Sonntag, 19. Februar 2012

BGM - Was kommt bei den Mitarbeitern an?

Als letztes Jahr in einer Betriebsversammlung angekündigt worden ist, dass bei Weltbild ein betriebliches Gesundheitsmanagement eingeführt wird, haben sich viele Mitarbeiter sehr gefreut. Diese, aus einer Grazil-Befragung entstandene Erkenntnis, dass wir in Sachen Gesundheit was tun müssen, war endlich ein Schritt in die Zukunft.

Diese Botschaft haben wir damals sehr gut angenommen. Meine Kollegen und ich waren so euphorisch, dass wir beschlossen haben, endlich mehr Sport zu treiben, gesunde Koch-und Backrezepte auszutauschen, uns gegenseitig zu unterstützen und diese Vorhaben nicht aufzugeben.
Sogar heute können wir uns an das Gesagte in der Betriebsversammlung erinnern:“ Wir wollen einen neuen Weg gehen, gemeinsam werden wir mehr für unsere Gesundheit und das Betriebsklima tun!“

Ein sehr ehrgeiziges Ziel, bei allen Vorhaben an mögliche Über-und Fehlbeanspruchungen der Mitarbeiter zu denken! Ich wünsche mir und allen Mitarbeitern, dass dieses schöne Ziel irgendwann zu unserer Unternehmenskultur wird!

Das Unternehmen verspricht sich aus dem BGM eine hohe Motivation und Leistungsbereitschaft seiner Mitarbeiter, sowie deren steigende Arbeitsfähigkeit.

Der Mitarbeiter aber hofft auf bessere Arbeitsbedingungen, weniger Leistungsdruck, gutes Betriebsklima, Wertschätzung, Lob und Anerkennung seitens der Vorgesetzten.

Es hat sich einiges bei uns getan Richtung Gesundheit: das Essen in der Kantine ist besser geworden; Trinkwasser- Spender wurden überall aufgestellt, Getränke-und Kaffeeautomaten verfügen über ein reichhaltiges Angebot und in der kalten Jahreszeit überall dort, wo die Hallen- Temperaturen nicht über 13 Grad stiegen, gab es sogar auf Anregung vom Betriebsrat kostenlosen warmen Tee.

Auch der technischer Arbeitsschutz und Notfall-und Krisenmanagement funktionieren mehr oder weniger gut. Betriebsbegehungen werden zur Regelmäßigkeit, der Suchtleitfaden wird angewendet und die Unterweisungen für die Leiharbeiter mit dem Patenkonzept wurden ebenfalls als Maßnahme aus Grazil auf die Beine gestellt.

Doch was ist mit so gennannten “weichen“ Faktoren im Gesundheitsschutz? Wessen Aufgabe ist es, die Unterstützung bei Stress, Leistungs-und Zeitdruck, bei sozialen Konflikten, bei Über/Unterforderung, Arbeitsverdichtung und anderen psychomentalen Belastungen zu leisten und bei der Bewältigung der Aufgaben zu helfen?

Ich meine, unsere Führungskräfte müssen sich um die Mitarbeiter kümmern und ein besseres Betriebsklima erzeugen.

Doch das Bewusstsein darüber, dass die Vorgesetzten eine Fürsorgepflicht für ihre Mitarbeiter haben müssen, scheint nicht bei unseren Führungskräften angekommen zu sein.

Der Umgangston in manchen Abteilungen ist rau, der Leistungsdruck ist ständig präsent.

Probleme der Mitarbeiter werden nicht bemerkt, bzw. nicht angesprochen, Stärken und Schwächen jedes Einzelnen werden nicht erkannt. Die Bedürfnisse und Entwicklungswünsche werden nicht erfragt. Es werden keine Perspektiven besprochen, keine Schulungen angeboten und die Fachkompetenzen nicht weiterentwickelt.

Wo bleiben die Monats/Abteilungsbesprechungen? Braucht eine Führungskraft kein Feedback von den Mitarbeitern?

Werden die schönen BGM- Ziele nicht an die Führungskräfte weiter gegeben? Oder bilden womöglich unsere Kommunikationskanäle einen ewigen Stau?

O.K. BGM ist ein lernendes System.

Hoffentlich lernen wir schnell daraus, dass es nicht reicht, wenn alle Feuerlöscher vorhanden sind und die Fluchtwege ausreichend bemessen sind. Wir müssen lernen, dass der Mitarbeiter selbst und seine psychomentale Gesundheit im Vordergrund stehen, denn das größte Gut, das ein Unternehmen besitzt sind seine Mitarbeiter.

Die Mitarbeiter sind es, die das Unternehmen erfolgreich machen, Gewinne erwirtschaften und seine Marktposition stärken!

Ich bin gespannt, wann diese Tatsachen bei den Verantwortlichen ankommen…

Kommentare:

  1. Das Betriebliche Gesundheitsmanagement kann für eine Firma von großem Nutzen sein. Klingt doch gut, wenn eine Firma sagen kann, daß sie sich um ihre Mitarbeiter kümmert. Das haben die Verantwortlichen wohl auch erkannt und die oben beschriebenen Erfolge gleich an die Presse weitergegeben. Für eine so große Firma wie Weltbild sollte es jedoch selbstverständlich sein, daß sie ihren Mitarbeitern etwas zum Ausgleich für ihre Mühen anbieten. Es geht dabei tatsächlich nicht nur um Kaffeeautomaten etc., sondern vor allem auch um die psychische Gesundheit. Viele sind heutzutage Doppelbelastungen ausgesetzt. Burnout und Depression die Folgen. Gesundheitsprogramme sind zur Prävention sicherlich gut. Aber vor allem muß an den Ursachen gearbeitet werden. Vorgesetzte und Personalabteilungen müssen aktiv werden. Das Potential der Mitarbeiter erkannt werden in regelmäßigen Gesprächen. Ideen sollten belohnt werden. Visionen nicht belächelt, sondern erst einmal aufgenommen werden. Aktives Miteinander macht eine Firma lebendig. Jeder bekommt wieder Lust an etwas mitzuarbeiten, bei dem am Ende etwas Neues entsteht ein Erfolg zu verbuchen ist, der dann auch honoriert werden sollte. Die Realität sieht jedoch leider anders aus. Ideen von Mitarbeitern verschwinden im Äther. Es gibt kein Feedback. Das meiste wird ausgesessen, bis es sich »hoffentlich« erledigt hat. Vorgesetzte arbeiten ausschließlich an ihrem Profil. D.h. nach oben muß immer alles so aussehen als wäre alles in Ordnung. Organigramme werden gefälscht oder so geschickt »verpackt«, daß Arbeitspensum und Aufgabenverteilungen nicht wirklich erkennbar sind. So werden bestimmte Ebenen ständig gefördert, die unteren fleißigen Arbeitsameisen bleiben jedoch auf der Strecke. Innere Kündigungen sind die Folge. Ja, so sieht die Realität im Moment aus. Hoffentlich wird das BGM dafür benutzt, wirklich etwas zukunftweisendes zu bewegen. Wertschätzung der Mitarbeiter, Honorierung von Ideen, Einbindung der Mitarbeiter in neue Projekte statt Entmündigung etc. Die Liste liese sich unendlich verlängern. Und dann kann sich die Firma wirklich profilieren. Nämlich mit einem tollen Arbeitsklima, einer wirklich gelebten Unternehmenskultur (keine Hierarchien) und Spaß an der Arbeit.

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  2. für die meisten vorgestzten bei weltbild ist das wort mitarbeiterführung (könnte was zum essen sein oder sonst etwas) ein fremdwort (nie was davon gehört).

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  3. in den firmen mit gutem arbeitsklima ist der krankenstand viel niedriger, die leistungsbereitschaft und arbeitsleistung größer und das personal kommt gerne zur arbeit. aber bei weltbild utopie. siehe vorherigen kommentar.

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  4. Mitarbeiterführung ist bei Weltbild ein Fremdwort, kann das absolut bestätigen, zumindest im Versandbereich. Ich denke, die meisten Vorgesetzten kommen aus Branchen, in denen Sie das nie gelernt haben. Und überhaupt wird nur mit den Mitarbeitern gesprochen, um mitzuteilen, wie schlecht oder unzureichend die Leistung ist. Lobesreden gibt es schon lange nicht mehr, aber wehe, der Mitarbeiter gibt nicht 150%..... Für die meisten Vorgesetzten sind die Mitarbeiter egal, Hauptsache, der Laden läuft und die Mitarbeiter verhalten sich ruhig. Früher gab es mal die Gruppenleiter- und Teampartnerseminare, aber da haben wohl die sogenannten Vorgesetzten nichts gelernt beim Thema "Mitarbeiterführung".

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  5. Ich lese hier zum ersten Mal, dass es ein sogenanntes Patenkonzept für Leiharbeitnehmer gibt.
    Um was geht es denn da? Und gilt das für alle, sowohl Versand als auch Büro?

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  6. "Auch der technischer Arbeitsschutz und Notfall-und Krisenmanagement funktionieren mehr oder weniger gut. Betriebsbegehungen werden zur Regelmäßigkeit, der Suchtleitfaden wird angewendet und die Unterweisungen für die Leiharbeiter mit dem Patenkonzept wurden ebenfalls als Maßnahme aus Grazil auf die Beine gestellt."

    Dazu ist zu sagen, dass im Rahmen des BGM am Notfall-Management weiter gearbeitet wird. Auch wurden die Aktivitäten des BR in allen Fragen der Gesundheitsförderung verstärkt, u.a. bei Betriebsbegehungen und in der Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung bzw. mit dem Betriebsarzt und den Sicherheitsfachkräften.

    Letztere waren maßgeblich beteiligt an der Umsetzung eines Konzeptes zur Unterweisung von LeiharbeitnehmerInnen vor ihrem Ersteinsatz im Lager/Versand, eine Initiative aus dem Projekt GRAziL.

    Generell ist aber der Arbeitgeber verpflichtet, eine kompetente Erstunterweisung und darüber hinaus eine aktive, anschauliche jährliche Sicherheitsunterweisung allen KollegInnen angedeihen zu lassen.

    Da ist bei Weltbild noch sehr Vieles im Argen! Daher sollen dieses Jahr klare Handlungs- und Schulungsunterlagen erstellt werden. Und tatsächlich: diese werden in allen Unternehmensbereichen eingeführt - sowohl im Lager/Versand wie auch im kaufmännischen und Kreativ-Bereich.

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  7. Ohje, wenn Weltbild schon einen Preis für das Gesundheitsmanagement bekommt, wie muß es da bei den anderen Unternehmen aussehen ?
    Ich will die Bemühungen der Beteiligten nicht klein reden, aber ich stimme dem Artikel und den Vorrednern zu, dass sehr viel im Argen ist.
    Büros mit mehr als 2 Personen in einem Raum verursachen eine Menge Stress und Störungen bei der Arbeit.
    Für mich unbegreiflich, dass die Unternehmen das nicht kapieren und meinen, mit Grossraumbüros etwas zu sparen.

    Dann das Arbeitszeitmodell ohne Stempeln, eingeführt, um die Fremd- und Selbstausbeutung möglich zu machen und die Leute dazu zu bringen, bis zu 10 Stunden täglich freiwillig zu arbeiten und unbezahlte Überstunden zu machen - und das passiert tatsächlich !
    Ich wünschte, Handwerker würden das auch machen, oder Supermärkte 20 Prozent des Einkaufs herschenken oder der Zahnarzt macht mal einen Zahn umsonst.
    Aber die sind ja nicht bescheuert.

    Mitarbeiterführung existiert nicht.
    Der Begriff an sich ist schon falsch, denn erwachsene intelligente Leute müssen nicht geführt, sondern motiviert werden.
    Statt motiviert zu werden, werden die Mitarbeiter durch Druck und Bestrafung "geführt".
    Und das funktioniert sogar, weil es genug Kollegen gibt, die sich unter Druck setzen lassen.

    Da wären wir dann wieder bei der Solidarität - wenn wir zusammenhelfen würden, dann könnten uns die Tyrannen nicht so plagen.

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  8. Kann meinem Vorredner / meiner Vorrednerin in allem nur voll u. ganz zustimmen

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