Leiharbeit? Nutzen Sie die Möglichkeiten zur Diskussion in diesem Blog und hinterlassen Sie unten einen Kommentar zu diesem Beitrag.

Mittwoch, 24. August 2011

Leiharbeit schafft Unsicherheit: bei allen Beschäftigten


LeiharbeiterInnen sind ständig unter Druck: Angst um den Arbeitsplatz, ungerechte Löhne, miese Arbeitsbedingungen. Aber nicht nur sie leiden. Der massive Einsatz von LeiharbeiterInnen bei WELTBILD verunsichert zunehmend auch die KollegInnen der Stammbelegschaft. Wir haben einige typische Aussagen gesammelt:


Die Angst des Stammmitarbeiters: "Die (Leiharbeiter) arbeiten viel zu schnell; ich werde blöd angemacht, weil ich das nicht mehr schaffe. Ich arbeite hier schon 20 Jahre, meine Knochen machen das nicht mehr mit – und der ist eh nach ein paar Monaten wieder weg."

Die Situation des Leiharbeiters: "Ich versuche, so schnell und gut wie möglich zu arbeiten. Ich brauche den Job; ich will nicht wieder arbeitslos werden. Und ich will ja übernommen werden. Mein Gruppenleiter hat auch schon angedeutet, dass da eine kleine Chance besteht."

Stellungnahme des Betriebsrats: "Bei Weltbild gibt es keinen Akkord. Jeder soll so arbeiten wie er/sie kann. Eine Übernahme-Versprechen ist nur ein Versprechen, mehr nicht. Wieviel Übernahmen es bei Weltbild gab, lesen Sie in dem Artikel nebenan."

Die Frage des Angestellten: "Wir haben zur Zeit wenig Arbeit, das würde grad so für den Stamm ausreichen, um keine Minus-Stunden zu machen. Warum sind noch Leiharbeiter da?"

Die Sorge des Leiharbeiters: "Ich erwarte jeden Tag meine Kündigung von Helmes, weil es  hier grad nicht viel zu tun gibt. Und ob Helmes einen anderen Einsatz für mich hat, ist fraglich."

Der Betriebsrat: "Wir sehen hier ein großes Manko in der Arbeitszeitplanung sowie der Planung des Personaleinsatzes."

Der Stammmitarbeiter: "Mein Kollege ging in Rente. Es kam kein fester Ersatz, obwohl Arbeit da ist. Für den Kollegen wurde ein Leiharbeiter eingesetzt. Wann werde ich ersetzt?"

Der Leiharbeiter: "Ich bin arbeite jetzt wieder mal bei Weltbild. Ich weiß allerdings noch nicht einmal, wie lang diesmal mein Einsatz hier dauert."

Das will der Betriebsrat: "Darum ist es wichtig, mit der Geschäftsleitung eine Betriebsvereinbarung abzuschließen, die u.a. die Ersetzung der Stammbelegschaft durch Leiharbeiter verhindert bzw. die Einsatzdauer der Leiharbeiter regelt."

Dienstag, 23. August 2011

Zahlen und Fakten: Leiharbeit bei WELTBILD


In Deutschland waren in Juni 2009, auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise, ca. 500.000 Leiharbeiter beschäftigt. Jetzt ist die Zahl auf rund 1 Million gestiegen. 

Auch bei Weltbild merkt man den Anstieg: Im Weihnachtsgeschäft 2009 waren bis zu 1.000 und im Weihnachtsgeschäft 2010 bis zu 1.600 Leiharbeiter im Hause. Die Mehrheit war im Lager/Versand eingesetzt. Das sind fast 300% der Stammbelegschaft in diesem Bereich. Kann man hier noch von saisonaler Unterstützung sprechen? 

Die Einsatzdauer der Leiharbeiter beträgt bei Weltbild im Schnitt 2 bis 3 Monate; manche sind nur ein paar Tage da, andere mehrere Jahre. 

Bundesweit sind 1/3 der Leiharbeiter als »Hilfskräfte« mit einem Stundenlohn von € 7,79 tätig. Bei Weltbild ist dieser Anteil weit größer, aber bezahlt wird nach BZA-Tarif, der nicht höher liegt. 

Maximal 10% aller Leiharbeiter werden übernommen. Bei Weltbild erhielten knapp 140 Leiharbeiter eine Festanstellung (Zeitraum: 4 Jahre). 

In der gleichen Zeit waren aber über 3.500 Leiharbeiter in unserem Haus beschäftigt – und werden jetzt bei Weltbild nicht mehr eingesetzt. 

Jeder achte Leiharbeiter erhält ergänzende Hartz-IV-Leistungen, 94 % der Betroffenen sind vollzeitbeschäftigt. Kosten im Jahr 2010 (für die Steuerzahler): 531 Mio €. 

Wieviele bei Weltbild eingesetzten Leiharbeiter auf Hartz-IV-Unterstützung angewiesen sind, wissen wir leider nicht. Wir gehen aber davon aus, dass der Anteil ähnlich ist, wie auf ganz Deutschland bezogen.

Montag, 22. August 2011

Fair statt prekär: Weltbild sollte mit gutem Beispiel vorangehen


Der Betriebsrat verhandelt jetzt mit der Geschäftsleitung eine Betriebsvereinbarung über den Einsatz von LeiharbeiterInnen. Der übermäßige Einsatz von Leiharbeit hat negative Auswirkungen auf alle Mitarbeiter im Unternehmen. 

Bis 1985 waren der sogenannten Zeitarbeit enge gesetzliche Grenzen gesetzt. LeiharbeiterInnen kamen ausschließlich als Vertretung oder im Rahmen von Projekten zum Einsatz – für maximal 3 Monate. 2003 fielen die letzten gesetzlichen Schranken: Dem Missbrauch von Leiharbeit ist seither Tür und Tor geöffnet.

Eine große Versuchung für Unternehmen. Gerade wenn sie im harten Wettbewerb stehen oder – wie Weltbild – ein stark saisonales Geschäft betreiben. Auch bei dem katholischen Unternehmen boomt die Leiharbeit: Vor Weihnachten sind dreimal soviele LeiharbeiterInnen wie Festangestellte im Versand tätig. Im kaufmännischen Bereich nimmt die Leiharbeit ebenfalls zu.

Das hat Folgen für die Stammbelegschaft: LeiharbeiterInnen haben extrem kurze Kündigungsfristen. Wenn sie einen festen Job finden, verlassen sie Weltbild von heute auf morgen. Möglicherweise genau dann, wenn die Einarbeitung gerade abgeschlossen ist. So wird die mangelnde Absicherung der einen zur Unsicherheit für die anderen.
Dazu bildet sich im Betrieb eine Zwei-Klassen-Gesellschaft – mit unabsehbaren Folgen für das Betriebsklima. Und mittelfristig drücken die miesen Stundenlöhne von unter 8 Euro auf die Gehälter der festangestellten KollegInnen.

Durch die elende Bezahlung belastet Leiharbeit zudem die Sozialkassen. Viele LeiharbeiterInnen beziehen trotz Vollzeitbeschäftigung Hartz IV. So zahlen am Ende die SteuerzahlerInnen den Lohn, den die Arbeitgeber einsparen.
Es gibt viele gute Gründe, Leiharbeit einzuschränken. Das sagen nicht nur die Gewerkschaften und Kirchen. Der Weltbild-Betriebsrat hat der Geschäftsführung in den letzten Jahren immer wieder Druck gemacht: Jetzt wurden zumindest einmal Verhandlungen aufgenommen. Die Vorstellungen der Parteien liegen allerdings noch sehr weit auseinander. 

Weitere Berichte zum Thema Leiharbeit folgen in Kürze.

Freitag, 12. August 2011

Weltbild sucht Saisonkräfte....oder??

(Bild vergrößern, einfach Bild anclicken)

Weihnachten kommt wieder und die Verlagsgruppe Weltbild sucht Saisonkräfte, wie auf dem Foto ersichtlich ist.

Wir von Weltbild Verdi Blog freuten uns schon, dass jetzt Aushilfen gesucht werden mit einer Bezahlung wovon man leben kann. Aber weit gefehlt: Die Verlagsgruppe Weltbild sucht Leihsklaven, die bei Helmes eingestellt werden.

Es gibt Alternative, die auch sozial sind und wovon die Kollegen leben können. Es ist schade, dass die Verlagsgruppe Weltbild dies nicht nutzt.

Was meint Ihr dazu?


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