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Dienstag, 27. März 2012

Vorschlagswesen bei Weltbild – aber bitte für alle!

Der Betriebsrat war von Anfang an in das Projekt "OSLO" eingebunden, mit dem Verbesserungen in der Logistik erreicht werden sollen. Eine der zentralen Forderungen des BR war dabei die Einführung eines Vorschlagswesens bei WELTBILD. Denn der Betriebsrat ist überzeugt, dass die KollegInnen vor Ort am allerbesten wissen, wie unsere Abläufe schneller, besser und billiger werden. Solche Ideen nutzen dem Unternehmen und müssen auch entsprechend honoriert werden.

Seither ist viel Wasser den Lech heruntergeflossen. In der Logistik wurden erste Veränderungen begonnen. Einige Verbesserungen wurden bereits erreicht, andere – wie ein neues Arbeitszeitmodell – werden derzeit umgesetzt. Nur das Projekt "Vorschlagswesen" dümpelte lange Zeit vor sich hin.

Jetzt geht es aber auch hier voran. In der vergangenen Woche wurde eine Arbeitsgruppe beauftragt, die das Konzept umsetzen soll, welches Betriebsrat und Personalentwicklung gemeinsam erarbeitet hatten.

Leider ist beim Betriebsrat der Eindruck entstanden, dass die Geschäftsführung das Vorschlagswesen nur im Bereich Lager/Versand einführen will. Die Angestellten im kaufmännischen Bereich sollen außen vor bleiben. Das geht so natürlich nicht. Wir sind sicher, dass es auch in der Verwaltung zahlreiche Ansätze zur Verbesserung von Arbeitsprozessen gibt. Es ist ungerecht, wenn Verbesserungsvorschläge in einem Bereich honoriert und in einem anderen "einfach so" eingebracht werden sollen.

Im übrigen ist die "Mitarbeiterbeteiligung" eine wichtige Aufgabenstellung im Rahmen des Betrieblichen Gesundheits-Managements (BGM). Bei allen BGM-Maßnahmen muss gelten: Einführung im gesamten Betrieb, nicht nur in Teilbereichen. Darauf hat im übrigen auch Herr Dr. Satzger hingewiesen, der vom Staatssekretariat als Prüfer für den TOP-Gesundheitsmanagement-Award 2011 eigesetzt war.

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Sonntag, 19. Februar 2012

BGM - Was kommt bei den Mitarbeitern an?

Als letztes Jahr in einer Betriebsversammlung angekündigt worden ist, dass bei Weltbild ein betriebliches Gesundheitsmanagement eingeführt wird, haben sich viele Mitarbeiter sehr gefreut. Diese, aus einer Grazil-Befragung entstandene Erkenntnis, dass wir in Sachen Gesundheit was tun müssen, war endlich ein Schritt in die Zukunft.

Diese Botschaft haben wir damals sehr gut angenommen. Meine Kollegen und ich waren so euphorisch, dass wir beschlossen haben, endlich mehr Sport zu treiben, gesunde Koch-und Backrezepte auszutauschen, uns gegenseitig zu unterstützen und diese Vorhaben nicht aufzugeben.
Sogar heute können wir uns an das Gesagte in der Betriebsversammlung erinnern:“ Wir wollen einen neuen Weg gehen, gemeinsam werden wir mehr für unsere Gesundheit und das Betriebsklima tun!“

Ein sehr ehrgeiziges Ziel, bei allen Vorhaben an mögliche Über-und Fehlbeanspruchungen der Mitarbeiter zu denken! Ich wünsche mir und allen Mitarbeitern, dass dieses schöne Ziel irgendwann zu unserer Unternehmenskultur wird!

Das Unternehmen verspricht sich aus dem BGM eine hohe Motivation und Leistungsbereitschaft seiner Mitarbeiter, sowie deren steigende Arbeitsfähigkeit.

Der Mitarbeiter aber hofft auf bessere Arbeitsbedingungen, weniger Leistungsdruck, gutes Betriebsklima, Wertschätzung, Lob und Anerkennung seitens der Vorgesetzten.

Es hat sich einiges bei uns getan Richtung Gesundheit: das Essen in der Kantine ist besser geworden; Trinkwasser- Spender wurden überall aufgestellt, Getränke-und Kaffeeautomaten verfügen über ein reichhaltiges Angebot und in der kalten Jahreszeit überall dort, wo die Hallen- Temperaturen nicht über 13 Grad stiegen, gab es sogar auf Anregung vom Betriebsrat kostenlosen warmen Tee.

Auch der technischer Arbeitsschutz und Notfall-und Krisenmanagement funktionieren mehr oder weniger gut. Betriebsbegehungen werden zur Regelmäßigkeit, der Suchtleitfaden wird angewendet und die Unterweisungen für die Leiharbeiter mit dem Patenkonzept wurden ebenfalls als Maßnahme aus Grazil auf die Beine gestellt.

Doch was ist mit so gennannten “weichen“ Faktoren im Gesundheitsschutz? Wessen Aufgabe ist es, die Unterstützung bei Stress, Leistungs-und Zeitdruck, bei sozialen Konflikten, bei Über/Unterforderung, Arbeitsverdichtung und anderen psychomentalen Belastungen zu leisten und bei der Bewältigung der Aufgaben zu helfen?

Ich meine, unsere Führungskräfte müssen sich um die Mitarbeiter kümmern und ein besseres Betriebsklima erzeugen.

Doch das Bewusstsein darüber, dass die Vorgesetzten eine Fürsorgepflicht für ihre Mitarbeiter haben müssen, scheint nicht bei unseren Führungskräften angekommen zu sein.

Der Umgangston in manchen Abteilungen ist rau, der Leistungsdruck ist ständig präsent.

Probleme der Mitarbeiter werden nicht bemerkt, bzw. nicht angesprochen, Stärken und Schwächen jedes Einzelnen werden nicht erkannt. Die Bedürfnisse und Entwicklungswünsche werden nicht erfragt. Es werden keine Perspektiven besprochen, keine Schulungen angeboten und die Fachkompetenzen nicht weiterentwickelt.

Wo bleiben die Monats/Abteilungsbesprechungen? Braucht eine Führungskraft kein Feedback von den Mitarbeitern?

Werden die schönen BGM- Ziele nicht an die Führungskräfte weiter gegeben? Oder bilden womöglich unsere Kommunikationskanäle einen ewigen Stau?

O.K. BGM ist ein lernendes System.

Hoffentlich lernen wir schnell daraus, dass es nicht reicht, wenn alle Feuerlöscher vorhanden sind und die Fluchtwege ausreichend bemessen sind. Wir müssen lernen, dass der Mitarbeiter selbst und seine psychomentale Gesundheit im Vordergrund stehen, denn das größte Gut, das ein Unternehmen besitzt sind seine Mitarbeiter.

Die Mitarbeiter sind es, die das Unternehmen erfolgreich machen, Gewinne erwirtschaften und seine Marktposition stärken!

Ich bin gespannt, wann diese Tatsachen bei den Verantwortlichen ankommen…

Mittwoch, 1. Juni 2011

Betriebsversammlung: Glückwünsche der Geschäftsführung an alle, die zu Amazon wechseln!

Bei der heutigen Betriebsversammlung der Verlagsgruppe WELTBILD kamen viele Themen auf den Tisch: • Gesundheitsmanagement • Taschendurchsuchung • Kantinenessen • Leiharbeit und die • Ansiedlung von Amazon in der benachbarten Ortschaft Graben. Der Betriebsrat hatte eine informative und unterhaltsame Veranstaltung mit zahlreichen Einlagen und mehreren Gastrednern vorbereitet. Bei der Belegschaft kam die kurzweilige Versammlung sehr gut an. Verwundert reagierten die rund 800 MitarbeiterInnen auf eine Aussage des obersten Geschäftsführers Carel Halff zum Thema Amazon. Der konkurrierende Versandhändler sucht mit Hochdruck Personal für sein Logistikzentrum, das in der Nähe von Augsburg gebaut wird. Die Geschäftsführung sieht die neue Konkurrenzsituation offenbar mit allergrößter Gelassenheit.



Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM)
Als Fortsetzung des GRAziL-Projekts installieren Betriebsrat und Geschäftsführung derzeit gemeinsam ein ehrgeiziges Programm mit dem etwas sperrigen Namen »Betriebliches Gesundheitsmanagement«. Die BetriebsrätInnen Johannes Ihmenkamp, Tanja Sedlmeier und Angelika Jahnke stellten Inhalt und Ziele des Gesundheitsprogramms vor. Der Leiter der Unternehmensentwicklung, Matthias Haack, erläuterte die Organisation des Projekts. Geschäftsführung und Betriebsrat treiben die Arbeit mit großem Engagement gemeinsam voran und entscheiden gleichberechtigt über die zu ergreifenden Maßnahmen. Das BGM wird mit großem personellen Aufwand vorangetrieben – keine Selbstverständlichkeit in Zeiten knapper Mittel, wie Haack betonte. Im Unterschied zu GRAziL umfasst das BGM nicht nur die Bereiche Lager & Versand, sondern soll auch für zahlreiche Verbesserungen im Angestellten-Bereich sorgen.





»Meine Tasche gehört mir!«
Unter diesem Titel führten die Betriebsräte Peter Hellriegel und Raimund Wegemer einen pointierten Sketch auf. Die Einlage zeigte anschaulich, wie die Ausgangskontrollen ablaufen könnten, wenn es nach dem Willen der Geschäftsführung geht. Betriebsrat Timm Boßmann moderierte den Programmteil und machte deutlich, dass der BR ein weitreichendes Mitspracherecht bei der Gestaltung der geplanten Taschendurchsuchungen hat. Die zahlreichen kritischen Reaktionen der KollegInnen zeigten, dass vieles an den Plänen noch unausgegoren ist. Hier werden Betriebsrat und Geschäftsführung intensiv um eine Betriebsvereinbarung ringen müssen, die den Interessen des Unternehmens und dem der MitarbeiterInnen gleichermaßen gerecht wird.

»Uns schmeckt's nicht.«
Mit roten, gelben und grünen Kärtchen benoteten die MitarbeiterInnen das derzeitige Angebot des Kantinenbetreibers Eurest. Leider gab es überwiegend mittelmäßige und negative Noten für die Qualität des Mittagessens. Betriebsratsvorsitzender Peter Fitz sprach für den Kantinenausschuss: Offenbar muss man den Anbieter immer wieder unter Druck setzen, um zumindest eine kurzfristige Verbesserung der Qualität zu erreichen. Im Ausschuss will man jetzt gemeinsam mit Eurest nach Möglichkeiten für eine dauerhafte Verbesserung suchen.





Prekäre Beschäftigung bei WELTBILD
Obwohl die Kirchen eine klare Position zum Thema »Leiharbeit« vertreten, beschäftigt auch der katholische Arbeitgeber WELTBILD dauerhaft zwischen 300 und 1.600 LeiharbeitnehmerInnen. Dolores Sailer und Michael Haugg vom Betriebsrat stellten die unwürdigen Arbeitsbedingungen in einem kleinen Frage-und-Antwortspiel vor. Die LeiharbeiterInnen verdienen bei gleicher Arbeit deutlich schlechter als die Stammbelegschaft. Viele von ihnen sind trotz Vollzeitarbeit auf Hartz-IV-Zuschüsse angewiesen. Außerdem haben diese KollegInnen keinerlei Sicherheit für sich und ihre Familien, da sie permanent von kurzfristiger Kündigung bedroht sind.

Halff: »Gewerkschaften müssen bessere Tarife durchsetzen!«
Zum Thema Leiharbeit hatte der Betriebsrat die katholischen Betriebsseelsorger Erwin Helmer und Hans Gilg eingeladen. Die beiden Kirchenmänner verurteilten die Bedingungen der Leiharbeit aufs Schärfste und forderten WELTBILD als kirchliches Unternehmen auf, nach christlichen Grundsätzen zu handeln. Geschäftsführer Carel Halff misshagte die deutliche Kritik ganz offensichtlich. Er sieht die Verantwortung in der Politik und bei den DGB-Gewerkschaften, die entsprechende Tarifverträge zugelassen haben. Die Gewerkschaften müssten eben »ihren Job machen«, meinte Halff.

Außerdem verwies er darauf, dass WELTBILD im Januar 50 LeiharbeitnehmerInnen in feste Beschäftigungsverhältnisse übernommen habe, und kündigte für den Sommer die Übernahme von 50 weiteren KollegInnen an. Betriebsratsvorsitzender Peter Fitz begrüßte diese Planung, machte aber auch deutlich, dass der BR keine Einzelmaßnahmen zum Ziel hat, sondern die Bedingungen der Leiharbeit bei WELTBILD in einer Betriebsvereinbarung grundsätzlich regeln will.



»Angst vor Amazon, Herr Halff?«
Unter dieser Überschrift hatte der BR den Geschäftsbericht angekündigt. Er wollte wissen, was WELTBILD in der direkten Konkurrenzsituation tun wird, um wertvolle MitarbeiterInnen im Unternehmen zu halten. Angst ist dem WELTBILD-Geschäftsführer offensichtlich fremd. Konkurrenz belebe nicht nur das Geschäft, sondern sei auch positiv für MitarbeiterInnen und Kundschaft. »Wenn Sie bei Amazon einen besseren Job mit einem höheren Gehalt angeboten kriegen, bewerben Sie sich noch heute. Ich werde persönlich jeden beglückwünschen, der bei Amazon eine Stelle bekommt.« Diese Demonstration arbeitgeberischen Selbstbewusstseins wurde von der Belegschaft mit pikiertem Schweigen aufgenommen. Die nahe Zukunft wird zeigen, wieviele Ex-Mitarbeiter-Hände der Geschäftsführer demnächst schütteln muss. Nach Informationen des Betriebsrats haben sich bereits mehrere Dutzend KollegInnen beworben. Erste Verträge sollen schon unterschrieben sein.

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