Donnerstag, 13. September 2012

Big-Brother-Bäcker IHLE heute vor Gericht

Die Großbäckerei IHLE streitet sich seit Jahren mit ihrem Betriebsrat, auch vor Gericht. Meist geht es dabei um den Gesundheitsschutz für MitarbeiterInnen sowie Arbeitsbedingungen, die aus Sicht der Gewerkschaften an Ausbeutung grenzen. 

In diesen Auseinandersetzungen hat der jetzige Betriebsratsvorsitzende sehr viel für seine Kolleginnen und Kollegen erreicht und deutliche Verbesserungen der Arbeitsbedingungen durchgesetzt. Natürlich ist dieser Mann der Geschäftsführung ein Dorn im Auge. 

IHLE arbeitet mit illegalen Mitteln 
Jetzt hat der Friedberger Großbäcker den Spieß umgedreht und seinem BR-Vorsitzenden wegen angeblichen Arbeitszeitbetrugs gekündigt. Die vorgeblichen Beweise dafür hat IHLE mit einer eigens programmierten Spionage-Software erhoben, die der Augsburger Computerdienstleister Netz16 im Auftrag der Geschäftsführung von IHLE auf dem PC des BR-Vorsitzenden installiert hat.

Deshalb standen sich Arbeitgeber, Betriebsrat und die Gewerkschaft NGG heute vor dem Augsburger Arbeitsgericht gegenüber. IHLE gibt die Ausspähung des BR-Rechners mit geheimdienstlichen Mitteln unumwunden zu: Man habe Firmeninteressen schützen müssen.

Warum bricht IHLE das Gesetz?
Etwas wundern darf man sich ob dieser Argumentation schon: Aus Sicht der Geschäftsleitung dürfte ein abwesender Betriebsrat doch deutlich angenehmer sein, als ein aktiver Mitarbeiter-Vertreter, der sich um die Einhaltungen von Arbeitsschutzgesetzen und Betriebsvereinbarungen kümmert…

Was man auch nicht versteht: Der Vorsitzende hätte keinerlei Vorteile von den unterstellten Manipulationen: Als freigestellter Betriebsrat bezieht er ein Festgehalt, unabhängig von seiner Anwesenheit im Betrieb. Warum also hätte der Mann die Daten überhaupt fälschen sollen?

GewerkschafterInnen der NGG, ver.di und IG Metall waren vor Ort, um dem BR-Vorsitzenden von IHLE den Rücken zu stärken. Allerdings hatte auch der Friedberger Großbäcker eine Abordnung willfähriger KollegInnen entsandt, die gegen ihren eigenen Betriebsratsvorsitzenden Stimmung machten. Insbesondere eine IHLE-Führungskraft störte die Rede des NGG-Sekretärs Tim Lubecki fortgesetzt und wäre fast von der Polizei des Platzes verwiesen worden.
IHLEs "Beweise": Schwammig und widersprüchlich
Vieles, was die VertreterInnen von IHLE heute vor Gericht vorgetragen haben, erschien den ZuhörerInnen schwammig, widersprüchlich und nicht nur einmal fragte man sich, wohin der Arbeitgeber-Anwalt zielte: Zum Beispiel, wenn lang und breit über private E-Mails des Betriebsratsvorsitzenden lamentiert wurde, die dieser auf dem Firmenrechner empfangen und beantwortet haben soll. Benutzt hat er dafür nämlich ein Programm, das die IT-Abteilung von IHLE ihm genau für diesen Zweck selbst auf seinem Rechner installiert hat. Hallo?!

Die Fakten
Nach mehr als zweistündiger Verhandlung scheinen aber wenigstens einige Fakten klar geworden zu sein:
• Das Passwort, mit dem sich der BR-Vorsitzende in das Arbeitszeit-Programm von IHLE einloggt, teilt er sich mit anderen BR-Mitgliedern.
• Über den Zugang, der mit diesem Passwort freigeschaltet wird, sind KEINE Änderungen der erfassten Arbeitszeiten möglich. 
• Die Manipulationen wurden mit einem speziellen Admin-Passwort der IHLE-IT-Abteilung ausgeführt. 
• Während vollkommen unklar blieb, wie der Betriebsrat in den Besitz dieses Super-Passworts gelangt sein soll, gab IHLE zu, dass innerhalb von Personalabteilung und IT etliche Personen Änderungszugriff auf das Arbeitszeit-Programm haben. 
• IHLE hat vor Gericht auch mindestens eine Manipulation vorgelegt, die zu einem Zeitpunkt gemacht wurde, als sich der BR-Vorsitzende nachweislich im Ausland befand. Ein Fernzugriff von dort via Datenleitung ist technisch nicht möglich.  
• Und nicht zuletzt: Die Installation des Spähprogramms auf einem Betriebsrats-Computer bricht geltendes deutsches Recht, das bestreitet nicht einmal IHLE.
Trotzdem könnten die angeblichen Beweise in einem Kündigungsverfahren berücksichtigt werden, wenn das Gericht der Argumentation des Arbeitgeber-Anwalts folgt. Dieser behauptet, IHLE habe keinerlei andere Möglichkeiten gehabt, um die angeblichen Verfehlungen des BR-Vorsitzenden zu belegen. Ob das wirklich so ist und ob die mit illegalen Methoden herbeigeschafften Daten überhaupt aussagekräftig sind, wird die Kammer am 4. Oktober entscheiden. Bis dahin wurde die Verhandlung vertagt.

Was halten Sie von der ganzen Sache? Nutzen Sie unseren Kommentarlink unten, oder sagen Sie hier IHLE direkt Ihre Meinung!

Kommentare:

  1. Wenn ich mir diese angeblichen "Kollegen" angucke, die sich von Ihle dafür bezahlen lassen ihre eigene Vertretung auszuhebeln, kann ich nur sagen: man kann gar nicht so viele Brezeln essen, wie man davon Kotzen möchte! UNWÜRDIG!

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    1. Der Schlimmste von allen ist der Dieter Knobloch. Das ist der Bezirksleiter, der gestern immer gestört hat. Auf dem Foto sieht man ihn auch. Es ist der rote Typ in der Mitte, der den rechten Arm mit dem albernen Schild hochhäldt. Das Gesicht merke ich mir!!!

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    2. Die andern Verräter merke ICH mir.

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  2. Ein sehr guter Artikel. Endlich liest man mal die Einzelheiten, über die die AZ nicht berichtet. Warum eigentlich nicht???

    Für mich bleibt als Schlussfolgerung: Ihle geht es nicht um Recht und Gesetz, sonst würden sie beides nicht selber brechen.

    Es geht um die persönliche Vernichtung eines unbequemen Betriebsrats. Ihle inszeniert eine infame Kampagne gegen diesen Menschen.

    NICHT RECHT SONDERN RUFMORD – das macht Ihle!!!

    Ich kaufe meine Brez'n ab jetzt woanders!

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    1. Wenn Ihle mit seinen Stasi-Methoden durchkommt, dann ist das eine Bedrohung für ALLE Betriebsräte. Und für alle Angestellten. Überall.

      BEWARE OF THE BIG-BROTHER-BREZEL!!!

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  3. Genau! Und diese unsolidarischen … sollten wegen Störung des Betriebsfriedens rausgeschmissen werden!

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    1. Die werden bei der bevorstehenden Kündigungswelle eh entsorgt. Ihle geht es nämlich wirtschaftlich ziemlich schlecht, seit die nächste Generation übernommen hat.

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    2. Alle, die jetzt gegen Lothar demonstrieren, zeigen vor allem eins: sie kuschen! Ganz klar Kündigungsopfer – die andern könnten sich wehren. Und das hasst Ihle!

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  4. Hoffnungsträgerin14. September 2012 um 00:51

    Der Lothar ist ein Guter. Der kann gar nicht anders. Am Ende rettet der auch noch die, die ihn jetzt fertigmachen wollen!

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  5. Ralf Borgmann, Leute, ich gebe euch den Tipp:
    Tretet alle der Gerwekschafft, NGG bei.
    Ihr seht, zu was es dienlich ist. Die Arbeitgeber unterminieren die Hoheitsgebiete von Betriebsräten, dringen in Teretoriale Gebiete ein, die Gleichzustellen mit Botschaften sind, auf denen Sie nur mit den Botschaftern ( Bertriebsrat) gemeinsam sein dürften und nur auf deren Einladung hin!!!

    Einer wie Ihle, der den Hals nicht voll genug bekommen kann, seine Mitarbeiter ausnutzt, ist assozial!!
    Entweder die Arbeitgeber lassen deren Mitarbeiter von Ihrem Reichtum partizipieren, oder es werden Gewaltige Strukturelle Veränderungen in Deutschland eintreten.

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  6. Widerlich solche Kollegen zu haben.
    Haben die alle eine Gehirnwäsche bekommen? Das soll ein normaler Mensch kapieren. Wie kann man nur so sein?

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  7. Ich dachte immer das Beweise die aus illegalen Quellen stammen vor Gericht keinen Bestand haben? Das Gericht sollte mal erklären warum es solche Beweise überhaupt zugelassen hat. Beweise aus illegaler Spionagesoftware sind meiner MEinung nach ohne jegliche Geltung. Nur bei schweren Straftaten ( z.B. )Mord soll es da Ausnahmen geben.Langsam verstehe ich den deutschen Rechtsstaat nicht mehr. Wenn das so weitergeht schert sich kein Arbeitgeber mehr um das Gesetz. Tür und Tor für Videoüberwachung, AUsspitzelung von Mitarbeitern,mit allen möglichen technischen Mitteln würden zum Bagatelldelikt. Diese ganze Sache sollte sofort beendet werden. Der BR muss wieder eingestellt werden. Die Kündigung sollte als unwirksam erklärt werden.

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  8. Diese Verbrecher gehören öffentlich angeprangert. Firmenleitungen die so etwas anordnen gehören saftig bestraft. Als langjähriger Betriebsrat weis ich ja was rechtens ist und was nicht. wie kann überhaupt der Betrieb auf den Rechner zugreife? Normalerweise steht dem Betriebsrat eine eigen Leitung außerhalb des Betriebsnetzes zu. Desweiteren sollte man überprüfen ob sich nicht auch die "saubere" Firma Netz 16 mit dem erstellen und aufspielen der Software nicht auch strafbar gemacht hat. Wir hatten auch große Probleme wegen des damals längsten Brauerstreiks bei uns, aber so etwas hatte man sich doch nicht getraut. Ich hoffe das es in Deutschland d0och noch Gerechtigkeit giebt und der Kollege ohne wenn und aber wieder eingestellt wird und er einen sauberen Rechner erhält.

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  9. Was die Ihle Brüder verbrochen haben ist schon übel. Die Eltern von den beiden haben sich die Finger wund geschufftet und etwas aufgebaut was die beiden innerhalb weniger Jahre zerstört haben. Gelebt haben die Brüder doch nur von dem Geld was die Eltern erarbeitet haben. Selbst den Betrieb in Gersthofen konnten die Ihles nur errichten Dank der Kohle vom Ihle sen.
    Wer das System von Scientology kennt weiß wie die Organisation bei Ihle abläuft. Druck - Ausbeutung - Mobbing -
    Wer nicht mitmacht wird ausgekotzt. Außen Hui und innen Pfui. Solche Arbeitgeber belasten das Sozialsystem in unserem Land erheblich, denn wenn der Arbeiter nach 5 Jahren am Ende ist körperlich und psychisch, dann wird dieser erst mal krank und dann Arbeitslos auf den Markt gespuckt.
    Angst und Druck ist die Peitsche bei Ihle - der ganze Laden wird damit angetrieben. Die Leute welche vor dem Arbeitsgericht für Ihle sind wissen garnicht warum diese eigentlich da sind. Azubis werden benutzt, weil keine andere Wahl herrscht als zu machen was gesagt wird.
    Der Tag wird kommen, an dem das Kartenhaus Ihle einstürzt, zum Wohl der Beschäftigten, denn solche Ausbeuter machen Krank - Machtsucht und Gewissenloses handeln bringt auch die Ihle Brüder zur Strecke.

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  10. diese ganzen armen würstchen die hier schreiben wissen gar nicht wie es ist von einem BR täglich gemobbt zu werden nur weil er in seinem verkorksten leben noch nichts erreicht hat und 2 mal pleite ging. aber macht nur weiter so ihr werdet schon sehen was ihr davon habt. der denkt nur an seinen eigenen vorteil und wenn er am abgrund steht vergisst er euch armen schlucker alle.

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    1. Kann ja wohl nicht wirklich wahr sein. Ein Betriebsrat hat keinerlei Anweisungsbefugnissen in einem Unternehmen. Er muss sich mit alle seinen Änderungswünschen immer an die Geschäftsführung wenden.Nur diese darf dann handeln oder auch nicht. Grundlage allen Handelns eines Betriebsrates ist das Betriebsverfassungsgesetz. Wenn natürlich jemand einen Betriebsrat hasst der Gebrauch von diesem Gesetz macht und die Inhalte umsetzen will, dann hat dieser jemand eher ein Problem mit diesem Staat und seinen Gesetzen als mit dem Betriebsrat. Das sollte man dann aber nicht Mobbing nennen. Mobbing hat das Ziel jemanden aus dem Unternehmen zu bekommen. Ausserdem ist ein Betriebsrat gewählt. Änderungen oder Eigenkandidaturen sind alle vier Jahre möglich. Unter Umstände auch früher wenn eine Mehrheit im BR zustimmt. Auch die GL kann einen Betriebsrat auflösen bzw. das beantragen. Dies bedarf allerdings der Zustimmung des Arbeitsgerichtes.

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  11. Wenn sich nun einer strafbar gemacht hat, dann doch der Ihle oder? Klar ist nun nach dem Urteil des AG Augsburg, dass der Ihle eine Straftat nach dem Bundesdatenschutzgesetz begangen hat. Ich hoffe auch das kommt in die Öffentlichkeit, denn von Gesetzen hält der H. Ihle ja wenig. Mal schauen ob die Justiz diesem doch ach so edlen "Gönner und Sozial" wichtigen Zeitgenossen endlich mal sagt dass er eben nicht nur mit Heiligenschein rumschweben kann und die Menscheit ausbeuten kann.

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  12. Der Ihle nimmt es aber prinzipiell mit Gesetzen zum Arbeitsschutz nicht ganz so ernst lass es einfach mal 16 Tage am Stück arbeiten sein oder auch mal 10 h am Stück ohne ein bisschen Pause... We bekommt man über Monate nicht frei. Und das Bezirksleiter private Informationen von Filiale zu Filiale tragen is ja auch immer wundervoll ....Freizeitausgleich kennt der nicht und was gesetzliche Nachtruhe bedeutet steht anscheinend auch noch in den Sternen.

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