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Donnerstag, 19. Februar 2015

Irrungen und Wirrungen: Filialen, Jokers, Kidoh und Sammelwerke


Am Mittwoch trafen sich Geschäftsführung und Betriebsrat zu einem weiteren Informationstermin. Dabei wurde nicht über Entlassungen verhandelt. 

Am Vormittag wurde ausgelotet, was der Verkauf von 70 WELTBILD-Filialen für den Betrieb in Augsburg bedeutet. Der Betriebsrat kritisierte, dass mit dem Verkauf unmittelbar Umsatz bei der Retail wegbreche und der Logistik weitere Aufträge fehlen. Der Vertreter von ALSO bestätigte, dass durch den Verkauf weitere 25 Vollzeitstellen der Logistik in Gefahr geraten. Damit stehen bei ALSO jetzt insgesamt 225 Jobs zur Disposition. Die Geschäftsführung von Retail bedauert das nach eigenem Bekunden zwar, hält aber an der Verkaufsentscheidung fest.

Rätsel um Filial-Käufer und sein Fortführungskonzept

Über den Filial-Käufer Rüdiger Wenk war nichts wesentlich neues zu erfahren. Diverse Presseberichte lassen den Unternehmensberater und Buchhändler Wenk in einem zweifelhaften Licht erscheinen:

Rüdiger Wenk GmbH – Rätselhafter Weltbild-Käufer ist gefunden

Umstrittener Käufer – Weltbild-Investor setzt auf Bücher statt Bohrmaschinen

Dubiose Wendung – Potenzieller Weltbild-Käufer hat keinen Mietvertrag

Die Geschäftsführung hingegen ist überzeugt von der Seriosität des Erwerbers und seines Angebots. Über Details wie das Konzept von "LesensART" wollte die GF nicht mit dem Augsburger BR diskutieren. Das falle in den Zuständigkeitsbereich des Gesamtbetriebsrats (GBR) von WELTBILDplus.

Das ist richtig. Der Augsburger BR hat bei diesem Thema kein Verhandlungsmandat. Aber die KollegInnen sind überzeugt, dass der GBR einen Interessenausgleich schließen wird, der die betroffenen MitarbeiterInnen von WELTBILDplus über den Verkauf hinaus bestmöglich absichert.

Eigene GmbHs für Jokers, Kidoh und die Sammelwerke

Eine hitzige Auseinandersetzung gab es bei der Diskussion um das Schicksal von Jokers, Kidoh und den Sammelwerken. Mehrheitsgesellschafter Walter Droege plant eine Ausgliederung der drei Bereiche in eigene GmbHs mit jeweils zwei bis drei MitarbeiterInnen. Da Geschäftsführer Sikko Böhm dafür nicht einen einzigen operativen Grund angeben konnte, befürchtet der Betriebsrat, dass es bei diesem Manöver um drei Ziele geht:

  1. Die neu zu gründenden Töchter sollen in die Lage versetzt werden, sich eine eigene Auslieferung zu suchen. Folge: Weitere Arbeitsplatzverluste bei ALSO. 
  2. Die Werbung für Jokers, Kidoh und Sammler soll künftig durch externe Agenturen gemacht werden. Folge: Weiterer Personalabbau in Werbung und Marketing. 
  3. Mit der Ausgründung der Marken entzieht Walter Dröge der WELTBILD Retail Betriebsvermögen, auf das die MitarbeiterInnen im Falle einer Folgeinsolvenz Anspruch hätten. Folge: Der Topf für einen Sozialplan wird deutlich kleiner.

Vor diesem Hintergrund lehnt der Betriebsrat die Ausgliederung kategorisch ab. Die Geschäftsführung will das Thema in Kürze neu präsentieren, "um dem Betriebsrat Ängste zu nehmen". Wie das nach dieser Vorstellung gehen soll, ist den Beteiligten allerdings nicht klar…

Weitere Gespräche folgen

Ein neuer Termin ist ohnehin nötig geworden, weil die Geschäftsführung die eigentlich für gestern vereinbarten Themen nicht fertig vorbereitet hatte. Deshalb musste zum Beispiel die Darstellung der künftigen Sortimentspolitik verschoben werden.

Der Betriebsrat ist überrascht, wie schwer es der Arbeitgeberseite fällt, selbst grundlegende Fragen zur neuen Strategie befriedigend zu beantworten. Auch deshalb hält der Betriebsrat am Konzept Weltbild 2.0 fest, das im Vergleich zum konzeptionellen Wirrwarr des Walter Droege wie ein Mercedes gegenüber einem Handwagen wirkt.

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