Freitag, 25. November 2011

Hier arbeitet ein Mensch

Die Rede von Hans Gilg, Betriebsseelsorge Augsburg, gehalten auf der Betriebsversammlung am 24.11.11 Vormittags gibt es hier nochmal im Wortlaut zum Nachlesen:

Irgendwie war ich auch einmal ein Mitarbeiter der Firma Weltbild. Das ist schon über 30 Jahre her. ich war 15 Jahre alt. Damals war ich Austräger der Zeitschrift Weltbild und hab mir ein paar Mark dazu verdient.

Die Zeitschrift gibt es nicht mehr, es gab viele Umbrüche und Weltbild ist zu einem großen Konzern gewachsen.

Jetzt steht wieder ein großer Umbruch bevor, ein Verkauf - -aus welchen Gründen auch immer. Manches spricht dafür, vieles spricht – meiner Meinung nach – auch gegen einen Verkauf – aber darüber entscheiden andere.

Die Fakten sind geschaffen und vielleicht auch nicht mehr verhandelbar.

Aber verhandelbar muss das „WIE“ sein.

Wenn schon verkauft werden soll, dann darf nicht der Profit an erster Stelle stehen – meine Kirche hat genug Geld mit Weltbild verdient -, sondern die Absicherung von euch Kolleginnen und Kollegen.

Ihr habt alle dazu beigetragen, dass Weltbild groß geworden ist und ich fordere

· dass die Verantwortlichen mit Blick auf die Menschen im Betrieb verhandeln
· dass weiterhin ein sauber ausgehandelter Tarifvertrag gilt
· dass die Arbeitsplätze und die Löhne nicht angetastet werden
· dass all dies in einem Sicherungstarifvertrag schriftlich vereinbart wird

Ich rufe alle Verantwortlichen dazu auf, das gut zu machen. Viele werden beobachten, wie Kirche hier handelt – und die Art und Weise eines Verkaufs wird zum Prüfstein werden, ob unsere Werte und unsere katholische Soziallehre zählen oder nur der Profit.

Ich habe es im Sommer an dieser Stelle schon einmal sagen dürfen.
Über jedem eurer Arbeitsplätze muss stehen: „Hier arbeitet ein Mensch“

und das gilt heute noch viel mehr.

Mittwoch, 23. November 2011

Dienstag, 22. November 2011

Weltbild-Verkauf: Antwort auf die wichtigsten Fragen

Als heute vormittag die Bombe vom Verkauf der Verlagsgruppe platzte, rief die Geschäftsführung zunächst die Geschäftsleiter sowie den Betriebsrat zusammen. Im Anschluss wurde der erweiterte Führungskreis informiert. Bei der schon länger geplanten Betriebsversammlung am Donnerstag wurde die Tagesordnung gekippt: Erstes und einziges Thema ist der Verkauf und die Auswirkungen auf die MitarbeiterInnen.

Die Redaktion des Weltbild-ver.di-Blogs versucht schon jetzt die drängendsten Fragen zu beantworten.

1. Warum wird Weltbild verkauft?
Die unwahren und unangemessenen Porno-Vorwürfe von erzkatholischen Gruppen sind nur die Eskalation eines kircheninternen Richtungsstreits. Der Verkauf des Medienunternehmens ist ein politisches Signal, mit dem das kircheninterne Hauen und Stechen befriedet werden soll. Es wird interessant sein, in naher Zukunft zu beobachten, welche kirchlichen Unternehmungen als nächstes ins Visier der Vertreter der "Entweltlichung" geraten. Der Kirche gehört zum Beispiel die Liga-Bank und selbstverständlich hält die Kirche etliche Aktien unterschiedlichster Unternehmen.

2. Wer ist mit dem Verkauf beauftragt?
Im Gegensatz zu 2008, als der Aufsichtsrat versuchte Weltbild zu verkaufen, haben die Gesellschafter diesmal die Geschäftsführung beauftragt. Die Herren Halff, Beer und Driever sollen also einen geeigneten Investor finden. Das ist auch ein Ausdruck dafür, dass es noch eine gewisse Vertrauensbasis zwischen den Gesellschaftern und der Augsburger Geschäftsführung zu geben scheint.

3. Wie schnell geht der Verkauf über die Bühne?
Hier gehen die Einschätzungen weit auseinander. Die Geschäftsführung nannte heute einen Zeitrahmen von 1 – 2 Jahren. Wir dagegen meinen, dass der Verkauf deutlich schneller über die Bühne gehen wird. Gesellschafter und Unternehmen stehen während der Käufersuche in einem spannungsreichen Spagat: einerseits kann die Kirche keine weitere öffentliche Kritik am Programm von Weltbild brauchen, andererseits kann sich Weltbild nicht völlig von den Massenmärkten zurückziehen ohne den möglichen Kaufpreis massiv zu drücken. Möglicherweise geht Weltbild also innerhalb weniger Monate über den Tisch.

4. Was bedeutet das für die MitarbeiterInnen?
Extrem große Unsicherheit: Es ist völlig offen, ob das Unternehmen im Ganzen oder stückweise verscherbelt wird. Die tarifliche Bindung (37,5 Stundenwoche, 30 Tage Urlaub etc…) kann nach einem Übergangszeitraum verloren gehen. Es können sich Synergieeffekte mit bestehenden Firmen der Investoren ergeben, die in Augsburg ganze Abteilungen überflüssig machen. Die Liste der möglichen Schrecken ist lang!

5. Wer kümmert sich jetzt um die Interessen der Belegschaft?
Die Kirche äußert sich dazu nur mit einem einzigen Satz in der heute veröffentlichten Erklärung: "Kirchliche und soziale Implikationen einer Veräußerung verdienen eine besondere Beachtung." Das – Verzeihung – ist Bullshit: Weder Betriebsrat noch die Gewerkschaft ver.di werden eine derart windelweiche Absichtserklärung akzeptieren! Die Interessenvertreter fordern einen verbindlichen Zukunfts-Tarifvertrag für alle Weltbild-MitarbeiterInnen. Eine breit angelegte Kampagne wird die Bischöfe öffentlich an ihre Verantwortung für die MitarbeiterInnen und ihre Familien erinnern. Um einen entsprechenden Tarifvertrag durchzusetzen, stehen der Gewerkschaft auch alle Arbeitskampfmaßnahmen zur Verfügung.

6. Was ist ein Zukunfts-Tarifvertrag?
Wesentliche Punkte werden sein: • keine betriebsbedingten Entlassungen in den nächsten Jahren • Festhalten an den bestehenden Tarifverträgen • Bestand aller bisherigen Betriebsvereinbarungen • Erhalt des Standorts Augsburg • keine Zerschlagung der Unternehmensgruppe.

7. Was können und sollten MitarbeiterInnen jetzt tun?
Ganz einfach: In die Gewerkschaft eintreten. Um unsere Arbeitsplätze zu vernünftigen Bedingungen zu sichern, müssen wir aktiv werden und alle Mittel bis hin zum Streik ausschöpfen. Das geht nur mit einer starken Organisation im Rücken. Außerdem sollte spätestens jetzt jedem und jeder daran gelegen sein, den eigenen Arbeitsplatz notfalls mit juristischer Unterstützung zu verteidigen. Die Gewerkschaft ver.di ist mit ihrer starken und erfahrenen Rechtshilfe-Organisation sicher der beste Partner, um die individuellen und kollektiven Interessen durchzusetzen.

PS: Ein Zukunfts-Tarifvertrag gilt nach deutschem Recht nur für Gewerkschaftsmitglieder. Alle anderen wären trotz Tarifvertrag rechtlich schutzlos und hätten keinerlei Ansprüche.

Ende einer Ära: WELTBILD wird verkauft!

Jetzt ist es raus: Die Bischöfe verkaufen die Verlagsgruppe Weltbild. Und zwar so schnell wie möglich! Es gibt "verbindliche Vorgaben der Gesellschafter, nach denen der Aufsichtsrat sicherstellen soll, dass die angezeigten organisatorischen und strukturellen Maßnahmen für eine Veräußerung der Verlagsgruppe Weltbild GmbH ohne jeden Verzug entschlossen aufgenommen werden", heißt es auf der Webseite der Deutschen Bischofskonferenz.

Auch Weltbild selbst hat eine entsprechende Pressemitteilung herausgegeben, die wir hier im Wortlaut veröffentlichen:

Gesellschafterbeschlüsse der Verlagsgruppe Weltbild GmbH

Gestern hat in Würzburg eine außerordentliche Versammlung der Gesellschafter der Weltbild GmbH stattgefunden. Die Gesellschafter haben beschlossen:

1. Den verbindlichen Vorgaben der Gesellschafter entsprechend soll der Aufsichtsrat sicherstellen, dass die angezeigten organisatorischen und strukturellen Maßnahmen für eine Veräußerung der Verlagsgruppe Weltbild GmbH ohne jeden Verzug entschlossen aufgenommen werden. Die Gesellschafter erwarten diesbezüglich eine vierteljährliche schriftliche und mündliche Berichterstattung der Geschäftsführung und zusätzlich des Aufsichtsratsvorsitzenden und seines Stellvertreters, die auch Angaben über die Zeitplanung enthält. Unabhängig davon sind alle Beteiligten in der Verpflichtung, zum Erhalt und der Sicherung des Unternehmenswertes beizutragen. Kirchliche und soziale Implikationen einer Veräußerung verdienen eine besondere Beachtung.

2. Die Geschäftsführung soll dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates und seinem Stellvertreter bis auf weiteres in einem Turnus von zwei Wochen schriftlich über die eingeleiteten und durchgeführten Maßnahmen zur Einhaltung der Unternehmensziele im Sinne der Satzung berichten.

3. Die Gesellschafterversammlung dankt dem Aufsichtsrat für seine Tätigkeit. Die Herren Prälat Dr. Sebastian Anneser, Dr. Adolf Bauer und Dr. Klaus Donaubauer scheiden aus dem Aufsichtsrat aus. Die Gesellschafter berufen mit Wirkung vom 22.11.2011 in den Aufsichtsrat:

• Generalvikar Prälat Prof. DDr. Peter Beer (Erzbistum München und Freising)
• Generalvikar Prälat Michael Fuchs (Bistum Regensburg)
• Generalvikar Prälat Dr. Georg Holkenbrink (Bistum Trier)

Im Aufsichtsrat verbleiben die Herren
• Dr. Paul-Bernhard Kallen (Hubert Burda Medien)
• P. Dr. Hans Langendörfer SJ (VDD)
• Dr. Matthias Meyer (VDD)
• Dr. Albert Post (Bistum Fulda)
• Dr. Stefan Schmittmann (Commerzbank)

Weltbild-Verkauf: Noch nichts Neues aus Würzburg

Die Bischöfe diskutieren, halten aber dicht. Hier zwei ganz aktuelle Artikel zum Thema:

Berliner Morgenpost

domradio.de

Sonntag, 20. November 2011

Weltbild Aufsichtsratschef Donaubauer zurückgetreten

Der katholische Kreuzzug gegen das kircheneigene Unternehmen hat ein erstes Opfer gefordert: Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Klaus Donaubauer, ist am Donnerstag nach 18 Jahren Amtszeit zurückgetreten.

Unbekannter Aufsichtsrat
Ob die MitarbeiterInnen der Verlagsgruppe Klaus Donaubauer vermissen werden, ist fraglich. Sie kannten ihren Aufsichtsratsvorsitzenden lediglich aus der Zeitung. Donaubauer stellte sich in den letzten 15 Jahren nur ein einziges Mal der Belegschaft auf einer Betriebsversammlung: Während der Umstrukturierung 2009, bei der Dutzende KollegInnen ihre Arbeit verloren, verglich er die Massenentlassungen mit dem überfälligen "Aufräumen eines Kinderzimmers". Eine dicke Liste mit Hunderten von Protestunterschriften der MitarbeiterInnen mochte er damals nicht mit in sein Domizil beim Dom nehmen.

Auch der neue Augsburger Bischof Zdarsa lehnte einen Besuch "seiner" Firma bislang ab. Die entsprechende Einladung des Betriebsrats sagte er aus Termingründen ab. So spricht auch aus Sicht der Belegschaft einiges dafür, dass die Verantwortlichen der Kirche ihre Aufsichtspflicht nicht sonderlich ernst genommen haben.

Abkehr von bewährten Prinzipien?
Trotzdem ist ein Notverkauf, wie ihn fundamentalistische Kirchenkreise jetzt fordern, aus Sicht der MitarbeiterInnen keine wünschenswerte Lösung. Durch das von den kirchlichen Gesellschaftern gelebte Prinzip, erwirtschaftete Gewinne im Unternehmen zu lassen, ist Weltbild in den letzten 30 Jahren kontinuierlich gewachsen. Es wurden und werden Jobs in der Region geschaffen – und im Vergleich zu Konkurrenten wie Amazon sind die Arbeitsbedingungen in der Augsburger Zentrale zwar nicht "himmlisch" aber im Großen und Ganzen in Ordnung. Ein neuer Investor könnte dieses Prinzip umkehren und Weltbild zur Melkkuh machen und anschließend schlachten. Damit stünden tarifliche Bindungen ebenso in Frage wie zahlreiche Arbeitsplätze.

Die Anhänger der Kampagne "Entwelt(bild)lichung" fordern noch weitere Köpfe. Nach Donaubauer ist nun Aufsichtsrat Hans Langendörfer im Visier. Als Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Diözesen (VDD) steht er für 24,2 Prozent der Weltbild-Anteile.

Pfeifen im Walde
Geschäftsführer Carel Halff macht indes den Beschäftigten Mut. In einem E-Mail-Rundschreiben an die Belegschaft hieß es am Freitag, die Anliegen des Unternehmens und seiner MitarbeiterInnen genössen bei allen Überlegungen hohe Aufmerksamkeit. Und: "Das Unternehmen ist stark und gut aufgestellt, wie Sie selbst am besten wissen. Wir können deshalb gemeinsam mit Selbstbewusstsein in die Zukunft blicken." Ein bisschen klingt das leider wie Pfeifen im dunklen Walde…

Ab Montag tagt der Ständige Rat der 27 Diözesanbischöfe in Würzburg. Dort fallen voraussichtlich Entscheidungen, die Wohl oder Wehe der Verlagsgruppe und ihrer MitarbeiterInnen in den nächsten Jahren bestimmen werden. Gut möglich, dass in Würzburg auch das Schicksal der Geschäftsführung besiegelt wird. 

Zum Abschluss noch eine kleine Presseschau:

Augsburger Allgemeine: Weltbild-Chefaufseher Klaus Donaubauer tritt zurück

kath.net: Warum trat Donaubauer wirklich zurück?

katholisches.info: Rücktritt Langendörfers fällig – Das redselige Schweigen von Erzbischof Zollitsch zu Nazi-Phantom und Weltbild

Welt online: Pornobücher – Weltbild-Aufsichtsratschef tritt zurück

sueddeutsche.de: Weltbild-Verlag droht der Verkauf

Focus online: Bischöfe beraten über Porno-Vorwürfe

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Mittwoch, 16. November 2011

Allianz für den freien Sonntag

„Schutz des Ladenschlusses bedeutet Schutz der Sozialen Marktwirtschaft!“

Augsburger Allianz mahnt zur Einhaltung der bestehenden Gesetze – häufig wird deren Einhaltung nicht verfolgt

Zu einem Jubiläum ganz besonderer Art lud die Augsburger Allianz für den freien Sonn tag am 8.November ein: Auf den Tag genau fünf Jahre zuvor fand die historische Ent scheidung in der CSU-Landtagsfrak tion statt, den Ladenschluss bis auf Weiteres unange tastet zu lassen. Aus diesem Anlass lud sie betroffene Beschäftigte dazu ein, zu berich ten, was der Laden schluss für sie bedeutet. Sie beschrieben, welche soziale Funktion diese gemeinsame Zeit für sie hat.

Gerade einmal fünf Jahre ist es her, seit der historischen Entscheidung der CSU-Fraktion im baye rischen Landtag. Im Zuge der Föderalismusreform war es notwendig geworden, für die Bundes länder eigene Regelungen zu treffen – Ministerpräsident Edmund Stoiber plädierte im Vorfeld für eine werk tägliche Erweiterung der Öffnungszeiten bis 22.00 Uhr. Doch es kam – auch gerade wegen seiner Ab wesenheit zum Zeitpunkt der Abstimmung anders: aufgrund des Patts von 51 zu 51 Stimmen blieb alles beim Alten. Bayern ist damit neben zwei weiteren westdeutschen und einem ostdeutschen das einzige Bundes land, in dem noch keine 24-Stunden-Öffnung möglich ist.

Für die Lokale Allianz für den freien Sonntag begrüßte Peter Ziegler, Diözesansekretär der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), die Anwesenden und bat Gerhard Feda, Betriebsratsvor sitzender von Dehner in Rain am Lech um sein Statement. Dieser betonte die besondere Bedeu tung gemeinsamer freier Zeiten: „Wenn man schon an drei von vier Samstagen arbeiten muss, braucht man wenigstens den Sonn tag, sonst wird das gerade für Familien besonders proble ma tisch.“ Durch die längeren Öffnungs zeiten würde nur der Kuchen umverteilt, dieser werde aber nicht größer; außer dem würden die Präsenzzeiten am Sonntag durch eine reduzierte Personalaus stat tung am Werktag auf gefangen.

In dasselbe Horn blies Reinhold Merkl, der als Vorsitzender des Betriebsrats bei Dehner in der Acker mann straße seine Situation beschrieb. Er erlaubte einen Einblick in seinen Lebenslauf und beschrieb anschaulich, wie er als im Einzelhandel Beschäftigter zunehmend zum Außenseiter im sozialen Mitei nan der geworden sei, allein dadurch, dass er zu den Zeiten, in denen sich andere zum Sport trafen, hinter der Verkaufstheke stehen musste. Er beschrieb die fatale Auswirkung etwa auch von Marktsonn tagen auf das Klima in den Filialen – die angebliche Freiwilligkeit führte am Ende doch dazu, dass sich Einzelne zur Arbeit gezwungen sähen.

Für die Allianz betonte Wolfgang Peitzsch vom DGB die Gefahr der Einkaufsnächte, die sich von Augs burg ausgehend zuneh mend in die Augsburger Umgebung auszudehnen drohten. Insgesamt, so waren sich alle Vertreter einig, wären die gesetzlichen Vorgaben durchaus ausreichend, problema tisch aber ist deren Umsetzung in der kon kreten Kommune – beispielsweise sei es sehr fragwürdig, ob die Erweiterung der Kur- und Erholungs orte wirklich sachgerecht vorgenommen worden sei, wie Tho mas Gürlebeck von ver.di es für die Allianz formulierte…

Samstag, 12. November 2011

Katholische Kampagne gefährdet Arbeitsplätze bei WELTBILD


Der "Porno-Skandal", den eine Gruppe katholischer Sektierer losgetreten hat, weitet sich zu einer regelrechten Kampagne gegen WELTBILD aus. Mittlerweile berichten auch Massenmedien wie die Süddeutsche über die Vorgänge. Bedenklich ist, dass damit auch seriöse Redaktionen die haltlosen Vorwürfe ohne erkennbare eigene Recherche übernehmen und weitertragen. Hier ein kleine Presseschau:




Viele weitere Artikel finden sich über die Google-News-Suche

Katholische Taliban
Die Erfinder des angeblichen Skandals sind im erzkonservativen Spektrum der katholischen Kirche und am äußersten rechten Rand der Gesellschaft zu verorten. Insbesondere die katholischen Webseiten kath.net und kreuz.net gefallen sich in der Rolle mittelalterlicher Inquisitoren:


(Zum Vergrößern des Screenshots auf das Bild klicken)

Warum verbreiten selbsternannte Qualitätszeitungen Verleumdungen aus Quellen wie kreuz.net, das unter der Überschrift "Israel muss weg" Reden des Massenmörders Gaddafi veröffentlicht? Die eigentliche Story hinter dem Skandal liegt in der Macht, die einige Ewig-Gestrige innerhalb der katholischen Kirche entfalten. Aber viel einfacher ist es natürlich, Artikel aus dem katholischen Internet-Sumpf zu übernehmen und über das Reizwort "Porno" Suchmaschinen-Klicks auf die eigene Website zu lenken. Kritischer Journalismus sieht irgendwie anders aus.

Was sind die Folgen?
Derzeit ist die WELTBILD-Geschäftsführung hauptsächlich mit dem Löschen der katholischen Scheiterhaufen beschäftigt. Dabei gäbe es in Augsburg mehr als genug zu tun. Deutschlands größter Buchhändler steckt mitten in der wichtigsten Umstrukturierung der Unternehmensgeschichte: Die komplette IT-Infrastruktur wird umgekrempelt, die Positionierung im Buchmarkt völlig neu definiert und die Logistik soll künftig mit Amazon Schritt halten können. Kein guter Zeitpunkt, um das Unternehmen für einen angemessenen Preis zu verkaufen.  

Dagegen steht das Szenario eines überhasteten Verkaufs der Verlagsgruppe, wie ihn die Kreuzritter von kath.net & Co. fordern: Wenn WELTBILD mitten in der Umstrukturierung in die Hände rein profitorientierter Investoren übergeht, wird das unabsehbare Folgen für die Belegschaft haben. Das Unternehmen wird womöglich zerschlagen, einzelne Teile weiterverkauft, andere werden schlicht dichtgemacht. Das absehbare Resultat: der Verlust Hunderter Arbeitsplätze, schlechtere Arbeitsbedingungen für diejenigen, die bleiben dürfen, Tarifflucht usw. Kurz: Menschen, die zum Teil seit Jahrzehnten für den Reichtum der katholischen Kirche arbeiten, werden im Namen der christlichen Lehre ins Elend gestoßen – zusammen mit ihren Familien.

Passt das zu den Prinzipien der katholischen Soziallehre? Und doch tun die Moralapostel aus der katholischen Schmuddelecke alles, um dieses Szenario Wirklichkeit werden zu lassen. Oder steckt hinter der ganzen – ziemlich professionell inszenierten – Kampagne eine Gruppe von Spekulanten, die WELTBILD zum Schnäppchenpreis einsacken will? Dann müsste die Kirche irgendwann feststellen, dass sie sich nicht nur vor den kapitalistischen Karren hat spannen lassen, sondern dass sie am Ende auch noch den Bock zum Gärtner gemacht hat.

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Freitag, 11. November 2011

Jetzt auch online: die KollegInnen bei Amazon


Unsere KollegInnen bei Amazon haben jetzt auch ein ver.di-Blog eingerichtet, um die miesen Arbeitsbedingungen beim WELTBILD-Konkurrenten Amazon öffentlich zu machen.

Wer wissen will, wie es hinter den Kulissen beim weltweit größten Internet-Buchhändler zugeht, lernt hier das Gruseln: www.amazon-verdi.de

Freitag, 4. November 2011

Das Wort zum Freitag: Verrückte Welt, mein Mädchen

Vor Urzeiten, in der nonvirtuellen Plastikära der LPs und MCs, gelang es der Band »Crazy World of Arthur Brown«, sich mit ihrem heißen Rocksong »Fire« einen Platz in der One-Hit-Wonder-Ruhmeshalle zu erobern. Jetzt, in der Epoche des digitalen Overkills, klopft ausgerechnet Kohls Mädchen an die Pforte dieser Eintagsfliegen-Hall-of-Fame: in der Hand einen Ghettoblaster, aus dem ein Song quäkt, der erst noch ein Hit werden möchte: »Mindestlohn«. Ein Lied, dessen Melodie mir irgendwie bekannt vorkommt … Ist da vielleicht ein klitzekleines Plagiat mit im Spiel, Frau Bundeskanzlerin?

Crazy World of Angela Merkel! Klingt nach frühzeitiger Eröffnung des Bundestagswahlkampfes. Oder nach geistiger Verwirrung kombiniert mit akuter Mentalschwäche. Wäre kein Wunder, schließlich kostet die Rettungsschlacht um den Euro sehr viel Kraft!

Mindestlohn, hört hört. Da will die Union wohl mal wieder das soziale Fähnchen im Populismus-Wind flattern lassen, den Schulterschluss mit den Underdogs und Tagelöhnern suchen, Solidarität mit Friseurinnen und Alleinerziehenden heucheln.

»Mindestlohn«, hat das nicht auch mal der Gregor Gysi gesungen? Oder war es die Andrea Nahles? Wer auch immer: Angela, so zu klauen ist einfach nicht anständig! Aber auch als redliche Coverversion dürfte dein Song kaum Aussicht haben, in die oberen Regionen der Charts vorzustoßen. Wer will dieses Lied in deiner dürftigen Interpretation schon hören? Sogar Heiner Geißler klappt da die Ohren zu.

Versuch’s lieber mit einer Nummer über Europa oder den Euro, liebe Kanzlerin. Lass dir den Text von Konstantin Wecker schreiben und die Melodie von Phil Collins komponieren – dann kann gar nichts schief gehen. »The Last Euro« – ein garantierter, europaweiter Chartbreaker, auch in Griechenland. Von null auf eins – wetten? Sogar die Amis downloaden bei iTunes wie verrückt. Platin – im Nu!

Aber »Mindestlohn«? Würde noch nicht einmal Xavier Naidoo zum Hit machen. Und – jetzt mal ehrlich, liebe Angela Merkel – Wahlen sind damit nun wirklich nicht zu gewinnen! Wenn die Wahlkampf-Helfer den Kleister anrühren und die ersten »Wir stehen für ein modernes Deutschland«-Plakate auf die Bauzäune und Doppelgaragentore pappen, haben sie ganz andere Lieder auf den Lippen. Den »Steuersenkungs-Song« zum Beipiel. Money, money, money, it’s so funny … Hahahah!

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