Montag, 23. Januar 2012

Massive Kritik an Schließung der Mariannhill Missionsdruckerei – Verzichte der Beschäftigten waren nutzlos!

So geht's, wenn man sich den katholischen Unternehmern nicht entschlossen in den Weg stellt. Hier dokumentieren wir eine Pressemitteilung der ver.di Augsburg, Fachbereich 8 (Medien) vom 21.1.2012:

Das hat diese Belegschaft nicht verdient, so der zuständige ver.di Gewerkschaftssekretär Rudi Kleiber aus Augsburg. Die Ordensleitung der Mariannhill Missionare in Würzburg und der Beirat entscheiden über das Schicksal von 20 Beschäftigten und schicken diese in die Arbeitslosigkeit. Betroffen von solchen Entscheidungen sind auch deren Familien und Kinder. Was mich besonders maßlos ärgert und betroffen macht, dass man sich nicht die geringste Mühe gemacht hat, über eine Fortführung mit der zuständigen Gewerkschaft zu sprechen.

Ob diese Betriebsschließung tatsächlich notwendig ist, daran haben die Beschäftigten und ver.di erhebliche Zweifel und üben heftige Kritik an der Ordensleitung in Würzburg und dem Beirat der Missionsdruckerei. Die Beschäftigten wurden vor vollendete Tatsachen gestellt, ohne Fragen an die Ordensleitung und Beirat richten zu können. Fragen, Sorgen und Anliegen der Beschäftigten müssen nun schriftlich an die Ordensleitung in Würzburg gerichtet werden. Ganz offenbar will man Fragen derzeit nicht beantworten und jegliche Diskussion im Betrieb unterdrücken.

Wenn die Druckerei angeblich seit Jahren kein positives Ergebnis mehr schreibt, wie Beirat und Ordensleitung behaupten, warum hat man sich dann nicht um ein tragfähiges Konzept mit den Beschäftigten und ver.di bemüht und an einen Tisch gesetzt, so ver.di Sekretär Rudi Kleiber. Es gibt mehrere Druckereien im ver.di Bezirk Augsburg, mit denen ver.di zusammen mit den Arbeitgebern ein für beide Seiten tragfähiges Konzept erarbeitet hat und die Druckereien heute noch bestehen. Seit Mai 2010 bemüht sich der Gewerkschaftssekretär mit der Ordensleitung um Gespräche hinsichtlich der Arbeitsplätze bei der Missionsdruckerei in Reimlingen, zuletzt in einem offenen Brief an die Ordensleitung in Würzburg am 16.12.2011. Auch dieses Gespräch mit der Gewerkschaft ver.di wurde verweigert. Diese Methode und Praxis der kath. Kirche zeigt deutliche Parallelen zu der Situation bei Weltbild in Augsburg. Auch hier bemühen sich seit Monaten die Beschäftigten und ver.di um ein Gespräch mit den Anteilseignern, so u. a. mit Kardinal Marx, dem Vorsitzenden der bay. Bischofskonferenz und dem Augsburger Bischof Zdarsa.

Massive Kritik richtet sich insbesondere an die Mitglieder des Beirats, in dem auch angeblich Experten aus der Druckbranche vertreten sind. Ganz offensichtlich stehen die Kosten dieses Gremiums Beirat im krassen Missverhältnis zu den Vorschlägen für ein Zukunftskonzept der Missionsdruckerei in Reimlingen. Von einem Beirat und einem Betriebsleiter einer Druckerei erwarten wir zukunftsfähige Konzepte, zur Sicherung der Arbeitsplätze und des Unternehmens. Ganz offensichtlich war man diesen Aufgaben in diesem Gremium nicht gewachsen und überfordert. Die Leittragenden sind nun die Beschäftigten der Druckerei. Außer von Beschäftigten Verzichte abzupressen, kam ganz offensichtlich nicht viel von diesem Gremium und der örtlichen Betriebsleitung.

So verzichten die Beschäftigten seit Jahren teilweise- und auch vollständig auf tarifliche Leistungen wie Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld und tarifliche Lohn- und Gehaltserhöhungen. Darüber hinaus leisten die Beschäftigten seit 2005 eine unbezahlte Mehrarbeit von 3 Stunden in der Woche. Dies alles zur Sicherung der Arbeitsplätze. Die Quittung bekamen die Beschäftigten nun auf der einberufenen Versammlung am 18. Januar serviert. Bei einer durchschnittlichen Betriebszugehörigkeit von nahezu 30 Jahren ist dies umso erschütternder für die Betroffenen.

In seiner Sozialbotschaft Laborem Exercens aus dem Jahr 1981 wendet sich Papst Johannes Paul II. an alle Bischöfe, Priester und Ordensleute, an die Söhne und Töchter der Kirche und alle Menschen guten Willens u. a.: „Richtig kann eine Arbeitsordnung nur sein, wenn sie den Gegensatz von Arbeit und Kapital überwindet“.

Es geht hier nämlich um Menschen und persönliche Schicksale und nicht nur um Bilanzen. Es geht auch um die Glaubwürdigkeit des Mariannhill Ordens und deren Leitung, da den Beschäftigten immer wieder versichert wurde, dass jeder Beschäftigte der es auch wolle, hier in der Missionsdruckerei bis zu seiner Rente arbeiten kann.

Ver.di fordert die die Ordens- und Betriebsleitung zu Verhandlungen auf, einen Sozialtarifver- trag für die Beschäftigten abzuschließen, um so die massiven Nachteile für die Beschäftigten aufgrund der Betriebsschließung auszugleichen. Dabei geht es u. a. um Qualifizierungs- und Umschulungsmaßnahmen, Abfindungen und um unterstützende Maßnahmen bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz.

Bleibt abzuwarten, wie die katholische Kirche bzw. der Orden Mariannhill sich dieser sozialen Verantwortung stellt und gerecht wird oder ob christliche Werte mit Füßen getreten werden.

Rudi Kleiber stellvertr. Geschäftsführer ver.di Augsburg

Kommentare:

  1. Mit einem solchen Verhalten schaufelt sich die Kirche ihr eigenes Grab. So kann man heute im Zeitalter des Internets nicht mehr mit Menschen umgehen, denn heute braucht man keine Zeitungen mehr, um sich gegen ein solches Gebahren zu wehren und seine Meinung deutlich zu machen.

    Die Kirche hat noch nicht kapiert, dass unsere heutige Gesellschaft Dialog voraussetzt, damit Institutionen überleben. Die Kirche aber ist zum Dialog unfähig und erweist sich das täglich mehr.

    Deshalb wird es nicht mehr lange dauern, bis wir das Sterbensglöckchen für die Kirche leuten können. Der Staat sollte sich schnellstmöglich darüber Gedanken machen, wie er die künstlerisch wertvollen kirchlichen Bauwerke vor dem Verfall bewahren und für die Kunstinteressierten nachfolgender Generationen bewahren kann, sonst sehe ich viele bedeutende europäische Kunstwerke verloren gehen.

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  2. Ich möchte keinesfalls die komplette katholische Kirche angreifen oder kritisieren. Es gibt auch Kolleginnen und Kollegen der KAB ( Katholische Arbeitnehmerbewegung) die ich vorbildlich und super finde, doch hier wird mir schlecht wenn ich so etwas über eine christliche Kirche lesen muss. Bedenkt man welch unglaubliche Finanzmittel die Kirche seitens des Staates erhält, was Bischöfe und andere Würdenträger verdienen ist es eine unglaubliche Schande und ein unglaublicher Skandal was in diesem katholischen Unternehmen abgelaufen ist. Mittlerweile muss man sich fragen ob Teile der katholischen Kirche nicht massiv gegen Moral, Demokratie und Gesetz verstoßen und das systematisch. Schon der alte Bismarck hat die katholische Kirche bekämpft, denn er wusste das diese Macht dem Staat / Königreich Preussen gefährlich werden konnte. So wurde es doch über so viele Jahre nicht geschafft gegen diese große Anzahl von sexuellen Übergriffen gegen Heimkinder oder andere Schutzbefohlene weltweit, erfolgreich seitens der katholischen " Führungskräfte" etwas zu unternehmen. Da stimmt doch dann im " Management " der katholischen Kirche etwas schon lange nicht mehr.
    Streiks, Mitbestimmung ist bei katholischen Unternehmen doch eher die Ausnahme. Bei Weltbild ist es Gott sei Dank anders.
    Kürzlich wurde der katholischen Kirche vor dem Europäischen Gerichtshof bescheinigt das sie in einem Fall gegen die Menschenwürde verstoßen haben. Da wurde ein Mitarbeiter eines katholischen Unternehmens entlassen weil er sich hat scheiden lassen. Ist das nicht ein bisschen zu viel Tendenz?? Heißt Tendenzbetrieb das die tun und lassen können was sie wollen ?? Da muss dringend eine Reform her. Tendenzschutz ja, aber doch bitte im Rahmen der allgemeingültigen Gesetze. Wenn Katholiken meinen sie müssen ein Unternehmen gründen Menschen zur Arbeit beschäftigen dann haben sie sich den gleichen Gesetzen zu beugen wie alle andere Unternehmer auch. Weg mit diesem übertriebenen Tendenzschutz.

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  3. Da bin ich ganz anderer Meinung: Es soll alles schön so bleiben, wie es ist. Im Gegenteil: Der Staat soll die Kirche noch mehr mit Geld überschütten, dann sind wir sie schneller los. Je mehr Geld die scheffeln, je dicker ihre Autos sind, desto schneller gehen sie ein. Verfolgung bewirkt genau das Gegenteil. Schon in der frühen Kirche hat man die Märtyrer bewundert. Nein, das macht der Staat schon richtig: Einfach durch Geld ersticken. Und mit Weltbild genauso: Sollen sie sich ihre Bischofssitze vergolden lassen mit den gescheffelten Gewinnen! In einer oder zwei Generationen sind sie wenigstens in Europa ausgestorben.

    Für die Mitarbeiter ist es natürlich nicht schön, auf der Straße zu stehen. Aber vielleicht hat der Augsburger Bischof noch eine Caritas-Suppe für sie übrig, wenn er abends den Tag mit einem Goldenen Sonnentröpfchen vom rheinischen Kirchengut süffelt, Mönchschoräle von der BOSE-Anlage erklingen lässt und darüber nachdenkt, was er nächsten Sonntag seinen Schäfchen von der Nächstenliebe predigt.

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  4. Die Orden erhalten nichts aus Kirchensteuermitteln. Wann kapiert man das endlich?

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    1. Höre ich zum ersten Mal. Dafür lassen sie ihre Beschäftigten dann umsonst arbeiten = Frondienst wie im Mittelalter. So etwas hat damals zu entsetzlichen Bauernkriegen geführt.

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  5. aber natürlich erhalten auch orden gelder aus kirchensteuermitteln, etwa wenn ihre Mitglieder Pfarreien betreuen oder in spezialfunktionen seelsorge betreiben oder wenn eine ordenskirche renoviert wird etc. auch ordensmitglieder gehen heute nicht mehr in die wüste und setzen sich 30 jahre auf eine säule, um per schnur die körbchen der gläubigen mit essensspenden in die höhe zu ziehen. und selbst waschen tun sie sich heute auch manchmal.

    aber darum geht es nicht. es geht hier darum, dass wir den zukunftstarifvertrag durchsetzen möchten. und das obige beispiel von herrn kleiber sollte ja nur zeigen, wie kirchenmanager mit menschen umgehen, obwohl sie sich nächstenliebe auf ihr wappen geschrieben haben. es sollte zeigen, wie sehr wort und tat bei diesen menschen oft auseinandergehen. so habe ich übrigens auch die kolumne heiliger bimbam aufgefasst.

    und das beispiel sollte zeigen, dass wir aufmerksam sein müssen, was passiert. jetzt wird erst einmal verhandelt. unsere vertreter dürfen mit dem augsburger bischof kaffee trinken und ein bisschen plaudern, dann mit der geschäftsführung sprechen etc. am ende werden sie etwas erreicht haben, von dem sie sagen, das ist noch nicht im sinn von uns weltbild-mitarbeiterInnen - und dann (und bitte erst dann) müssen wir alle hier zusammenhalten und streiken. streiken auf teufel komm raus. so lange, bis es die bischöfe nicht mehr sehen können und das thema wellen bis in alle wichtigen zeitungen dieser republik schlägt. ich bin sicher, die spiegels und ZEITs und BILDs dieser Welt werden das Thema "kirchlicher umgang mit mitarbeitern" dankend aufnehmen. Das dann noch ein bisschen in verbindung bringen mit der kirchenfinanzierung und die kirche steht wieder am pranger. (bitte eine zeit ohne Wulff oder Schiffskatastrophe für die Demos wählen).

    Mit anderen Worten: dann, wenn es um die wurst geht, müssen wir schlagkräftig und geschlossen sein. Verzettelt euch bitte auf dem weg dahin nicht.

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  6. Mein Mann arbeitete bei manroland. Und auch hier bei Weltbild kann das Ende jederzeit kommen. Was sind das für Menschen, die uns kaputt machen? Warum wollen die uns verkaufen? Was haben wir getan? Wie kann man ein gesundes Unternehmen bewusst kaputt machen? Ich verstehe nicht, was in den Hirnen dieser Kirchenleute vorgeht. Jetzt haben wir schon die ganze Erotik aus dem Programm genommen (ist ja auch okay, wer hat das überhaupt zugelassen?) und ständig dürfen wir weniger verkaufen. So kann man ein Unternehmen auch ruinieren. Wollen die Bischöfe uns jetzt mit ihren Programmbereinigungen erledigen, weil sie uns nicht verkauft bekommen?

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  7. Nachdem ich im Gespräch mit Familie und Freunden immer wieder gefragt werde worum es hier eigentlich geht, muß ich die Frage tatsächlich selber stellen. Warum wird eigentlich ein derart gesundes Unternehmen verkauft? Ist doch irgendwie unlogisch oder? Hat man langsam den Überblick verloren und das ist jetzt die Lösung? Und anstatt wieder einmal das Fußvolk zu reduzieren wäre es vielleicht mal sinnvoll den Wasserkopf mit unendlichen Hierarchien zu straffen. Die backen nämlich nicht die Brötchen, sondern sind meist damit beschäftigt vermeintliche »Strukturen« zu schaffen.

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  8. ... und die ach so frommen Katholiken reden derartig abwertend über Weltbild - siehe KOmmentar und auch auf deren Facebook-Page.

    http://www.kath.net/detail.php?id=34799

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  9. Was mich bei www.kath.net immer wieder schockiert ist das Ausmaß an Hass und Menschenfeindlichkeit, das sich dort in vielen Kommentaren zeigt. "Fromm" ist da kaum etwas, man venimmt dort eher menschliche Niedertracht.

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  10. "Fromme" Menschen haben andere umgebracht, verbrannt, ins Exil geschickt, eingesperrt ... und wenn man sie heute ließe und nicht Gesetze dagegen stehen würden, würden sie auch heute noch so handeln. Siehe Islam. Das Christentum ist nur gezähmt durch Aufklärung, Menschenrechte, Demokratie.

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  11. ES macht mich innerlich kaputt wie die mit uns umgegangen sind, letztlich war wohl ausschlaggebend das sie jedes Jahr vor das Arbeitsgericht mussten so das wir wenigstens einen kleinen Teil unserer Forderungen bekamen.Das Angebot auf Verzicht der Forderungen bei Arbeitsplatzgarantie wurde nicht angenommen.
    Es wurde seit über fünf Jahren versprochen das Geld auf das wir verzichteten in Maschinen zu investieren, passiert ist garnichts.
    Wenn ich jetzt sehe unter welchen Bedingungen wir in ein neues Arbeitsverhältniss kommen könnten will ich nur weiter weinen.
    Aber bei einem bin ich mir ganz sicher:"Ich brauche keine Kirche mehr um an Gott zu glauben".

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  12. Es zieht sich wie ein Roter Faden durch die Druckbranche der katholischen Arbeitgeber auch die Badenia Druckerei in karlsruhe schliest die Produktion und wirft 100 menschen raus und wer ist der Träger die Erzdiozöse Freiburg ein Internetaufruf zum austritt aus der Kirche währe mal angebracht da sowieso fast alles aus Steuergeldern kommt

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