Dienstag, 11. November 2014

Kommt Walter P. J. Droege zur Betriebsversammlung?


Der Betriebsrat hat den Mehrheitseigner Walter P. J. Droege mit einem offenen Brief zur Betriebsversammlung am Mittwoch in Augsburg eingeladen. Wir dokumentieren das Schreiben hier.

Sehr geehrter Herr Droege,

wir, der Betriebsrat der ehemaligen Verlagsgruppe Weltbild, schreiben Ihnen heute diesen Brief, weil wir uns einen letzten Rest Hoffnung bewahrt haben. Hoffnung darauf, dass die Aussagen, das gegebene Wort und der Handschlag eines erfolgreichen Unternehmers mehr wert sind, als die heiße Luft, die uns nunmehr seit Wochen aus den Aussagen Ihrer/unserer Weltbild-Retail Geschäftsführung entgegenweht.

Als uns Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz Ende Juni 2014 die Droege Group als neuen Investor für die Verlagsgruppe Weltbild vorstellte, ging ein Ruck der Erleichterung durch unsere gesamte Belegschaft. Nach den harten Monaten der Insolvenz und der bitteren Massenkündigung von mehr als 500 langjährigen KollegInnnen Anfang April – die von uns als notwendiger Einschnitt im Rahmen des Fortführungskonzeptes Weltbild 2.0 mitgetragen wurde – hatte der bis dahin favorisierte Investor Paragon erneut für große Unsicherheit und schlimmste Befürchtungen in der Belegschaft gesorgt. Paragons Pläne, wonach nochmals bis zu 250 Arbeitsplätze vernichtet werden sollten, waren mit dem Einstieg der Droege Group vom Tisch.

Bei Ihrem ersten Besuch in Augsburg am 23. Juli 2014 haben wir Sie, Herr Droege, als engagierten und integren Unternehmer kennengelernt. Gegenüber mir als Betriebsratsvorsitzenden und anderen Betriebsräten habe Sie u.a. geäußert, es werde mit Ihnen keine weiteren Kündigungen geben - denn: “Ich will Ruhe im Laden haben ...”


Auch von Insolvenzverwalter Geiwitz wurden Sie uns als der perfekte Übernehmer präsentiert: Solide, zuverlässig, in die Zukunft und auf langfristiges Engagement gerichtet – “keine Heuschrecke.”

Was ist heute, nicht einmal zwei Monate nachdem Sie uns in Augsburg Ihre neue Geschäftsführung für die Weltbild Retail vorgestellt haben, davon noch übrig? Nichts. Die Vorschusslorbeeren sind verwelkt, das in Sie und die neue Weltbild-Führung gesetzte Vertrauen ist verbrannt.

Die seit Anfang Oktober im Amt befindliche Geschäftsführung agiert kopflos und konfus. Sie hat binnen weniger Wochen nicht nur jegliches Vertrauen in der Belegschaft verspielt, sondern – viel schlimmer noch – durch die radikale Zusammenstreichung des Marketingetats das für uns so wichtige Weihnachtsgeschäft abgewürgt.

Den Tiefpunkt dieser Entwicklung stellte in der KW 45 die Ankündigung der Geschäftsführung dar, ca. 200 KollegInnen aus der Weltbild Retail entlassen zu wollen, 100 davon noch vor Weihnachten. Sie, Herr Droege, können sich gewiss vorstellen, was diese Nachricht in einer Belegschaft auslöst, die sich jetzt ein Jahr lang beide Beine ausgerissen hat, um den Fortbestand unseres Unternehmens möglich zu machen – und die bis heute an eine gute Zukunft der Weltbild Retail glaubt.

An eine erfolgversprechende und langfristige Fortführung der Weltbild Retail mit einer nochmals halbierten Belegschaft kann niemand ernsthaft glauben. Das Zukunftsmodell Weltbild 2.0. – von Roland Berger, Insolvenzverwaltung und Arbeitnehmervertretern gemeinsam erarbeitet – wäre damit zum Tode verurteilt.

Auf der anderen Seite haben uns die Herren Hofmann, Böhm und Robertz bis heute keinerlei tragfähiges Geschäftsmodell auch nur ansatzweise skizzieren können ... Wie soll es unter diesen Umständen mit unserer Firma weitergehen? Wir, als Betriebsrat, können es unserer Belegschaft nicht mehr sagen. Vielleicht können Sie es.

Gerne geben wir Ihnen deshalb die Gelegenheit auf unserer Betriebsversammlung am 12. November in Augsburg zu sprechen. Wir laden Sie ein, allen Kolleginnen und Kollegen Ihre Sicht der Dinge zu erläutern und die Zukunftsperspektive für Weltbild Retail & Also Logistik zu verdeutlichen.

Vielleicht können Sie, Herr Droege, bei dieser Gelegenheit verlorenes Vertrauen in einen Unternehmer von “altem Schrot und Korn” zurückgewinnen.

Wir würden es Ihnen und uns wünschen.

Mit freundlichen Grüßen
Peter Fitz
Betriebsratsvorsitzender der Weltbild Retail GmbH & Co. KG & Also Logistik, Augsburg

Kommentare:

  1. Sicher: Ihr müsst der anderen Seite eine Möglichkeit geben, sich zu erklären zu den Vorgängen. Aber einen Gegensatz zwischen der Geschäftsführung und Droege aufzubauen, ist ein Witz. Die Geschäftsführer gehen nicht mal aufs Klo, ohne dass es Droege ihnen gesagt hat. Was soll das also, den Droege will ich gar nicht sehen, sonst könnte ich ausrasten. Der soll euch sagen, was er will - einen kleinen Internetladen Weltbild mit ein paar Leuten oder Retail ganz schließen -: Das reicht. Und dann müsst ihr endlich mal aus den Puschen und den Weihnachtsladen blockieren. Niederstreicken, dass in ganz Deutschland sichtbar wird, wie uns der Düsseldorfer Milliardär verarscht hat. Und wenn ihr dazu keinen Mumm habt, braucht es auch keine Betriebsversammlung.

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  2. Jetzt werden wir sehen was wir Hr. Droege Wert sind.

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  3. Wenn er kommt kann er sicher erklären was Werte und Kultur für Weltbilb bedeutet?

    Das Schreibt Droege auf seiner Internetseite - habe ich was FALSCH verstanden???

    Unsere Werte und Kultur
    Für unsere Unternehmensgruppe suchen wir „Umsetzer“ – Menschen, die mit fachlicher Kompetenz überzeugen und mit Herz begeistern. Unser besonderer Unternehmensstil und unsere Werte manifestieren sich in den Punkten:

    Innovationskraft: Ständige Weiterentwicklung unserer Umsetzungs-Kompetenz mit neuen Ideen
    Vertrauenswürdigkeit: Höchste Integritätsstandards sind der Maßstab für unser Handeln
    Nachhaltigkeit: Wir sind im Unternehmertum mit langfristigem Denken verwurzelt
    Kundenorientierung: Wir streben nach ungewöhnlichen Lösungen und teilen das Risiko
    Professionalität: Qualität ist entschiedener Differenzierungsfaktor unserer Arbeit
    Zusammenarbeit: Wir stellen kooperative Zusammenarbeit über Alleingängertum
    Vernetzung: Wir arbeiten interdisziplinär mit Wissenschaft, Kunst und Kultur
    Umsetzung von Anfang an: Wir legen besonderen Wert auf den Menschen im Mittelpunkt

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    1. Hast alles richtig verstanden...und wenn er sich nicht erklärt wissen wir Bescheid!

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  4. Der komm doch nicht... Wenn doch, fress ich einen Besen.
    Der ist doch viel zu feige und schickt lieber seine Lakaien vor...

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    1. Kann mir nicht vorstellen, dass einer der Lakaien kommt. Die Erzählen ihren Mist auch lieber der Presse als den Kollegen und Mitarbeitern (siehe heutige Ausgabe der AZ).

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  5. Die Betriebsversammlung könnt ihr absagen. Wie immer kommuniziert man von oben über die Zeitung: http://www.augsburger-allgemeine.de/wirtschaft/Neue-Weltbild-Chefs-verteidigen-Entlassungsplaene-id31977007.html

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  6. Ich glaube für den Herr Dröge ist Weltbild keine seiner Firmen, sondern in Gedanken schon lange entsorgt. Daher sind ja auch alle Mitteilungen zu Weltbild von der Dröge Homepage entfernt worden.
    Er wollte günstig das Logistikzentrum und schaut jetzt nur noch was er von Weltbild braucht damit Also zurecht kommt.

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  7. Ich bin im Unternehmen bereits nicht mehr beschäftigt. Ganz ehrlich, ich würd mir ne neue Arbeit suchen, bevor die nächsten 200 Leute auf der Straße stehen. Augsburg hat grad nicht so viel anzubieten...

    Hier ein paar Stellen:
    Fachkraft für Lagerlogistik bei Medprofi, Großhandel für Praxis und Laborbedarf in Augsburg
    Fachkraft für Lagerlogistik - Fritz Nitzsche GmbH & Co.KG in Aichach
    Lagermitarbeiter - Norma GmbH u Co KG Lebensmittelfilialbetriebe jetzt noch in Lechhausen / ab Feb. in Laimering

    Viel Glück :-)


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    1. Hoffentlich wird das heute nicht wieder eine "Hau drauf" Veranstaltung. Ich habe keine Lust mehr auf Hetzparolen

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    2. Danke für den Tipp. Genau das will Dröge doch: Dass alle weggehen und der Milliardär sich die Abfindungen sparen kann. Nein, bleiben und kämpfen bis zum letzten Blutstropfen. So leicht soll uns der Milliardär mit seinen "Geschäftsführern" nicht wegkommen. Geschäftsführer führen Geschäfte, tun was, damit Geschäfte laufen. Die drei GFs haben aber bisher nichts getan, um die Geschäfte wieder nach oben zu bringen, sondern das Gegenteil. Sie pressen die verbliebenen Leute noch weiter aus, damit unterm Strich der Reibach stimmt. GV, Geschäftsvernichter, sollte ihr Titel meiner Meinung nach sein.

      Habt Geduld Leute, bleibt sitzen, der Erste, der sich rührt hat verloren! Anwalt nehmen, Abfindung kassieren - auch in ein paar Monaten sucht Norma noch Billiglöhner und der Medprofi Leute, die für 200 Euro mehr als Harz IV ihre Gesundheit ruinieren. Über jeden, der jetzt geht, wiehert Heddas Pferd. Oder warum denkt ihr sind unsere drei neuen "GV" so gut im Mitarbeiterkegeln und Gute-Kinderstube-Vergessen? Oh hängt sie auf, oh hängt sie auf, oh hängt sie auf ... die Kränz von Lorberbeeren!

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  8. Es gibt Firmenchefs mit Charakter - Hr. Droege gehört sicherlich nich zu denen

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