Mittwoch, 8. Februar 2012

Was macht der Betriebsrat sonst noch?

Neben dem aktuellen Großthema Zukunftstarifvertrag beschäftigt sich der Betriebsrat auch noch mit anderen Baustellen. Ein paar wollen wir hier kurz vorstellen. Es ist uns wichtig, dass auch die "normale" BR-Arbeit trotz Verkauf weitergeht:

Videoüberwachung
Wenn geplant wird neue Kameras zu installieren im Bereich Lager/Versand, muss der Betriebsrat verschiedene Aspekte überprüfen. Unter anderem ob die Kameras KollegInnen überwachen können (dies verstößt gegen unsere Betriebsvereinbarung) und ob der angegebene Zweck auch erfüllt wird. Auch muss der Standort neuer Kameras in den Anhang der Betriebsvereinbarung Videoüberwachung übernommen werden.

Einführung BEM (Betriebliches Eingliederungs-Management)

Dieses muss der Arbeitgeber von Gesetz her einführen und natürlich auch mit Leben füllen. Der BR achtet darauf, dass dies ohne Nachteile für unsere KollegInnen passiert. Der Gesundheitsausschuss arbeitet bei der Umsetzung eng mit.

JAV-Wahl
Alle zwei Jahren wird die Jugend-Vertretung gewählt. Auf der letzten Betriebsrats-Sitzung wurde der Wahlvorstand berufen, bestehend aus:

  • Tina Ederer
  • Michael Haugg
  • Josef Trutt
Der Wahlvorstand wird die Wahl einleiten und begleiten. Der Wahl wird voraussichtlich im März 2012 statt finden.

EDV-Umstellung
Hier fragt der Betriebsrat öfter nach der Stand der Dinge und überprüft, ob alles auch im Sinne der KollegInnen abläuft.

Sonstiges
Natürlich kümmert sich der Betriebsrat auch noch um das sogenannte Tagesgeschäft: Einstellungen, Ausschreibungen, Eingruppierungen etc. pp.

Freitag, 3. Februar 2012

Presseschau


Ein paar neue Anmerkungen von Kardinal Marx zum Thema Weltbild, Kirchensteuer, Gott und den Teufel.
Sogar das Bistum Augsburg berichtet über das Treffen mit Bischof Zdarsa.

Auch das Münchner Kirchenradio befasst sich mit dem Thema Weltbild.
Und die Österrreicher.

Wenn sich die Katholiken als nächstes genauso intensiv mit der Durchsetzung des Zukunftstarifvertrags beschäftigen, könnten wir das Thema schnell erledigen.

Ein Bericht über das Treffen mit dem Bischof in der Süddeutschen.

Die Stadtzeitung zum Treffen mit Bischof Zdarsa, in welchem der Bischof Weltbild zum Tendenzbetrieb ernannte, in dem die Mitbestimmungsgesetze eingeschränkt wären.

Wer wissen will, wie wir in die Situation überhaupt gekommen sind, kann immer wieder gerne was über die Brüder Müller nachlesen.
Kurioserweise scheint Ihnen der Sturm, den sie ausgelöst haben, langsam ein bißchen zu viel zu werden, denn sie halten den Weltbild-Verkauf für die falsche und unkreativste Lösung.


Dienstag, 31. Januar 2012

Gedankenspiele in der AZ: Wer kauft WELTBILD?

In der Augsburger Allgemeinen vom Wochenende hat der Wirtschafts-Redakteur Dr. Michael Kerler einige interessante Überlegungen angestellt:

Wer kauft WELTBILD?

Für uns MitarbeiterInnen ist es letztlich egal, wer den Laden übernimmt: Der Zukunftstarifvertrag und unsere Aktionen schrecken unseriöse Interessenten ab. Alle Käufer müssen sich daran halten, was im Zukunftstarifvertrag vereinbart wird. Darum ist es so wichtig, dass wir uns mit unseren Forderungen durchsetzen. Und darum ist es so wichtig, dass der Zukunftstarifvertrag VOR dem Verkauf unter Dach und Fach ist!

Pressemeldungen zum Treffen mit Bischof Zdarsa

Über das Treffen haben wir bereits gepostet. Hier noch die Pressemitteilungen.

Domradio: Bischof Zdarsa äußert Verständnis für Weltbild-Mitarbeiter

Kathweb: "Weltbild"-Verkauf: Bischof zeigt Verständnis für Betriebsrat

Augsburger Allgemeine: Weltbild-Mitarbeiter und Bischof nähern sich an

Sonntag, 29. Januar 2012

Heiliger Bimbam: Die Sonntagssprüche von Kardinal Marx (Folge 8)

Viel ist in der letzten Woche passiert, und wir haben einiges für die MitarbeiterInnen und Mitarbeiter von Weltbild erreicht. Mancher mag munkeln, dass die neuen Meldungen aus dem Allgäu den Sinneswandel bei unserem Bischof herbeigeführt haben: Die Müller-Brüder aus Immenried wollen Weltbild nämlich gar nicht mehr verkaufen ;-) Spaß beiseite: Entscheidend für unser Gespräch mit Bischof Zdarsa war der öffentliche Druck und unsere Demo vor dem Dom.

Wir haben den Eindruck, dass der Bischof unser Anliegen verstanden hat und ernst nimmt. Allerdings gilt weiterhin, was wir seit neun Wochen fordern: "Klare Verträge statt weicher Worte!" Es kommt also darauf an, dass Bischof Zdarsa unserer Position in der Bischofskonferenz Gehör verschafft und den Absichtserklärungen konkrete Taten folgen.

Und wer könnte "unseren" Bischof dabei besser unterstützen, als Kardinal Marx, der sein Engagement für soziale Frage wie einen Banner vor sich her trägt? Darum setzen wir die "Sonntagssprüche" fort. Auch Kardinal Marx – so scheint es uns – braucht noch ein wenig Ermutigung, den schönen Worten gute Taten folgen zu lassen.

Heute z. B. drückt Kardinal Marx auf Seite 58 seines Buches seine feste Überzeugung aus, dass Fragen wie „Was bringt es? Funktioniert es? Kann ich es experimentell abrufen? Wirft es Gewinn ab?“ nicht alles sein können, wenn es um den Menschen geht. Da sind wir ganz der Meinung unseres Kardinals und Arbeitgebers. Und auch das, was er auf Seite 60 schreibt, können wir voll und ganz unterschreiben: Der Mensch habe eine unantastbare Würde und niemand dürfe über ihn verfügen, der Mensch ist nicht nur ein Mittel für fremde Zwecke, wir Weltbild Mitarbeiter dürfen also nicht nur von den Bischöfen verzweckt werden, um möglichst großen Reibach zu machen oder die Welt zu missionieren. Beruhigend sowas zu lesen und die Folgen für uns daraus zu ziehen.

Und auch der nächste Gedanke von Kardinal Marx findet unseren Beifall. Die Freiheit, so schreibt er Seite 61 in seinem „Kapital“, muss an letztverbindliche Normen gebunden werden, sonst wird sie zum Spiel der Interessen und der Macht. Meint: Freiheit darf nicht alles. Meine Freiheit ist bezogen auf andere Menschen. Und die Freiheit der Bischöfe, Weltbild zu verkaufen, ist bezogen auf die Freiheit der Weltbild-MitarbeiterInnen. Denn das Du und das Ich sind aufeinander bezogen.

Na, vielleicht kommt es ja doch noch zu einem Gespräch mit Kardinal Marx. Denn wie soll denn menschliches Aufeinander-Bezogensein funktionieren, ohne dass man miteinander spricht? Mit Bischof Zdarsa haben wir schon gesprochen – und es war gar nicht schlimm. Vielleicht kann sich Kardinal Marx auch bei seinem Mitbruder in Augsburg Mut holen.

Freitag, 27. Januar 2012

Bischof Zdarsa: „Ich finde Ihr Anliegen absolut verständlich.“

Endlich: Augsburger Bischof empfing Belegschafts-VertreterInnen von WELTBILD

Im Vorfeld hatte es reichlich Unruhe gegeben. Nach zwei vergeblichen Einladungen an den Bischof hatten die WELTBILD-MitarbeiterInnen am Samstag vor dem Augsburger Dom demonstriert. Am Donnerstag schließlich lud Bischof Konrad Zdarsa VertreterInnen der Belegschaft in seine Residenz ein. Fast anderthalb Stunden dauerte das Gespräch, das die 12 Abgesandten als sehr positiv und entspannt beschreiben. So empfand es offenbar auch der Bischof, der bedauerte „erst heute gesprochen zu haben.“ Er habe jetzt ein viel besseres Verständnis der Sorgen und Nöte der MitarbeiterInnen gewonnen.

Betriebsratsvorsitzender Peter Fitz und ver.di-Handelssekretär Thomas Gürlebeck trugen die Argumente der Belegschaft vor. Die MitarbeiterInnen fordern seit Dezember einen Zukunftstarifvertrag, der Arbeitsplätze und -bedingungen bei WELTBILD auch nach dem Verkauf sichern soll. Der Bischof hörte aufmerksam zu und nannte die Forderungen „absolut verständlich“ und „angemessen“. Das sehe nicht nur er so: In der Bischofskonferenz „sind noch mehr, die denken wie ich. Da können Sie sich sicher sein.“

Timm Boßmann machte als Sprecher der ver.di-Betriebsgruppe deutlich, worauf es den Angestellten jetzt ankommt: „Wir haben unsere Bedürfnisse im Zukunftstarifvertrag klar benannt und schriftlich vorgelegt. Bisher kamen von Seiten der Kirche nur weiche Worte. Wir erwarten aber konkrete Schritte.“ Bischof Konrad Zdarsa versicherte den Belegschafts-VertreterInnen, sich für deren Belange stark zu machen. Auf der nächsten Vollversammlung der Bischöfe im Frühjahr werde er die Anliegen der Beschäftigten vortragen und „geltend machen“. Der Generalvikar der Augsburger Diözese, Prälat Karlheinz Knebel, bestärkte das: „Der Bischof weiß, wo er das anbringen muss.“

Weniger Verständnis zeigte der Bischof für die Forderung der MitarbeiterInnen nach Sitzen im Aufsichtsrat. Er teilt den Standpunkt, WELTBILD sei ein Tendenzbetrieb, in dem die Mitbestimmungsgesetze nur eingeschränkt gelten. Diese offen vorgetragene Position trübte die gute Gesprächsatmosphäre nicht – wird die Belegschaft aber auch nicht daran hindern durchzusetzen, was ihnen nach deutschem Recht zusteht.

Am Ende versicherte der Bischof, er werde den weiteren Verlauf der Tarifverhandlungen aufmerksam verfolgen und bot eine Fortsetzung der Gespräche an.

Ver.di erringt Teilerfolge in zähen Tarifverhandlungen

Geschäftsführung spürt Druck durch Aktionen der Belegschaft
Unsere Demo zum Dom und die Forderung nach Vertretung im Aufsichtsrat haben Carel Halff nach eigenen Worten "überrascht". Die Geschäftsführung spürt die Entschlossenheit der MitarbeiterInnen und hat einige Zugeständnisse gemacht. In zentralen Punkten liegen die Positionen aber immer noch weit auseinander. Außerdem verzögert die Geschäftsführung die Verhandlungen mit merkwürdigen Spielchen. Deshalb müssen die Aktionen wohl weitergehen.

Entgegen ihrer Ankündigung am Ende der ersten Verhandlungsrunde legte die Geschäftsführung am Dienstag nichts Schriftliches vor. Dabei hatte die Kommission dem Verhandlungspartner auf dessen Bitte extra eine weitere Woche Zeit eingeräumt, um einen sauberen Entwurf vorzulegen. Trotzdem waren die BelegschaftsvertreterInnen gezwungen, sich die Vorschläge der Arbeitgeber in Stichworten mitzunotieren. Die Tarifkommission ließ sich auf das Spielchen ein, um wenigstens von ihrer Seite alles für einen zügigen Abschluss zu tun. Eine zielführende Verhandlung war so aber kaum möglich.

Mehrstündige Verhandlungen
Trotzdem kamen im Laufe der zähen Gespräche einige Punkte heraus, bei denen wir zu einer Einigung kommen könnten. Der Erhalt der Tarife und der Betriebsvereinbarungen wird von der Geschäftsführung akzeptiert. Einigkeit herrscht auch bei den Regelungen, welche die Auszubildenden betreffen. Ebenso sollen Entlassungen ausgeschlossen werden, die sich bei Weltbild aus dem Verkauf von Beteiligungen ergeben könnten. Hier enden die Gemeinsamkeiten aber auch schon.

Zwei wesentliche Knackpunkte
Zum einen ist dies die Fassung des Kündigungsschutzes. Die Geschäftsführung will lediglich auf "Kündigungen wegen Verkauf" verzichten, und das auch nur innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Kündigungen, die der Geschäftsführung aus anderen "betriebsbedingten" Gründen notwendig erscheinen, sollen ohne Einschränkung ausgesprochen werden können. Hier werden wir ganz klare Regeln finden müssen, um das eine vom anderen zu unterscheiden. Eine Möglichkeit wäre, diese betriebsbedingten Kündigungen von der Zustimmung des Betriebsrates abhängig zu machen. Das lehnt die GF aber bisher ab.

Der zweite Punkt, in dem die Vorstellungen weit auseinander gehen, ist die Dauer der Beschäftigungssicherung. Hier fordert ver.di unverändert vier Jahre Arbeitsplatzsicherheit ab dem Datum des Verkaufs.

Die Tarifparteien vereinbarten weitere Verhandlungen innerhalb der nächsten 14 Tage.
Zur ver.di-Tarifkommission gehören: Stefan Kraft (Verhandlungsführer), Thomas Gürlebeck, Peter Fitz, Josef Trutt, Visnja Bernhard, Dolores Sailer, Peter Reichert-Meißl, Peter Hellriegel und Timm Boßmann.

Am Montag erscheint der neue "Picker" mit weiteren Hintergrund-Informationen.

Das Wort zum Freitag: Spargel-Downtime in der Tiefgarage


E-Mail-Alltag bei Weltbild


Büroarbeit ohne E-Mails? No way! Doch die Nutzung eines elektronischen Nachrichten-Systems ist nicht nur für die zuverlässige Erledigung des Jobs unabdingbar, sondern sorgt auch viel Kurzweil und Abwechslung. E-Mails sind das Salz in der Arbeitsalltags-Suppe!

Es kommt immer wieder vor, dass E-Mails eine Art DNS des Bürotages bilden, dem grauen Joballtag Farbe verleihen, dem faden Arbeitscocktail mit Absonderlichkeiten, Rätselhaften und Komischem Geschmack und Würze verleihen. E-Mails können Emotionen wecken, können uns zum Lachen bringen – oder zum Weinen.

Hier eine Auswahl von E-Nachrichten, die an einem ganz normalen Arbeitstag so eintrudeln:

»Der schwarze Golf mit dem Kennzeichen A – XY 666 wurde angefahren …« – eine Meldung von den Zentralen Diensten. Da hat wohl wieder jemand vor der alten Kantine geparkt. Klar, dass sein Volkswagen dort für die LKW-Piloten Freiwild ist!

»Wartungsarbeiten am Speicher-System (NAS) am Sonntag von 8.00 bis 13.00 Uhr.« Erstens kenne ich nur NASA, und zweitens gibt’s für meine Sunday-morning-Programmierung nur zwei Einstellmöglichkeiten: Schlafen oder Frühschoppen.

»Kurzfristige Downtime WBMS-System SOFORT!« Ein Klassiker der DTP-Hotline. Manche sagen auch: Running gag! Dabei ist es bitterernst, wenn das besagte System streikt. Kaffeeholen ist angesagt. Das Koffein und der Begriff »Downtime« regen meine Fantasie an: Downtime, Showdown, High Noon, Shootout, Rauchende Colts, durchgebrannte WBMS-Sicherungen, Einschusslöcher im Server … Aber alles nur ganz kurzfristig!

»Spargel« – für viele eine erlösende Nachricht vom Buchladen-Team! Endlich wieder »Klasse 1 weiß dick« oder – für 2 Euro das Kilo billiger – die »Hofsortierung«; was immer das auch bedeuten mag. Ich esse lieber Brokkoli.

»Neues Faxgerät«, mailt uns eine Abteilungs-Kollegin. Halleluja! Nachdem es auch der letzte technisch wenig talentierte Kollege endlich geschafft hat, das zu faxende Blatt mit dem Aufdruck oben einzulegen, ist das Handling beim neuen Gerät jetzt wieder genau umgekehrt. Aber wir sind ja flexibel – und alte Gewohnheiten haben wir ruckzuck abgelegt … hahaha! (Seit gestern gibt es schon wieder einen neues Gerät, das Faxen macht: jetzt wieder von oben – oder unten?

»Fahrrad in TG.« Ja wie? Ach so: TG bedeutet Tiefgarage. »Wer hat ein Fahrrad auf dem TG-Stellplatz 13 abgestellt?« Ich war’s nicht. Und wenn ich so etwas machen würde, dann sicherlich nicht auf Nr. 13!

»Schweizer Schoki.« Eine wirklich verführerische Meldung. Unser lieben KollgenInnen aus der Schweiz haben uns wieder einen großen Karton Mini-Schokolädchen mitgebracht. Leider ist der Vorrat zu 99 % aufgebraucht, wenn mich diese Nachricht erreicht. Höchstens ein paar Zartbitter-Ladenhüter sind noch übrig. Wie schokogeil kann eigentlich eine Weltbild-Abteilung sein? …

»Zeitwirtschaft – spätestes Arbeitsende 16:52 Uhr«. Dieses E-Mail hat mir nicht meine Stammkneipe gesendet, sondern die um mein korrektes Arbeitszeit-Handling besorgte Personalabteilung. Ein wirklich netter Zug von den KollegInnen im Altbau, merci! Leider decken sich meine Pläne nicht mit den Empfehlungen: Ich mach’ nämlich heute schon viel früher Schluss – wenn nicht noch der Papst stirbt!

Bis ich den Computer runterfahre, treffen natürlich noch jede Menge wichtiger E-Mails ein. Es sind die üblichen Verdächtigen aus der beliebten Rubrik »Vermisst, verloren, verschollen, gefunden«. Da geht es um fast alles, was nicht niet- und nagelfest ist: von der Geldbörse über die Lesebrille bis zur Halskette. Außerdem die verzweifelten Hilferufe, wie z.B.: Wo ist bloß der Urlaubsplan, wer hat meinen Handwagen gesehen, wo hat sich das Schneidebrett versteckt?

Und dann noch das ganz alltägliche E-Mail-Graubrot – das übliche Nachrichtenfutter halt: Terminverlegungen, runde Jubiläen und Geburtstage, defekte Drucker, Katalog-Umpaginierungen, Ein- und Ausladungen etc. pp.

So, für heute ist das genug E-Traffic. Halt – schnell noch das eine Mail, das soeben frisch eingetroffen ist. »Neue Ausgabekennzeichen«. Na prima!

Donnerstag, 26. Januar 2012

Ausgangskontrollen bei Weltbild. Wird die BV gelebt?

Seit August 2011 gibt es bei Weltbild eine Betriebsvereinbarung zu den Ausgangskontrollen. Neben dem Werkschutz, dem Pfortendienst, der Besetzung von Notruf und Servicestellen gibt es auch die Taschenkontrollen der Mitarbeiter. Diese sollen das Firmeneigentum schützen, dem Diebstahl vorbeugen und somit die Kosten minimieren.

Doch wird die BV auch so gelebt, wie sie gedacht war?
Der Punkt 3 der BV sieht vor, dass die Taschenkontrollen vor dem Passieren der Stempeluhren durchgeführt werden und zählen somit zur Arbeitszeit. Dies ist jedoch in der Praxis nicht der Fall.

In den meisten Bereichen des Unternehmens werden die Zufallsgeneratoren direkt vor den Ausgängen aufgestellt. Die Mitarbeiter passieren die Kontrollen, nachdem sie ausgestempelt haben. Bis zu 5 Minuten wertvoller Zeit kann ein Mitarbeiter durch die Kontrolle verlieren. Danach packt er hastig seine Sachen zusammen und eilt zum Werksbus zu erreichen, der nie wartet. Diese Zeit wird nicht nachgetragen. Wer trägt denn 3,4,5 Minuten nach bei 30% der kontrollierten Mitarbeiter?

Punkt 4. der BV über Art und Durchführung der Kontrollen schreibt einen Sichtschutz vor. Dieser solle die betroffenen Mitarbeiter vor neugierigen Augen verbergen und deren Intimsphäre schützen. Doch noch nie wurde bei Weltbild so ein Sichtschutz aufgestellt. Die Mitarbeiter werden kontrolliert nach dem Motto: „Wir haben nichts zu verbergen!“

Montag, 23. Januar 2012

Massive Kritik an Schließung der Mariannhill Missionsdruckerei – Verzichte der Beschäftigten waren nutzlos!

So geht's, wenn man sich den katholischen Unternehmern nicht entschlossen in den Weg stellt. Hier dokumentieren wir eine Pressemitteilung der ver.di Augsburg, Fachbereich 8 (Medien) vom 21.1.2012:

Das hat diese Belegschaft nicht verdient, so der zuständige ver.di Gewerkschaftssekretär Rudi Kleiber aus Augsburg. Die Ordensleitung der Mariannhill Missionare in Würzburg und der Beirat entscheiden über das Schicksal von 20 Beschäftigten und schicken diese in die Arbeitslosigkeit. Betroffen von solchen Entscheidungen sind auch deren Familien und Kinder. Was mich besonders maßlos ärgert und betroffen macht, dass man sich nicht die geringste Mühe gemacht hat, über eine Fortführung mit der zuständigen Gewerkschaft zu sprechen.

Ob diese Betriebsschließung tatsächlich notwendig ist, daran haben die Beschäftigten und ver.di erhebliche Zweifel und üben heftige Kritik an der Ordensleitung in Würzburg und dem Beirat der Missionsdruckerei. Die Beschäftigten wurden vor vollendete Tatsachen gestellt, ohne Fragen an die Ordensleitung und Beirat richten zu können. Fragen, Sorgen und Anliegen der Beschäftigten müssen nun schriftlich an die Ordensleitung in Würzburg gerichtet werden. Ganz offenbar will man Fragen derzeit nicht beantworten und jegliche Diskussion im Betrieb unterdrücken.

Wenn die Druckerei angeblich seit Jahren kein positives Ergebnis mehr schreibt, wie Beirat und Ordensleitung behaupten, warum hat man sich dann nicht um ein tragfähiges Konzept mit den Beschäftigten und ver.di bemüht und an einen Tisch gesetzt, so ver.di Sekretär Rudi Kleiber. Es gibt mehrere Druckereien im ver.di Bezirk Augsburg, mit denen ver.di zusammen mit den Arbeitgebern ein für beide Seiten tragfähiges Konzept erarbeitet hat und die Druckereien heute noch bestehen. Seit Mai 2010 bemüht sich der Gewerkschaftssekretär mit der Ordensleitung um Gespräche hinsichtlich der Arbeitsplätze bei der Missionsdruckerei in Reimlingen, zuletzt in einem offenen Brief an die Ordensleitung in Würzburg am 16.12.2011. Auch dieses Gespräch mit der Gewerkschaft ver.di wurde verweigert. Diese Methode und Praxis der kath. Kirche zeigt deutliche Parallelen zu der Situation bei Weltbild in Augsburg. Auch hier bemühen sich seit Monaten die Beschäftigten und ver.di um ein Gespräch mit den Anteilseignern, so u. a. mit Kardinal Marx, dem Vorsitzenden der bay. Bischofskonferenz und dem Augsburger Bischof Zdarsa.

Massive Kritik richtet sich insbesondere an die Mitglieder des Beirats, in dem auch angeblich Experten aus der Druckbranche vertreten sind. Ganz offensichtlich stehen die Kosten dieses Gremiums Beirat im krassen Missverhältnis zu den Vorschlägen für ein Zukunftskonzept der Missionsdruckerei in Reimlingen. Von einem Beirat und einem Betriebsleiter einer Druckerei erwarten wir zukunftsfähige Konzepte, zur Sicherung der Arbeitsplätze und des Unternehmens. Ganz offensichtlich war man diesen Aufgaben in diesem Gremium nicht gewachsen und überfordert. Die Leittragenden sind nun die Beschäftigten der Druckerei. Außer von Beschäftigten Verzichte abzupressen, kam ganz offensichtlich nicht viel von diesem Gremium und der örtlichen Betriebsleitung.

So verzichten die Beschäftigten seit Jahren teilweise- und auch vollständig auf tarifliche Leistungen wie Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld und tarifliche Lohn- und Gehaltserhöhungen. Darüber hinaus leisten die Beschäftigten seit 2005 eine unbezahlte Mehrarbeit von 3 Stunden in der Woche. Dies alles zur Sicherung der Arbeitsplätze. Die Quittung bekamen die Beschäftigten nun auf der einberufenen Versammlung am 18. Januar serviert. Bei einer durchschnittlichen Betriebszugehörigkeit von nahezu 30 Jahren ist dies umso erschütternder für die Betroffenen.

In seiner Sozialbotschaft Laborem Exercens aus dem Jahr 1981 wendet sich Papst Johannes Paul II. an alle Bischöfe, Priester und Ordensleute, an die Söhne und Töchter der Kirche und alle Menschen guten Willens u. a.: „Richtig kann eine Arbeitsordnung nur sein, wenn sie den Gegensatz von Arbeit und Kapital überwindet“.

Es geht hier nämlich um Menschen und persönliche Schicksale und nicht nur um Bilanzen. Es geht auch um die Glaubwürdigkeit des Mariannhill Ordens und deren Leitung, da den Beschäftigten immer wieder versichert wurde, dass jeder Beschäftigte der es auch wolle, hier in der Missionsdruckerei bis zu seiner Rente arbeiten kann.

Ver.di fordert die die Ordens- und Betriebsleitung zu Verhandlungen auf, einen Sozialtarifver- trag für die Beschäftigten abzuschließen, um so die massiven Nachteile für die Beschäftigten aufgrund der Betriebsschließung auszugleichen. Dabei geht es u. a. um Qualifizierungs- und Umschulungsmaßnahmen, Abfindungen und um unterstützende Maßnahmen bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz.

Bleibt abzuwarten, wie die katholische Kirche bzw. der Orden Mariannhill sich dieser sozialen Verantwortung stellt und gerecht wird oder ob christliche Werte mit Füßen getreten werden.

Rudi Kleiber stellvertr. Geschäftsführer ver.di Augsburg

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