Mittwoch, 18. September 2013

„Neuaufbau“ der Verlagsgruppe beginnt mit Entlassungswelle


Eigentümer und Geschäftsführung wollen WELTBILD radikal neu ausrichten 

Letzte Woche hat die FAZ berichtet, WELTBILD stehe vor der Insolvenz. Das ist falsch. Trotzdem ist die Lage sehr, sehr ernst. Deshalb hat die Geschäftsführung – auch unter dem Druck der kirchlichen Eigentümer – dramatische und radikale Schnitte beschlossen. Der sogenannte „Neuaufbau“ der Verlagsgruppe könnte mehrere Hundert KollegInnen ihren Job kosten. Die ersten betroffenen Bereiche stehen schon fest: In der Buchproduktion und im Laserdruckzentrum sollen bis zu 50% der MitarbeiterInnen gehen. Aber das ist erst der Anfang.

Als nächstes soll der Bereich CCC unter die Lupe genommen werden. Das hat die Geschäftsführung dem Wirtschaftsausschuss des Betriebsrats bereits angekündigt. Allerdings ohne zu sagen, in welche Richtung die Reise geht. Von einer weiteren Ausdünnung des Personals bis hin zum kompletten Outsourcing ist alles denkbar.

Alle Bereiche sind betroffen

Auch die Bereiche Lager und Versand werden betroffen sein: Die befristeten Teilzeit-Verträge, die über 100 ehemalige LeiharbeitnehmerInnen vor zwei Jahren erhalten haben, werden nicht verlängert. Das gleiche gilt für die befristeten Verträge vieler WerkstudentInnen in diesen Bereichen.

Wer das Strategiepapier der Geschäftsführung aufmerksam liest, erkennt schnell, wohin die Reise geht: Das Geschäft soll ausschließlich am Online-Handel ausgerichtet werden. In der Folge sind alle KollegInnen in Gefahr, die sich um die Bestückung, die Gestaltung, die Herstellung und die Vermarktung unserer Kataloge kümmern: also Programm, Produktion, Werbung und Marketing.

Aber auch alle anderen Bereiche werden einer kalten betriebswirtschaftlichen Prüfung unterzogen. Derzeit ist die Unternehmensberatung KPMG im Hause unterwegs und durchleuchtet die Verlagsgruppe bis in den letzten Winkel. Ob Buchhaltung oder IT oder New Media: Jede Abteilung, jeder Arbeitsplatz wird untersucht und kritisch in Frage gestellt.

Die BeraterInnen werden schnell liefern, und das Ergebnis ist absehbar. Schließlich wird der Erfolg von Unternehmensberatungen in der Regel am ausgemachten Einsparpotential gemessen.

Was bedeutet das für uns?

Die Folgen sind absehbar. Viele KollegInnen, die hier zum Teil über Jahrzehnte tolle Arbeit geleistet haben, könnten ihren Job verlieren. Denjenigen von uns, die bleiben dürfen, wird die Arbeit der anderen aufgebürdet werden. Noch mehr Leistungsdruck, noch mehr Stress, noch mehr Ärger werden viele krank machen.

Kommentare:

  1. Also war der Header "Insolvenz Quatsch" von verdi und das Rundmail der Geschäftsleitung, Zitat: "Der Fortbestand von Weltbild sei in keiner Weise gefährdet. Es bestehe nur ein Problem der Gesellschafter." lediglich dazu gedacht die Belegschaft einzulullen und ruhig zu stellen. Es kann nicht sein, dass innerhalb einer Woche das Pendel von "alles paletti" in Richtung "Massenentlassung" ausschlägt. Ich finde
    etwas mehr Ehrlichkeit (auch wenn es um schlechte Nachrichten für die Mitarbeiter geht) wäre angebracht. Die desaströse Wirtschaftslage allein den Gesellschaftern zuzuschieben ist ebenfalls kein "Fairplay". Und dass eine Unternehmensberatung im Hause tätig ist (und dies nicht erst seit gestern) erfährt der Mitarbeiter lediglich als "Randbemerkung". Fazit: ehrlicher Umgang zwischen GL und Mitarbeiter sieht anders aus.




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    1. Bis-zum-Ende-Leser18. September 2013 um 23:07

      Insolvenz und Restrukturierung/Entlassungen sind zwei unterschiedliche Baustellen. Ich finde es gut, dass der BR und ver.di dem Insolvenz-Gerücht gemeinsam mit der GF entgegen getreten sind. Man kann einen Laden auch in die Pleite quatschen bzw. schreiben. Wenn Banken oder Warenkredit-Versicherer aufgrund von Gerüchten den Geldhahn zudrehen, ist oft ganz schnell Schluss; siehe Praktiker/Max Bahr. Das haben GF und Mitarbeiter-Vertretung zu verhindern gesucht. Bisher offenbar mit Erfolg.

      Am Ende des Artikels wurde deutlich gesagt, dass die Geschäftsführung sehr einschneidende Maßnahmen plant. Die ver.di hat also mit offenen Karten gespielt. Und es stand auch drin, dass der BR deshalb eine Betriebsversammlung plant. Die ist morgen und nicht öffentlich. Das finde ich gut, da können wir zusammen überlegen, wie wir den Karren aus dem Dreck ziehen.

      Wir sollten da mal Tacheles mit der Geschäftsführung reden! Der Fast-schon-Rentner Carel Halff braucht keinen Job mehr – wir schon!

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    2. Wir kriegen das hin18. September 2013 um 23:21

      Es ging nicht darum, die Belegschaft "einzulullen", sondern darum, Schaden vom Unternehmen abzuwenden. Verstehe ich das richtig? Gut!

      Dass BR und ver.di auf uns aufpassen, haben sie ja schon bei der Verkaufs-Geschichte vor zwei Jahren bewiesen.

      Ich bin gespannt auf morgen!

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  2. Strategiepapier? Was darf ich mir genau darunter vorstellen?

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    1. Ein Schriftstück, in dem die GF beschreibt, wie sie sich die Zukunft von WELTBILD vorstellt. Das mehrseitige Papier liegt dem BR vor, weil die GF gesetzlich dazu verpflichtet ist, den BR zu informieren, wenn sie "größere Sachen" vorhat.

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    2. Das ist dann hoffentlich auch Thema auf der Betriebsversammlung morgen, oder???!!!

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  3. Eine kalte betriebswirtschaftliche Prüfung - ein seit Jahren notwendiger Prozess für dieses Unternehmen!!! Insbesondere die Besetzung der Führungspositionen ist in diesem Unternehmen kritisch zu hinterfragen. Letztendlich sind die Führungskräfte in ihrer Gesamtheit verantwortlich für die prekäre Geschäftssituation und nicht die Kirche und auch nicht die Mitarbeiter, die es jetzt wohl leider in erster Linie bald treffen wird.
    Die Frage, die sich nun stellt: Wer übernimmt jetzt von den Führungskräften die Verantwortung für diese Situation und somit freiwillig den Hut?

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    1. "Den Hut nehmen" hat nichts mit Verantwortung zu tun! Verantwortung zu übernehmen heißt, die selbst zu verantwortenden Fehler wiedergutzumachen und dem Unternehmen auch durch schwierige Zeiten zu helfen. In guten Zeiten Karriere machen und sich dann davonzustehlen ist verantwortungslos, so kommt es leider viel zu oft.

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    2. Als Vorbild die Führungsriegen von FDP und den Grünen nehmen. Dort übernimmt man grad vorbildlich führungstechnisch Verantwortung d.h. den Posten für eine Neuausrichtung räumen und nicht am Posten "kleben"!
      Darüberhinaus ist in einem gutgeführten und gesunden Unternehmen die Fluktation von guten Mitarbeitern gering!

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  4. Ich habe noch nie ge"bloggt", muß das aber nun mal tun, weil ich empört bin. Gestern gab es vom Betriebsrat das interne Blatt zum Thema Entlassungswelle und Kündigungen. Ich finde diese Aktion mehr als sinnlos. Mit welchem Ziel wurde diese Blatt verteilt? Das Resultat - Negativ-Publicity in der Presse - war gestern schon abzusehen. Was will man damit erreichen? In dieser schwierigen Lage braucht ein Unternehmen solche negative Aufmerksamkeit nicht. Alles was man damit erreicht, ist, daß man Lieferanten und Kunden verschreckt und das Geschäft noch schwieriger wird. Das gefährdet am Ende vielleicht nicht nur einige wenige Arbeitsplätze.

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    1. Also ich finde es gut, wenn die Mitarbeiter durch den "Picker" informiert werden und auch Klartext geredet wird.
      Viel besser, als wenn alles nur als Gerüchte verbreitet wird und das nur noch mehr verunsichert.
      Außerdem: negative Schlagzeilen hat doch nicht dieses Infoblatt gebracht, sondern die eine Woche vorher von anderer Seite der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zugesteckten Informationen!

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    2. Natürlich sollen die Mitarbeiter infomiert werden, aber das hätte man auch weniger medienwirksam gestalten können und bei internen Informationen belassen sollen. Das ist dem Unternehmen in dieser Situation nicht zuträglich - im Gegenteil.

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  5. Die negativen Schlagzeilen produziert doch die Geschäftsführung, wenn sie Leute entlassen will, statt kreativ nach Möglichkeiten zu suchen, den Umsatz wieder zu erhöhen.
    Und negative Schlagzeilen können sogar Stellenabbau verhindern, denn schlechte Schlagzeilen will sich weder Weltbild noch die Kirche leisten.

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    1. Natürlich ist es schlecht, wenn ein Unternehmen Arbeitsplätze abbauen muß. Aber wenn die Auftragslage nun mal schlecht ist, muß ein Unternehmen reagieren. Wenn ein Unternehmen nicht wirtschaftlich agiert, dann stehen irgendwann nicht nur ein paar Arbeitsplätze auf der Kippe sondern alle! Das ist doch mehr als logisch und natürliches Geschäftsgebaren.

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  6. Ein Unternehmen macht viele Jahre Gewinn und wenn es dann mal für kurze Zeit, auch aufgrund von Investitionen, einen nicht genannten Verlust macht, dann muss es sofort die Mitarbeiter entlassen, die den Gewinn erwirtschaftet haben ?
    Das wäre dann so, als ob ein Bauer verhungern würde, wenn er mal ein Jahr weniger Ernte einfährt.
    Jeder vernünftige Mensch legt einen Vorrat für schlechte Zeiten an, das kann man von Unternehmen auch erwarten (Fürsorgepflicht).
    Das Thema Kurzarbeit habe ich bisher auch noch nicht gehört.

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  7. Was mir bei der ganzen Debatte nicht gefällt ist, das wesentliche positive Aspekte der Entwicklung bei Weltbild gar nicht erwähnt werden. Es ist absolut positiv das die Geschäftsleitung und auch die Eigentümer in die Modernisierung und in ein neues Lager investiert haben. Wer Modernisierungen vergisst der ist heutzutage in der Wirtschaft sehr schnell weg vom Fenster und die Arbeitsplätze sind es auch. Eine Optimierung der Abläufe und ein Abbau überflüssiger Abteilungen ist ebenfalls langfristig positiv zu sehen. So etwas wird es immer wieder gehen. Denn wer oben mitspielen will muss sehr gut sein. Mittel reicht nicht. Die Verlagsgruppe Weltbild zahlt überdruchschnittliche Löhne und das seit vielen Jahren und das für tausende von Beschäftigten. Auf Grund der verstärkten Konkurrenz durch einen US Konzern der mit ausbeuterischen Methoden alle unterbietet ist eine neue Situation entstanden. Mit dieser Konkurrenz muss umgegangen werden. Dazu muss Weltbild perfekt aus - und umgebaut werden um mittel und langfristig nicht von amazon niederkonkurriert zu werden. All das geschieht zur Zeit. Ich denke wir haben eine kluge kompetente Geschäftsleitung die weiß was heutzutage notwendig ist um bestehen zu können. Verdi betreibt überwiegend nur ein egoistisches Geschrei und will seine Mitglieder bedienen. Das die Geschäftsleitung und alle Verantwortlichen eigentlich überwiegend sehr positiv handeln wird Es wird ein Szenario des Untergangs gemalt. Es gibt täglich Veränderungen auf dem Markt, in der Technik , in der Politik. Die Rahmenbedingungen ändern sich schnell. Es muss dann auch schnell gegengesteuert werden sonst sauft der ganze Tanker ab. So werden ein paar Matrosen an Land gesetzt weil es nicht anders geht. Vielleicht gelingt es den einen oder anderen in anderen Abteilungen unterzubringen. Das ist auch Aufgabe des Betriebsrates. Darum sollte er sich jetzt hauptsächlich kümmern.

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    1. Ich melde mal leichte Zweifel an, ob unsere Steuermänner auf der Brücke alles im Griff haben. Neue Ideen habe ich von da schon lange nicht mehr gehört. Wir werden immer mehr wie Amazon. Das ist die falsche Strategie. Und das Bild mit dem Matrosen, der an Land gesetzt wird, ist auch schief. Über Bord geschmissen trifft es eher!

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    2. Darf ich widersprechen. Der e-book reader tolino wurde von Weltbild entwickelt. Er ist besser als der kindle von amazon. Ein toller erfolg. Der tablet pc. Ebenfalls ein großer Verkaufserfolg. Weltbild bietet modernste Technik an und das erfolgreich. Sind das keine Neuerungen ? Das schnelle S - Shuttle. SAP Einführung. All das sind Innovationen die uns besser machen sollen. Der Kunde wandert immer mehr zum Internet ab und bestellt dort. Dieser Entwicklung muss sich der Handel anpassen. Das Kaufverhalten ändert sich stark. Weltbild kann das nicht ignorieren. Deshalb dieser wohl auch schmerzhafte aber notwendige Änderungsprozess um Fit für die Zukungt zu sein. So kann man das alles eben auch sehen. Da spricht viel dafür. Einst verpasste Haindl diese Innovationen und musste am Ende verkauft werden. Sie hatten das Geld für die neue Technologie nicht mehr und konnten deshalb nicht mehr mitkonkurrieren.

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    3. Was hat sich mit SAP eigentlich verbessert? Die Zugriffszeiten? Das Handling? Die Produktivität? Die Qualität? Die wirtschaftliche Situation der Berater?

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