Montag, 14. Juli 2014

Umzug der Verwaltung: Das Wichtigste ist geregelt


Neben dem Hickhack um den Paragon-Einstieg sorgt ein weiteres Thema für Blutdruck im Betrieb: der Umzug der Verwaltung. Der Betriebsrat hat die Interims-Geschäftsleitung und den Insolvenzverwalter bereits vor Wochen darauf hingewiesen, dass der BR an den Planungen beteiligt werden muss und VOR dem Umzug eine Betriebsvereinbarung abzuschließen ist.

Die Projekt-Verantwortlichen waren über Wochen nicht willens oder in der Lage Pläne der neuen Büros vorzulegen, aus denen wenigstens die Quadratmeterzahlen ersichtlich gewesen wären. Ganz zu schweigen von einem ersten Vorschlag, wer wo und mit wem sitzen soll. Auf die Verhandlungsaufnahme bezüglich einer Betriebsvereinbarung hat die Belegschaftsvertretung ebenfalls vergeblich gewartet.

Mitbestimmung erst nach Umzugsstopp
Erst als der Betriebsrat den Umzug zwischenzeitlich gestoppt hat, wurde schließlich der Insolvenzverwalter aktiv. Mit ihm hat der BR Anfang des Monats eine entsprechende Betriebsvereinbarung abgeschlossen. Weil inzwischen ein extremer zeitlicher Druck entstanden ist, regelt diese BV das Thema Umzug nicht abschließend, sondern ist eine Art "Verfahrens-BV". Das heißt, in der BV wird die Verteilung der Büros nicht letztgültig geregelt, sondern das Verfahren beschrieben, nach dem der BR an der Umzugsplanung zu beteiligen ist.

Mitbestimmung gibt es danach bei folgenden Punkten:
Einteilung und Besetzung der Räume
Ausstattung der Arbeitsplätze
Klimatisierung
Aufenthaltsräume/Kaffeeküchen und deren Ausstattung
Besprechungsräume und deren Ausstattung
Raucherräume und deren Ausstattung
Erste-Hilfe-/Ruheräume und deren Ausstattung
Sanitärräume
Vergabe von Parkplätzen

Projektverantwortliche Zeitverschwender
Nachdem die Projektverantwortlichen Wochen ungenutzt ins Land streichen ließen, reagiert der BR auf den entstandenen Zeitdruck und gibt die Planungen der Geschäftsleitung gebäudeweise frei. Außerdem wird zunächst abweichend von der Fülle komplizierter Vorschriften der Arbeitsstättenverordnung nach einer einfachen Faustregel vorgegangen: 8 Quadratmeter pro Arbeitsplatz in einem Büro. So soll verhindert werden, dass sich die Führungskräfte in Einzelbüros breitmachen, während die normalen Angestellten in zu kleinen Räumen zusammengepfercht werden.

Es hat sich gezeigt, dass selbst diese einfache Regel von den Projektverantwortlichen erstaunlicher Weise immer wieder vergessen oder falsch verstanden wird. Für die daraus resultierenden Verzögerungen ist der Betriebsrat weder verantwortlich, noch wird er diese Mindeststandards zu Lasten der MitarbeiterInnen aufgeben.

Gefährdungsbeurteilung 
Nach dem Gesetz müsste es für jeden Arbeitsplatz VOR dem Umzug eine sogenannte "Gefährdungsbeurteilung" geben, die Belastungen am Arbeitsplatz verifiziert, z. B. Lärmbelästigung, Wärmeentwicklung, psychische Stressfaktoren etc. pp.. Da das auf der Zeitschiene nicht mehr seriös zu machen ist, schreibt die Betriebsvereinbarung außerdem die Gründung eine Paritätischen Kommission aus Arbeitgeber- und ArbeitnehmervertreterInnen vor. Diese hat direkt nach dem Umzug eine professionelle Gefährdungsbeurteilung durch einen fachkundigen Dienstleister zu organisieren und dient zudem als Appellations-Instanz, wenn es nach dem Umzug Probleme geben sollte. Die Kommission entscheidet einvernehmlich. Wenn keine Einigung erzielt werden kann, geht das Problem vor eine gerichtliche Einigungsstelle. So sollten die berechtigten Ansprüche der Belegschaft trotz des Zeitdrucks bestmöglich gewahrt bleiben.

Wenn Sie im Zusammenhang mit dem Umzug Probleme oder Sorgen haben, informieren Sie bitte direkt den Betriebsrat. Es nutzt nichts, Unmut oder persönliche Fragen als anonymen Kommentar zu hinterlassen. Sie müssen mit dem BR sprechen, damit dieser Ihnen helfen kann. 

Kommentare:

  1. Ich glaube der BR hat immer noch nicht verstanden worum es hier geht... korinthenkackerei vom feinsten! Wer weint weil er kein 20m² Büro für sich alleine hat, der soll sich doch gleich verabschieden. Fast alle mit denen ich über den Umzug geredet habe sagen "wird schon werden" oder "umziehen aber schnell" "man hatte es eh viel zu schön, so hatte es man sonst nirgends (kostete auch entsprechend)". Der BR blockiert... ist eh komisch das bestimmte gewählte Vertreter des BR nicht involviert werden, immer die gleichen Gesichter die sich jetzt auch noch untereinander streiten. Korrupte Struktur! - Ich weiß das der Kommentar, wie die meisten, nicht freigeschalten wird. Vielen dank nochmals für die Zensur!!!!

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    1. Fünf Klarstellungen zu diesem unsäglichen Kommentar:



      1. Gesetzliche Vorschriften und Verordnungen als "korinthenkackerei" zu bezeichnen, offenbart eine merkwürdige Haltung gegenüber einer demokratischen Rechtsordnung. Arbeitnehmer verlieren ihre Rechte nicht, bloß weil ein unfähiges Management eine Firma in den Ruin getrieben hat. Und das ist auch gut so.

      

2. Der Betriebsrat ist gesetzlich verpflichtet über die Einhaltung von Gesetzen im Betrieb zu wachen. Dazu § 80 BetrVG: "Der Betriebsrat hat folgende allgemeine Aufgaben: 1.darüber zu wachen, dass die zugunsten der Arbeitnehmer geltenden Gesetze, Verordnungen, Unfallverhütungsvorschriften, Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen durchgeführt werden; […]" Verletzt er diese Pflicht, kann er durch ein Gericht seines Amtes enthoben werden.

      

3. Der BR blockiert nicht. Die teuren zeitlichen Verzögerungen hat das Projektteam zu verantworten, das den BR trotz mehrfacher (auch schriftlicher) Aufforderung nicht in die Planungen eingebunden hat. Jetzt tut der BR sein Möglichstes, um die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass der Umzug trotzdem möglichst schnell über die Bühne gehen kann.



      4. Falls mit der Umschreibung "bestimmte gewählte Vertreter des BR" die Betriebsratsmitglieder der Liste Vision 2.0 gemeint sein sollten – das ist falsch: Ivo König und Ben Jergius sind Mitglieder des Umzugsausschusses und wurden zusammen mit Josef Trutt, Charmaine Müller und Ludmilla Katzmeier einstimmig gewählt.



      5. Zu "gleiche Gesichter", die sich angeblich untereinander streiten: Die Betriebsratsmitglieder der beiden ver.di-Listen, vertreten gemeinsam und in voller inhaltlicher und persönlicher Übereinstimmung die Interessen der Belegschaft. Und sonst gar nichts.

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  2. Also jetzt mal langsam hier, den BR hier so hinzustellen wie ein kleines tobendes Kind das mit dem Fuß auf den Boden stampft und schreit "Ich will das aber so und nicht anders" ist ja wohl mehr als idiotisch. Ja, der BR hat erstmal den Umzug gestoppt, und? Erklärung gibts oben im Beitrag, man müsste halt nicht nur lesen sondern auch verstehen können. Knackpunkt ist hier, ob der/die Kollege/in vom ersten Kommentar eigentlich schon mal mitbekommen hat, WIE begonnen wurde weitere Arbeitsplätze aufzustellen??? Das es enger werden wird - kein Problem, dass keiner mehr sein 20m² Büro mehr haben wird - kein Problem, ABER wenn man so eingequetscht sitzt, dass man sich sogar mit dem Bürostuhl gegenseitig behindert weil man so eng sitzt - das kann es auch nicht sein, und das ist auch gut so, genau deswegen gibt es diese gesetzlichen Regelungen. Wenn wir wie die Sardinen in der Dose da sitzen, es heiß und laut wird und dann die Krankheitsrate nach oben schnell (alles schon erlebt) dann passt es doch auch wieder nicht. Also bleibt mal bitte sachlich und hört auf mit dem ganzen Zensur- und Korruptionsmist. Der BR versucht sein Bestes und langsam geht mir das echt auf den Keks hier dass alle hetzen, ihr klopft hier nämlich an die falsche Tür!!!

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  3. Diese BR-Hetze geht mir langsam mächtig auf den Zeiger.
    Wo wären wir heutzutage ohne BR und Gewerkschaft? Immer noch im Mittelalter, wo ein paar 'Herrschaften' schalten u. walten konnten, auf Kosten von vielen!
    Gott sei Dank ist diese Zeit mit Sklaventreiberei vorbei. Und warum? Weil sich 'viele' dagegen gewehrt und um Mindeststandards gekämpft haben!

    Falls es Beschwerden wegen dem Umzug gibt, dann wendet euch an die richtige Stelle: an den Insolvenzverwalter!

    Und schaltet endlich euer Hirn ein. Mir reichts langsam. Auf solche Kollegen, die solche Kommentare schreiben kann ich gerne verzichten.

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  4. Vielen Dank an die 2 Kommentare von 7:30 und 15:27 Uhr Ihr habt den Nagel auf dem Kopf getroffen.:-)

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  5. Weltbild steht mit dem Rücken zur Wand, ein dauerhafter Fortbestand ist noch lange nicht gewährleistet, aber statt sich um die vordringlichsten Probleme zu kümmern, machen sich einige Gedanken über die Mitbestimmung bei Nebensächlichkeiten.

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