Freitag, 9. Dezember 2016

Wie sinnvoll ist der Einsatz von WELTBILD-MitarbeiterInnen in der Logistik?


Gestern hat Personalleiter Matthias Haack die WELTBILD-Verwaltungsangestellten eingeladen, ihren dritten Advents-Samstag in der Logistik zu verbringen. Die Geschäftsleitung sucht Freiwillige, die helfen das erhöhte Sendungsaufkommen im Weihnachtsgeschäft abzuarbeiten. Dieser Sondereinsatz ist nicht mit dem Betriebsrat besprochen, geschweige denn vom Gremium genehmigt worden.

Zum Hintergrund sollte man folgendes wissen: Aufgrund der Massenentlassungen in der Logistik im Januar diesen Jahres ist dort tatsächlich zu wenig eigenes Personal vorhanden, um das Weihnachtsgeschäft abzuwickeln. Darauf hatte der Betriebsrat mehrfach im Rahmen der Verhandlungen über einen Interessenausgleich hingewiesen. Die Geschäftsführung von WELTBILD setzte die Entlassungen trotzdem durch. Als Druckmittel diente die Kostenübernahme-Erklärung, die der Insolvenzverwalter für den Fortbetrieb der Logistik verlangte.

Nachdem das Kind – wieder einmal – in den Brunnen gefallen war, hat der Betriebsrat schweren Herzens dem Einsatz von LeiharbeiterInnen im November/Dezember zugestimmt. Ein weiteres von vielen Zugeständnissen der Interessenvertretung, um WELTBILD auf dem Weg aus der Krise zu unterstützen: Nur mit zusätzlichen Händen ist das Weihnachtsgeschäft zu stemmen.

Warnungen des BR wieder einmal in den Wind geschlagen

Ende November dann hat Versandleiter Abdullah Balcilar  gemeinsam mit der WELTBILD-Geschäftsführung entschieden, etliche LeiharbeiterInnen wieder nach Hause zu schicken. Der Betriebsrat hat darauf hingewiesen, dass diese KollegInnen im Dezember fehlen würden, und dass es schwierig bis unmöglich sein würde neue Kräfte zu rekrutieren. Diese Einwände wurden ignoriert. Nun sollen also die Verwaltungsangestellten den Karren wieder aus dem Dreck ziehen. Als wäre die Arbeit bei WELTBILD derzeit nicht schon herausfordernd genug…

Der Betriebsrat blockiert den Einsatz von Freiwilligen nicht, aber er rät zur eigenen Sicherheit folgende Fragen zu stellen:

  1. Was passiert, wenn ein Unfall passiert? Die neu eingerichteten Versandhallen sind bis heute nicht sicherheitstechnisch abgenommen worden. Wir bezweifeln, dass die Berufsgenossenschaft Krankenhausaufenthalte und Verdienstausfälle bezahlt, wenn Mitarbeiter eines rechtlich anderen Betriebs in den ALSO-Hallen verunglücken sollten.
  2. Wer Arbeitnehmer verleiht – und nichts anderes ist dieser Einsatz von WELTBILD-MitarbeiterInnen bei ALSO – braucht dafür eine Genehmigung zur Arbeitnehmerüberlassung. Diese hat WELTBILD nicht. Damit ist der Einsatz letztlich illegal. Wie steht die Geschäftsleitung dazu?
  3. Die KollegInnen aus Lager/Versand haben nach den letzten Einsätzen von WELTBILD-MitarbeiterInnen vielfach versichert, dass die Unterstützung durch unerfahrene Kräfte zwar gut gemeint aber keine Hilfe sei. Vielmehr sei das Einlernen ein zusätzlicher Aufwand und störe die Arbeitsprozesse. Warum wiederholt die GF eine offensichtlich sinnlose Aktion?

Jeder muss selbst entscheiden, ob er vor diesem Hintergrund seinen Advents-Samstag opfern möchte.

Kommentare:

  1. Abgesehen von den doch ziemlich unklaren rechtlichen Bedingungen - was passiert eigentlich, wenn ich ich beim Einsatz verletze und dann 4 Wochen krank geschrieben bin? Wer erledigt dann meinen Bürojob? Und schaut euch mal die Überstunden der Leute aus der Verwaltung an! Hab' keine Lust wegen der kurzsichtigen Plaung mir meine wohlverdiente Freizeit abhandeln zu lassen. Yuhu wir mir auf das Zeitkonto gut geschrieben. Vielleicht nehm ich die freie zeit dann an nem Freitag, dann kann ich Samstag wieder ins Lager.

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  2. Wenn es ab dem 1.april in der neuen Logistik in Tschechien zu Engpässen kommt,sollen die Mitarbeiter von Weltbild dann nach Tschechien fahren um zu helfen??????

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    1. Glaube ich nicht - wenn "der Neue" es nicht schafft muss der eben schauen wie er klarkommt (Leiharbeiter etc.) und wenn er`s nicht schafft muss er Vertragsstrafen zahlen. Ganz einfach eigentlich.

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  3. Wie ist die Aktion gelaufen? Weiß jemand, wie viele Verwaltungsleute am Samstag angetreten sind?

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  4. Die Personalabteilung hat heute doch noch auf die Fragen des BR reagiert: Bezüglich der Versicherung bei einem möglichen Arbeitsunfall habe man mit der Berufsgenossenschaft gesprochen. Das sei geklärt. Eine Erlaubnis zur Arbeitnehmer-Überlassung sei bei gelegentlicher Entleihung innerhalb eines Konzerns nicht erforderlich, da seien sich die Anwälte von WELTBILD und ALSO einig. Wie gesagt: Entscheiden muss jedeR selbst. Voraussetzung für den Einsatz ist in jedem Fall die Freiwilligkeit. Solange diese tatsächlich gegeben ist, hält sich der BR bei diesem Thema raus.

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