Die ALSO Deutschland GmbH lässt derzeit über eine Public-Relations-Agentur eine Stellungnahme zu den Vorgängen in Augsburg verbreiten. Darin wird ein völlig verzerrtes Bild der Voraussetzungen für die Übernahme der WELTBILD Logistik durch die ALSO gezeichnet. Die ALSO Deutschland gehört mehrheitlich der Droege Gruppe, die nach der Insolvenz in 2014 auch die Mehrheit des WELTBILD-Versandhandels übernommen hat. ALSO wirft Betriebsrat und Gewerkschaft vor, die Zukunft der Logistik durch "irrationalen und destruktiven Widerstand verspielt" zu haben. Das ist Unsinn. Die Interessenvertretung der Belegschaft nimmt hier dazu Stellung.
Klaus Warbruck, Wirtschafts-Sachverständiger des Betriebsrats: "Die wirtschaftliche Situation der Logistik war Herrn Droege vor seinem Einstieg bestens bekannt. Es bestand Einigkeit mit dem Betriebsrat, der Gewerkschaft und dem Insolvenzverwalter Herrn Geiwitz darüber, dass die Logistik unterausgelastet ist. Aus dieser Unterlast resultiert das Kostenproblem und aus nichts anderem. Deshalb wurde das Personal in der Logistik vor der Übergabe an Droege um 50% reduziert. Das war für den Betriebsrat und die Gewerkschaft ein sehr schmerzhafter Schnitt, den wir aber mitgetragen haben, um die Logistik nachhaltig zukunftsfähig zu machen. So war es auch mit Herrn Droege abgesprochen. Er seinerseits hat dafür zugesagt, zusätzliches Geschäft aus der ALSO-Gruppe in Augsburg zu platzieren. Aus dieser Kombi – Personalreduzierung einerseits, Zusatzgeschäft andererseits – bestand der Sanierungsplan."
Peter Fitz, Vorsitzender des Betriebsrats: "Nur weil wir mit Herrn Droege diese Vereinbarung treffen konnten, hat er den Zuschlag für die Übernahme des Unternehmens bekommen. Andere interessierte Investoren hatten zwar Konzepte für WELTBILD, wussten aber offensichtlich nichts mit der Logistik anzufangen und hatten vor allem keine andere Logistik-Firma, von der Aufträge umleitbar gewesen wären. Für unsere Logistik hat Droege keinen Cent bezahlt, obwohl sie mit Grundstücken, Gebäuden und Technik hohe Sachwerte beinhaltet. Sein Teil des Deals wären das Zusatzgeschäft und die dafür erforderlichen Investitionen gewesen. Darüber bestand bei Vertragsabschluss auf beiden Seiten Klarheit."
So fährt Walter Droege WELTBILD/ALSO gegen die Wand
Was aber hat Herr Droege dann getan? Die Tarifverhandlungen mit der ver.di haben seine Anwälte platzen lassen. Ein Manager, der konkrete Schritte zur Ermöglichung des Drittgeschäfts geplant hat, wurde entlassen. Danach war die Augsburger Logistik über Monate führungslos, bis Reiner Wenz an Bord kam, dessen Biographie als Abwicklungsmanager ohne jede Logistik-Expertise Bände spricht.
In der Einigungsstelle haben die VertreterInnen von Droege konkrete Vorschläge schriftlich vorgelegt, darunter einen Interessenausgleich in dem ein Stellenabbau von ca. 150 Stellen in der Logistik detailliert beschrieben ist und einen Sozialplan, der dem Tarifsozialplan von 2014 entspricht. Das war der Verhandlungsstand nach der ersten Sitzung der E-Stelle Mitte Juli. Er hätte die Möglichkeit einer vernünftigen Einigung geboten. Stattdessen hat es der Arbeitgeber in der Einigungsstelle auf ein Scheitern der Verhandlungen angelegt. Peter Fitz: "Als die Vertreter von Droege gemerkt haben, dass eine Einigung unter der sehr guten Moderation von Einigungsstellen-Vorsitzendem Holger Dahl in greifbare Nähe rückte, hat Herr Droege die Notbremse gezogen und die Augsburger ALSO-Logistik in die Insolvenz geschickt. Als wir in der E-Stellen-Sitzung am 31.7. für den Teilbetrieb WELTBILD eine Einigung mit der Geschäftsführung ausgehandelt hatten – nämlich ein Freiwilligenprogramm zur Personalreduzierung – hat er die Finanzierung verweigert und die Vereinbarung über Nacht per Telefon kassiert."
Timm Boßmann, ver.di-Betriebsgruppensprecher bei WELTBILD/ALSO: "Aus unserer Sicht lässt dieses destruktive Verhalten nur einen Schluss zu: Herr Droege will sich mit uns nicht einigen, darum chaotisiert er die Verhandlungen und wird immer dann aktiv, wenn Ergebnisse sichtbar werden. Bis heute kam kein einziger konstruktiver Vorschlag aus Düsseldorf, sondern ausschließlich Störfeuer. Alle Verträge, die wir vor der Übernahme mit Herrn Droege geschlossen haben, um den Weg der Sanierung verbindlich zu beschreiben, hat dieser gebrochen. Nichts wurde eingehalten, aber im Wochenrhythmus immer neue Forderungen aus Düsseldorf. So führt man keine Verhandlungen, wenn man ein Interesse an einer Einigung hat!"
Thomas Gürlebeck, ver.di-Sekretär für den Handel in Augsburg: "Der Milliardär Walter Droege bereichert sich auf Kosten der Allgemeinheit. Durch die Planinsolvenz wälzt er die Lohnkosten auf die Arbeitsagentur und die Sozialversicherungsträger ab. Die Beschäftigten und der Steuerzahler sollen Millionen-Gewinne in Düsseldorf finanzieren. Dagegen wird sich die Gewerkschaft ver.di weiterhin mit allen Mitteln stemmen."
Dolores Sailer, Vorsitzende des Konzernbetriebsrats von WELTBILD: "Die Unterstellung der ALSO, der Betriebsrat und die Gewerkschaft hätten eine Einigung verhindert, ist Unsinn. Die Krokodilstränen, die hier produziert werden ("Zu unserem sehr großen Bedauern!") sind unverschämt angesichts der Erbarmungslosigkeit, mit der Herr Droege Hunderte Familien der schnellen Gewinnabschöpfung seiner Investition opfert. Wir, MitarbeiterInnen und Interessenvertretung, sind gleichermaßen fassungslos mit welcher Kaltschnäuzigkeit ein milliardenschwerer Unternehmer Existenzvernichtung im großen Stil betreibt. Es ist eine Schande! Die Vorwürfe der ALSO weisen wir auf das Schärfste zurück."
Alle gemeinsam wünschen sich, dass Walter Droege wieder zu Verstand kommt und endlich eine vernünftige Lösung mit dem Betriebsrat gemeinsam sucht. Vielleicht trägt die öffentliche Wahrnehmung dazu bei. Wenn Walter Droege WELTBILD/ALSO platt macht, wird das keinesfalls lautlos und ohne öffentlichen Widerstand der Belegschaft über die Bühne gehen.


