Sonntag, 15. Januar 2012

Heiliger Bimbam: Die Sonntagssprüche von Kardinal Marx (Folge 6)

Heute geht es Kardinal Marx zunächst – wie versprochen – um den Anstand. Man könnte nicht alles auf Dauer nur rechtlich regeln, schreibt er auf Seite 52 seines Buches „Das Kapital“. Gerade in einem hochkomplexen Wirtschaftssystem könne man keine wasserdichten Regeln für alle möglichen Eventualitäten finden. Ohne das Ethos des ehrlichen Kaufmanns und der ehrlichen Kauffrau komme man in ganz schwieriges Fahrwasser.

Schade, dass er und seine Mitbrüder sich in Würzburg letztes Jahr, als sie die Entscheidung trafen, uns erneut auf den kapitalistischen Markt zu werfen, nicht anständig verhielten. Hätten sie sich nämlich anständig verhalten, hätten sie auch die anderen kirchlichen Buchhandlungen, die in ihren KNV- und Libri-Datensätzen Erotik oder Esoterik führten, auch verkaufen müssen. Aber das lag ihnen fern. Sie ergriffen das Stichwort „Porno“, um allein Weltbild, also mehr als 6.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter loszuwerden. Möglicherweise kam ihnen das Stichwort sehr gelegen, um jetzt endlich mit uns Kasse zu machen. Mit den kleinen Dom- oder Klosterbuchhandlungen kann man ja schlecht das große Geld verdienen.

Auf Seite 52 seines Buches schreibt Kardinal Marx dann weiter, dass die Enron-Manager ihr betrügerisches System nicht hätten errichten und aufrechterhalten können ohne die Billigung von Wirtschaftsprüfern und Aufsichtsräten. Übertragen gilt das natürlich auch für Weltbild: Ohne die Billigung von kirchlichen Aufsichtsräten hätte Weltbild die KNV- und Libri-Datenbanken nicht integriert und Weltbild hätte sich auch nicht an Pubbles beteiligen können. Wie im Fall Enron bleibt im Fall Weltbild eine irritierte Öffentlichkeit zurück, die bisher der Kirche und Weltbild Vertrauen entgegen gebracht hat, jetzt aber nicht mehr weiß, an was sie ist. Wieso haben kirchliche Aufsichtsräte bisher Erotik und Esoterik in ihren Buchhandlungen und bei Weltbild geduldet, jetzt aber nicht mehr? Die Öffentlichkeit versteht das kaum.

Und wir Verdianer fragen: Warum haben Herr Marx und die anderen katholischen Bischöfe in Würzburg nicht einfach gesagt: Okay, Erotik wollen wir nicht bei Weltbild sehen, nicht einmal ganz weit hinten in den KNV- und Libri-Datenbanken. Es war ein Fehler des Aufsichtsrats und der Geschäftsführung (die sich übrigens in Person von Herrn Halff dafür entschuldigt hat) hier nicht genauer hinzuschauen Es war uns nicht bewusst, dass über KNV und Libri solche Titel in unsere kirchlichen Buchhandlungen und Weltbild einfließen. Aber das wird jetzt bereinigt und in Zukunft kümmern wir uns mehr um die „katholische“ Ausrichtung des Unternehmens … Ja, warum haben sie in Würzburg letztes Jahr nicht so reagiert? Wir können als Gewerkschafter nur vermuten: Weil es den katholischen Bischöfen in Würzburg darum gar nicht ging! Sondern darum, mit uns 6.400 Mitarbeitern jetzt endlich Kasse zu machen. Und es wäre anständig gewesen, das auch einfach so zu sagen und nicht „Porno“ als Begründung vorzuschieben. Uns Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Weltbild quasi als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines „Porno“-Unternehmens in der Öffentlichkeit erscheinen zu lassen und hier nicht schützend vor uns zu treten, das hat viele hier bei Weltbild sehr betroffen. Und deshalb, lieber Herr Kardinal, fordern wir von Ihnen und Ihren Mitbrüdern in Zukunft etwas mehr Anstand, besonders jetzt, da sie uns ein zweites Mal verkaufen und damit für Ihre Zwecke vergolden wollen.

Donnerstag, 12. Januar 2012

BR fordert: Mitarbeiter-Vertreter in den Aufsichtsrat

Carel Halff hat es auf der letzten Betriebsversamlung selbst gesagt: Er muss sich mit dem WELTBILD-Aufsichtsrat über die Leitplanken des Verkaufs abstimmen. Das heißt: letzten Endes sagt der Aufsichtsrat, wie, wann und zu welchen Bedingungen an wen verkauft wird.

Genau wie die Bischöfe hat auch Carel Halff immer wieder öffentlich versichert, wie sehr ihm das persönliche Schicksal der MitarbeiterInnen am Herzen liegt. Wenn man den hohen Herren Glauben schenkt, kann ja eigentlich für uns gar nichts mehr schief gehen. Wenn – ja wenn – der Aufsichtsrat den ganzen wohlmeinenden und fürsorglichen Verkaufsbeauftragten keinen Strich durch die Rechnung macht.

Der Betriebsrat wird jetzt dafür sorgen, dass das nicht passiert!

Denn in Deutschland gibt es Gesetze, die sagen: In Firmen ab einer bestimmten Größe müssen VertreterInnen der Belegschaft auch Sitze im Aufsichtsrat bekommen. Bislang sind uns diese allerdings mit dem Hinweis auf den weltanschaulichen Kern des Unternehmens verweigert worden. WELTBILD, so hieß es bisher, sei ein "Tendenzbetrieb", bei dem die Mitbestimmungsgesetze keine oder nur eingeschränkte Anwendung finden.

Nun hat aber die Bischofskonferenz selbst gesagt, dass WELTBILD ein rein profit-orientiertes Unternehmen sei. Und genau dieser Umstand sei eben auch der Grund für den Verkauf. Damit – so meinen neben dem BR auch Juristen – entfällt der Grund für die Einschränkung der gesetzlichen Mitbestimmung.

Der Betriebsrat nimmt das gerne auf und wird jetzt Wahlen für die Mitarbeiter-VertreterInnen im Aufsichtsrat einleiten. Wäre ja zu schade, wenn all die guten Vorsätze von Carel Halff ausgerechnet an einem Gremium scheitern würden, bei dem wir ein gewichtiges Wörtchen mitzureden haben.

Die entsprechenden Beschlüsse sind gefasst und liegen der Geschäftsführung seit heute nachmittag vor. Daneben hat der BR eine spezialisierte Anwaltskanzlei beauftragt, die helfen wird, dass wir uns nicht in kleinlichen, juristischen Streitereien verlieren, sondern ganz schnell bekommen, was uns nach dem Gesetz zusteht: demokratische Beteiligung am Aufsichtsrat und damit direkte Mitsprache bei den Verkaufsbedingungen.

Während von der Geschäftsführung noch keine Stellungnahme zur aktiven Unterstützung der gemeinsamen Ziele vorliegt, hat der Buchreport bereits berichtet.

Die offizielle Pressemitteilung zum Thema können Sie unter www.zukunftstarifvertrag.de nachlesen.

Mittwoch, 11. Januar 2012

Ver.di bei WELTBILD: 10% mehr Mitglieder in sechs Wochen!

Heute Abend trafen sich die ver.di-Mitglieder von WELTBILD zur ersten Versammlung 2012 im großen Festsaal der Gaststätte "Grüner Kranz" in Lechhausen. Gut gelaunt und voller Tatendrang diskutierten die VerdianerInnen viele starke Ideen zur Durchsetzung des Zukunftstarifvertrages. Am Ende der Versammlung wählten die Mitglieder fünf Vertrauensleute für den Betrieb.

Timm Boßmann, Sprecher der ver.di-Betriebsgruppe, informierte über den aktuellen Verhandlungsstand und die Einschätzungen der Tarifkommission. Außerdem stellte er die Strategie von Gewerkschaft und Betriebsrat vor: Sie baut auf drei stabilen Säulen auf, über die an dieser Stelle nicht mehr verraten werden kann. Wir wissen ja, wie fleißig die Geschäftsführung unser ver.di-Blog studiert ;-)

Thomas Gürlebeck, Sekretär des Fachbereichs Handel in Augsburg, stellte als "Ehrengast" Ruth Hahn-Bauer vor. Die Vorsitzende des ver.di-Ortsvereins Augsburg hatte sich an diesem Abend Zeit genommen, um den WELTBILD-KollegInnen wertvolle Tipps zur Mobilisierung und Mitgliederwerbung zu geben.

Ruth Hahn-Bauer ist seit rund 30 Jahren Betriebsrätin bei der Deutschen Post. Dort sind über 80% der Belegschaft bei ver.di organisiert und haben höchst erfolgreich gute und sichere Arbeitsbedingungen durchgesetzt. So gibt es beispielsweise einen tariflich vereinbarten "Rationalisierungsschutz" für alle Mitglieder. D.h. niemand darf entlassen werden, wenn neue Technologien die Arbeitsabläufe verändern. Eine geradezu sensationelle Garantie im technologisch getriebenen Logistik-Sektor. Des weiteren sind bei der Post bis 2015 betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen, es gibt neue Altersteilzeit-Modelle, die sechs Jahre vor der Rente greifen, und und und.

Eine starke Motivation für die VerdianerInnen bei WELTBILD, die Organisierung noch weiter voranzutreiben. "In den letzten sechs Wochen haben wir 10 Prozent neue Mitglieder gewonnen", freute sich ver.di-Sekretär Thomas Gürlebeck. Gute Voraussetzungen, den Zukunftstarifvertrag bei WELTBILD notfalls mit Arbeitskampfmaßnahmen durchzusetzen!

Danach stellte Timm Boßmann die nächste geplante Aktion im Zusammenhang mit dem Zukunftstarifvertrag vor: Ein Fackelzug zum Dom, an dessen Ende die gesammelten Protest-Postkarten – inzwischen mehrere Tausend – dem Bischof überreicht werden sollen.

Die Demonstration findet voraussichtlich am übernächsten Wochenende statt. Sobald die Genehmigung vom Ordnungsamt vorliegt, informieren wir hier und im Betrieb über den genauen Termin und Ablauf.

Am Ende der Versammlung wählten die anwesenden Mitglieder fünf Vertrauensfrauen und -männer, die innerhalb von WELTBILD die Gewerkschaftsarbeit vorantreiben und auch ein verlängerter Arm des Betriebsrats sein werden. Alle Vertrauensleute wurden einstimmig gewählt. Bei den nächsten Mitgliederversammlungen wird die Gruppe voraussichtlich nochmals erweitert, so dass in naher Zukunft in allen Unternehmensbereichen direkte Ansprechpartner von ver.di zur Verfügung stehen.

Aktiv im Betrieb: die Vertrauensleute sind ganz nah dran an der Belegschaft und unterstützen den Betriebsrat. Von links nach rechts: Manuela Natterer, Stefan Migdalek, ver.di-Betriebsgruppensprecher Timm Boßmann, Dirk N., Jürgen Puschmann und Helene Vollrath. Viel Erfolg bei euren neuen Aufgaben!

Presseschau: BR und ver.di sorgen weiter für Öffentlichkeit

Erinnern Sie sich an 2008? Damals flogen die Verkaufspläne der Weltbild-Gesellschafter nur durch eine Focus-online-Meldung auf. Irgendwer wollte die verlogene Geheimnistuerei von Kirche und Geschäftsführung nicht mitmachen und hat geplaudert. Nur so erfuhren wir – die MitarbeiterInnen von Weltbild – vom Verkauf unseres Unternehmens: durch die Presse!

2009: Erst Beruhigungspillen, dann Entlassungen
Als die Katze aus dem Sack war, hat Carel Halff die üblichen Beruhigungspillen verteilt und gesagt: "Es ändert sich nichts!" Die Presseabteilung von Weltbild hat derweil einen "sauberen" Job gemacht: Nach einigen wenigen Meldungen in der Branchenpresse und der Augsburger Allgemeinen war das Thema öffentlich vom Tisch.

Anschließend musste die Braut hübsch gemacht werden: Massenhafte Kündigungen waren die Folge. Und was stand in der Zeitung? Quasi nichts! Entsprechend sang- und klanglos gingen Entlassungen und Umstrukturierung über die Bühne. Viele engagierte KollegInnen mussten gehen, die Arbeit wurde nicht weniger. Deshalb ist der Druck auf uns alle noch weiter gewachsen. Das Gefühl der MitarbeiterInnen: "Wir kommen gar nicht vor. Niemand interessiert sich dafür, was mit uns passiert!"

BR und ver.di haben dazugelernt
Aus dieser Erfahrung heraus haben Betriebsrat und Gewerkschaft 2011 ganz besonderen Wert auf eine professionelle Öffentlichkeitsarbeit gelegt. Wir geben in kurzem Abstand Pressemitteilungen heraus und dokumentieren alles im Internet. Hier in diesem Blog und unter www.zukunftstarifvertrag.de. Mit Erfolg: Das Thema "Weltbild-Verkauf" ist bundesweit in die Medien gekommen. Die Branchenpresse, regionale Blätter und Massenmedien wie die Süddeutsche haben berichtet und unsere Forderungen öffentlich gemacht. So – und nur so – können wir Druck auf unsere Gesellschafter ausüben und dafür sorgen, dass diesmal niemand seinen Arbeitsplatz verliert.

Betriebsrat und Gewerkschaft sorgen mit Aktionen für Futter für die Presse und haben gezielt persönliche Kontakte zu wichtigen Blättern aufgebaut. Deshalb reagieren die Bischöfe, deshalb stehen weiterhin fast täglich neue Berichte in den Medien. Das heißt: Wir werden öffentlich wahrgenommen. "Wir kommen vor", und an uns kommen Kirche und Geschäftsführung nicht vorbei. Das ist ein Erfolg, den wir in diesem Blog dokumentieren und wöchentlich Links zu den aktuellen Pressemitteilungen online stellen.

Ausführliches Interview mit Betriebsgruppen-Sprecher Timm Boßmann und dem Augsburger ver.di-Sekretär Thomas Gürlebeck in der Augsburger Stadtzeitung und der Aichacher Zeitung.

Passauer Neue Presse: Lange Gespräche zur Zukunft der Weltbild-Mitarbeiter

n-tv: Katholische Kirche spielt auf Zeit

Hier ein Auszug aus einem Artikel der Fachzeitschrift werben&verkaufen:

»Am Ziel, den Verlag zu veräußern, halte die Kirche aber uneingeschränkt fest. Einen Verkauf in den kommenden zwei Jahren bezeichnet Zollitsch gegenüber "dpa" als realistisch. "Aber sicherlich nicht als Schnellschuss in den nächsten Monaten." Ein Aus des Verlags und ein drastischer Abbau der Arbeitsplätze sollen verhindert werden. "Wir müssen das im Interesse der Mitarbeiter im Blick haben", sagt der Freiburger Erzbischof. "Wir haben eine soziale und menschliche Verantwortung." Nach Angaben von Zollitsch hat es bereits vor vier Jahren konkrete Verhandlungen mit Kaufinteressenten gegeben; diese seien jedoch ohne Ergebnis beendet worden. Ein Verkauf des Verlags werde Zeit in Anspruch geben, da es aufgrund seiner Größe nicht allzu viele mögliche Käufer gebe.«
Bitte genau lesen: "Ein AUS und der DRASTISCHE Abbau von Arbeitsplätzen" sollen laut Zollitsch verhindert werden. Wir dagegen wollen vier Jahre Sicherheit für ALLE Arbeitsplätze!

Mittlerweile über 200 Kommentare im Forum der Augsburger Allgemeinen

Börsenblatt: Kein Schnellschuss beim Weltbild-Verkauf

Süddeutsche Zeitung: Betriebsrat fordert vierjährige Existenzsicherung aller Mitarbeiter

"Immer Ärger mit dem Sex" – süffisanter SPIEGEL-Artikel über Weltbilds jüngste Neuerwerbung, den Online-Kiosk Pubbles.

Fortsetzung folgt…

Dienstag, 10. Januar 2012

Das Montagsbild zu den Sonntagssprüchen

Ist angeblich schwer besorgt und grinst dabei wie ein Honigkuchenpferd: Unser Arbeiterbischof KAR-dina-L MARX



Vollständiger Artikel in der Augsburger Allgemeinen

Was meinen Sie dazu?

Sonntag, 8. Januar 2012

Heiliger Bimbam: Die Sonntagssprüche von Kardinal Marx (Folge 5)

Heute sei die christliche Sozialethik vorgestellt, wie sie sich Kardinal Marx vorstellt (Das Kapital S. 44 ff). Man könne auch von Solidarismus oder „Drittem Weg“ zwischen liberalem Individualismus und sozialistischem Kollektivismus sprechen, wenn man die kirchliche Sozialethik meine. Diese katholische Sozialethik gebe zwar nicht dem liberalem Individualismus Recht, doch neige sie sich mehr dem Liberalismus zu als dem Sozialismus/Kommunismus. An erster Stelle komme im Christentum der Mensch, der als Individuum vor Gott steht, erst an zweiter Stelle die Gemeinschaft, der Staat.

Obwohl die Kirche den Menschen also vor allem als freies Individuum sieht, hat er sich nach der Vorstellung von Kardinal Marx doch an allgemeinen moralischen Überzeugungen zu orientieren, damit nicht alles, was möglich ist, Realität wird (z. B. in der Gentechnik). Auf die Wirtschaft übertragen bedeutet das: Es darf nicht alles, was Gewinne bringt, auch getan werden. Wir wollen hoffen, dass dieser Grundsatz von Kardinal Marx nicht nur im Falle Weltbild beachtet wird, wo man das Angebot von Antikatholischem, Erotischem, Esoterischen und Buddhistischem reinigt, sondern er die gleichen Grundsätze auch auf Bankbeteiligungen, Rüstungsbeteiligungen, Brauereien und andere Geschäftstätigkeiten der Kirche anwendet. Es scheint uns zu billig, immer nur auf die anderen zu zeigen und zu sagen, was die nicht dürfen. Um wieder glaubhaft zu sein, müssten die kirchlichen Oberhirten auch im eigenen Stall kehren. Und zwar nicht nur bei Weltbild, sondern umfassend.

Seinen moralischen Zeigefinger richtet Kardinal Marx auf S. 51 ausdrücklich auf das Wirtschaftsleben, wo in zügelloser Profitgier zunehmend Grenzen überschritten würden – moralische und rechtliche. Als Beispiel nennt der Münchener Kardinal z. B. Enron. Aber warum nennt er nicht auch eines der 30.000 kirchlichen Unternehmen in Deutschland, wo wegen zügelloser Profitgier Grenzen überschritten wurden? Gibt es diese Beispiele nicht? Wir von der Gewerkschaft stimmen dem Herrn Kardinal zu, wenn er diese Profitgier geißelt. Wir haben hier im Unternehmen Weltbild in den letzten Jahren gesehen, dass der Profit immer mehr an die erste Stelle von Überlegungen rückte. Aber Weltbild wird unter den 30.000 kirchlichen Firmen in Deutschland sicher nicht die einzige sein, in der Profit vor andere Richtlinien gesetzt wurde. Insofern wäre es sympathischer, wenn Kardinal Marx mit einem MEA CULPA vor die Öffentlichkeit träte als im Domradio München einen katholischen Unternehmer die kirchlichen Rüstungsbeteiligungen verteidigen zu lassen: bis 5 % solcher Aktienbeteiligungen wären erstens nicht zu vermeiden und zweitens moralisch nicht zu verwerfen.

Auf Seite 52 seines Buches schreibt Kardinal Marx, kein System könne auf Dauer alles bloß rechtlich regeln und auf die Moral und den Anstand verzichten. Gut geschrieben. Dazu nächstes Mal mehr. Diesmal nur noch als Schlusssatz: Wir hoffen, dass Kardinal Marx beim Verkauf von Weltbild uns Mitarbeitern gegenüber Anstand beweist, indem er sich für den Zukunftstarifvertrag und eine angemessene Beteiligung an den Gewinnen des Verkaufs ausspricht. Wir von der Gewerkschaft werden genau hinschauen, wie viel Moral und Anstand er und seine „Mitbrüder im Amt“ haben.

Samstag, 7. Januar 2012

Rückblick: Weihnachtsmarkt bei Weltbild


2011 entfiel die traditionelle Weihnachtsfeier bei Weltbild, stattdessen wurde zum Weihnachtsmarkt im Handwerkerhof in Augsburg eingeladen.
Ein Shuttle-Bus-Betrieb zwischen Weltbild und dem Handwerkerhof ermöglichte den Transfer hin- und zurück.
So weit, so gut.
Wem es auf diesem so genannten Weihnachtsmarkt gefallen hat, umso besser, herzlichen Glückwunsch, dann nehmen Sie das folgende einfach als unwesentliche Meinungsäußerung eines einzelnen Nörglers.

Für Weltbildmitarbeiter gibt es zwei Highlights im Jahr, das sind das Weltbild-Sommerfest und die Weltbild-Weihnachtsfeier.
Das sind meiner Ansicht nach auch die einzigen beiden Gelegenheiten, an denen die Geschäftsführung freiwillig was für die Belegschaft springen lässt.
Diese Veranstaltungen werden meistens sehr nett und originell organisiert, mit häufig guter Verpflegung und oft mit Musik und Tanz.
Weiter will ich gar nicht ins Detail gehen, damit uns das nicht auch noch irgendwelche selbsternannten Moralapostel neiden.

Dieses Jahr war die Weihnachtsfeier sehr spartanisch. Man könnte meinen, ein Vorgriff in vorauseilendem Gehorsam, denn die Pornodebatte müsste ungefähr in der Planungszeit der Weihnachtsfeier stattgefunden haben.
Wurde noch kurzfristig umdisponiert, um keine Angriffsflächen zu bieten ?

Oder war einfach jemand der Ansicht, ein paar Würstchenbuden im Freien in zwei zugigen Hinterhöfen bei Schneeregen wären eine Superidee für eine Weihnachtsfeier ?
Sollen wir uns schon mal an Sparmaßnahmen gewöhnen, damit die neuen Besitzer mit uns nicht soviel Probleme haben ?

Unter einem Weihnachtsmarkt verstehe ich etwas anderes.
Schon mal auf einem gewesen ?
Da gibt es nicht nur Essen und Trinken, sondern Atmosphäre und viele Büdchen mit bunten und mehr oder weniger geschmackvollen und mehr oder weniger brauchbaren Dingen zum Ansehen und Kaufen.
Daher kommt übrigens auch der Name „Markt“.

Eine halbe Stunde An- und Rückreise für zwei bis drei Semmeln mit Wurst oder Fleisch und einem Glühwein, dazu etwas Weihnachtsgesäusel vom Band, das war die Weihnachtsfeier 2011, da habe ich mich etwas vera…. gefühlt.
Warum habt Ihr die Buden nicht im Weltbildhof aufgebaut ?
Da hätten wir eine Menge Zeit gespart.
War das billiger im Handwerkerhof ?

Ich hoffe, dass wir 2012 wieder eine Weihnachtsfeier wie in den Vorjahren haben, das wäre sehr nett.


Mittwoch, 4. Januar 2012

Neuigkeiten über die SAP-Einführung ?


Man hat hier schon lange nichts mehr darüber gehört.

Letztes Jahr gab es eine Teileinführung für Finanzbuchhaltung und Artikelverwaltung, was für daran Unbeteiligte geräuschlos über die Bühne ging.
Im Sommer diesen Jahres 2012 soll als erstes komplett Kidoh über SAP abgewickelt werden, die anderen Firmen sollen 2013 folgen.

Funktioniert erstmal Kidoh vollständig und effizient über SAP, so dürften die größten Hürden genommen sein und eine Einführung in den anderen Firmen nur noch eine Wiederholung der bereits geübten Abläufe sein.
Vorausgesetzt, es gibt nicht zu viele Spezialitäten, bei denen man sich darauf geeinigt hat, das braucht man bei Kidoh nicht, aber bei Weltbild dann schon.

Kidoh ist also sozusagen die Generalprobe für Weltbild.
Außerdem haben die Mitarbeiter dann ein knappes Jahr Zeit, sich mit dem kompletten System und den Abläufen vertraut zu machen, bevor es ins Massengeschäft geht.

Der Zeitplan steht.
Er wird wohl erst auf Herz und Nieren geprüft werden, wenn die produktionsnahen Tests beginnen.
Hier wird sich herausstellen, wie sauber und vollständig gearbeitet wurde.

Einen Zeitplan kann man ziemlich lange einhalten, in dem man zu den definierten Terminen das Vereinbarte abliefert, aber eben nicht so detailliert, wie es eigentlich notwendig wäre.
Die Wahrheit tritt dann erst ans Licht, wenn die ersten Abläufe funktionieren sollen.
Oder, wenn auch unter Zeitdruck getestet wird, wenn das ganze bereits produktiv genutzt wird.
Eine übliche Vorgehensweise – wir haben noch einige Unebenheiten, die wir noch abschleifen müssen – wäre dann die übliche Sprachregelung. Schon mal gehört ?

Aber man sollte nicht allzu schwarzsehen.
Das ist nicht die erste SAP-Einführung und es ist auch keine Weltbild-Spezialität und kein Hexenwerk für eine Software, eine Artikelbestellung entgegenzunehmen, die Versendung zu unterstützen, eine Rechnung zu erstellen und aufzupassen, dass der Kunde auch zahlt.
Das machen tausende von Shops im Internet, das werden wir auch mit SAP schaffen.
Es wird am Anfang rumpeln und knirschen, es wird einige Dinge geben, die nicht mehr so gut wie früher sind, aber es werden weiterhin Pakete die Firma verlassen.

Weltbild wird besser verkaufbar sein, wenn es mit SAP läuft.
Ideal wäre ein Verkaufszeitpunkt kurz nach der SAP-Einführung, dann kann sich der neue Besitzer mit den Anfangsschwierigkeiten herumschlagen und trägt das Risiko der Einführung.

Wir bereiten uns auch insofern auf die Umstellung vor, dass wir wegen der Kirche schon mal das Sortiment kräftig einschränken, wie man so liest.
Dann muss SAP erstmal nicht so viele Aufträge verarbeiten.
Für den Käufer wird es aber schwer, das angeschlagene Image von Weltbild („Zensur durch die Kirche“) wieder herzustellen.
Aber vielleicht heißen wir ja dann auch anders, mit einem kleinen Weltbild in Klammern.

Apropos Image.
Da gab es ja noch die Großrechner-Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze durch die SAP-Einführung von der Geschäftsführung knallhart abgeschafft werden sollten.
Die Aussage war, man hat nicht vor, die Mitarbeiter auf SAP umzuschulen.
Die Aussage war, man muss Stellen abbauen, um die notwendigen Einsparungseffekte zu erzielen.
Das sind doch mal nette Aussagen für ein kirchliches Unternehmen !
Das nur noch mal zur Erinnerung, falls noch jemand Illusionen über kirchliche Unternehmen oder die Geschäftsführung von Weltbild haben sollte.

Wie ist die Lage bezüglich der Mitarbeiter ?
Wie die Post in den Fachabteilungen abgehen wird, dazu kann man jetzt noch nichts sagen.
Diese sind nicht so unmittelbar und unverblümt bedroht worden wie die Großrechner-Mitarbeiter.
Im Großrechnerbereich sind inzwischen wider Erwarten ganze Abteilungen in den SAP-Bereich übernommen worden.

Offensichtlich ist es doch möglich, auch ohne SAP-Erfahrung in diesen Bereich zu wechseln.
Jemanden mit gesundem Menschenverstand wundert das auch nicht, denn die so genannten SAP-Experten sind auch nicht auf Bäumen herangewachsen, sondern kommen von Unternehmen, die ihre Mitarbeiter schulen und das nicht anderen Firmen überlassen.

Ironischerweise hängen ausgerechnet die Großrechner-Programmierer noch ziemlich in der Luft, obwohl sie als Programmierer mit wechselnden Programmiersprachen, Betriebssystemen und Entwicklungsumgebungen vertraut und somit flexibel sind.
Es gibt nach wie vor keine konkreten offiziellen Aussagen, wer sich nach der SAP-Einführung wo wieder finden wird, auf der Straße oder in einer anderen Abteilung.

Das vor dem Hintergrund, dass die zugesagte Sperrfrist für Kündigungen Ende Juni 2012 ausläuft.
Langjährige Mitarbeiter haben eine lange Kündigungsfrist.
Das heißt, der Moment der Wahrheit kann jetzt bald kommen.
Und es kann nur einen Grund geben, warum man langjährige Mitarbeiter nicht durch feste Zusagen motiviert, den Großrechner noch bis zum Schluss zu betreuen und die SAP-Einführung nach besten Kräften zu unterstützen.
Weil man sie eben nicht übernehmen will.
Mal abgesehen davon, dass man das dankenswerter Weise klipp und klar auch gesagt und nicht verschwiegen hat (s.o.).

Wie geht es den Mitarbeitern damit ?
Ein paar haben schon erfolgreich die Abteilung gewechselt.
Dann gibt es vermutlich einige, wie immer, die ihr Scherflein schon im Trockenen haben, oder das zumindest meinen.
Dann gibt es welche, denen wahrscheinlich Hoffnung gemacht wird, ohne dass sie etwas Festes in der Hand haben.

Der Rest wird irgendwo zwischen Resignation, Abwarten oder dem Hoffen, etwas anderes zu finden, stehen.
Aber das könnte übel ins Auge gehen.
Programmierer zwischen Mitte 40 und Mitte 50 werden nicht gerade händeringend gesucht.
Obwohl sie noch zwischen 10 und 20 Jahren Berufsleben vor sich haben, das ist ein Zeitraum, in dem ein SAP-Experte oder Shop-Programmierer drei- bis fünfmal die Firma wechselt.

Der Betriebsrat hat Kollegen aus diesem Bereich dringend empfohlen, sich auf ausgeschriebene Stellen bei Weltbild zu bewerben.
Wie schon vor längerem erwähnt, es spielt keine Rolle, ob man die Anforderungen hundertprozentig erfüllt.
Diese Anforderungen sind mit Absicht so formuliert, damit sich Interne nicht trauen, sich darauf zu bewerben und damit sie leicht abgelehnt werden können.


Der Betriebsrat hat Möglichkeiten, interne Bewerbungen zu unterstützen.

Er hat hier auch schon vielfältig interveniert und einen großen Teil dazu beigetragen, dass so viele KollegInnen aus dem Großrechner-Bereich SAP-Jobs bekommen haben.

Und, mancher mag es schon gar nicht mehr hören, aber das macht nichts:
Die Gewerkschaft Verdi ist nicht unser Feind, es nichts Verwerfliches an einer Gewerkschaftsmitgliedschaft, sondern es ist unser gutes Recht, dort einzutreten und zu verhindern, dass die Arbeitgeber willkürlich mit uns umspringen (siehe auch wieder oben).


So hat Verdi z.B. dem Betriebsrat bei der Betriebsvereinbarung zu SAP beratend beigestanden.
Nur die Gewerkschaften stehen zwischen uns und frühkapitalistischen Zuständen.


Wer von den Betroffenen zum Geschriebenen etwas beitragen möchte, nutze doch bitte den Kommentar-Link unter diesem Beitrag oder übersendet uns Informationen oder Beiträge direkt an blogredaktion@web.de.


Montag, 2. Januar 2012

"Weltbild-Mitarbeiter sind selbst schuld und sollen sich andere Arbeit suchen

Die kath.net-Kampagne gegen Weltbild ist vom sogenannten kath.net-Watchblog "prämiert" worden:

Die kath.net-Highlights 2011: Platz 5

Dort kann man auch einen sehr christlichen Kommentar eines kath.net-Lesers über uns nachlesen:

Auch die „Mitarbeiter“ haben schwere Schuld auf sich geladen!
Die 6000 „Mitarbeiter“ sollen angeblich die Firmenpolitik der „Bosse“ ausbaden? Nein, sie sind mitverantwortlich für das Sodom und Gomorrha-Angebot bei Weltbild. Sie haben die „Produkte“ verkauft. SIE hätten sich eine ANDERE ARBEIT suchen müssen! Es gibt genug ARBEIT in Deutschland! Zur Not sind da eben auch einmal Flexibilität und finanzielle Opfer angesagt. Schließlich geht es hier um Gott und um Christus, den Erlöser.

Wer aber Schund verkauft, der kann keine Erlösung und auch keine Vergebung finden, sondern nur die Strafe der Exkommunikation.

Den kath.net-Watchblog "Episodenfisch" legen wir all jenen warm ans Herz, die sich dafür interessieren, wes Geistes Kind jene Katholischen Taliban sind, die unsere Arbeitsplätze gefährden.

Sonntag, 1. Januar 2012

Heiliger Bimbam: Die Sonntagssprüche von Kardinal Marx (Folge 4)

+ Neujahrsausgabe +

Kardinal Marx und seine Mitbrüder (Mitschwestern gibt es selbst nach 2.000 Jahren Kirchengeschichte nicht, obwohl es keine theologischen Gründe gegen Pfarrerinnen und Bischöfinnen gibt) sangen zu Weihnachten mit Inbrunst das Lied „Süßer die Kassen nie klingeln als zum Weltbild-Verkauf, unsere Mitarbeiter bringen Milliarden Euros zu hauf …“. Heute sind wir von der Gewerkschaft wieder am Zug. So lassen wir den Münchener Sozialkardinal hier erneut zu Wort kommen und lauschen fromm seinem Pattloch-Buch „Das Kapital“. Den Dialog mit uns als den Betroffenen ihrer Entscheidungen verweigern er und seine geweihten Mithäupter leider weiterhin.

Auf Seite 33 seines Buches schreibt Kardinal Marx, dass er vielen Menschen begegnet. An erster Stelle nennt er – verräterisch, wie wir finden – Mitglieder des „Bundes katholischer Unternehmer“. Diese Unternehmer, so Marx, würden ihre Mitarbeiter niemals als bloße Produktionsfaktor, als Manövriermasse im Wettbewerb sehen. Wir können nur hoffen, dass die katholischen Bischöfe diesen sozialen katholischen Unternehmern nicht nachstehen wollen, wenn es um unseren Verkauf geht. Noch haben wir nicht ganz die Hoffnung aufgegeben, dass sie den Zukunftstarifvertrag unterschreiben und uns am Gewinn aus dem Verkauf des Unternehmens anständig beteiligen.

Eine Seite weiter erklärt Kardinal Marx, dass er auch die „Katholische Arbeitnehmerbewegung“ trifft, wo es Arbeitnehmer gibt, die Angst um ihre Arbeitsplätze haben. Denen scheint es wie uns jetzt zu gehen. Dank der Weisheit des Würzburger Heiligen Geistes und der Entscheidung der katholischen Bischofskonferenz, haben auch wir jetzt Sorgen um unseren Arbeitsplatz. Keiner hier glaubt, dass der Verkauf ohne soziale Härten für uns Beschäftigte über die Bühne geht. Wenn uns Kardinal Marx besuchen würde, könnte er das auch von uns hören. Auch bei Weltbild gibt es alleinerziehende Mütter, deren Kinder Kardinal Marx und seine Kollegen in die Gefahr bringen den Arbeitsplatz zu verlieren und deren Kinder vielleicht in jene Kinderarmut schlittern, die der Kardinal auf Seite 35 seines Buches mit Worten, die zu Herzen gehen, beklagt.

Ob der liebe Herr Kardinal verstehen kann, dass wir seine schönen Worte, mit denen er in einem unserer Verlage noch schönes Geld verdient hat, als zynisch empfinden, weil er einer derjenigen kirchlichen Oberhirten war, die uns wegen einer Handvoll Pornojäger und Ex-Weltbild-Mitarbeiter, die gegen uns gehetzt haben, in soziale Unsicherheit stürzen? Oder glaubt er etwa wirklich, dass Menschen mit Migrationshintergrund, die in seinem kirchlichen Unternehmen im Sekundentakt Bücher verpacken oder sich in den Hunderten von kirchlichen Schmalspurbuchhandlungen acht Stunden die Füße platt stehen, daran schuld sind, dass es den White-Collar-Mitarbeitern im Weltbild-Haupthaus nicht gelang, in dem Wust von mehr als 1 Million Büchern auch wirklich jedes von den Rechts-außen-Katholiken nicht gewünschte Buch herauszufiltern?

Mit seiner bischöflichen Entscheidung, Weltbild nach eine kurzen Pause von einem oder zwei Jahren wieder auf den Markt zu werfen, bestraft er aber genau diese Menschen mit ihren Minilöhnen (oft sind es sogar noch Zeitarbeitskräfte, die für die Kirche schuften), nicht aber die eigentlich Verantwortlichen. Ob sich der Würzburger Bischofsclub darüber Gedanken gemacht hat? Kann sich einer dieser Herren, wenn er sich morgens wäscht und in den Spiegel schaut, noch ohne ein schlechtes Gewissen in die Augen sehen? Wahrscheinlich schon, denn als Katholiken werden sie dran glauben, dass ein Beichtgespräch jede Sünde abwäscht. Nur sollten Kardinal Marx und seine Mitbrüder nicht vergessen, auch tätige Reue zu üben!

Wir jedenfalls werden sie jeden Tag an diese tätige Reue, die sie noch zu üben haben, erinnern. Und wenn einer der Bischöfe von seinem Fahrer in seinem Mercedes zum nächsten Gemeindebesuch gefahren wird, soll er im Radio nicht „In dulci jubilo“, sondern einen Bericht über kirchliche Wirtschaftsverflechtungen hören, einen Beitrag über die Ausbeutung von 1-Euro-Jobbern in Caritas-Einrichtungen mancher Diözesen, eine Info über den in Kauf genommenen Unfalltod von Menschen, die ihr Andechser oder Scheyerer Klosterbier getrunken haben, und Nachrichten über viele anderen berichtenswerte Dinge aus dem Inneren der göttlichen Heilsinstitution Kirche.

Die Pforten der Hölle werden die Kirche nicht überwinden. Die Affäre WELTBILD wird dabei helfen, die Kirche in Deutschland zu reinigen und auf den Weg Christi zurückzubringen. Dazu wollen wir von Ver.di auch unser Scherflein beitragen, denn es gibt in unseren Reihen Katholiken, die an der Kirche, wie sie heute in Deutschland existiert, leiden.

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