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Donnerstag, 25. Juni 2020

Die tiefe Krise von Galeria Karstadt Kaufhof - gibt es noch Hoffnung?


Die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof kommt nicht zur Ruhe. Immer wieder kommt von Seiten des Managements die Androhung, Filialen zu schließen und Stellen abzubauen.

Sowohl Karstadt, als auch Galeria Kaufhof kämpfen seit ihren Gründungen (Karstadt 1881, Kaufhof 1879) - mit Ausnahmen einiger weniger sehr erfolgreicher Jahre - gegen finanzielle Verluste und die allgemeinen Veränderungen, die den stationären Einzelhandel seit Jahren begleiten, an.
Auch die Fusion der beiden Warenhausketten 2018, verbesserte die wirtschaftliche Lage nicht.

Der Zusammenschluss von Galeria Kaufhof, Karstadt Warenhaus, Karstadt Sports und weiteren Unternehmen durch die jeweiligen Eigentümer Signa Retail und Hudson's Bay Company (HBC) wurde von ver.di, den Betriebsräten und Gesamtbetriebsräten Ende 2019 nach zahlreichen Streiks mit einem Integrationstarifvertrag abgesichert. Die darin vereinbarten Beschäftigungs- und Standortsicherungen sind seit der Corona-Pandemie und dem beantragten Schutzschirmverfahren in großer Gefahr.
Die rund 28.000 Beschäftigten bangen weiterhin um ihre Arbeitsplätze.

Corona und Schutzschirmverfahren


Da das Unternehmen bereits vor dem Ausbruch der Corona Pandemie  in erheblichen finanziellen Schwierigkeiten, bedingt unter anderem auch durch weitreichende Restrukturierungsmaßnahmen, steckte, traf der Lockdown und der damit einhergehende Umsatzverlust in Milliardenhöhe (trotz des Onlinegeschäfts) den Einzelhändler hart.

Daher wurde am 01.04.2020 ein Schutzschirmverfahren nach § 270b Insolvenzordnung beantragt, dem vom Amtsgericht Essen stattgegeben wurde.
Dieses Verfahren ist eine Besonderheit im deutschen Insolvenzrecht. 
So versucht ein Unternehmen in vorläufiger Eigenverwaltung frühzeitig einen Insolvenzplan vorzulegen mit dem Ziel das Unternehmen zu sanieren.
Überwacht wird dieser Vorgang durch einen sog. Sachverwalter. Im Falle von Galeria Karstadt Kaufhof ist dieser Sachverwalter Frank Kebekus. Dieser wird von namhaften Größen der Branche unterstützt. Einer dieser Unterstützer ist die Kanzlei SGP (Schneider, Geiwitz und Partner), die als Restrukturierungsexpertin angesehen wird.

Stefanie Nutzenberger, ver.di -  Bundesvorstandsmitglied Handel wirft der Unternehmensleitung vor, die Corona-Krise als Vorwand zu missbrauchen, um die ursprünglich geplanten Standortschließungen und den damit einhergehenden Stellenabbau doch noch umzusetzen. 
Diese Vorhaben wurden durch den 2019 geschlossenen Integrationstarifvertrag gestoppt.

Alles umsonst gewesen - oder gibt es noch Hoffnung?


Das eingefügte Video der Beschäftigten zeigt, dass sie die Hoffnung noch nicht aufgegeben haben und bereit für den Kampf um ihre Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen sind.




Was wurde bisher erreicht?


Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hat natürlich nicht tatenlos zugesehen und lässt die KollegInnen nicht im Regen stehen.

Sie haben den Arbeitgeber zu Verhandlungen über einen Sanierungstarifvertrag aufgefordert. Dieser Auffordeung ist man nachgekommen. Die Verhandlungen erwiesen sich als schwierig, dennoch konnte am 19.06.2020 von der ver.di ein positives Ergebnis, nämlich den Abschluss eines Tarifvertrags,  mitgeteilt werden.



Wir drücken den KollegInnen von Galeria Karstadt Kaufhof weiterhin fest die Daumen und wünschen ihnen viel Kraft im Kampf um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze.


Quellen:



Freitag, 10. April 2020

Gewerkschaft ver.di zur Corona-Krise


Auch ver.di ist gefordert und stellt sich der Verantwortung. In dieser Krise dürfen sich aber auch die Arbeitgeber nicht der Verantwortung entziehen, sagt der ver.di-Vorsitzende Frank Werneke:





Liebe Kolleginnen und Kollegen,die Ausbreitung des Corona-Virus stellt unser Gemeinwesen vor eine besondere Herausforderung. Im Mittelpunkt unserer Sorgen steht die Gesundheit der Angehörigen, der Familien, der Freunde.


Die Bundesregierung und die Landesregierungen haben eine Reihe von einschneidenden Maßnahmen beschlossen, die das soziale Leben einschränken und erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen haben werden. Ich unterstütze diese Entscheidungen ausdrücklich. Es geht darum, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und so Menschenleben zu retten.

Solidarität ist gefragt

Das hat jetzt oberste Priorität. Jetzt ist Solidarität gefragt! Solidarität und Unterstützung für die Beschäftigten – insbesondere im Gesundheitssystem und der Pflege. Wo trotz des bekannten Personalmangels Großartiges geleistet wird. Und das gilt auch für viele andere Bereiche der Daseinsvorsorge. In Verkehrsbetrieben, in den Lebensmittelgeschäften, in den Versorgungsunternehmen. Oder bei der Bundesagentur für Arbeit, die jetzt dafür Sorge trägt, dass die vielen Beschäftigten, die in Kurzarbeit gehen müssen, ihr Kurzarbeitergeld erhalten. Und das sind nur einige wenige Beispiele. Viele Menschen arbeiten jetzt hart daran, dass die Infrastruk- tur erhalten bleibt, dass jenen Menschen geholfen wird, die Hilfe und Unterstützung benötigen. Dafür gebührt ihnen unser tiefempfundener Dank. Und Respekt!

Es ist kein Zufall, dass in unserer Gewerkschaft ver.di viele dieser Kolleginnen und Kollegen, die jetzt Herausragendes leisten, organisiert sind. Denn wir sind eine Gewerkschaft, deren Mitglieder Dienste am und für Menschen leisten. Solidarität und Menschlichkeit – das ist der Kern des Selbstverständnisses von ver.di.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie betreffen gleichzeitig in ganz besonderer Weise Dienstleistungsbranchen, in denen ver.di viele Mitglieder hat. Beschäftigte in den Warenhäusern, im Flugverkehr, im Tourismus, auf Messen und Veranstaltungen, zahlreiche Kreative, andere Soloselbstständige und Beschäftigte in vielen anderen Bereichen sind betroffen. Es kommt zu Schließungen, Umsätze brechen ein – Arbeitsplätze geraten in Gefahr. Unter diesen Bedingungen ist ver.di so gefordert und wichtig wie nie zuvor. Ich sage unseren betroffenen Mitgliedern zu – ihr könnt euch auch jetzt auf eure Gewerkschaft verlassen.

Es wird in den kommenden Wochen viele Fragen zu Kurzarbeit, Betriebsschließungen, zur Arbeitsverhinderung wegen geschlossener Schulen und Kitas geben. Notwendige rechtliche Beratungen dazu wird es bei ver.di geben. Wir werden daher alles daran setzen, die Arbeitsfähigkeit von ver.di zu erhalten, konkrete Vorbereitungen dazu sind getroffen.

Ich bin aktuell im Kontakt mit den Spitzen von Unternehmen, die besonders betroffen sind. Und wir sind selbstverständlich auch in Kontakt mit der Politik. Wie ihr sicherlich verfolgt habt, hat die Bundesregierung in Abstimmung mit den DGB-Gewerkschaften ein umfangreiches Paket an Maßnahmen beschlossen, die dafür sorgen sollen, Arbeitsplätze zu erhalten, die Wirtschaft zu stützen und Insolvenzen zu verhindern. Vor wenigen Tagen fand dazu auf Initiative der Bundeskanzlerin ein Spitzentreffen zwischen Regierung, Gewerkschaften und Wirtschaft statt. Ein Treffen, bei dem ich die Interessen unserer Mitglieder in den betroffenen Branchen eingebracht habe. Auch die der vielen Soloselbstständigen, die etwa in der Weiterbildung und der Kultur besonders hart betroffen sind.

Konkret vorgesehen sind eine wirklich breite und unkomplizierte Anwendung von Kurzarbeitergeld und sehr umfangreiche Liquiditätshilfen für Unternehmen. Ich unterstütze diese Maßnahmen, sie sind jetzt wichtig und richtig. Aber sie reichen nicht aus. Wir sind deshalb aktuell in Gesprächen mit der Politik, um weitergehende Regelungen zu erreichen – das betrifft etwa die Liquiditätshilfen für alle in Not geratene Unternehmen und das Niveau des Kurzarbeitergeldes. Das betrifft aber ebenso die vielen Soloselbstständigen und Freiberufler*innen, die bisher nicht ausreichend bedacht werden.

Später, wenn die Ansteckungsgefahren durch das Corona-Virus überwunden sind, wird es weitere Maßnahmen brauchen. Insbesondere ein großes Paket, um die Konjunktur wieder zu beleben. Beispielsweise durch Konsum-Schecks für alle Bürger*innen.

In der aktuellen Krise sind aber auch die Arbeitgeber gefordert. Etwa, wenn Kitas und Schulen geschlossen sind – vermutlich über längere Zeit. Es muss dann möglich sein, dass Eltern zuhause bleiben können, ohne dass dadurch das Einkommen oder sogar der Arbeitsplatz gefährdet sind. Es wird zu Kurzarbeit in einer ganzen Reihe von Betrieben kommen, in denen es sie noch nie gab und auch keine Tarifverträge dazu. Etwa im Einzelhandel und in weiteren Dienstleistungsbranchen. Hier sehe ich ganz klar die Arbeitgeber in der Verantwortung, das Kurzarbeitergeld aufzustocken, wie das in vielen anderen Branchen selbstverständlich ist. Nur wenn auch die Arbeitgeber Verantwortung zeigen, ist Kurzarbeit eine Lösung für Beschäftigte mit mittleren und kleinen Einkommen.

Es geht darum, Existenzängste zu mindern, damit sich die Menschen mit Zuversicht um das Wichtigste kümmern können – um ihre Gesundheit und die Gesundheit ihrer Angehörigen und Freunde.

Dafür machen wir uns als ver.di stark. Für ein solidarisches Miteinander.

Bleibt alle gesund!

Frank Werneke


Montag, 28. Januar 2019

Betriebsversammlung Teil 4: Geheim, geheim!


Unmittelbar im Anschluss an die Betriebsversammlung erreichte den Betriebsrat ein E-Mail des Geschäftsführers Christian Sailer. Der CEO war mit seiner Performance auf der Versammlung offenbar unzufrieden und machte seinem Ärger Luft, indem er schon wieder BR-Mitglieder mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen bedrohte. 

Ihm sei berichtet worden, schrieb Sailer, dass ein Mitglied des Gremiums die Folienpräsentation seines Berichts zur wirtschaftlichen Lage abfotografiert habe. Das sei aber alles vertraulich, streng geheim usw. … Untergang des Abendlandes also, falls die Zahlen in falsche Hände gerieten. Dazu zählt der CEO in seinem Schreiben auch die „Gewerkschaft“ – gemeint war wahrscheinlich die Redaktion dieses Blogs.

Wir können Sie beruhigen, Herr Sailer. In diesem Blog sind noch niemals Umsatzzahlen oder Deckungsbeiträge veröffentlicht worden. Und der Gewerkschaft haben Sie Ihre Folien selbst gezeigt: Deren Mitglieder saßen nämlich zuhauf in der Versammlung.

Also hören Sie auf mit den albernen Scheingefechten! Greifen Sie die offensichtlichen Probleme an, und lösen Sie diese, anstatt ständig die Interessenvertretung zu attackieren. Weder die Gewerkschaft noch der Betriebsrat können irgendetwas dafür, dass WELTBILD nicht aus der Krise kommt.

Die Wahrheit ist: Es gibt ganz konkrete und bekannte Schwierigkeiten – mit den Lieferanten, mit der Auslieferung und im ganzen Haus umständliche und fehlerhafte Prozesse, die selbst mit der doppelten Anzahl von Personal nicht zeitgerecht abzuarbeiten wären.

Darum sollten Sie sich kümmern, statt Zahlen schönzureden und alle zwei Wochen eine neue Strategie auszurufen. Am Ende noch ein gut gemeinter Tipp: In dieser Situation ein paar Indianer rauszuschmeißen und dafür im Dutzend billiger neue Häuptlinge einzustellen – das ist ganz sicher nicht die Lösung des Problems!

Donnerstag, 7. Januar 2016

Tabuthema: Psychische Erkrankungen


In Deutschland erkranken jährlich immer mehr Menschen auf Grund psychischer Belastungen. Aktuellen Studien zufolge sind etwa 8 Millionen Menschen betroffen.

Der individuelle Freiraum des Menschen war niemals größer als heutzutage, gleichzeitig steigt der Leistungsdruck durch die kontinuierlichen Veränderungen in der Arbeitswelt.
Millionen Menschen leiden unter den Folgen dieser Veränderungen und den zugleich oftmals erlebten Wegfall sozialer Sicherheiten und werden psychisch krank.
Trotz insgesamt sinkendem Krankenstand, steigt die Anzahl an Krankschreibungen infolge psychischer Erkrankungen an, seit 1997 bis jetzt um fast 70%.
Statistiken der Krankenkassen zeigen, dass etwa jeder dritte Mensch im Laufe seines Lebens eine schwere psychische Störung erleidet.





Arten psychischer Erkrankungen


Definition: Eine psychische/ seelische Störung ist eine krankhafte Beeinträchtigung der Wahr-
                 nehmung, des Denkens, Fühlens, Verhaltens bzw. der Erlebnisverarbeitung oder der
                 sozialen Beziehungen.
                 Zum Wesen dieser Störungen gehört, dass sie der willentlichen Steuerung durch den 
                 Betroffenen nicht mehr oder nur noch zum Teil zugänglich sind.

Psychische Erkrankungen werden in der klinischen Anwendung in zwei Diagnose- und Klassifikationsschemata eingeteilt:
  • Weltweit: ICD-10, WHO (F00-F99)
  • in der psychiatrischen/psychologischen Forschung: DSM 5, American Psychiatric Association
Zu den Erkrankungen zählen -neben vielen weitern :
  • Depressionen (depressive Verstimmung, Winterdepression, manisch-depressive Erkrankungen)
  • Schizophrenie
  • Posttraumatische Belastungsstörung
  • Zwangsstörungen
  • Angsterkrankungen und Phobien, Panikattacken
  • Persönlichkeitsstörungen, dissoziative Störungen, Borderline-Störung
  • Suchterkrankungen

Ursachen


Psychische Erkrankungen können die unterschiedlichsten Ursachen haben. Neben erblich bedingten Störungen, wie beispielsweise der Schizophrenie, können schwere Schicksalsschläge wie der Tod der Eltern, des Kindes oder Krankheiten, aber auch traumatische Erlebnisse, beispielsweise Einsatz in Kriegsgebieten, schwere Autounfälle, sexueller Missbrauch oder Arbeitsplatzverlust, zu psychischen Störungen führen.

Gerade der Arbeitsplatzverlust kann zu einem Trauma führen. Dr. Dietrich Munz, Präsident der BundesPsychotherapatheutenKammer (BPtK) bringt es auf den Punkt:
"Arbeit ist ein wesentlicher Faktor für die psychische Gesundheit, weil sie in unserer Gesellschaft eine zentrale Bedeutung für das Selbstwertgefühl des Menschen hat. Arbeit kann aber auch massiv überfordern und krank machen. Starker Leistungsdruck, Arbeitsplatzunsicherheit und eine immer unklarere Trennung zwischen Arbeit und Erholung führen immer häufiger zu Arbeitsunfähigkeit wegen psychologischer Erkrankungen."

Symptome



Psychische Störungen sind nicht einfach da, vielmehr ist ihre Entstehung ein schleichender Prozess mit einer ganzen Vielzahl an Warnsignalen und Hinweisen.
Die häufigsten Symptome sind.
  • länger andauernde Schlafstörungen
  • Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung, Angstzustände und Panikattacken
  • wiederholtes Auftreten von Alpträumen
  • Körperliche Übererregtheit, Reizbarkeit und Neigung zu übersteigerten Gefühlsreaktionen
  • Teilnahmslosigkeit, Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen und ihrer Umgebung, Rückzug aus dem sozialen Leben, Gefühlstaubheit "Neben-sich-stehen"
  • Flucht in den Rausch (Alkohol, Medikamente, weiche und harte Drogen)
  • Verwahrlosung

Stigma: psychisch krank


Für betroffene Menschen ist es oft nicht leicht, sich einzugestehen, dass sie krank sind. Oftmals zwingen sie ihr persönliches Umfeld, wie zum Beispiel den/die PartnerIn oder die eigenen Kinder, in eine sogenannte Co-Abhängigkeit. Nach außen wird der Schein "Alles-ist-gut" gewahrt, innerlich zerbricht das komplette Leben in tausend Scherben.

Denn auch in der Arbeitswelt wird das Thema psychischer Erkrankungen stark stigmatisiert. Das Verständnis von Mitarbeitern und Kollegen für psychische Probleme ist eher gering und das Thema wird bewusst vermieden.
Hierbei besteht dringender Handlungsbedarf, sowohl für Betriebe als auch für Betroffene, das Thema mehr als bisher aus der Tabuzone herauszuholen.

Was kann man tun?


Zerbricht die "heile Welt", hat das für einen betroffenen Menschen oftmals schwerwiegende Folgen. 
Sucht die Person sich keine Hilfe, weil er sich nicht bewusst ist, dass er/sie krank ist oder will es nicht wahrhaben, beginnt eine Spirale, die sich immer schneller ins Negative dreht.
Hat sich das persönliche Umfeld erst einmal abgewandt, folgt schnell die soziale Isolation, Verwahrlosung und im schlimmsten Falle, ist der Suizid der einzig mögliche Ausweg.
Soweit muss es aber gar nicht erst kommen.

Verhaltensveränderungen werden von einem Selbst oftmals recht schnell wahrgenommen, das heißt nicht automatisch, dass man psychisch erkrankt ist. 
Dauern bestimmte Beschwerden, wie beispielsweise Schlafstörungen,länger als 6 Wochen an oder neigt man immer öfter dazu ein "Gläschen Wein" oder ein "Bierchen" zur Entspannung zu trinken, sollte man das nicht einfach abtun.
Auch wenn man gewisse Veränderungen an Kollegen feststellt, nützt es Keinem, das Thema totzuschweigen oder das Problem schlichtweg zu ignorieren.
Offener Umgang, persönliche Gespräche zu diesem Thema und schnelles Reagieren können verhindern, dass eine Person abrutscht.
Wichtig dabei ist aber, dass man nicht urteilt oder wertet. Fühlt sich eine betroffene Person missverstanden oder abgewertet, wird schnell ein Blockade-Verhalten eintreten.

Nicht immer ist die Lösung des Problems eine Therapie, in der man auf einem Sofa liegend, einem mehr oder wenig gutem Therapeuten seine Lebensgeschichte erzählt.(Dieses  Klischee von einer Therapiesitzung ist längst überholt, hält sich aber hartnäckig in den Köpfen.)

Man sollte sich überlegen, was einem persönlich Kraft gibt. Das können Spaziergänge im Wald sein, die eigene Familie, die einen bestärkt, aber auch Haustiere und Hobbies lassen einen neue Energien tanken.
Sich mit positiven Dingen umgeben und das Negative für eine Weile ausblenden,aber auch sich Pausen zwischendurch gönnen,ausreichend Schlaf und regelmäßige, gesunde Mahlzeiten, tragen zu einer gesunden, stabilen Psyche bei.

Reichen die eigenen Kraftfelder nicht mehr aus, weil man schon zu tief in einem Problem gefangen ist, kann man sich bei verschiedenen Stellen professionelle Hilfe suchen.


Anlaufstellen


Für akute Probleme hat man die Möglichkeit, sich an die Telefon Seelsorge zu wenden. Diese ist täglich unter den Nummer 0800-1110111 oder 0800-1110222 erreichbar.
Bei Fragen zum Thema Trauer, Verlust, Abschied steht das Trauer Telefon jeden Mittwoch von 19 Uhr bis 22 Uhr unter der Nummer 0821-3497349 zur Verfügung.
Sucht man ein persönliches Trauer-Beratungsgespräch, kann man sich an Norbert Kugler, Trauerbegleiter der Diözese Augsburg wenden. 
Erreichbar ist die Kontaktstelle Trauerbegleitung der Diözese Augsburg unter der Nummer 08276-58600.

Im Internet finden sich hilfreiche Seiten zum Thema:
Eine Anlaufstelle in Augsburg ist das Traumahilfe  Netzwerk, im "Haus Tobias" beim Zentralklinikum. 
Das Netzwerk unterstützt Menschen mit traumatischen Erlebnissen mit dem Ziel, Ihnen wieder ein normales Alltagsleben zu ermöglichen.
Das Angebot des Traumahilfe Netzwerk umfasst:
  • telefonische Beratung und Information
  • persönliche Beratung
  • Kurzberatung von 3 bis 5 Sitzungen (Keine Therapie)
  • Gruppenangebote zur Stabilisierung
  • generelle Information über Trauma und Behandlungsmöglichkeiten          
  • Information über körperliche und seelische Reaktionen nach Traumatisierung
  • Informationen über mögliche Folgestörungen und ihre Vermeidung
  • Aktivierung von Ressourcen und eigenen Fähigkeiten
  • Informationen über mögliche Behandlungsformen
  • Informationen über spezielle Angebote in der Region
  • Unterstützung bei der Suche nach Therapeuten
Kontaktinformationen zum Traumahilfe Netzwerk:
Telefon: 0821-44409484

Niemand muss sich alleine durch schwere Zeiten kämpfen, man muss nur den Mut haben, um Hilfe zu bitten.

Quellen:

Freitag, 25. September 2015

BR an ALSO: "Wir kaufen keine Katze im Sack!"


Gestern hat der Betriebsrat die Belegschaft bei WELTBILD und ALSO mit einem Aushang über den Verlauf der Gespräche mit der Eigenverwaltung der insolventen Logistik informiert.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
die Gespräche mit der Eigenverwaltung der ALSO in Augsburg sind nach wie vor extrem schwierig. Die ALSO-Entscheider aus Soest und der Schweiz sitzen nicht mit am Verhandlungstisch, sondern stellen nur Forderungen per E-Mail. Der Geschäftsführer Reiner Wenz, seine Berater und der Abgesandte des Insolvenz-Sachwalters reden zwar mit uns, dürfen aber nichts entscheiden.
Das ist der aktuelle Sachstand:
Nach wie vor liegt dem Betriebsrat kein durchfinanziertes Fortführungskonzept vor. Das Konzept der ALSO beinhaltet eine Beteiligung am Verlust. Wie diese Beteiligung aussehen soll und wer neben ALSO noch für etwaige Verluste aufkommen soll, ist weiterhin unklar. 
Beschäftigungsgarantien für die nach dem ALSO-Plan verbleibenden KollegInnen werden nur völlig unverbindlich und abhängig vom Umsatz in Aussicht gestellt. Die geforderten massiven Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen werden weiter als „nicht verhandelbar“ bezeichnet.
Die für uns wesentlichen Punkte • Fortführungskonzept • Standortsicherung und
• Beschäftigungssicherung für die Verbleibenden werden also nach wie vor nur unverbindlich und ohne Garantien dargestellt. 
Außerdem steht bis heute keine Finanzierung für eine mögliche Transfergesellschaft und Abfindungen. Es gibt nur schwammige Absichtserklärungen, die sich nicht einmal auf die Hälfte der notwendigen Summe belaufen. Wir sollen sozusagen „die Katze im Sack“ kaufen! 
Konkrete Verhandlungen können auf dieser Basis nicht geführt und Zusagen der Betriebsratsseite nicht erteilt werden. Trotzdem stehen wir weiter für Gespräche bereit und wollen zumindest von unserer Seite alles tun, um eine tragfähige Lösung für ALSO und WELTBILD zu finden. 
Euer Betriebsrat

Donnerstag, 10. September 2015

Betriebsrat ratlos aber nicht machtlos


"Betriebsrat ratlos aber nicht machtlos" Unter dieser Überschrift hat der Betriebsrat des gemeinsamen Betriebs von WELTBILD und ALSO in Augsburg heute die Belegschaft informiert. Offenbar wird das Agieren der Gesellschafter unter der Führung von Walter Droege immer konfuser. Wir dokumentieren das Informationsblatt des Betriebsrats hier im Wortlaut:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir ringen seit fast einem Jahr mit Walter Droege um die Sanierung von WELTBILD/ALSO. In der Einigungsstelle wollte der Arbeitgeber unter anderem 160 Kündigungen in der Logistik mit dem Sozialplan von 2014 durchsetzen. Als wir nach sehr schwierigen Verhandlungen kurz vor der Einigung standen, schickte Droege die Logistik in die Insolvenz.

Im August haben wir in der Einigungsstelle zusammen mit der Geschäftsführung ein Freiwilligen-Programm für die Verwaltung vereinbart. Damit wäre die WELTBILD-Belegschaft auf die zuletzt geforderten 280 Vollzeitstellen reduziert worden. Dieses Programm hat Walter Droege in der Nacht vor der Betriebsversammlung per Telefon kassiert.

In der Einigungsstelle am 24. August haben wir auf Wunsch des Arbeitgebers Verhandlungen außerhalb der E-Stelle zugestimmt. Dabei ging es leider genauso weiter. Im Insolvenzantrag hatte ALSO noch angekündigt, sich im Falle eines Personalabbaus von 167 Stellen an der Finanzierung zu beteiligen. Am Montagmorgen wurde uns mitgeteilt, dass ALSO diese Finanzierungszusage wieder zurückgezogen habe. Die Eigenverwaltung wisse nach eigenem Bekunden auch nicht, welchen Plan der Gesellschafter damit verfolge. 
Am Mittag hieß es dann: Es gebe doch einen Plan von ALSO, den könne man uns aber nicht mitteilen. Daraufhin wurden weitere Verhandlungen auf nächste Woche verschoben. Um das Maß voll zu machen, wurde am Mittwoch auf Wunsch des Arbeitgebers dann auch noch die Fortsetzung der Einigungsstelle in den Oktober hinein verschoben.

So torpedieren Droege und ALSO jeden Versuch des BRs, zu einer Lösung zu kommen. Dabei sollte allen Beteiligten klar sein, dass WELTBILD eine leistungsfähige und auf das WELTBILD-Geschäft zugeschnittene Logistik braucht – auch über Weihnachten hinaus! 

Aber egal, wie verrückt Droege handelt; egal, was der geheime Masterplan ist; fest steht:

• Wer rechtssicher kündigen will, braucht einen Interessenausgleich mit dem Betriebsrat oder die Einigungsstelle muss final scheitern. Aber selbst dann besteht die Pflicht für einen Sozialplan, der mit dem BR verhandelt werden muss.
• Wer einen finanziellen Beitrag der Belegschaft zur Sanierung will, muss mit der Gewerkschaft über einen Sanierungstarifvertrag verhandeln, Leistungen pauschal zusammenzustreichen, geht rechtlich nicht, weil diese auch in den individuellen Arbeitsverträgen festgeschrieben sind.
• Wer ein erfolgreiches Weihnachtsgeschäft meistern will, braucht eine leistungsstarke Logistik mit motivierten MitarbeiterInnen.
• Last but not least gibt es auch noch die Haftungsvereinbarung mit der millionenschweren Grundstücksgesellschaft Mobility Services GmbH für Sozialplan-Ansprüche der Beschäftigten.


Euer Betriebsrat

Freitag, 28. August 2015

Seelsorge-Rundgänge

In den letzten eineinhalb Jahren hatten wir in den schweren Stunden tatkräftige Unterstützung von der Katholischen Arbeiter Bewegung KAB erhalten.
Die Seelsorger Erwin Helmer, Hans Gilg und Leo Bernhard waren stets zur Stelle, als wir ihre Hilfe benötigten.

Rückblende

Als die Verlagsgruppe Weltbild im Januar 2014 Insolvenz anmeldete, waren die MitarbeiterInnen gezwungen, sich einer ganz neuen Herausforderung zu stellen. Enorme Unsicherheit machte sich breit und die Emotionen fuhren Achterbahn.
Die KAB bot an, die KollegInnen seelsorgerisch zu betreuen und so starteten im Mai die ersten Rundgänge.
Zusammen mit Betriebsräten, Vertrauensleuten und der Schwerbehindertenvertretung, machten sich Erwin, Hans und Leo auf den Weg in die Abteilungen und boten Raum für Gespräche.
Schnell merkten die KollegInnen, dass sie sich ihre Ängste, Sorgen und Probleme von der Seele reden konnten, ihren inneren Druck abbauen und den begleitenden Betriebsräten Fragen zur aktuellen Lage stellen konnten. 
Viele MitarbeiterInnen nahmen daher die Möglichkeit zu Reden an und es konnten Folgetermine vereinbart werden

Übernahme Droege und die fortschreitende Krise

Die Nachricht, dass ein Investor gefunden wurde, erfreute natürlich auch die KAB.
 Da aber nach wie vor Viel zu bewältigen war, fanden auch weiterhin die Seelsorge-Rundgänge statt, damit auch jeder, unabhängig auf welcher Abteilung eingesetzt, die Chance auf ein Gespräch bekommen konnte.

Da sich unter der Führung von Droege die Lage bei Weltbild mehr und mehr zugespitzt hat, nahm der psychische Druck auf die Belegschaft wieder zu.
Inzwischen ging es in den Gesprächen nicht mehr um die Angst um den Arbeitsplatz, vielmehr kristallisierte sich heraus, dass etliche KollegInnen unter Schlafstörungen leiden, vermehrt zu Medikamenten greifen, um den Tag zu überstehen oder wieder "runter kommen" zu können.
Auch wurde von Beziehungen, die in die Brüche gegangen waren, berichtet.
Die Gespräche waren intensiver, emotionaler und teilweise von Wut, aber auch Rat- und Hilfslosigkeit geprägt.
Für die drei Seelsorger keine leichte Aufgabe, den verzweifelten, wütenden und zum Teil ausgebrannten KollegInnen, wieder Mut und Hoffnung zuzusprechen.
Gerade da große Unklarheit besteht, wie denn die Zukunft des Unternehmens aussieht, ist es für Erwin, Hans und Leo nachvollziehbar, dass die Emotionen hochkochen  und auch die Gespräche in einigen Fällen ins Spirituelle führen. Sie nehmen sich für jeden Einzelnen die Zeit, denn sie sehen das, was der Arbeitgeber nicht sehen mag: es geht um Menschen, um Schicksale und Existenzen, nicht um Zahlen und Profit.

Wir sagen Danke

Die KAB Seelsorger Erwin, Hans und Leo verstehen sich selbst nicht als "Kathastrophenhelfer", vielmehr sehen sie ihre Arbeit als "Angebot zur Hilfe".
Den drei engagierten Männern ist es ein Anliegen, uns in diesen dunklen Stunden beizustehen und uns mental zu stützen. Den KollegInnen möchten sie das Gefühl vermitteln, dass sie nicht vergessen werden und es jemanden gibt, der sich um sie kümmert.

Wir möchten der KAB Seelsorge für ihr Engagement bei uns, aber auch den Btriebsräten und Vertrauensleuten, die die Rundgänge begleitet haben, von Herzen danken und hoffen auch weiterhin auf ihren Beistand.


Mittwoch, 19. August 2015

Belegschaft fassungslos nach ALSO-Statement: "Es ist eine Schande!"


Die ALSO Deutschland GmbH lässt derzeit über eine Public-Relations-Agentur eine Stellungnahme zu den Vorgängen in Augsburg verbreiten. Darin wird ein völlig verzerrtes Bild der Voraussetzungen für die Übernahme der WELTBILD Logistik durch die ALSO gezeichnet. Die ALSO Deutschland gehört mehrheitlich der Droege Gruppe, die nach der Insolvenz in 2014 auch die Mehrheit des WELTBILD-Versandhandels übernommen hat. ALSO wirft Betriebsrat und Gewerkschaft vor, die Zukunft der Logistik durch "irrationalen und destruktiven Widerstand verspielt" zu haben. Das ist Unsinn. Die Interessenvertretung der Belegschaft nimmt hier dazu Stellung. 

Klaus Warbruck, Wirtschafts-Sachverständiger des Betriebsrats: "Die wirtschaftliche Situation der Logistik war Herrn Droege vor seinem Einstieg bestens bekannt. Es bestand Einigkeit mit dem Betriebsrat, der Gewerkschaft und dem Insolvenzverwalter Herrn Geiwitz darüber, dass die Logistik unterausgelastet ist. Aus dieser Unterlast resultiert das Kostenproblem und aus nichts anderem. Deshalb wurde das Personal in der Logistik vor der Übergabe an Droege um 50% reduziert. Das war für den Betriebsrat und die Gewerkschaft ein sehr schmerzhafter Schnitt, den wir aber mitgetragen haben, um die Logistik nachhaltig zukunftsfähig zu machen. So war es auch mit Herrn Droege abgesprochen. Er seinerseits hat dafür zugesagt, zusätzliches Geschäft aus der ALSO-Gruppe in Augsburg zu platzieren. Aus dieser Kombi – Personalreduzierung einerseits, Zusatzgeschäft andererseits – bestand der Sanierungsplan."

Peter Fitz, Vorsitzender des Betriebsrats: "Nur weil wir mit Herrn Droege diese Vereinbarung treffen konnten, hat er den Zuschlag für die Übernahme des Unternehmens bekommen. Andere interessierte Investoren hatten zwar Konzepte für WELTBILD, wussten aber offensichtlich nichts mit der Logistik anzufangen und hatten vor allem keine andere Logistik-Firma, von der Aufträge umleitbar gewesen wären. Für unsere Logistik hat Droege keinen Cent bezahlt, obwohl sie mit Grundstücken, Gebäuden und Technik hohe Sachwerte beinhaltet. Sein Teil des Deals wären das Zusatzgeschäft und die dafür erforderlichen Investitionen gewesen. Darüber bestand bei Vertragsabschluss auf beiden Seiten Klarheit."

So fährt Walter Droege WELTBILD/ALSO gegen die Wand

Was aber hat Herr Droege dann getan? Die Tarifverhandlungen mit der ver.di haben seine Anwälte platzen lassen. Ein Manager, der konkrete Schritte zur Ermöglichung des Drittgeschäfts geplant hat, wurde entlassen. Danach war die Augsburger Logistik über Monate führungslos, bis Reiner Wenz an Bord kam, dessen Biographie als Abwicklungsmanager ohne jede Logistik-Expertise Bände spricht.

In der Einigungsstelle haben die VertreterInnen von Droege konkrete Vorschläge schriftlich vorgelegt, darunter einen Interessenausgleich in dem ein Stellenabbau von ca. 150 Stellen in der Logistik detailliert beschrieben ist und einen Sozialplan, der dem Tarifsozialplan von 2014 entspricht. Das war der Verhandlungsstand nach der ersten Sitzung der E-Stelle Mitte Juli. Er hätte die Möglichkeit einer vernünftigen Einigung geboten. Stattdessen hat es der Arbeitgeber in der Einigungsstelle auf ein Scheitern der Verhandlungen angelegt. Peter Fitz: "Als die Vertreter von Droege gemerkt haben, dass eine Einigung unter der sehr guten Moderation von Einigungsstellen-Vorsitzendem Holger Dahl in greifbare Nähe rückte, hat Herr Droege die Notbremse gezogen und die Augsburger ALSO-Logistik in die Insolvenz geschickt. Als wir in der E-Stellen-Sitzung am 31.7. für den Teilbetrieb WELTBILD eine Einigung mit der Geschäftsführung ausgehandelt hatten – nämlich ein Freiwilligenprogramm zur Personalreduzierung – hat er die Finanzierung verweigert und die Vereinbarung über Nacht per Telefon kassiert."

Timm Boßmann, ver.di-Betriebsgruppensprecher bei WELTBILD/ALSO: "Aus unserer Sicht lässt dieses destruktive Verhalten nur einen Schluss zu: Herr Droege will sich mit uns nicht einigen, darum chaotisiert er die Verhandlungen und wird immer dann aktiv, wenn Ergebnisse sichtbar werden. Bis heute kam kein einziger konstruktiver Vorschlag aus Düsseldorf, sondern ausschließlich Störfeuer. Alle Verträge, die wir vor der Übernahme mit Herrn Droege geschlossen haben, um den Weg der Sanierung verbindlich zu beschreiben, hat dieser gebrochen. Nichts wurde eingehalten, aber im Wochenrhythmus immer neue Forderungen aus Düsseldorf. So führt man keine Verhandlungen, wenn man ein Interesse an einer Einigung hat!"

Thomas Gürlebeck, ver.di-Sekretär für den Handel in Augsburg: "Der Milliardär Walter Droege bereichert sich auf Kosten der Allgemeinheit. Durch die Planinsolvenz wälzt er die Lohnkosten auf die Arbeitsagentur und die Sozialversicherungsträger ab. Die Beschäftigten und der Steuerzahler sollen Millionen-Gewinne in Düsseldorf finanzieren. Dagegen wird sich die Gewerkschaft ver.di weiterhin mit allen Mitteln stemmen."

Dolores Sailer, Vorsitzende des Konzernbetriebsrats von WELTBILD: "Die Unterstellung der ALSO, der Betriebsrat und die Gewerkschaft hätten eine Einigung verhindert, ist Unsinn. Die Krokodilstränen, die hier produziert werden ("Zu unserem sehr großen Bedauern!") sind unverschämt angesichts der Erbarmungslosigkeit, mit der Herr Droege Hunderte Familien der schnellen Gewinnabschöpfung seiner Investition opfert. Wir, MitarbeiterInnen und Interessenvertretung, sind gleichermaßen fassungslos mit welcher Kaltschnäuzigkeit ein milliardenschwerer Unternehmer Existenzvernichtung im großen Stil betreibt. Es ist eine Schande! Die Vorwürfe der ALSO weisen wir auf das Schärfste zurück."

Alle gemeinsam wünschen sich, dass Walter Droege wieder zu Verstand kommt und endlich eine vernünftige Lösung mit dem Betriebsrat gemeinsam sucht. Vielleicht trägt die öffentliche Wahrnehmung dazu bei. Wenn Walter Droege WELTBILD/ALSO platt macht, wird das keinesfalls lautlos und ohne öffentlichen Widerstand der Belegschaft über die Bühne gehen.

Mittwoch, 12. August 2015

Vernichtung statt Sanierung: Droege lässt die Maske fallen


Nach monatelangem Ringen um einen Sanierungsplan für WELTBILD/ALSO setzt Walter Droege auf eine Vernichtungsstrategie und gefährdet damit den Fortbestand der gesamten Gruppe. Die vorsätzlich herbeigeführte Insolvenz der ALSO-Logistik in Augsburg ist der letzte Trumpf des Milliardärs aus Düsseldorf. Sein Ziel: die MitarbeiterInnen der Logistik sollen ohne einen angemessenen Sozialplan billig entsorgt werden, die Betriebsratsstrukturen zerschlagen und regulär Beschäftigte im großen Stil durch LeiharbeiterInnen ersetzt werden.

Zuvor hatten Droeges Anwälte die Einrichtung einer gerichtlichen Einigungsstelle gegen den Betriebsrat durchgesetzt. Der Vorsitzende dieser Einigungsstelle, der Arbeitsrichter Holger Dahl, forderte Walter Droege im Juli auf, persönlich an den Verhandlungen um die Zukunft des Augsburger Unternehmens teilzunehmen. Daraufhin veranlasste Droege die Insolvenz des Logistik-Bereichs. Offenbar hatte Droege erkannt, dass er Massenentlassungen zum Nulltarif auch über eine Einigungsstelle nicht erzwingen kann, und sich daraufhin für eine perfide Strategie entschieden: Er nutzt nun das Insolvenzrecht als Waffe gegen die Beschäftigten und ihre Interessenvertretung. So sollen die Beteiligungsrechte des Betriebsrats und die vertraglichen Ansprüche der MitarbeiterInnen aus der Überleitungsvereinbarung von 2014 vom Tisch gefegt werden.

Beim Einstieg hatte Droege 2014 folgende Punkte vertraglich mit Betriebsrat und Gewerkschaft vereinbart: • Kündigungen nur als letztes Mittel nach Ausschöpfung aller Alternativen (Kurzarbeit, zeitweiser Verleih von Arbeitskräften an andere Unternehmen, freiwilliges Ausscheiden mit Abfindung) • kein Einsatz von LeiharbeitnehmerInnen, solange in der Logistik noch Unterbeschäftigung besteht • Sozialplanleistungen und eine Transfergesellschaft wie 2014, falls doch Kündigungen notwendig sein sollten • Verhandlungen zum Abschluss eines Haustarifvertrags.

Stattdessen hat Reiner Wenz, Eigenverwalter der insolventen ALSO-Logistik in Augsburg, dem BR gestern ein E-Mail ausgehändigt. Dieses Mail richtete sich nicht an den Betriebsrat, sondern es handelte sich um das Schreiben eines Anwalts an einen anderen Anwalt. Beide stehen mittelbar in den Diensten von Walter Droege, der mit diversen und ständig wechselnden Rechtsvertretern seit Monaten jeden Verhandlungs-Fortschritt verhindert. Aktuell sind auf Arbeitgeberseite vier unterschiedliche Kanzleien beauftragt. Worin deren Auftrag genau besteht, ließ sich bisher nicht abschließend klären.

In dem Mail werden mehrere Forderungen formuliert, die ALSO Deutschland angeblich gegenüber dem Augsburger Betriebsrat aufstellt:
Zitat:
a) Personalabbau von 300 Vollzeitstellen zum 1.9.2015 (Abfindung maximal mit Faktor 2,5; insgesamt maximal 2,3 m€).
b) Kündigung aller Betriebsvereinbarungen zum 1.9.2015 (Wochenarbeitszeit, Urlaubstage, Sonderurlaub, Weihnachtsgeld, etc.).
c) Anwendung logistischer Tarifvertrag.
d) Keine Sozialauswahl.
e) Aufnahme von Leiharbeit.
Wenn diese Forderungen nicht erfüllt werden, droht laut Wenz die Schließung der Logistik noch vor dem 1. Oktober.

Ein verhandlungsfähiges Konzept liegt dagegen weiterhin nicht vor. Stattdessen verweisen die beteiligten Anwälte darauf, dass sie sich erst einarbeiten müssten. So wird der enge Zeitraum bis zur Insolvenzeröffnung am 1. Oktober bewusst vertan. Der aktuelle Geschäftsführer der Logistik, Interims-Manager Reiner Wenz, kann keinerlei Expertise im Bereich Logistik vorweisen und hat bis heute keinen einzigen eigenen Vorschlag zur Lösung der Misere beigetragen. Aus Sicht des Betriebsrats gehört auch das zur perfiden Strategie des Walter Droege: Chaos in die Verhandlungen bringen, Zeit schinden und dann die Insolvenzordnung nutzen, um Fakten zu schaffen und die Mitarbeiter billig zu entsorgen.

Wie geht es weiter? Am 24.8. ist die nächste Sitzung der Einigungsstelle und möglicherweise die letzte Chance auf eine vernünftige Einigung. Der Betriebsrat verlangt die Einhaltung der geltenden Verträge einschließlich der Haftungsvereinbarung mit der nicht insolventen ALSO Mobility GmbH für Sozialplanansprüche der Logistik-MitarbeiterInnen. Wir brauchen zeitnah einen runden Tisch mit den Anteilseignern, der Politik und dem BR und ver.di als Beteiligten. Dass die Logistik geräuschlos entsorgt wird, werden wir nicht zulassen.

Freitag, 10. Juli 2015

GF Hofmann: AT-Beschäftigte sollen auf Gehalt verzichten


Walter Droege will WELTBILD bereits Anfang nächsten Jahres wieder in der Gewinnzone sehen. In seinem Auftrag versucht Geschäftsführer Patrick Hofmann jetzt, den außertariflich bezahlten Angestellten der Retail in die Tasche zu greifen. Deren persönliche Zielerreichungsprämie soll nachträglich für das zurückliegende Geschäftsjahr pauschal um 50% gekürzt werden.

Zur Erklärung: Das Gehalt der Außertariflichen (AT) setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen: 1. erhalten diese ein frei verhandeltes Monatsgehalt, das bei vielen nur wenig über dem Monatsverdienst der KollegInnen in Tarifgruppe VI liegt. 2. bekommen sie am Ende des Geschäftsjahres (mit dem Juli-Gehalt) eine individuell vereinbarte Prämie. Ein Teil dieser Prämie ist abhängig vom Bilanzgewinn des Unternehmens, der 3. Teil wird auf der Basis von vorgegebenen persönlichen Zielen ausgezahlt, die am Anfang des Geschäftsjahres ausgehandelt wurden. Das ist die sogenannte Zielerreichungsprämie.

Ein Beispiel: Ein ATler mit einem Jahresgehalt von 55.000 Euro erhält monatlich 4.000 € brutto, aber kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Dafür erhält er am Geschäftsjahresende abhängig vom Grad der Zielerreichung bis zu 5.000 € Zielerreichungsprämie und möglicherweise einen bilanzabhängigen Bonus von 2.000 €.

In unserem Beispiel würden die 2.000 € aufgrund der aktuellen Ertragslage ohnehin entfallen und von den 5.000 € maximal 2.500 € vergütet werden. Weil aber im ersten Quartal des Geschäftsjahres noch wie in der Insolvenz pauschal 1/12 der Zielerreichungsprämie monatlich ausgezahlt wurde, hätte der Arbeitnehmer in unserem Beispiel bereits 1.250 erhalten. Es würden also nur noch weitere 1.250 € anstelle von 7.000 € ausgezahlt.

Gegen dieses Ansinnen gibt es viele gute Argumente

  • Es ist ungerecht, wenn ausschließlich ein – mit ca. 120 KollegInnen sehr kleiner – Teil der Belegschaft die überzogenen Gewinnerwartungen des Milliardärs Walter Droege befriedigen soll.
  • Die ATler haben schon lange Einbußen, weil der bilanzabhängige Teil ihrer Prämie seit Jahren nicht mehr ausbezahlt wird. Damit leisten sie bereits einen Beitrag, der ihrem Arbeitsvertrag entspricht.
  • Gehaltserhöhungen im AT-Bereich wurden über 10 Jahre lang ausschließlich durch die Erhöhung der leistungsabhängigen Gehaltsbestandteile realisiert. Durch die geplante Halbierung würden diese KollegInnen auf einen Schlag 7 bis 8 Jahre Gehaltsentwicklung verlieren.
  • Die KollegInnen im niedrigen AT-Bereich – und das ist die Mehrzahl – könnten durch diese Maßnahme unterhalb der Tarifgrenze landen. Aber sie erhalten weiterhin kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld und bekommen Überstunden nicht bezahlt. Auch das ist ungerecht.
  • Es ist unverschämt, im Vorfeld von geplanten Massenentlassungen einen "Solidarbeitrag" von Menschen zu verlangen, die möglicherweise ein paar Wochen später auf die Straße gesetzt werden.
  • Ein Gehaltsverzicht zum jetzigen Zeitpunkt wirkt direkt negativ auf die Höhe des Arbeitslosengeldes und des Transferkurzarbeiter-Gelds, das in einer Transfergesellschaft bezahlt würde.

Vor allem aber gibt es keinerlei Rechtsgrundlage für dieses Vorgehen. Das weiß auch die Geschäftsführung und fordert deshalb einen "freiwilligen" Verzicht. Wer sich dem Diktat aus Düsseldorf nicht beugen will, kriegt Druck: "Wer dagegen klagt, dessen Arbeitsleistung muss kritisch hinterfragt werden!", kündigte Geschäftsführer Patrick Hofmann an.

In der vergangenen Woche versuchte Hofmann allen Ernstes den Betriebsrat für ein gemeinsames Vorgehen in dieser Sache zu gewinnen. Der BR hat sofort reagiert und einen einstimmigen Beschluss gefasst, welcher der Geschäftsführung ein einseitiges Vorgehen untersagt. Gemäß § 87 Absatz 1 Ziffer 10 BetrVG ist der Betriebsrat in der Mitbestimmung, wenn es um »Fragen der betrieblichen Lohngestaltung, insbesondere die Aufstellung von Entlohnungsgrundsätzen und die Einführung und Anwendung von neuen Entlohnungsmethoden sowie deren Änderung« geht.

Weder der BR noch die ver.di lassen sich vor den Karren des Arbeitgebers spannen, wenn es gegen die Interessen der Beschäftigten geht – egal welcher Einkommensklasse die KollegInnen angehören!

Nach den Erfahrungen der letzten Monate müssen wir aber davon ausgehen, dass der Arbeitgeber dieses Mitbestimmungsrecht ignoriert oder zu umgehen versucht. Deshalb bleibt den Betroffenen am Ende möglicherweise nur der individualrechtliche Weg über das Arbeitsgericht, um an das ihnen zustehende Geld zu kommen. Mitglieder der ver.di werden dabei durch AnwältInnen der Gewerkschaft vertreten. Alle anderen haben hoffentlich eine gute Rechtsschutzversicherung oder Rücklagen, um einen möglicherweise teuren Prozess zu führen.

Mittwoch, 15. April 2015

Proteste gegen Walter Droege vor dem Arbeitsgericht


"Wir haben genug geblutet – Schluss jetzt!" Heute vormittag begleiteten rund 60 MitarbeiterInnen von WELTBILD und ALSO den Prozess vor dem Augsburger Arbeitsgericht mit Protesten. Die KollegInnen sind stinksauer auf Investor Walter Droege. "Wir sind von vorne bis hinten belogen worden", sagt eine Kollegin. "Unglaublich, dass sowas in Deutschland nicht bestraft wird."



Die Arbeitgeber-Anwälte wollten vor Gericht Verhandlungen über weitere Massenentlassungen in einer sogenannten Einigungsstelle erzwingen. Der Betriebsrat stellt sich quer und verweist auf die Verträge, die im Zuge des Droege-Einstiegs bei WELTBILD geschlossen wurden. Demnach sind vor weiteren Entlassungen arbeitsmarktpolitische Mittel wie z. B. Kurzarbeit zu prüfen.

Außerdem weicht Droege in entscheidenden Punkten vom Konzept "Weltbild 2.0" ab, das Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz gemeinsam mit der Belegschaftsvertretung und der Unternehmensberatung Roland Berger für die Sanierung von WELTBILD erarbeitet hatte.

Weitere 300 sollen gehen

Aus Sicht der ArbeitnehmerInnen ist die aktuelle Krise "hausgemacht" und dient nur als Vorwand für weitere Massenentlassungen. Mehr dazu in einem Bericht aus der BR-Zeitung "Picker" weiter unten.

Im Zuge der WELTBILD-Insolvenz zu Beginn letzten Jahres haben bereits über 1.200 Menschen in Augsburg ihre Arbeitsplätze verloren. Wenn es nach Walter Droege geht, sollten von den verbleibenden 900 MitarbeiterInnen nochmals 300 gehen.

Ein Urteil des Augsburger Arbeitsgerichts wird für kommenden Mittwoch erwartet. Die Geschäftsführung zog es übrigens vor, dem Termin fernzubleiben.

Mit Lug und Trug WELTBILD und ALSO gegen die Wand gefahren


So schafft Walter Droege die Voraussetzungen für die geplanten Massenentlassungen


Als Patrick Hofmann kaum 30 Tage nach Amtsantritt dem Betriebsrat verkündete, die Gehaltszahlungen stünden auf der Kippe, waren wir entsetzt: Wie war es möglich, dass unser Unternehmen trotz einer harten und schmerzhaften Sanierung durch die Insolvenzverwaltung und Roland Berger schon wieder kurz vor der Pleite stand? Heute ist vieles klarer. Walter Droege hat eine perfide Strategie gefahren, um einen weiteren Arbeitsplatzabbau zu rechtfertigen. 

Kern dieser Strategie ist die Aufspaltung der Verlagsgruppe in zwei Firmen, gegen die sich der BR bis zuletzt gewehrt hatte. Durch die vertragliche Festschreibung eines gemeinsamen Betriebs zweier GmbHs hatten wir versucht, die Risiken der Aufspaltung zu minimieren. Damit waren wir leider nur teilweise erfolgreich.

Droege nutzte die Aufspaltung sofort zum Verschieben von Geldern innerhalb des Firmenverbunds. Der Trick ging so: Bis Ende 2014 bezahlte Retail die kompletten Personalkosten der ALSO Logistik in Augsburg. So flossen monatlich Millionen in die ALSO, die mehrheitlich ebenfalls Droege gehört. Damit fehlte nicht nur das Geld für die Weihnachtswerbung, die kurzerhand zusammengestrichen wurde. Auch die Liquidität der Retail geriet in Gefahr.

Dazu maßgeblich beigetragen hatten auch Gespräche, die Patrick Hofmann mit der Stadtsparkasse geführt hat. Eingeweihte bestätigen, dass unser Geschäftsführer dabei die zu erwartende Ertragsentwicklung sehr negativ dargestellt hat. Das führte letztendlich zum Rückzug einer Kreditlinie, die man der Insolvenzverwaltung bereits zugesagt hatte.

Deshalb wurde Ende Oktober das Geld für die Gehaltszahlungen knapp und die Geschäftsführung forderte daraufhin die Entlassung von rund 200 MitarbeiterInnen. 100 davon sollten noch vor Weihnachten gehen.

Erst Retail rasieren, dann ALSO

Als der Betriebsrat die Mitwirkung an der Massenentlassung kategorisch ablehnte, drehte Droege den Spieß um. Seit Januar bezahlt Retail nur noch Stückkosten pro Päckchen an die ALSO. Durch die brutale Kürzung des Werbebudgets sind die Umsätze um fast 40% gefallen, entsprechend schlecht ist die Auftragslage bei ALSO, die jetzt aber die kompletten Personal-kosten tragen muss.

Das angekündigte Drittgeschäft ist bis heute nicht akquiriert. Stattdessen untervermietet ALSO Lagerflächen, die aber von betriebsfremden MitarbeiterInnen bewirtschaftet werden. Die Folge: Unterbeschäftigung unserer Leute und eine Kostenexplosion, der mit der Entlassung von weiteren 200 Menschen aus der ALSO begegnet werden soll.

Alles in allem eine hausgemachte Krise mit einem einzigen Ziel: WELTBILD stark zu verkleinern und so leichter und schneller in die Gewinnzone zu führen.

Quelle: Betriebsratszeitung "Picker"

Montag, 16. März 2015

Betriebsversammlung: Wie weiter bei Weltbild?



Mittwoch, 
18. März, 14:00 Uhr
Halle Deutsche Papier
(Steinerne Furt 75)


Der Betriebsrat berichtet über den aktuellen Stand der Gespräche.

Die Geschäftsführung ist eingeladen, die geplanten Massenentlassungen darzustellen und zu erklären, wer die Arbeit in Zukunft erledigen soll.

Außerdem erwarten wir einen detaillierten Bericht zur wirtschaftlichen Lage und klare Aussagen, was die GF unternehmen will, um die Umsätze zu steigern und die Auftragslage bei ALSO zu verbessern.

Herr Walter P. Droege wurde ebenfalls eingeladen. Mal sehen, ob er den Mut hat, den Menschen ins Gesicht zu blicken, deren Existenzen er gerade vernichtet.

Montag, 9. März 2015

Umfrage - Hier arbeiten Menschen


Seit über einem Jahr dauert die Weltbild-Krise an. 


Viel Kolleginnen und Kollegen haben in dieser Zeit ihren Arbeitsplatz verloren. Hunderte weitere sind von einem künftigen Stellenabbau bedroht. Die psychische Belastung über einen längeren Zeitraum hinweg ist enorm. Angst um den Arbeitsplatz, Ungewissheit, Anspannung und Verunsicherung sind ständige Begleiter. 

Bei allen wirtschaftlichen Fragen, die sich momentan stellen, sollte nie vergessen werden:

Hier arbeiten Menschen! 


Um ein genaueres Bild davon zu erhalten, wie ihr euch als Menschen in dieser Situation fühlt, haben wir eine kleine Umfrage erstellt. Bitte nehmt daran Teil und beantwortet uns ein paar Fragen zur derzeitigen Arbeitssituation im Unternehmen. Selbstverständlich ist alles vollkommen anonym. Die Fragen sind angelehnt an den Fragenkatalog zur Gefährdungsanalyse im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Danke für eure Beteiligung!

Einfach auf den folgenden Link klicken:



Zur Umfrage






Donnerstag, 13. November 2014

Betriebsversammlung Weltbild 12.11.2014


Wieder einmal hatten wir eine Betriebsversammlung, in der wir uns über Arbeitsplatzbedrohung und Probleme unterhalten mussten, statt über Erfolge, Gewinne und Erfolgsprämien.
Doch dieses Mal wäre das nicht notwendig gewesen, wenn der Investor Herr Droege sein Wort halten würde und die Geschäftsführung die Geschäfte führen würde, statt sie zu verhindern.
Geschäftsverhinderer oder Geschäftsvernichter wäre die richtigere Bezeichnung für diese Herren, so war der Tenor der Versammlung.

Mehrere Male wurde die Forderung laut, statt dreier unfähiger Geschäftsführer fordern wir einen, der sich mit dem Handel auskennt und das Konzept Weltbild 2.0 weiter fortführt.
Diese drei Geschäftsführer und auch der Herr Droege hielten es übrigens nicht für nötig, sich den Fragen der Mitarbeiter zu stellen, sie blieben trotz Einladung der Betriebsversammlung fern, sie kommunizieren lieber über die Presse mit ihren Mitarbeitern.



Der Betriebsratsvorsitzende Peter Fitz eröffnete die Versammlung.

In der letzten Betriebsversammlung jubelten wir noch über den Einstieg von Droege, heute sieht das ganz anders aus.
Droege sagte damals, es werde keine weiteren Entlassungen geben, er möchte Ruhe in dem Laden, Weltbild vernünftig fortführen und er sehe großes Potential in diesem Unternehmen.

Die Übernahme hat sich von Anfang Juli bis Anfang Oktober verzögert.
Das hat Umsatz gekostet, es wurden Werbemaßnahmen reduziert, was automatisch mit weniger Aufträgen einhergeht.
Am 1.10. hat die neue Geschäftsführung übernommen, es gab mehrere Treffen des Betriebsrats mit der Geschäftsführung und bis heute haben wir keine konkreten Aussagen über ein Konzept für Weltbild.
Die Geschäftsführung ist heute nicht anwesend trotz Einladung.

Die Geschäftsführung hat in vielen Abteilungen für Unruhe gesorgt, viele Mitarbeiter haben schon freiwillig das Haus verlassen.
Wo will die Geschäftsführung hin ?
Der Betriebsrat bekam die Aussage, 160 Vollarbeitsplätze sollen abgebaut werden, das sind ca. 200 Mitarbeiter wegen Teilzeitarbeitsplätzen, aber ohne einen Plan, wie Weltbild weitergeführt werden soll.
Man muss vermuten, die Geschäftsführer kennen das Geschäft nicht, ihnen sind nicht einmal die Betriebsvereinbarungen im Detail bekannt.

Die Werbung wurde eingeschränkt, ein TV-Spot wurde abgesagt, die Absage verursacht sicher auch Kosten.
Es liegt kein gemeinsames Konzept für Weltbild Retail und die Logistik (Also) vor.
Das Konzept der Geschäftsführung, welches sie nach außen tragen, besteht aus Überschriften wie kundennah, schnell, digital - keine Inhalte, ohne Substanz !
Ein Personalabbau ohne Konzept ist mit dem Betriebsrat nicht zu machen.
Peter Fitz stinkt es, dass die Geschäftsführung nicht hierher kommt und mit uns spricht.

Gewerkschaftssekretär Thomas Gürlebeck von ver.di folgte als nächster Redner.
Wir haben alle zusammen Weltbild gerettet und brauchen niemanden von extern, der uns sagt, wie Weltbild dasteht.
Droege hat gewusst, was er kauft, es ist nicht fair, jetzt so zu tun, als ob der aktuelle Stand eine Überraschung wäre.
Die drei Geschäftsführer kommunizieren nicht mit der Belegschaft, sondern über die Presse.

Diejenigen, die die Krise verschärft haben, bleiben jetzt der Betriebsversammlung fern.
Es ist kein Manager mit Handels-Expertise an Bord.
"Bescheidenheit üben" war im Interview mit der Augsburger Allgemeinen für Patrick Hofmann der Grund für die Absage des TV-Spots zum Weihnachtsgeschäft.
Das ist dummes Zeug.

Digitalisierung und Newsletter sprechen die Online-Junkies an, die von einem Angebot zum nächsten hüpfen.
Die Geschäftsführung läuft nachts durch die Räume, um die Lichter auszuschalten.
Das sind nicht die richtigen Manager.
Das Feld sollte freigemacht werden für richtige Manager mit Expertise.

Die zweite Chance für Weltbild wurde in der Insolvenz erarbeitet und dann kam der Investor.
Die Umsetzung des mit Roland Berger erarbeiteten Konzepts Weltbild 2.0 sollte ab 1.7.2014 starten, durch die Verzögerung im Investor-Prozess wäre es jetzt der 1.10.2014 gewesen, nun müsste es losgehen.

Es hört sich alles sehr nach Luftnummern an.
Ein Personalabbau ohne Zukunftsperspektive für Weltbild wird vom Betriebsrat und ver.di nicht mitgetragen, das muss dann über das Arbeitsgericht laufen.

Es ist Unterstützung von uns allen nötig.
Die Mitarbeiter müssen den überbezahlten Managern Nachhilfe geben und kritisch sein.

Niemand sollte meinen, wenn 200 Mitarbeiter gehen, dass dann der Arbeitsplatz sicher wäre.
Keiner weiß, was Droege vorhat.
Der hat sich darüber aufgeregt, dass man ihn im Flugblatt als Milliardär bezeichnet hat.
Es wurde eine Klage auf Schadensersatz angedroht.
Die Geschäftsführung bedroht den Betriebsrat mit Schadensersatzforderungen, wenn dieser die Belegschaft informiert.
Wir lassen uns nicht den Mund verbieten, wenn es darauf ankommt, sammeln wir.
Wir lassen uns diesen Umgang nicht gefallen.

Unsere Botschaft ist: wir wollen statt drei Geschäftsführer nur einen, aber diese drei müssen alle weg.
Wir brauchen jemanden, der den Schneid hat, auch zu werben.
Wir wollen, dass die Entscheider hierher kommen und sich unseren Fragen stellen.

Anschließend informierte Peter Fitz weiter.
Die Antwort von Herrn Droege auf die Einladung zu Betriebsversammlung war, dass er sich nicht in die konkreten operativen Einzelmaßnahmen einmischen würde und volles Vertrauen in die neue Geschäftsführung habe.
Sein Stichwort war "Corporate Governance".
Am 19.11.2014 ist der nächste Termin zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung, in der Hoffnung, dass ein tragfähiges Konzept vorgestellt wird. Dieses sollte sich an das vorhandene Konzept halten.
Überschriften reichen als Konzept nicht.

In der folgenden Diskussion gab es diverse Beiträge.
In der ersten Jahreshälfte soll es nur einen Katalog geben, nämlich zu Ostern !
Wir sehen hier niemanden mehr, der überflüssig wäre.
Wir haben die Schnitte schon hinter uns, wir haben nur noch die Hälfte Mitarbeiter und sind überzeugt davon, dass der Laden bei weiterem Personalabbau nicht mehr funktionsfähig ist.

Wir sind motiviert und müssen für Umsatz GEGEN diese Geschäftsführung sorgen !
Wir haben die Erwartung, dass wir zusammenhalten und uns nicht auseinander dividieren lassen !
Die Insolvenzverwaltung ist nicht amüsiert über die Entwicklung.
Wir hätten die besten Voraussetzungen - mit einer anderen Geschäftsführung !

Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende und ver.di-Betriebsgruppensprecher Timm Bossmann führte fort.
Es sind nur Floskeln: schnell, flexibel, kundennah, Online, Katalog, Ausbau der Filialen - es ist davon nichts zu sehen.
Alle sind schon jetzt bis oben hin voll mit Arbeit, wie soll das die Hälfte der Mitarbeiter machen ?
Es gibt Druck der Geschäftsführung, Filialen zu schließen - von wegen neue Filialen aufmachen !
Multichannel ist das, was wir können und was Amazon nicht kann !
Der Tolino wird vor allem in den Filialen verkauft.

In der Zeitung (Interview Augsburger Allgemeine mit den Geschäftsführern) wurde schlicht Unsinn erzählt.
Stichworte Familie und Kinder - aber von Kidoh ist nichts zu hören.
Stichwort Bescheidenheit als Begründung, den TV-Spot nicht zu senden: die Aussage wäre "wir sind wieder da" - was ist daran falsch ?
Stichworte Millionen Kataloge: es werden 3 Millionen Kataloge versendet, früher waren das 15 Millionen, das bringt natürlich dann auch nur einen Bruchteil des Umsatzes !
Der Satz von Patrick Hofmann in der Augsburgen Allgemeinen zur Sicherheit der Arbeitsplätze bei Weltbild ist eine Unverschämtheit.
Wir müssen jetzt alle zusammenhalten und bei Aktionen müssen alle Gesicht zeigen und auf die Straße gehen !

In der folgenden Diskussion gab es verschiedene Wortbeiträge.
Für Droege ist das der erste Konflikt mit einer arbeitsamen und wehrhaften Belegschaft.
Wir können uns gut vorstellen, dieses Mal mit 15 Bussen nach Düsseldorf zu fahren !
Wir müssen die Kameraden dazu bringen, das zu tun, was Händler machen: Umsatz !
Wir brauchen eine Rückmeldung von den KollegInnen, wenn irgendwo ein mieses Spiel gespielt wird.
Wir diskutieren zu diesem Zeitpunkt über keine personellen Maßnahmen mit der Geschäftsführung.

Die Kirche ist außen vor, die Geschäftsführung muss das Geld für personelle Maßnahmen selbst aufbringen.
Auch bei Paragon wäre die Kirche außen vor, nur ohne Investor wären wir alle in die Transfergesellschaft gegangen, dann aber ohne Abfindung.
Der Bestandschutz (Besitzstandwahrung) gilt für ein Jahr, außer es wird ein neuer Tarifvertrag abgeschlossen.
Im Rahmen der Übernahme darf es keine Entlassungen geben.
Eine betriebsbedingte Kündigung ist durch den Betriebsübergang nicht geschützt, daher wird mit weniger Umsatz argumentiert.
Weder Betriebsrat noch ver.di haben dieses Gesetz gemacht !

Die Tarifverhandlungen wurden jedesmal abgesagt oder abgebrochen.
Es gab keine vernünftigen Verhandlungen, man fragt sich, was das für Leute sind und fühlt sich an die Grundschule erinnert.

Frage: Frau Fink hätte gesagt, dass Gedis bis 2016 für Aufnahmen zur Verfügung stünde.
Antwort: Das ist faktisch falsch, am besten bei Frau Fink nachfragen !
Laut Aussage Personalabteilung hätten wir nichts schriftlich.
Aber wir wollen zum heutigen Zeitpunkt auch gar nicht über Kündigungen sprechen !
Wir wollen, dass Weltbild 2.0 durchgeführt wird !

Lasst uns zusammenstehen und nach vorne sehen, statt zu resignieren !
Lasst uns diesen Droege aus Düsseldorf daran hindern, dass er einfach unseren Laden zumacht !


Donnerstag, 6. November 2014

Weihnachten mit Walter Droege: 200 KollegInnen vor dem Rausschmiss


Dieses Flugblatt hat der WELTBILD-Betriebsrat heute in Augsburg verteilt:

Zum Vergrößern klicken.

Droege fährt Umsätze 
zurück und fordert
Massenentlassungen 
im Bereich Retail 


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

seit Anfang Oktober beobachten wir alle das fragwürdige Handeln der neuen Geschäftsführung. Die Herren Hofmann, Böhm und Dr. Robertz sind nicht in der Lage, das Unternehmen voranzubringen und werden von Droege in Düsseldorf ferngesteuert.

Nach wie vor fehlen Konzept, Struktur und Führung. Stattdessen werden kleinliche Sparmaßnahmen angeordnet und Werbemaßnahmen zurückgefahren. Ware, die wir dringend brauchen, wird nicht bestellt.

Offenbar folgt die Geschäftsführung nicht dem Konzept WELTBILD 2.0 sondern einem eigenen Plan: die gezielte Verkleinerung des Unternehmens und neue Massenentlassungen im Auftrag von Droege.

Der Arbeitgeber hat den Betriebsrat jetzt aufgefordert, einen Interessenausgleich über ca. 200 Entlassungen zu schließen. 100 von uns sollen vor Weihnachten gehen, weitere 100 im Februar. Das wäre fast die Hälfte der jetzt noch Beschäftigten im Bereich Retail.

Wir wurden von vorne bis hinten belogen: Droege plant keinen langfristigen Invest. Der Milliardär aus Düsseldorf will WELTBILD auf Kosten der ArbeitnehmerInnen auspressen und persönlich möglichst schnell möglichst hohe Profite einfahren.

Das skrupellose Vorgehen in der Retail lässt uns auch für die Entwicklungen in der Logistik Schlimmes fürchten. Am kommenden Mittwoch treffen wir uns zu einer Betriebsversammlung, um gemeinsam das weitere Vorgehen zu diskutieren. Einladung folgt.


Donnerstag, 17. Juli 2014

Presseschau 16.7.2014


Die Neuigkeiten über Weltbild haben erwartungsgemäß ihren Weg in die Presse gefunden.
Hoffen wir, dass wir nun bald in ruhigeres Fahrwasser kommen und es über Weltbild nichts aufregendes mehr zu berichten gibt, sondern nur noch Nachrichten über tolle Produkte und gute Angebote.








Sonntag, 1. Juni 2014

Stellungnahme des BR zu den Gerüchten um Paragon


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

in der vergangenen Woche haben wir bereits auf die Gerüchte in der Presse reagiert. Leider konnten wir euch zu dem Zeitpunkt nicht mehr sagen, als dass auch wir keinerlei Informationen vorliegen hatten. Danach sind wir selbstverständlich sofort tätig geworden und haben das Gespräch mit der Insolvenzverwaltung gesucht. Heute wissen wir schon ein bisschen mehr, was wir gleich an euch weitergeben.

  1. Die Paragon-Pläne zur Sanierung von WELTBILD basieren im Groben auf dem Konzept WELTBILD 2.0, das die Insolvenzverwaltung gemeinsam mit der Unternehmensberatung Roland Berger und den ArbeitnehmervertreterInnen von BR und ver.di erarbeitet haben.
  2. An einigen wesentlichen Punkten bestehen dennoch unterschiedliche Auffassungen. Derzeit klären wir gemeinsam mit der Insolvenzverwaltung, wo diese Unterschiede liegen und welche Auswirkungen sie haben könnten. Wir verhandeln nicht, sondern tauschen bis jetzt nur Informationen und Auffassungen aus.
  3. Unsere Position als Betriebsrat und Gewerkschaft ist eindeutig: Wir haben für den Start des WELTBILD 2.0-Konzepts schmerzliche Einschnitte hinnehmen müssen. Das war leider die Voraussetzung dafür, überhaupt für einen Investor interessant zu sein. Wir stehen zum Konzept WELTBILD 2.0: Es ist schlüssig und mehrfach durchgerechnet. Für weiteren Personalabbau sehen wir keinen Anlass.
  4. Unser Interesse gilt vor allem der Nachhaltigkeit des Neustarts als WELTBILD 2.0. Aus unserer Sicht gefährdet ein weiterer Stellenabbau die Funktionsfähigkeit unseres Unternehmens. Das lassen wir nicht zu.
  5. Bereits vergangene Woche haben wir darauf hingewiesen, dass Personalmaßnahmen ohne die Mitwirkung des Betriebsrats gesetzlich nicht möglich sind. Derzeit stehen wir nicht in Verhandlungen über einen Interessenausgleich oder einen Sozialplan, und wir sind auch noch nicht zu solchen Verhandlungen aufgefordert worden.

Ihr könnt euch sicher sein, dass wir eure Interessen weiterhin kompetent und mit Nachdruck vertreten!

Euer Betriebsrat

Samstag, 10. Mai 2014

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