Montag, 11. Juni 2018

Arbeitszeitverstoß bei WELTBILD


Der Betriebsrat bringt wiederholte Verstöße gegen die Arbeitszeitregelung vor dem Arbeitsgericht zur Anzeige. 


Bereits Mitte der 1990er-Jahre wurde bei Weltbild die Betriebsvereinbarung "Flexible Arbeitszeiten" abgeschlossen. Darin sind neben der Gleitzeit für die Büroangestellten auch die normalen Arbeitstage von Montag bis Freitag festgelegt. Mehrarbeit an den Wochenenden soll dabei die Ausnahme bleiben und wird natürlich auch tariflich höher bezahlt. 

Sofern es einleuchtende Gründe dafür gibt, ist es durchaus möglich mal übers Wochenende zu arbeiten. Allerdings muss der Arbeitgeber dafür die Zustimmung des Betriebsrats einholen. 

Dieses Vorgehen hat über viele Jahre funktioniert. Wenn es plausible Gründe dafür gab (z. B. wichtige Datentransfers am Wochenende, technische Probleme in der Logistik etc.) hat der Betriebsrat meist problemlos grünes Licht gegeben. In der Regel reicht eine formlose Mail des Abteilungsleiters oder der Personalabteilung als Grundlage für den Beschluss.

Im letzten Jahr allerdings kam es wiederholt zu Fällen, in denen die Mehrarbeit am Wochenende nicht angemeldet wurde. 

Schlimmer noch: Der Betriebsrat wurde nicht einmal darüber informiert, dass Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen am Wochenende arbeiteten. Als das Gremium davon erfuhr, hat es die Führungsebene mehrmals auf die Betriebsvereinbarung hingewiesen, die grundsätzlich dem Schutz der Belegschaft dient, damit diese nach einer arbeitsreichen Woche, üblicherweise das Wochenende zur Erholung nutzen kann.

Nachdem die Hinweise wiederholt ignoriert wurden, hat der Betriebsrat diese Woche beim Arbeitsgericht eine Anzeige auf Unterlassung eingereicht. Denn offenbar wird bei WELTBILD derzeit die betriebliche Mitbestimmung zunehmend ignoriert. Man sollte der Führungsebene als Urlaubslektüre für diesen Sommer vielleicht einmal das Betriebsverfassungsgesetz mit in den Koffer packen.



Donnerstag, 31. Mai 2018

Tarifflucht im Handel


Wohl kaum eine Branche hat sich in den letzten zwanzig Jahren so stark verändert wie der Einzelhandel. Riesige Konzerne mit enormer Marktmacht dominieren – Zehntausende kleinerer Unternehmen sind ausgeschieden. Es findet ein erbitterter Verdrängungswettbewerb statt, der überwiegend über Preiskämpfe, Öffnungszeiten und Flächenerweiterungen geführt wird. Der boomende Onlinehandel und eine zunehmende Konzentrationsentwicklung erhöhen den Wettbewerbsdruck.
Der ruinöse Wettbewerb wird durch staatliche Deregulierung noch zusätzlich angeheizt. Die weitgehende Freigabe der Öffnungszeiten und die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes im Zuge der Hartz-Gesetze haben Schleusen geöffnet für einen Minijob-Boom, für Dumpinglöhne und den missbräuchlichen Einsatz von Leiharbeit und Werkverträgen. Mit der arbeitgeberseitigen Aufkündigung der Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge im Einzelhandel im Jahre 2000 hat der ruinöse Wettlauf eine weitere negative Trendverstärkung erhalten. Damit wurde eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt, seither ist die Tarifbindung im Einzelhandel erodiert.


Nach „außen“ prägen niedrige Preise, hohe Rabatte und wohlfeile Werbekampagnen das Bild des deutschen Einzelhandels – „innen“ dominieren in vielen Unternehmen prekäre Beschäftigung, zunehmender Leistungsdruck und untertarifliche Bezahlung. Für die Mehrzahl der Beschäftigten bietet sich eine ausgesprochen düstere Perspektive: Berechnungen zufolge werden mindestens 2,5 Millionen Menschen nach einem harten Arbeitsleben anschließend in Altersarmut „entlassen“.


Tarifflucht - der neue Trend

Unter Tarifflucht versteht man den Rückzug eines Unternehmens aus der Tarifbindung, etwa durch Verlassen des Arbeitgeberverbandes oder durch den Wechsel in eine OT-Mitgliedschaft (= ohne Tarifbindung).


Tarifverträge sind Garanten für gute Arbeit. Ob beim Gehalt, bei den Urlaubstagen, beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld, bei den Arbeitszeiten oder bei den Kündigungsfristen - Beschäftigte, deren Arbeitsverhältnis durch einen Tarifvertrag geregelt ist, stehen besser da als Beschäftigte in Betrieben ohne Tarifbindung.

Aber auch aus Sicht der Arbeitgeber sind Tarifverträge durchaus sinnvoll.
Nicht nur, weil sie ein gutes Betriebsklima und zufriedene, wie motivierte Beschäftigte schaffen. Vor allem Flächentarifverträge, die für eine ganze Branche gelten sorgen zudem für fairen Wettbewerb, sie verhindern Schmutzkonkurrenz, indem sie allen Unternehmen gleiche Voraussetzungen bei Planungssicherheit und Kalkulation garantieren.

Dennoch verlassen immer mehr Unternehmen in Deutschland die Tarifbindung, um die Löhne immer weiter absenken zu können und sich nur noch auf die im Gesetz verankerten Bestimmungen, wie Arbeitszeiten, Kündigungsfristen oder Urlaubstage, berufen zu müssen.


Tarifflucht am Beispiel Real


Ende März 2018 platzte eine weitere Bombe: 
Real, eine Tochter des Metro-Konzerns mit rund 250 großen SB-Warenhäusern begeht Tarifflucht.

"Handel ist Krieg" - so der Schlachtruf des Managements. Bei Real heißt es nun in den "Angriffsmodus" zurückkehren.

Mit allen Mitteln hin zu niedrigen Kosten, das ist das Mantra im Verdrängungswettbewerb. Eine knallharte Konkurrenz beherrscht das Geschehen. Kleinere Unternehmen, wie beispielsweise Tengelmann, werden von Branchenriesen, z.B. Edeka, geschluckt, andere Händler, wie etwa Quelle, Schlecker oder Praktiker rutschen in die Pleite. Sie können den Rabattschlachten, aber auch den viel zu teuren Öffnungszeiten nicht standhalten. Erschwerend kommt der digitale Wettbewerb hinzu.

Aber es gibt auch viele Profiteure. Von 2005 bis 2015 sind die Nettogewinne um 30 prozent auf 16,9 Mrd. Euro hochgeschnellt, Tendenz weiterhin steigend.
"Jeder gegen Jeden" heißt es in der Top-Liga und es gibt Umsatzverlagerungen. Real zähl zu den Wackelkandidaten, die dringend neue Konzepte suchen müssen. Dies geschieht, wie sich zeigt, auf dem Rücken der Beschäftigten.
Begründet wird dies mit "Kostennachteilen" beim Personal. Dabei zahlen die meisten Taktgeber und Konkurrenten, wie Kaufland, Aldi, Lidl, die Metro-Märkte und in Teilen Rewe und Edeka, mindestens Tarif.

Bereits 2015 hatte der Real-Mutterkonzern erstmalig die Reißleine gezogen. Real blieb im Handelsverband HDE, wechselte aber in die OT-Mitgliedschaft.
Diesen Weg haben schon viele Firmen eingeschlagen und die damit einhergehende Erosion der Flächentarifverträge eingeleitet, was messbare Folgen hat:öffentliche Kassen werden durch Erwerbs - und Altersarmut immer stärker belastet,da etliche Händler ihre fragwürdigen Geschäftsmodelle über diesen Weg mitfinanzieren lassen. Inzwischen ist nur noch weniger als ein Drittel der im Einzelhandel Beschäftigten per Tarif geschützt. Etwa 120.000 stocken bereits mit Hartz IV auf.
ver.di kämpft um die Tarifbindung
Der Kampf um die Tarifbindung hat für ver.di höchste Priorität.   
 Zu den erfolgen gehörte neben Esprit oder Ikea seit Sommer 2016 auch Real: Nach einer Streik- und Protestwelle kam ein "Zukunftstarifvertrag" zustande. Real kehrte zurück in den Flächentarif und fast alle Läden und Jobs konnten gesichert werden. Dagegen standen der befristete Verzicht auf Gehaltserhöhungen und gekürzte Sonderzulagen 2017 bis 2019. Verabredet wurde auch, eine neue Entgeltstruktur zu verhandeln.
Nach etlichen Verhandlungsrunden erfolgte ein Überraschungsangriff: Das im Februar vorgelegte Modell sieht sieben Tarifgruppen ab 1.630 € vor - das sind etwa 40 Prozent weniger. In erster Linie würde das alle Neuangestellten betreffen, da für die "Alten" eine Zulage geplant sei. Aber auch sie hätten Abstriche, etwa beim Urlaubs - oder Weihnachtsgeld, hinnehmen müssen.
"Solch ein Deal war und ist mit der ver.di nicht zu machen"; so das Bundesvortsandsmitglied Stefanie Nutzenberger. "Wir stellen uns auf harte Auseinandersetzungen ein." Es sei höchste Zeit für allgemeinverbindliche Tarifverträge!
Weil die ver.di-Tarifkommission die Billigtarife nicht akzeptierte, ließ die Metro die Verhandlungen platzen. Werner Klockhaus, Vorsitzender des Metro-KBR und des Real-GBR, lehnt Dumping-Verträge entschieden ab. "Die Tarifverträge, die jetzt bei Real zur Geltung kommen sollen, fangen bei 1.600 € Brutto für Vollzeit an. Das ist skandalös. Tarifflucht ist der völlig falsche Weg. Alle unsere KollegInnen brauchen Tarifentgelte, die zum Leben reichen."
Dafür stehen momentan die Chancen nicht gut. Das Unternehmen soll erneut umgebaut werden und künftig im Metro-eigenen Arbeitgeberverband AHD vertreten sein. Tarifverträge will das Management mit dem DHV abschließen, einem als Peseudo-Gewerkschaft kritisierten Verein, der für Gefälligkeitstarifverträge bekannt ist.
Der Ausstieg aus der Tarifpartnerschaft mit ver.di könnte "eine sehr negative Kettenreaktion" im Handel auslösen, sagt Werner Klockhaus. "Wenn jetzt nicht endlich die Politik zu Gunsten einer Allgemeinverbindlichkeit eingreift, droht die komplette Auflösung der Flächentarifverträge." Das geht dann uns alle an.

Und bei Weltbild? 

Seit dem Ausstieg von Weltbild aus dem Tarif nach der Insolvenz 2014, konnte auch in der Buchhandelsbranche eine negative Entwicklung erkennbar werden - es tut sich nämlich nichts mehr. Die letzten Tarifverhandlungen fanden im Dezember 2012 statt.

Zudem wurde im Juli 2014 der Manteltarif Buchhandel und Verlage Bayern arbeitgeberseitig gekündigt und befindet sich seitdem in Nachwirkung.
Da Investor Droege nicht im Arbeitgeberverband Mitglied ist, gilt für die neu angestellten MitarbeiterInnen der sich in der Nachwirkung befindende Tarifvertrag nicht. Es gab zwar immer wieder die Idee, einen Haustarifvertrag zu verhandeln - passiert ist bis jetzt jedoch nichts.

Wie man in letzter Zeit traurigerweise feststellen musste, ist der Umgang mit den MitarbeiterInnen eher fragwürdiger Natur. Es gilt also ein wachsames Auge auf die personelle Entwicklung im Unternehmen zu haben, damit sich der Trend  "Teure Alte gegen preiswerte Neue zu tauschen" nicht weiter fortsetzen kann und die Restrukturierung des Unternehmens nicht ausschließlich auf dem Rücken der verbliebenen Belegschaft vorangetrieben wird.

Quellen:
ver.di
DGB
Hans-Böckler-Stiftung







Dienstag, 29. Mai 2018

Wer ist schuld an der schlechten Stimmung bei WELTBILD?


Die Geschäftsführung ist sauer auf den Betriebsrat. Sie wirft der gewählten Vertretung der Beschäftigten vor, sie verbreite „schlechte Stimmung“ und schädige den Ruf von WELTBILD als Arbeitgeber. Wegen der negativen Berichte in diesem Blog falle es der Personalabteilung zunehmend schwerer, neue MitarbeiterInnen für WELTBILD zu gewinnen…

Dazu haben wir drei Dinge zu sagen:

1. Die Gewerkschaft ver.di ist Betreiber dieses Blogs, nicht der Betriebsrat; und der Betriebsrat bestimmt auch nicht über die Redaktion.

2. Die „schlechte Stimmung“ entsteht nicht durch Berichte in diesem Blog. Die Stimmung bei WELTBILD ist schlecht, weil Beschäftigte schlecht behandelt werden.

3. Wer keine neuen MitarbeiterInnen rekrutieren kann, muss vernünftig mit den vorhandenen KollegInnen umgehen. Wenn dieses Blog dazu beiträgt, ist schon viel erreicht.

Wir werden den Arbeitgeber WELTBILD weiter kritisch begleiten. Die GeschäftsführerInnen Christian Sailer und Angela Schünemann haben es selbst in der Hand, ob Schlechtes über WELTBILD im Internet steht. Der einfachste Weg, das zu verhindern, ist: fair sein, die MitarbeiterInnen wertschätzen und sich an die Spielregeln der gesetzlichen Mitbestimmung halten.

Last but not least: auch ein Personalchef Manfred Ries tut am Ende nur das, was die Geschäftsführung ihm aufträgt. Bei Christian Sailer und Angela Schünemann liegt die Verantwortung, und da geht sie auch nicht weg, wenn man dem Betriebsrat Vorwürfe macht.

Freitag, 25. Mai 2018

Die Statik zielloser Bewegung


Umzüge sind nicht zwingend eine schlechte Sache. Im manchen Regionen, zu bestimmten Zeiten sind sie für gewisse Gruppen sogar der absolute Hammer. Zum Beispiel im Rheinland, im Februar ... für Narren. 
Es scheint als hätte dies die rheinische Frohnatur Walter P. J. (steht das für Jeck?) Droege dazu inspiriert auch hier in Augsburg etwas derartiges zu veranstalten. 

Geplant ist, durch einen riesigen Umzug alle Bereiche des Wareneinkaufs von Weltbild, der momentan auf zwei Gebäude verteilt ist, zusammenzuführen. Die Anzahl der betroffenen Mitarbeiter ist beträchtlich und die Planung noch "streng geheim", eventuell auch den Entscheidungsträgern bisher noch gar nicht eingefallen. 

Auf den ersten Blick mag das Vorhaben ganz sinnvoll erscheinen, Kollegen, die dasselbe tun, auch räumlich nahe beieinander zu haben. Der zweite Blick allerdings offenbart, dass die ganze Aktion außer Kosten, Arbeitszeitverlust und Stress herzlich wenig bewirken kann.
Die beiden Bereiche CM Media (Bücher, Musik, Filme) und CM Non-Media (der ganze Rest, größtenteils Importware) haben, laut Information der Kollegen, weder in den Arbeitsabläufen noch in der Sortimentsabstimmung besonders viel gemeinsam und liefen bisher auch auf die Distanz ganz geschmeidig nebeneinander her. Ob also ungeahnte Synergieeffekte dem Unternehmen Weltbild großen Nutzen bringen werden, ist mehr als fraglich.

Dazu kommt, dass die angespannte räumliche Situation ein unüberschaubares Stühlerücken auslösen wird. Es ist ja nicht so, dass die einen einfach zu den andern umziehen können, ohne, dass dafür wieder andere Mitarbeiter Platz machen müssten. Und vielleicht stellt man am Ende fest, dass die neue Ordnung bisher funktionierende Strukturen auseinander gerissen hat.
Möglich ist auch, dass nach der ganzen Reise nach Jerusalem für manche Mitarbeiter gar kein Platz mehr übrig ist ... dumm gelaufen. Das wäre aber kein Kündigungsgrund, oder? 
Move and fire, aber wir wollen niemand auf dummen Gedanken bringen.

Eine derartige Aktion leuchtet in Anbetracht der noch immer sehr angespannten, wirtschaftlichen Situation wirklich nicht ein. Sinnvoll wäre das Vorhaben zu bewerkstelligen, wenn Weltbild, wie Droege angekündigt hatte, zeitnah in ein neues Gebäude umzieht, in dem alle Mitarbeiter Platz finden und die Abteilungen in einem Ruck, ohne Stress zusammen geführt werden könnten. 

Wenn man es mit dem Zitat "Stillstand ist der Tod" halten möchte, ist sinnfreies Im-Kreis-Rennen zwar Bewegung, aber nichts, was einen auch nur einen Zentimeter vorwärts bringen könnte. An dieser Stelle erschließt sich auch der kryptische Titel dieser Zeilen.

Die fehlende Sinnhaftigkeit einer Idee, ist aber bei Weltbild leider schon lange kein Argument mehr, die Finger von komplettem Schwachsinn zu lassen ... der Hinweis auf den glorreichen  "Umzug" unserer Logistik nach Tschechien muss an dieser Stelle nicht explizit erfolgen. 

Was einem bei diesem mutmaßlich planlosen Plan am meisten erschreckt, ist die Tatsache, dass in der Vergangenheit das Endergebnis solcher Planungen, die schlimmsten Befürchtungen bei weitem übertroffen hat.

Den Kollegen läuft die Vorfreude auf den Umzug schon jetzt lauwarm den Innenschenken hinab.  In diesem Senne: "Helau und Alaf!".

Freitag, 18. Mai 2018

Um ein paar Knedlíky: WELTBILD feuert Kollegin nach 27 Jahren fristlos


Stellen Sie sich das einmal vor: Ihr Arbeitgeber schließt seine Logistik in Deutschland, weil es in Tschechien angeblich billiger geht. Sie und Ihre KollegInnen schmeißt er raus. Was Sie in den letzten 25 Jahren für das Unternehmen geleistet haben, ist Ihrem Arbeitgeber nichts wert. Betriebsrat und Gewerkschaft streiten wenigstens eine Transfergesellschaft zur Überbrückung und ein kleine Abfindung heraus, aber Ihren Job sind Sie im Alter von über 50 Jahren los. 

Dann stellt ihr Arbeitgeber fest, dass ein moderner Versandhandel doch etwas komplexer ist als vermutet. Darum fleht er Sie als ehemalige Fachkraft an, den neuen MitarbeiterInnen in Tschechien beizubringen, wie das Geschäft funktioniert. Sie willigen ein und arbeiten künftig hunderte Kilometer weit weg von zuhause in Bor. Dort gibt es keinen Betriebsrat, keine Gewerkschaft, keinen Arbeitsschutz: Sie arbeiten bis spät in die Nacht hinein, am Wochenende und über die Feiertage… Sie opfern sich auf, damit das Versandhandelsgeschäft Ihres Arbeitgebers nicht völlig zusammenbricht.

Hungerlöhne in der Diaspora

Ihre neuen KollegInnen sprechen kaum Deutsch. Die meisten sind LeiharbeiterInnen aus Rumänien, weil auch die Tschechen nicht zu den Hungerlöhnen arbeiten wollen, die Ihr Arbeitgeber für angemessen hält. Abends sitzen Sie mit der Handvoll Augsburger KollegInnen zusammen, die wie Sie in der tschechischen Diaspora gelandet sind. Manchmal laden Sie sich gegenseitig auf ein Bier oder ein Knödelgericht ("Knedlíky") ein.

Nach einem weiteren Jahr, in dem Sie so viel und so hart gearbeitet haben, wie nie zuvor in Ihrem Leben, glaubt Ihr Arbeitgeber, dass er jetzt ohne Sie auskommen kann. Ohne viel Federlesens schmeißt er Sie wieder raus. Sie sind aber nicht bereit, so mit sich umspringen zu lassen und reichen Kündigungsschutzklage ein. Daraufhin bietet der Arbeitgeber Ihnen einen Aufhebungsvertrag mit einer Abfindung an. Diese ist aber deutlich kleiner als Sie nach 27 Jahren Betriebszugehörigkeit erwarten dürfen. Und sie ist auch kleiner als in einem Sozialplan vorgesehen, den der Arbeitgeber mit dem Betriebsrat ausgehandelt hat. Folgerichtig unterschreiben Sie nicht, sondern wollen die Sache vom Gericht klären lassen.

Verhängnisvolle Knedlíky

Nun werden Ihnen die Knedlíky, die Sie mit Ihren KollegInnen genossen haben, zum Verhängnis. Sie haben vergessen, diese von den Verpflegungsmehraufwendungen, die auf der Reisekostenabrechnung angegeben werden, abzuziehen. Ihr Arbeitgeber hat sicher lange suchen müssen, aber dann hat er tief in den Kellern einige fehlerhafte Abrechnungen dieser Art gefunden und kündigt Ihnen deshalb fristlos. Um eine Abfindungszahlung zu sparen, wird Ihre Lebensleistung in den Dreck getreten!

An Ihrem Beispiel erkennen andere KollegInnen in Augsburg, dass Ihr Arbeitgeber inzwischen jeden Anstand und alle Skrupel verloren hat. Wer den GeschäftsführerInnen Christian Sailer und Angela Schünemann quer kommt, wird gnadenlos plattgemacht. Im Zweifel hat Personalchef Manfred Ries immer eine Idee, wie er Sie fertig machen kann.

Darum werden Ihre KollegInnen jetzt sehr vorsichtig und geben Fahrtkostenerklärungen und Spesenabrechnungen nur noch mit einer besonderen Erklärung ab:

Sehr geehrter Herr Sailer, sehr geehrte Frau Schünemann, sehr geehrter Herr Ries,

es ist eine Gnade, dass ich in Ihrer Firma arbeiten darf. Ich habe zwar seit sechs Jahren keine Gehaltserhöhung, keine Fortbildung oder sonst irgendeine Anerkennung erhalten, aber ich bin trotzdem zufrieden. 

Ich lasse mich gerne von fachfremden Managern belehren, erfülle bereitwillig unsinnige Vorgaben und arbeite einfach härter, schneller und länger, damit Ihre Firma trotzdem nicht untergeht. Aber ich weiß auch, dass mich das im Falle eines Falles nicht davor schützt, Ihren heiligen Zorn auf mich zu ziehen. 

Deshalb gebe ich diese Erklärung/Abrechnung nur unter Vorbehalt ab. Bitte lassen Sie vor der Auszahlung unbedingt von mehreren Fachleuten und Anwälten prüfen, ob tatsächlich alles korrekt ist. Im Zweifelsfall zahlen Sie lieber weniger oder gar nichts von meinen Auslagen zurück. Ich verzichte gern auf Geld und Anerkennung, wenn ich nur weiter für Sie und Herrn Walter Droege aus Düsseldorf arbeiten darf. 

Mit ergebensten Grüßen küsst den Boden, auf dem Sie wandeln 

IhrE MitarbeiterIn

PS: Dieser Text ist eine Satire, falls es der Arbeitgeber-Anwalt nicht von alleine merken sollte! 

Donnerstag, 10. Mai 2018

Betriebsrat entsetzt: WELTBILD-Führung erpresst MitarbeiterInnen


Wer bei WELTBILD arbeitet, muss mittlerweile mit allem rechnen… Es geht immer noch ein bisschen niederträchtiger: Am 17. April hat das Augsburger Arbeitsgericht auf Antrag des Betriebsrats beschlossen, dass eine Einigungsstelle darüber entscheiden soll, wie MitarbeiterInnen von WELTBILD in die Filial-GmbH wechseln können. Jetzt erpresst die WELTBILD-Führung die KollegInnen: Sie sollen vor dem Zusammentreten der Einigungsstelle in die tarif- und betriebsratslose Tochter wechseln, sonst würde ihre Stelle bei WELTBILD gestrichen.  

Im Februar hatte die Geschäftsführung, Christian Sailer und Angela Schünemann, beschlossen, sechs KollegInnen von WELTBILD in die Filial-GmbH abzuschieben. So sollte Personal bei WELTBILD zumindest auf dem Papier reduziert werden. Die MitarbeiterInnen wollten aber nicht in die Filialvertriebs GmbH: Es gibt dort weder einen Betriebsrat noch existiert eine Tarifbindung. Außerdem gilt die Filialkette als wirtschaftlich wacklig.

Geschäftsführung umgeht richterlichen Beschluss

Der Betriebsrat von Weltbild versuchte zu verhandeln und den Wechsel in Form eines Betriebsübergangs zu gestalten. Außerdem sollten die Filial-Verwaltung und WELTBILD in einem gemeinsamen Betrieb zusammengefasst werden, um die betroffenen KollegInnen abzusichern. Die Geschäftsführung lehnte jede Verhandlung ab, musste sich aber vor Gericht eines Besseren belehren lassen: Das Arbeitsgericht setzte auf Antrag des Betriebsrats eine Einigungsstelle ein. Nun muss also doch verhandelt werden (wir berichteten).

Aber die GeschäftsführerInnen Christian Sailer, Angela Schneemann und Personalleiter Manfred Ries versuchen den Richterspruch zu umgehen. Manfred Ries setzte den betroffenen KollegInnen jetzt die Pistole auf die Brust: Sie sollen sofort Aufhebungsverträge bei WELTBILD unterschreiben und in die Filialorganisation wechseln, sonst würden ihre Stellen in der Filial-GmbH neu ausgeschrieben und sie verlören ihre Arbeitsplätze bei WELTBILD. So versucht die WELTBILD-Führung die Entscheidung des Gerichts zu konterkarieren, indem sie Tatsachen schafft, bevor die Einigungsstelle zusammentreten kann.

Neuer Tiefpunkt in der Zusammenarbeit

Für den Betriebsrat markiert dieses Vorgehen einen neuen Tiefpunkt in der Zusammenarbeit. In einem Protestschreiben an die Geschäftsführung heißt es: "Mit solchen Maßnahmen verspielen Sie das letzte bisschen Vertrauen, das der eine oder die andere der KollegIn noch in die Führung haben könnte. Halten Sie Druck und Erpressung wirklich für geeignete Führungsstrategien, um die Belegschaft in der Krise zu motivieren?" Der Betriebsrat fordert die Geschäftsführung auf, die KollegInnen in Ruhe zu lassen und nichts mehr zu unternehmen, bis in der Einigungsstelle ein Spruch gefallen ist, wie in diesem Zusammenhang angemessen und juristisch einwandfrei zu verfahren ist.

Information ans Arbeitsgericht

Der Anwalt des Betriebsrats prüft, ob und wie das Gremium juristisch gegen die perfide Strategie der Geschäftsführung vorgehen kann. Außerdem wurde der zuständige Richter beim Arbeitsgericht informiert, damit "auch das Arbeitsgericht weiß, wie wenig seine Beschlüsse in den Augen unseres Arbeitgebers wert sind."

Montag, 7. Mai 2018

Exodus in der Weltbild-IT


In der Weltbild-IT gab es in den letzten Wochen eine ungewöhliche Häufung von Eigenkündigungen, sogar in der Führungsebene.
Zu diesem Thema erreichte uns ein Schreiben eines IT-Mitarbeiters, in welchem er die Situation der Mitarbeiter schildert:

Es hagelt gerade Eigenkündigungen von Mitarbeitern in der Weltbild-IT.
Das ist die Quittung für die menschenverachtende Vorgehensweise der Droege-Geschäftsführer und Ihres Anführers Droege in Düsseldorf.

Nach der x-ten Kündigungswelle der Geschäftsführung ist wohl die letzte Motivation, hier noch weiterzumachen, verbraucht worden.

Wodurch soll denn ein Mitarbeiter motiviert werden, bei einer Firma mit Problemen zu bleiben, wenn er auch bei einer anderen Firma arbeiten könnte, der es gut geht ?
Das kann nur funktionieren, wenn die Firma eine Einheit bildet, eine Familie, die sich durch schwere Zeiten durchkämpft und Licht am Horizont sieht.
Aber weder das eine noch das andere ist der Fall.

Die Mitarbeiter werden seit vier Jahren verunsichert durch eine Kündigungswelle nach der anderen, das hält kein Mensch auf Dauer aus.
Sie werden von der Geschäftsführung vera....t, die Beschwerden nicht ernst nimmt, die seit Jahren keinen Finger gerührt hat, irgendetwas an den Zuständen zu verbessern, die die Mitarbeiter in High- und Low-Performer (die zu entlassen sind) einteilt.

Es werden mit fadenscheinigen Begründungen langjährige Mitarbeiter entlassen, die sich in dieser Firma aufgearbeitet haben.
Es wird zusätzlich zu einer fristgerechten Kündigung auch noch eine absurd begründete fristlose Kündigung ausgesprochen, um den Druck auf den betroffenen Mitarbeiter zu erhöhen.

Selbstverständlich hat es schon seit der Insolvenz keine Gehaltserhöhungen gegeben.
Das sind jetzt schon vier Jahre, da kommen schon ein paar Prozente zusammen, die man woanders inzwischen mehr verdienen könnte.

Ein Massnahmenkatalog zur psychischen Gefährdungsbeurteilung, der in etlichen Workshops von vielen Mitarbeitern zusammen engagiert erstellt und vorgeschlagen wurde, wird seit über einem Jahr (kaum zu fassen) einfach von der Geschäftsführung ignoriert.

Dass sich die beteiligten Mitarbeiter und der Rest der Firma daraus ableiten können, dass die Mitarbeiter eigentlich nur ein lästiges Übel sind, liegt für jeden einigermaßen sozial kompetenten Menschen auf der Hand.

Ein Motivationstreffen der IT mit der Geschäftsführung erreichte genau das Gegenteil der beabsichtigten Wirkung, da der Geschäftsführer den IT-Mitarbeitern außer Platitüden nichts anbieten wollte.
Er hat kein Geld für Arbeitsmittel, für Weiterbildung, für Gehaltserhöhungen.

Absurd wird es, als er die Prioritätenliste der Projekte nicht an die IT-Mitarbeiter weitergeben will.
Sie sollen gleichzeitig an verschiedenen Projekten arbeiten, ohne zu wissen, welche wichtiger und welche unwichtiger sind...

Auch ein Firmenorganigramm wird nicht weitergegeben, so dass die IT-Mitarbeiter nicht wissen, wer gerade für was der Ansprechpartner ist...
Allenfalls würde er diese Dinge mal mitbringen und herzeigen - wer ein gutes Gedächtnis hat, ist klar im Vorteil !

Dazu kommt dann noch das Hüh und Hott der Geschäftspolitik.
Projekte werden begonnen, gestoppt, durch andere, wichtigere ersetzt, dann das ganze wieder umgekehrt usw.
Projekte werden am Tag der Produktivsetzung abgesagt.

Man geht vollkommen unvorbereitet und planlos mit der Logistik ins Ausland, ist softwaretechnisch darauf nicht vorbereitet und zahlt heute mehr als mit der eigenen Logistik vorher und hat sich aber viele Probleme damit eingehandelt.

Mal ist Online wichtig, dann erkennt man den Katalog als wichtig, dann kommt wieder eine Kehrtwende zu Online.
Man wiederholt Fehler aus der Vergangenheit, Dinge von denen die Mitarbeiter abraten, macht es trotzdem und fällt damit natürlich auf die Nase.

Man entlässt langjährige Experten und holt sich von extern teure neue Mitarbeiter, die einen großen Schaden durch Experimente verursachen und trennt sich dann für viel Geld wieder von diesen.

Die Liste wäre noch beliebig verlängerbar, aber das sind wohl genug Gründe, warum Mitarbeiter die Firma verlassen, die es nicht nötig haben, sich hier weiter veralbern zu lassen.

Da die IT aber sowieso schon unverantwortlich unterbesetzt ist, ist der Herr Unternehmensberater, der Herr Investor, der nichts investiert, diese cholerische Sparversion von Donald Trump, der Mitarbeiter bei Besprechungen anschreit und zusammenscheißt, der "hire and fire" eine ganz neue Bedeutung gibt, der Mitarbeiter entlassen lässt, deren Nase ihm nicht passt oder die ihm widersprechen, der "unser" Weltbild nur durch Lügen und falsche Versprechungen überhaupt in die Finger bekam, dabei, uns endgültig kaputt zu sparen.


Donnerstag, 3. Mai 2018

Der Skandal ist ein anderer


Ein Kommentar aus der ver.di-Mitgliederzeitung publik.

SOZIALSTAAT

Der Skandal ist ein anderer

Nicht die Essener Tafel, die Armut ist das Problem


MARIA KNIESBURGES (CHEF­REDAKTEURIN DER VER.DI PUBLIK)

Was war das doch für eine Auf­regung. Sogar die Kanzlerin hat sich zu Wort gemeldet und wissen lassen, so gehe es nicht. Anlass war die Ankündigung des Vorsitzenden der Essener Tafel, für die kommenden Monate nur noch Bedürftigen mit deutschem Pass Zugang zu den Lebensmittel­spenden gewähren zu wollen. Grund sei der große Andrang junger Geflüchteter, die in Konflikte vor allem mit älteren deutschen Bedürftigen geraten seien. Ältere und alleinerziehende Mütter würden verdrängt, man ziehe daher die Notbremse. Und schon sahen sich die Ehrenamtlichen der Essener Tafel als Nazis beschimpft und von quasi höchster Regie­rungsstelle mit einem Tadel belegt. Große Aufregung über ehrenamt­liche Tafelbetreiber, die sich nicht mehr anders zu helfen wussten.

Wo aber bleibt die große Aufregung über den eigentlichen Skandal? Dass nämlich hunderttausende Menschen in unserem Land ohne die Lebensmittelspenden der Tafeln hungern müssten, und der Staat seine Verantwortung aufs Ehrenamt abschiebt. Wo bleibt die Empö­rung über den beschämenden Tatbestand, dass die Armut sich immer weiter hinein in dieses boomende Land frisst? Wo bleibt das kategorische Wort der christlichen Kanzlerin, dass das auf keinen Fall so weitergehen darf? Nichts. Kein Wort. Alles schön in unserem prima Sozialstaat. Und demnächst soll es auch noch mehr Kinder­geld geben, 10 Euro ab Januar 2019 und nochmals 15 ab 2021. Was will man mehr? Die Politik ist stolz auf sich. In Hartz-IV-Familien kommt allerdings auch damit kein Teller Suppe zusätzlich auf den Tisch. Denn Hartz-IV-Empfängern werden die paar Euro Kindergeld mehr als Einkommen wieder von dem mickrigen Regelsatz abge­zogen, der sie als Bedürftige in die Tafeln treibt.

Damit das endlich anders wird, haben sich 30 Sozialverbände, Initiativen und Gewerkschaften zusammengetan und neuerlich das Wort erhoben. Sie wollen eine Erhöhung der Regelsätze um rund 30 Prozent, also um bis zu 150 Euro. Richtig. Noch besser aber wäre die Abschaffung des menschverachtenden Hartz-Regimes. Und zwar sofort.

Freitag, 27. April 2018

Tag der Arbeit am 1. Mai 2018 - "Was haben die Gewerkschaften je für uns getan...?"


Was wir erreicht haben:

Die Gewerkschaften haben maßgeblich dazu beigetragen, dass viele Dinge, die heute für Beschäftigte selbstverständlich sind, tatsächlich für  Millionen Menschen Arbeits- und Lebensrealität geworden sind: gute Bezahlung, Jahresurlaub, der Acht-Stunden-Tag, die Fünf-Tage Woche mit freiem Wochenende, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und vieles mehr.

Diese Errungenschaften halten wir hoch. Aber hierfür müssen wir weiter kämpfen:



  • Arbeitgeber, die aus der Tarifbindung flüchten, verweigern gerechte Löhne. Verbietet es ihnen!
  • Reiche müssen mehr tragen als Arme – wir fordern ein gerechtes Steuersystem. Jetzt!   
  • Niedriglöhne, Mini- und Midijobs sind keine Perspektive für die Zukunft: Schluss damit! Sie gehören abgeschafft, nicht ausgeweitet! Die Schonzeit für die Arbeitgeber ist vorüber!
  • Finger weg vom Arbeitszeitgesetz – mehr Mitbestimmung der Beschäftigten bei ihrer Arbeitszeitplanung!
  • Investiert endlich in bessere Bildung und Infrastruktur. Sofort!
  • Eine Lohnlücke von 21 Prozent bei der Bezahlung von Frauen ist ungerecht. Beendet das!
  • Europa ist ein fantastisches und einzigartiges Projekt, es darf nicht scheitern. Stärkt ein soziales und solidarisches Europa!

Deshalb kommtam 1. Mai  mit und demonstriert für unser aller Ziele:











Montag, 23. April 2018

Urlaubszeit – Reisezeit


Für alle, die noch nicht gebucht haben ... 


Liebe ver.di Kolleginnen und Kollegen,

seit 2004 bietet der Mitgliederservice eurer Gewerkschaft Urlaubsreisen zu günstigen Konditionen an. Die Reisen können wahlweise für eine oder zwei Wochen gebucht werden. Die Unterbringung ist in ausgewählten Hotels mit Halbpension in schöner Lage und hinzu kommt noch ein informatives Freizeitangebot. In den Reisegruppen trifft man auf andere ver.di-MitgliederInnen und kommt schnell miteinander ins Gespräch.





Dieses Jahr stehen folgende Reiseziele auf dem Programm:

Madeira, Sizilien, Apulien, die Costa Dorada und Barcelona, Andalusien, eine Wolga-Flusskreuzfahrt und die Makarska-Riviera in Kroatien. 

Alle weiteren Infos findet ihr auf der Internetseite unter www.verdi-mitgliederreisen.de




Dienstag, 17. April 2018

Betriebsrat im Recht: Arbeitsgericht setzt Einigungsstelle ein


Wenn der Arbeitgeber die Betriebsorganisation ändert und dabei Beschäftigte entlässt, muss er darüber mit dem Betriebsrat verhandeln. So steht es nicht nur im Betriebsverfassungsgesetz, sondern auch in einem Vertrag, den die Geschäftsführung von WELTBILD 2014 unterschrieben hat. Personalchef Manfred Ries hat sich trotzdem geweigert mit dem Betriebsrat zu verhandeln. Dafür bekam er heute die Quittung vom Arbeitsgericht, das eine Einigungsstelle zu den Themen Schließung des Logistik-Kompetenz-Zentrums und Übergang von KollegInnen von der WBD in die WBF einsetzte.

Der Streit um die erneute Restrukturierung und die damit verbundenen Entlassungen läuft seit zwei Monaten. Der Betriebsrat hatte die Belegschaft bereits im März auf einer Betriebsversammlung ausführlich informiert und seinen Widerstand angekündigt.

Betriebsrat handelt konsequent
  • Der BR hat allen Entlassungen widersprochen und so den Gekündigten wichtige Argumente für ihre Kündigungschutzklagen geliefert.
  • Alle von den Maßnahmen betroffenen KollegInnen wurden fortlaufend informiert, sobald es Neuigkeiten zu dem Thema gab.
  • Der BR hat Neueinstellungen nicht zugestimmt, wenn die zu besetzenden Stellen auch für eine Versetzung der KollegInnen geeignet gewesen wären, die gekündigt wurden. In der Folge wurden zwei Kündigungen zurückgezogen, und die Betroffenen wurden versetzt statt entlassen.
  • Auch bei weiteren Einstellungen wurde die Zustimmung verweigert, weil der Arbeitgeber angekündigt hatte, eine bestimmte maximale Kopfzahl bis zum Jahresende erreichen zu wollen. Für jede Neueinstellung müsste rechnerisch jemand anders das Unternehmen verlassen, was weitere Kündigungen bedeutete.
  • Der Arbeitgeber hat diese KandidatInnen trotzdem vorläufig angestellt und muss sich die Zustimmung des Betriebsrats nun im Eilverfahren vom Arbeitsgericht ersetzen lassen. Das ist teuer, der Ausgang offen.
Der Betriebsrat hat dem Personalleiter Manfred Ries in der Zwischenzeit immer wieder Verhandlungen angeboten, um teure Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden. Ries hat dies aber ein ums andere Mal  abgelehnt. Jetzt ist das Geld weg, und Ries muss trotzdem verhandeln. Oder der Arbeitgeber legt Beschwerde gegen den Beschluss des Augsburger Arbeitsgerichts ein. Dann geht das Verfahren in die nächste Instanz nach München und es wird noch teurer…

Donnerstag, 5. April 2018

Arbeit 4.0 – schöne neue Arbeitswelt?!


Vortrag und Diskussion im Annaforum


Digitalisierung und Arbeit 4.0 geistert zur Zeit überall in den Medien herum. Wird das die nächste große Revolution in unseren Betrieben? Müssen wir Arbeit und Gesellschaft völlig neu denken? Was macht das mit den Arbeitsplätzen – und wo bleibt der Mensch? 




Die Gewerkschaft ver.di, der evangelische kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (kda), die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) und die Betriebsseelsorge laden herzlich ein zu einem Vortragsabend, um über dieses Thema gemeinsam nachzudenken:

Dienstag, 10. April 2018, 19:00 Uhr  
Annaforum, Im Annahof 4, Augsburg 

Vortrag von Dr. Ursula Stöger, Arbeitssoziologin, Universität Augsburg, Philosophisch-Sozialwissenschaftliche Fakultät; Moderation Hans Gilg, Dipl.-Theol., Betriebsseelsorge Augsburg

Samstag, 24. März 2018

Das Ende der Geduld


Seit Durchführung der Gefährdungsbeurteilung zur psychischen Belastungen im Dezember 2016 ist weit über ein Jahr verstrichen, in dem keinerlei Maßnahmen ergriffen oder  Konsequenzen aus den desolaten Ergebnissen gezogen wurden. Der Betriebsrat wird jetzt eine härtere Gangart anschlagen, um die Geschäftsführung zum Handeln zu zwingen. Das ist nervig, zeitraubend und kostet Geld, scheint aktuell aber die einzige Sprache zu sein, die man dort oben versteht.  Die Anrufung einer Einigungsstelle steht unmittelbar bevor.

Über das Kasperle-Theater im Nachgang der Gefährdungsbeurteilung wurde hier in Blog bereits mehrfach berichtet, zuletzt am 19. Februar 2018. Auch die von HR-Chef Ries eingeforderte und sehr positiv ausgefallene Bestätigung durch Betriebsärztin und Sicherheitsfachkraft zur Qualität der Durchführung und den vom Gesundheitsausschuss vorgeschlagenen Maßnahmen, hat die Geschäftsführung bisher in keinster Weise zu Verhandlungen über die längst überfälligen Verbesserungen bewegt. Inzwischen kam Ries sogar noch auf die glorreiche Idee die Krankenkassen in den Prozess einzubinden. Hauptmotivation dürfe gewesen sein, den Prozess weiter zu verschleppen und vielleicht auf diesem Weg billige Alibi-Aktionen abzugreifen. Was genau er sich dabei erwartet hat, konnte er auch auf Nachfrage, nicht näher erklären.
Ein Yoga-Raum im Keller der Rumplerstraße oder ein Faltblatt mit isometrischen Übungen zur Entspannung während der Bildschirmpause gingen auf jeden Fall weit am Kern des Problems vorbei.

Während parallel zum Stillstand im Bereich Gesundheitsfürsorge, im Unternehmen selbst das Stresslevel für die Mitarbeiter durch Umstrukturierungen und Personalmaßnahmen stetig erhöht wird, lässt sich der Betriebsrat nicht weiter hinhalten. 

Er hat dahingehend beschlossen  den Arbeitgeber final zu Verhandlungen über Maßnahmen aufzufordern, die geeignet sind die psychische Belastung der Kollegen nachhaltig zu senken und diese Maßnahmen sowie das weitere Vorgehen im Gesundheitsschutz in einer Betriebsvereinbarung zu regeln. Als Deadline wurde der 
30. März 2018 festgesetzt. Bis dann müssen verbindliche Terminvorschläge dazu vorliegen.
Weigert sich die Geschäftsführung und fährt weiterhin ihren Kurs, der die Interessen den Mitarbeiter konsequent ignoriert, wird der Betriebsrat die Einigungsstelle anrufen. Sollte der Arbeitgeber auch diesem Weg blockieren wird der BR die Einsetzung der Einigungsstelle gerichtlich erzwingen.


Das Geld, das ein Prozess und die Einigungsstelle kosten werden, wäre in sofortigen  Verbesserungsmaßnahmen deutlich sinnvoller angelegt. Manchmal ist es aber nur der harte Weg und die Konfrontation, die eine ignorante Geschäftsführung zum Handeln zwingen können. 


Sonntag, 18. März 2018

Einladung zum Arbeitnehmertag - Mensch oder Kostenfaktor



Einladung zum 


Arbeitnehmertag


am Montag, 19. März 2018 in Herz Jesu

18:30 Uhr Gottesdienst zum Fest des Heiligen Josef
in der Stadtpfarrkirche Herz Jesu, Augsburg-Pfersee

ca.19:15 Uhr Vortrag im Pfarrheim, Franz-Kobinger-Str. 10



Was gilt der Mensch noch in der heutigen Arbeitswelt? Wird er nur
noch als Kostenfaktor gesehen, den man wegsparen muss? Die Werte
des Christentums stellen den Menschen immer in den Mittelpunkt.
Der Mensch ist „wenig geringer als Gott“, er besitzt Würde und Ehre,
„Pracht und Herrlichkeit“ ‒ so heißt es in Psalm 8.

Damit der Mensch diese zentrale Stellung in der Arbeitswelt wieder
bekommt, dafür gibt es die KAB. Dafür gibt es die Kirche.
Dafür kämpfen wir.

Wir freuen uns über Ihr Interesse und Teilnahme!

Veranstalter:
KAB-Kreisverband                                                                    KAB-Ortsverband
Augsburg Stadt und Land                                                          Herz Jesu
Weite Gasse 5, 86150 Augsburg
Tel. 0821 3166-3521
E-Mail: buero.augsburg@kab-augsburg.org






Donnerstag, 15. März 2018

Betriebsversammlung


Am 14.03.2018 lud der Betriebsrat zu seiner ersten Betriebsversammlung nach den BR-Wahlen in die Böwe Kantine ein.

Pünktlich um 13.30 Uhr heißt der wiedergewählte BR-Vorsitzende Timm Boßmann die rund 200 Kolleginnen und Kollegen willkommen.



BR-Vorsitzender Timm Boßmann

Als Gast begrüßen darf der BR den ver.di-Handelssekretär, Thomas Gürlebeck.
Von Seiten der Geschäftsführung ist niemand anwesend, auch der derzeitige Personalchef , Manfred Ries, lässt  sich nicht blicken.

Vorstellung des neu gewählten Gremiums


Die Vorsitzende des Wahlvorstands, Dolores Sailer, stellt das aus neun ordentlichen Mitgliedern bestehende neu gewählte Gremium vor und bedankt sich herzlich bei den anwesenden KollegInnen für die rege Wahlbeteiligung von etwa 73%. Diese zeigt ganz klar, dass der Betriebsrat fest  in der Belegschaft verwurzelt ist.





Neben  der regulären Betriebsratsarbeit gibt es zudem die folgenden Ausschüsse:
  • Betriebsausschuss, zuständig für personelle Maßnahmen
  • Wirtschaftsausschuss, befasst sich mit den wirtschaftlichen Themen im Unternehmen
  • Paritätische Kommission, kümmert sich um alle räumlichen Belange und Umzüge
  • Gesundheitsausschuss, befasst sich mit allen gesundheitlichen Angelegenheiten
  • Konzernbetriebsrat (KBR)

Betriebsvereinbarung Bildschirmbrille


Dirk neu skizziert kurz den Weg zur Anfang des Jahres erfolgreich abgeschlossenen Betriebsvereinbarung "Bildschirmbrille" und dankt den aktiven Verhandlern des alten Gremiums für ihre Arbeit.
Die beiden wichtigsten Aspekte dieser Betriebsvereinbarung sind, dass zu einem, die Rechnung der Brille direkt an das Unternehmen geht, wenn der / die Mitarbeiter / In zum Vertragsoptiker Fielmann geht und dass zum anderen, Gläser bis zu einer Höhe von 200,00€ von Weltbild subventioniert werden, sollte der / die Mitarbeiter / In lieber zu seinem Optiker des Vertrauens gehen.

Wie man an die Brille kommt, erklärt Dirk Neu in fünf einfachen Schritten:
  1. Untersuchung durch die Betriebsärztin 
  2. Empfehlung für die Bildschirmbrille von der Betriebsärztin
  3. Betriebsärztliche Empfehlung bei der Personalabteilung abgeben
  4. Gutschein für Vertragsoptiker erhalten
  5. Brille beim Optiker in Auftrag geben und Gutschein einlösen (bzw. zum Optiker seiner Wahl gehen, Brille anfertigen lassen und bezahlen, Rechnung bei Weltbild einreichen und max. 200,00 € für die Gläser erstattet bekommen)
Die Betriebsvereinbarung ist im BR-Büro in der Rumpler Straße einsehbar. Wann die Betriebsärztin im Hause ist, kann man den Aushängen in der Teeküche entnehmen. Termine mit Frau Dr. Guha können über die Personalreferentin Frau Dittler vereinbart werden.

Wirtschaftliche Lage, Restrukturierung in Augsburg


Timm Boßmann beginnt seinen Bericht damit, den KollegeInnen zu schildern, wie der derzeitige Umgang seitens der Geschäftsführung mit dem Betriebsrat ist.
Anstatt die vom Wirtschaftsausschuss angeforderten Unterlagen zum Geschäftsjahr 2016/17 zu liefern, kündigte die GF die Regelungsabsprache. In dieser war festgelegt, welche Unterlagen in welcher Form, dem Wirtschaftsausschuss vorgelegt werden. 
Dieses Verhalten hat Streitigkeiten ausgelöst, wie und in welcher Form künftig der Betriebsrat zu informieren ist.
Auf mehrfaches Auffordern hin, wurde dem WIA dann die vorläufige Auswertung des zweiten Halbjahres 2017 vorgelegt. Erstes Fazit: trotz des weiter zurückgegangenen Umsatzes, bei gleichzeitiger Verbesserung der Margen im Bereich CM Non Media ist das Betriebsergebnis nicht so schlecht. Timm Boßmann wird die GF darum bitten, bei der nächsten Betriebsversammlung dazu Stellung zu nehmen.
Bedenklich ist allerdings, so der BR-Vorsitzende, dass der Bericht der Wirtschaftsprüfer für das Geschäftsjahr 2016/17 nach wie vor nicht vorliegt.
Dieses Testat ist deshalb besonders wichtig, da es zu einem die korrekte Abrechnung bestätigt und die Lebensfähigkeit des Unternehmens bezeugt. Gerade letzteres ist für die Banken und Warenkreditversicherer von enormer Bedeutung.

Man sei sehr gespannt, wann der Prüfbericht vorgelegt  und wie dieser ausfallen wird.

Auch ohne hellseherische Fähigkeiten ist wohl jedem einzelnen klar, dass im Hause Weltbild noch immer nicht alles in Ordnung ist.
Gerade was die Logistik-Kosten betrifft, wird es kaum verwunderlich sein, dass die Stückkosten weit über denen aus der ehemaligen Logistik in Augsburg liegen.
Der Umzug der Retoure aus Derching nach Bor wird ebenso problematisch sein, da die dort eingesetzten MitarbeiterInnen kaum oder gar kein Deutsch sprechen.
Dass auch bei den Töchtern nichts nach Plan läuft, zeigen  die angekündigten Filial-Schließungen der Weltbild Filialvertriebs GmbH und Jokers. 
Nicht zu vergessen, der massive Personalabbau in den Ländern. Medienangaben zufolge seien sowohl in Österreich, als auch in der Schweiz 20 stellen abgebaut worden. Genaue Zahlen kann der Betriebsrat leider nicht nennen, da die GF auch hier nicht kommuniziert.

Personalabbau auch in Augsburg


In einem kurz angebunden Gespräch im Aufzug, berichtet der Personalchef Ries  Herrn Boßmann von anstehenden Personalmaßnahmen.
Auf drei Listen stehen 41 Namen.
  1. Fünf  KollegInnen aus dem Logistikkompetenzzentrum (LKZ), welches geschlossen werden soll, werden gekündigt
  2. Sechs KollegInnen, die ausschließlich Tätigkeiten für die WBF verrichten, sollen in den Weltbild Filialvertrieb versetzt werden
  3. 30 weitere MitarbeiterInnen seinen entweder bereits gekündigt oder hätten selbst gekündigt, sind aber auf Grund von Kündigungsfristen noch auf der Payrole. Der andere Teil habe befristete Verträge (z.B. WerkstudentInnen), sei noch in der Probezeit oder wurde in eigene GmbHs ausgegliedert (Jokers). Zwei noch nicht namentlich genannte KollegInnen aus dem Bereich IT und CM Media werden im laufe des Jahres zudem das Haus verlassen müssen.
Ziel ist es, von momentan 329 Beschäftigten auf die , von Düsseldorf vorgegebene, Kopfzahl 298 zu kommen. 
Auf die Bitte nach einem offiziellen Termin, in dem über die anstehenden Maßnahmen ausführlicher gesprochen werden kann, reagiert Herr Ries mit einem Kopfschütteln und der Aussage: „Ich habe Sie ja jetzt informiert, den Rest erledigen die Kolleginnen aus der Personalabteilung.“

Das Gremium hat nun Konsequenzen gezogen, so der Vorsitzende.
Man hat den Kündigungen der KollegInnen aus dem LKZ widersprochen und der Betriebsausschuss widerspricht allen Neuanstellungen, sowie größeren Versetzungen.
Aus Sicht des Betriebsrats sind diese geplanten (oder bereits in der Umsetzung befindlichen) Maßnahmen Organisationsänderungen, die sozialplan- und interessenausgleichspflichtig sind.


Arbeitgeber verweigert bisher trotzdem Verhandlungen, daher angekündigt 

1) gerichtliche Einsetzung einer Einigungsstelle 

2) keine Zustimmung zu Neueinstellungen, bis diese Sache geklärt ist Wenn die Zahl 298 eine Konstante darstellt, dann muss für jeden, der neu kommt, jemand anderes gehen, der bereits da ist. 






Reaktion Arbeitgeber: 
• bestreitet Gültigkeit der Verträge 
• bestreitet, dass es sich um Organisationsänderungen handelt: 

- LKZ wird entgegen der ersten Ansage doch nicht geschlossen, sondern besteht mit 6 Leuten weiter   
- bei den Kündigungen bleibt es aber - die KollegInnen die zu WBF wechseln sollen, tun das weiterhin, werden aber sofort wieder in die WBD eingegliedert, so dass sich faktisch nur der Vertragsarbeitgeber ändert. Der tut das als Formalie ab, aber die KollegInnen wollen aus leicht  nach-vollziehbaren Gründen nicht wechseln

• bestreitet Notwendigkeit von Sachverständigen und E-Stelle 
• bedroht den Betriebsrat, in dem er sich Schadensersatzansprüche vorbehält (das habe nicht mal ein Hoffmann, getan!)

Beim letzten Jour fixe habe man erneut versucht, zu schlichten und für einen vernünftigen Umgang um gemeinsame Lösungen für die Probleme zu finden, geworben.
Denn eines haben die letzten vier Jahre deutlich gezeigt: 
Der massive Personalabbau hat den Umsatz nicht gesteigert und die Position von Weltbild am Markt sehr geschwächt.
Deshalb wirbt der BR für:
  • Dokumentation der Arbeitsprozesse bei Weltbild
  • "Breites Kreuz" in Düsseldorf zeigen und nicht jede sinnfreie Idee des Herrn Droege umzusetzten
  • Vertrauen in die Kompetenz der Beschäftigten in Augsburg

Der BR bedauert, dass diese Appelle bis jetzt vergeblich waren und kündigt an, die Konflikte zu verrechtlichen und die Rechte der MitarbeiterInnen vor Gericht einzuklagen. Man könne zwar nicht garantieren, so Boßmann weiter, ob es in allen Fällen funktionieren wird, man verliere aber nicht den Mut und gebe den Kampf nicht auf.

Aus der Sicht der Gewerkschaft


"Jetzt seid Ihr richtig im Handel angekommen". So steigt Gewerkschaftssekretär Thomas Gürlebeck ins Thema ein. Es sei ein typisches Verhalten der Geschäftsführer im Handel mit allen Mitteln zu versuchen, die langjährigen und teuren MitarbeiterInnen durch neue, "billigere" zu ersetzen.
Im Handel werden nicht konsensual Entscheidungen getroffen, sondern mehrheitlich über die Gerichte.
Er bedauert sehr, dass Weltbild nach wie vor eine starken Führungspersönlichkeit fehle, die - vor allem -  Ahnung von Online-Handel hat und nicht stets vor einem Investor kuscht, wenn dieser in seiner Ahnungslosigkeit mal wieder eine sinnfreie und schädigende Entscheidung für das Unternehmen proklamiert.
Allein die Tatsache, dass ein Personalchef  androht, den Betriebsrat auf Schadensersatz zu verklagen, zeigt deutlich, welches Niveau inzwischen erreicht ist. 
Dies Alles lässt aber auch Spekulationen nach der weiteren Lebensdauer der GF inklusive Personalchef zu. Man kenne Droeges Spielereien ja inzwischen.

Er kritisiert scharf, dass die GF  den verbliebenen 329 KollegInnen keinerlei Wertschätzung entgegenbringe und auf Umgangsformen, die in den 1980ern und 1990ern populär waren, zurückfällt.

Er appelliert an die Anwesenden: "Ist der Personalchef in Greifweite, Finger weg vom Kugelschreiber, wehret den Anfängen!"
Mit der Bitte, den Betriebsrat zu unterstützen, dankt Thomas Gürlebeck der Belegschaft für den unermüdlichen Einsatz für das Unternehmen Weltbild.

Da die KollegInnen sehr viel Info erhalten haben, die erst einmal verdaut werden muss, kommen im Anschlss an Thomas Gürlebecks Rede, erstmal keine Fragen auf.
Timm Boßmann und natürlich auch die andren BR-Mitglieder stehen aber immer für Nachfragen und Einzelgespräche zur Verfügung. 
 
Sich für das zahlreiche Erscheinen und die entgegengebrachte Aufmerksamkeit bedanken, schließt der Vorsitzende die Versammlung.



Sonntag, 11. März 2018

Donnerstag, 1. März 2018

Gekündigt - Was nun?



Besorgniserregende Meldungen der Weltbild-Töchter Österreich und Schweiz bezüglich des dort stattfindenden Personalabbaus, lassen auch bei den KollegInnen der Weltbild Deutschland die Angst um einen etwaigen Arbeitsplatzverlust wachsen.
Immer wieder hört man von vereinzelten Kündigungen. So nimmt die stete Sorge, man könne selbst der/ die Nächste sein, zu.

 Was also tun, wenn man die Kündigung erhalten hat?



Verschiedene Arten von Kündigungen


Zu der ordentlichen (fristgerechten) Kündigung zählen:

  • Personenbedingte Kündigung: hierbei geht es um die Person des Arbeitnehmers. Gründe für eine solche Kündigung sind beispielsweise mangelnde oder geistige Eignung, häufige oder lange andauernde Erkrankungen, Haft oder auch eine fehlende Arbeitserlaubnis
  • Verhaltensbedingte Kündigung: wie der Name bereits andeutet, geht es bei dieser Kündigung um das Verhalten des Arbeitnehmers. Gründe sind zum Beispiel Verstöße gegen seine/ihre Pflichten aus dem Arbeitsvertrag, schlechte Arbeitsleistung, Störung des Vertrauens (z.B. durch Annahme von Schmiergeldern), strafbares Verhalten durch Straftaten, die zwar außerhalb des Dienstes stattfinden, aber das Arbeitsverhältnis konkret beeinträchtigen, Verstöße gegen die betriebliche Ordnung, Verletzung arbeitsvertraglicher Nebenpflichten. Nur die verhaltensbedingte Kündigung kann in schweren Fällen auch zu einer außerordentlichen (fristlosen) Kündigung führen.
  • Betriebsbedingte Kündigung:bei dieser Kündigung liegen die Gründe ausschließlich beim Arbeitgeber. Um diese aussprechen zu können, müssen drei Voraussetzungen vorliegen.
                -  betriebliche Erfordernisse, z.B. schlechte Auftragslage, geänderter Arbeitsbedarf
                -  Kriterien für die soziale Auswahl müssen richtig beachtet sein
                -  Interessenabwägung der beiderseitigen Interessen des Arbeitgebers und Arbeitnehmers  muss erfolgen
  
Die außerordentliche (fristlose) Kündigung ist ein schwerwiegender Vorgang. Sie wird ohne Einhaltung der gesetzlichen, tarifvertraglichen oder einzelvertraglich geltenden Kündigungsfrist erklärt. Dafür muss es schwerwiegende Gründe geben. Eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses muss für den Arbeitgeber im Sinne des § 626 BGB in einem Ausmaß unzumutbar sein, dass auch eine ordentliche Kündigung unter Einhaltung der Fristen nicht zumutbar ist.
Gründe, die ausschließlich im Verhalten des Arbeitnehmers liegen, sind beispielsweise:
  • wiederholte grundlose Arbeitsverweigerung
  • grobe Beleidigung des Arbeitgebers
  • Straftaten des Arbeitnehmers, wenn sich diese auf das Arbeitsverhältnis auswirken
  • tätliche Auseinandersetzungen im Betrieb

Die Rolle des Betriebsrats


Die Kündigung sollte immer das letzte Mittel sein, das der Arbeitgeber in seiner Personalplanung anwendet.
Der Gesetzgeber sieht das auch so. Deshalb hat er verschiedene Alternativen festgeschrieben, die, ehe eine Kündigung in Betracht gezogen wird, beachtet werden müssen.

In § 102 BetrVG ist die Mitbestimmung des Betriebsrats bei Kündigungen geregelt.

Dabei heißt es in §102 Abs. 1 BetrVG:
Der Betriebsrat ist vor jeder Kündigung zu hören. Der Arbeitgeber hat ihm die Gründe für die Kündigung mitzuteilen. Eine ohne Anhörung des Betriebsrats ausgesprochene Kündigung ist unwirksam.

Die Anhörungspflicht gilt sowohl für die ordentliche als auch für die außerordentliche Kündigung.

Ist der Betriebsrat zu einer Kündigung gehört worden, hat er folgende Möglichkeiten:
  • er wird mit dem betroffenen Arbeitnehmer sprechen
  • er kann der Kündigung zustimmen
  • er kann die Frist verstreichen lassen
  • er kann Bedenken anmelden
  • er kann wiedersprechen
Sobald dem BR die Anhörung vorliegt, wird er mit dem betroffenen Arbeitnehmer sprechen. Dadurch hat er die ungute Aufgabe, den Arbeitnehmer über die geplante Maßnahme zu informieren. Im persönlichen Gespräch haben der BR und der Arbeitnehmer die Möglichkeit, sich über das weitere Vorgehen abzustimmen.

Ein verantwortungsbewusster Betriebsrat wird der Kündigung eines Arbeitnehmers nicht zustimmen, bei Weltbild hat dies der BR auch nie getan. Stimmt er nämlich zu, stehen die Chancen des Arbeitnehmers im Falle einer Kündigungsschutzklage vor Gericht Erfolg zu haben, bei etwa Null.

Hat der Betriebsrat allerdings keine Gründe, Bedenken anzumelden oder der Kündigung zu widersprechen, will er der geplanten Maßnahme aber auch nicht zustimmen, so kann er nur die Frist verstreichen lassen.

Hat der BR gegen eine ordentliche Kündigung Bedenken, so hat er diese unter Angabe der Gründe dem Arbeitgeber spätestens innerhalb einer Woche schriftlich mitzuteilen. Im Falle einer außerordentlichen Kündigung hat der BR dies unverzüglich, spätestens jedoch innerhalb von drei Tagen zu tun.

Der Betriebsrat kann einer ordentlichen Kündigung widersprechen wenn: 
  1. der Arbeitgeber bei der Auswahl des zu kündigenden Arbeitnehmers soziale Gesichtspunkte nicht oder nicht ausreichend berücksichtigt hat
  2. der zu kündigende Arbeitnehmer an einem anderen Arbeitsplatz im selben Betrieb oder in einem anderen Betrieb des Unternehmens weiterbeschäftigt werden kann
  3. die Weiterbeschäftigung des Arbeitnehmers nach zumutbaren Umschulungs- oder Fortbildungsmaßnahmen möglich ist
  4. eine Weiterbeschäftigung des Arbeitnehmers möglich ist und der Arbeitnehmer sein Einverständnis hiermit erklärt hat
(Siehe hierzu § 1, Abs.2, Ziffer 1 - 4 KSchG, § 102, Abs. 3, Ziffer 1-5 BetrVG)

Kündigt der Arbeitgeber, obwohl der BR Widerspruch eingelegt hat, so hat er dem Arbeitnehmer mit der Kündigung eine Abschrift der Stellungnahme des Betriebsrats zuzuleiten.

Hat der Betriebsrat einer ordentlichen Kündigung frist- und ordnungsgemäß widersprochen und hat der Arbeitnehmer nach dem Kündigungsschutzgesetz (§ 4 KSchG) Klage auf Feststellung erhoben, dass das Arbeitsverhältnis durch die Kündigung nicht aufgelöst ist, so muss der Arbeitgeber auf Verlangen des Arbeitnehmers  diesen nach Ablauf der Kündigungsfrist bis zum rechtskräftigen Abschluss des Rechtsstreits bei unveränderten Arbeitsbedingungen weiterbeschäftigen.
Auf Antrag des Arbeitgebers kann das Gericht ihn durch eine einstweilige Verfügung (§ 940 Zivilprozessordnung) von der Verpflichtung zur Weiterbeschäftigung entbinden, wenn
  1. die Klage des Arbeitnehmers keine hinreichende Aussicht auf Erfolg bietet oder mutwillig erscheint
  2. die Weiterbeschäftigung des Arbeitnehmers zu einer unzumutbaren wirtschaftlichen Belastung des Arbeitgebers führen würde
  3. der Widerspruch des Betriebsrats offensichtlich unbegründet war
Im Falle einer Arbeitnehmerkündigung oder des Abschlusses eines Aufhebungsvertrags hat der Betriebsrat kein Mitspracherecht.

Was kann ein gekündigter Arbeitnehmer tun


Empfindet der Arbeitnehmer seine Kündigung als sozial ungerechtfertigt oder kann er andere Gründe gegen die Kündigung angeben, so hat er das Recht, nach § 4 KSchG innerhalb von drei Wochen nach Zugang der schriftlichen Kündigung Klage beim Arbeitsgericht auf Feststellung zu erheben, dass das  Arbeitsverhältnis durch die Kündigung nicht aufgehoben ist.

Es ist ratsam, sich einen Fachanwalt für Arbeitsrecht zu suchen, da ansonsten die Aussicht auf Erfolg vor Gericht nicht gegeben ist. 
Ist ein Arbeitnehmer Gewerkschaftsmitglied, wird ihm ein Fachanwalt zur Seite gestellt.

Steht ein Aufhebungsvertrag im Raum, so sollte der Arbeitnehmer diesen nur dann unterzeichnen, wenn er bereits eine neue Anstellung in einem anderen Unternehmen gefunden hat. Ansonsten könnten ihm Sperrzeiten durch die Agentur für Arbeit beim Arbeitslosengeld drohen.


Quellen:
Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG)
Kündigungsschutzgesetz (KSchG)
Zivilprozessordnung (ZPO)
Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)



Sonntag, 25. Februar 2018

Das zarte Pflänzchen Weltbild


Oder: Wie man möglichst geräuschlos Personal reduziert, um nach außen den Anschein zu erwecken, es sei alles in Ordnung!


Im letzten Dezember wurde die Belegschaft von Weltbild Österreich nahezu komplett weg rasiert. Ende Januar 2018 kam die Nachricht von einem Stellenabbau bei Weltbild Schweiz. In beiden Fällen wurde der Augsburger Betriebsrat ganz bewusst nicht informiert und bekam erst im Nachhinein die Auskunft: Dafür sei er nicht zuständig und insofern brauche man ihm nichts zu sagen...

Rein formal betrachtet, stimmt das tatsächlich – allerdings haben gravierende Einschnitte in den Ländern natürlich auch Auswirkungen auf die Mitarbeiter in Augsburg. Und das geht den Augsburger Betriebsrat auf jeden Fall etwas an. Denn hier ist demnächst erhebliche Mehrarbeit zu erwarten.

Stellenabbau möglichst unter dem Deckel halten


Was in beiden Ländern auffällt, ist, dass der Stellenabbau möglichst geräuschlos über die Bühne gehen sollte. Selbst gegenüber dem Börsenblatt des deutschen Buchhandels, wollte Weltbild Schweiz Geschäftsführer Vito Cavuoti sich zunächst weder über den Umfang noch über die Gründe äußern. Erst nachträglich bekam das Branchenmagazin ein paar wenige Informationen. (Börsenblatt Meldung)

Anscheinend wird von Seite der Unternehmensführung gerade versucht, personelle Einschnitte zu vollziehen, ohne dass es nach außen dringt. Denn negative Nachrichten, sind das, was das zarte Pflänzchen Weltbild am allerwenigsten braucht. Das ist durchaus verständlich und nachvollziehbar. Allerdings sollte es nicht dazu führen, auch den eigenen Mitarbeitern ein X für ein U vorzumachen.


Jeremy Segrott from Cardiff, Wales, UK, - Creative Commons CC BY 2.0 


Denn es macht in den Büros bereits das Gerücht die Runde, man wolle das Logistik-Kompetenzteam in Augsburg eindampfen. Also erreicht die Personalreduzierung jetzt offenbar auch Weltbild Deutschland.


Hierzu sollte es von Seiten der Geschäftsführung dringend eine Stellungnahme gegenüber der Belegschaft geben. Was ist geplant? Und in welchem Umfang? 


Will man jetzt tatsächlich die letzten Mitarbeiter mit echtem Logistik-Know-How vor die Tür setzen, ist das wieder eine weitere unsägliche Posse zu dem Kunststück: an dem Ast zu sägen, auf dem man sitzt! Denn künftig werden externe Dienstleister alles möglich behaupten oder in Rechnung stellen können, ohne dass bei Weltbild noch jemand sitzt, der das realistisch bewerten und einschätzen kann. Vielen Dank auch für den wegweisenden Umgang mit Wissens-Ressourcen!

Und ganz nebenbei ein echter Arschtritt für diejenigen, die im letzten Jahr geschuftet haben ohne Ende, um überhaupt eine Paket-Auslieferung auf die Beine zu stellen unter den schwierigen Bedingungen in Bor.






Montag, 19. Februar 2018

Wo stehen wir bei der psychischen Gefährdungsbeurteilung ? Stellungnahme der Betriebsärztin und der Sicherheitsfachkraft


Über ein Jahr ist es schon her, dass der WELTBILD-Betriebsrat die Belegschaft über die Ergebnisse der psychischen Gefährdungsbeurteilung informierte.

Was ist seitdem passiert ?

Auf der Arbeitgeberseite nichts !

Der Betriebsrat hat mit einer immensen Fleißarbeit 246 Punkte zu drei Maßnahmenpaketen verdichtet, mit welchen 80% der Probleme gelöst oder zumindest deutlich gelindert werden könnten.

Zur Erinnerung:

1. Führungsleitlinien
Der BR schlägt vor, gemeinsam mit der GF Führungsleitlinien zu erarbeiten. Im Handlungsfeld „Wertschätzung“ könnte so viel erreicht werden. Führungskräfte sollen geschult und unterstützt werden. Für den Fall, dass gegen die Leitlinien verstoßen wird, soll eine paritätische Eskalationsinstanz geschaffen werden, die hilft Konflikte zu lösen.

2. Prozessoptimierung
Wir kämen schon einen Riesenschritt weiter, wenn die zentralen Prozesse in den Abteilungen einfach einmal aufgeschrieben würden. Dann könnte man Verantwortlichkeiten klären und Stellenbeschreibungen definieren.

3. Bedarfsanalyse
Systematisch erfassen, was notwendig ist, um effizient und gut zu arbeiten: Arbeitsmittel (Hard- & Software), Schulungen, Verbesserung der Arbeitsumgebung (Licht, Luft, Lärm) u.s.w. Danach Budgetierung und Planung von Investitionen.

Standpunkt des Unternehmensvertreters:

Der neue "Interim"(?)-Personalchef Ries hat eine klare Meinung zur psychischen Gefährdungsbeurteilung.
Er hält sich nicht mit Ausflüchten auf, sondern sagt klipp und klar: „Die Krankenquote im Unternehmen ist absolut in Ordnung. Ich sehe keinen Handlungsbedarf.“ Alle Vorschläge des Betriebsrats lehnt er rundheraus ab. Er bestreitet sogar, dass es überhaupt eine Gefährdungsbeurteilung gegeben hat: „Wenn der Betriebsrat irgendeinen Externen beauftragt, die Leute zu fragen, wie es ihnen geht – warum sollte mich das interessieren?“

Standpunkt der Betriebsärztin und der Sicherheitsfachkraft:

Von beiden liegen Stellungnahmen vor, in welchen Sie die psychische Gefährdungsbeurteilung bestätigen, ein paar Auszüge:

"Die vom Schwarz Institut durchgeführte psychische Gefährdungsbeurteilung ist im Aufbau und der Durchführung absolut professionell und schlüssig erstellt worden."

"Das Schwarz Institut hat die Gefährdungsbeurteilung sehr sorgfältig, professionell und sehr umfangreich verbunden mit hohem Arbeitsaufwand durchgeführt."

Die vom BR vorschlagenen Maßnahmen wären pragmatisch und plausibel, sollten umgesetzt werden und der Erfolg der Maßnahmen abschließend hinterfragt werden.

"Die Arbeit, die dahinter steckt , ist erheblich, das Ergebnis , meiner Meinung nach, hervorragend gelungen."

"Aus meiner Sicht ist die Befragung mit der Beurteilung gelungen."

Fazit:

Der Arbeitgeber handelt grob fahrlässig, indem er dieses Thema ignoriert.

Falscher kann man es gar nicht machen, weil er auch noch die Gefährdungsbeurteilung insgesamt anzweifelt.
Dann hat er nämlich nicht nur keine Maßnahmen ergriffen, sondern auch noch keine Gefährdungsbeurteilung gemacht, wozu er aber verpflichtet ist.

Da "freuen" sich die Aufsichtsbehörden und die Versicherungen, Haftungsfragen werden an die Vertreter des Arbeitgebers delegiert, mögliche Folgen gehen von Bußgeldern über Haftung für Gesundheitsschäden bis zu Freiheitsstrafen...

Beschäftigte haben ein Recht auf Gesundheitsschutz:

Der Arbeitsschutz gehört zu den gesetzlichen Grundpflichten des Arbeitgebers (§ 3 ArbSchG).
Er hat die Arbeit so zu gestalten,dass eine Gefährdung für die physische und die psychische Gesundheit möglichst gering gehalten wird (§ 4). Es ist die Pflicht des Arbeitgebers, die Gefährdungen am Arbeitsplatz regelmäßig zu beurteilen. Dabei werden die Gefährdungen durch die Gestaltung von Arbeitsabläufen und Arbeitszeit und deren Zusammenwirken sowie durch psychische Belastungen bei der Arbeit ausdrücklich im Gesetz genannt (§ 5).




Donnerstag, 15. Februar 2018

Was lange währt ... ist endlich durch


Nach langen und zähen Verhandlungen, die zwei Personalchefs verschlissen haben, ist die Betriebsvereinbarung zur Handhabung der Umsetzung der Vorgaben aus dem Arbeitsschutzgesetz über Sehhilfen am Bildschirmarbeitsplatz endlich unterschrieben worden. 

Hier im Blog wurde am 14. November 2017 zuletzt ausführlich über den aktuellen Stand berichtet, als es schien die Unterzeichnung sei nur noch reine Formsache. Spannend oder eher nervig gestaltete sich dies, als der neue HR-Chef den Entwurf des Betriebsrats, ohne ihn wirklich gelesen zu haben, erst einmal als übertriebene Forderung ablehnte. Umso erfreulicher ist es, dass die BV jetzt in der ursprünglichen Fassung in Kraft getreten ist. Änderungen wurden nur an den Formulierungen einzelner Punkte vorgenommen, nicht aber an den inhaltlichen Forderungen:

  • Die Untersuchungsabstände wurden den gesetzlichen Vorgaben angepasst, was für die KollegInnen jedoch keine Auswirkungen hat, da bei einer möglichen Verschlechterung der Sehkraft jederzeit eine außerordentliche Untersuchung bei der Betriebsärztin beantragt werden kann.
  • Die Erstattung von 200 Euro beim Kauf der Brille nicht über den Vertragsoptiker, wird der Betrag nur auf die Gläser, nicht aber auf das Gestell angerechnet. Dies bleibt jedoch folgenlos, da in allen bisherigen Fällen, die Gläser allein immer deutlich über 200 Euro lagen.
Das finale Ergebnis ist, dass die KollegInnen und die Geschäftsführung damit eine für beide Seiten vorteilhafte und verbindliche Regelung zur Beschaffung einer Bildschirmbrille vorliegen haben. In den wesentlichen Punkten umfasst die Betriebsvereinbarung folgende Punkte:
  • Anspruch auf regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen nach dem berufsgenossenschaftlichen Grundsatz G 37. Darüber hinaus kann eine Vorsorgeuntersuchung vorzeitig stattfinden, wenn der/die MitarbeiterIn das Gefühl hat, dass sich die Sehkraft verschlechtert habe.
  • Die Arbeitgeberin übernimmt alle im gesetzlich geforderten Umfang notwendigen Kosten. Im Regelfall werden Raumkomfortbrillen verordnet, da diese den Anforderungen an den meisten Arbeitsplätzen am besten gerecht werden. Diese sollen entspiegelt sein, eine Hartbeschichtung gegen Kratzer und Beschädigungen sowie eine Beschichtung gegen Verschmutzungen aufweisen (Clean-Coat). 
  • Um in den Genuss der Kostenerstattung zu kommen, gilt folgendes Vorgehen: 
         1. Durchführung einer Augenuntersuchung durch die Betriebsärztin
         2. Empfehlung für eine Arbeitsplatzbrille, wenn diese ärztlich geboten ist
         3. Diese Bescheinigung ist bei der Personalabteilung abzugeben
         4. Im Gegenzug gibt es einen Gutschein für den Optiker-Vertragspartner
         5. Es bestehen dann zwei Möglichkeiten:
             - Gutschein beim Vertragspartner einlösen und Standardbrille ohne Vorleistungen erhalten
             oder
            - Beschaffung bei einem anderen Optiker und Kostenerstattung bis zu 200 Euro für die Gläser
  • Die Bildschirmarbeitsplatzbrille darf auch privat außerhalb der Arbeitsstelle genutzt werden. 
  • Sie geht beim Ausscheiden aus dem Unternehmen in das Eigentum des Beschäftigten über.
  • Im Falle des Verlustes oder der Beschädigung aufgrund vorsätzlichen oder grob fahrlässigen Eigenverschuldens sind die Kosten für eine Ersatzbrille vom Beschäftigten zu tragen.


Am Ende fragt man sich, warum das Ganze so lange dauern musste, da an einer Regelung ja beide Seiten Interesse hatten. Allein andere Prioritäten der Geschäftsführung und die recht eigenwilligen Ansichten des neuen Personalchefs, was Verhandlungen mit dem Betriebsrat angeht, führten final zu einer so unerfreulich langen Verschleppung.
Es bleibt nur zu hoffen, dass zukünftig derartigen Angelegenheiten zügiger und konstruktiver zu einem zufriedenstellenden Ergebnis geführt werden können ...

Montag, 12. Februar 2018

Mehr Geld? Bei IG Metall ja, bei Buchhandel noch nicht und bei uns?


Letzte Woche kam in den Nachrichten, dass die IG Metall in Baden Württemberg folgenden Pilotabschluss geschafft hat:
  • 2018: Einmalbetrag 100 € und 4,3 % ab 1.4.2018
  • ab 2019: 27,5 % Tarifliches Zusatzgeld eines Monatsentgelts (Geld oder freie Zeit) und jährlich wiederkehrende 400 € Entgeltzahlung
  • Kurze Vollzeit (28 Stunden) bis zu 24 Monate , die wiederholbar ist (ab 2 Jahre Betriebszugehörigkeit)
  • Gesamt Laufzeit  27 Monate bis 31.03.2020
Ein sehr guter Abschluss, den die Mitglieder mit Aktionen und Streiks erkämpft haben.

In der gleichen Zeit waren Verhandlungen bei Buchhandel und Verlagen in Bayern. 
In drei Verhandlungsrunden bewegte sich nichts, denn einmal mehr verknüpften die Arbeitgeber die Entgelterhöhung mit Gegenforderungen: ohne Verschlechterungen im Manteltarifvertrag (MTV), den sie erneut kündigten, gäbe es auch diesmal keine Einkommenserhöhung. Gegen diese altbekannte Erpressungsmethode hat sich die ver.di-Tarifkommission entschieden gewehrt. Unsere Forderung war: MTV schließen, Geld her!

Während in anderen Bundesländern und auch in bayerischen Haustarifen inzwischen akzeptable Abschlüsse erreicht wurden, haben sich die bayerischen Arbeitgeber eingemauert. Auch in der vierten Runde wiederholten sie: ohne materielle Abstriche im MTV gibt es keinen Entgeltabschluss! Am Ende der 4. Verhandlung legten sie dann ein unterirdisches Angebot auf den Tisch:

- 12 Null-Monate
- 2 % mehr ab 1. April 2018
- Laufzeit bis zum 31.03.2019
- Streichung der Spätöffnungszuschläge
- Ausweitung des Geltungsbereichs (d.h. mehr tariflose AT-Beschäftigte als bisher)

Das hat die ver.di-Verhandlungskommission entschieden abgelehnt, sich dennoch weiterhin gesprächsbereit gezeigt und vorgeschlagen, sich dann wieder zu treffen, wenn die Arbeitgeberseite ein annehmbares Angebot macht, das nicht nur die Inflationsrate ausgleicht, sondern eine echte Einkommenssteigerung bedeutet.

Und bei uns?
Seit wir von Droege gekauft worden sind, gab es keine tarifliche Erhöhungen. Der Tarif ist auf dem Stand von 2012 eingefroren. Unser Arbeitgeber ist kein Mitglied in einem Arbeitgeberverband. Somit auch nicht am Tisch bei den Verhandlungen der Buchhändler und Verleger.

Wieso macht der Betriebsrat da nichts?
Der Betriebsrat darf laut Gesetz keinen Tarifvertrag verhandeln. Das darf nur ein Arbeitgeberverband oder der Arbeitgeber, sprich Weltbild, zusammen mit der Gewerkschaft, bei uns ver.di.
Die Gewerkschaft besteht aus Mitgliedern, also aus uns Kolleginnen und Kollegen. Sind genügend organisiert, können diese KollegInnen einen Tarif einfordern. Dies kann dann einhergehen mit Aktionen. Weil Weltbild einen guten Tarif gewiss nicht freiwillig hergeben will. Und der Begriff "Gut" für uns eine andere Bedeutung hat als für Weltbild.

Es geht also nur zusammen. Und nur organisiert. Das Ergebnis sieht man an der IG Metall.

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