Dienstag, 14. Juli 2015

Erste Sitzung der Einigungsstelle ohne greifbares Ergebnis


Heute fand die erste Sitzung der Einigungsstelle unter Vorsitz des Arbeitsrichters a. D. Holger Dahl statt. Nach acht Stunden Verhandlungen endete dieser Vermittlungsversuch ergebnislos. Im Raum steht weiterhin das Verlangen des Arbeitgebers Massenentlassungen durchzuführen: Im Bereich Retail sollen 60 Vollzeitstellen wegfallen (ca. 100 Menschen), im Bereich Logistik 150 Vollzeitstellen (ca. 200 Menschen). Der Betriebsrat fordert dagegen ein Zukunftskonzept, das die Arbeitsplätze in Augsburg dauerhaft sichert.

Auf der Seite der ArbeitnehmerInnen saßen Betriebsratsvorsitzender Peter Fitz, sein Stellvertreter Timm Boßmann, Konzernbetriebsratschefin Dolores Sailer sowie die BR-Berater Klaus Warbruck (Wirtschaftssachverständiger) und Michael Huber (Rechtsanwalt). Der Arbeitgeber wurde vertreten durch die Geschäftsführer Patrick Hofmann (WELTBILD Retail), Reiner Wenz (ALSO-Logistik), Personalleiter Matthias Haack sowie die Rechtsanwältinnen Margit Fink (Kanzlei Geiwitz) und Dr. Anne Förster (TaylorWessing).

Zu Beginn der Verhandlungen stand die Auseinandersetzung um die korrekte Besetzung der Einigungsstelle. Der Betriebsrat hatte erwartet, einem gemeinsamen Arbeitgeber gegenüber zu sitzen. Walter Droege, bei dem faktisch alle Fäden zusammenlaufen, war weder selbst erschienen, noch hatte er einen Handlungsbevollmächtigten geschickt. Stattdessen präsentierte sich mit Hofmann und Wenz wieder eine gespaltene Geschäftsführung, die unabgestimmt und ohne gemeinsames Konzept agiert. Das machte es von Anfang an schwierig, belastbare Aussagen zu treffen und einen Konsens zu finden.

Betriebsrat enttäuscht: Das gemeinsame Konzept fehlt immer noch

"Wir sind enttäuscht, dass der Arbeitgeber weiterhin auf seiner selbstzerstörerischen Linie beharrt", bedauert Peter Fitz. Der Betriebsrat tue alles, um WELTBILD als Multichannel-Händler mit eigener Logistik zu erhalten, der Arbeitgeber aber arbeite auf eine Spaltung der Geschäftsbereiche hin. "Um heute als Versandhändler bestehen zu können, braucht es umfassende Kompetenzen und eine relevante Größe", begründet Boßmann die BR-Position. Beim Arbeitgeber beobachtet er stattdessen "Rosinenpickerei anstelle des Willens, das Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen."

Der Betriebsrat fordert stattdessen ein schlüssiges Gesamtkonzept für WELTBILD und ALSO und hat deshalb angeregt, Walter Droege in die Einigungsstelle einzuladen. "Nur Walter Droege persönlich ist in der Lage, die Entscheidungen zu treffen und verbindliche Zusagen zu machen, die einen Interessenausgleich möglich erscheinen ließen", erklärt Betriebsratsvorsitzender Fitz.

Die Einigungsstelle tritt das nächste Mal Ende Juli zusammen.

Kommentare:

  1. Manche wollen es einfach nicht wahrhaben dass wir inzwischen zwei Firmen sind. Weltbild ist der Buchhändler und ALSO ist ein Logistikunternehmen. Beide Firmen stehen im Wettbewerb zueinander. Da ändert es auch nichts das Walter Dröge beide Firmen gehören. ALSO ist nicht "scharf" darauf für Weltbild zu Kommissionieren und weil das so ist sieht sich Weltbild bereits am Markt nach Wettbewerbern um. ALSO will nur unser Logistikzentrum um dort das typische ALSO Geschäft in großem Stil zu betreiben.

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    1. Aha, woher hört man denn sowas, dass WB Retail sich schon nach einem anderen Lager Dienstleister umsähe??? Das wäre ja ein dickes Ding! Immerhin gehören WB Retail und ALSO Logistik Augsburg immernoch zur WB Holding!!! Wer weiß mehr?

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    2. Gibt es irgendwelche Belege dafür, dass Retail sich nach anderen Dienstleistern für die Auslieferung umsieht? Dann bitte Kontakt mit dem BR oder direkt mit mir persönlich aufnehmen.
       
      Außerdem möchte ich sagen, dass Retail und ALSO Augsburg nach wie vor einen gemeinsamen Betrieb bilden. Das ist juristisch wasserfest geregelt und wird von der GF auch nicht bestritten. Dass die beiden GmbHs faktisch gegeneinander geführt werden, gereicht den KollegInnen in BEIDEN Betriebsteilen zum Nachteil. Lasst euch nichts anderes einreden. Von einer Aufspaltung profitiert allein Walter Droege. 

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    3. Hallo Timm,
      warum beginnt denn ALSO damit, die IT-Struktur auseinander zu reißen ? Und warum sucht ALSO schon Outhousing-Möglichkeiten, unabhängig von der Retail-Strategie ?
      Nach einer gemeinsamen Lösung/Zukunft schaut das aber nicht aus... Leider !!!

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    4. Also da ich eh nicht mehr lange für diesen Verrein tätig bin kann ich mal aus den Nähkästchen plaudern obohl eine Verschwiegenheitserklährung unterschrieben wurde.
      Es gibt mitlerweile zulieferer die direkt versenden, Fühler wurde nach alternativen günstigeren Versender schon ausgestreckt, Also braucht Retail nur als Sprungbrett und mit mehr wollen die nichts zu tun haben weil die brsuchen das Lager nur für ihre Artikel.

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    5. Antwort @Anonym 16.7.15 10:10:
      ALSO schraubt an der IT, um „mandantenfähig“ zu werden, d. h. für andere Auftraggeber mit deren Rechnungen ausliefern zu können. Wir brauchen dieses Drittgeschäft, um die Auslastung der Logistik zu steigern und Arbeitsplätze zu erhalten. Das war auch von Anfang an so geplant, leider hat ALSO jetzt über Monate versäumt, die Voraussetzungen für das Drittgeschäft herzustellen. Deshalb ist die Situation in der Logistik wie sie ist.
      Unter „Outhousing“ kann ich mir spontan nichts vorstellen. Vielleicht meldest du dich mal bei mir im BR-Büro und erklärst mir, was da passiert. Das wäre mir lieber, als wenn wir das hier öffentlich im Blog diskutieren.

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  2. Die ALSO Logstikk gehört nicht zur WB Holding, das ist leider eine Falschinformation.
    ALSO und Retail sind keine miteinander verbundenen Unternehmen, sie gehören nur am Ende ganz oder tlw. dem gleichen Gesellschafter (der Droege Group)

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    1. Na jetzt aber, das ganze hier kann doch kein Ratespiel oder ich-wweiß-auch-sein. Es wurden doch letztes Jahr im Rahmen des Kaufs Verträge ausgehandelt, fixiert und unterschrieben. Ich nehme mal an, BR war inkl. Unterschrift dabei, also muss doch von Eurer Seite eine absolut verbindliche Aussage kommen !!! Deswegen gehe ich jetzt zu 100 % von der Richtigkeit des von Timm geschriebenen aus. Bitte um Korrektur, falls dem nicht so sein sollte.

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    2. ALSO gehört nicht zur WB-Holding, das ist richtig. Trotzdem bilden das ALSO-Logistik-Zentrum in Augsburg und die WELTBILD Retail einen "gemeinsamen Betrieb" im Sinne des Betriebsverfassungsgesetzes und sind durch verschiedene Verträge aneinander gebunden. Das sind langfristige Dienstleistungsverträge und eine Führungsvereinbarung. Deshalb gibt es z. B. nur eine Personalabteilung, eine IT und einen BR im gemeinsamen Betrieb. Das ist keine Wunschvorstellung oder Forderung des Betriebsrats, sondern Fakt. Timm hat also 100% Recht. Der AG bestreitet das auch nicht: So treten seine Rechtsanwälte z. B. immer im Namen des gemeinsamen Betriebs gegenüber dem BR auf. Leider hapert es an der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, um es mal milde auszudrücken.

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  3. Die zwei Firmen bilden aus Betriebsratssicht einen gemeinsamen Betrieb. Aber weder juristisch noch handelsrechtlich.

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    1. Mit der "Betriebsratssicht" hat das nichts zu tun. Siehe die ausführliche Antwort weiter oben.

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    2. Wie viele Firmen auch immer wir sein mögen, helfen tut das eh keinem. Ach ja: Gerade kam die Info, dass Weltbild jetzt eine "GmbH & Co. KG" ist. Das ist ja mal sehr schön, leider standen in der Info keine Gründe, warum das jetzt so ist. Sollen die letzten Kunden noch mehr verwirrt werden? Oder ist diese Unternehmensform leichter abzuwickeln? Sehr seltsam alles hier!

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    3. Jetzt mal nicht hysterisch werden: Wir sind seit der Übernahme eine "GmbH & Co. KG", es wurde nur der Name "Weltbild Retail" wieder in "Weltbild" geändert.

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    4. Wir sollten den Laden viel öfter umbenennen. Ich schlage vor "Austeritas Versand", das ist Latein und heißt soviel wie "Härte, Rauheit, Bitterkeit". Würde doch auch gut in die europolitische Landschaft passen…

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    5. Stimmt, ist mir bis jetzt entgangen, dass dieser feine rechtliche Schachzug schon damals eingebaut wurde. Na ja, ist ja irgendwo auch egal. Trotzdem Danke!

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