Montag, 13. Juni 2016

LeiharbeiterInnen sollen Management-Fehler ausbügeln


Seit den Massenentlassungen am Jahresanfang läuft es in der Logistik nicht mehr. Die verbliebenen KollegInnen leisten täglich Überstunden und fahren Zusatzschichten am Samstag. Trotzdem knirscht es an allen Ecken und Enden. Der Arbeitgeber stellt jetzt LeiharbeiterInnen ein, um unsere KundInnen weiter zuverlässig und pünktlich beliefern zu können.

Der Betriebsrat hatte wieder einmal recht

Ein rein an Kosten orientiertes Management ist eine Sackgasse. Das beweisen die Zustände in unserer Logistik jeden Tag aufs Neue. Bei der jüngsten Entlassungswelle hat der Arbeitgeber rund 280 KollegInnen gekündigt. Viel zu viele, um die Auslieferung zuverlässig und schnell am Laufen zu halten. Das hat der Betriebsrat in den Verhandlungen um den Interessenausgleich immer wieder gesagt und vorgerechnet. Aber niemand wollte der Interessenvertretung glauben. Jetzt stellt der Arbeitgeber LeiharbeiterInnen ein, um den Betrieb aufrecht zu erhalten.

Die KollegInnen aus der Transfer dürfen nicht zurück

Leider ist es gesetzlich unmöglich, die entlassenen KollegInnen, die jetzt in der GeDiS sind, befristet wieder einzustellen. Damit war der Betriebsrat in einer Zwickmühle, als der Arbeitgeber in der vergangenen Woche 44 LeiharbeiterInnen zur Genehmigung vorlegte. Einerseits hat das Gremium kein Interesse, die ständigen Fehlentscheidungen des Managements zu alimentieren; andererseits will der Betriebsrat das Geschäft von WELTBILD nicht gefährden. Dazu kommt, dass die KollegInnen im Versand mittlerweile am Ende ihrer Kräfte sind.

Gesundheitsschutz im Vordergrund

Nach langen und kontroversen Diskussion ist im Gremium eine Entscheidung gefallen. Der Betriebsrat stimmt der Einstellung von bis zu 60 LeiharbeiterInnen bis zum 30.9.2016 zu. Das sind mehr, als der Arbeitgeber zunächst gefordert hatte. Die zusätzlichen Kräfte sind aus Sicht des BR notwendig, um die festangestellten KollegInnen zu entlasten; sprich: die Arbeitszeiten in der Logistik wieder auf ein normales und gesundes Maß zurückzufahren.

Nur unter dieser Voraussetzung hat der Betriebsrat dem Einsatz der LeiharbeiterInnen zugestimmt. Die Gesundheit der KollegInnen ist ein zentrales Anliegen der Interessenvertretung. Daneben geht es auch um die Sicherung der verbliebenen Arbeitsplätze in der Verwaltung. Die schnelle und zuverlässige Belieferung unserer KundInnen ist Voraussetzung für den Geschäftserfolg von WELTBILD.

In der Logistik entscheidet sich die Zukunft von WELTBILD

Selbstverständlich kann der Einsatz von LeiharbeiterInnen nur eine Übergangslösung sein. Der Betriebsrat erwartet von der Geschäftsführung, dass die Logistik wieder auf stabile Füße gestellt wird. Die Kosten sind nur eine Seite der Medaille. Unsere KundInnen verlangen eine flexible, schnelle und zuverlässige Belieferung. Wenn das Management hier weiter so dilettantisch agiert, geht auch WELTBILD den Bach runter. Der Betriebsrat hätte sehr ungern wieder recht…

Kommentare:

  1. Heidi Feigl, Ex Retourenmitarbeiterin15. Juni 2016 um 04:46

    Leider ist es gesetzlich unmöglich, die entlassenen KollegInnen, die jetzt in der GeDiS sind, befristet wieder einzustellen.

    Ist es möglich, daß genauer erklärt zu bekommen ??

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Die Arbeitsagentur zahlt 60% des Entgelts, das die KollegInnen in der Transfergesellschaft bekommen. Ziel der Transfer ist die Vermittlung in ein neues, dauerhaftes Arbeitsverhältnis, damit die Betroffenen möglichst nicht arbeitslos im klassischen Sinne werden und dann längerfristig auf staatliche Leistungen angewiesen sind. Deshalb verbieten die Vorschriften der Agentur, dass sich ein Arbeitgeber, der Leute in die Transfer schickt, diese quasi wieder ausleiht. Und nichts anderes wäre eine befristete Anstellung aus Sicht der Arbeitsagentur. Eine andere Sache wäre es, wenn WELTBILD wieder eine neue, unbefristete Anstellung anbieten würde. Das würde gehen. Aber das ist nach wie vor nicht die Absicht des Arbeitgebers, der an dem Schließungsbeschluss der Logistik festhalten will. Falls das als Erklärung nicht ausreicht, komm' mal bei mir im Büro vorbei.

      Löschen
    2. Heidi Feigl, Ex Retourenmitarbeiterin18. Juni 2016 um 06:22

      Ja, das werde ich vielleicht sogar machen, gegenüber Gedisgebäude ?
      Und danke für die Info!

      Löschen
  2. „Von den Chinesen können wir einiges lernen. Man hat mir gesagt, sie hätten ein und dasselbe Schriftzeichen für die Krise und für die Chance.“
    ―Richard von Weizsäcker

    AntwortenLöschen
  3. Weltbild geht sowieso den Bach runter, spätestens dann, wenn die Logistik in Tschechien ist und nichts mehr funktioniert

    AntwortenLöschen
  4. Genau so stell ich mir eine soziale Arbeitswelt vor. Erst alle (auf Kosten der Allgemeinheit) rausschmeißen und dann die fehlenden Arbeitskräfte durch Leiharbeiter wieder auffüllen. Damit hat sich der Betriebsrat nicht mir Ruhm bekleckert.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Als ob der BR alle rausgeschmissen hätte...?!? Aber erleuchte uns hier gerne alle. Auf die Argumente sind wir schon gespannt :-D

      Löschen
    2. Aber mit der Zustimmung zu den üppigen 60 Leiharbeitern diese Unternehmenspolitik indirekt unterstützt

      Löschen
    3. Was wäre denn aus deiner Sicht besser gewesen? Dass der BR keine Leiharbeiter genehmigt und Weltbild sehenden Auges komplett gegen die Wand gefahren hätte? Ich bin froh, dass unsere Interessenvertretung eine Entscheidung mit Augenmaß getroffen hat. Auch wenn's sicher nicht schmerzfrei war. So werden die Kollegen im Versand entlastet und Weltbild kann seine Kunden weiter zuverlässig beliefern.

      Löschen
    4. Ja, echt: Was bringt einem schon ein BR, der dann nach der endgültigen Pleite mit Fug und Recht sagen kann: "Ich hatte Recht!" - Nichts, oder? Also.

      Löschen
    5. Trotzdem ist es richtig und wichtig, die Verantwortlichen für die Misere zu benennen. Auch deshalb, weil der BR hier in diesem Blog immer wieder völlig unsachlich angegriffen wird. Walter Droege hat als Unternehmer versagt. Die Geschäftsführung hat die Leute rausgeschmissen und gefährdet den Fortbestand des Unternehmens. Die Mitarbeiter sind die Opfer von Dummheit und Gier im Vorstand. Der BR versucht dagegen zu halten. Mit wechselndem Erfolg, zugegeben. Aber ohne BR? Das möchte ich mir gar nicht vorstellen...

      Löschen

Sie können Ihre Kommentare vollständig anonym abgeben. Wählen Sie dazu bei "Kommentar schreiben als..." die Option "anonym". Wenn Sie unter einem Pseudonym schreiben wollen, wählen Sie die Option "Name/URL". Die Eingabe einer URL (Internet-Adresse) ist dabei nicht nötig.

Wir lassen Sie nicht allein! Klicken Sie auf das Logo.