Montag, 26. Oktober 2009

Betriebsversammlung am Dienstag – offene Fragen willkommen!


Am morgigen Dienstag lädt der Betriebsrat zur Betriebsversammlung ein. Das ist der richtige Zeitpunkt, um kritische Fragen loszuwerden. Wenn Sie diese Fragen nicht selbst im großen Kreis stellen möchten, übernimmt das Ihr Betriebsrat für Sie.

Nutzen Sie diese Gelegenheit und schicken Sie Ihre Fragen und Diskussionsbeiträge an wb-betriebsrat@web.de.

Auf der Tagesordnung stehen außerdem folgende Punkte:

• Tätigkeitsbericht des Betriebsrats
• Aktuelles zum Projekt GRAziL (Verbesserung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes)
• Der Weltbildhaustarifvertrag zur Altersteilzeit (Stefan Kraft, Ver.di)
• Geschäftsbericht (Carel Halff, Leitender Geschäftsführer)

Die Teilnahme an der Betriebsversammlung zählt zur Arbeitszeit. Niemand darf Ihnen die Teilnahme verwehren – auch nicht indirekt durch das Ansetzen wichtiger Konferenzen o.ä.. Die Betriebsversammlung hat arbeitsrechtlich Vorrang!

Wir freuen uns auf Ihre zahlreiche Teilnahme und viele kritische Fragen!

Freitag, 23. Oktober 2009

Neuer Service: Infoblog jetzt mit RSS-Feed


Sie möchten sofort informiert werden, wenn im Weltbild Verdi Infoblog ein neuer Artikel online steht? Sie wollen wissen, ob es neue Kommentare zu den Beiträgen gibt? Dann können Sie ab sofort unseren kostenlosen RSS-Feed-Service nutzen. Die entsprechenden Buttons finden Sie oben in der linken Spalte dieser Website.

RSS (Really Simple Syndication) ist ein Service auf Webseiten, der, ähnlich einem Nachrichtenticker, die Überschriften mit einem kurzen Textanriss und einen Link zur Originalseite enthält. Die Bereitstellung von Daten im RSS-Format bezeichnet man auch als RSS-Feed (engl. to feed – im Sinne von versorgen, einspeisen, zuführen). Er liefert dem Leser, wenn er einmal abonniert wurde, automatisch neue Einträge. (Die vollständige Erklärung können Sie bei Wikipedia nachlesen.)

Diese Einträge können Sie in allen modernen Browser (z.B. Firefox) oder speziellen Feedreadern (z.B. Bloglines) anzeigen lassen. Sie können sich Aktualisierungen per E-Mail schicken lassen oder auf Ihrem Handy anzeigen.

Zugegeben: RSS-Feeds sind etwas für versierte Internet-NutzerInnen, und die Nutzung ist etwas gewöhnungsbedürftig. Aber LeserInnen, die viele Blogs verfolgen, und die Übersicht behalten wollen, schätzen diesen Service umso mehr. Nachdem wir einige Anfragen von unseren KollegInnen aus dem IT-Bereich erhalten haben, wollen wir ihnen diese moderne Technik natürlich nicht vorenthalten. Viel Spaß - wir halten Sie auf dem Laufenden!

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Aus für die Quelle: Missmanagement kostet mindestens 4.000 KollegInnen den Job!


Nun ist es also doch passiert: Die Quelle macht dicht. Nicht einmal vier Monate lang hat der staatliche Massekredit über 50.000.000 Euro das sinkende Dickschiff des deutschen Versandhandels über Wasser halten können. Ab 1. November stehen mindestens 4.000 KollegInnen auf der Straße. Experten rechnen mit dem Verlust von vielen hundert weiteren Arbeitsplätzen in den nächsten Monaten bei Dienstleistern und Lieferanten.

Der Untergang der Quelle ist ein Paradebeispiel für Misswirtschaft und Manager-Größenwahn. Erst 2005 hatte Thomas Middelhoff den Vorstandsvorsitz bei Quelle übernommen. Dabei hatte der smarte Manager weder Erfahrung im Einzelhandel noch als Sanierer kränkelnder Konzerne, zu denen die Quelle schon damals gehörte.

Bis 2002 hatte "Big T" mit dem Vermögen der Bertelsmänner spielen dürfen. Eigentlich sollte er in Gütersloh das Online-Geschäft ausbauen, und den Medienversand im Netz voranbringen. Stattdessen spekulierte er auf Teufel komm' raus - teilweise durchaus erfolgreich - bis es dem alten Mohn zu bunt wurde und er den Lautsprecher nach nur vier Jahren vor die Tür setzte. Wir erinnern uns: bertelsmann-online (bol) wurde zum Rohrkrepierer, der Club wird derzeit brutal restrukturiert, viele Ableger in Europa wurden schon dicht gemacht. Middelhoff störte das wenig: Er ging mit einer fetten Abfindung.

Dieser Mann sollte nun die Quelle retten? Statt für Umsätze und Gewinne zu sorgen, verpasste Middelhoff dem Konzern erstmal für viel Geld neue Namen: Arcandor bzw. Primondo. Er spielte weiter mit dem Geld, dass die MitarbeiterInnen über Jahrzehnte erwirtschaftet hatten, kaufte Firmen hinzu, ließ sich am Ende gar auf windige Immobiliengeschäfte ein, für die er sich demnächst womöglich vor Gericht verantworten muss. Im Dezember letzten Jahres schließlich verlässt Middelhoff die Quelle bzw. Arcandor. Der Turnaround sei geschafft, verkündet er großspurig. In Wirklichkeit ist der Untergang nicht mehr aufzuhalten.

Die Angebotspolitik stimmt nicht, Synergien zwischen Warenhäusern und Versand? Fehlanzeige. Und im Internet kommt der größte deutsche Versender auch nicht voran. Die Manager kriegen den Moloch Arcandor einfach nicht in den Griff, können oder wollen die strategischen Fehlentscheidungen nicht korrigieren. Die MitarbeiterInnen verzichten auf ihre Gehälter, schließlich springt sogar der Staat ein. Am Ende hat es nichts genutzt.

Jetzt ist Weltbild mit 1.940.000.000 Euro Jahresumsatz der Branchenprimus. Bleibt zu hoffen, dass unsere Manager darüber nicht größenwahnsinnig werden, sondern aus den Fehlern der Quelle lernen und in Augsburg die richtigen Weichen stellen. Der rigide Sparkurs, den die Geschäftsführung derzeit fährt, ist jedenfalls eine wenig unternehmerische Antwort auf die Veränderungen in der Versandhandelslandschaft.

Interessante Artikel zur Quelle-Pleite:




Montag, 19. Oktober 2009

Wie erkenne ich Mobbing??


Jeder kennt den Begriff und verwendet ihn. Aber was ist Mobbing eigentlich genau?
Für „Mobbing“ gibt es keine gesetzliche Definition, wie es etwa bei der sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz (vgl. §2 Abs. 2 Beschäftigtenschutzgesetz) der Fall ist. Es gibt eine Reihe das Phänomen beschreibender, meist arbeitswissenschaftlicher Begriffsbestimmungen, bei denen das zum Ausdruck kommt, was Mobbing letztendlich ausmacht: die Verbundenheit einzelner Handlungen durch ein unsichtbares „Band“. Insoweit kann Mobbing durchaus mit einer Perlenkette verglichen werden: Ist die einzelne Perle auch noch so unbedeutend, so wächst ihr Wert mit dem Hinzukommen weiterer Perlen, wobei der Faden die Verbindung zwischen den einzelnen Perlen herstellt.

Definition des Bundesarbeitsgerichts: Mobbing ist das systematische Anfeinden, Schikanieren oder Diskriminieren von Arbeitnehmern untereinander oder durch Vorgesetzte.

Motive der Mobber und Folgen für die Gemobbten
Für eine Repräsentativstudie wurden Mobbingbetroffene nach den Motiven gefragt, die nach ihrer Einschätzung zu Mobbing geführt haben. Hier die Antworten:

Ich wurde gemobbt, weil ich ... bzw. wegen ... (Mehrfachnennungen waren möglich)
• unerwünschte Kritik geäußert habe (60,1 %)
• als Konkurrenz empfunden wurde (58,9 %)
• der/die Mobber neidisch auf mich war/waren (39,7 %)
• es Spannungen zwischen mir und meinem Vorgesetzten gab (39,4 %)
• meiner starken Leistungsfähigkeit (37,3 %)
• ein Sündenbock gesucht wurde (29,1 %)
• meines Arbeitsstils 28,5 %...
• der/die Mobber meinen Arbeitsbereich an sich ziehen wollte/ wollten 24,8 %...
• meiner angeblich unzureichenden Leistungen 23,3 %...
• neu in die Abteilung/Gruppe gekommen bin 22,1 %...
• meines persönlichen Lebensstils 17,7 %...
• eine Mann bzw. eine Frau bin 12,5 %...
• meines Aussehens 9,1 %...
• meiner Nationalität 3,8 %...
• meiner sexuellen Orientierung 2,3 %
• Sonstige Motive 28,2 %
• Ich weiß nicht, weshalb ausgerechnet ich gemobbt wurde 7,9 %

Fühlen Sie sich gemobbt??
Machen Sie den Mobbing Test und lesen Sie bitte auch die Auswertung durch!

Zum Mobbing-Check hier klicken.

Sollte sich bei dem Test heraustellen, das Sie gemobbt werden, machen Sie sofort einen Termin beim Betriebsrat. Warten Sie keinen Tag länger, denn Mobbing macht krankt und hört nicht von selber auf. Sie erreichen uns während unserer Bürozeiten von Mo. bis Fr. zwischen 7-17 Uhr unter den Durchwahlnummern im Haus: -2450; -4950; -4722; -9518

Noch eine Seite mit Beratungsstellen und Infos rund um das Thema Mobbing finden Sie hier: Mobbing-Web

Sonntag, 18. Oktober 2009

Ergebnis der Umfrage "Wie gefallen Ihnen die neuen Plus-Filialen?"


Nachdem einige Plus-Filialen ein neues Design verpasst bekamen, feierte die Geschäftsführung das gleich als großen Erfolg. Aus der jüngeren Vergangenheit wissen wir ja, was von diesen Verlautbarungen zu halten ist. Wir wollten deshalb von Ihnen wissen, wie Sie persönlich die Umgestaltung finden.

Die Meinungen in der Belegschaft sind geteilt:

40% finden das neue Laden-Konzept überzeugend, und meinen "Das bringt neue Kunden!"
31% finden das neue Filial-Outfit schlecht: "Das kostet sinnlos Geld!"
13% meinen "Scheußlich – schlimmer als das alte Konzept!"
13% halten das Redesign für irrelevant: "Das hätte man genauso gut lassen können!"

In unserer neuen Umfrage möchten wir wissen: Wie motiviert gehen Sie heute an die Arbeit?

Im Juli vergangenen Jahres ließ Focus die Bombe vom – klammheimlich verhandelten – Weltbild-Verkauf platzen. Seit Anfang des Jahres durchkämmt die Unternehmensentwicklung alle Abteilungen und setzt KollegInnen auf die Straße. Sicher hat das auch Auswirkungen auf Ihre persönliche Arbeitsmotivation. Stimmen Sie mit ab und zeigen Sie der Geschäftsführung, welche langfristigen Folgen Geheimnistuerei und eine rücksichtslose Personalpolitik haben.

Samstag, 17. Oktober 2009

Die Kirche und die Finanzethik


Während die Unternehmensentwicklung bei Weltbild in McKinsey-Manier den Besen schwingt, hält unser Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Klaus Donaubauer christliche Reden vor der Industrie- und Handelskammer (IHK). Über den Vortrag "Brauchen wir eine neue Finanzethik?" berichtete die AZ kürzlich:
Auch die Kirche sei den Bedingungen der Wirtschaft unterworfen und beispielsweise vor Entlassungen in der Zukunft nicht gefeit. Auch die Leiharbeit im Weltbildverlag, von einigen Zuhörern deutlich kritisiert, sei moralisch vertretbar. „Man kann der Kirche und dem Weltbild-Verlag nicht vorwerfen, dass sie sich legaler Möglichkeiten bedienen, damit das Unternehmen weiter existieren kann. Wenn die Firma das nicht tun würde und dadurch schließen müsste, würden Tausende ihren Arbeitsplatz oder ihre Verdienstmöglichkeiten verlieren - das wäre unethisch.“
Wie ist das zu verstehen? Die Kultur des Maßhaltens, langfristige Ziele, der Mensch im Mittelpunkt (…) und was unser Oberboss sonst Salbungsvolles gefordert hat, gelten offenbar nur so lange als erstrebenswert, bis es ans Eingemachte geht: an das Geld der Kirche. Dann ist Schluss mit Predigen und der gesetzliche Rahmen ersetzt den christlichen Anspruch! Schlimm, wie wenig Selbstbewusstsein die Kirche als moralische Instanz noch hat – und peinlich, wenn Donaubauer meint, das durch "Gespräche und Öffentlichkeitsarbeit" auch noch verbreiten zu müssen!

Den kompletten Artikel kann man hier nachlesen und im AZ-Forum kommentieren: Augsburger Allgemeine

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Nach der Restrukturierung – einE KollegIn berichtet


Die Zeit der großen Aufregung in unserer Abteilung ist vorbei. Die Karawane der Unternehmensentwickler ist weitergezogen – und hat gottlob nur geringe Schäden hinterlassen. Wir alle wurden ein bisschen durchgemischt, haben neue Aufgaben hinzubekommen, und im Endeffekt jetzt (natürlich) mehr Arbeit auf dem Tisch als vorher.

Trotzdem beschwert sich kaum jemand. Warum bloß?

Grund Nr. 1: Alle sind froh, dass sie noch einen Arbeitsplatz bei WB haben.

Grund Nr. 2: Die gebetsmühlenartig von unseren kleinen, großen und ganz großen Chefs vorgetragenen Aussagen a) und b).

Aussage a): Die Arbeit ist ja weniger geworden. Die Projekte x,y und z wurden gecancelt und außerdem produzieren wir ja sowieso weniger Output als im vorigen Geschäftsjahr…

Aber die Wahrheit ist: Das war bestenfalls eine Momentaufnahme zum Zeitpunkt X. Inzwischen sind aber die Projekte a,b, und c neu hinzugekommen – und das Projekt n hat sich im Umfang verdoppelt… Und das alles bei deutlich reduziertem Personal (Elternzeit, Versetzungen, zusätzliche, neue Aufgaben).

Wie wird das alles bewältigt? Durch Überstunden (siehe Zeitkontosalden) und Outsourcing (freie Mitarbeiter).

War das der Zweck der Übung? Ist das wirklich kostendämpfend?

Aussage b): Die technischen Fortschritte, Synergien und Standardisierungen sowie besonders die Programmerweiterung »easy going« lässt uns alle doppelt so schnell arbeiten – bei gleichbleibender Qualität…

Aber die Wahrheit ist: Bei unseren Standardisierungen gibt es mehr Ausnahmen als Standards, die eine vermeintliche Zeitersparnis glatt wieder wegfressen. Und die neuen Programme machen hauptsächlich dadurch von sich reden, dass sie erwartet oder unerwartet »downtime« feiern und alle 14 Tage eine neue Version installiert werden muss. Immer öfter hört man im Kollegenkreis die Aussage: "Früher ging's leichter und schneller."

Fazit: Wir haben weniger Leute und mehr Arbeit. Und das Tollste ist:
Wir fühlen uns gut dabei!

(Jedenfalls bis die ersten umkippen: Burnout, Bandscheibenvorfall, Kreislaufkollaps und Co. lassen grüßen.)

Und wie seht ihr das? Schreibt uns hier, wie die Arbeit in eurer Abteilung läuft.

Samstag, 10. Oktober 2009

Bei Umstrukturierung in eine andere Abteilung versetzt!


Ist die Versetzung tatsächlich als eine neue Chance zu sehen, oder ist der neue Arbeitsplatz ein Schleudersessel? Das fragen sich viele KollegInnen, die vor die Wahl gestellt werden: Kündigung oder Arbeitsplatzwechsel.

Hierzu gibt es einen konkreten Fall, in dem die Kolleginnen nur schleppend eingearbeitet, im Team nicht wirklich aufgenommen und integriert wurden. Auf Fehler, die ihnen unterlaufen sind, wurden sie nicht von den Kollegen hingewiesen, sondern bei der Vorgesetzten „angeschwärzt“!!

Diese „Fehler“ sollten ihnen dann zum Verhängnis werden, wenn es nach der Personalabteilung und der Vorgesetzten gegangen wäre: Es wurde ihnen ein „Angebot“ gemacht mit Abfindung zu gehen, einen Arbeitsplatz mit mehr als einer Lohngruppe Verlust anzunehmen, oder es würde ihnen eine Abmahnung erteilt werden und dann noch eine, wenn sie weiterhin Fehler machen würden. Dann müssten sie sowieso gehen!!

Nach Einschalten des Betriebsrates stellte sich heraus, dass die Fehler nicht einmal genau zuortenbar auf Personen waren. Es gab natürlich keine Abmahnung, da kein Grund da war und die Kolleginnen sind weiter auf ihrem Arbeitsplatz.

Nun gibt es eine neue Strategie gegen die Kolleginnen! Sie schaffen das Pensum angeblich nicht. Der wurde so hoch geschraubt, dass es nicht zu schaffen ist.

Der Betriebsrat unterstützt die Kolleginnen natürlich weiterhin, damit sie sich nicht entmutigen lassen und nicht aufgeben, obwohl sie einem enormen Druck ausgesetzt sind.

Es stellt sich hier die Frage, wie ernst es dem Unternehmen damit war, den Kolleginnen den Arbeitsplatz zu sichern. Es sieht wohl eher danach aus, dass sie auf Umwegen doch aus dem Haus „komplimentiert“ werden. Zudem glauben wir, dass es damit zu tun hat, dass es sich um Kolleginnen handelt, die in Teilzeit arbeiten, und dies dem Arbeitgeber ein „Dorn“ im Auge ist.

Wir wollen hier nicht pauschalisieren, jedoch finden wir es schon erwähnenswert, wie mit langjährigen Kolleginnen hier im Hause umgegangen wird.

Donnerstag, 17. September 2009

"Schöne neue Welt" im Internet


Der australische Medienmogul Rupert Murdoch ist bekannt für seinen unersättlichen Appetit, wenn es darum geht sein Medien-Imperium zu vergrößern. Und er ist berüchtigt für die Gier, noch den letzten Cent aus seinen Unternehmen herauszupressen. Daneben ist Murdoch aber auch ein Freund offener Worte. Auf einer Konferenz der ehemaligen Investmentbank Goldman Sachs gab Murdoch diese Woche zu Protokoll:

"In Zukunft werden immer mehr Leute ihre Nachrichten auf mobilen Geräten lesen anstatt auf gefällten Bäumen. Das wird nicht sofort passieren, es kann noch 20 Jahre dauern. Aber dann wird es kein Papier mehr geben, keine Druckereien, keine Gewerkschaften. Das wird eine großartige Zukunft. Nehmen Sie das Wall Street Journal. Wir haben 17 Druckereien, sieben weitere haben wir bereits geschlossen und ausgelagert. Jedes Mal wenn wir das tun, reduzieren wir die Personalkosten und sparen Unmengen Geld." Text im Original lesen

Kommt Ihnen das bekannt vor? Dr. Driever und Herr Halff werden nicht müde, das Internet als virtuellen Ort der Verheißung für Weltbild zu propagieren. Träumt vielleicht auch unsere Chefetage von einer Zukunft ohne Papier, Druckereien und Gewerkschaften? Dann sollten Sie und wir jetzt etwas dagegen unternehmen:


Mittwoch, 16. September 2009

Die "10 Gebote" von Weltbild – Teil 2


Seit 2003 gelten bei Weltbild offiziell "Unternehmensleitlinien". Wir hinterfragen in einer kleinen Serie, ob diese Leitlinien das Papier wert sind, auf dem sie geschrieben wurden. Den ersten Teil unserer Serie können sie hier nachlesen und kommentieren.

§2: Unsere Kunden
Unsere Zielgruppe ist das breite Publikum. Wir orientieren uns hierbei besonders an dem Bedarf und den Erwartungen von jungen Familien mit Kindern, ohne dabei andere Gruppen wie Senioren oder Singlehaushalte auszuschließen.

Wir meinen:

Die Aussage ist so ungenau wie das derzeitige Weltbild-Programm austauschbar. Blättern wir doch einmal gemeinsam durch den aktuellen Katalog: Auf den ersten Seiten der gefühlte 100 - 110. Aufguss der "Wanderhure" und ihre Epigonen. Dann folgen auf eine Strecke mit leichter und leichtester Unterhaltungsliteratur familienfreundliche Thriller wie "Der Tod kommt wie gerufen", "Leichenraub" und "Der Kruzifix-Killer". Weiter geht es mit Fantasy ("Die Orks – Blutnacht") und Vampir-Geschichten ("Biss I - IV"), an die sich Heimatromane anschließen. Über eine kurze Sachbuch-Strecke geht es zu Kochbüchern und Gesundheitsratgebern, es folgt wiederum Sachbuch, ein paar Schnäppchen-Seiten und schließlich eine kleine "Kinderecke".

In der Katalogmitte verabschiedet sich das Buch und macht Platz für Kalender, Kleinmöbel, allerlei nützliche Helferlein, Dekoartikel und Heimwerkerbedarf. Neues Highlight auf den Seiten 180/181: Weltbild-Wurstwaren. Der Katalog endet mit Computerspielen, DVDs und Musik-CDs.

Unser Fazit:

Beim Versuch es allen und jedem recht zu machen, bietet Weltbild ein buntes Sammelsurium feil. §2 der Unternehmensleitlinien wird damit eingelöst. Eine echte programmatische Idee können wir zwischen Wanderhuren und Wurstwaren allerdings nicht erkennen. Vor dem Hintergrund spektakulärer Pleiten großer Universalversender (Quelle) stellt sich uns auch die Frage, ob diese Strategie wirklich Erfolg versprechend sein kann oder mittelfristig zum Verlust weiterer Arbeitsplätze führen wird.

Bedenklich finden wir auch die neuen Angebote zur Ratenzahlung. Während Schuldnerberatungen beklagen, dass gerade junge Familien und untere Einkommensschichten durch immer neue und nur vorgeblich günstige Kreditangebote in den finanziellen Crash gelockt werden, bietet Weltbild bereits ab 54,- Euro die Ratenzahlung an. Und das zu einem Zinssatz, der mit einem effektiven Jahreszins von 14,99% deutlich über den Dispokonditionen der Sparkassen liegt. Ist es moralisch zu verantworten, Menschen zum Kauf von Bauch-Weg-Trainern und Geld-Zähl-Maschinen (Katalogrückseite, 29,99 Euro) zu verführen, die sich diese Dinge ganz offenbar nicht leisten können? Das ist eine Frage, die vielleicht am besten die Sozialdienste der Kirche beantworten können, die Betroffene hinterher aus der Schuldenfalle befreien dürfen.

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