Donnerstag, 25. August 2011

Kirchenvertreter fordert WELTBILD zum Handeln gegen Leiharbeit auf



Hans Gilg ist Pastoralreferent und Mitarbeiter der Katholischen Betriebsseelsorge im Raum Augsburg. Auf der jüngsten Weltbild-Betriebsversammlung hielt er einen Vortrag zum Thema Leiharbeit unter dem Titel "Die einen und die anderen … und wer schützt die anderen?". Hier Auszüge aus seiner engagierten Rede – klare Worte, die nachdenklich stimmen und immer noch nachwirken. 

Die einen arbeiten bei Weltbild, die anderen sagen, dass sie bei Weltbild arbeiten. Der Bekanntenkreis soll nicht wissen, dass sie Leiharbeiter sind. Die einen haben einen festen Arbeitsvertrag, die anderen auch – aber mit „Helmes“ und wie sie alle heißen. 
Die einen sind unter Personalkosten verbucht, die anderen unter Sachkosten oder ähnlichen Bezeichnungen. Die eine arbeitet als Verpackerin am Band, die andere auch – aber zu weniger Lohn. Die einen bekommen einen Mietvertrag, die anderen eine nette Absage – wenn sie sich als Leiharbeiter outen. 
Für die Zukunft planen?Die einen erhalten Kredit bei ihrer Bank, die anderen wieder eine höfliche Absage („Sie müssen schon verstehen, uns sind auch die Hände gebunden, aber wir brauchen natürlich Sicherheiten…“) Die einen können für die Zukunft planen, die anderen überlegen, von was sie gegen Ende des Monats leben sollen.
Die einen hoffen, dass sie einmal eine Rente bekommen, von der sie leben können, die anderen ahnen schon, dass im Alter nicht viel übrig bleibt, um würdig leben zu können. Die einen hoffen auf Leiharbeit als Sprungbrett in die Festanstellung, die anderen haben entmutigt aufgegeben, weil sie aus dieser Mühle seit vielen Jahren nicht mehr herausgekommen sind. 
Es ist gut, dass die einen diese Standards haben: Fester Arbeitsplatz, gerechter Lohn, Sozialleistungen usw. – das alles wurde in unserem Land über viele Jahrzehnte durch Gewerkschaften und mutige Frauen und Männer erkämpft und will den Wert der Arbeit sichtbar machen.
Arbeitsplätze 2., 3. und 4. Klasse
Es ist schlecht, dass wir in unserem Land durch die maßlose und gesetzlich schlecht geregelte Leiharbeit Arbeitsplätze 2., 3. und 4. Klasse geschaffen haben. Die einen haben gottseidank ihre Standards – und wer schützt die anderen?
Der Heilige Precarius Er ist nur ein virtueller Heiliger, den gibt es nicht im Heiligenkalender der Kirche. Aber unsere Kirche sagt auch, dass es neben den offiziellen Heiligen noch viele unbekannte, nicht genannte heilige Frauen und Männer gibt. Gerade für die steht Precarius: • für alle, die die Ungerechtigkeiten prekärer Arbeit aushalten müssen • für die Kolleginnen und Kollegen, die solidarisch mit euch sind, die euch Würde geben • für die Betriebsräte und Gewerkschafter, die Schritt für Schritt Leiharbeit verbessern • für alle verantwortlichen Menschen in den Betrieben und in der Politik, die daran arbeiten, dass Leiharbeit überflüssig wird. 
Gleicher Lohn für gleiche ArbeitIch wünsche mir, dass die Menschen bei Weltbild den gleichen Lohn für gleiche Arbeit bekommen. Ich wünsche mir, dass Weltbild als kirchliches Unternehmen hierbei mit gutem Beispiel vorangeht.

Wie stehen Sie persönlich zum Thema Leiharbeit? Nutzen Sie die Möglichkeiten zur Diskussion in diesem Blog und hinterlassen Sie unten einen Kommentar zu diesem Beitrag.

Kommentare:

  1. Ja die Idee und das Vorhaben der Katholischen Kirche
    finde sehr gut und lobenswert leider kämpft Sie hier auf
    Verlorenen Posten denn unsere Regierung und
    Wirtschaft sehen hier vorrangig eine einfache und
    lukrative möglichkeit Arbeitslosigkeit abzubauen
    und die Wirtschaft vordergründlich anzukurbeln.
    Was mich auch sehr verwundert das die Gewerkschaften
    bei diesem Spielchen auch mitmachen sie unterwandern
    Damit doch Ihre eigenen Tarifverträge ?

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  2. Die Gewerkschaften machen hier sicherlich nicht mit. Der DGB hat mit der Leiharbeit einen Tarifvertrag ausgehandelt der auf niedrigen Level liegt. Hätte der DGB das nicht gemacht wären andere Scheingewerkschaften wie zum Beispiel die christliche Gewerkschaft ( inzwischen existiert sie nicht mehr) dazu bereit gewesen noch viel niedrigere Abschlüsse zu unterschreiben. Der DGB sah sich in Zugzwang.

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