Donnerstag, 6. Juli 2017

Pause ist Pause


Das Recht auf freie Zeit muss verteidigt werden. Immer mehr Menschen klagen über Stress, ständige Erreich­barkeit und darüber, dass sie immer mehr Arbeit bewältigen müssen. Ursache ist allzu häufig Personalmangel.

In deutschen Krankenhäusern beispielsweise fehlen nach ver.di-Berechnungen 162.000 Vollzeitstellen. Die sich aufopfernden Helfer und Helfe­rinnen werden zermürbt und schließlich selbst krank. Und nicht nur dort fehlt Personal: Die Arbeitsbelastung hat für viele Menschen ein Maß erreicht, das nicht mehr ertragbar ist. Zahlreiche Befragungen belegen das, unter anderem die ver.di-Studie zu Arbeitszeit und Belastung im Dienst­leistungssektor von 2016. Danach arbeiten circa 40 Prozent der dort Beschäftigten länger als 43 Stunden pro Woche, ein knappes Fünftel sogar mehr als 48 Wochenstunden.

Die Folgen von Personalmangel mussten viele schon erleiden. Zuerst fällt die Pause weg! Dann wird länger gearbeitet. Krankenhausper­sonal wird aus der Freizeit zurückgeholt. Büroangestellte nehmen Arbeit mit nach Hause. Langfristig bleibt das für die Gesundheit nicht ohne Folgen. Spätestens jetzt sollten wir uns daran erinnern, dass wir all das schon einmal hatten und nicht wieder haben wollen: unmensch­liche Arbeitszeiten und keine Pausen!

Früher, zu Beginn der Industrialisierung, haben die Menschen in den Fabriken 14 bis 16 Stunden ohne Pause geschuftet. Die Gewerk­schaften konnten das ändern, mussten aber lange für den Acht-Stunden-Tag und verlässliche Ruhepausen kämpfen. Dieser Schutz ist gesetzlich verbrieft. Und Pause heißt Pause!

Auch gibt es keine rechtliche Grundlage, Krankenhauspersonal regelmäßig aus der Freizeit zu holen, weil Personalmangel herrscht. Unsere freie Zeit sollten wir uns nicht nehmen lassen. Sie dient der Erholung. Davon hat dann auch der Arbeitgeber etwas. So, wie es früher war, darf es nicht wieder kommen.


Kommentare:

  1. Seit Jahren hören wir die Rekordmeldungen der Industrie, der Dax erklimmt ungeahnte Höhen, den meisten Firmen geht es blendend. Doch bei den Beschäftigten kommt davon kaum etwas an! Nicht nur in den Krankenhäusern ist die Arbeitssituation der Horrer. Auch in Gastronomie, Hotellerie, in der Altenpflege, bei Paketzustellern... Die Liste ließe sich noch weiterführen! Und die Lohnentwicklung hinkt hinterher. Wann, wenn nicht in diesen zeiten sollte etwas vom Kuchen für die Millionen Werktätigen abfallen? Verdi muss auch in Zukunft den Finger in diese tiefe Wunde legen und nicht nachlassen! Und wenn alles nicht hilft, dann STREIK. Lang, so lang, dass die Entscheider das auch bitter spüren.

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  2. @ Anonym 7.Juli 2017 um 14:21
    Ich kann dir nur zustimmen.
    Wenn alles Reden und auch alle Kompromisse nicht mehr helfen, muss man für das, was man will - und auch dringend braucht - kämpfen. Schön zu lesen, dass auch hier noch Kolleginnen und Kollegen arbeiten, die sich nicht so leicht unterkriegen lassen und immer noch Kampfgeist in sich haben.
    Chapeau!!!

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