Montag, 10. Februar 2014

Betriebsversammlung 7.2.2014


Am 7.2.2014 um 13 Uhr fand unsere gut besuchte Betriebsversammlung im Himmergebäude statt.
Eingeladen waren alle Weltbildmitarbeiter gemeinsam, dem Aufruf folgten ca. 1500 Kollegen und Kolleginnen.



Der Betriebsratsvorsitzende Peter Fitz begrüßte die anwesenden Gäste der Gewerkschaft, der Arbeitsagentur, der Insolvenzverwaltung und der Betriebsseelsorge und ehrte Frau Manuela Martin, die bei Radio Fantasy eine kostenlose Werbeaktion für Weltbild erreicht hat.
Laut Fitz sei die Lage so ernst wie nie und er hoffe, der Letzte habe begriffen, worum es gehe.

In der Folge stellten der Ver.di-Betriebsgruppensprecher Timm Bossmann und Peter Fitz die Ereignisse der letzten Monate chronologisch dar:

März/April 2013 - Restrukturierung/Entlassungen im Bereich Musik/Eigenproduktion

März 2013 – Restrukturierung/Entlassungen im Bereich Ideenshop/Kalender

Juli 2013 – Restrukturierung/Versetzungen in den Bereichen Data Capture und Incoming-Mail

22.8.13 – GF informiert den Wirtschaftsausschuss über Restrukturierungs-Pläne in den Bereichen LDZ, Produktion und CCC.

9.9.2013 - FAZ berichtet über angeblich drohende WELTBILD-Insolvenz
Die Geschäftsführung beschwichtigt, sie habe alles unter Kontrolle, der Umbau solle über natürliche Fluktuation und ohne Entlassungen erfolgen.


19.09.2013 Betriebsversammlung in Gersthofen
• unsere Botschaften:
• 50% Personalreduktion bei Buch-Produktion & LDZ
• über 100 befristet angestellte ehemalige LeiharbeiterInnen müssen gehen
• CCC wird aktuell überprüft, alles denkbar bis hin zum Outsourcing
• höchste Gefahr für alle Katalogbereiche: Programm, Werbung, Marketing, Katalog-Produktion
• Halff: „Mit Verlaub, das ist Quatsch“

20.09.2013 - Bekanntgabe Personalreduktion in der Buch-Produktion.

23.09.2013 - Bekanntgabe Personalreduktion im LDZ.

26.09.2013 - BR widerspricht sämtlichen betriebsbedingten Kündigungen in den Bereichen Produktion und LDZ.
Der Betriebsrat möchte ein Verbesserungskonzept erstellen.

8.10.2013 - Es werden Verbesserungsvorschläge für das CCC an die Geschäftsführung übergeben.
Aber die Geschäftsführung verfolgt die Strategie, alle 140 Mitarbeiter im CCC sollen ihre Stellen verlieren.
Die Geschäftsführung hat den Betriebsrat systematisch getäuscht und belogen, die Mitarbeiter des CCC werden von der GF diffamiert, die GF geht vor Gericht, ein absolutes Novum im Umgang mit dem Betriebsrat bei Weltbild.

26.10.2013 - Trauermarsch zum Dom: „Weltbild verliert sein Gesicht“ – leider nur 100 TeilnehmerInnen von Weltbild, die anderen sind UnterstützerInnen aus dem Kreise der Gewerkschaft und von politischen Parteien.
Es wird eine Hilfe von 15 Millionen Euro vom Bistum Augsburg angekündigt.

4.11.2013 - Der neue Restrukturierer Schultheis sucht den Nordstern, Wasser unter dem Kiel und hält nach Klippen Ausschau.

2.12.2013 - Der Vermittlungsversuch der Bundesagentur für Arbeit scheitert final. Der Anwalt des Arbeitgebers
lässt die Verhandlungen mit dem Hinweis auf Sicherung der Prozessaussichten platzen.

13.12.2013 - Weltbild hat 100 Millionen Verlust in einem Jahr gemacht. Die Belegschaftsvertreter schlagen eine Planinsolvenz mit Schutzschirmverfahren vor, die Geschäftsführung lehnt ab, es sei noch genug Geld vorhanden.

19.12.2013 - Der Betriebsrat unterliegt in 2. Instanz vor dem Landesarbeitsgericht in München. Es wird eine Einigungsstelle eingesetzt, vor der über einen Interessenausgleich für die KollegInnen im CCCverhandelt werden soll.

vor Weihnachten 2013 - Es gibt ein Sanierungskonzept mit einem geplanten Aufwand von 65 Millionen Euro.

nach Weihnachten 2013/ 7.1.2014/ 9.1.2014 - Schultheis verlangt plötzlich 135 Millionen, die Gesellschafter lassen sich nicht erpressen.

10.1.2014: Die Geschäftsführung reicht Antrag auf Insolvenz ein.
Ein enger Kreis wird von der GF informiert, dann ist die GF wie vom Erdboden verschluckt.
Lager/ Versand bleibt ohne Information durch die GF, am Nachmittag verteilt der Betriebsrat die Information per Flugblatt.
Erst um 17:00 wird der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Dr. Beer informiert, er weiß es schon aus dem Radio...

13.1.2014 - Der Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz teilt den Mitarbeitern auf Versammlungen mit, dass das oberste Ziel der Insolvenzverwaltung wäre, die Geschäftstätigkeit wieder aufzunehmen.
Betriebsrat und Gewerkschaftsvertreter sprechen vor der Presse von einer moralischen Bankrotterklärung der Kirche.

14.1.2014 - Es beginnt eine Pressekampagne, um Druck auf die Kirche auszuüben.
Der Betriebsrat und Geweitz wollen das gesamte Unternehmen erhalten.

15.1.2014 - Betriebsversammlung in der Sporthalle am Wittelsbacher Park. Es kommen aber nur rund 1.000 von 2.200 betroffenen MitarbeiterInnen.

20.1.2014 - Eine Mailingaktion zwingt die Server der Ordinariate in die Knie.

23.1.2014 - Chief-Destruction-Officer Schultheis geht.

27.01.2014 - In der Nacht bricht eine Delegation von Weltbild-MitarbeiterInnen nach Würzburg auf. Die ver.di hat zwei Busse bestellt, einer bleibt mangels TeilnehmerInnen leer in Augsburg zurück. Die Beschäftigten demonstrieren vor dem Kloster Himmelspforten in Würzburg.

28.1.2014 - erste verbindliche Zusagen über 65 Millionen.

30.1.2014 - Peter Fitz, Timm Bossmann und Dolores Sailer zu Gast bei der Betriebsversammlung von Hugendubel.
Die KollegInnen dort werden von ihrer Geschäftsführung nach Strich und Faden belogen. Angeblich habe man nichts von der geplanten Herauslösung von Hugendubel aus dem Konzern gewusst. Wir wissen mittlerweile, dass entsprechende Planungen im Mai letzten Jahres begonnen haben. Der BR wurde genauso wenig informiert wie der Wirtschaftsausschuss oder der KBR – aus unserer Sicht ein klarer Rechtsbruch der Geschäftsführung.

Nach der Darstellung der Ereignisse erhielt Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz das Wort:

Dank der Mithilfe der Belegschaft hätten wir schon viel erreicht.
Es hätte Stimmen gegeben, Weltbild würde bei einer Insolvenz zerbrechen wie Quelle.
Das sei mitnichten der Fall, alle Lieferanten belieferten Weltbild weiter, obwohl die Lieferanten auch nicht mit einer Insolvenz gerechnet hätten.
Die Tolino-Allianz stehe weiter zu Weltbild, obwohl sie Weltbild aus der Allianz schmeißen könnten.
Das Bistum Augsburg habe einen Massekredit von 15 Millionen zur Verfügung gestellt.

Die Umsätze seien nach anfänglichen Rückgängen um 30 % schon wieder bis -5 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum angestiegen.
Wenn es nur um Weltbild Augsburg ginge, könnte man in Verkaufsgespräche gehen.
Im DBH-Strang wären wir nur Gesellschafter und hätten leider nur eine passive Rolle.
Es sei wichtig, möglichst viele Absatzwege zu erhalten, schon wegen der Abgrenzung zu Amazon.
Die Politik dürfte das nicht zulassen, wegen der Systemrelevanz von Weltbild.
Hugendubel versuche, sich abzuspalten, stehe aber einem Gesamtverkauf offen gegenüber.

Herr Geiwitz verspüre Ungeduld gegenüber Hugendubel, es würde zu lange dauern, wir seien in Augsburg fertig und hätten eigene Konzepte für Investoren erstellt, das sei online in einem Datenraum für Investoren.
Es müsse schnell Rechtssicherheit bezüglich der DBH hergestellt werden.

Herr Gewitz stellt auch das Zahlenmaterial der Geschäftsführung in Frage, weil aus 65 Millionen 135 Millionen geworden sind.
Sie seien mit Hochdruck daran, neues Zahlenmaterial zu entwickeln.

Es gäbe zwei Konzepte:
Konzept 1 ist die große Lösung, alles bleibt zusammen, er redet diesbezüglich mit mindestens einem Investor.
Konzept 2 geht davon aus, dass sich Hugendubel separiert, aber viel mit Weltbild zusammen macht.
Ansonsten keine Zerfledderung in einzelne Teile, auch zusammen mit den österreichischen und schweizer Töchtern.
Es soll möglichst viel erhalten bleiben, auch möglichst viele Arbeitsplätze.

Aber: es sind Sanierungsmaßnahmen nötig, um eine Chance am Markt zu haben und Weltbild zu einem beweglichen und leistungsstarken Unternehmen zu machen.
Beide Konzept weisen Gewinne aus, das heißt, Weltbild muss in der Lage sein, Gewinne zu machen, damit es verkauft werden kann.
Sie hätten etwas Neues kreiert, die Geschäftsführung wäre nicht glücklich darüber, es wären jetzt Anregungen von der der Belegschaft und dem Betriebsrat erwünscht.
Es wäre sinnvoller, jetzt Maßnahmen zu ergreifen, statt dass es dann in zwei Jahren wieder Probleme geben würde.

Herr Geiwitz habe sehr viele Interessenten für Weltbild, auch Kenner der Branche.
Selbst bei Kündigungen gäbe es Sozialmaßnahmen mit Hilfe der Kirche.
Ende Februar wollen wir das erste unverbindliche Angebot haben.
Ende März soll es ein Konzept geben, welches möglichst viel von Weltbild erhalten soll.

Anschließend ergänzte Peter Fitz noch, dass das CCC wieder ganz von vorne betrachtet wird und wir im 3 Wochen Turnus Betriebsversammlungen veranstalten werden.



Im folgenden sprach Hubert Thiermeyer, der Landesleiter ver.di Handel:

Er wäre immer wieder bei Insolvenzen tätig.
Er habe Respekt und Anerkennung für uns, wie wir weiter kämpfen und zusammenstehen.
Es gibt klare Worte von der Gewerkschaft und der Arbeitnehmervertretung: es ist die größte Krise für Weltbild und es steht alles auf dem Spiel.

Er habe die Erfahrung gemacht, dass die Führung in Krisen den Betriebsrat nicht beteiligt.
Der Betriebsrat wurde nicht ernst genommen und nicht informiert.
Die Gesellschafterstruktur sei nicht entscheidungsfähig.
Die Entwicklung am 10.1.2014 (Insolvenzanmeldung) sei eine panische Reaktion gewesen.
Das Kontrollgremium Aufsichtsrat bei Weltbild verdiene den Namen nicht, er hat seine Funktionen nicht wahr genommen und den Betriebsrat nicht beteiligt.

Wir alle tragen die Folgen, das hat auch dramatische Auswirkungen auf alle Arbeitnehmer in Augsburg, es wird Druck auf Löhne und Mitarbeiter geben.
Daher muss die Region mit einbezogen und solidarisiert werden, leider haben das noch nicht alle Verantwortlichen in Augsburg erkannt.
Man kann entweder in Angststarre verfallen oder sich engagieren und beherzt handeln, das Schicksal selbst in die Hand nehmen, auf sich selbst vertrauen und es nicht Dritten überlassen.

Engagiertes gemeinsames Handeln kann Weltbild retten.
Grabenkämpfe müssen ruhen, alle müssen gemeinsam zusammenarbeiten.
Wir müssen alle Partner nutzen, von der Politik bis zu den Kunden.
Wir müssen für jeden einzelnen Euro Umsatz alles tun und zusammen mit Hr. Geiwitz ein nachhaltiges Konzept für eine Lösung entwickeln.
Es ist eine gute klare stimmige Führung nötig, sie muss anders aufgestellt sein als bei Weltbild bisher.

Engagiert bedeutet: öffentlich sein, z.B. die FCA-Aktion, Aufkleber, Pins etc.
Die Kirche hat das Geld nicht freiwillig gegeben, sondern wegen des öffentlichen Drucks und unserer Aktionen.
Es wird uns kein Euro geschenkt, alles muss erkämpft werden.
So ist Ministerpräsident Seehofer zum größten Weltbild-Fan geworden !
Er kauft sofort online bei Weltbild ein, hat sich einen Pin angesteckt und zu unserem Transparent dazu gestellt !

Wir nehmen jeden Strohhalm und jeden Verbündeten an.
Einer der wichtigsten Partner ist der Insolvenzverwalter, er kämpft auch für die Zukunft von Weltbild.
Trotzdem werden Sanierungsmaßnahmen notwendig sein, um Weltbild nachhaltig auf einen positiven Kurs zu bringen.
Das Ziel ist, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten und alle anderen so gut wie möglich zu unterstützen.

Wir müssen selbst kämpfen, dann erfahren wir auch Unterstützung.
Zum Abschluss eine Bitte von Hubert Thiermeyer:
er hat sehr viele soziale solidarische kollegiale Haltung bei den Weltbild-Mitarbeitern kennengelernt. Beibehalten !

Als letzter Redner stand Thomas Gürlebeck, ver.di-Sektetär Handel, am Pult:

Wir müssen deutlich zusammenstehen !
Er mache Reklame für uns, überall, auch bei Amazon !
Selbst ein Amazonmanager hielte das für eine Katastrophe für Augsburger, es sei ein Wettbewerber nötig.
Wir waren nur eine kleine Partisanengruppe bisher, 50 Leute beim Bischof in Würzburg, bisher hat das gereicht.
Aber irgendwann reichen 50 Aktive in der Auseinandersetzung nicht mehr.

WIR müssen Gesicht zeigen, die Presse will Menschen sehen !

Als erste, aber hoffentlich nicht letzte Aktion mit (fast) allen Weltbild-Mitarbeitern bildeten wir anschließend ein Herz im Hof.



Kommentare:

  1. Danke für den ausführlichen und instruktiven Bericht von Eurer Betriebsversammlung.
    Besonders danke ich Peter Fitz, Dolores Sailer und Timm Boßmann, daß sie zu unserer
    Betriebsversammlung am 30. Januar nach München gekommen sind.
    Die ganze Sache ist noch lange nicht ausgestanden, weder bei Weltbild noch bei Hugendubel.
    Wir müssen solidarisch zusammen stehen und vor allem die Kolleginnen und Kollegen,
    die desillusioniert oder resigniert sind, motivieren, endlich für ihre e i g e n e n Interessen aktiv zu werden.

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  2. Bin empört hier in euerem Blog und aus der Presse mehr zu erfahren, als uns, ganz geschweige unserem BR, je von unserer Hugendubel-GF gesagt wurde und wird.
    Was erlaubt sich Hugendubel uns Mitarbeiter wie die letzten Idioten zu behandeln. Wenn wir den Bach runter gehen, erfahren wir es wahrscheinlich wieder aus der Zeitung?

    Wünsche euch Weltbildlern gute Durchhaltekraft und daß wir alle solidarisch zueinander stehen.

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