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Mittwoch, 1. Juni 2011

Betriebsversammlung: Glückwünsche der Geschäftsführung an alle, die zu Amazon wechseln!

Bei der heutigen Betriebsversammlung der Verlagsgruppe WELTBILD kamen viele Themen auf den Tisch: • Gesundheitsmanagement • Taschendurchsuchung • Kantinenessen • Leiharbeit und die • Ansiedlung von Amazon in der benachbarten Ortschaft Graben. Der Betriebsrat hatte eine informative und unterhaltsame Veranstaltung mit zahlreichen Einlagen und mehreren Gastrednern vorbereitet. Bei der Belegschaft kam die kurzweilige Versammlung sehr gut an. Verwundert reagierten die rund 800 MitarbeiterInnen auf eine Aussage des obersten Geschäftsführers Carel Halff zum Thema Amazon. Der konkurrierende Versandhändler sucht mit Hochdruck Personal für sein Logistikzentrum, das in der Nähe von Augsburg gebaut wird. Die Geschäftsführung sieht die neue Konkurrenzsituation offenbar mit allergrößter Gelassenheit.



Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM)
Als Fortsetzung des GRAziL-Projekts installieren Betriebsrat und Geschäftsführung derzeit gemeinsam ein ehrgeiziges Programm mit dem etwas sperrigen Namen »Betriebliches Gesundheitsmanagement«. Die BetriebsrätInnen Johannes Ihmenkamp, Tanja Sedlmeier und Angelika Jahnke stellten Inhalt und Ziele des Gesundheitsprogramms vor. Der Leiter der Unternehmensentwicklung, Matthias Haack, erläuterte die Organisation des Projekts. Geschäftsführung und Betriebsrat treiben die Arbeit mit großem Engagement gemeinsam voran und entscheiden gleichberechtigt über die zu ergreifenden Maßnahmen. Das BGM wird mit großem personellen Aufwand vorangetrieben – keine Selbstverständlichkeit in Zeiten knapper Mittel, wie Haack betonte. Im Unterschied zu GRAziL umfasst das BGM nicht nur die Bereiche Lager & Versand, sondern soll auch für zahlreiche Verbesserungen im Angestellten-Bereich sorgen.





»Meine Tasche gehört mir!«
Unter diesem Titel führten die Betriebsräte Peter Hellriegel und Raimund Wegemer einen pointierten Sketch auf. Die Einlage zeigte anschaulich, wie die Ausgangskontrollen ablaufen könnten, wenn es nach dem Willen der Geschäftsführung geht. Betriebsrat Timm Boßmann moderierte den Programmteil und machte deutlich, dass der BR ein weitreichendes Mitspracherecht bei der Gestaltung der geplanten Taschendurchsuchungen hat. Die zahlreichen kritischen Reaktionen der KollegInnen zeigten, dass vieles an den Plänen noch unausgegoren ist. Hier werden Betriebsrat und Geschäftsführung intensiv um eine Betriebsvereinbarung ringen müssen, die den Interessen des Unternehmens und dem der MitarbeiterInnen gleichermaßen gerecht wird.

»Uns schmeckt's nicht.«
Mit roten, gelben und grünen Kärtchen benoteten die MitarbeiterInnen das derzeitige Angebot des Kantinenbetreibers Eurest. Leider gab es überwiegend mittelmäßige und negative Noten für die Qualität des Mittagessens. Betriebsratsvorsitzender Peter Fitz sprach für den Kantinenausschuss: Offenbar muss man den Anbieter immer wieder unter Druck setzen, um zumindest eine kurzfristige Verbesserung der Qualität zu erreichen. Im Ausschuss will man jetzt gemeinsam mit Eurest nach Möglichkeiten für eine dauerhafte Verbesserung suchen.





Prekäre Beschäftigung bei WELTBILD
Obwohl die Kirchen eine klare Position zum Thema »Leiharbeit« vertreten, beschäftigt auch der katholische Arbeitgeber WELTBILD dauerhaft zwischen 300 und 1.600 LeiharbeitnehmerInnen. Dolores Sailer und Michael Haugg vom Betriebsrat stellten die unwürdigen Arbeitsbedingungen in einem kleinen Frage-und-Antwortspiel vor. Die LeiharbeiterInnen verdienen bei gleicher Arbeit deutlich schlechter als die Stammbelegschaft. Viele von ihnen sind trotz Vollzeitarbeit auf Hartz-IV-Zuschüsse angewiesen. Außerdem haben diese KollegInnen keinerlei Sicherheit für sich und ihre Familien, da sie permanent von kurzfristiger Kündigung bedroht sind.

Halff: »Gewerkschaften müssen bessere Tarife durchsetzen!«
Zum Thema Leiharbeit hatte der Betriebsrat die katholischen Betriebsseelsorger Erwin Helmer und Hans Gilg eingeladen. Die beiden Kirchenmänner verurteilten die Bedingungen der Leiharbeit aufs Schärfste und forderten WELTBILD als kirchliches Unternehmen auf, nach christlichen Grundsätzen zu handeln. Geschäftsführer Carel Halff misshagte die deutliche Kritik ganz offensichtlich. Er sieht die Verantwortung in der Politik und bei den DGB-Gewerkschaften, die entsprechende Tarifverträge zugelassen haben. Die Gewerkschaften müssten eben »ihren Job machen«, meinte Halff.

Außerdem verwies er darauf, dass WELTBILD im Januar 50 LeiharbeitnehmerInnen in feste Beschäftigungsverhältnisse übernommen habe, und kündigte für den Sommer die Übernahme von 50 weiteren KollegInnen an. Betriebsratsvorsitzender Peter Fitz begrüßte diese Planung, machte aber auch deutlich, dass der BR keine Einzelmaßnahmen zum Ziel hat, sondern die Bedingungen der Leiharbeit bei WELTBILD in einer Betriebsvereinbarung grundsätzlich regeln will.



»Angst vor Amazon, Herr Halff?«
Unter dieser Überschrift hatte der BR den Geschäftsbericht angekündigt. Er wollte wissen, was WELTBILD in der direkten Konkurrenzsituation tun wird, um wertvolle MitarbeiterInnen im Unternehmen zu halten. Angst ist dem WELTBILD-Geschäftsführer offensichtlich fremd. Konkurrenz belebe nicht nur das Geschäft, sondern sei auch positiv für MitarbeiterInnen und Kundschaft. »Wenn Sie bei Amazon einen besseren Job mit einem höheren Gehalt angeboten kriegen, bewerben Sie sich noch heute. Ich werde persönlich jeden beglückwünschen, der bei Amazon eine Stelle bekommt.« Diese Demonstration arbeitgeberischen Selbstbewusstseins wurde von der Belegschaft mit pikiertem Schweigen aufgenommen. Die nahe Zukunft wird zeigen, wieviele Ex-Mitarbeiter-Hände der Geschäftsführer demnächst schütteln muss. Nach Informationen des Betriebsrats haben sich bereits mehrere Dutzend KollegInnen beworben. Erste Verträge sollen schon unterschrieben sein.

Donnerstag, 25. November 2010

BR verhandelt erfolgreich Übernahme von LeiharbeitnehmerInnen

 
Das Weihnachtsgeschäft beschert der Verlagsgruppe Weltbild eine riesige Menge an LeiharbeitnehmerInnen, wie jeder in der Augsburger Allgemeine unter Stellenanzeigen lesen kann.

Ohne die Mithilfe dieser Arbeitnehmer ist das Weihnachtsgeschäft gar nicht zu schaffen.
Nur dass viele dieser KollegInnen auch während des gesamten Jahres bei uns beschäftigt sind, teilweise jahrelang ohne Perspektive auf Übernahme.

Im Rahmen des Projekts GRAzil hat der Betriebsrat deshalb das Gespräch mit der Geschäftsleitung zum Thema "Betriebsvereinbarung Leiharbeit" gesucht. Nach ein paar konstruktiven Verhandlungen haben wir jetzt einen ersten wichtigen Schritt gemacht.

Es gibt eine Betriebsvereinbarung, welche Folgendes regelt:
  • Übernahme in Teilzeitstellen von 51 "Stamm"-LeiharbeitnehmerInnen, welche 4 Jahre oder länger ihren Einsatz bei Weltbild haben, aber keine Unterbrechung länger als 4 Monate hatten.
  • Stundenlohn von 9 Euro (statt bisher 7,60) für die "Stamm"-LeiharbeitnehmerInnen, die 2 Jahre oder länger bei Weltbild sind, und keine Unterbrechung länger als 4 Monate hatten.
  • In 2011 wird eine weitergehende Betriebsvereinbarung Leiharbeit verhandelt.
In der Betriebsvereinbarung wollen wir klare Regelungen, z.B. über Anzahl der beschäftigten LeiharbeitnehmerInnen, Übernahmeregelung, faire Bezahlung und Behandlung, Einweisung.

Wir meinen, es geht in die richtige Richtung.
.

Freitag, 12. November 2010

Grünpflanzen und regelmäßige Gesprächsrunden verbessern das Klima im Contact Center


Ergebnisse erfolgreicher Betriebsratsarbeit

Auch im Contact Center (ehemals Call Center) an der Aindlinger Straße haben die Bemühungen des Betriebsrats jetzt „Früchte getragen” – und zwar in mehrfacher Hinsicht! 

Auf breiter Front wurde eine große Zahl Grünpflanzen in das bisher eher spartanisch wirkende Großraumbüro gestellt. Bislang hatte es nur an einzelnen Stellen Pflanzen gegeben, so dass sich die KollegInnen jetzt erst noch etwas an den neuen „Dschungel“ gewöhnen müssen.

Laut Untersuchungen wirken sich Grünpflanzen äußerst positiv auf die Psyche (55%) wie auch auf das gesamte Raumklima aus (30%). Staubreduktion wird mit immerhin 8%, Schallreduktion mit 6% und Schadstoffabbau noch mit 1% in ihrer Wirkung angegeben. Zahlreiche gesundheitliche Beschwerden der Beschäftigten gehen laut einer norwegischen Studie signifikant zurück, unter anderem Müdigkeit und trockener Hals (30%), Husten (37%) sowie trockene und gereizte Haut (23%).

Die Umsetzungen im Rahmen des Projekts GRAZIL haben auch dazu geführt, dass im gesamten Haus CCC (Customer Care Center) neuerdings monatliche Gesprächsrunden eingeführt wurden. Die einzelnen MitarbeiterInnen können sich hierbei mit all ihren Problemen am Arbeitsplatz bzw. im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit und natürlich mit Vorschlägen und Anregungen zur Verbesserung einbringen. 

Einer dieser Vorschläge aus dem Kreis der Teilnehmer wurde bereits umgesetzt: Neben der üblichen Handwaschlotion auf den Toiletten gibt es jetzt auch ein Desinfektionsmittel mit Rückfetter für bessere Hygiene. Was der Geschäftsleitung sinnvoll und finanzierbar erscheint,
wird zur Verbesserung der Situation am Arbeitsplatz und des Wohlbefindens der MitarbeiterInnen durchaus auch eingeführt.

Mittwoch, 11. August 2010

Verdi-Mitgliederversammlung: Leiharbeit begrenzen



"Leiharbeit in Deutschland wird häufig extrem schlecht bezahlt und bietet den Menschen keine oder nur schlechte Perspektiven. Das ist unwürdig und ungerecht. Deshalb muss Leiharbeit auch bei Weltbild begrenzt und die Entlohnungsbedingungen verbessert werden – im Interesse aller Kolleginnen und Kollegen." Tatjana Fuchs (Foto) vom Internationalen Institut für empirische Sozialökonomie (inifes) fand auf der Verdi-Mitgliederversammlung klare Worte.

LeiharbeiterInnen (LAN) beziehen in der Regel nur 2/3 des Tariflohns der entsprechenden Lohngruppe. Im Lager entspricht das einem Stundenlohn von gerade mal 7 (sieben!) Euro. Das führt dazu, dass LAN mit einem Kind zusätzlich auf staatliche Unterstützung durch Hartz IV angewiesen sind.

Immer mehr Arbeitgeber lernen, dass sie so auf Kosten der Gesellschaft Lohnkosten sparen und die Tarifverträge umgehen können. Die Folge: Job-Abbau bei den Festangestellten. "Deshalb müssen wir gemeinsam bessere Arbeitsbedingungen für die KollegInnen von der Leiharbeit durchsetzen", appellierte die Gewerkschafterin an die zahlreich erschienenen KollegInnen von Weltbild.

Sehr engagiert diskutierten MitarbeiterInnen aus Lager und Versand gemeinsam mit den Angestellten mehrere Stunden lang mögliche Maßnahmen und Strategien. Am Ende bildeten sie gemeinsam mit dem Betriebsrat neue Arbeitsgruppen, die jetzt geeignete Aktionen vorbereiten werden.

Die nächste Mitgliederversammlung findet am 31. August statt. Verdi-Mitglieder werden per Post eingeladen. Dann geht es konkret um Aktionen im Rahmen der Tarif-Verhandlungen. Das derzeitige Angebot der Arbeitgeber ist unannehmbar, deshalb will die Gewerkschaftsbasis "richtig Druck machen", wie Verdi-Sekretär Berthold Schleidt ankündigte.

Mittwoch, 26. Mai 2010

Betriebsversammlung: "Sehr harter Anpassungsprozess – wer sich nicht ändert, geht!"


Vier Monate nach Amtsantritt präsentierte sich heute der neu gewählte Betriebsrat auf einer Betriebsversammlung. Neben dem Tätigkeitsbericht des BR präsentierte Geschäftsführer Carel Halff Zahlen zur aktuellen Geschäftsentwicklung. Wer aufmerksam zugehört hat, weiß jetzt, dass die Strategie des Unternehmens vielfältige Folgen für die MitarbeiterInnen haben wird. "Es geht nicht ohne einen sehr harten Anpassungsprozess!", so der Geschäftsführer wörtlich. Aber der Reihe nach…

Tätigkeitsbericht des Betriebsrats
Zunächst aber informierten die Vorsitzenden Peter Fitz und Josef Trutt die Belegschaft über die Ergebnisse der Betriebsratsarbeit. Zentrale Punkte waren
• Nachverhandlung der Betriebsvereinbarung zur Leistungsprämie. Nach dem derzeitigen System kommen an VTJ und VTA völlig unterschiedliche Prämien heraus, obwohl die KollegInnen in beiden Bereichen gleichermaßen hart arbeiten. Der BR verhandelt jetzt eine neue Berechnungsgrundlage. Die Prämien werden rückwirkend ab dem 1.4.2010 gezahlt.

• Betriebsvereinbarung zur Einführung von SAP. Der BR beschwerte sich darüber, dass er entgegen den Regelungen im Betriebsverfassungsgesetz viel zu spät von der Geschäftsleitung über das Großprojekt informiert wurde. Mittlerweile erhält der BR aber Einblick in die Projektdokumentation und begleitet den Prozess sehr kritisch. Auch unter Einbeziehung versierter externer Berater. Ziel des BR ist eine Betriebsvereinbarung mit dem Ziel der Beschäftigungssicherung und eines fairen Interessenausgleichs. Leider zeigt sich die Geschäftsleitung gerade bei diesen Punkten noch sehr wenig kooperativ. Der Betriebsrat stellt sich auf harte Verhandlungen ein: "Wir wollen, dass unsere hochqualifizierten KollegInnen aus dem Bereich ES9000 auch nach 2014 noch einen sicheren Arbeitsplatz haben." Das weitere Vorgehen stimmt der BR mit den Betroffenen auf einer Abteilungsversammlung am 15. Juni ab.

• Betriebsvereinbarung zur Videoüberwachung. Die Außenbereiche des Himmer-Komplexes und des Logistikzentrums werden aus Sicherheitsgründen mit Kameras überwacht. Der BR hat durchgesetzt, dass diese Überwachung nur außerhalb der Arbeitszeiten stattfinden darf und dass Pausenbereiche grundsätzlich geschwärzt werde. Einzige Ausnahme: Der etwas abgelegenen Mitarbeiter-Parkplatz an der Pfaffenhofener Straße. Hier sollen die Kameras zum Schutz der Kolleginnen und Kollegen sowie der dort geparkten privaten Fahrzeuge ständig laufen.

• Betriebsvereinbarung Mitarbeiter-Ausweise. Die neuen Ausweise dienen der Zugangskontrolle und der vereinfachten Abrechnung der Rabatte, die MitarbeiterInnen im Buchladen erhalten. Der Ausweis ist deshalb ständig bei sich zu tragen und bei allen Einkäufen vorzulegen. JedeR MitarbeiterIn darf pro Jahr 1080,- Euro Rabatt steuerfrei nutzen. Der jeweilige Stand des persönlichen "Rabatt-Kontos" ist im Personalbüro oder bei den Vorgesetzten zu erfragen. Darüber hinaus wird jedeR informiert, wenn er/sie die Steuerschwelle überschreitet.

Da die neuen Ausweise mit RFID-Chips ausgestattet sind, war es dem Betriebsrat besonders wichtig, dass diese nicht zur Mitarbeiter-Überwachung missbraucht werden, z.B. durch die Erstellung von Bewegungsprofilen. Hier hat sich der BR auch durchgesetzt und mit der Geschäftsführung entsprechende Vereinbarungen ausgehandelt und technische Vorkehrungen getroffen, die das ausschließen. Den Wortlaut dieser BV kann jedeR MitarbeiterIn in Lotus Notes nachlesen oder im BR-Büro einsehen.

• Einen weiteren schönen Erfolg erzielte der BR bezüglich der Entlohnung der WerkstudentInnen. Die KollegInnen erhalten im ersten und zweiten Beschäftigungsjahr bis zu 1 Euro mehr pro Stunde, eine Steigerung von rund 9 Prozent! (Über Details werden wir demnächst in diesem Blog berichten.)
Projekt GRAzil
Betriebsrätin Visnja Bernhard stellte gemeinsam mit Tatiana Fuchs und Daniela Wörner vom Internationalen Institut für empirische Sozialökonomie (inifes) die Fortschritte beim Gesundheitsvorsorgeprojekt GRAzil dar.
• Etliche Maßnahmen aus den Workshops wurden bereits umgesetzt, z.B. zur Verbesserung der Arbeitskleidung, der Klimaregelung an den Arbeitsplätzen, der Schleusen-Dämmung, verbesserter Hygiene und dem systematischen Wechsel von belastenden und weniger belastenden Tätigkeiten ("Job-Rotation")

• Verhandelt wird derzeit unter anderem über besonders weiche "Service-Schuhe", angemessene Unterweisungen und die maximale Arbeitszeit in Lager/Versand. Die körperlich schwer arbeitenden KollegInnen in Lager/Versand sind einhellig der Meinung: "9 Stunden sind zuviel!" Der BR hat hier den klaren Auftrag der Belegschaft über eine Verbesserung der Betriebsvereinbarung zur Arbeitszeit zu verhandeln.

• Auch wenn das Projekt GRAzil seine Wurzeln in der Verbesserung der Arbeitsbedingungen für ZeitarbeiterInnen hat: Die getroffenen Vereinbarungen kommen allen KollegInnen zu Gute und werden in Zukunft auch für den Angestelltenbereich ausgearbeitet.
Zeitarbeit
"Der Betriebsrat ist sich einig: für unsere KollegInnen von der Zeitarbeit muss eine eigene Betriebsvereinbarung her!", kündigte Betriebsrätin Visnja Bernhard ein entschlossenes Vorgehen des BR in dieser Sache an. Weltbild beschäftigt so genannte Stamm-LeiharbeiterInnen, die zum Teil seit 8 Jahren in diesem prekären Beschäftigungsverhältnis ausharren. Bernhard: "Das heißt 8 Jahre Hoffen auf Übernahme, 8 Jahre schlechtere Bezahlung und zum Teil sogar den Antrag auf Hartz IV, weil der Lohn nicht zum Leben reicht. Das ist Ausbeutung auf Allgemeinkosten und Menschen unwürdig. Der BR muss und wird jetzt handeln!"

Tarifverhandlungen
Als Mitglied der Tarifkommission der Gewerkschaft informierte Peter Fitz über den Stand der Tarifverhandlungen. Ver.di fordert
• Erhöhung um 4,5% der Löhne und Gehälter, mindestens jedoch 80 Euro
• Erhöhung der Ausbildungsvergütung um 40 Euro
• Bei einer Laufzeit von 12 Monaten ab dem 1. April 2010
• Der Manteltarifvertrag muss unverändert geschlossen werden
Mit der Übergabe der Forderungen hat die Tarifkommission drei Verhandlungstermine vorgeschlagen, die der Arbeitgeber-Verband angeblich nicht erhalten haben will. Jetzt haben die Arbeitgeber eigene Termine Ende Juni/Anfang Juli vorgeschlagen. Aus Sicht der Gewerkschaft eine klare Verzögerungstaktik, um den Zeitpunkt der fälligen Lohnerhöhung hinauszuzögern. (In diesem Blog berichten wir über den weiteren Verlauf der Verhandlungen.)

Geschäftsbericht von Carel Halff
Zum Abschluss der Betriebsversammlung berichtete der leitende Geschäftsführer auf Einladung des BR über die aktuelle Unternehmensentwicklung. In seiner Darstellung legte Halff besonderen Wert auf den Wandel in der Handelslandschaft. Der Trend gehe klar in Richtung Internet und auch die Sortimente verschöben sich (weg vom Sachbuch, hin zur Belletristik und non-book-Angeboten). Die zwangsläufige Folge seien viele Veränderungen: "in der IT, in der Werbung und im Sortiment."

Derzeit freue man sich über eine insgesamt positive Umsatzentwicklung, den steigenden Umsätzen im Internet stünden aber sinkende Umsätze in den Filialen und dem Katalog gegenüber. Weltbild sei mit seinem Multi-Channel-Konzept (also dem gleichzeitigen Vertrieb über Katalog, Filialen und Internet) zwar stark aufgestellt, müsse sich aber an die Marktentwicklung anpassen: "Wer sich nicht ändert, der geht früher oder später." Die Folge sei ein "sehr harter Anpassungsprozess" in allen Bereichen.

Betriebsrat Timm Boßmann warf ein, dass die Belegschaft (z.B. in den Filialen) während der letzten 12 Monate zahlreiche Entlassungen erduldet und Restrukturierungen mitgetragen habe. Wann denn die eingangs beschworenen positiven Entwicklungen den MitarbeiterInnen zu Gute kämen? Halff gab daraufhin zu, dass die Gesamtsituation weiter schwierig sei und die MitarbeiterInnen derzeit "keine Wohltaten" zu erwarten hätten. Vorsitzender Peter Fitz stellte klar, dass es dem Betriebsrat keineswegs um "Wohltaten" geht, sondern um "fairen Umgang" und das "Wissen, was die Zukunft bei Weltbild bringt".

Vor diesem Hintergrund wird der Betriebsrat der Geschäftsführung weiterhin sehr kritisch auf die Finger schauen. Nach den Äußerungen von Carel Halff ist klar, dass es nicht nur im Bereich IT einschneidende Veränderungen geben wird. Genannt wurden ebenso Werbung und Versand. Über die weiteren Entwicklungen informieren wir Sie in diesem Blog.

Dienstag, 2. Februar 2010

Videoüberwachung bei Weltbild geregelt


Auf seiner ersten außerordentlichen Sitzung hat der neue Betriebsrat heute über eine Betriebsvereinbarung zur Videoüberwachung bei Weltbild abgestimmt. Der alte BR hatte mit der Geschäftsführung verhandelt - jetzt wurde das Papier unterschriftsreif gemacht.


Die MitarbeiterInnen-Vertretung hat durchgesetzt, dass die Videoüberwachung auf besondere, sicherheitsrelevante Bereiche – z. B. das neue Rechenzentrum – beschränkt bleibt. Desweiteren wird klar geregelt, wie lange die Daten archiviert werden und dass nur ein bestimmter, eng definierter Personenkreis Zugriff hat. Vor allem wird mit der Betriebsvereinbarung sicher gestellt, dass das System nicht zur "Bespitzelung" der KollegInnen missbraucht werden darf.


Außerdem hat der Betriebsrat verschiedene Arbeitskreise und Ausschüsse bestimmt, die bestimmte Themenfelder für die MitarbeiterInnen bearbeiten:


Gesundheits-Ausschuss

Eine der Hauptaufgaben des Gesundheits.-Ausschusses ist die Fortführung des Projekts GRAzil im gewerblichen Bereich und die Ausweitung auf die Abteilungen der Angestellten. Mitglieder:

• Visnja Bernhard

• Peter Fitz

• Johannes Ihmenkamp

• Lyudmila Katzmeier

• Charmaine Müller

• Sabine Rath

• Raimund Wegemer


Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit

Der Arbeitskreis wird unter anderem das "Wellblech" überarbeiten, die Schwarzen Bretter pflegen, eine eigene Intranet-Präsenz des Betriebsrats aufbauen, Pressekontakte intensivieren und Verbindungen zu anderen Betriebsräten herstellen. Mitglieder:

• Visnja Bernhard

• Timm Boßmann

• Peter Hellriegel

• Johannes Ihmenkamp

• Rosemarie Martin

• Charmaine Müller

• Dolores Sailer


Arbeitskreis IT

Vor wenigen Tagen wurde von der Geschäftsführung die SAP-Einführung für Weltbild beschlossen. Das Unternehmen will damit 10.000.000 Euro jährlich einsparen. Der Arbeitskreis wird sich um die daraus resultierenden gravierenden Veränderungen kümmern. Hier sind eine Vielzahl von Arbeitsplätzen in Gefahr! Mitglieder:

• Hans-Peter Dillimann

• Michael Ferentschik

• Andreas Höcherl

• Rosemarie Martin

• Sebastian Mayer

• Christina Siemon

• Josef Trutt


Ausschuss für wirtschaftliche Angelegenheiten

Diese Arbeitsgruppe kämpft für mehr Transparenz und Mitbestimmung bei wirtschaftlichen Entscheidungen und kümmert sich auch um die Lohn- und Gehaltsstruktur im Hause Weltbild. Mitglieder:

• Visnja Bernhard

• Peter Fitz

• Peter Reichert-Meissl

• Dolores Sailer


Prämien

Um die KollegInnen in Lager und Versand noch besser beraten und unterstützen zu können, absolvieren einige Betriebsratsmitglieder eine hochkarätige Schulung zur Praxis der Leistungsaufnahme (MTM = Measure of Time-Measurement):

• Michael Ferentschik

• Peter Fitz

• Lyudmila Katzmeier

• Josef Trutt


Die Arbeitskreise und Ausschüsse sind auch auf Ihr Feedback und Ihre Anregungen angewiesen. Liebe KollegInnen: Sprechen Sie Ihre Betriebsräte persönlich an oder schreiben Sie ein E-Mail. Gerne können Sie auch die Kommentar-Funktion in diesem Blog für eine anonyme Mitteilung nutzen!


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