Dienstag, 10. Dezember 2013

Betriebsversammlung: Kaum Konkretes von der Geschäftsführung – Betriebsrat bleibt auf Kurs


Was gab es gestern Neues auf der Betriebsversammlung? Was sagt der neue Geschäftsführer?  Wie sieht das Konzept des Betriebsrates für das CCC aus? u.v.m.

Der Kuppelsaal war bis auf den letzten Platz besetzt. Die Redebeiträge wurden per Lautsprecher ins Foyer übertragen, wo sich weitere WELTBILD-MitarbeiterInnen drängten. Am Rednerpult: ver.di-Handelssekretär Thomas Gürlebeck, der die Belegschaft zur Solidarität mit den KollegInnen im CCC aufruft.
Hunderte von Beschäftigten strömten am Montag zum Kuppelsaal des Firmensitzes, um sich über die aktuelle Situation bei WELTBILD zu informieren.
Für alle KollegInnen, die nicht dabei sein konnten, hier noch mal eine Zusammenfassung:

Eröffnet wurde die Versammlung vom Betriebsratsvorsitzenden Peter Fitz. Nach einem kurzen Rückblick auf die Ereignisse der letzten Wochen kündigte er an, dass der Betriebsrat gegen den Beschluss des Arbeitsgerichtes zum CCC in Revision gehen werde – vor das Landesarbeitsgericht in München. Außerdem gab er bekannt, dass die Geschäftsleitung nach derzeitigem Stand beabsichtige, alle befristeten Verträge auslaufen zu lassen und nicht zu verlängern, quer durch alle Bereiche des Betriebes.

Für das CCC (Customer Care Center), so erklärte er, wurde in den letzten Wochen zusammen mit dem BR-Berater Klaus Warbruck ein eigenständiges Konzept erarbeitet. Dieses Konzept soll Wege für den Erhalt des CCC im Unternehmen aufzeigen. Wichtiger Bestandteil ist die Besinnung auf die Kompetenz und das Wissen der dortigen MitarbeiterInnen. Ein Vorteil, den externe Dienstleister, insbesondere bei schwierigen Kundenkontakten nicht bieten könnten. Man sei von Seiten der MitarbeiterInnen bei der Personalplanung auch zu höherer zeitlicher Flexibilität bereit.

Ver.di-Betriebsgruppensprecher Timm Boßmann erläuterte in diesem Zusammenhang, dass die Auslagerung des CCC in finanzieller Hinsicht nicht die hohen Einsparungen bringen würde, die von der Geschäftsleitung genannt werden. Denn der Kostenaufwand zur Gewinnung neuer Kunden sei erheblich höher, als der Aufwand, um bereits bestehende Kunden durch einen kompetenten Service zu behalten.

Der neue dritte Geschäftsführer Josef Schultheis stellt sich den Fragen der Belegschaft...
Vorab gab er zu verstehen, dass im ersten Quartal 2014 mit konkreten Plänen und Maßnahmen zu rechnen sei. Es gäbe kein Geheimrezept, das in der Schublade liege, sondern mehrere Arbeitsgruppen seien derzeit mit der Frage der Neuausrichtung betraut und würden Ende Januar Ergebnisse vorlegen.
Selbst auf mehrmalige Nachfragen wollte oder konnte er keine Angaben zum Umfang des Personalabbaus machen. Vehement wurde er aus dem Publikum aufgefordert, sich selbst bei einem Besuch vor Ort ein Bild von der Arbeit im CCC zu machen. Er sagte einen Besuch im Kundendienst zu.

Im Anschluss erklärte Timm Boßmann, dass eine Tarifkommission gegründet wurde, mit dem Ziel, einen Perspektiv-Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung durchzusetzen. Es sei unrealistisch zu glauben, die Sanierungspläne ließen sich ohne Beiträge der Belegschaft umsetzen. "Wenn die Geschäftsführung die Unterstützung der Beschäftigten erwartet, dann müssen wir tarifvertraglich regeln, was wir für unsere Beiträge bekommen." Für die MitarbeiterInnen stehe dabei die Arbeitsplatz-Sicherheit an erster Stelle.

Des weiteren verhandelt die Kommission einen Tarifvertrag zur Wiedereinführung der Altersteilzeit bei WELTBILD. Die Geschäftsführung sei grundsätzlich bereit, diesen – sozialverträglichen – Weg zum Stellenabbau zu nutzen, berichtete Boßmann. Über die Details der Ausgestaltung spreche man noch und werde die Belegschaft informieren, sobald es hier neue Ergebnisse gebe.

Ver.di-Gewerkschaftssekretär Thomas Gürlebeck machte anschließend deutlich, dass es der Geschäftsführung auf Dauer nicht gelingen werde, Gesprächen und Verhandlungen aus dem Weg zu gehen. Man werde sich mit Betriebsrat und Gewerkschaft wieder an einen Tisch setzen müssen. Und er forderte die Belegschaft eindringlich auf, auch künftig solidarisch zu bleiben.

Betriebsseelsorger Hans Gilg berichtete von seinem Besuch im CCC und den Zukunftsängsten der dortigen KollegInnen. Hier ginge es, so machte er deutlich, nicht um reine Kosten und Zahlen, sondern an jeder einzelnen Stelle der Abteilung arbeite schließlich ein Mensch. Das müssten sich die Entscheidungsträger immer vor Augen halten.

Abschließend wurde noch die kommende Betriebsratswahl angesprochen. Ende März 2014 wird die Wahl stattfinden. Betriebsrat Josef Trutt stellte die Mitglieder des Wahlvorstandes vor, die dann die Wahl vorbereiten und organisieren werden.

Kommentare:

  1. Vom BR kam allerdings auch nicht Konkretes zum CCC, schade.

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    1. Die Forderung des BR: "Erhalt des CCC im Hause" kam schon konkret rüber, fand ich. Das Konzept blieb schwammig – stimmt. Aber wie Peter Fitz gesagt hat, ist das wohl ausführlicher in einer Abteilungsversammlung vorgestellt worden. Das lang und breit auf der Betriebsversammlung aufzudröseln, hätte die anderen KollegInnen wahrscheinlich auch überfordert.

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    2. Also ein Konzept wurde im CCC nicht vorgestellt! Es war genauso schwammig, wie in der BV!

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  2. Klasse fand ich die vielen Wortmeldungen, die wahrscheinlich von Mitarbeitern aus dem CCC kamen!

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    1. Danke !! im Namen der Wortmelder vom CCC :)

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  3. War leider krank - war denn bei den vielen Wortmeldungen eine dabei, die gefagt hat, warum in diesen ominösen Arbeitsgruppen genau die selben Leute sitzen, die den Karren sehenden Auges gegen die Wand gefahren haben? Die Frage beschäftigt mich wirklich...v.a., was soll dabei rauskommen? Anscheinend soll es jetzt wieder Frequenzseiten im Katalog geben - und das wird als die Neuerfindung des Rads dargestellt...da kanns einem echt Angst und Bange werden - wenns einem nicht schon Angst und Bange wäre!

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  4. Zu meiner Frage vom 11.12., 12:09: Kann der BR sagen, ob die Frage gestellt wurde? Oder anders gefragt: hat der BR die Geschäftsführung gefragt, wie diese Arbeitsgruppen zustande gekommen sind? Wäre schön, wenn irgendjemand zumindest sagen könnte, ob diese Frage gestellt wurde. Der Kuppelsaal war ja angeblich voll, aber hier ins Forum schaut wohl keiner...

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  5. Meine Frage an den BR: Wurde das Konzept gestern an die GF übergeben und wie waren die Reaktionen?

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    1. Wir haben das Thema Konzept heute im Wirtschaftsausschuss angesprochen, aber nicht vertieft. Die Positionen sind nach wie vor gegensätzlich. Es wird jetzt wohl darauf hinauslaufen, dass unser Konzept erst in einer vom Landesarbeitsgericht einzusetzenden Einigungsstelle im Detail verhandelt wird. Das ist kein Nachteil für die Betroffenen.

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    2. Hallo Timm, wer sitzt denn alles im Wirtschaftsausschuss?

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    3. Heute waren da: Peter Fitz, Tanja Sedlmeier und meine Wenigkeit vom BR, Christina Bundt (Schwerbehindertenvertretung), Michael Huber (Rechtsanwalt), Klaus Warburg (Sachverständiger). Weitere Mitglieder des Wirtschaftsausschusses sind Dolores Sailer und Visnja Bernhard, die heute aber beide verhindert waren.
      Uns gegenüber saßen Dr. Martin Beer, Josef Schultheis, Michael Seher, Roland Kordt (KPMG) und die Rechtsanwälte Dr. Christopher Melms und Dr. Christian Wiegelmann.
      Um die nächste, naheliegende Frage gleich mit zu beantworten: Der Wirtschaftsausschuss ist eine interne organisatorische Einheit, die wirtschaftliche Zusammenhänge im Auftrag des Betriebsrats von der Geschäftsführung erfragt und bewertet. Der Wirtschaftsausschuss informiert dann den BR. Der Inhalt der Informationsgespräche mit der Geschäftsführung ist vertraulich und fällt unter die Rubrik Geschäftsgeheimnis. Alle Mitglieder haben eine entsprechende Erklärung unterschrieben. Der Wirtschaftsausschuss ist allein gegenüber dem Betriebsrat auskunftsberechtigt und -pflichtig.

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    4. Vielen Dank, Timm ..für die ausführliche Beantwortung meiner Frage.

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  6. Ich kriege grad mal wieder einen Vogel mit dieser Firma... es werden Leute entlassen.... weil angeblich keine Kohle da ist .. AAAAABER ... man hat genug Asche auf dem Konto, um einen Persil-Wäscheservice anzubieten... man hat hier immer mehr das Gefühl, in einem Irrenhaus zu arbeiten. Liebe GL, etwas mehr Fingerspitzengefühl wäre doch angebracht. Jetzt werden die Claquere aus den oberen Etagen garantiert wieder argumentieren: Jaaa, das ist ja nur ein Service, und WB hat kaum Kosten blablablalaberlaberleberkäs.... TROTZDEM! Ich finde es einfach *beliebigeWortwahlhiereinfügen*

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    1. Das Unternehmen, in dem der Persil-Wäscheservice angeboten wird, zahlt gar nichts. Es entstehen nicht "kaum" Kosten, sondern keine. Erst mal informieren, bevor man postet? Aber neiiiin, doch nicht hier...; Wahnsinn, kein Wunder dass WB gegen den Baum bei Mitarbeitern, die so "sorgfältig" sind...

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    2. Ich würde sogar vermuten, dass Weltbild daran etwas verdient, schliesslich macht Weltbild nichts aus purer Menschenfreundlichkeit.
      Das ist aber kein Grund, auf die Kollegen loszugehen, die das anders sehen.
      Wir brauchen jetzt auch keinen Wäscheservice, die GF sollte sich lieber damit beschäftigen, Kunden zu gewinnen und mehr zu verkaufen.

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  7. An Timm auch vielen Dank von einer "Betroffenen" ! Die Situation nervt , deshalb bin ich um jeden konstruktiven Beitrag
    dankbar . Wie muß sich der BR wohl gerade fühlen ?????? Ich hoffe, IHR vom BR könnt über die Feiertage etwas
    entspannen, für die nächsten Monate viel Geduld, Kraft und hoffentlich weiterhin aktuelle Infos an "UNS".
    Aber irgendwie gehts ja immer weiter - egal wie -
    Ach ja, und danke auch für die BR-Post vom Samstag.....

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  8. Ich wiederhole hier nochmal meinen Post vom 11.12., 12:09 Uhr - in der Hoffung, dass IRGENDJEMAND drauf antworten kann:
    War leider krank - war denn bei den vielen Wortmeldungen eine dabei, die gefagt hat, warum in diesen ominösen Arbeitsgruppen genau die selben Leute sitzen, die den Karren sehenden Auges gegen die Wand gefahren haben? Die Frage beschäftigt mich wirklich...v.a., was soll dabei rauskommen? Anscheinend soll es jetzt wieder Frequenzseiten im Katalog geben - und das wird als die Neuerfindung des Rads dargestellt...da kanns einem echt Angst und Bange werden - wenns einem nicht schon Angst und Bange wäre!

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    1. Nein, das hat so niemand gefragt. Vielleicht auch deshalb nicht, weil es in der aktuellen Situation keinen Sinn macht, Schuldige zu suchen. JedeR bei WELTBILD weiß, wer den Karren gegen die Wand gefahren hat. Trotzdem müssen wir jetzt zusammen versuchen, das Ding zu drehen, wenn wir unsere Arbeit behalten wollen.

      Und seien wir mal realistisch: Im Moment kriegen wir keine guten neuen Führungskräfte. Wer gibt denn einen sicheren Job auf, um ausgerechnet jetzt auf das sinkende Schiff WELTBILD zu wechseln? Wir werden mit dem Führungspersonal auskommen müssen, das wir haben.

      Die sind meiner Meinung nach auch nicht alle schlecht und unfähig. In den letzten Jahren hat vor allem einer gesagt, wo es lang geht: Carel Halff – oft auch gegen den Widerstand der Führungskräfte darunter. Schade für uns alle, dass die nicht mehr Mumm hatten. Aber wie gesagt: neue kriegen wir gerade nicht…

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    2. Also ich würde den Job ja sofort machen. Wollte schon immer 'ne Villa, 'ne dicke Karre, Luxusurlaub und ein volles Konto ;-) Hehe.

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  9. Naja, hier sitzen mehr kompetente Leute, als die GL wahrhaben will - und Konzepte von irgendwelchen Arbeitsgruppen, in denen Leute sitzen, die keine Ahnung von der Realität und den Systemen im Haus haben, werden mit Sicherheit nicht viel bringen. Aber ich lasse mich gern positiv überraschen...

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