Donnerstag, 12. Januar 2012

BR fordert: Mitarbeiter-Vertreter in den Aufsichtsrat

Carel Halff hat es auf der letzten Betriebsversamlung selbst gesagt: Er muss sich mit dem WELTBILD-Aufsichtsrat über die Leitplanken des Verkaufs abstimmen. Das heißt: letzten Endes sagt der Aufsichtsrat, wie, wann und zu welchen Bedingungen an wen verkauft wird.

Genau wie die Bischöfe hat auch Carel Halff immer wieder öffentlich versichert, wie sehr ihm das persönliche Schicksal der MitarbeiterInnen am Herzen liegt. Wenn man den hohen Herren Glauben schenkt, kann ja eigentlich für uns gar nichts mehr schief gehen. Wenn – ja wenn – der Aufsichtsrat den ganzen wohlmeinenden und fürsorglichen Verkaufsbeauftragten keinen Strich durch die Rechnung macht.

Der Betriebsrat wird jetzt dafür sorgen, dass das nicht passiert!

Denn in Deutschland gibt es Gesetze, die sagen: In Firmen ab einer bestimmten Größe müssen VertreterInnen der Belegschaft auch Sitze im Aufsichtsrat bekommen. Bislang sind uns diese allerdings mit dem Hinweis auf den weltanschaulichen Kern des Unternehmens verweigert worden. WELTBILD, so hieß es bisher, sei ein "Tendenzbetrieb", bei dem die Mitbestimmungsgesetze keine oder nur eingeschränkte Anwendung finden.

Nun hat aber die Bischofskonferenz selbst gesagt, dass WELTBILD ein rein profit-orientiertes Unternehmen sei. Und genau dieser Umstand sei eben auch der Grund für den Verkauf. Damit – so meinen neben dem BR auch Juristen – entfällt der Grund für die Einschränkung der gesetzlichen Mitbestimmung.

Der Betriebsrat nimmt das gerne auf und wird jetzt Wahlen für die Mitarbeiter-VertreterInnen im Aufsichtsrat einleiten. Wäre ja zu schade, wenn all die guten Vorsätze von Carel Halff ausgerechnet an einem Gremium scheitern würden, bei dem wir ein gewichtiges Wörtchen mitzureden haben.

Die entsprechenden Beschlüsse sind gefasst und liegen der Geschäftsführung seit heute nachmittag vor. Daneben hat der BR eine spezialisierte Anwaltskanzlei beauftragt, die helfen wird, dass wir uns nicht in kleinlichen, juristischen Streitereien verlieren, sondern ganz schnell bekommen, was uns nach dem Gesetz zusteht: demokratische Beteiligung am Aufsichtsrat und damit direkte Mitsprache bei den Verkaufsbedingungen.

Während von der Geschäftsführung noch keine Stellungnahme zur aktiven Unterstützung der gemeinsamen Ziele vorliegt, hat der Buchreport bereits berichtet.

Die offizielle Pressemitteilung zum Thema können Sie unter www.zukunftstarifvertrag.de nachlesen.

Kommentare:

  1. Muss man zweimal lesen… aber dann: Respekt! Kluger Schachzug von unserem BR. Die meinen es tatsächlich ernst!

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  2. Tendenzbetrieb! Wieso sollen denn die Mitarbeiter in einem kirchlichen Unternehmen weniger Rechte und Mitsprache haben wie in Betrieben "dieser bösen Welt"? Wenn die Kirche wirklich nur ein kleines Fünkchen von dem verwirklichen würde, was ihr Gründer im Evangelium als Leitlinien vorgegeben hat, hätte die Kirche ihren Mitarbeitern schon lange mehr Rechte geben müssen als die Herren "dieser bösen Welt".

    Schade, dass jede positive Änderung in der Kirchengeschichte immer von außen kommen musste.

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  3. bei mehr als 6000 Beschäftigten ist das doch wohl eine Selbstverständlichkeit! Wieso habt ihr nicht schon in der Vergangenheit für unsere Beteiligung im Aufsichtsrat gekämpft?

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    1. Wie im Artikel oben nachzulesen, haben sich die Herren bisher immer hinter dem »Tendenzbetrieb« verschanzt. Wobei sie für Weltbild quasi doppelten Tendenzschutz in Anspruch nahmen: 1.kirchliches Unternehmen 2. (Zeitschriften-)Verlag. Da hatten wir auf juristischem Weg ganz schlechte Karten.
      Aber zwischenzeitlich sieht es ja anders aus …

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  4. @Anonym Jan 13, 2012 01:34 AM

    Haben Sie nur die Überschrift gelesen?
    Nochmal extra für Sie:
    "WELTBILD, so hieß es bisher, sei ein "Tendenzbetrieb", bei dem die Mitbestimmungsgesetze keine oder nur eingeschränkte Anwendung finden."

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