Mittwoch, 22. April 2015

WELTBILD-Pressestelle versucht Öffentlichkeit zu täuschen


Das Augsburger Arbeitsgericht hat heute beschlossen, den Betriebsrat in eine Einigungsstelle zu schicken. Der BR hat bereits angekündigt, gegen diesen Beschluss Rechtsmittel einzulegen. Die Pressestelle der WELTBILD Retail GmbH hat das Urteil zum Anlass genommen, heute eine bewusst irreführende Pressemitteilung herauszugeben. Darin heißt es unter anderem: "Darstellungen, wonach bei Weltbild 300 Stellen abgebaut werden sollen, sind falsch." Es ginge nur noch um einen Personalabbau von 60 Stellen, behauptet die Pressestelle.

Das ist eine verzerrte Darstellung: WELTBILD Retail GmbH und ALSO Logistics Services GmbH bilden einen gemeinsamen Betrieb, für den ein einziger Betriebsrat zuständig ist. Das ist vertraglich bei der Überleitung festgelegt worden, genauso wie eine gemeinsame Führungsvereinbarung. Das wissen die Beteiligten auf Arbeitgeberseite sehr wohl und haben dementsprechend auch die Einigungsstelle für den gemeinsamen Betrieb vor Gericht beantragt.

Entlassungen werden wahrheitswidrig kleingerechnet

Jetzt öffentlich etwas anderes zu behaupten, ist reine Taktik, um die Anzahl der geplanten Entlassungen wahrheitswidrig kleinzurechnen. Wir bleiben bei unserer Darstellung, dass in der Retail rund 100 Arbeitsplätze in Gefahr sind. Die 60, von denen die Pressestelle spricht, sind rechnerische Vollzeitstellen, d. h. zwei 50%-Teilzeitbeschäftigte besetzen eine rechnerische Vollzeitstelle. Es sind also auf jeden Fall mehr Menschen betroffen als rechnerische Vollzeitstellen. Dazu kommt die Tatsache, dass derzeit vor allem hochqualifizierte Fachkräfte das Unternehmen verlassen (z. B. ITler und Marketeers), die selbstverständlich mit gleich qualifizierten Fachleuten ersetzt werden müssen, während im Bereich der SachbearbeiterInnen wie ursprünglich geplant gekündigt werden soll.

Im Bereich der Logistik stehen weiterhin 200 Arbeitsplätze auf der Streichliste. Macht zusammen 300 Arbeitsplätze.

Desweiteren spricht die Pressestelle von derzeit 1.372 Beschäftigten in der "Weltbild Gruppe (ohne Logistik)". Damit werden die MitarbeiterInnen in den Filialen mit in die Berechnung einbezogen. Die Filialen sind wiederum in einer eigenen GmbH aufgehängt, bilden aber im Gegensatz zur ALSO keinen gemeinsamen Betrieb mit der Retail. Während die Pressestelle also einerseits spaltet, was tatsächlich zusammengehört, zieht sie auf der anderen Seite etwas zusammen, was nicht vergleichbar ist: In den Filialen sind zum überwiegenden Teil Teilzeitkräfte und Aushilfen beschäftigt  – im übrigen sämtlich ohne tarifgebundene Arbeitsverträge. Also auch wieder ein Rechentrick, um die Zahl der 60 rechnerischen Vollzeitstellen möglichst klein erscheinen zu lassen.

Geändert hat sich gar nichts. Die Darstellung der Pressestelle ist falsch und eine unseriöse Augenwischerei, um die Belegschaft zu spalten und die Öffentlichkeit über den wahren Sachverhalt zu täuschen.

Kommentare:

  1. Nichts als Heuchler...22. April 2015 um 18:39

    Schön dass der Arbeitgeber sich daran erinnert, dass es in den Filialen auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gibt. Die interessieren ich ja ansonsten einen feuchten Dreck. Zur Instrumentalisierung hinsichtlich der Verschleierung der tatsächlichen geplanten Entlassungen in der Retail sind diese dann wieder gut genug. Aber schon morgen werden sie wieder in Vergessenheit geraten bzw. nicht nur sprichwörtlich verraten und verkauft...

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  2. Was ich nur nicht verstehe. Wieso kann man denn gegen einen neutralen Dritten sein, der vermittelt? Offensichtlich werden GF und Betriebsrat ja anders nie zu einer Einigung kommen und ein Streit der sich ewig hinzieht und uns nur schlechte Presse verschafft (und somit Kunden vergrault) hilft uns bestimmt nicht.

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    1. Missverständnis: Eine Einigungsstelle dient nicht dazu, eine wirkliche Einigung – z. B. einen Kompromiss in der Mitte – herbeizuführen. Eine Einigungsstelle produziert Entscheidungen auf der Basis geltender Rechtsprechung. Da es nicht verboten ist, eine Firma durch Unfähigkeit oder aufgrund von Profisucht kleinzuhacken, wird die Einigungsstelle immer dem Entlassungsbegehren des Arbeitgebers nachgeben und lediglich über die Höhe des Sozialplans, also die Abfindungen, entscheiden. Für alles andere wird sich die Einigungsstelle für unzuständig erklären, inklusive der sozialen Auswahl der Gekündigten. Das heißt: Sobald wir in der Einigungsstelle landen, sind Massenentlassungen nur noch eine Frage der Zeit. Das Ziel des Betriebsrats ist es, diese Massenentlassungen zu verhindern, weil sie wirtschaftlich weder nötig noch sinnvoll sind, sondern letztlich den Beginn vom endgültigen Untergang von Weltbild darstellen. Aber genau das kann und wird die Einigungsstelle nicht prüfen. Darum der erbitterte Streit.

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    2. Wenn ich das richtig verstehe: Der BR kann die Einsetzung der Einigungsstelle nicht verhindern, sondern nur hinauszögern. Und wenn sie dann da ist wird zugunsten der Geschäftsleitung entschieden werden. Was ich nicht verstehe: Wenn die Rechtslage so ungünstig ist, wäre da nicht eine "freiwillige" Verhandlung die bessere Lösung gewesen? Hätte zumindest die Position gestärkt. Wenn der Sozialplan kommen muss wird er jetzt wohl auf dem kleinstmöglichen Level kommen.

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    3. Nein, das stimmt so nicht. Die Einigungsstelle kann den Arbeitgeber zwar formell zur Massenentlassung berechtigen, aber sie kann den BR nicht zur Mitwirkung zwingen. Das heißt, es gibt KEINE Namensliste und KEINE vom BR unterstützte Sozialauswahl. Stattdessen hunderte Kündigungsschutzklagen. Das komplette Risiko der Kündigungen liegt damit beim Arbeitgeber, der in dem Fall nur einen Ausweg hat: Den Sozialplan mindestens so ich zu dotieren wie bei der Insolvenz, damit die Betroffenen Aufhebungsverträge unterschreiben, statt zu klagen. Ich finde das eine schlaue Strategie, muss man nur bis zum Ende durchhalten. Also weiter so, Betriebsrat, ihr macht das genau richtig!

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  3. Herzlichen Glückwunsch, hundert KÜndigungsschutzklargen und Risiko komplett beim Arbeitgeber? Sag mal spinnt ihr? Ihr tragt euren Machtkampf auf Kosten aller Mitarbeiter aus, weil dieses Unternehmen sich diese Theater nicht leisten kann!!!!!

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    1. Sehe ich auch so, das kann sich das Unternehmen nicht leisten. Walter Droege könnte das Problem von heute auf morgen lösen: Versprechen und Verträge einhalten, dann muss niemand gehen und wir könnten alle gemeinsam und mit ganzer Kraft an der Zukunft von WELTBILD arbeiten. Höchste Zeit wird's, dass Droege zur Vernunft kommt, sonst verliert er sehr, sehr viel Geld. Mit der Vernichtung unserer Arbeitsplätze seine Geldspeicher weiter aufzufüllen, das ist definitiv keine Alternative. Mag sein, dass wir am Ende gehen müssen, aber dann gehen wir aufrecht vom Platz.

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    2. Welches Geld könnte Dröge denn verlieren? Das, das er noch gar nicht investiert hat? Das schlimmste, was ihm passieren kann, ist nur, dass er nicht die erhofften Gewinne machen kann. Das wird er aber auch verschmerzen können, er ist sicher nicht auf Weltbild angewiesen. Kann auch sein, dass diese Firmen nicht am Ende sind - aber von den jetzigen Mitarbeitern, vor allem in der Logistik, wird kaum einer von einem möglichen Aufschwung profitieren.

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