Donnerstag, 1. Dezember 2011

Was erwarten Sie vom neuen Vorsitzenden des Weltbild-Aufsichtsrats?


Die Verlagsgruppe Weltbild hat gestern eine Presseinformation herausgegeben, die das Weltbild-ver.di-Blog hier dokumentiert:
Weltbild: Generalvikar Peter Beer ist neuer Vorsitzender des Aufsichtsrates 
Der Generalvikar des Erzbistums München und Freising Peter Beer (45) ist
neuer Aufsichtsratsvorsitzender der Verlagsgruppe Weltbild GmbH. Der
Aufsichtsrat wählte Generalvikar Beer einstimmig am 30. November 2011 in
Augsburg zu seinem Vorsitzenden. Sein Stellvertreter ist der Regensburger
Generalvikar Prälat Michael Fuchs. Generalvikar Beer und Generalvikar Fuchs
wurden am 22. November 2011 neu zu Aufsichtsräten der Verlagsgruppe
bestellt, ebenso Prälat Dr. Georg Holkenbrink, Generalvikar des Bistums
Trier. 
Dem Aufsichtsrat gehören zudem an
- Dr. Paul-Bernhard Kallen, Hubert Burda Media
- P. Dr. Hans Langendörfer SJ, VDD
- Dr. Matthias Meyer, VDD
- Dr. Albert Post, Bistum Fulda
- Dr. Stefan Schmittmann, Commerzbank 
Generalvikar Beer nach seiner Wahl: "Ich freue mich, das Unternehmen und
seine vielen Mitarbeiter kennen zu lernen. Vor uns liegt viel Arbeit. Wir
werden mit Sorgfalt an die große Aufgabe gehen, die uns die Gesellschafter
mit Blick auf den Verkauf des Unternehmens gestellt haben." Der neue
Aufsichtsratsvorsitzende kündigte für absehbare Zukunft einen Rundgang
durch das Unternehmen an, um die Weltbild-Mitarbeiter auch persönlich
kennen zu lernen. 
Peter Beer stammt aus Kelheim an der Donau und promovierte an der
Ludwig-Maximilians-Universität München in Pädagogik und Theologie. 2002
wurde er in Freising zum Priester geweiht. Seit 2009 ist er Generalvikar
des Erzbistums München und Freising.
Der neue Aufsichtsratsvorsitzende will uns also "persönlich kennenlernen".

Schreiben Sie doch gleich hier und jetzt einen Kommentar, was Sie persönlich von Herrn Peter Beer erwarten. Den Kommentar-Link unter diesem Beitrag können Sie völlig anonym benutzen. Wir sind gespannt auf Ihre Meinung.

Dienstag, 29. November 2011

MitarbeiterInnen von Weltbild und DBH organisieren sich bundesweit


Die Verlagsgruppe Weltbild in Augsburg und die Deutsche Buchhandel (DBH) in München bilden seit Jahren einen Konzern. Das hat ganz aktuell auch wieder Weltbild Geschäftsführer Carel Halff im Interview mit der Wirtschaftswoche bestätigt:
"Weltbild und Hugendubel arbeiten längst so eng verzahnt wie eine Firma, auch hier gilt das zuvor Gesagte."
Dem setzen die Betriebsräte der Unternehmen Weltbild, Weltbildplus, Hugendubel, Weiland, DBH Warenhaus (Karstadt) und Wohlthat Berlin jetzt einen Konzernbetriebsrat entgegen, wie ihn das Betriebsverfassungsgesetz (§ 54 Betr.VG) vorsieht. 

Als hätten wir's geahnt: Bereits Ende Oktober haben sich die Betriebsräte und Gesamtbetriebsräte der Unternehmensgruppe zu einer Sitzung als  KONZERNBETRIEBSRAT WELTBILD/DBH in Hannover getroffen. Für Augsburg wurden Dolores Sailer und Timm Boßmann mit einstimmigem Beschluss des Weltbild-BRs in das Gremium entsandt. Der KBR bündelt Informationen, koordiniert Aktionen und kann die Interessen der MitarbeiterInnen in allen Unternehmenszweigen noch besser durchsetzen. Gemeinsam fordern sie den Zukunftstarifvertrag für alle MitarbeiterInnen.

Ein Konzernbetriebsrat (KBR) ist in erster Linie eine Plattform zum Austausch von Informationen und zur Koordination gemeinsamer Aktionen. Grundsätzlich gilt: Was auf Betriebsebene entschieden werden kann, wird auch dort – also vom eigenen Betriebsrat – beschlossen. Der Konzernbetriebsrat kann die Beschlüsse des BR nicht toppen. Unter bestimmten Umständen kann ein KBR aber in die Rolle der Gewerkschaft eintreten und Tarifverträge abschließen. 

Kurz: Mit einem Konzernbetriebsrat haben wir einfach noch ein paar Möglichkeiten mehr, die wir in der aktuellen Situation nutzen werden, um den Zukunftstarifvertrag für alle MitarbeiterInnen im Konzern Weltbild/DBH durchzusetzen.

Die nächste Sitzung des KBR findet aus aktuellem Anlass am Freitag in Augsburg statt. Das Weltbild-ver.di-Blog wird über die Ergebnisse des Treffens berichten.


Medien berichten über den Kampf der Weltbild-Belegschaft / Harsche Kritik an Bischöfen


Bundesweit greifen die Medien die Forderungen der Weltbild-Belegschaft nach einem Zukunftstarifvertrag auf und berichten über teils harsche Kritik an den Bischöfen.

Der Buchreport hat heute mittag einen langen Artikel im Internet veröffentlicht. Carel Halff, so steht dort zu lesen, wehre sich in vorderster Front gegen eine Zerschlagung. Außerdem kommen der Unternehmensberater Axel Bartholomäus und der frühere Weltbild-Geschäftsführer Werner Ortner zu Wort. Hartwig Schulte-Loh, Ex-Chef vom Kulturkaufhaus Dussmann, bringt den schwedischen Investor Nicolas Berggruen ins Gespräch, der mit der Karstadt-Übernahme vor einiger Zeit für Pressewirbel sorgte.

Vor allen anderen aber wird unser Betriebsrats-Vorsitzender Peter Fitz ausführlich zitiert: "Jede Abspaltung würde den Konzern empfindlich schwächen und am Ende Arbeitsplätze kosten." Weiter sagte Fitz: "Wir werden keine Heuschrecken akzeptieren, sondern fordern einen Zukunftstarifvertrag, der sowohl betriebsbedingte Kündigungen als auch eine Zerschlagung im Zuge des Verkaufs ausschließt." Lesen Sie hier den kompletten Buchreport-Artikel.

Interessant ist auch ein Artikel aus dem BuchMarkt, der auf ein Interview mit Carel Halff in der Wirtschaftswoche zurückgeht. Der BuchMarkt zitiert hier ausführlich aus den Kommentaren zum Interview im Internet: 
"Die wahren Ursachen für die Verkaufsentscheidung bleiben also im Dunkeln und sind in einer von Männerbündeleien und Mauscheleien im Kreuzgang von Klöstern bestimmten Gedankenwelt auch schwer zu beleuchten. Vielleicht sind es einfach auch nur persönliche Aversionen bestimmter Menschen in der Kirche gegen die Führung des Weltbild-Konzerns gegen Halff oder andere. Auch andere katholische Verlage wie St. Benno, Herder, Sankt Ulrich etc. hätten sich zu einem Konzern mausern können, sind aber Klitschen geblieben, weil sie nicht das richtige Führungspersonal hatten oder sich nicht geöffnet haben. Da ist ein breites Feld für innerkirchlichen Neid, von dem auch Kleriker und Kirchenmitarbeiter nicht frei sind."
Last but not least noch ein Hinweis auf das Münchner Kirchenradio.

Wenn Sie einen aktiven Beitrag zur Sicherung unserer Arbeitsplätze leisten wollen, mischen Sie sich in die Internet-Diskussionen ein und vertreten Sie dort unsere Standpunkte: Die Bischöfe dürfen sich nicht aus der Verantwortung stehlen. Wir sind hier nicht im Himmel, sondern auf der Erde. Und da werden Verträge gemacht!

Keine Stigmatisierung in der Weltbild-Abwehrschlacht

Einige Worte über Solidarität, Toleranz und eine fragwürdige Formel

Die Diskussion um den Verkauf der Verlagsgruppe Weltbild treibt seltsame Blüten. Immer häufiger wird jetzt in Statements und Kommentaren dazu aufgefordert, aus der Katholischen Kirche auszutreten und gleichzeitig Gewerkschaftsmitglied zu werden. Bei aller (berechtigten) Kritik an Missständen innerhalb der Kirche – und natürlich auch an der Entscheidung der Bischöfe als Weltbild-Eigentümer: Hat das eine mit dem anderen zwingend (und logisch) etwas zu tun?

Tenor zahlreicher Kommentare war, dass die Reaktion der Bischöfe auf den »Porno-Skandal« in direkten Zusammenhang mit Machkämpfen innerhalb der Kirche stünden. Konservative »Fundis« stritten mit liberal und pragmatisch eingestellten Katholiken über das inhaltliche Grundverständnis der Kirche Roms – und damit über die zukünftige strategische Ausrichtung. Die Verkaufsentscheidung als Signal der tradionsstarren »Hardliner« für ihr (gewachsenes) Machtpotential?

Das kann man so sehen. Es ändert natürlich nichts an der Tragweite des Beschlusses, Weltbild schnellstens zu verkaufen. Trotz geschickter Beschwichtigungsreden von Seiten der Geschäftsführung nach Verkündigung der Verkausfentscheidung haben sich mögliche gravierende Folgen für die Beschäftigten nicht in Luft aufgelöst – und damit sind die Forderungen des Betriebsrates und der Gewerkschaft nach Abschluss eines Zukunftstarifvertrag angemessen und richtig.

Jetzt muss hart verhandelt werden, Druck auf Bischöfe und Geschäftsführung muss erfolgen, die legitimen Interessen der Weltbild-MitarbeiterInnen müssen weiterhin deutlich über den Medienweg in die Öffentlichkeit transportiert werden, die Kolleginnen und Kollegen im Verlag müssen aufgerüttelt und mobilisiert werden.

Selbstverständlich ist da beim Kampf um Arbeitsplätze und soziale Absicherung jeder neue Beitritt zur Gewerkschaft eine Hilfe. Doch was bringt eine Kündigung der (katholischen) Kirchenmitgliedschaft?

Die Formel »Ich trete da aus und dort ein« ist mehr als fragwürdig. Vielleicht macht sie ein wenig Sinn, betrachtet man allein den finanziellen Aspekt – frei nach dem Motto: Dann lässt sich der monatliche Beitrag für verdi monetär besser verkraften. Na ja, ich weiß nicht … Meines Empfindens werden mit der »raus-rein-Formel« Äpfel mit Birnen verglichen. Gewerkschaftliche Organisierung ist (in erster Linie) eine politisch-solidarische Entscheidung jedes einzelnen Menschen, die Mitgliedschaft in einer Kirche (in erster Linie) eine spirituelle – auch wenn man mit der Kirchensteuer die Institution Römisch-Katholische Kirche finanziell unterstützt. Für beide Mitgliedschaften gilt natürlich das Prinzip der individuellen Freiheit.

Ich halte die Losung »Raus aus der Kirche, rein in die Gewerkschaft« für eine anmaßende Forderung – und betrache sie als Schlag ins Gesicht der Augsburger Kollegen von der Katholischen Betriebsseelsorge und der KAB, Hans Gilg und Erwin Helmer, die die Weltbild-Mitarbeiter und den Betriebsrat – nicht nur in der aktuellen Verkaufs-Angelegenheit – so engagiert und solidarisch unterstützt haben und es auch weiterhin tun. Katholische Kirche ist vielleicht doch mehr als Mixa, Meißner & Co., Kindesmissbrauch, Zölibat und Scheinheiligkeit …

Mitglied der katholischen Kirche und gleichzeit engagiertes Gewerkschaftsmitglied zu sein – das ist kein Widerspruch. Und – bei allem Respekt vor vielen berechtigten Kritikpunkten an der Institution Katholische Kirche und ihrer »Politik« und Lebensferne: Es darf nicht so weit kommen, dass die Mitgliedschaft in dieser Kirche (oder einer anderen Glaubensgemeinschaft) zum Stigma wird. Erst recht nicht in Kreisen von sozial gesinnten, engagierten, solidarisch und liberal denkenden Gewerkschaftern. Deshalb: Immer schön auf dem Teppich bleiben. Und sich an die weisen Worte von Rosa Luxemburg erinnern: »Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden«.

Im übrigen: Um die Ziele für die Weltbild-Mitarbeiter zu erreichen, die sich Betriebsrat und Gewerkschaft verdi gesetzt haben, ist ein Bündeln sämtlicher Kräfte erforderlich – und eine tolerante Grundeinstellung. KollegInnen, die eine Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft scheuen wie der Teufel das Weihwasser, müssen genauso für Unterstützung und Aktionen gewonnen werden, wie sonntägliche Kirchgänger und Beichtstuhl-Praktiker. Das CSU-Ortsverbandsmitglied ist als ebenso willkommen wie der Piratenpartei-Aktivist. Sie alle haben solidarisch die Aufgabe, den Bischöfen ihre soziale, moralische und christliche Verantwortung für die Weltbild-Beschäftigten vor die Nase zu halten.

Was Sie persönlich tun können, um unsere Arbeitsplätze zu sichern

Im Weltbild-ver.di-Blog verlinken wir regelmäßig die neuesten Pressemeldungen zum Thema Weltbild Verkauf. Alle Online-Medien bieten unter ihren Artikeln die Möglichkeit, einen Kommentar zu hinterlassen. In vielen Fällen gibt es sogar eigene Diskussionsforen.

Wenn Sie Gewerkschaft und Betriebsrat im Kampf um unsere Arbeitsplätze unterstützen wollen: Klinken Sie sich ein und hinterlassen Sie Ihre Kommentare und Diskussionsbeiträge auf den Seiten der Online-Magazine.

Am besten loggen Sie sich mit einer neutralen E-Mail-Adresse bei diesen Medien ein, legen einen unverfänglichen Nutzer-Account an und diskutieren öffentlich mit. Sorgen Sie dafür, das unsere Forderungen nicht ungehört bleiben, sondern das Netz überschwemmen:

• Die Bischöfe müssen sich ihrer Verantwortung für 6.500 MitarbeiterInnen stellen
Wir wollen einen Zukunftstarifvertrag, der folgendes absichert:
• Keine betriebsbedingten Kündigungen in den nächsten Jahren nach dem Verkauf
• Keine Zerschlagung des Konzerns
• Der Standort Augsburg bleibt erhalten
• Garantie der Tarifverträge für alle MitarbeiterInnen (37,5-Stunden-Woche, 30 Tage Urlaub, volle Gehälter etc.)
• Alle Betriebsvereinbarungen werden übernommen

Wenn Sie mögen, machen Sie auch noch deutlich, was Sie von Gesellschaftern halten, die Investitionen in Waffenfabriken für moralisch vertretbar halten, aber eine Goldgrube des Buchhandels wegen 0,017% Erotik-Titeln verscherbeln wollen.

Sie leisten damit einen ganz wichtigen Beitrag zur Kampagne von Gewerkschaft und Betriebsrat.

Hier die neuesten Meldungen:

Augsburger Allgemeine: "Weltbild-Mitarbeiter fürchten Verkauf an Heuschrecken

boersenblatt.net: "Betriebsrat: der Verantwortung gerecht werden"

BILD: "Die Mitarbeiter dürfen es ausbaden"

Augsburger-Skandal-Zeitung: "Hätte Bischof Mixa auch so gehandelt?"

Buchreport: "Die Vorgeschichte der Weltbild-Erotik-Affäre"

FAZ: "Das katholische Weltbild"

Montag, 28. November 2011

Eine Erfolgsgeschichte: unser Weltbild-ver.di-Blog

100.000 Seitenzugriffe beim Weltbild-ver.di-Blog: Soll man das feiern oder bedauern? Denn eins ist klar: Je schlechter es den KollegInnen beim Weltbild-Verlag geht, je größer Unsicherheit und Unzufriedenheit, umso größer ist das Interesse an gewerkschaftlicher Information. 

So wie auch jetzt gerade wieder: Das Unternehmen steht zum Verkauf – da wollen natürlich jede und jeder wissen, wie es weitergeht. Und – das wissen alle – in schwierigen Zeiten sind die Informationen von Gewerkschaft und Betriebsrat oft zuverlässiger als die Verlautbarungen der Geschäftsführung.


Aber nicht nur die Belegschaft liest das Weltbild-ver.di-Blog. Auch KundInnen, BewerberInnen, die kirchlichen Gesellschafter und immer mehr JournalistInnen holen sich hier Informationen aus erster Hand. Das Gewerkschaftsblog ist so nicht nur Info-Quelle, sondern ein wichtiges Mittel der Öffentlichkeitsarbeit, weit über den Betrieb hinaus.

In den vergangenen zweieinhalb Jahren hat der BR viel bewegt. Die Geschäftsführung wurde gezwungen, auf Missstände zu reagieren, wie im Fall Kidoh, viele kleine Verbesserungen wurden durchgesetzt, wie die Kühlschränke im Versandbereich, und auch Entlassungen verhindert, wie sie zum Beispiel im Zuge der SAP-Einführung geplant waren. Bei all diesen Konflikten hat dieses Blog eine wichtige Rolle gespielt.

In diesem Sinne ist der Erfolg des Weltbild-ver.di-Blogs unbestritten – und 100.000 Klicks ohne Zweifel ein Grund zur Freude!

Was halten Sie vom Weltbild-ver.di-Blog? Nutzen Sie die Kommentarfunktion, um den AutorInnen zu gratulieren, die viel Engagement und ihre persönliche Freizeit in die Pflege dieser Seite stecken.

Sonntag, 27. November 2011

Kampagne von Betriebsrat und Gewerkschaft setzt Kirche unter Druck

Der Kampf der Weltbild-Belegschaft um Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen findet auch in der Presse ein positives Echo. Die Öffentlichkeit sieht genau hin, was passiert, wenn Deutschlands größter Buchversender verkauft wird.

Hier ein erstes Presse-Echo:

Frankfurter Rundschau: "Die Kirche exkommuniziert Weltbild"

domradio.de: "Es kommt darauf an, wie man mit uns umgeht."

buchreport.de: "Verhandlungen noch vor Weihnachten?"

Deutschlandfunk: "Was mit den schlüpfrigen Stellen im Alten Testament passieren soll, ist noch offen."

buchreport.de: "Lange Liste der Schrecken"

Wenn die Bischöfe geglaubt haben sollten, dass sie durch einen schnellen Verkauf der Verlagsgruppe aus den negativen Schlagzeilen herauskommen, haben sie sich getäuscht. Die Kirche steht erst dann wieder sauber da, wenn für Weltbild und seine 6.500 MitarbeiterInnen eine vernünftige Lösung gefunden sein wird.

Der Weltbild-Betriebsrat und die Gewerkschaft ver.di haben eine breit angelegte Kampagne gestartet, die noch vor Weihnachten Wirkung entfalten wird. Auf dem Programm stehen auch Aktionen vor dem Augsburger Dom. Außerdem sollen die Bischöfe Zdarsa (Augsburg) und Marx (München Freising) auf der nächsten Betriebsversammlung Rechenschaft vor der Belegschaft ablegen.

Samstag, 26. November 2011

Unser Wort zum Sonntag: Wo steht die katholische Kirche in der modernen Gesellschaft?



Das dürfte Papst Benedikt XVI. freuen: Die Diskussion um Weltbild entwickelt sich in der deutschen Presselandschaft und in deutschsprachigen Internetforen immer mehr zu einer Diskussion über die Rolle der Kirche in der modernen Gesellschaft. Klare Aussage der überwiegenden Zahl der Meinungsäußerungen: Erst die Entweltlichung der Kirche, dann die Entkirchlichung der Welt. Meint: Die Kirche soll sich von allen ihren weltlichen Firmen und Beteiligungen trennen (Brauereien, Buchhandlungen, Immobilienbesitz, Banken etc.). Das ist genau das, was auch Papst Benedikt XVI. von "seiner" Heimatkirche fordert. Und: Der Staat soll sich entkirchlichen. Sprich: Er soll aufhören, eine immer kleiner werdende Bevölkerungsgruppe zu subventionieren und ihre Institutionen durch die Einziehung der Kirchensteuer gegenüber anderen religiösen Organisationen zu bevorteilen. Auch das scheint im Sinne von Papst Benedikt XVI. zu sein. Aber wie die Jünger Jesu am Ölberg geschlafen haben, als Christus daran ging seine Mission zu erfüllen, so scheinen die deutschen Bischöfe immer noch nicht den Weckruf gehört zu haben, der ihnen von dem Vertreter Gottes auf Erden zugerufen wird. Oder wollen Sie in gar nicht hören?

Es ist fleißigen und akribischen konservativ eingestellten Katholiken zu verdanken, den gesellschaftlichen Stein über Internetseiten wie kathnet oder kreuznet ins Rollen gebracht zu haben, der zu einer Neujustierung der katholischen Kirche in Deutschland führen wird: Zum Teil verlangen innerkirchliche Kreise, zum Teil außerkirchliche Kreise die Trennung von bisher in Deutschland Liebgewonnenem. Selbst hohen Kirchenführern wie dem Kölner Oberhirten Meisner dämmert, dass der jetzige Prozess zum Abschied vom - im Bild gesprochen - Mercedes führen muss. Am Ende wird die Kirche bescheidener werden müssen und im Panda - wieder im Bild gesprochen - fahren müssen. Aber das ist ganz jesuanisch: Der Sohn Gottes selbst hat keine Privilegien erbeten oder erhalten und selbst von seinen Jüngern gefordert: "Gebt Gott, was Gottes, und dem Kaiser, was des Kaisers ist."

Der Verkauf von Weltbild kann auf dem Weg zur Neujustierung der gesellschaftlichen Position der Kirche nur ein erster Schritt sein: Wir von der Gewerkschaft werden darauf achten, dass diese Neujustierung für die Beschäftigten von Weltbild so schmerzfrei wie möglich abläuft. Dabei werden wir die katholische Kirche immer an ihrem Grundgesetz, dem Neuen Testament, messen und jede Abweichung davon aufdecken. Das wird eine starke Gewerkschaft brauchen. Denn so wie wir die Stellungnahme der Vollversammlung des Verbandes der Diözesen Deutschlands zur aktuellen Debatte über die Verlagsgruppe Weltbild GmbH verstanden haben, geht es den katholischen Bischöfen um einen Verkauf ohne Verzug. Das impliziert auch: ohne großes Federlesen. Dem werden wir uns mit allen in einem demokratisch verfassten Staat zur Verfügung stehenden Mitteln entgegen stemmen.


Auch in kirchlichen Medien setzt jetzt ein Nachdenken ein, ob der Notverkauf der Verlagsgruppe Weltbild eine weise Entscheidung der Bischöfe war:


Kommentar im unabhängigen katholischen Nachrichtenportal

Und wie stehen Sie dazu? Klicken Sie auf den Kommentarlink unter diesem Artikel und sagen Sie Ihre Meinung. Wir glauben: auch die Bischöfe lesen mit ;-)

Freitag, 25. November 2011

Bischöfe sollen sich der Belegschaft von Weltbild stellen


Auf der Betriebsversammlung vom 24.11.11 wurde ein erster wichtiger Schritt in Richtung Zukunftssicherung gemacht. Nachdem Geschäftsführer Carel Halff einen Zukunftstarifvertrag morgens noch strikt abgelehnt hatte, sagte er am Nachmittag die Aufnahme von Verhandlungen öffentlich zu. Mit dem Zukunftstarifvertrag wollen Betriebsrat und Gewerkschaft die legitimen Interessen der Beschäftigten sichern.

Eine neugebildete Tarifkommission wird unmittelbar die Verhandlungen aufnehmen. Die Kernpunkte der Gespräche werden sein:

keine betriebsbedingten Entlassungen 
Festhalten an den bestehenden Tarifverträgen 
Bestand aller bisherigen Betriebsvereinbarungen 
Erhalt des Standorts Augsburg 
Keine Zerschlagung der Unternehmensgruppe

Der Betriebsratsvorsitzende Peter Fitz brachte die Forderungen der Beschäftigten auf den Punkt: „Klare Verträge statt weicher Worte!“

Der Betriebsrat fordert die Eigentümer des Unternehmens (die Bischöfe von 12 Diözesen) auf, ihrer Verantwortung gegenüber den 6.400 Mitarbeitern und ihren Familien gerecht zu werden. Er erwartet von den Bischöfen, dass sie der Geschäftsführung für die Verhandlungen zum Zukunftstarifvertrag einen klaren Auftrag erteilen.

Für die nächste Betriebsversammlung, die noch vor Weihnachten stattfinden wird, lädt der Betriebsrat die Bischöfe Zdarsa (Augsburg) und Marx (München) ein, vor der Belegschaft ihre Position zu erläutern und sich den Fragen der Mitarbeiter zu stellen.

Welche Fragen werden Sie den Bischöfen stellen, wenn die Verantwortlichen der Kirche den Mut haben, den MitarbeiterInnen ihres Unternehmens bei der nächsten Betriebsversammlung gegenüber zu treten? Nutzen Sie den Kommentarlink unter diesem Beitrag!


Bilder von der Betriebsversammlung am Donnerstag


So gut besucht sind Kirchen selten: Der Kuppelsaal im Verwaltungsgebäude von Weltbild war bei beiden Veranstaltungen gesteckt voll. Die 500 Sitzplätze reichten bei weitem nicht, und viele KollegInnen mussten leider stehen. Deshalb wird die nächste Betriebsversammlung in einer geeigneten Halle außerhalb des Betriebsgeländes stattfinden müssen. Der Termin – kurz vor Weihnachten – wird hier in Kürze bekannt gegeben.



Einzug des Betriebsrats mit den Forderungen der Belegschaft. Die Beschäftigten sind trotz der schwierigen Situation selbstbewusst: Das eigentliche Kapital des Unternehmens Weltbild sind die MitarbeiterInnen. Ihre Ideen und ihr Einsatz haben Weltbild zum größten Buchhändler Deutschlands gemacht! Wer soviel geleistet hat, kann auch Forderungen stellen und im Schulterschluss mit der Gewerkschaft ver-di durchsetzen. 



Sicher kein ganz einfacher Gang für den Vorsitzenden der Geschäftsführung: Nachdem er Weltbild über 36 Jahre lang aufgebaut hat, muss er der Belegschaft heute den geplanten Verkauf des Unternehmens verkünden. Immerhin haben die Bischöfe ihn selbst mit der Suche nach einem Käufer beauftragt. Das zeigt, das hier noch ein gewisses Vertrauen vorhanden ist. Die Belegschaft verlangt, dass Carel Halff seinen Einfluss nutzt und für ihre Interessen eintritt. Andernfalls werden die Auseinandersetzungen schnell an Härte zunehmen.



Als BR-Vorsitzender Peter Fitz die Forderungen der Belegschaft erläutert, hört auch die Geschäftsführung (vorn rechts im Bild) genau hin. Obwohl die Geschäftsführung verbale Beruhigungspillen verteilt, wissen Belegschaft und Betriebsrat, das die wegweisenden Entscheidungen innerhalb der nächsten Monate fallen werden. Deshalb setzen sie gemeinsam mit ver.di vollen Druck auf die Verhandlungen über den Zukunftstarifvertrag. 




Geschäftsführer Carel Halff am Rednerpult. Auf der Versammlung am Morgen lehnte er die Forderung von BR und Gewerkschaft nach einem Zukunftstarifvertrag noch ab. In der Versammlung am Nachmittag beugte er sich dem Druck und versprach die Aufnahme von Gesprächen. Außerdem soll der BR während des gesamten Verkaufsprozesses über den Stand der Verhandlungen informiert werden: "Darauf gebe ich Ihnen mein Wort!" 



Nach der Veranstaltung verteilte die Gewerkschaft ver.di Flugblätter mit den Forderungen nach einem Zukunftstarifvertrag. Wichtigste Inhalte: • Arbeitsplatz-Garantie • keine Zerschlagung • Bestand der Tarifbindung • Sicherung des Standorts Augsburg • Erhalt sämtlicher Betriebsvereinbarungen.



Die Belegschaft steht geschlossen hinter den Forderungen nach einem Zukunftstarifvertrag. Sie fordern "Klare Verträge statt weicher Worte" von den Bischöfen. Wer Jahrzehnte lang mit seiner Arbeitskraft die Kirchenkassen gefüllt hat, lässt sich jetzt nicht einfach entsorgen. Viele sind enttäuscht von der bigotten Haltung der Bischöfe und würden am liebsten sofort streiken. Ob es wirklich zu Arbeitskampfmaßnahmen kommt, hängt von der Reaktion der Bischöfe ab. "Weihnachten steht vor der Tür", rief Gewerkschaftssekretär Thomas Gürlebeck der Belegschaft zum Abschluss seiner Rede zu. "Und wir auch!"

Warum wollen Sie den Zukunftstarifvertrag? Nutzen Sie die Kommentarfunktion unter diesem Beitrag. Das geht selbstverständlich auch völlig anonym.

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