Posts mit dem Label Psychische Erkrankungen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Psychische Erkrankungen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Mittwoch, 17. Oktober 2018
Angst in Unternehmen und was sie bewirkt
Die meisten von uns werden das Gefühl kennen.
Angst vor dem Chef, Angst davor, die Arbeit nicht rechtzeitig genug oder nicht gut genug zu erledigen, Angst davor, Aufgaben zu bekommen, die man nicht bewältigen kann, Angst, die Arbeit zu verlieren, Angst, dass die Firma pleitegeht.
Es gibt unendlich viele Ängste und in den meisten Firmen herrscht eine Angstkultur.
Sogar die, die bei den Mitarbeitern die meisten Ängste auslösen, die sogenannte Führungsschicht, haben selber auch viele Ängste - nicht dass wir Mitleid bekommen würden.
Aber es schadet uns.
Sie fällen Entscheidungen nicht, aus Angst, die falsche Entscheidung zu fällen.
Sie wählen immer den Weg des geringsten Risikos, was dazu führt, dass Innovation und Kreativität keinen Platz bekommt.
Das kennt jeder von uns, denken wir nur an die großen und behäbigen Industrieschiffe, die ihre Produkte zwar weiterentwickeln, aber immer im eingefahrenen Gleis bleiben.
Die Produkte werden größer, schneller, meist auch teurer, aber im Prinzip unverändert.
Ein Chef, der mit Härte und Druck seine Mitarbeiter zu Höchstleistungen antreiben will, erreicht genau das Gegenteil.
Angst blockiert die Denkfähigkeit, macht den Menschen physisch und psychisch krank und sorgt für Fehler.
Je nach Veranlagung reagiert der unterdrückte Mitarbeiter mit Rückzug, Dienst nach Vorschrift, bloß nichts riskieren oder mit Wut, Desinteresse und Rachegelüsten.
Wir kennen aus eigener Erfahrung das Sicherheitsdenken, das Pingpong - jeder schiebt die Verantwortung auf einen anderen und will sie selbst nicht übernehmen.
Bei uns Weltbildlern kommt dann noch die Sorge um die Zukunft dazu, die Sorge, was die nächste Entlassungswelle bringt, die Sorge, was Düsseldorf als nächstes ausbrütet.
Die Führungsschicht dürfte vor Droege gehörige Angst haben, er feuert ja gerne mal.
Allerdings bekommen sie ein ordentliches Schmerzensgeld, da kann man schon mal gute Miene zum bösen Spiel machen, jeder Monat zählt - manch einer mag im Monat mehr verdienen als ein normaler Arbeitnehmer im Jahr, da könnte man sich früh zur Ruhe setzen, wenn man eine Weile durchhält und nicht alles für Luxusgüter oder Geliebte verjubelt.
Wie kann die Kehrtwende geschafft werden ?
Wie kann man in einer Firma die Angst abschaffen und Vertrauen aufbauen ?
Der Fisch stinkt vom Kopf her.
Druck wird von oben nach unten weitergegeben - nicht von allen - es gibt auch gute Vorgesetzte, die den Druck von ihren Mitarbeitern abschirmen.
Und natürlich gibt es auch Führungspersonal, welches eine merkwürdige Vorstellung von Führung hat.
Die kann man nur bändigen, wenn über Ihnen jemand Vernünftiges ist, der das unterbindet.
Unter Linkedin findet man einen sehr gut geschriebenen Artikel zu Angst in Unternehmen, der das Thema sehr schlüssig aufbereitet:
Anne M. Schüller: Die Angst muss weg! Angst macht Unternehmen langsam und dumm
Montag, 19. Februar 2018
Wo stehen wir bei der psychischen Gefährdungsbeurteilung ? Stellungnahme der Betriebsärztin und der Sicherheitsfachkraft
Über ein Jahr ist es schon her, dass der WELTBILD-Betriebsrat die Belegschaft über die Ergebnisse der psychischen Gefährdungsbeurteilung informierte.Was ist seitdem passiert ?
Auf der Arbeitgeberseite nichts !
Der Betriebsrat hat mit einer immensen Fleißarbeit 246 Punkte zu drei Maßnahmenpaketen verdichtet, mit welchen 80% der Probleme gelöst oder zumindest deutlich gelindert werden könnten.
Zur Erinnerung:
1. Führungsleitlinien
Der BR schlägt vor, gemeinsam mit der GF Führungsleitlinien zu erarbeiten. Im Handlungsfeld „Wertschätzung“ könnte so viel erreicht werden. Führungskräfte sollen geschult und unterstützt werden. Für den Fall, dass gegen die Leitlinien verstoßen wird, soll eine paritätische Eskalationsinstanz geschaffen werden, die hilft Konflikte zu lösen.
2. Prozessoptimierung
Wir kämen schon einen Riesenschritt weiter, wenn die zentralen Prozesse in den Abteilungen einfach einmal aufgeschrieben würden. Dann könnte man Verantwortlichkeiten klären und Stellenbeschreibungen definieren.
3. Bedarfsanalyse
Systematisch erfassen, was notwendig ist, um effizient und gut zu arbeiten: Arbeitsmittel (Hard- & Software), Schulungen, Verbesserung der Arbeitsumgebung (Licht, Luft, Lärm) u.s.w. Danach Budgetierung und Planung von Investitionen.
Standpunkt des Unternehmensvertreters:
Der neue "Interim"(?)-Personalchef Ries hat eine klare Meinung zur psychischen Gefährdungsbeurteilung.
Er hält sich nicht mit Ausflüchten auf, sondern sagt klipp und klar: „Die Krankenquote im Unternehmen ist absolut in Ordnung. Ich sehe keinen Handlungsbedarf.“ Alle Vorschläge des Betriebsrats lehnt er rundheraus ab. Er bestreitet sogar, dass es überhaupt eine Gefährdungsbeurteilung gegeben hat: „Wenn der Betriebsrat irgendeinen Externen beauftragt, die Leute zu fragen, wie es ihnen geht – warum sollte mich das interessieren?“
Standpunkt der Betriebsärztin und der Sicherheitsfachkraft:
Von beiden liegen Stellungnahmen vor, in welchen Sie die psychische Gefährdungsbeurteilung bestätigen, ein paar Auszüge:
"Die vom Schwarz Institut durchgeführte psychische Gefährdungsbeurteilung ist im Aufbau und der Durchführung absolut professionell und schlüssig erstellt worden."
"Das Schwarz Institut hat die Gefährdungsbeurteilung sehr sorgfältig, professionell und sehr umfangreich verbunden mit hohem Arbeitsaufwand durchgeführt."
Die vom BR vorschlagenen Maßnahmen wären pragmatisch und plausibel, sollten umgesetzt werden und der Erfolg der Maßnahmen abschließend hinterfragt werden.
"Die Arbeit, die dahinter steckt , ist erheblich, das Ergebnis , meiner Meinung nach, hervorragend gelungen."
"Aus meiner Sicht ist die Befragung mit der Beurteilung gelungen."
Fazit:
Der Arbeitgeber handelt grob fahrlässig, indem er dieses Thema ignoriert.
Falscher kann man es gar nicht machen, weil er auch noch die Gefährdungsbeurteilung insgesamt anzweifelt.
Dann hat er nämlich nicht nur keine Maßnahmen ergriffen, sondern auch noch keine Gefährdungsbeurteilung gemacht, wozu er aber verpflichtet ist.
Da "freuen" sich die Aufsichtsbehörden und die Versicherungen, Haftungsfragen werden an die Vertreter des Arbeitgebers delegiert, mögliche Folgen gehen von Bußgeldern über Haftung für Gesundheitsschäden bis zu Freiheitsstrafen...
Beschäftigte haben ein Recht auf Gesundheitsschutz:
Der Arbeitsschutz gehört zu den gesetzlichen Grundpflichten des Arbeitgebers (§ 3 ArbSchG).
Er hat die Arbeit so zu gestalten,dass eine Gefährdung für die physische und die psychische Gesundheit möglichst gering gehalten wird (§ 4). Es ist die Pflicht des Arbeitgebers, die Gefährdungen am Arbeitsplatz regelmäßig zu beurteilen. Dabei werden die Gefährdungen durch die Gestaltung von Arbeitsabläufen und Arbeitszeit und deren Zusammenwirken sowie durch psychische Belastungen bei der Arbeit ausdrücklich im Gesetz genannt (§ 5).
Schlagworte:
Arbeitsrecht,
Ausschüsse,
Belastung,
Betriebsrat,
Gefährdungsbeurteilung,
Gesundheit,
Psychische Erkrankungen
Montag, 30. Oktober 2017
Burnout-Test: Macht dich WELTBILD krank?
Zeitdruck, Multitasking, Überstunden... Rund 40% der ArbeitnehmerInnen leiden massiv unter Stress in der Arbeit. Das belegt eine Studie des Statistischen Bundesamts. Wie sieht es bei WELTBILD aus? Wie hoch ist dein persönliches Burnout-Risiko? Und was kannst du dagegen tun?
Die Arbeitslast bei WELTBILD hat seit der Insolvenz extrem zugenommen. Darüber klagen KollegInnen in allen Bereichen. Ein Grund ist sicherlich die viel zu dünne Personaldecke. Von 1.200 KollegInnen im Verwaltungsbereich sind inzwischen nur noch rund 350 übrig. Also nicht einmal mehr ein Drittel. Trotzdem werden fast alle Geschäftsfelder weiterhin bespielt. Das heißt: die Arbeit von dreien landet jetzt auf einem Schreibtisch. Viele KollegInnen sind dauerhaft mit „Feuer löschen“ beschäftigt. Oft ist gar nicht klar, für was mensch eigentlich zuständig ist: aktuelle Stellenbeschreibungen fehlen in den meisten Bereichen.
Vertretungsregelungen existieren ebenfalls nicht oder sind in der Praxis unbrauchbar, weil eine Person gleich zwei oder drei KollegInnen gleichzeitig vertreten müsste. So kann niemand entspannt in den wohlverdienten Urlaub gehen: Statt die Erholungszeit zu genießen, haben viele einen Horror vor dem übervollen Schreibtisch, der sie nach ihrer Rückkehr zwangsläufig erwartet. Dazu kommen organisatorische Unsinnigkeiten wie der M-Nummern-Prozess, der jede Rechnungsfreigabe in ein kafkaeskes Abenteuer verwandelt, endlose Abnahmeprozesse mit viel zu vielen Instanzen und ständig neue, teils widersprüchliche Vorgaben aus Düsseldorf...
Stress macht krank. Wie hoch ist dein Risiko?
Auswertungen der Krankenkassen haben ergeben, dass rund 15% der Krankheitstage auf psychische Belastungen zurückzuführen sind. Auch die Rentenversicherung schlägt Alarm: Im Jahr 2000 gingen 50.000 Beschäftigte aufgrund psychischer Erkrankungen in Frührente, 2014 waren es schon 75.000 – ein Anstieg um 50 %. Die Betroffenen müssen hohe Abschläge bei der Altersrente in Kauf nehmen, nicht wenige landen nach einem (über-)anstrengenden Arbeitsleben am Ende bei Hartz IV.
Wie hoch ist dein persönliches Risiko? Hier kannst du es herausfinden: ver.di-Burnout-Test.
In 2016 leisteten ArbeitnehmerInnen in Deutschland 961 Millionen Überstunden. Rund 11 % arbeiteten mehr als 48 Stunden pro Woche, so der Bericht des Statistischen Bundesamts. Wie ist die Lage bei WELTBILD? Hier regelt die Betriebsvereinbarung „Flexible Arbeitszeit“ die Arbeitszeiten derer, die an der Zeiterfassung teilnehmen. Die BV bietet dem Arbeitgeber und den ArbeitnehmerInnen gleichermaßen Spielräume, zieht aber da Grenzen, wo die Gesundheit durch zu lange Arbeitszeiten gefährdet wird. Zwei Drittel der stempelnden KollegInnen schieben weniger als eine Woche Überstunden vor sich her. Bis auf ganz wenige Einzelfälle bleiben auch alle anderen innerhalb des Korridors von maximal 120 Überstunden.
Wer nicht stempelt, sollte doppelt vorsichtig sein
Anders sieht es augenscheinlich bei den KollegInnen aus, die nicht an der Zeiterfassung teilnehmen. Das sind inzwischen rund 200 von 350 Beschäftigten. Die sogenannten „AT-ler“ trifft man regelmäßig zu später Stunde im Betrieb an. Viele sind permanent erreichbar und beantworten Mails teilweise noch von Zuhause aus. Das geht auf Dauer nicht nur auf die Gesundheit, sondern kostet in letzter Konsequenz richtig viel Geld: Hier haben wir einmal vorgerechnet, wie sich überlange Arbeitszeiten auf den Stundenlohn auswirken: Lange Arbeitszeiten drücken AT-Lohn unter Niveau von Tarifgruppe V
Wer seine Arbeitszeiten täglich an der Stempeluhr im Blick hat, merkt schneller, wenn es zu viel wird. Außerdem regelt die oben genannte Betriebsvereinbarung, wie Überstunden mit Freizeit ausgeglichen werden. Wer zum Beispiel aufgrund eines Projektes einige Wochen deutlich mehr gearbeitet hat, kann danach auch mal ein paar Tage freinehmen. Theoretisch sind so mehrere zusammenhängende Wochen Freizeitausgleich zusätzlich zum Jahresurlaub möglich. Grundsätzlich kann mensch seine Arbeit sogar regelmäßig an vier statt fünf Tagen der Woche ableisten, auch das ist in der BV „Flexible Arbeitszeit“ geregelt.
Die Betriebsvereinbarung „Flexible Arbeitszeit“ gilt auch für AT
Das Beste: JedeR ArbeitnehmerIn bei WELTBILD hat ein Recht auf Teilnahme an der Zeiterfassung, auch die BezieherInnen von AT-Gehältern. Wer Fragen dazu hat, wendet sich einfach an den Betriebsrat. 2012 haben wir hier bereits über das Recht auf Zeiterfassung berichtet. Die rechtlichen Voraussetzungen sind genau dieselben wie vor der Insolvenz.
Schlagworte:
Arbeitszeit,
Belastung,
Gefährdungsbeurteilung,
Gesundheit,
Psychische Erkrankungen
Mittwoch, 12. Juli 2017
Schöne stressige Arbeitswelt
Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt - mit spürbaren Folgen für die Beschäftigten:Körperliche Belastungen nehmen ab, Arbeitshetze und psychischer Druck nehmen dagegen deutlich zu.
Wer seine Arbeit mitgestalten kann, leidet weniger unter den negativen Folgen der Digitalisierung. Das sind die zentralen Befunde einer neuen Studie zu "Digitalisierung und Arbeitsqualität" im Auftrag der ver.di auf Basis des DGB-Index Gute Arbeit 2016 für den Dienstleistungssektor.
| Foto: www.verdi.de |
Laut Studie sind mittlerweile 83 Prozent der Beschäftigten im Dienstleistungssektor von Digitalisierung betroffen - zumeist bei der Kommunikation, gefolgt von der Arbeit mit elektronischen Geräten und von softwaregesteuerten Arbeitsabläufen.
Von denen, die in sehr hohem Maße von der Digitalisierung sind, findet fast jeder Zweite, die Arbeitsbelastung habe sich für ihn insgesamt erhöht.
Das liegt an der wachsenden Arbeitsmenge, an mehr Arbeitshetze und Zeitdruck, sowie erhöhtem Multitasking. Zudem haben Überwachung und Kontrolle der Arbeit zugenommen. Die Studie zeigt auch: Wenn die Beschäftigten mehr Mitspracherechte bei der Arbeitsmenge und Einsatz von Technik haben, sinken die Belastungen.
Untersucht wurde der gesamte Dienstleistungssektor mit den von ver.di betreuten Branchen Einzelhandel, Verkehr, Krankenhäuser, Energieversorgung, öffentliche Verwaltungen und Finanzdienstleistungen.
Die Belastung wird unterschiedlich stark empfunden. Beschäftigte in der Informations- und Kommunikationstechnikbranche beklagen sich beispielsweise über den Zeitdruck, während sich Bankbeschäftigte mit einer hochgradig digitalisierten Arbeit vor allem um ihren Arbeitsplatz sorgen.
Das Anliegen von ver.di sei es, den technischen Wandel so zu gestalten, dass er zu einem Mehr an Guter Arbeit führe und nicht zu einem Wachstum von Arbeitsbelastungen und sozialen Verwerfungen, unterstreicht der ver.di - Vorsitzende Frank Bsirske im Vorwort der Studie.
"Wenn 47 Prozent der Beschäftigten im Dienstleistungssektor, die in hohem oder sehr hohem Maße mit digitalen Mittel arbeiten, dezidiert sagen, die Digitalisierung habe bei ihnen insgesamt zu einer Steigerung der Arbeitsbelastung geführt, und nur acht Prozent eine Verringerung erleben, dann läuft die Digitalisierung schief", so Bsirske weiter.
Mehr Einfluss für die Beschäftigten fordert ver.di-Bundesvorstandsmitglied Lothar Schröder.
"Es ist offensichtlich, dass eine digitalisierte Arbeitswelt mit der Regulation der Arbeitszeitlänge und Arbeitszeitlage allein nicht wirksam human gestaltet werden kann. Wir brauchen Mitbestimmungsrechte bei der Arbeitsmenge - und zwar bald. Die Anzahl der Menschen, die unter steigender Arbeitsmenge leiden, wird sonst zunehmen",so Schröder.
Mehr zum Thema "Gute Arbeit":
- https://innovation-gute-arbeit.verdi.de/
- http://index-gute-arbeit.dgb.de/
Quellen:
www.verdi.de
www.dgb.de
Schlagworte:
Arbeitsbedingungen,
Belastung,
Digitale Arbeit,
Gesundheit,
Gewerkschaft,
Gute Arbeit,
Psychische Erkrankungen,
Stress
Donnerstag, 7. Januar 2016
Tabuthema: Psychische Erkrankungen
In Deutschland erkranken jährlich immer mehr Menschen auf Grund psychischer Belastungen. Aktuellen Studien zufolge sind etwa 8 Millionen Menschen betroffen.
Der individuelle Freiraum des Menschen war niemals größer als heutzutage, gleichzeitig steigt der Leistungsdruck durch die kontinuierlichen Veränderungen in der Arbeitswelt.
Millionen Menschen leiden unter den Folgen dieser Veränderungen und den zugleich oftmals erlebten Wegfall sozialer Sicherheiten und werden psychisch krank.
Trotz insgesamt sinkendem Krankenstand, steigt die Anzahl an Krankschreibungen infolge psychischer Erkrankungen an, seit 1997 bis jetzt um fast 70%.
Statistiken der Krankenkassen zeigen, dass etwa jeder dritte Mensch im Laufe seines Lebens eine schwere psychische Störung erleidet.
Arten psychischer Erkrankungen
Definition: Eine psychische/ seelische Störung ist eine krankhafte Beeinträchtigung der Wahr-
nehmung, des Denkens, Fühlens, Verhaltens bzw. der Erlebnisverarbeitung oder der
sozialen Beziehungen.
Zum Wesen dieser Störungen gehört, dass sie der willentlichen Steuerung durch den
Betroffenen nicht mehr oder nur noch zum Teil zugänglich sind.
Psychische Erkrankungen werden in der klinischen Anwendung in zwei Diagnose- und Klassifikationsschemata eingeteilt:
- Weltweit: ICD-10, WHO (F00-F99)
- in der psychiatrischen/psychologischen Forschung: DSM 5, American Psychiatric Association
- Depressionen (depressive Verstimmung, Winterdepression, manisch-depressive Erkrankungen)
- Schizophrenie
- Posttraumatische Belastungsstörung
- Zwangsstörungen
- Angsterkrankungen und Phobien, Panikattacken
- Persönlichkeitsstörungen, dissoziative Störungen, Borderline-Störung
- Suchterkrankungen
Ursachen
Psychische Erkrankungen können die unterschiedlichsten Ursachen haben. Neben erblich bedingten Störungen, wie beispielsweise der Schizophrenie, können schwere Schicksalsschläge wie der Tod der Eltern, des Kindes oder Krankheiten, aber auch traumatische Erlebnisse, beispielsweise Einsatz in Kriegsgebieten, schwere Autounfälle, sexueller Missbrauch oder Arbeitsplatzverlust, zu psychischen Störungen führen.
Gerade der Arbeitsplatzverlust kann zu einem Trauma führen. Dr. Dietrich Munz, Präsident der BundesPsychotherapatheutenKammer (BPtK) bringt es auf den Punkt:
"Arbeit ist ein wesentlicher Faktor für die psychische Gesundheit, weil sie in unserer Gesellschaft eine zentrale Bedeutung für das Selbstwertgefühl des Menschen hat. Arbeit kann aber auch massiv überfordern und krank machen. Starker Leistungsdruck, Arbeitsplatzunsicherheit und eine immer unklarere Trennung zwischen Arbeit und Erholung führen immer häufiger zu Arbeitsunfähigkeit wegen psychologischer Erkrankungen."
Symptome
Psychische Störungen sind nicht einfach da, vielmehr ist ihre Entstehung ein schleichender Prozess mit einer ganzen Vielzahl an Warnsignalen und Hinweisen.
Die häufigsten Symptome sind.
- länger andauernde Schlafstörungen
- Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung, Angstzustände und Panikattacken
- wiederholtes Auftreten von Alpträumen
- Körperliche Übererregtheit, Reizbarkeit und Neigung zu übersteigerten Gefühlsreaktionen
- Teilnahmslosigkeit, Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen und ihrer Umgebung, Rückzug aus dem sozialen Leben, Gefühlstaubheit "Neben-sich-stehen"
- Flucht in den Rausch (Alkohol, Medikamente, weiche und harte Drogen)
- Verwahrlosung
Stigma: psychisch krank
Für betroffene Menschen ist es oft nicht leicht, sich einzugestehen, dass sie krank sind. Oftmals zwingen sie ihr persönliches Umfeld, wie zum Beispiel den/die PartnerIn oder die eigenen Kinder, in eine sogenannte Co-Abhängigkeit. Nach außen wird der Schein "Alles-ist-gut" gewahrt, innerlich zerbricht das komplette Leben in tausend Scherben.
Denn auch in der Arbeitswelt wird das Thema psychischer Erkrankungen stark stigmatisiert. Das Verständnis von Mitarbeitern und Kollegen für psychische Probleme ist eher gering und das Thema wird bewusst vermieden.
Hierbei besteht dringender Handlungsbedarf, sowohl für Betriebe als auch für Betroffene, das Thema mehr als bisher aus der Tabuzone herauszuholen.
Was kann man tun?
Zerbricht die "heile Welt", hat das für einen betroffenen Menschen oftmals schwerwiegende Folgen.
Sucht die Person sich keine Hilfe, weil er sich nicht bewusst ist, dass er/sie krank ist oder will es nicht wahrhaben, beginnt eine Spirale, die sich immer schneller ins Negative dreht.
Hat sich das persönliche Umfeld erst einmal abgewandt, folgt schnell die soziale Isolation, Verwahrlosung und im schlimmsten Falle, ist der Suizid der einzig mögliche Ausweg.
Soweit muss es aber gar nicht erst kommen.
Verhaltensveränderungen werden von einem Selbst oftmals recht schnell wahrgenommen, das heißt nicht automatisch, dass man psychisch erkrankt ist.
Dauern bestimmte Beschwerden, wie beispielsweise Schlafstörungen,länger als 6 Wochen an oder neigt man immer öfter dazu ein "Gläschen Wein" oder ein "Bierchen" zur Entspannung zu trinken, sollte man das nicht einfach abtun.
Auch wenn man gewisse Veränderungen an Kollegen feststellt, nützt es Keinem, das Thema totzuschweigen oder das Problem schlichtweg zu ignorieren.
Offener Umgang, persönliche Gespräche zu diesem Thema und schnelles Reagieren können verhindern, dass eine Person abrutscht.
Wichtig dabei ist aber, dass man nicht urteilt oder wertet. Fühlt sich eine betroffene Person missverstanden oder abgewertet, wird schnell ein Blockade-Verhalten eintreten.
Nicht immer ist die Lösung des Problems eine Therapie, in der man auf einem Sofa liegend, einem mehr oder wenig gutem Therapeuten seine Lebensgeschichte erzählt.(Dieses Klischee von einer Therapiesitzung ist längst überholt, hält sich aber hartnäckig in den Köpfen.)
Man sollte sich überlegen, was einem persönlich Kraft gibt. Das können Spaziergänge im Wald sein, die eigene Familie, die einen bestärkt, aber auch Haustiere und Hobbies lassen einen neue Energien tanken.
Sich mit positiven Dingen umgeben und das Negative für eine Weile ausblenden,aber auch sich Pausen zwischendurch gönnen,ausreichend Schlaf und regelmäßige, gesunde Mahlzeiten, tragen zu einer gesunden, stabilen Psyche bei.
Reichen die eigenen Kraftfelder nicht mehr aus, weil man schon zu tief in einem Problem gefangen ist, kann man sich bei verschiedenen Stellen professionelle Hilfe suchen.
Anlaufstellen
Für akute Probleme hat man die Möglichkeit, sich an die Telefon Seelsorge zu wenden. Diese ist täglich unter den Nummer 0800-1110111 oder 0800-1110222 erreichbar.
Bei Fragen zum Thema Trauer, Verlust, Abschied steht das Trauer Telefon jeden Mittwoch von 19 Uhr bis 22 Uhr unter der Nummer 0821-3497349 zur Verfügung.
Sucht man ein persönliches Trauer-Beratungsgespräch, kann man sich an Norbert Kugler, Trauerbegleiter der Diözese Augsburg wenden.
Erreichbar ist die Kontaktstelle Trauerbegleitung der Diözese Augsburg unter der Nummer 08276-58600.
Im Internet finden sich hilfreiche Seiten zum Thema:
Eine Anlaufstelle in Augsburg ist das Traumahilfe Netzwerk, im "Haus Tobias" beim Zentralklinikum.
Das Netzwerk unterstützt Menschen mit traumatischen Erlebnissen mit dem Ziel, Ihnen wieder ein normales Alltagsleben zu ermöglichen.
Das Angebot des Traumahilfe Netzwerk umfasst:
- telefonische Beratung und Information
- persönliche Beratung
- Kurzberatung von 3 bis 5 Sitzungen (Keine Therapie)
- Gruppenangebote zur Stabilisierung
- generelle Information über Trauma und Behandlungsmöglichkeiten
- Information über körperliche und seelische Reaktionen nach Traumatisierung
- Informationen über mögliche Folgestörungen und ihre Vermeidung
- Aktivierung von Ressourcen und eigenen Fähigkeiten
- Informationen über mögliche Behandlungsformen
- Informationen über spezielle Angebote in der Region
- Unterstützung bei der Suche nach Therapeuten
Kontaktinformationen zum Traumahilfe Netzwerk:
Telefon: 0821-44409484
Niemand muss sich alleine durch schwere Zeiten kämpfen, man muss nur den Mut haben, um Hilfe zu bitten.
Quellen:
- Wikipedia
- DAK - Gesundheit
- Traumahilfe Augsburg
- Bundesministerium für Gesundheit
Schlagworte:
Arbeitsbedingungen,
Gesundheit,
Krise,
Psychische Erkrankungen
Abonnieren
Posts (Atom)

