Donnerstag, 30. Juni 2016

Kapital umfairteilen - unten entlasten, oben belasten


In den vergangenen Jahren hat in Deutschland eine bis dahin unvorstellbare Umverteilung des Reichtums von unten nach oben stattgefunden. Etwa die Hälfte der Bevölkerung hat so gut wie nichts auf der hohen Kante – dagegen besitzen die reichsten zehn Prozent mehr als 60 Prozent des Vermögens. Der Anteil am Volksvermögen, der erarbeitet wird, ist drastisch gesunken.
Von der Finanz- und Wirtschaftskrise wurden die Reichen nur kurzfristig tangiert, obwohl sie wesentlich dazu beigetragen haben. Inzwischen geht es für sie wieder steil nach oben: 860.000 Dollar-Millionäre leben heute in Deutschland – sechs Prozent mehr als zu Zeiten der Krise. Derweil müssen sich immer mehr Menschen mit Niedriglöhnen über Wasser halten.

Der Staat blutet finanziell aus

Nicht nur die Unternehmen drücken auf die Kosten – der Staat ebenso. Gekürzt wurde in den vergangenen Jahren vor allem bei Erwerbslosen und den Beschäftigten im öffentlichen Dienst. Aber auch öffentliche Einrichtungen und Infrastruktur gelten vielerorts als nicht mehr bezahlbar: 60 Prozent der Gemeinden planen drastische Einschränkungen ihrer Leistungen.
Dennoch verbreiten die Reichen und ihre politischen Vertreter Jubelmeldungen über unerwartet hohe Steuereinnahmen und fordern – wie üblich – Steuersenkungen. Tatsache aber ist: Der Staat nimmt heute 35 Milliarden Euro weniger ein als vor der Krise. Die positiven Meldungen resultieren allein aus der Differenz zwischen einer pessimistischen Steuerschätzung und der tatsächlichen Entwicklung.
Keine Frage also: So kann und darf es nicht weitergehen. Tatsächlich hat der Staat immer weniger Geld für notwendige öffentliche Aufgaben. Bibliotheken, Schwimmbäder und Beratungsangebote werden abgebaut oder die Zutrittspreise dafür erhöht: Wer nicht genug Geld hat, kann sie nicht nutzen. Das ist nicht nur äußerst ungerecht, sondern auch fatal für ein demokratisches Gemeinwesen. 

Eine Steuerreform ist überfällig

ver.di fordert deshalb grundlegende Steuerreformen: Die Reichen müssen endlich angemessen zur Finanzierung öffentlicher Aufgaben beitragen. Die Gewerkschaft hat ein einnahmeneutrales Konzept für eine gerechtere Lohn- und Einkommenssteuer vorgelegt. Das Motto: Unten entlasten – oben belasten. Zum einen verlangt ver.di, dass der Eingangssteuersatz nicht länger viel steiler ansteigt als bei höheren Einkommen. Zum zweiten sollten ab 60.000 Euro Jahreseinkommen für einen Alleinstehenden 50 Prozent an den Staat gehen, ab zwei Millionen Euro 80 Prozent. Das ist keineswegs besonders hoch gegriffen; in den 1990er Jahren lag der Spitzensteuersatz bei 53 Prozent. Außerdem müssen die Finanzämter die Chance bekommen, die Angaben der Steuerpflichtigen besser zu kontrollieren. 

Auch Vermögende und Erben müssen zahlen

Ein besonderer Skandal ist, dass seit 1997 in Deutschland keine Vermögenssteuer mehr erhoben wird. Sie muss schnellstens wieder eingeführt werden. Auch die Erbschaftssteuer trägt bisher so gut wie nichts zur Finanzierung der Staatsaufgaben bei. Jährlich werden schätzungsweise 150 bis 250 Milliarden Euro vererbt – Geld, dem nicht die geringste eigene Leistung der Begünstigten gegenübersteht. Doch nur etwa vier Milliarden Euro davon landen bei den Länderfinanzministern. Im Klartext: Der durchschnittliche Steuersatz auf Erbschaften liegt bei mickrigen 2 Prozent.
Außerdem liegen seit Jahren Vorschläge für eine Finanztransaktionssteuer auf dem Tisch. Sogar Kanzlerin Angela Merkel führte sie nach der Finanzkrise im Munde – doch umgesetzt wurde davon bisher nichts. Stattdessen hat sich der Staat zur Rettung maroder Banken extrem verschuldet.

Auf den Punkt gebracht

Seit Jahren magert der Staat zugunsten weniger Bürger/innen und Unternehmen immer weiter ab. Zugleich geht die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auf. Die Finanz- und Wirtschaftskrisen verschärfen die Lage weiter. Nicht zuletzt im Interesse von Gerechtigkeit und Gemeinwohl fordert ver.di eine grundlegende Wende in der Steuer- und Finanzpolitik. 
Quelle. www,verdi.de

Mittwoch, 29. Juni 2016

OBI greift Betriebsräte an – Protestkundgebung in Augsburg


Die Unternehmensführung der Baumarktkette OBI, die sich mehrheitlich im Besitz der Tengelmanngruppe von Karl-Erivan Haub befindet, greift existierende Betriebsrätestrukturen und Beschäftigte frontal an. Auf einer überraschend von der Unternehmensführung einberufenen Sondersitzung wurde vergangenen Donnerstag dem Wirtschaftsausschuss des Gesamtbetriebsrats (GBR) mitgeteilt, dass der Augsburger OBI-Markt zum 30. Juni geschlossen und die Beschäftigten mit sofortiger Wirkung von der Arbeit freigestellt werden sollen. Damit würde die Augsburger Betriebsratsvorsitzende und stellvertretende GBR-Vorsitzende aus ihren Funktionen entfernt.

Außerdem soll der OBI-Markt Sömmerda (Thüringen) mit Wirkung zum 1. Juli 2016 an eine offenbar eigens gegründete Franchise-Firma verkauft werden. Damit wäre der dortige GBR-Vorsitzende seiner Funktion beraubt und der GBR von OBI geschwächt.

Zerschlagung als Antwort auf Tarifforderung der Beschäftigten

„Das ist eine offene Kampfansage der Unternehmensführung gegen die Betriebsräte, die Beschäftigten und ihre Mitbestimmungsrechte. Der Gesamtbetriebsrat setzt sich mit seinem Vorsitzenden und seiner Stellvertreterin seit langer Zeit entschlossen gegen die mehrfache Missachtung der Mitbestimmungsrechte bei OBI ein. Der Gesamtbetriebsrat unterstützt zudem die im Betrieb immer lauter werdenden Forderungen der Beschäftigten nach einem Tarifvertrag.

OBI reagiert darauf, in dem Mitbestimmungsstrukturen zerschlagen und die Beschäftigten drastisch eingeschüchtert werden sollen. Dieses undemokratische Vorgehen trifft auf unseren entschlossenen Widerstand. Wir fordern die Unternehmensführung auf, die Maßnahmen zurück zu nehmen und werden die Kolleginnen und Kollegen in ihrer Auseinandersetzung für demokratische Rechte und Menschenwürde unterstützen“, sagte ver.di- Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.

In Augsburg fand bereits heute eine Betriebsversammlung und eine anschließende Protestkundgebung der Beschäftigten statt.


Der Marktführer OBI versucht immer wieder, eine Vielzahl von mitbestimmungspflichtigen Maßnahmen (z.B. die Einführung von Prämiensystemen, neuer Überwachungstechnik, neuer Software oder Arbeitsmethoden) ohne die gesetzlich vorgeschriebene Beteiligung der Betriebsräte einzuführen. Die Betriebsräte wehren sich dagegen gerichtlich, es ist zu zahlreichen Einigungsstellenverfahren gekommen. Seit vielen Jahren fordern die Beschäftigten bei OBI zudem - auch durch Streiks untermauert - einen Tarifvertrag. Diese Auseinandersetzung hat sich in den letzten Monaten intensiviert, OBI verweigert bisher einen Tarifvertrag.

Weitere Informationen im OBI-ver.di-Blog

Donnerstag, 23. Juni 2016

Rüdiger Wenk geht nach LesensART-Pleite unter die Erde


Was ist eigentlich aus Rüdiger Wenk geworden? Wir erinnern uns: Wenk hatte im Februar 2015 rund 70 WELTBILDplus-Filialen übernommen und danach seine Firma "LesensART" zielstrebig in die Pleite geführt. So war es möglich, dass rund 350 KollegInnen billig entsorgt werden konnten.

Am Ende waren alle gekniffen

Der Betriebsrat in Augsburg hatte immer wieder vor dem zwielichtigen Deal gewarnt. Vergeblich. Für Walter Droege ging die Rechnung am Ende aber auch nicht auf: Viele Vermieter weigerten sich, die Mietverträge auf LesensART zu übertragen. Zu fadenscheinig war das anderthalb-seitige Konzept, das Rüdiger Wenk und sein Berater Bernhard Ludwig Winkelhaus vorgelegt hatten. Deshalb zahlte WELTBILD weiter Miete, ohne die teuren Flächen bewirtschaften zu können. So waren am Ende wieder einmal alle gekniffen: Der Milliardär, der es sich leisten kann, und die Familien, deren wirtschaftliche Existenz vernichtet wurde.

"Tiefbau mit Tiefgang"

Heute nun berichtet die Sueddeutsche Zeitung über die weitere Karriere des "umtriebigen" Kaufmanns Rüdiger Wenk (50). Er hat die Branche gewechselt und ist in den Tiefbau eingestiegen. Wenige Wochen nach der LesensART-Pleite heuerte Wenk als Geschäftsführer der Josef Dickerhoff & Co. Bauunternehmung GmbH in Haltern am See an. Das steht im Handelsregister. Dort beschäftigt er sich laut Webseite gerade mit der Verlegung von Druckrohrleitungen. „Tiefbau mit Tiefgang“ heißt das Motto der 25-Mann-Firma, die zuvor einige Monate von einem gewissen Bernhard Winkelhaus geleitet worden war.

Schlechte Aussichten für die 25 Beschäftigten des Tiefbauers, fürchten wir…

Mittwoch, 22. Juni 2016

Unternehmensverantwortung: Petition „Menschenrechte vor Profit“


Smartphone, Markenkleidung, Schokolade – hinter diesen Dingen verbergen sich oft Geschichten von Hunger, Armut und Menschenrechtsverletzungen. Ob in Textilfabriken in Bangladesch, bei der Ernte von Kakaobohnen in Ghana oder beim Rohstoffabbau in Konfliktgebieten: Menschen schuften unter unwürdigen Bedingungen für Hungerlöhne, sind enormen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt und werden von ihrem Land vertrieben.

Die auf diese Weise gewonnenen Rohstoffe und produzierten Waren sind auch von deutschen Unternehmen beauftragt. In der Öffentlichkeit bekennen diese sich zwar größtenteils zur Nachhaltigkeit, hinter den Kulissen nehmen viele aber Menschenrechtsverletzungen in Kauf. Den Opfern dieser Geschäftspraktiken bietet die deutsche Gesetzgebung bisher kaum Möglichkeiten, Unternehmen zur Verantwortung zu ziehen. Die Achtung von Menschenrechten im Ausland gilt als freiwillige Angelegenheit. Die Rechte von Investoren sind in Handelsabkommen dagegen verbindlich verankert und können vor privaten Schiedsgerichten eingeklagt werden. Dieses System der menschenrechtlichen Verantwortungslosigkeit ist untragbar.

Textilfabrik „One Composite Mills“ in Gazipur, Bangladesch

Ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis, dem auch ver.di angehört, fordert die Bundesregierung daher auf, Unternehmen zu verpflichten, die Menschenrechte auch im Auslandsgeschäft zu achten.

Noch im Juni will die Bundesregierung einen Nationalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte vorlegen. Schon jetzt gibt es allerdings deutliche Signale, dass dieser nur unverbindliche Empfehlungen und Beratungsangebote statt gesetzliche Verpflichtungen vorsehen wird. Fordern Sie deshalb gemeinsam mit dem Bündnis Angela Merkel und Sigmar Gabriel auf, sich für einen ambitionierten Aktionsplan einzusetzen.

Hier können Sie die Petition unterschreiben

Getragen wird die Petition durch die Verbände CorA-Netzwerk für Unternehmensverantwortung, Forum Menschenrechte und VENRO sowie die Einzelorganisationen Brot für die Welt, CIR, Germanwatch, INKOTA-netzwerk, MISEREOR, Oxfam, SÜDWIND, terre des hommes und ver.di.

Freitag, 17. Juni 2016

Umzug der Zweite? - Wir haben ja Übung


In der Stadtzeitung vom 25. Mai 2016 wurde eine Pressemitteilung der Regierung von Schwaben veröffentlicht. Zu finden hier.

Dort wird von einer Anmietung in der Steinernen Furt 75 zur Unterbringung von Flüchtlingen geredet. Es wird auch auf das Verwaltungsgebäude hingewiesen. Angeblich soll das Gebäude im 4. Quartal bezugsfertig sein.

Steinere Furt 75 und Verwaltungsgebäude? Moment mal, da sind doch jetzt noch Kollegen und Kolleginnen drinnen, die dort fleißig arbeiten. Das 4. Quartal geht ja von Oktober bis zum Dezember, also noch ein bisserl Zeit – oder doch nicht?  Das Gebäude soll zu diesem Zeitpunkt aber bereits bezugsfertig sein. Sprich: wir müssten früher raus. Eventuell im 3. Quartal? Denn das 2. Quartal ist mittlerweile schon fast vorbei. Im 3. Quartal sind aber viele KollegInnen im verdienten Sommerurlaub.

Den ersten Umzug haben wir alle noch gut im Gedächtnis. Teilweise arbeiten die KollegInnen immer noch aus dem Rollcontainer raus, weil es noch keine Schränke gibt, bzw. keinen Platz für die Schränke gibt. Auch die Enge in manchen Abteilungen ist ein Gesprächsthema.

Hier könnte eine zusätzliche Neuanmietung für Entspannung sorgen. Aber wie fast immer schweigt unsere Geschäftsführungsriege. Außer Jubel-Mails nichts zum Thema Umzug. Dabei wären hier Informationen so wichtig, denn derzeit geistert der Stadtzeitungs-Artikel auf dem Fluren herum und sorgt für Gerüchte und Unruhe. Schließlich soll so ein Umzug geplant werden, oder wird es wieder ein Hauruck-Aktion?

Montag, 13. Juni 2016

LeiharbeiterInnen sollen Management-Fehler ausbügeln


Seit den Massenentlassungen am Jahresanfang läuft es in der Logistik nicht mehr. Die verbliebenen KollegInnen leisten täglich Überstunden und fahren Zusatzschichten am Samstag. Trotzdem knirscht es an allen Ecken und Enden. Der Arbeitgeber stellt jetzt LeiharbeiterInnen ein, um unsere KundInnen weiter zuverlässig und pünktlich beliefern zu können.

Der Betriebsrat hatte wieder einmal recht

Ein rein an Kosten orientiertes Management ist eine Sackgasse. Das beweisen die Zustände in unserer Logistik jeden Tag aufs Neue. Bei der jüngsten Entlassungswelle hat der Arbeitgeber rund 280 KollegInnen gekündigt. Viel zu viele, um die Auslieferung zuverlässig und schnell am Laufen zu halten. Das hat der Betriebsrat in den Verhandlungen um den Interessenausgleich immer wieder gesagt und vorgerechnet. Aber niemand wollte der Interessenvertretung glauben. Jetzt stellt der Arbeitgeber LeiharbeiterInnen ein, um den Betrieb aufrecht zu erhalten.

Die KollegInnen aus der Transfer dürfen nicht zurück

Leider ist es gesetzlich unmöglich, die entlassenen KollegInnen, die jetzt in der GeDiS sind, befristet wieder einzustellen. Damit war der Betriebsrat in einer Zwickmühle, als der Arbeitgeber in der vergangenen Woche 44 LeiharbeiterInnen zur Genehmigung vorlegte. Einerseits hat das Gremium kein Interesse, die ständigen Fehlentscheidungen des Managements zu alimentieren; andererseits will der Betriebsrat das Geschäft von WELTBILD nicht gefährden. Dazu kommt, dass die KollegInnen im Versand mittlerweile am Ende ihrer Kräfte sind.

Gesundheitsschutz im Vordergrund

Nach langen und kontroversen Diskussion ist im Gremium eine Entscheidung gefallen. Der Betriebsrat stimmt der Einstellung von bis zu 60 LeiharbeiterInnen bis zum 30.9.2016 zu. Das sind mehr, als der Arbeitgeber zunächst gefordert hatte. Die zusätzlichen Kräfte sind aus Sicht des BR notwendig, um die festangestellten KollegInnen zu entlasten; sprich: die Arbeitszeiten in der Logistik wieder auf ein normales und gesundes Maß zurückzufahren.

Nur unter dieser Voraussetzung hat der Betriebsrat dem Einsatz der LeiharbeiterInnen zugestimmt. Die Gesundheit der KollegInnen ist ein zentrales Anliegen der Interessenvertretung. Daneben geht es auch um die Sicherung der verbliebenen Arbeitsplätze in der Verwaltung. Die schnelle und zuverlässige Belieferung unserer KundInnen ist Voraussetzung für den Geschäftserfolg von WELTBILD.

In der Logistik entscheidet sich die Zukunft von WELTBILD

Selbstverständlich kann der Einsatz von LeiharbeiterInnen nur eine Übergangslösung sein. Der Betriebsrat erwartet von der Geschäftsführung, dass die Logistik wieder auf stabile Füße gestellt wird. Die Kosten sind nur eine Seite der Medaille. Unsere KundInnen verlangen eine flexible, schnelle und zuverlässige Belieferung. Wenn das Management hier weiter so dilettantisch agiert, geht auch WELTBILD den Bach runter. Der Betriebsrat hätte sehr ungern wieder recht…

Mittwoch, 25. Mai 2016

Bildungsfreistellung in Bayern


In fast allen deutschen Bundesländern haben die ArbeitnehmerInnen die Möglichkeit sich eine bestimmte Zeit freistellen zu lassen, um sich weiterzubilden - natürlich unter voller Lohnfortzahlung. Dies wird als "Bildungsurlaub" beziehungsweise "Bildungsfreistellung" bezeichnet. Nur die beiden Freistaaten Bayern und Sachsen verwehren den Beschäftigten dieses Recht.


Bildungsfreistellungsregelungen, Quelle: Wikipedia

ver.di fordert schon lange die Bildungsfreistellung auch in Bayern und Sachsen


Deutschland hat das Übereinkommen Nr. 140 der Internationalen Arbeitsorganisation über den bezahlten Bildungsurlaub bereits 1976 unterzeichnet. Damit handelt Deutschland völkerrechtswidrig, wenn es nicht allen Beschäftigten ein Recht auf Bildungsurlaub einräumt. Dies bestätigen zwei Rechtsgutachten, die von ver.di Bayern und der SPD Landtagsfraktion Bayern in Auftrag gegeben wurden. Außerdem wird aufgezeigt, welche Handlungsmöglichkeiten die Gewerkschaften haben.

Hier wird erklärt worum es der ver.di geht




Es wird also Zeit, dass alle Beschäftigten in allen deutschen Bundesländern gleich behandelt werden!

Mittwoch, 18. Mai 2016

Ein Trümmerhaufen


Was am Ende übrig bleibt? Zweieinhalb Jahre nach der Insolvenz hat es nach außen den Anschein, als habe das Unternehmen sich erst einmal vorübergehend stabilisiert. 

Die Kunden bekommen weiterhin den Weltbild Katalog.
Sie bestellen im Online Shop.
Sie finden noch rund 90 Filialen quer über Deutschland verteilt.
Auch für Kunden in Österreich und der Schweiz ist die Marke weiterhin präsent.

Alles in Ordnung also? Keineswegs ... 
Natürlich bemerkenswert, dass das Unternehmen überhaupt noch existiert. Kaum jemand hätte dem Versandhändler damals im Jahr 2014 zugetraut, die ersten Monate der Pleite zu überstehen. Aber in Ordnung ist die Weltbild-Welt deshalb noch lange nicht.

Der nach den schmerzhaften Personaleinschnitten übrig gebliebene kleine Rest der Belegschaft bangt weiterhin um die Zukunft, angesichts einer weitgehend undurchschaubaren Unternehmenspolitik aus dem Hause Droege.

Ein Stimmungsbild über die aktuelle Lage bei Weltbild vermittelt ein Bericht auf domradio.de vom 29.04.2016 nach Eindrücken des Betriebsseelsorgers Erwin Helmer, der immer wieder in Augsburg vor Ort ist und viele Gespräche mit den Beschäftigten geführt hat.




"Ein Trümmerhaufen"

Weltbild war einmal das Aushängeschild des katholischen Verlagswesens in Deutschland. 2014 ging das Unternehmen pleite, die Kirche zog sich zurück. Seelsorger kümmern sich noch immer um die verbliebenen Mitarbeiter.

Das ehemals katholische Unternehmen mit Sitz in der Fuggerstadt hat heute - gut zwei Jahre nach seinem Absturz - nur noch einen Bruchteil seiner Belegschaft.

Wer in den Betrieb hineinhört, bekommt einen Eindruck von den Enttäuschungen bei Weltbild. Von Chaos ist die Rede, von einem infamen Umgang mit den Beschäftigten. "Die Leute sind überarbeitet", sagt Verdi-Betriebsgruppensprecher Timm Boßmann. "Wir kriegen eine höhere Krankheitsrate, weil die Leute fertig sind." Der katholische Betriebsseelsorger Erwin Helmer nennt den Umgangsstil der Geschäftsleitung "unsäglich". Für Betriebsratschef Peter Fitz ist der neue Besitzer Walter P. Droege schlicht eine "Heuschrecke".

"Belogen" 
Nach einer ersten Entlassungswelle kam Droege. Der Milliardär erwarb die Mehrheit der Anteile, spaltete die Logistik ab und steckte sie in die von ihm kontrollierte Also-Group. Droege versprach Konsolidierung. "Wir wurden von vorne bis hinten belogen", so die Gewerkschafter. Ein Jahr nach der Insolvenz waren mehr als die Hälfte der vormals 2.300 Arbeitsplätze in der Zentrale weg, 90 von 250 Filialen dicht. Heute habe Weltbild ohne Logistik 1.300 Mitarbeiter, davon 400 in Augsburg, so eine Firmensprecherin. Der Betriebsrat weiß von 350.

Die Also-Logistik ging im Sommer 2015 in die Insolvenz. Darauf habe die Geschäftsleitung "mit Gewalt gedrängt", sagt Boßmann. Als die Mitarbeiter erfuhren, dass Droege eine bereits erzielte Einigung über Nacht gekippt hat, blickte Helmer in blasse Gesichter, sah Entsetzen in den Augen, Tränen. Der Seelsorger schrieb Briefe an den Milliardär und bekam keine Antwort. Im Dezember der nächste Schlag, 240 weitere Logistiker verloren ihre Jobs. Inzwischen ist klar, dass Also in Augsburg zum Jahresende 2016 zumacht. Auch die restlichen 210 Mitarbeiter der abgespalteten Logistik stehen dann auf der Straße.

Seelsorger Helmer und seine beiden Kollegen versuchen, Mut zu machen, die Mitarbeiter zu stärken, vorschnellen Trost zu vermeiden. "Ob Christen, Muslime oder Atheisten, sie haben alle mit uns geredet." Wichtig sei: "Wie kriege ich Distanz zu dieser brenzligen Situation, die viele kaputt und krank gemacht hat?" Vor der Betriebsversammlung fährt einer wie verrückt auf dem Gabelstapler durch die Hallen. Ein anderer ist fast dankbar für seine Entlassung: "Ich hätt's eh nicht länger ausgehalten. Ich muss da raus." Eine Kollegin tapfer: "Ich war immer ein Stehauf-Männchen." Helmer nennt sie Stehauf-Frauchen.

"Man blickt sich um und sieht auf einen Trümmerhaufen", so Fitz. Doch Betriebsrat und Gewerkschaft geben nicht auf. Mit der Kirche ist man im Reinen. "Wir haben uns gekloppt mit denen", sagt Boßmann, "aber ohne sie hätten wir den Fortbestand bis jetzt nicht geschafft." In der Tat federten die Bistümer damals mit einer Millionen-Geldspritze nicht nur soziale Härten ab. Sie verhinderten auch, dass das Geschäft in der Insolvenzphase völlig einbrach.

Millionen treue Kunden 

Noch lebt Weltbild: Das Haus ist Nummer zwei im Onlinebuchhandel und Rangdritter im Gesamt-Buchmarkt. "Millionen von Kunden sind dem Unternehmen treu geblieben", macht sich eine Firmensprecherin Mut.


Ergänzung in eigener Sache: 
Als Gewerkschafter sind wir 2014 mit öffentlichen Aktionen und auch in diesem Blog die Kirche tatsächlich hart angegangen. Was durchaus notwendig gewesen ist, um bestimmte Entscheidungen zu bewirken. Wir sehen aber auch mit Respekt, dass die Kirche daraufhin zu einem Konsens bereit gewesen ist. Sie war gesprächsbereit und hat ihre Zusagen vertrauenswürdig und verlässlich eingehalten. Das unterscheidet sie ganz wesentlich von dem heutigen Firmeneigentümer. Nur durch einen Kirchenkredit konnte Weltbild die ersten Monate der Insolvenz überleben. Sie ermöglichte erhebliche Transfermaßnahmen und Abfindungen. Und ihre Seelsorger sind heute noch wichtige Ansprechpartner für die Sorgen und Nöte der Beschäftigten. Gerade dem Seelsorger-Team rechnen wir das persönlich hoch an, weil sie in der heißen Konfliktphase quasi "zwischen den Stühlen" saßen und sich einiges von uns haben anhören müssen, was sicher keine einfache Situation für sie gewesen ist.


Donnerstag, 12. Mai 2016

Jetzt wird gebastelt!


Auf der letzten Informationsveranstaltung der Geschäftsführung wurde ja bereits angedeutet, dass man kurz davor stünde den Vertrag über einen strategischen Zukauf für Kidoh final abzuschließen. Das klang damals  sehr kryptisch und sollte noch irgendwie geheim bleiben. Alle fragten sich, was wird es wohl sein? Ravensburger , Playmobil oder vielleicht gar LEGO? 
Nicht ganz...... Aber jetzt aber ist es raus: Weltbild übernimmt die Markenrechte  und den Kundenstamm der "Wummelkiste".  

Denen, die jetzt nicht sofort in Ehrfurcht erstarren und sich mit eher irritiertem Gesichtsausdruck fragen, ob in ihrer Kindheit vielleicht etwas an ihnen vorbei gelaufen ist, sei hier in Kürze das Wesentliche erklärt.

Das Berliner Startup "Wummelkiste" wurde 2012 ins Leben gerufen. Die Idee, die dahinter steckte, war der Versand einer monatliche Abo-Bastelbox, deren Zielgruppe 3- bis 8-jährige Kinder waren, beziehungsweise deren Eltern. Diesen wurde monatlich ein Paket mit  mehreren Bastelideen zugeschickt, komplett ausgestattet, damit sofort losgelegt werden konnte. Die Kinder solletn damit auf spielerische Weise gefördert  und inspiriert werden. Spiel, Spaß und dabei pädagogisch wertvoll. Dieses Konzept selbst und auch die aufwendige und liebevolle Gestaltung erhielten beizeiten viel Lob.

Zum Problem aber wurde sehr schnell der hohe finanzielle Aufwand. Kostenintensiv waren sowohl die Herstellung der Bastelkisten selbst, als auch die Entwicklung von immer neuen, anspruchsvollen Inhalten für die Folgelieferungen.
Parallel dazu war ein sehr teures und aufwendigen Marketing nötig, um ausreichend Kunden für das Produkt zu gewinnen. Diese mussten, damit die Wummelkiste rentabel weitergeführt werden konnte, ihr Abonnement mindestens 11 Monate aufrecht erhalten, was bei den meisten Abnehmern allerdings nicht der Fall war. Und so ging ein grundsätzlich vielversprechendes Konzept zugrunde, weil der Absatz die finanziellen Aufwendungen nicht decken konnte.
Ende 2015 musste das Unternehmen Insolvenz anmelden, da die Zeit nicht mehr reichte neue Investoren ins Boot zu holen. Seitdem wurde versucht einen Käufer für das Unternehmen zu finden.


Perfekt gemacht wurde die Übernahme der Markenrechte Ende April mit dem Berliner Insolvenzverwalter. Die Gestaltung der kindgerechten Kreativ-Boxen und deren Versand erfolgt künftig auch über Kidoh und Weltbild.
Geschäftsführer Sikko Böhm kommentiert den Neuerwerb entsprechend optimistisch. „Die sympathische Marke Wummelkiste mit Ihren kreativen Basteleien ist für unsere Marken Kidoh und Weltbild die perfekte Ergänzung als Nischenmarke im Bereich Basteln. Kidoh steht als kompetenter Anbieter für das Thema Spielen und Lernen, das Segment Edutainment. Weltbild hat ein starkes Kundenpotenzial im Bereich Familien. Wir sind überzeugt, dass die Idee hinter der Wummelkiste  – spielerisch die Kreativität zu fördern – bei den jungen Familien sehr gut ankommt und das Produkt im Markt Erfolg hat“ *
Dabei soll zukünftig die Zielgruppe erweitert und der Inhalt der Boxen durch Kinderbücher ergänzt werden.

Die Voraussetzungen für einen erfolgversprechenden Neustart sind bei Weltbild  durchaus gegeben. So kann das Produkt ohne allzu großen Aufwand mit der bestehende Marketing-Infrastruktur über Kataloge, Newsletter, Onlineshop und Social Media einem großen potentiellen Kundenkreis nahe gebracht werden. Es bleibt zu hoffen, dass sich ausreichend Interessenten von der Idee der Wummelkiste angesprochen fühlen und dem Produkt auch längerfristig die Treue halten.


Die Mitarbeiter von Weltbild können die Begeisterung für den Neuerwerb gut nachvollziehen, fühlen sie sich doch selbst manchmal so, als säßen sie in einer gigantischen Geschäftsführer-Wummelkiste, wo nach Herzenslust gebastelt wird. Dabei wird hier weggeschnippelt und neu angemalt, an anderer Stelle etwas hingepappt und umgebaut. Ob das Ergebnis dann allerdings dem entspricht, was man am Anfang im Sinn hatte bleibt 'mal dahingestellt. Aber Eltern wissen, dass das wichtigste dabei ist, dass es irgendwie selber gemacht wurde, auch wenn die Farbe verlaufen, der Kleber verschmiert und die Form eher grobschlächtig geraten ist. Hauptsache die Kinder hatten Spaß und haben etwas gelernt.
Ob Droege das im Fall von Weltbild genauso sieht, darf jedoch stark  angezweifelt werden.

* Pressemitteilung der Geschäftsführung

Freitag, 6. Mai 2016

ver.di Jugend setzt Zeichen gegen Rechts


„Gegen Intoleranz und Fremdenhass“

Mehr als 20 Aktive der ver.di Jugend Bayern haben in der vergangenen Woche an den Protesten gegen den Programmparteitag der AfD in Stuttgart teilgenommen. „Das ist ein erfreuliches Zeichen“, so Michael Frosch, Gewerkschaftssekretär für den Bereich Jugend bei ver.di Augsburg. „Wir haben gezeigt, dass junge Menschen eben nicht desinteressiert sind, sondern hin schauen und aktiv werden, wenn es darum geht sich gegen Intoleranz und Fremdenhass zu positionieren.“

Schon zum Neujahrsempfang der AfD im Augsburger Rathaus hatten sich die Jugendlichen aktiv gezeigt und im Saal durch T-Shirt-Botschaften auf sich aufmerksam gemacht. Unerträglich sei es, so Frosch, dass in einem Land mit unserer Geschichte eine Partei erfolgreich sein kann, die mit so plumpen Parolen gegen Ausländer und religiöse Minderheiten Angst und Hass schüren wolle. „Das dürfen wir nicht hinnehmen“, betonte Michael Frosch. Deshalb habe sich der Vorstand der ver.di Jugend Augsburg hierzu auch deutlich positioniert.

Der erfreulich hohen Teilnehmerzahl an den Protesten stehen für die Gewerkschaftsjugend Augsburg aber auch Schattenseiten gegenüber. „Das Vorgehen der Einsatzkräfte vor Ort war in unseren Augen vollständig unangemessen und von einem sehr hohen Aggressionspotenzial geprägt“, erklärt Cyrill Bommel, ebenfalls Gewerkschaftssekretär bei ver.di in Augsburg: „Wir waren noch nicht ganz aus dem Bus ausgestiegen und wurden schon eingekesselt und für mehrere Stunden festgehalten“, berichtete Bommel. Er berichtet darüber hinaus von unverhältnismäßiger Gewaltanwendung durch die Polizeibeamten, Beleidigungen und Einschüchterungen. „Das ist für mich völlig unverständlich“, so Bommel. „Wir sind schließlich diejenigen, die für den Schutz der Demokratie und der Menschenrechte eintreten. Wieso hier gegen uns vorgegangen wird, kann ich nicht nachvollziehen. Hier wäre es meiner Meinung nach dringend nötig, deutliche Kritik zu äußern und den Einsatz intensiv zu reflektieren.“


Nichts desto trotz zeigen sich die beiden Gewerkschafter zuversichtlich für die Zukunft: „Unsere Mitglieder zeigen immer mehr, dass sie mit rechten Parteien nichts zu tun haben wollen. Wir haben bereits Zeichen gesendet – und werden das auch weiterhin tun!“, kündigt Michael Frosch an.

 Quelle Pressemitteilung ver.di 04.05.16


Weitere Berichte findet ihr:
Ein Gespräch mit Cyrill Bommel
Ver.di: Inhaftierung 3 Fotografen skandalös

Wir lassen Sie nicht allein! Klicken Sie auf das Logo.