Montag, 26. August 2013

Geschäftsführung erpresst Betriebsrat von Jokers-Filiale


Wenn sich Ferien-Pläne ändern oder wichtige geschäftliche Termine anstehen, verschiebt mensch schon mal einen Urlaub. Keine große Sache, eigentlich… ein neuer Urlaubsantrag genügt im Allgemeinen.

Außer es steht die Schließung der "eigenen" Filiale bevor und mensch ist zudem auch noch BetriebsrätIn. Der BR hat nämlich mitzureden, wer wie und zu welchen Bedingungen auf die Straße gesetzt wird.

Das ist unbequem für den Arbeitgeber. Und so kann die Verschiebung eines geplanten Urlaubs plötzlich Bestandteil der gesetzlich vorgeschriebenen Verhandlungen um einen Sozialplan/Interessenausgleich werden.

Darum erhielt die Betriebsrätin einer demnächst schließenden JOKERS-Filiale kürzlich diese Antwort auf ihre Bitte um Urlaubsverschiebung:

Sehr geehrte Frau XY, 
wir möchten Ihnen in Rücksprache mit Hr. Brettschneider[*] folgende Rückmeldung geben: 
wir stimmen Ihrem Antrag auf Urlaubsverschiebung zu, sofern Sie sich bereit erklären, beigefügte Verhandlungsvereinbarung zu akzeptieren.  
Um zügige und ergebnisorientierte Verhandlungen zu gewährleisten, wird auf diesem Weg der zeitliche Ablauf der Verhandlungen Interessenausgleich & Sozialplan geregelt. 
Für den Fall, dass Sie mit der Vereinbarung nicht einverstanden sind, werden wir die Urlaubsverschiebung nicht gewähren. 
Bitte geben Sie uns bis zum Freitag, 23.08.2013 schriftliche Rückmeldung. 
Vielen Dank. 
Mit freundlichen Grüßen

Mit dieser unverblümten Erpressung zeigt die Geschäftsführung von Weltbildplus/Jokers, dass ihr jedes Mittel Recht ist, um die eigenen Interessen gegen die MitarbeiterInnen durchzusetzen. Ein unwürdiger Tiefpunkt in der Zusammenarbeit zwischen Betriebsräten und GF, den mensch so tumb und dreist höchstens aus dem Discounter-Milieu kennt. Ist WELTBILD schlimmer als SCHLECKER? Was meinen Sie? Nutzen Sie gerne die Kommentar-Funktion in diesem Blog. 

*Dirk Brettschneider ist als Geschäftsführer für die Jokers-Filialen innerhalb der Weltbildplus Medienvertriebs GmbH zuständig. Weitere Geschäftsführer sind Dr. Jürgen Höllermann, Hans-Jürgen Junker und Jochen Laabs. Die Weltbildplus Medienvertriebs GmbH ist Teil der DBH, die zu gleichen Teilen den Hugendubel-Erben Maximilian und Nina Hugendubel sowie der katholischen Verlagsgruppe Weltbild in Augsburg gehört.

Kommentare:

  1. Die Vorgehensweise ist typisch für das, was sich derzeit bei Weltbild/Jokers abspielt. Discounter zahlen mittlerweile schon übertariflich, bei Weltbild macht man sich vor Angst in die Hose, wenn ein Mindestlohn von 8,50 gefordert wird. Naja, bald verschandelt keine dieser Filialen mehr die Buchhandelslandschaft, Herzlichen Glückwunsch zum selbsterwählten Untergang!

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  2. Ob man Weltbild mit Schlecker vergleichen kann weiß ich nicht, es ist auch nicht relevant. Entscheidend ist, dass sich seit geraumer Zeit ein Paradigmenwechsel vollzogen hat, der drastische Missstände mit sich bringt. Die Tatsache, dass die Umsätze sinken, lässt alt bekannte Tugenden in Vergessenheit geraten. Ich weiß nicht, ob das sinkende Schiff noch zu retten ist, aber zumindets die Rettungsbote sollten Arbeitnehmer und Arbeitgeber gemeinsam startklar machen... Es gibt viele Kollegen, die dem Arbeitgeber auch in schlechten Zeiten beistehen würden, aber momentan schwindet das leztze bisschen Vertrauen in die GF... Respekt hat man schon lange nicht mehr. Schade eigentlich.

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  3. Dieser Brief ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten! Wenn der "Paradigmenwechsel", der im vorausgehenden Kommentar genannt wurde solche Früchte trägt, muss man sich bei Weltbild künftig wohl auf Einiges gefasst machen.

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  4. Aktuell noch rund 250 Filialen (Weltbild, Weltbild bei Karstadt, Jokers) und 4 Geschäftsführer?

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    1. Angefressener Bücherwurm16. September 2013 um 19:39

      Nein, leider keine 250 Filialen mehr. Nur noch 230 Weltbildplus/Jokers Klitschen, weitere 30 Schließungen sind schon bekannt. Bei Weltbildplus gibt es vier Geschäftsführer, zwei Regionalleiter und ca. 12 Bezirksleiter. Bei Jokers ist das Ungleichgewicht noch krasser. Demnächst nur noch 18 Filialen, aber einen eigenen Geschäftsführer, einen eigenen Geschäftsleiter und drei Bezirksleiter, wovon der eine sogar noch nen Assistenten hat. Das kann man sich halt leisten, wenn man den Mitarbeitern nur 6,27 zahlt.

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  5. Wenn eine Filiale keinen Gewinn macht schließt sie, das glaube ich ist nicht nur bei Weltbild so, traurig aber nicht zu andern, von einer Erpressung kann man hier nicht reden denn Weltbild nennt nur die Voraussetzung und die Priorität unter der die urlaubsverschiebung genehmigt wird, das ist doch ihr recht, denn sonst wird sich um 1000 andere Dinge gekümmert und nicht um das wesentliche das die Filiale betrifft, in der man eh nur noch auf dem Papier chef ist und nur kosten verursacht, man sieht halt leider das ein BR auch nicht zaubern kann, leid tut es mir um alle Mitarbeiter die demnächst eine Schließung haben. Und soweit ich mich entsinne war die BV Urlaub eine Änderung des BR . Das jetzt um sich geschlagen wird war mehr als klar, es gibt auch noch andere Gewerkschaften. Ein ziemlich an gefressener Mitarbeiter!

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