Freitag, 9. Juli 2010

Das Wort zum Freitag: Rätselhaft


Ohne Rätsel wäre das Leben stinklangweilig. So fad wie Spaghetti Pesto Genovese ohne Pinienkerne oder ein sommerlicher Freibadbesuch ohne ein Eis vom Kiosk. Rätsel bringen Schwung in Arbeitsleben und Freizeit und entkalken unsere Gehirnwindungen.

Allerdings gibt es auch Rätsel in Menschengestalt, die uns permanent überfordern. Wie z.B. der lybische Staatschef Muammar al-Gaddafi oder der eigene Ehepartner.

Dafür freuen wir uns über die prickelnden Rätsel, mit denen uns talentierte Romanautoren und gewiefte Filmemacher bestens unterhalten: filigran gestrickte Rätsel-Plots, die mit klarem Kopf und einer überdurchschnittlich hohen Intelligenz durchaus zu entwirren und zu lösen sind. Wenn nicht, dann war es halt ein open end!

Noch anspruchsvoller als diese Plot-Mysterien sind intellektuell angehauchte Denksporträtsel, die sämtliche Hirnsäfte brodeln lassen, wie diese harte Rätsel-Nuss, die mir eine Kollegin kürzlich zum Knacken anbot: Mit welchem Begriff lassen sich »Freiheit«, »Überzeugung« und »Hoffnung« zusammenfassen?

Hmh, ahja, okay … Schnell gab ich zu, überfordert zu sein. Das sei etwas für Philosophie-Professoren, meinte ich. Und doch ließ es mir keine Ruhe. Es muss doch ein Wort geben, wo Freiheit, Überzeugung und Hoffnung inhaltlich gleichzeitig drinstecken? Und dann hatte ich eine Idee.

Freiheit … – existiert da nicht eine Partei, die den Begriff in ihrem Namen trägt? Eine Partei, die momentan desaströse Umfragewerte verdauen muss? Obwohl ihre leitenden Funktionäre, allen voran ein Mitglied der Bundesregierung, felsenfest zu ihren programmatischen Überzeugungen und politischen Zielen stehen. Auch wenn diese Felsen nicht aus Granit sondern eher aus Sandstein bestehen, das angesichts der immer kraftvoller heranrauschenden Sparpolitik-Wellen inzwischen ganz schön löchrig und porös geworden ist.

Aber das erschüttert die Grundüberzeugung der Partei-Leader natürlich nicht im geringsten: Zu einer klaren liberalen Handschrift gehört selbstverständlich die Forderung nach Steuersenkungen!

Und schon sind wir bei der Hoffnung. Denn natürlich hoffen die sich liberal nennenden Politiker, dass es irgendwann einmal möglich sein wird, »die Mitte zu stärken«, sie steuerlich zu entlasten. Und sie hoffen auch, bei den nächsten Wahlen die 5-Prozent-Hürde zu überspringen.

Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Ob allerdings der Vorsitzende der Partei, deren Name natürlich die Lösung des Rätsels ist, noch aktiv am politischen Geschehen mitwirken darf, wenn sich diese Hoffnung erfüllen sollte, steht in den Sternen.

Egal, hauptsache ich hab’ die Lösung: Freiheit + Überzeugung + Hoffnung = FDP. Klingt gar nicht schlecht, sollte ich mir patentieren lassen. Wäre vielleicht ein guter Wahlkampfslogan …

Kommentare:

  1. Nachdem das WM-Getröte nun endlich vorbei ist, haben vielleicht schon ein paar Mitbürger mitbekommen, was die Bundesregierung ihnen in der Zwischenzeit klammheimlich untergejubelt hat.
    Dazu kann man nur sagen:

    http://www.youtube.com/watch?v=qCYRxHz-OY0

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  2. Verkappte Talente?...In dieser Firma gibt es offensichlich ein großes Potential an Leuten, die in der Rubrik "Das Wort zum Freitag" Ihre Begabung für - sagen wir - "gehobenen Journalismus" ausleben wollen. Meistens gut, manchmal aber auch zu gekünstelt akademisch. Die Frage, wozu das Ganze, und "Was will Er/Sie eigentlich damit sagen...?" muss man sich leider zu oft stellen!

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  3. Für meinen Teil finde ich 'Das Wort zum Freitag' immer wieder lesens- und bedenkenswert, vor allem aber belustigend - auch in einer Zeit, wo manchem das Lachem im Halse stecken bleibt bei der täglich neu erlebten Politik des Neo-Liberalismus à la Westerwelle/Merkel und so vielen im Lande das Lachen längst vergangen ist.

    Dennoch meine ich, dass man die eigene Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Themen immer weiter betreiben sollte, z.B. durch Beschäftigung mit Seiten wie http://de.wikipedia.org/wiki/Neoliberalismus oder http://insmwatchblog.wordpress.com/

    Und Glossen wie dieses 'Wort zum Freitag' regen dazu mit ihren satirischen Seitenhieben sicherlich auch an.

    Und übrigens: "Humor ist, wenn man trotzdem lacht!"

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