Freitag, 27. Januar 2012

Bischof Zdarsa: „Ich finde Ihr Anliegen absolut verständlich.“

Endlich: Augsburger Bischof empfing Belegschafts-VertreterInnen von WELTBILD

Im Vorfeld hatte es reichlich Unruhe gegeben. Nach zwei vergeblichen Einladungen an den Bischof hatten die WELTBILD-MitarbeiterInnen am Samstag vor dem Augsburger Dom demonstriert. Am Donnerstag schließlich lud Bischof Konrad Zdarsa VertreterInnen der Belegschaft in seine Residenz ein. Fast anderthalb Stunden dauerte das Gespräch, das die 12 Abgesandten als sehr positiv und entspannt beschreiben. So empfand es offenbar auch der Bischof, der bedauerte „erst heute gesprochen zu haben.“ Er habe jetzt ein viel besseres Verständnis der Sorgen und Nöte der MitarbeiterInnen gewonnen.

Betriebsratsvorsitzender Peter Fitz und ver.di-Handelssekretär Thomas Gürlebeck trugen die Argumente der Belegschaft vor. Die MitarbeiterInnen fordern seit Dezember einen Zukunftstarifvertrag, der Arbeitsplätze und -bedingungen bei WELTBILD auch nach dem Verkauf sichern soll. Der Bischof hörte aufmerksam zu und nannte die Forderungen „absolut verständlich“ und „angemessen“. Das sehe nicht nur er so: In der Bischofskonferenz „sind noch mehr, die denken wie ich. Da können Sie sich sicher sein.“

Timm Boßmann machte als Sprecher der ver.di-Betriebsgruppe deutlich, worauf es den Angestellten jetzt ankommt: „Wir haben unsere Bedürfnisse im Zukunftstarifvertrag klar benannt und schriftlich vorgelegt. Bisher kamen von Seiten der Kirche nur weiche Worte. Wir erwarten aber konkrete Schritte.“ Bischof Konrad Zdarsa versicherte den Belegschafts-VertreterInnen, sich für deren Belange stark zu machen. Auf der nächsten Vollversammlung der Bischöfe im Frühjahr werde er die Anliegen der Beschäftigten vortragen und „geltend machen“. Der Generalvikar der Augsburger Diözese, Prälat Karlheinz Knebel, bestärkte das: „Der Bischof weiß, wo er das anbringen muss.“

Weniger Verständnis zeigte der Bischof für die Forderung der MitarbeiterInnen nach Sitzen im Aufsichtsrat. Er teilt den Standpunkt, WELTBILD sei ein Tendenzbetrieb, in dem die Mitbestimmungsgesetze nur eingeschränkt gelten. Diese offen vorgetragene Position trübte die gute Gesprächsatmosphäre nicht – wird die Belegschaft aber auch nicht daran hindern durchzusetzen, was ihnen nach deutschem Recht zusteht.

Am Ende versicherte der Bischof, er werde den weiteren Verlauf der Tarifverhandlungen aufmerksam verfolgen und bot eine Fortsetzung der Gespräche an.

Kommentare:

  1. Habt ihr übersehen, dass der Augsburger Bischof dem Papst unterstellt ist? Und der Papst ist gegen uns. Siehe hier:

    http://www.die-tagespost.de/Papst-Benedikt-XVI-wuerdigt-Arbeit-der-Tagespost;art456,131260

    Ich glaube kaum, dass der Augsburger Bischof uns helfen kann.

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  2. Was heißt hier "gegen uns"? Der Papst ist auch nur ein Geschäftsmann, der auf seinen Markenkern achtet ;-)

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  3. Ich möchte in Zusammenhang mit den Bemühungen von Ver.di und den Mitgliedern des Betriebsrates auf eines hinweisen. Mitglieder des Betriebsrates werden wegen ihrer Tätigkeit im Betriebsrat nicht selten diskriminiert. Aufstiegschancen werden ihnen verwehrt. Ich finde das sich da in Deutschland mehr bewegen muss. Es kann nicht sein das Bürger dieses Staates die ein Ehrenamt ( Betriebsamt ist rein ehrenamtlich) ausüben als Dank dafür eklatante Nachteile in ihrem Beruf erleiden müssen. Die meisten Mitglieder im Betriebsrat sind nicht frei gestellt sondern arbeiten Vollzeit. Dies ist ein krasses Unrecht , gegen das dringend mal mobil gemacht werden sollte.

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  4. Den Zusammenhang Diskriminierung von Betriebsratsmitglieder und dem Besuch bei Zdarsa verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Und außerdem wird niemand gezwungen Betriebsrat zu sein. Ehrenamtliche sind oft die Gearschten. Nicht jeder heißt Wulff und kann sich über eine christliche Partei an den Fleischtöpfen der Geldsäcke rumfuttern. Andererseits gibt es auch bezahlte Betriebsräte oder solche, die zur Hälfte arbeiten und zur Hälfte Betriebsrat sind. Und es gibt auch Gewerkschaftskarrieren mit Puff und allem drum und dran.

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  5. Der Zusammenhang ist vorhanden. Wer sich sich engagiert , beispielsweise auch in öffentlichen Aktionen der muss damit rechnen auch von einem katholischen Verlag , an seinem Arbeitsplatz krass benachteiligt zu werden. So geschehen in einem katholischen Verlag. Für mich ein unglaublicher Skandal, vergleichbar mit den Verfolgungen von Gewerkschaftern im Dritten Reich. Viele andere haben sich schnell daran gewöhnt und nehmen es teilnahmslos und apathisch hin.
    Hier hilft nur , das mehr Bürger dieses Staates endlich mal was tun. Es sind leider immer nur ein paar wenige die sich bemühen. Meiner Meinung nach zu wenige. Das Kapital lacht sich schepps. In Deutschland krankt die Demokratie am fehlenden Engagement der breiten Masse. Nur deshalb sind derarige Übergriffe möglich.

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  6. Ich kenne viele Fakten aus anderen Firmen (z. B. Dehner), in denen versucht wird, BR-Mitglieder einzuschüchtern und aus dem Unternehmen zu drängen. Aber BetriebsrätInnen genießen einen umfassenden gesetzlichen Schutz. Wenn der Betriebsrat zusammenhält, kann man diese Attacken in der Regel abwehren. Trotzdem können der oder die einzelne BetriebsrätIn in sehr schwierige Situationen kommen und müssen unter Umständen eine enorme psychische Belastung aushalten.

    Bei WELTBILD habe ich persönlich das so nicht erlebt. Natürlich gibt es mal Reibereien – insbesondere "auf Abteilung", weil die nicht freigestellten BR-Mitglieder zwischen Ehrenamt und normaler Arbeit manchmal schier zerrissen werden. Ein systematisches Betriebsrats-Bashing kenne ich von WELTBILD aber nicht. In aller Regel ist die Zusammenarbeit zwischen BR und Personalabteilung gut bis sehr gut. Natürlich streitet man sich, aber das liegt schlicht an den unterschiedlichen Standpunkten. Wenn immer eitel Sonnenschein wäre, würde eine der beiden Seiten ihren Job falsch machen.

    Ich bin auch überzeugt, dass niemand der KollegInnen, die an Aktionen wie der Dom-Demo teilnehmen, an ihrem Arbeitsplatz negative Konsequenzen zu befürchten haben. Sollte jemand andere Erfahrungen gemacht haben oder machen, kommt bitte zum Betriebsrat: Wir werden das dann sehr schnell und nachhaltig klären.

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