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Freitag, 24. Januar 2020

Union Busting und BR-Mobbing bei Unternehmen



Im November hatten wir über Aldi Nord und Dennree und deren Vorgehen geben ihre Betriebsräte berichtet.

Nun gibt es weitere Neuigkeiten zu Aldi Nord:
Blaupause für Mobbing - Strategisches Vorgehen gegen Betriebsräte beim Discounter Nummer eins

Hier kann man nachlesen, dass ein Strategiepapier für das Top-Management  von Aldi Nord aufgetaucht ist, gezeichnet mit HU wie Dr. Emil Huber, der für die Aldi-Gründer und ihre Erben seit über 40 Jahren diverse Dienste leistet.
In diesem Strategiepapier wird eine Kampagne gegen den Betriebsrat empfohlen, mit Rundschreiben von Filialleitern, um den BR innerbetrieblich als Störer darzustellen.

Das alles passt zum oben genannten Artikel aus dem November und klingt doch schon fast nach Behinderung der Betriebsratsarbeit nach § 119 Abs. 1 Nr. 2 BetrVG, was eine Straftag wäre und mit Geldstrafe oder Haft bis zu einem Jahr bestraft würde.



Auch über Lidl, Kikxxl, Massimo, trans-o-flex (t-o-f), Sparkasse Regen-Viechtach und Kötter gibt es leider nichts Gutes zu berichten:

aus ver.di publik 8/2019:

Die Angriffe abwehren


UNION BUSTING - Wenn Gewerkschaftsmitglieder im Betrieb beim Einsatz für Beschäftigte behindert werden, sind Solidarität und Unterstützung durch ver.di besonders wichtig


Von Heike Langenberg

Immer wieder erreichen uns Berichte darüber, wie Arbeitgeber versuchen, engagierte Kolleg*innen an ihrem Einsatz für die Rechte der Beschäftigten zu hindern, quer durch alle Branchen, quer durch die Republik. So hatte Aytekin Erayabakan unlängst wieder einmal ­einen Gütetermin vor dem Arbeitsgericht in Augsburg. Tagtäglich ist er im Lidl-­Zentrallager Graben Angriffen seitens der Geschäftsführung ausgesetzt, seine Vorgesetzten können offenbar nicht damit umgehen, dass er eine der treibenden Kräfte für die erste Betriebsratswahl dort gewesen ist, und wollen ihn deshalb loswerden. Mehrfach hat die Geschäftsführung versucht, ihm zu kündigen. Jetzt versucht sie es erneut. Aber Aytekin Erayabakan erlebt auch viel ­Solidarität und Unterstützung bundesweit, ob persönlich, im Internet oder bei den Verhandlungen. Und er sagt, das gebe ihm viel Kraft im täglichen Kampf.

Grobe Behinderung


Unterstützung benötigen auch die Kolle­g*innen des Callcenters Kikxxl. In Dortmund störten Führungskräfte eine Veranstaltung, bei der ver.di über Betriebs- ratswahlen informierte. ­Eine „grobe Behinderung unserer Gewerkschaftsarbeit“, nennt ver.di-Sekretär Matthias Baumann solches Auftreten.

In Bochum war drei Wochen zuvor drei Mitarbeiter*innen des Callcenters gekündigt worden, die dem Arbeitgeber die Einladung für die Wahlversammlung zur Einleitung einer Betriebsratswahl übergeben hatten. Dagegen hat ver.di bereits Klage eingereicht, ein Wahlvorstand ist seit zwei Wochen im Amt. Auch in München musste ver.di die Gerichte bemühen, damit die Beschäftigten der dortigen Filiale der Textilkette Massimo Dutti einen Betriebsrat wählen können. Es war zu massiven Einschüchterungsversuchen und Schikanen gekommen, eine gekündigte Kollegin erhält Rechtsbeistand von ver.di vor Gericht.

Die Vorgänge führen auch strafrechtlich zu einem Nachspiel, da Urkunden gefälscht wurden und offizielle Erklärungen der Gewerkschaft verschwunden sind. „Im Textilhandel scheint man sich gerade im Wettbewerb um den Titel des härtesten Arbeitgebers zu befinden“, so Felix Bußmann, ver.di-Verantwort­licher für die Betriebsratswahl. Massimo Dutti gehört wie Zara zur spanischen Inditex-Gruppe.

Über das Medizin-Logistikunternehmen trans-o-flex (t-o-f) hat ver.di publik bereits im Frühjahr berichtet. Damals wurde der südhessische Standort Knall auf Fall geschlossen. Jetzt soll in Nordhessen die Betriebsratsvorsitzende Yvonne Langner aus dem Betrieb geklagt werden. Sie soll vor Gericht manipulierte Unterlagen vorgelegt und so dem Arbeitgeber geschadet haben. ver.di hält die Vorwürfe gegen Langner für absurd und den geschilderten Sachverhalt für konstruiert.

Das Vorgehen ist nicht neu: Engagierte Betriebsrät*innen sind dem trans-o-flex Konzern ein Dorn im Auge. Wer nicht kuscht, wird fertiggemacht, ist zu hören. Informationen müssen mühsam eingefordert und Beteiligungsrechte eingeklagt werden. Ständig drohen arbeitsrechtliche Konsequenzen. Lohn wird einbehalten, Ansprüche müssen geltend gemacht werden. Das Betriebsratsbüro taugt allenfalls als Besenkammer. Das alles nimmt Yvonne Langner hin. Seit 15 Jahren arbeitet sie bei trans-o-flex. „Vor Problemen wegzulaufen, ist nicht mein Ding. Bevor ich mich aufrege, versuche ich lieber, es zu ändern“, sagt die 43-Jährige.

4.000 Unterschriften


Vor dem Verwaltungsgericht München hat jüngst der Dienststellenleiter der Sparkasse Regen-Viechtach zwei Verfahren verloren. Er wollte die Personalratsvorsitzende aus dem Gremium ausschließen lassen und sich die Zustimmung zu deren außerordentlicher Kündigung ­einholen. ver.di hat die Kollegin unter anderem mit 4.000 gesammelten Unterschriften unterstützt. Die Sicherheitsfirma Kötter hat Ende Oktober versucht, den hauptamtlichen ver.di-Kollegen Özay Tarim mit einer Unterlassungserklärung mundtot zu machen. Er hatte die Arbeitsbedingungen des Sicherheitsdienstleisters am Düsseldorfer Flughafen kritisiert.

Leider hat diese Auflistung keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Immer wieder werden engagierten Gewerkschafter*innen Steine in den Weg gelegt, wenn sie sich für ihre Kolleg*innen und ihren Betrieb im Sinne des Betriebsverfassungsgesetzes stark machen. Aber die hier aufgeführten Fälle zeigen, wie wichtig die Unterstützung einer starken Gemeinschaft wie ver.di ist – rechtlich wie solidarisch.

Freitag, 15. November 2019

Betriebsräte: Aldi: Diffamierungskampagne gegen BR - Biogrosshändler Dennree: betriebsratsfeindliches Verhalten


siehe auch ver.di Handel Magazin Ausgabe 04/2019


Gegenwind für neuen Betriebsrat bei Dennree


Mitte Mai konnten die 1300 Mitarbeiter des Biogroßhändlers Dennree im oberfränkischen Töpen erstmals einen Betriebsrat wählen.
Der rührige ver.di Gewerkschaftssekretär Paul Lehmann setzte das zusammen mit engagierten KollegInnen aus der Belegschaft durch.
Trotz angeblicher Begrüßung eines BR durch Unternehmensvertreter sieht die Realität anders aus und Dennree torpediert auf allen Kanälen die Zusammenarbeit mit dem BR.

Ärger gab es für den Betriebsratsvorsitzenden und einen weiteren Betriebsrat.
Wegen offener rechtlicher Fragen darf der Inhalt des Problems nicht wiederholt werden, Berichte sind in der Frankenpost vom 10. September gewesen, auch mit Nennung von Paul Lehmann.
Diesem wurde per Unterlassungsverfügung untersagt, sich zu dem Problem zu äußern.

Vertreten läßt sich Dennree in demaskierender Weise von einer Rechtsanwaltskanzlei, die für Union-Busting (Gewerkschafts-Zerstörung - systematische Bekämpfung, Unterdrückung und Sabotage von Arbeitnehmervertretungen) bekannt ist.

Dennree torpediert die Initiativen des BR und verweigert jeglichen Dialog, so dass wohl die Mitbestimmungsrechte der Arbeitnehmervertretung über Einigungsstellen und Arbeitsgerichte durchgesetzt werden müssen.

Konsequenz des Verhaltens von Dennree: immer mehr Beschäftigte treten inzwischen in die Gewerkschaft ein.

Aldi schlägt um sich


Seit 2014 boxt Aldi Nord bereits neue Arbeitsverträge und Betriebsvereinbarungen durch, die die Arbeitsbedingungen verschlechtern und letztlich auf einen Verzicht auf Mitbestimmung in Arbeitszeitfragen hinaus laufen.
Mit Hilfe der arbeitgebernahen AUB konnten in vielen Gremien die neuen Regelungen schnell durchgewinkt werden, die restlichen Widerstand leistenden Betriebsräte wurden mit Androhung von Schließungen, Investitionsstopps oder Ausgliederungen konfrontiert.

Inzwischen leisten nur noch zwei Betriebsratsgremien Widerstand gegen die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen.

Gegen diese läuft nun eine intensive Diffamierungskampagne.
Beschäftigte werden aufgestachelt, vorgefertigte Briefe gegen die Interessensvertretung zu unterschreiben, in Betriebsversammlungen und Betriebsratssitzungen wird versucht, Einschüchterung zu betreiben.

Gegen den engagierten Betriebsratsvorsitzenden Uli Kring der Aldi-Nord-Region Bad Laasphe wird eine perfide Diffamierungskampagne gefahren.
Filialleiter schreiben einen offenen Brief, Uli Kring sei aus angeblicher Sorge um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter in ihrer Filiale unerwünscht.

Durch aus dem Zusammenhang gerissene Äußerungen wurde auf einer Betriebsversammlung im September versucht, den Eindruck zu erwecken, er habe etwas über die Mitarbeiter gesagt, in Wirklichkeit war die Aussage auf den Arbeitgeber gemünzt gewesen und aus dem Jahr 2016.

Im Internet wurde von ver.di eine Protestpetition gegen die Behinderung der Betriebsratsarbeit durch Aldi Nord gestartet, die innerhalb nur weniger Tage dort und auf ausgedruckten Listen weit mehr als 1.500 Menschen unterzeichneten (tinyurl.com/yyztsk4y – Stand Ende September).

siehe auch:
https://www.verdi.de/presse/pressemitteilungen/++co++fa04dca8-db87-11e9-9e46-525400b665de


Donnerstag, 8. August 2019

UNION BUSTING - Hanebüchene Anschuldigungen


ver.di Publik Ausgabe 4:

Hanebüchene Anschuldigungen


UNION BUSTING - Sparkasse Regen-Viechtach will Personalratsvorsitzende loswerden


Seit ihrer Ausbildung, seit fast 40 Jahren, arbeitet Margit W. bei der bayerischen Sparkasse Regen-Viechtach. Zehn Jahre ist sie bereits Personalratsvorsitzende in Freistellung, setzt sich für ihre Kolleg*innen ein. Wiederholt machte ihr die Sparkasse in den letzten Jahren das Leben schwer, gab es Auseinandersetzungen, die vor Gericht landeten. Zweimal hat sie dabei gewonnen. Im Oktober letzten Jahres dann der Höhepunkt der Konflikte: Die Sparkasse legte dem Personalrat die außerordentliche Kündigung seiner Vorsit­zenden zur Mitbestimmung vor. Der Personalrat lehnte seine Zustimmung ab. Daraufhin wandte sich die Sparkasse an das Verwaltungsgericht München und beantragte ein Zustimmungsersetzungsverfahren.

Auf Unkündbare spezialisiert


ver.di wurde für die Personalrätin aktiv, sammelte über 4.000 Unterschriften und übergab sie dem Verwaltungsratsvorsitzenden der Sparkasse. „Wir fordern die Sparkasse auf, ihrer sozialen Verantwortung als Arbeitgeber nachzukommen und die fristlose Kündigung um­gehend zurückzunehmen“, sagt die Leiterin des Fachbereichs Finanzdienstleistungen bei ver.di Bayern, Tina Scholze. Die Anschuldigungen und die Begründung für das Kündigungsbegehren sind „hanebüchen“, sagt sie, ver.di habe das geprüft. Auffällig sei aber, dass die Sparkasse einen Anwalt aus München, Tobias Schwartz, beauftragt habe, der eigens auf die Kündigung von Unkündbaren spezialisiert sei, also Schwangere, Schwerbehinderte und eben Personalräte, wie noch bis vor kurzem auf seiner Homepage zu lesen gewesen sei. Deshalb spricht ver.di in diesem Fall auch von „Union Busting“, der systematischen Bekämpfung von Gewerkschaftsarbeit und der Arbeit von Personal- und Betriebsräten.

Auch der Blog arbeitsunrecht.de hat den Fall aufgegriffen. Er schreibt, die Sparkasse habe ein 70-seitiges Begründungsschreiben aufgesetzt, um die Personalratsvorsitzende zu kündigen. Die Vorwürfe reichen von Störung des Betriebsfriedens über unerlaubtes Weiterleiten von E-Mails bis hin zu der Behauptung, sie halte Mitarbeiter von der Arbeit ab. Wenn man allerdings als Vorstand, dem bayerischen Personalvertretungsrecht verpflichtet, sich die Blöße gebe, eine Personalratsvorsitzende, die mit Mehrheit gewählt wurde und mit gutem Feedback dastehe, zu kündigen, dann habe das „eine neue Qualität“, betont Tina Scholze von ver.di. Immerhin gelte die Personalrätin unter den Beschäftigten als gute Seele, die ihre Leute nicht im Stich lasse. Aber genau das sei den Vorgesetzten offenbar unbequem.

Tina Scholze kritisiert, die Sparkasse Regen-Viechtach werbe mit Sprüchen wie, der Mensch stehe im Mittelpunkt, oder langfristige Partnerschaft zahle sich aus. Für die eigenen Mitarbeiter*innen und Personalräte scheint das nicht zu gelten. So gehe man nicht mit Menschen um, sagt Scholze. Das sei vielmehr der Versuch, Menschen einzuschüchtern und die Wahrnehmung demokratischer Grundrechte zu unterbinden. „Von einer Sparkasse, die sich selbst als wichtiger Arbeitgeber in der Region sieht, erwarten wir ein deutlich anderes Verhalten“, so Scholze.    Marion Lühring


Montag, 28. Januar 2019

Betriebsversammlung Teil 4: Geheim, geheim!


Unmittelbar im Anschluss an die Betriebsversammlung erreichte den Betriebsrat ein E-Mail des Geschäftsführers Christian Sailer. Der CEO war mit seiner Performance auf der Versammlung offenbar unzufrieden und machte seinem Ärger Luft, indem er schon wieder BR-Mitglieder mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen bedrohte. 

Ihm sei berichtet worden, schrieb Sailer, dass ein Mitglied des Gremiums die Folienpräsentation seines Berichts zur wirtschaftlichen Lage abfotografiert habe. Das sei aber alles vertraulich, streng geheim usw. … Untergang des Abendlandes also, falls die Zahlen in falsche Hände gerieten. Dazu zählt der CEO in seinem Schreiben auch die „Gewerkschaft“ – gemeint war wahrscheinlich die Redaktion dieses Blogs.

Wir können Sie beruhigen, Herr Sailer. In diesem Blog sind noch niemals Umsatzzahlen oder Deckungsbeiträge veröffentlicht worden. Und der Gewerkschaft haben Sie Ihre Folien selbst gezeigt: Deren Mitglieder saßen nämlich zuhauf in der Versammlung.

Also hören Sie auf mit den albernen Scheingefechten! Greifen Sie die offensichtlichen Probleme an, und lösen Sie diese, anstatt ständig die Interessenvertretung zu attackieren. Weder die Gewerkschaft noch der Betriebsrat können irgendetwas dafür, dass WELTBILD nicht aus der Krise kommt.

Die Wahrheit ist: Es gibt ganz konkrete und bekannte Schwierigkeiten – mit den Lieferanten, mit der Auslieferung und im ganzen Haus umständliche und fehlerhafte Prozesse, die selbst mit der doppelten Anzahl von Personal nicht zeitgerecht abzuarbeiten wären.

Darum sollten Sie sich kümmern, statt Zahlen schönzureden und alle zwei Wochen eine neue Strategie auszurufen. Am Ende noch ein gut gemeinter Tipp: In dieser Situation ein paar Indianer rauszuschmeißen und dafür im Dutzend billiger neue Häuptlinge einzustellen – das ist ganz sicher nicht die Lösung des Problems!

Donnerstag, 24. Januar 2019

Betriebsversammlung Teil 1: Zusammenarbeit mit der GF bleibt schwierig


Bei der ersten Betriebsversammlung des Jahres am vergangenen Donnerstag platzte der Versammlungsraum aus allen Nähten. „Schön wieder hier zu sein!“, begrüßte Timm Boßmann die Belegschaft. Der Betriebsratsvorsitzende spielte damit auf den gescheiterten Versuch der Geschäftsführung an, ihn mit haltlosen Anschuldigungen zu kündigen. Die KollegInnen quittierten das mit donnerndem Beifall.

Boßmann bedankte sich für die Unterstützung durch ver.di und andere  Gewerkschaften, für den Beistand der KAB/Betriebsseelsorge und bei weiteren Organisationen, PolitikerInnen sowie zahllosen Privatpersonen, die bundesweit gegen die ungerechtfertigte Kündigung Position bezogen hatten.

Am meisten habe ihn aber die starke Solidarität im Betrieb gefreut, sagte der Vorsitzende: „Ich glaube, ich bin noch nie in meinem ganzen Leben so oft gefragt worden, wie es mir geht! Liebe Kolleginnen und Kollegen: Danke, es geht mir gut.“ Applaus!

Weil die Geschäftsführung nach der Niederlage vor Gericht eine verzerrte Version des Ergebnisses per E-Mail an die Belegschaft verschickt hatte, stellte Boßmann abschließend klar, was bei der Gerichtsverhandlung Ende November tatsächlich herausgekommen war: „Es hat keinen Vergleich irgendeiner Art gegeben. Ich habe keine Abmahnung für irgendeine Verfehlung bekommen. Der Arbeitgeber hat vom Gericht in keiner Weise Recht bekommen, sondern ist zu 100% gescheitert.“

Ungenügend: Umzugspläne und Gesundheitsschutz

BR-Mitglied Hannes Walk berichtete Neuigkeiten zum geplanten Umzug innerhalb der bestehenden Firmengebäude. Inzwischen liegen dem Betriebsrat dazu die kompletten Pläne der Geschäftsführung vor. Sie entsprechen in weiten Teilen aber nicht den gesetzlichen Vorschriften, wie die Sachverständige Tatjana Fuchs von der Gesellschaft für Gute Arbeit eindrucksvoll ausführte.

Danach musste Betriebsrätin Manuela Natterer wieder auf den Dauerbrenner „Psychische Gefährdungsbeurteilung“ zu sprechen kommen. Bereits Ende 2016 hatte  eine arbeitswissenschaftliche Untersuchung gravierende Belastungen offenbart. Trotzdem hat die Geschäftsführung bis heute keinerlei Schritte zu einer Verbesserung der Situation unternommen. Das wichtige Thema wird deshalb Ende Februar in einer gerichtlichen Einigungsstelle gemeinsam mit Sachverständigen verhandelt.

Neue Betriebsvereinbarung stärkt digitales Geschäft

Im Anschluss stellte die stellvertretende Vorsitzende Dolores Sailer eine neue Betriebsvereinbarung vor. Die BV „Mehrarbeit im Marketing“ ergänzt die BV „Flexible Arbeitszeit“ und schafft arbeitsrechtlich korrekte und gesundheitlich vertretbare Möglichkeiten, die Marketing-Aktivitäten in den Sozialen Netzwerken auch am Wochenende zu betreuen.

Damit reagiere der Betriebsrat auf die Veränderung der Arbeitsaufgaben im Zuge der Digitalisierung des Handels, führte Boßmann ergänzend aus: „Diese Betriebsvereinbarung ist der Beweis, dass es gelingen kann, die Erfordernisse des Geschäfts mit den Rechten und den gesundheitlichen Bedürfnissen der Beschäftigten unter einen Hut zu bringen. Man muss nur miteinander reden und bereit sein zu verhandeln. Dann geht das auch!“ Leider sei es keiner Geschäftsführung zuvor jemals so schwer gefallen, mit dem Betriebsrat konsensorientiert zusammenzuarbeiten.

So war es auch bei den Wochenendeinsätzen im Bereich Marketing, erzählte Dolores Sailer. Der BR musste tatsächlich vor das Arbeitsgericht ziehen, damit ein Richter der Geschäftsführung erklärt, was ihre Pflichten aus der Betriebsvereinbarung „Flexible Arbeitszeiten“ sind. Und selbst nach dem Prozess hat Personalchef  Ries eine Betriebsvereinbarung zunächst abgelehnt und wollte das Thema lieber outsourcen als eine vernünftige Vereinbarung zu treffen. Erst nachdem sich das als – vorhersehbarer – Rohrkrepierer erwiesen hatte, war vernünftig zu reden. Einmal am Verhandlungstisch wurde innerhalb weniger Tage eine Vereinbarung getroffen, von der jetzt beide Seiten gleichermaßen profitieren.

Fortsetzung folgt…

Dienstag, 20. November 2018

Kündigungsversuch: WELTBILD scheitert vor Gericht


Erfundene Vorwürfe und ehrverletzende Behauptungen 

rechtfertigen keine Kündigung des BR-Vorsitzenden


Die Plätze im Gerichtssaal reichten nicht für die vielen UnterstützerInnen, die zur Verhandlung über die Kündigung des Betriebsratsvorsitzenden von WELTBILD gekommen waren. Vor dem Gericht formierten sich Dutzende mit Fahnen und Bannern zum bunten Protest: „Schluss mit dem Betriebsrats-Mobbing bei WELTBILD!“ Drinnen erging es den Vertretern des Arbeitgebers nicht besser. Sie konnten keinerlei Beweise für die Behauptung vorlegen, der Vorsitzende habe einen Mitarbeiter zum Blaumachen aufgefordert.

Wer am Montagmorgen nicht selbst dabei sein konnte, schickte ein Foto zur Unterstützung des Betriebsratsvorsitzenden von WELTBILD. Die DemonstrantInnen präsentierten über 100 Fotos von weiteren UnterstützerInnen aus ganz Deutschland.

Am Ende der Verhandlung riet der Vorsitzende Richter dem Arbeitgeber dringend, den Antrag zur Kündigung des Betriebsrats zurückzuziehen. Man müsse nicht immer alles auf die Spitze treiben, sagte das Gericht, das weder stichhaltige Beweise für die Vorwürfe des Arbeitgeber erkennen konnte, noch den Vorwurf als solchen für kündigungsrelevant hielt.

Gewerkschaftssekretär Thomas Gürlebeck von ver.di überrascht das nicht: „Erfundene Vorwürfe und ehrverletzende Behauptungen reichen eben nicht, um einen Betriebsratsvorsitzenden aus dem Amt zu jagen.“ Aber der Gewerkschafter ist auch wütend: „Die Geschäftsführung will jetzt genau denjenigen loswerden, der in der höchst schwierigen Phase der Insolvenz unermüdlich für den Fortbestand des Unternehmens und die Beschäftigten gekämpft hat. Der Vorwurf, er solle einen Kollegen dazu angestiftet haben, WELTBILD zu schädigen, ist eine unerhörte Dreistigkeit.“

BR-Vorsitzender soll gehen, weil er unbequem ist

Viele Kolleginnen und Kollegen vermuten, dass die Geschäftsführung den BR-Vorsitzenden vor allem deshalb loswerden will, weil er unbequem ist und Konflikten nicht aus dem Weg geht. Gürlebeck teilt diese Einschätzung: „Hier wird die Sozialpartnerschaft mit Füßen getreten. Einen solchen Umgang mit Betriebsräten kann man nur verurteilen, und man muss sich fragen, welches Rechtsempfinden in der WELTBILD-Geschäftsführung vorherrscht.“

Die Urteilsverkündung ist für den 29.11.2018 vorgesehen. Bis dahin hat der Arbeitgeber Zeit, sich zu entscheiden, ob er das Betriebsrats-Mobbing weitertreiben oder wieder auf den Boden von Gesetz und Anstand zurückkehren möchte.

Montag, 19. November 2018

Die Kirchen an der Seite des WELTBILD-Betriebsrats



Die Verbindungen zwischen dem WELTBILD-Betriebsrat und der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) sowie der Betriebsseelsorge sind traditionell eng. Seit vielen Jahren arbeiten die InteressenvertreterInnen eng zusammen und haben gemeinsam einiges durchgesetzt. Erinnert sei hier an die schrittweise Abschaffung der Leiharbeit in der WELTBILD-Logistik und die Durchsetzung des Zukunftstarifvertrages 2011/12. 

Natürlich stehen die VertreterInnen der Kirchen auch im aktuellen Konflikt an der Seite des WELTBILD-Betriebsrats und haben bei unserer Fotoaktion mitgemacht. Ebenfalls dabei: Ulrich Gottwald vom Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (KDA), dem evangelischen Pendant zur katholischen Organisation.

KAB und Betriebsseelsorge in Augsburg: Hans Gilg, Georg Steinmetz und Erwin Helmer.

Vereint an der Seite des WELTBILD-Betriebsrats: Renate Hofner (KAB) und Ulrich Gottwald (KDA). Daneben Lothar Rose (KAB) und Manfred Hufert vom Arbeitskreis "Menschen in Zeitarbeit".

Weitere VertreterInnen der KAB aus Bayern/Schwaben: Gerhard Wild, Martina Berndt-Hoffmann und Ewald Lorenz.

Wenn auch Sie unsere Foto-Aktion unterstützen wollen, können Sie sich hier unser Solidaritäts-Plakat herunterladen. Dann ausdrucken und einen Schnappschuss von Ihnen mit dem Plakat an die blogredaktion@web.de schicken. Vielen Dank!

Samstag, 17. November 2018

Immer mehr Menschen fordern: Schluss mit dem Betriebsrats-Mobbing bei WELTBILD!


Das Interesse der Öffentlichkeit an den Vorgängen bei WELTBILD ist ungebrochen. Hier weitere Fotos von solidarischen Menschen, die das Vorgehen der Geschäftsführung ablehnen: "Betriebsrats-Mobbing passt nicht in unser WELTBILD!" 

Der Betriebsrat von IKEA in Eching und Renate Färber.

Peter Wendel, Aytekin Erayabakan, BR LIDL Logistik, und Alfred Kückner, der BR-Vorsitzende von Hörauf & Kohler

K.A. Finkel, Markus Völkl und Wolfgang Jell.

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Donnerstag, 15. November 2018

Solidaritätsadressen des ver.di-Bundesvorstands


Der ver.di-Bundesvorstand führt die zweitgrößte Gewerkschaft Deutschlands mit etwa 2.000.000 Mitgliedern. Auch in Berlin sind die Angriffe auf den Betriebsratsvorsitzenden von WELTBILD Thema. Die Führungsebene von ver.di steht hinter dem Betriebsrat in Augsburg. 

Mitglieder des ver.di-Bundesvorstands mit den Soli-Plakaten aus Augsburg (von oben links im Uhrzeigersinn): Gabriele Gröschl-Bahr, Dagmar König, Andreas Scheidt, Christoph Meister und Ute Kittel.

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Mittwoch, 14. November 2018

Wir sehen uns am Montag vor dem Arbeitsgericht…


Die Auseinandersetzung zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat geht in die nächste Runde: Am kommenden Montag findet der Kammertermin zum Kündigungsverfahren gegen unseren Vorsitzenden statt. Kommt zum Arbeitsgericht und unterstützt den Betriebsrat gegen die Angriffe der Geschäftsführung:

Kundgebung vor dem Arbeitsgericht
am Montag, 19.11.2018, um 8:00 Uhr
Frohsinnstr. 2 (Nähe Theodor-Heuss-Platz)

Obwohl das Arbeitgericht bereits während des Gütetermins im Juli sehr deutlich gemacht hat, dass es wenig von den Vorwürfen gegen den Vorsitzenden hält, treibt die Geschäftsführung das Verfahren weiter. So will sie das Ansehen des Gremiums wie unseres Vorsitzenden untergraben und uns von anderen wichtigen Aufgaben abhalten.

Letztlich greift der Arbeitgeber mit seinem Vorgehen unserer Auffassung nach auch die Wahlentscheidung der Beschäftigten an. Die Belegschaft hat den amtierenden Betriebsrat erst im Januar mit einer Wahlbeteiligung von 75% gewählt. Dabei entfielen fast 70% der Stimmen auf die Liste unseres Vorsitzenden.

Eines ist auch klar: Wir werden uns nicht einschüchtern lassen, sondern eure Interessen weiterhin mit allen gebotenen Mitteln verteidigen und durchsetzen. Dazu ermutigen uns auch Hunderte UnterstützerInnen aus ganz Deutschland.

Dienstag, 13. November 2018

Betriebsräte aus der Region zeigen Gesicht


Wenn Unternehmen ihre Betriebsräte angreifen und sich gegen die gesetzliche Mitbestimmung vergehen, spricht sich das schnell herum. Andere Interessenvertretungen solidarisieren sich und zeigen Gesicht gegen das Betriebsrats-Mobbing bei WELTBILD. So ist der angeschlagene Versandhändler aus Augsburg in aller Munde: regional und überregional – leider nicht im positiven Sinn…

Der Betriebsrat von LEDVANCE schreibt: "Wir wünschen Euch viel Erfolg bei Eurem Kampf gegen diese Machenschaften!"

Die Kolleginnen und Kollegen von der DEHNER-Filiale in Königsbrunn stehen hinter dem Betriebsrat von WELTBILD. 
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Freitag, 9. November 2018

Hinter dem WELTBILD-Betriebsrat steht eine starke Organisation


Kraftvolle Betriebsratsarbeit braucht einen politischen Rahmen und eine starke Organisation im Hintergrund. Deshalb sind viele WELTBILD-BetriebsrätInnen in der Gewerkschaft ver.di organisiert und engagiert. 

Sie setzen viel Freizeit und Energie ein, um Gewerkschaftsarbeit als ehrenamtliche FunktionärInnen aktiv mitzugestalten. Einige Betriebsratsmitglieder nehmen auch Ämter auf Bezirks-, Landes- und Bundesebene wahr: zum Beispiel in der Landesbildungskommission. Die folgenden Schnappschüsse entstanden am Rande der letzten Kommissionssitzung in Nürnberg.

Landesbildungssekretärin Dr. Ursula Stöger von ver.di, Christoph Wagner-Neisinger, Personalratsvorsitzender der Stadt Regensburg, und der Bezirksgeschäftsführer der ver.di in Niederbayern Hartmut Veitengruber unterstützen ihre KollegInnen vom WELTBILD Betriebsrat. 
Weitere Mitglieder der Landesbildungskommission: Dirk Nagel, Regionalleiter von ver.di bildung+beratung in Bayern; Fritz Paschke; Peter Müller, Jugendbildungsreferent der ver.di-Jugend Bayern, und Wolfgang Schulz. 

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Donnerstag, 8. November 2018

"Wir sagen: Schluss mit dem Betriebsrats-Mobbing bei WELTBILD!"


Interessenvertretungen und GewerkschafterInnen aus ganz Bayern unterstützen den Betriebsrat von WELTBILD. Der unverschämte Angriff auf die Mitbestimmung durch Geschäftsführer Christian Sailer und Personalchef Manfred Ries ist leider kein Einzelfall (wir berichteten). 

Aber immer wenn ein Gremium schikaniert wird, stehen alle zusammen und sorgen für eine breite öffentliche Wahrnehmung. In den letzten Jahren war keine einzige der BR-Kündigungen erfolgreich, aber alle mitbestimmungsfeindlichen Unternehmen haben Schaden an Ansehen und Umsatz genommen.

Mitmachen!

Wenn auch Sie unsere Foto-Aktion unterstützen wollen, können Sie sich hier unser Solidaritäts-Plakat herunterladen. Dann ausdrucken und einen Schnappschuss von Ihnen mit dem Plakat an die blogredaktion@web.de schicken . Vielen Dank!

Petri Friedrich, Betriebsrat bei Ilim Timber in Landsberg, und Nicole Bäcker mit BR-Vorsitzendem Helmut Tretter von SYNLAB Logistics 

Die Mitarbeitervertretung des Dominikus-Ringeisen-Werks in Breitbrunn (v.l.n.r.): Alexandra Ostermeier, Martin Thalhofer, Thomas Hofmann, Fikret Alabas, Henning Näveke und Anna Lutz-Genso

Von links nach rechts: Wolfgang Peitzsch, DGB Augsburg, Detlef Flechsel, Bezirksverbandsvorsitzender der IG BAU Schwaben und Erdem Altinisik, Rechtssekretär der ver.di im Bezirk Augsburg

Betriebsrat Ulrich Hehl von LINDE Gas, Kathrin Rottmann vom BR der Augsburger Allgemeinen und Elisabeth Namiri, Spezialistin für Gefährdungsbeurteilungen und Fach-Mediatorin Wirtschaft.

Montag, 5. November 2018

Bildungszentrum in Brannenburg unterstützt Kampagne gegen Betriebsrats-Mobbing


Wo auch immer sich gerade GewerkschafterInnen treffen: Sie sprechen über die unsäglichen Angriffe der WELTBILD-Geschäftsführung auf den Betriebsrat und seinen Vorsitzenden. Diese Schnappschüsse sind auf einer Tagung im ver.di-Bildungszentrum in Brannenburg entstanden. Danke für eure Solidarität, liebe Kolleginnen und Kollegen!

Obere Reihe von links: Norbert Großhauser-Fernau, Dolf Schießer, Werner Haub, Günther Hübner; Mitte: Dieter Hahne und Walter Lukas; untere Reihe: Werner Tomek, Emmy Simmerer, Stephan Kuchenbecker und Thomas Jacobi.  

Das Bildungszentrum "Haus Brannenburg" ist einer der wichtigsten Multiplikatoren der ver.di in Bayern. Innerhalb weniger Wochen sind hier über 1.500 unserer Protest-Postkarten an SeminarteilnehmerInnen aus ganz Deutschland verteilt worden. Manfred Weidenfelder leitet die Bildungsstätte; zusammen mit Bildungsreferentin Britta Klinkforth sagt auch er: "Stopp: Betriebsrats-Mobbing passt nicht in mein WELTBILD!"

Das Leitungsteam der ver.di-Bildungsstätte in Brannenburg: Bildungsreferentin Britta Klinkforth und Schulleiter Manfred Weidenfelder.
Wer den Betriebsrat bei seinem Kampf gegen Mobbing und Union-Busting unterstützen möchte, kann hier unser Soli-Plakat herunterladen. Dann einfach ausdrucken und in die Handykamera halten. Den Schnappschuss schickt ihr bitte in voller Auflösung an blogredaktion@web.de . Vielen Dank!


Freitag, 2. November 2018

Die Betriebsräte von HUGENDUBEL und WELTBILD halten zusammen


Viele Jahre saßen sie gemeinsam im Konzernbetriebsrat. Die Pleite hatte die Betriebsräte von WELTBILD und HUGENDUBEL getrennt, aber sie halten weiter zusammen. Die KollegInnen von HUGENDUBEL unterstützen den WELTBILD-BR bei seinem Kampf gegen Mobbing und Union-Busting durch die Geschäftsführung.

Andreas Krug, Ariane Kischel (stellv. Vorsitzende) und Berit Brusdeylins

Reinhard Lipke, Uwe Kramm (Vorsitzender) und Walter Rohn. 
Martha Mayr, Pankraz Görl und Jürgen Horn.

Wer den Betriebsrat bei seinem Kampf gegen Mobbing und Union-Busting unterstützen möchte, kann hier unser Soli-Plakat herunterladen. Dann einfach ausdrucken und in die Handykamera halten. Den Schnappschuss schickt ihr bitte in voller Auflösung an blogredaktion@web.de . Vielen Dank!

Montag, 29. Oktober 2018

Welle der Solidarität für WELTBILD-Betriebsrat


Unsere Foto-Aktion läuft noch besser, als wir es uns erhofft hatten. Wir haben schon über 100 Bilder bekommen und täglich werden es mehr. Wir veröffentlichen die Fotos der UnterstützerInnen nach und nach hier im Blog.

Wer den Betriebsrat bei seinem Kampf gegen Mobbing und Union-Busting unterstützen möchte, kann hier unser Soli-Plakat herunterladen. Dann einfach ausdrucken und in die Handykamera halten. Den Schnappschuss schickt ihr bitte in voller Auflösung an blogredaktion@web.de . Vielen Dank!

Markus Brakonier, Silvia Horst und Petra Wendel von ESPRIT fordern die Geschäftsführung von WELTBILD auf: "Fair bleiben!". 

Unsere KollegInnen von SSI Schäfer Shop stärken uns den Rücken: Rainer Stockschläder, Jürgen Büchner und Heike Morgenschweis. Danke!

Was bei WELTBILD passiert, spricht sich überall herum. Auch Nicole Strathoff, Kathrin Sünder und Marlis Kriews von KAUFLAND stellen sich gegen die unfairen Angriffe der WELTBILD-Geschäftsführung.


Freitag, 26. Oktober 2018

Der Betriebsrat von WELTBILD braucht Ihre Unterstützung


Seit der Düsseldorfer Milliardär Walter Droege das früher kirchliche Unternehmen WELTBILD übernommen hat, ist bei dem Augsburger Buchversender kein Stein auf dem anderen geblieben. Von einstmals 2.500 Beschäftigten im Versandhandel sind gerade mal 350 übrig. Das Betriebsklima ist vergiftet, Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit werden sträflich vernachlässigt. Allein der gewählte Betriebsrat bietet dem Despoten aus Düsseldorf mutig die Stirn.

Die Geschäftsführung um CEO Christian Sailer dagegen behindert seit Monaten die gesetzliche Mitbestimmung. Der Betriebsrat wird nicht informiert, Betriebsvereinbarungen werden gebrochen, es wird getrickst und gelogen, was das Zeug hält. Jetzt soll auch noch der verdiente Betriebsratsvorsitzende unter fadenscheinigen Vorwürfen fristlos gekündigt werden.

Sie unterstützen den Betriebsrat von WELTBILD und zeigen Gesicht für Fairness und Mitbestimmung: Stefanie Nutzenberger, Mitglied im ver.di-Bundesvorstand und Leiterin des Fachbereichs Handel, Manfred Wirsch, Bundesfachgruppenleiter Groß- und Außenhandel sowie Sylwia Lech, ver.di-Sekretärin in Augsburg.

Die Geschäftsführung von WELTBILD beschuldigt den Betriebsratsvorsitzenden, einem Mitarbeiter zum Blaumachen geraten zu haben. Im Juli wurde die Kündigung erstmals vor dem Arbeitsgericht verhandelt. Der Arbeitgeber legte keinerlei Beweise vor, und der Vorsitzende Richter äußerte erhebliche Zweifel, ob der Vorwurf für eine Kündigung überhaupt ausreiche. Trotzdem treibt die Geschäftsführung das Verfahren weiter und macht im Betrieb Stimmung gegen Gewerkschaft und Interessenvertretung.

Deshalb bitten wir Sie heute um Unterstützung:

Zeigen Sie Gesicht und sagen „Stopp: Betriebsrats-Mobbing passt nicht in mein WELTBILD“. Dazu haben wir ein kleines Plakat vorbereitet, das Sie sich hier herunterladen und ausdrucken können. Halten Sie es bitte in die Handykamera und schicken Sie uns ein Selfie mit Plakat in voller Auflösung per E-Mail an unsere blogredaktion@web.de . Wir veröffentlichen die Bilder aller UnterstützerInnen hier im Blog.

Vielen Dank auch im Namen des WELTBILD-Betriebsrats.

Montag, 22. Oktober 2018

Playmobil - Der Irrsinn geht weiter


Sieht man nur den Output an bunten Plastikfiguren, mag man Geobra Brandstätter in Zirndorf gar nichts Bösen zutrauen. Das Unternehmen präsentiert sich aber in Sachen Unionbusting und miesen Methoden im Umgang mit Betriebsräten und Mitarbeitern in einem ganz anderen Licht. 


Hier im Blog wurde 2016 bereits über den letztlich gescheiterten Versuch berichtet die IG Metall-Liste bei der Betriebsratswahl mit ungesetzlichen Mitteln und Einschüchterung auszubooten (Playmobil - die dunkle Seite von niedlich). Dieses Vorgehen wurde vom Bundesarbeitsgericht in Erfurt in letzter Instanz abgestraft. Im Nachgang konnte dann endlich eine ordentliche Wahl abgehalten werden, aus der die Gewerkschaftsliste mit 9 Mandaten als stärkste Kraft im 21-köpfigen Gremium  hervorging. Die restlichen 12 Mitglieder stehen der Geschäftsführung näher als der Belegschaft, sind entweder beeinflussbar oder auf ihren eigenen Vorteil bedacht.


Wer aber glaubt, die Unternehmensführung hätte sich mit diesem Ergebnis abgefunden, irrt gewaltig. Von Anfang an wurden die 9 Betriebsratsmitglieder der IG-Metall-Liste unter Druck gesetzt und schikaniert. So gab es für sie unverhältnismäßig viele Abmahnungen, teils wegen schierer Nichtigkeiten, teils mit völlig absurden Begründungen. Darüber hinaus wurden ihnen Durchgangskarten für den Betrieb verweigert, so das sie an vielen Toren klingeln und auf Einlass warten mussten. Parallel dazu ging die Stimmungsmache gegen die Gewerkschaft munter weiter.


Im diesjährigen Hitzesommer fand sich nun endlich ein "Ansatzpunkt", die unbequemen Betriebsräte anzugehen. Unter dem Vorwand das Gebot der  "vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat" (§ 2 Abs. 1BetrVG) missachtet zu haben, wird versucht sie per Gerichtsbeschluss aus dem Gremium zu klagen. Dabei waren sie nur ihrer Pflicht nachgekommen, die gesetzlich garantierten Arbeitnehmerrechte zu wahren, was den Gesundheitsschutz in den klimatisch prekären Produktionsräumen angeht. Die Fenstergriffe waren dort auf Geheiß der Geschäftsführung schon länger abmontiert worden, was ein Lüften der Räume unmöglich machte und jetzt zu Temperaturen von 37°C in den Hallen führte.

Laut Arbeitsstättenverordnung muss der Arbeitgeber aber ab 30°C wirksame Maßnahmen ergreifen, um die Hitzebelastung zu reduzieren. Ab 35°C ist ein Arbeitsraum nicht mehr dauerhaft als solcher zu benutzen.

In dieser Situation haben die 9 Betriebsräte die Kollegen über Aushänge darauf hingewiesen, dass sie bei bei Temperaturen über 35°C einmal pro Stunde das Recht auf eine "EntwärmungsPhase" hätten, um zu trinken und sich an geeigneter Stelle abzukühlen. Aus Sicht des Arbeitgebers war dies ein eigenmächtiger Aufruf - ohne Beschluss des gesamten Gremiums - zu wiederholten 10-minütigen nicht genehmigten Arbeitsunterbrechungen.


Unfassbarerweise haben sich die anderen 12 Betriebsräte hinter das Vorhaben des Arbeitgebers gestellt und dessen Vorgehen unterstützt. So sollen gerade die Kollegen, die sich gegen unzumutbare Verhältnisse wenden und sich für das Wohl der Mitarbeiter einsetzen abgestraft werden. Dass sich der Rest der Mitarbeitervertretung damit als bloße Erfüllungsgehilfen der Geschäftsleitung offenbaren ist mehr als bitter.


Beim Gütetermin vor dem Nürnberger Arbeitsgericht wurde erwartungsgemäß keine Einigung erzielt und die Vorwürfen nicht zurückgenommen. Die Kammer wird nun im Januar 2019 mit ihrem Urteil den Fall in erster Instanz entscheiden.


Bei Weltbild steht der Betriebsrat bisher zum Glück geschlossen gegen die Anfeindungen der Geschäftsführung. Obwohl auch hier Kollegen im Gremium sitzen, die nicht der Gewerkschaft angehören, besteht doch weitgehend Einigkeit darüber, was die Aufgaben einer Mitarbeitervertretung sind und wem man verpflichtet ist - nämlich denjenigen, die im Unternehmen die Arbeit erledigen und die einen gewählt haben.

Gerade in Zeiten, wie diesen, in denen die Geschäftsleitung den Vorsitzenden massiv angreift und versucht aus dem Betrieb zu kicken, ist es wichtig die Hoffnung, sie könnten damit durchkommen, gar nicht erst aufkommen lassen. Nur diese Geschlossenheit, kann die Chefetage wieder zur Vernunft und konstruktiver Zusammenarbeit bringen.

Weltbild darf kein zweites Playmobil werden.

Freitag, 19. Oktober 2018

BR-Mobbing bei Aldi


Neben vielen wichtigen Themen, über die hier im Blog berichtet wird, ist das zentrale Thema augenblicklich das betriebene Betriebsrats-Mobbing, im speziellen die angedrohte fristlose Kündigung des BR-Vorsitzenden.

Leider stehen die Betriebsräte bei Weltbild nicht alleine vor dem Problem, sich gegen unfaire Methoden durch den Arbeitgeber wehren zu müssen.
Neben Lidl, Zara, Ihle - um nur ein paar Beispiele zu nennen, ist nun auch Aldi Nord negativ aufgefallen.

Mal wieder harte Bandagen bei Aldi


Ein Bericht von Andreas Haman, erschienen in der ver.di Handel Nr. 2, September 2018

Die gewinnträchtige Dicounter-Kette Aldi Nord ist einmal mehr in die Kritik geraten. Ein Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" über den Konflikt um ein neues Arbeitszeitmodell hat kürzlich für ein starkes Medienecho gesorgt.
Insbesondere wird die Frage aufgeworfen, ob Aldi aus der Tarifbindung aussteigen will. Anlass ist eine Formulierung in den seit 2014 erneuerten Arbeitsverträgen. Dort heißt es jetzt, der arbeitsvertragliche Verweis auf die Tarifverträge gelte "nur solange der Arbeitgeber tarifgebunden ist".
Bei ver.di-Aktiven und engagierten Betriebsräten hat das für großes Misstrauen gesorgt. Einer von ihnen ist Uli Kring, Betriebsratsvorsitzender in der Aldi-Gesellschaft Bad Laaspe. "Ich sehe die riesige Gefahr, dass Aldi Nord einen Tarifausstieg plant", sagt er. Das Unternehmen selbst dementiert dies: Aldi stehe zu den Tarifverträgen. Die Arbeitsverträge seien lediglich an die neue Rechtsprechung angepasst worden und man wolle "auf gegenwärtig nicht absehbare Zeit in der Not vorbereitet sein", zitiert das Handelsblatt.

Der "Spiegel"-Bericht ist für den Discounter insbesondere deshalb ärgerlich, "weil wir einer großen  Öffentlichkeit mal wieder als schlechter Arbeitgeber vorgeführt werden", wie ein regionaler Geschäftsführer bereits vor einiger Zeit beklagte.
Starke Belege für das kritikwürdige Verhalten gibt es seit langem.

Illustration: BLEIFREI TEXTE + GRAFIK

Trotz neuer Zeiterfassung: Pausen- und Minutenklau


2014 begann Aldi Nord, außer neuen Arbeitsverträgen auch neue Betriebsvereinbarungen zur Arbeitszeit und zur Vergütung durchzuboxen, die einen großen Spielraum für Verschlechterungen bieten.
Zum Beispiel wird in einer Betriebsvereinbarung der pauschale Verzicht auf Mitbestimmung in Arbeitszeitfragen festgeschrieben. Über den Weg von Arbeitszeitkonten soll Mehrarbeit zu einem pauschal genehmigten Dauerzustand gemacht werden und keine Ausnahme mehr sein, so ein Einwand von Betriebsräten.

Zwei Betriebsräte leisten Widerstand


Auch eine inzwischen weitgehend eingeführte elektronische Arbeitszeiterfassung, die ver.di seit langem gefordert hatte, ist nach Auskunft von Insidern lückenhaft.
Arbeit vor und nach der eigentlichen Schicht sowie Pausenzeiten werden - anders als von Aldi Nord behauptet - oft nicht minutengenau erfasst.
Der erwähnte "Spiegel"-Artikel gibt wieder, dass anfänglich rund die Hälfte der damals 35 Betriebsratsgremien  die geplante Betriebsvereinbarung über ein neues Arbeitszeit- und Vergütungsmodell abgelehnt hatte. Diesen Zustand haben die regionalen Geschäftsführer dann mit zum Teil erpresserischen Methoden verändert, über die erstmalig in ver.di Publik ausführlich berichtet worden ist: Es wurde mit der Schließung von Standorten, der Ausgliederung des jeweiligen Fuhrparks oder der Abgabe von Teilen des Filialnetzes gedroht.
Dieses Vorgehen und die sichere Zustimmung von Betriebsratsmehrheiten aus dem Dunstkreis der arbeitgeberfreundlichen  AUB haben dazu geführt, dass Aldi Nord fast überall zum Ziel gekommen ist. Nur noch zwei von ver.di-Mitgliedern  geführte Betriebsräte, in Bad Laaspe und in Horst, leisten Widerstand. "Wir sprechen uns mit Nachdruck gegen Einschüchterungen und Drohungen durch Vorgesetzte aus. Arbeitsverträge, die die Bedingungen für die Beschäftigten verschlechtern, lehnen wir ab", so ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. "Unser gemeinsames Ziel ist Tarifsicherheit und ungehinderte betriebliche Mitbestimmung." 
(Bericht: Andreas Haman)


Wir wünschen den engagierten Betriebsräten Bei Aldi Nord viel Kraft in ihrem Kampf um faire Arbeitsbedingungen.

Quelle: Ver.di Handel Nr. 2 (Beilage der Ver.di Publik), September 2018

Mittwoch, 3. Oktober 2018

Turamichele: Zeichen setzen gegen Betriebsrats-Mobbing


Rund zwei Monate ist es jetzt her, seit das Augsburger Arbeitsgericht große Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Kündigung des Betriebsratsvorsitzenden angemeldet hat. Wer gehofft hatte, dass sich Geschäftsführer Christian Sailer und Personalchef Manfred Ries nun besinnen und das aussichtslose Verfahren abblasen, sieht sich getäuscht. Statt dessen läuft das Betriebsrats-Mobbing auf Hochtouren. Dagegen haben die Gewerkschaft ver.di und die WELTBILD-Vertrauensleute jetzt ein Zeichen auf dem Augsburger Rathausplatz gesetzt.

Beim Turamichele-Fest am vergangenen Wochenende schickten GewerkschafterInnen über 100 Protestpostkarten auf eine luftige Reise. Herr Sailer kriegt schon bald wieder Post von überall her…
Augsburger Allgemeine 29.09.18
Vordergründig simuliert die Geschäftsführung Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat. In Wahrheit hat sich an der Haltung zur Mitbestimmung nichts geändert: Verfahren werden verzögert, Termine hinausgeschoben. Beim Gesundheitsschutz hat sich immer noch nichts bewegt. Der Betriebsrat wird weiterhin nur auf konkrete Nachfrage informiert, wenn er bereits selbst herausgefunden hat, was die GF gerade wieder plant. Bei Einstellungen wird versucht, die Schutzrechte der Betriebsverfassung zu umgehen. MitarbeiterInnen werden drangsaliert und unter Druck gesetzt, usw. usf.

Arbeitgeber gießt Öl ins Feuer

Solange sich daran nichts ändert, wird der Konflikt weitergehen. Ein Konflikt übrigens, der nicht an der Person des Betriebsratsvorsitzenden hängt. Bei dem Streit geht es um die Grundregeln des Miteinanders im Betrieb, menschlichen Anstand und die gesetzlich verankerte Mitbestimmung. Dafür steht der Betriebsrat geschlossen als Gremium. Die Angriffe des Arbeitgebers auf eine einzelne Person bewirken nichts, außer weiteres Öl ins Feuer zu gießen. Und sie halten WELTBILD öffentlich im Gespräch. Ob die negative Berichterstattung über Betriebsrats-Mobbing die Marke sympathischer machen und umsatzfördernd wirken, darf allerdings bezweifelt werden…


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