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Donnerstag, 5. Dezember 2019

Klimawandel muss nichts Schlechtes sein ...


Am 28. November 2019 lud der Betriebsrat die Belegschaft zur letzten Betriebsversammlung des Jahres ein, die nach den Zeiten harter Auseinandersetzung mit der Geschäftsführung, von schier unglaublicher Harmonie geprägt war.

Zu Beginn begrüßte der BR-Vorsitzende Timm Boßmann die Kolleginnen und Kollegen, sowie CEO Christian Sailer, Björn Minnier und Personalchef Manfred Ries aus der Geschäftsleitung. Er betonte, dass sich die Zusammenarbeit der Betriebsparteien in den letzten Monaten wieder deutlich verbessert hat. "Wir haben uns wieder zusammengerauft" umschrieb er den langen Weg zurück zu einem normalen und konstruktiven Umgang.
Dadurch wurde es endlich auch wieder möglich, in vielen wichtigen Punkten, Positives für die Belegschaft und das Unternehmen zu erreichen. Grundlage dafür ist ein regelmäßiger, offener Informationsaustausch, lösungsorientierte Verhandlungen und die Bereitschaft die Perspektive der anderen Seite im Blick zu behalten.  
Mit der Beteiligung des Betriebsrats an der Personalplanung, sowie der Anerkennung des gemeinsamen Betriebs der Weltbild GmbH & Co. KG und der Weltbild Filialvertriebsgesellschaft, sind  dann auch die zwei elementaren Streitpunkte beigelegt worden. 
Im Fortgang der Veranstaltung stellten dann Mitglieder des Gremiums die weiteren Ergebnisse der Arbeit des Betriebsrats vor.

  Der große Umzug  (Dirk Neu) 
Angestrebt war die Zusammenführung von bisher räumlich getrennten Abteilungen bereits im Herbst 2018. Da die ersten Planungen für sehr viele Kollegen eine Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen mit sich gebracht hätten und auch zentrale Vorgaben der Arbeitsstättenverordnung nicht eingehalten wurden, hat der Betriebsrat seine Zustimmung verweigert und Nachbesserungen gefordert. Erst durch die Anmietung neuer Büroflächen konnte das Projekt dann im September 2019 durchgeführt werden. Bei Feinjustierungen und Nachbesserungen wurde auf dem "kurzen Dienstweg" zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung zügig Einigkeit erzielt, so dass sich das Ergebnis für beide Seiten positiv gestaltet hat. Vor allem für die Mitarbeiter war das Stühlerücken dann letztlich ein Gewinn, was die Qualität ihrer neuen Arbeitsplätze angeht. Dass aber nicht alles eitel Sonnenschein ist, deutet sich im Bereich Marketing an, wo aufgrund von Neueinstellungen bereits wieder ein gewisser Platzmangel herrscht. Der BR wird auf diesen Bereich ein besonderes Auge haben, damit nicht wieder eine unzulässige Verdichtung stattfindet.

Betriebsvereinbarungen im Bereich Software (Jürgen Puschmann)
Der zentrale Punkt bei neu eingeführten Programmen und Veränderungen an bereits verwendeter Software ist, dass der Schutz der MitarbeiterInnen gewährleistet sein muss. Es gilt zu verhindern, dass eine personenbezogene Auswertung mit dem Ziel einer Leistungskontrolle durchgeführt werden kann. Zusätzlich müssen die Zugriffsrechte für bestimmte Usergruppen und die Dauer der Datenspeicherung festgelegt sein. Ausnahmen können nur mit Erlaubnis des Betriebsrats gemacht werden.
Zu folgenden Programmen wurden Betriebsvereinbarungen geschlossen, beziehungsweise bereits bestehenden mit verbindlichen Ergänzungen versehen:
  • neue SAP Systeme
  • JIRA-Service-Desk
  • neue Drucker
  • AFI (Rechnungs-Genehmigung)
In Planung:
  • neues Zeiterfassungssystem
  • Windows 10
Maßnahmen zur Senkung der psychischen Belastung (Hannes Walk)
In der seit 2016 verschleppten und vor sich hindümpelnden Umsetzung notwendiger Verbesserungen für die Belegschaft, hat sich im Zuge der von HR-Chef Ries einberufenen Einigungsstelle, wirklich viel getan. So sind inzwischen in allen Bereichen Maßnahmen umgesetzt worden oder stehen zumindest kurz davor. 
  1. Zur Bekämpfung der körperlichen Beschwerden aus sitzender Tätigkeit und Bildschirmarbeit fanden mehrere Workshops statt. Dort wurden Möglichkeiten aufgezeigt, wie man Rückenbeschwerden, Nackenschmerzen und Verspannungen mit keinen Übungen selbst zu Leibe rücken kann.   
  2. Im Zuge des großen Umzugs wurden die räumlich bedingten Defizite der einzelnen Arbeitsplätze, soweit es möglich war, beseitigt oder zumindest deutliche Fortschritte erzielt.
  3. Zur Verbesserung des allgemeinen Arbeitsklimas, vor allem was  Führungsstil und  Wertschätzung durch die Vorgesetzten angeht, haben die Betriebsparteien verbindliche Führungsleitlinien vereinbart. Hervorzuheben ist, dass den Führungskräften von Seiten der Geschäftsführung Zeit für ihre Führungsaufgaben neben dem Tagesgeschäft eingeräumt wird und auch Unterstützung in Form von Schulungen zugesagt wurde. Es wird auch eine doppelte  Evaluierung zum Stand Umsetzung erfolgen. Der Betriebsrat führt eine Mitarbeiterbefragung zum Führungsstil durch  und parallel gibt es Feedbackgespräche der Geschäftsleitung mir den Führungskräften. Eine Betriebsvereinbarung ist bereits unterschrieben und die Belegschaft wird zeitnah ausführlich darüber informiert.
  4. Zur Optimierung von "hakeligen" und umständlichen Arbeitsabläufen, wird demnächst eine Art Prozessanalyse durchgeführt bei der Defizite und Verbesserungsmöglichkeiten ermittelt werden sollen. Es geht dabei sowohl um die verwendeten Arbeitsmittel, als auch um die Abläufe im Allgemeinen, sowie Kompetenzen und Kommunikation. Dies wird vom Betriebsrat begleitet und soll den KollegInnen unnötigen Stress bei der tägliche Arbeit nehmen.
 Sicherheit im Betrieb und  Gesundheitsschutz (Manuela Natterer)
  • Es gibt jetzt endlich in allen Gebäuden ausreichende Benennungen und vollständige Listen mit Erst- und Brandschutzhelfern
  • Alle in den Büros verwendeten Elektrogeräte sind geprüft worden und entsprechen den nötigen Sicherheitsanforderungen
  • Über Begehungen wurde sicher gestellt, dass alle Arbeitsplätze die Vorgaben der Arbeitsstättenverordnung erfüllen
  • Durch eine Vorverlegung der Arbeitszeit, hatten die KollegInnen die Möglichkeit der Sommerhitze in ihren Büros zu entgehen 
  • Wo es angebracht ist, wurden Klimageräte und Luftbefeuchter angeschafft
Nach dem Bericht zu Tätigkeit des Betriebsrats hatte CEO Christian Sailer das Wort. Er informierte die Belegschaft über die wirtschaftliche Lage des Unternehmens und die laufenden und geplanten Aktivitäten, um Weltbild weiter zu entwickeln und nach vorn zu bringen.
Wirtschaftlich liegt das Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr über dem Stand des Vorjahrs und über den für 2019 geplanten Umsätzen. Ausschlaggebend für das finale Ergebnis wird allerdings das Weihnachtgeschäft sein, für das er persönlich positive Erwartungen hat. Kern des Erfolgs sind eine Erhöhung der Margen und die Fokussierung auf Eigenproduktionen, die es nur bei Weltbild gibt. Ein entscheidender Schritt hierbei war die Gründung einer eigenen Einkaufsgesellschaft in China. Positiv wirkte sich auch die Schließung unrentabler Filialen aus und die Tatsache, dass der Versand über unser Lager im tschechischen Bor jetzt besser funktioniert.
Der Trend neue Sortimente zu integrieren hat gut funktioniert und wird im nächsten Jahr weiter fortgesetzt. Er nannte hier die Bereiche Ernährung, Spititualität und Gesundheit. Auch die Digitalisierung soll weiter vorangetrieben  werden. Positiv bewertete Sailer die Einbindung neuer Marken, wie Orbisana und Gärtner Pötschke, die nächstes Jahr weiter ausgebaut werden sollen. Nach seiner Darstellung scheint sich Weltbild nun endlich wieder auf Erfolgskurs zu befinden ...
Am Ende seines Vortrags informierte er die Belegschaft über eine geplante Änderung in der Unternehmensstruktur. Wie in der Schweiz und Österreich, sollen  nun auch in Deutschland die Filialen nicht mehr über eine separate Gesellschaft betrieben werden. Er kündigte an, dass die Weltbild Filialvertriebsgesellschaft im Zuge einer "Anwachsung" noch dieses Jahr in der Weltbild GmbH & Co. KG aufgehen wird. Für die Angestellten würde sich durch diesen Schritt nichts ändern, vielmehr würde die Struktur der Weltbild Gruppe nun klarer und transparenter, was für zukünftige Kreditgeber ein positives Zeichen ist. 

 Zum Abschluss der Veranstaltung trat nochmals Timm Boßmann ans Rednerpult und ergänzte die Liste der abgeschlossenen Betriebsvereinbarungen um zwei weitere:
  1. Für die außertrariflich angestellten Mitarbeiter wurde die Möglichkeit festgeschrieben, ihren variablen Gehaltsanteil von Zielerreichungsprämien zu entkoppeln und den faktischen "Gehaltsverzicht" über einen Freizeitausgleich in Form von zusätzlichen Urlaubstagen zu kompensieren.
  2. Die Vergütung von Praktikanten wurde einheitlich geregelt und die maximale Praktikumsdauer auf 6 Monate festgelegt ,um sie nicht als billige Arbeitskräfte weiter beschäftigen zu können.

Dann, nach knappen zwei Stunden, bedankte sich Timm Boßman für das zahlreiche Erscheinen und wünschte den KollegInnen eine schöne und entspannte Weihnachtsfeier, die direkt im Anschluss stattfand.

Donnerstag, 21. November 2019

Einladung zur Betriebsversammlung


Die nächste Weltbild-Betriebsversammlung ist am Donnerstag den 28.11. 

Wie üblich findet die Versammlung in der Böwe-Kantine statt.
Die Veranstaltung beginnt um 13:30 Uhr.


Alle Beschäftigten der WBD in Augsburg und erstmals auch alle Beschäftigten der WBF-Zentrale in Augsburg sind herzlich eingeladen und können daran teilnehmen. 

Hierzu ein Hinweis:  Betriebsversammlungen haben Vorrang vor anderen Terminen im Betrieb. Andere Termine sollten in diesem Zeitraum nicht angesetzt bzw. nach Möglichkeit verschoben werden.

Worum geht es?


Auf dem Programm stehen unter anderem neue Betriebsvereinbarungen und Regelungsabsprachen, die zwischen Betriebsrat und der Unternehmensführung vereinbart wurden sowie ein Bericht der Geschäftsführung über den Verlauf des Geschäftsjahres und die wirtschaftliche Entwicklung bei Weltbild.

An dieser Stelle auch wieder der Hinweis an die Kolleginnen oder Kollegen in Teilzeit:
Auf Grund des Kantinenbetriebs bei Böwe kann die Veranstaltung nicht am Vormittag stattfinden.




Montag, 28. Januar 2019

Betriebsversammlung Teil 4: Geheim, geheim!


Unmittelbar im Anschluss an die Betriebsversammlung erreichte den Betriebsrat ein E-Mail des Geschäftsführers Christian Sailer. Der CEO war mit seiner Performance auf der Versammlung offenbar unzufrieden und machte seinem Ärger Luft, indem er schon wieder BR-Mitglieder mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen bedrohte. 

Ihm sei berichtet worden, schrieb Sailer, dass ein Mitglied des Gremiums die Folienpräsentation seines Berichts zur wirtschaftlichen Lage abfotografiert habe. Das sei aber alles vertraulich, streng geheim usw. … Untergang des Abendlandes also, falls die Zahlen in falsche Hände gerieten. Dazu zählt der CEO in seinem Schreiben auch die „Gewerkschaft“ – gemeint war wahrscheinlich die Redaktion dieses Blogs.

Wir können Sie beruhigen, Herr Sailer. In diesem Blog sind noch niemals Umsatzzahlen oder Deckungsbeiträge veröffentlicht worden. Und der Gewerkschaft haben Sie Ihre Folien selbst gezeigt: Deren Mitglieder saßen nämlich zuhauf in der Versammlung.

Also hören Sie auf mit den albernen Scheingefechten! Greifen Sie die offensichtlichen Probleme an, und lösen Sie diese, anstatt ständig die Interessenvertretung zu attackieren. Weder die Gewerkschaft noch der Betriebsrat können irgendetwas dafür, dass WELTBILD nicht aus der Krise kommt.

Die Wahrheit ist: Es gibt ganz konkrete und bekannte Schwierigkeiten – mit den Lieferanten, mit der Auslieferung und im ganzen Haus umständliche und fehlerhafte Prozesse, die selbst mit der doppelten Anzahl von Personal nicht zeitgerecht abzuarbeiten wären.

Darum sollten Sie sich kümmern, statt Zahlen schönzureden und alle zwei Wochen eine neue Strategie auszurufen. Am Ende noch ein gut gemeinter Tipp: In dieser Situation ein paar Indianer rauszuschmeißen und dafür im Dutzend billiger neue Häuptlinge einzustellen – das ist ganz sicher nicht die Lösung des Problems!

Samstag, 26. Januar 2019

Betriebsversammlung Teil 3: Warum widerspricht sich die Geschäftsführung selbst?


Im Februar 2018 hatte Personalleiter Manfred Ries weitere Stellenstreichungen angekündigt. Rund 40 KollegInnen sollten auf die ein oder andere Art entsorgt werden. Der Protest des Betriebsrats ließ den Arbeitgeber kalt – bis das Gremium den Konflikt um die Arbeitsplätze vor das Arbeitsgericht brachte. Seither bestreitet die Geschäftsführung, dass Ries' Äußerungen tatsächlich so gemeint waren.

Diese Frage spielt bei den Verfahren vor dem Arbeitsgericht eine wichtige Rolle, weil sich der Betriebsrat bei seinen Zustimmungsverweigerungen auch auf den geplanten Personalabbau bezieht. Obwohl ein Gedächtnisprotokoll des BR-Vorsitzenden vorliegt, leugnen die gegnerischen Anwälte die Personalreduktion in den einschlägigen Verfahren. Als „Beweis“ führen sie an, dass es ja faktisch gar keinen Abbau, sondern in Summe sogar einen Personalaufbau gegeben habe. Dem aber widersprach auf der Betriebsversammlung am 17. Januar CEO Christian Sailer höchstpersönlich: Er erklärte vor versammelter Belegschaft eine Verringerung von 341 auf 317 Köpfe im Laufe des Jahres 2018.

Alles nur Missverständnisse und Zeitungsenten?

Offenbar wissen die Männer an der Spitze von WELTBILD selbst nicht mehr genau, was sie wollen bzw. was sie gerade tun. Sicher ist dagegen: Dass der für 2018 geplante Personalabbau nicht deutlich schmerzhafter ausgefallen ist, ist einzig der Widerständigkeit des Betriebsrats zu verdanken, der sich mit Händen und Füßen gegen eine weitere willkürliche und sinnlose Personalreduktion wehrt.

Leider sind die Pläne der Geschäftsführung immer noch nicht vom Tisch. Am 17. November 2018 konnte jedeR in der Augsburger Allgemeinen nachlesen, dass Christian Sailer auch in Augsburg einen weiteren Personalabbau anstrebt…

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Der Betriebsrat verwies kürzlich vor Gericht auf diesen Artikel als Beleg für die Pläne der Geschäftsführung. Daraufhin erklärte Personalchef Manfred Ries dem Richter, der Reporter habe Herrn Sailer eben falsch verstanden bzw. falsch zitiert. Dabei stammt der Bericht aus der Feder von Stefan Stahl, dem Leiter der Wirtschaftsredaktion der Augsburger Allgemeinen. Er ist bekannt – und in gewissen Kreisen auch gefürchtet – für seine bohrenden Nachfragen.

Es darf als sehr unwahrscheinlich gelten, dass sich ein erfahrener und renommierter Journalist „verhört“ hat. Und selbst wenn: Falls ein verantwortungsvoller Geschäftsführer in einem so wichtigen Punkt völlig falsch verstanden wird, dann bittet er doch um Richtigstellung in der Zeitung  – oder er informiert zumindest sofort intern die Belegschaft, dass es ein Missverständnis gegeben hat…

Nichts davon ist geschehen, und das hat Gründe: Es handelt sich nämlich um ein Missverständnis ganz anderer Art. Die Geschäftsführung von WELTBILD missversteht Personalplanung als kurzfristiges Steuerungsinstrument betriebswirtschaftlicher Ergebnisse. Anders gesagt: Wenn es – aus welchen Gründen auch immer – Defizite gibt, dann werden einfach ein paar Leute rausgeschmissen, und die Bilanz ist wieder in Ordnung.

Clown Executive Officer 

Dass diese simple Rechnung nicht aufgeht, sieht jeder, der WELTBILDs Abstieg unter der Düsseldorfer Herrschaft verfolgt hat. Nur CEO Christian Sailer nicht, der auf der Betriebsversammlung allen Ernstes erklärt hat, man befinde sich im „Jahr 3 nach der Insolvenz“ und WELTBILD habe vor der Pleite ja auch nur 500 MitarbeiterInnen in der Augsburger Verwaltung gehabt.

Für Nicht-WELTBILD-ler und den aktuellen CEO zum Mitschreiben: Vor der Pleite, die sich am 10. Januar 2019 zum 5. Mal gejährt hat, waren rund 1.300 VerwaltungsmitarbeiterInnen in der Augsburger WELTBILD-Zentrale angestellt. Weitere 1.200 KollegInnen sorgten im eigenen Versandzentrum für eine pünktliche und fehlerfreie Auslieferung der Kundenbestellungen. Insgesamt waren es also 2.500 MitarbeiterInnen allein in Augsburg. Deutschlandweit standen bei WELTBILD und den verbundenen Unternehmen, darunter die damals deutlich größeren Filialketten, rund 6.500 Menschen in Lohn und Brot.

Als er auf seinen Fauxpas aufmerksam gemacht wurde, reagierte der WELTBILD-Chef wütend: Offenbar hätten die vielen Leute ja auch nichts genutzt, an irgendwas sei der Laden schließlich pleite gegangen. Dieser Einwurf kam sehr gut an bei den MitarbeiterInnen, von denen viele seit 20, 30 Jahren bei WELTBILD sind und das Unternehmen mit aufgebaut haben.

Was der CEO sonst noch so zum Besten gegeben hat?

Fortsetzung folgt…

Freitag, 25. Januar 2019

Betriebsversammlung Teil 2: Darüber streiten WELTBILD und Betriebsrat vor Gericht


Noch nie in der 70jährigen Geschichte von WELTBILD standen sich Geschäftsführung und Betriebsrat so oft vor dem Arbeitsgericht gegenüber. Auf der Betriebsversammlung am 17. Januar 2019 fasste BR-Vorsitzender Timm Boßmann den Stand der juristischen Auseinandersetzungen zusammen. Für viele überraschend war sicher die Erkenntnis, dass nur vier der Verfahren seit Februar 2018 vom Betriebsrat eingeleitet wurden.

Die 4 Verfahren des Betriebsrats

Verfahren 1: Bereits im April 2018 zeigte der Betriebsrat die fortgesetzten Verstöße gegen die Betriebsvereinbarung „Flexible Arbeitszeit“ beim Arbeitsgericht an. Dieses Verfahren wurde am 19. September 2018 mit einem Vergleich abgeschlossen, der mehrere gerichtliche Auflagen für den Arbeitgeber beinhaltete. Erst danach war die Personalleitung bereit, über eine Regelung mit dem Betriebsrat zu sprechen. Diesen Sachverhalt haben wir im ersten Teil unseres Berichts zur Betriebsversammlung ausführlich dargestellt.

Verfahren 2: Hier ging es um die Einsetzung der Einigungsstelle zu den Verhandlungen über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan für den Personalabbau im Logistikkompetenzzentrum und die Ausgliederung von Beschäftigten in die WELTBILD FIlial GmbH.

Dieses Verfahren hat der Betriebsrat am 17. April 2018 vor dem Augsburger Arbeitsgericht gewonnen. Einen Tag vor Ablauf der Einspruchsfrist am 9. Mai hat der Arbeitgeber eine juristisch völlig aussichtlose Beschwerde beim Landesarbeitsgericht in München eingelegt und so das Ende des Verfahrens nochmals um 3 Monate hinausgezögert. Das Landesarbeitsgericht bestätigte den Augsburger Richterspruch erwartungsgemäß und damit endete dieses Verfahren am 25. Juli 2018.
Leider hat die Einigungsstelle bislang keine Ergebnisse gebracht, außer dass der Arbeitgeber die Überleitungsvereinbarung von 2014 gekündigt hat. Wir berichteten hier ausführlich.

Verfahren 3: Obwohl diese Einigungsstelle noch nicht abgeschlossen ist, hat der Arbeitgeber mehrere KollegInnen und Kollegen in die WELTBILD Filial GmbH ausgegliedert. Dabei wurde zum Teil massiver psychologischer  Druck seitens der Personalleitung aufgebaut, um die KollegInnen in eine Gesellschaft zu zwingen, die keinen Betriebsrat hat, und die faktisch ohne Vermögen ist, aus dem im Falle einer Insolvenz Abfindungen gezahlt werden könnten.

Der Betriebsrat hatte dagegen vorgeschlagen, eine Regelung zu treffen wie im Falle der Übergänge in die Jokers GmbH und die Editionen GmbH. Diese beiden Gesellschaften werden als gemeinsame Betriebe mit der WELTBILD geführt. Das heißt: im Falle von Personalmaßnamen bestehen – auch finanzielle! – Ansprüche gegenüber der WELTBILD und der bewährte Betriebsrat bleibt für die KollegInnen zuständig.

Nachdem die Geschäftsführung das rigoros ablehnt, hat der BR eine Klage bei Gericht eingereicht, das feststellen soll, dass der gemeinsame Betrieb faktisch ohnehin besteht und entsprechend zu verfahren ist, egal ob die Geschäftsführung darin einen eigenen Vorteil sieht oder nicht. Der Kammertermin in diesem Verfahren wird am 17. April diesen Jahres sein.

Verfahren 4: Im Betriebsverfassungsgesetz gibt es zwei Paragraphen, die eine Beteiligung des Betriebsrats an der Personalplanung des Unternehmens gesetzlich vorschreiben. Das sind der § 92, der diese sogenannte „Unterrichtungs- und Beratungspflicht“ konkreter beschreibt und der § 92a, der den Arbeitgeber zwingt, verschiedene Maßnahmen der Beschäftigungssicherung mit dem Betriebsrat zu beraten und die Vorschläge des Betriebsrats in diesem Zusammenhang zumindest ernsthaft zu prüfen.

Beides findet bei WELTBILD – natürlich –  nicht statt. Deshalb hat der BR das Gericht bemüht, dem Arbeitgeber aufzugeben, seinen Verpflichtungen zukünftig nachzukommen. Dieses Verfahren läuft ebenfalls noch und der nächste Termin findet am 14. März statt.

Die meisten Prozesse hat der Arbeitgeber eingeleitet

Im Gegenzug hat der Arbeitgeber insgesamt 10 Verfahren gegen den Betriebsrat eingeleitet. Es handelt sich dabei um Zustimmungsersetzungsverfahren im Zusammenhang mit Neueinstellungen. Im Laufe des letzten Jahres hat der Betriebsrat in 12 von insgesamt 31 Neueinstellungen seine Zustimmung verweigert. Das hatte unterschiedliche Gründe, zum Beispiel,

  • weil die Neueinstellung auf einem Arbeitsplatz erfolgen sollte, den auch eineR der gekündigten Beschäftigten aus dem Logistikkompetenzzentrum hätte übernehmen können, oder 
  • weil neue MitarbeiterInnen für eine Position eingestellt werden sollten, die bereits von einem oder einer KollegIn besetzt ist. Das hat in der Vergangenheit schon einmal dazu geführt, dass nach einer solchen Neueinstellung die Person, welche die Stelle bis dahin innehatte, regelrecht weggemobbt wurde. Deshalb ist der BR in diesem Zusammenhang besonders kritisch.
  • weil dem Betriebsrat wichtige Informationen fehlen, was der oder die Neueingestellte in Abgrenzung zu den anderen KollegInnen in der Abteilung überhaupt tun soll. Aber die Personalleitung weigert sich offenbar aus Prinzip, Stellenbeschreibungen zu verfassen und schaltet auf stur – um den Preis eines teuren Gerichtsverfahrens…
  • Last but not least hat der Betriebsrat einen kleinen Teil der Einstellungen auch deshalb verweigert, weil sie dem geplanten Personalabbau gegenüberstehen: Im Februar letzten Jahres hat Personalchef Ries dem BR-Vorsitzenden mitgeteilt, dass der Personalstand auf unter 300 Beschäftigte gesenkt werden soll. Wenn gleichzeitig neues, zusätzliches Personal eingestellt wird, heißt das nichts anderes, als das für jede Person, die neu kommt, eine andere, die derzeit da ist, gehen muss. Dem kann ein Betriebsrat, der seine Verantwortung ernst nimmt, nicht zustimmen! 

Ob und in welchem Umfang die Geschäftsführung weitere Arbeitsplätze streichen möchte, war auch im weiteren Verlauf der Versammlung Thema.

Fortsetzung folgt…

Donnerstag, 24. Januar 2019

Betriebsversammlung Teil 1: Zusammenarbeit mit der GF bleibt schwierig


Bei der ersten Betriebsversammlung des Jahres am vergangenen Donnerstag platzte der Versammlungsraum aus allen Nähten. „Schön wieder hier zu sein!“, begrüßte Timm Boßmann die Belegschaft. Der Betriebsratsvorsitzende spielte damit auf den gescheiterten Versuch der Geschäftsführung an, ihn mit haltlosen Anschuldigungen zu kündigen. Die KollegInnen quittierten das mit donnerndem Beifall.

Boßmann bedankte sich für die Unterstützung durch ver.di und andere  Gewerkschaften, für den Beistand der KAB/Betriebsseelsorge und bei weiteren Organisationen, PolitikerInnen sowie zahllosen Privatpersonen, die bundesweit gegen die ungerechtfertigte Kündigung Position bezogen hatten.

Am meisten habe ihn aber die starke Solidarität im Betrieb gefreut, sagte der Vorsitzende: „Ich glaube, ich bin noch nie in meinem ganzen Leben so oft gefragt worden, wie es mir geht! Liebe Kolleginnen und Kollegen: Danke, es geht mir gut.“ Applaus!

Weil die Geschäftsführung nach der Niederlage vor Gericht eine verzerrte Version des Ergebnisses per E-Mail an die Belegschaft verschickt hatte, stellte Boßmann abschließend klar, was bei der Gerichtsverhandlung Ende November tatsächlich herausgekommen war: „Es hat keinen Vergleich irgendeiner Art gegeben. Ich habe keine Abmahnung für irgendeine Verfehlung bekommen. Der Arbeitgeber hat vom Gericht in keiner Weise Recht bekommen, sondern ist zu 100% gescheitert.“

Ungenügend: Umzugspläne und Gesundheitsschutz

BR-Mitglied Hannes Walk berichtete Neuigkeiten zum geplanten Umzug innerhalb der bestehenden Firmengebäude. Inzwischen liegen dem Betriebsrat dazu die kompletten Pläne der Geschäftsführung vor. Sie entsprechen in weiten Teilen aber nicht den gesetzlichen Vorschriften, wie die Sachverständige Tatjana Fuchs von der Gesellschaft für Gute Arbeit eindrucksvoll ausführte.

Danach musste Betriebsrätin Manuela Natterer wieder auf den Dauerbrenner „Psychische Gefährdungsbeurteilung“ zu sprechen kommen. Bereits Ende 2016 hatte  eine arbeitswissenschaftliche Untersuchung gravierende Belastungen offenbart. Trotzdem hat die Geschäftsführung bis heute keinerlei Schritte zu einer Verbesserung der Situation unternommen. Das wichtige Thema wird deshalb Ende Februar in einer gerichtlichen Einigungsstelle gemeinsam mit Sachverständigen verhandelt.

Neue Betriebsvereinbarung stärkt digitales Geschäft

Im Anschluss stellte die stellvertretende Vorsitzende Dolores Sailer eine neue Betriebsvereinbarung vor. Die BV „Mehrarbeit im Marketing“ ergänzt die BV „Flexible Arbeitszeit“ und schafft arbeitsrechtlich korrekte und gesundheitlich vertretbare Möglichkeiten, die Marketing-Aktivitäten in den Sozialen Netzwerken auch am Wochenende zu betreuen.

Damit reagiere der Betriebsrat auf die Veränderung der Arbeitsaufgaben im Zuge der Digitalisierung des Handels, führte Boßmann ergänzend aus: „Diese Betriebsvereinbarung ist der Beweis, dass es gelingen kann, die Erfordernisse des Geschäfts mit den Rechten und den gesundheitlichen Bedürfnissen der Beschäftigten unter einen Hut zu bringen. Man muss nur miteinander reden und bereit sein zu verhandeln. Dann geht das auch!“ Leider sei es keiner Geschäftsführung zuvor jemals so schwer gefallen, mit dem Betriebsrat konsensorientiert zusammenzuarbeiten.

So war es auch bei den Wochenendeinsätzen im Bereich Marketing, erzählte Dolores Sailer. Der BR musste tatsächlich vor das Arbeitsgericht ziehen, damit ein Richter der Geschäftsführung erklärt, was ihre Pflichten aus der Betriebsvereinbarung „Flexible Arbeitszeiten“ sind. Und selbst nach dem Prozess hat Personalchef  Ries eine Betriebsvereinbarung zunächst abgelehnt und wollte das Thema lieber outsourcen als eine vernünftige Vereinbarung zu treffen. Erst nachdem sich das als – vorhersehbarer – Rohrkrepierer erwiesen hatte, war vernünftig zu reden. Einmal am Verhandlungstisch wurde innerhalb weniger Tage eine Vereinbarung getroffen, von der jetzt beide Seiten gleichermaßen profitieren.

Fortsetzung folgt…

Dienstag, 15. Januar 2019

Einladung zur Betriebsversammlung


Die erste Betriebsversammlung von Weltbild 

im Jahr 2019 findet statt am 

Donnerstag, den 17.01. um 13:30 Uhr in der Böwe-Kantine. 


Alle Beschäftigten von Weltbild Deutschland sind herzlich eingeladen und können daran teilnehmen. 

Hierzu ein Hinweis: 
Betriebsversammlungen haben Vorrang vor anderen Terminen im Betrieb. Andere Termine sollten in diesem Zeitraum nicht angesetzt bzw. nach Möglichkeit verschoben werden. 

Auf der Tagesordnung stehen wichtige Themen, die die gesamte Belegschaft betreffen:
So zum Beispiel der aktuelle Stand des von der Geschäftsführung geplanten Umzuges innerhalb der vorhandenen Räumlichkeiten. Dieser Umzug betrifft nahezu alle Abteilungen. Außerdem die Frage, wie es mit der Betriebsvereinbarung zur Senkung der psychischen Belastungen weitergeht.

Die fortschreitende Digitalisierung gab Anlass für eine Betriebsvereinbarung zur Mehrarbeit im Bereich Marketing, die kürzlich abgeschlossen wurde. Der Betriebsrat informiert über die Regelungen, die nun gelten.


Weitere Themen werden sein:
Die gerichtlichen Auseinandersetzungen zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber
Die Einigungsstelle zum Personalabbau
Die wirtschaftliche Lage: Informationen zum letzten Weihnachtsgeschäft (Herr Sailer)
Und die variablen Gehaltsbestandteile der außertariflich Beschäftigten.

Neben Hans Gilg von der Betriebsseelsorge wird diesmal Tatjana Fuchs als Gast dabei sein, die den Weltbild-Betriebsrat in Fragen des Arbeitsschutzes mit ihrem Fachwissen berät.





Donnerstag, 15. März 2018

Betriebsversammlung


Am 14.03.2018 lud der Betriebsrat zu seiner ersten Betriebsversammlung nach den BR-Wahlen in die Böwe Kantine ein.

Pünktlich um 13.30 Uhr heißt der wiedergewählte BR-Vorsitzende Timm Boßmann die rund 200 Kolleginnen und Kollegen willkommen.



BR-Vorsitzender Timm Boßmann

Als Gast begrüßen darf der BR den ver.di-Handelssekretär, Thomas Gürlebeck.
Von Seiten der Geschäftsführung ist niemand anwesend, auch der derzeitige Personalchef , Manfred Ries, lässt  sich nicht blicken.

Vorstellung des neu gewählten Gremiums


Die Vorsitzende des Wahlvorstands, Dolores Sailer, stellt das aus neun ordentlichen Mitgliedern bestehende neu gewählte Gremium vor und bedankt sich herzlich bei den anwesenden KollegInnen für die rege Wahlbeteiligung von etwa 73%. Diese zeigt ganz klar, dass der Betriebsrat fest  in der Belegschaft verwurzelt ist.





Neben  der regulären Betriebsratsarbeit gibt es zudem die folgenden Ausschüsse:
  • Betriebsausschuss, zuständig für personelle Maßnahmen
  • Wirtschaftsausschuss, befasst sich mit den wirtschaftlichen Themen im Unternehmen
  • Paritätische Kommission, kümmert sich um alle räumlichen Belange und Umzüge
  • Gesundheitsausschuss, befasst sich mit allen gesundheitlichen Angelegenheiten
  • Konzernbetriebsrat (KBR)

Betriebsvereinbarung Bildschirmbrille


Dirk neu skizziert kurz den Weg zur Anfang des Jahres erfolgreich abgeschlossenen Betriebsvereinbarung "Bildschirmbrille" und dankt den aktiven Verhandlern des alten Gremiums für ihre Arbeit.
Die beiden wichtigsten Aspekte dieser Betriebsvereinbarung sind, dass zu einem, die Rechnung der Brille direkt an das Unternehmen geht, wenn der / die Mitarbeiter / In zum Vertragsoptiker Fielmann geht und dass zum anderen, Gläser bis zu einer Höhe von 200,00€ von Weltbild subventioniert werden, sollte der / die Mitarbeiter / In lieber zu seinem Optiker des Vertrauens gehen.

Wie man an die Brille kommt, erklärt Dirk Neu in fünf einfachen Schritten:
  1. Untersuchung durch die Betriebsärztin 
  2. Empfehlung für die Bildschirmbrille von der Betriebsärztin
  3. Betriebsärztliche Empfehlung bei der Personalabteilung abgeben
  4. Gutschein für Vertragsoptiker erhalten
  5. Brille beim Optiker in Auftrag geben und Gutschein einlösen (bzw. zum Optiker seiner Wahl gehen, Brille anfertigen lassen und bezahlen, Rechnung bei Weltbild einreichen und max. 200,00 € für die Gläser erstattet bekommen)
Die Betriebsvereinbarung ist im BR-Büro in der Rumpler Straße einsehbar. Wann die Betriebsärztin im Hause ist, kann man den Aushängen in der Teeküche entnehmen. Termine mit Frau Dr. Guha können über die Personalreferentin Frau Dittler vereinbart werden.

Wirtschaftliche Lage, Restrukturierung in Augsburg


Timm Boßmann beginnt seinen Bericht damit, den KollegeInnen zu schildern, wie der derzeitige Umgang seitens der Geschäftsführung mit dem Betriebsrat ist.
Anstatt die vom Wirtschaftsausschuss angeforderten Unterlagen zum Geschäftsjahr 2016/17 zu liefern, kündigte die GF die Regelungsabsprache. In dieser war festgelegt, welche Unterlagen in welcher Form, dem Wirtschaftsausschuss vorgelegt werden. 
Dieses Verhalten hat Streitigkeiten ausgelöst, wie und in welcher Form künftig der Betriebsrat zu informieren ist.
Auf mehrfaches Auffordern hin, wurde dem WIA dann die vorläufige Auswertung des zweiten Halbjahres 2017 vorgelegt. Erstes Fazit: trotz des weiter zurückgegangenen Umsatzes, bei gleichzeitiger Verbesserung der Margen im Bereich CM Non Media ist das Betriebsergebnis nicht so schlecht. Timm Boßmann wird die GF darum bitten, bei der nächsten Betriebsversammlung dazu Stellung zu nehmen.
Bedenklich ist allerdings, so der BR-Vorsitzende, dass der Bericht der Wirtschaftsprüfer für das Geschäftsjahr 2016/17 nach wie vor nicht vorliegt.
Dieses Testat ist deshalb besonders wichtig, da es zu einem die korrekte Abrechnung bestätigt und die Lebensfähigkeit des Unternehmens bezeugt. Gerade letzteres ist für die Banken und Warenkreditversicherer von enormer Bedeutung.

Man sei sehr gespannt, wann der Prüfbericht vorgelegt  und wie dieser ausfallen wird.

Auch ohne hellseherische Fähigkeiten ist wohl jedem einzelnen klar, dass im Hause Weltbild noch immer nicht alles in Ordnung ist.
Gerade was die Logistik-Kosten betrifft, wird es kaum verwunderlich sein, dass die Stückkosten weit über denen aus der ehemaligen Logistik in Augsburg liegen.
Der Umzug der Retoure aus Derching nach Bor wird ebenso problematisch sein, da die dort eingesetzten MitarbeiterInnen kaum oder gar kein Deutsch sprechen.
Dass auch bei den Töchtern nichts nach Plan läuft, zeigen  die angekündigten Filial-Schließungen der Weltbild Filialvertriebs GmbH und Jokers. 
Nicht zu vergessen, der massive Personalabbau in den Ländern. Medienangaben zufolge seien sowohl in Österreich, als auch in der Schweiz 20 stellen abgebaut worden. Genaue Zahlen kann der Betriebsrat leider nicht nennen, da die GF auch hier nicht kommuniziert.

Personalabbau auch in Augsburg


In einem kurz angebunden Gespräch im Aufzug, berichtet der Personalchef Ries  Herrn Boßmann von anstehenden Personalmaßnahmen.
Auf drei Listen stehen 41 Namen.
  1. Fünf  KollegInnen aus dem Logistikkompetenzzentrum (LKZ), welches geschlossen werden soll, werden gekündigt
  2. Sechs KollegInnen, die ausschließlich Tätigkeiten für die WBF verrichten, sollen in den Weltbild Filialvertrieb versetzt werden
  3. 30 weitere MitarbeiterInnen seinen entweder bereits gekündigt oder hätten selbst gekündigt, sind aber auf Grund von Kündigungsfristen noch auf der Payrole. Der andere Teil habe befristete Verträge (z.B. WerkstudentInnen), sei noch in der Probezeit oder wurde in eigene GmbHs ausgegliedert (Jokers). Zwei noch nicht namentlich genannte KollegInnen aus dem Bereich IT und CM Media werden im laufe des Jahres zudem das Haus verlassen müssen.
Ziel ist es, von momentan 329 Beschäftigten auf die , von Düsseldorf vorgegebene, Kopfzahl 298 zu kommen. 
Auf die Bitte nach einem offiziellen Termin, in dem über die anstehenden Maßnahmen ausführlicher gesprochen werden kann, reagiert Herr Ries mit einem Kopfschütteln und der Aussage: „Ich habe Sie ja jetzt informiert, den Rest erledigen die Kolleginnen aus der Personalabteilung.“

Das Gremium hat nun Konsequenzen gezogen, so der Vorsitzende.
Man hat den Kündigungen der KollegInnen aus dem LKZ widersprochen und der Betriebsausschuss widerspricht allen Neuanstellungen, sowie größeren Versetzungen.
Aus Sicht des Betriebsrats sind diese geplanten (oder bereits in der Umsetzung befindlichen) Maßnahmen Organisationsänderungen, die sozialplan- und interessenausgleichspflichtig sind.


Arbeitgeber verweigert bisher trotzdem Verhandlungen, daher angekündigt 

1) gerichtliche Einsetzung einer Einigungsstelle 

2) keine Zustimmung zu Neueinstellungen, bis diese Sache geklärt ist Wenn die Zahl 298 eine Konstante darstellt, dann muss für jeden, der neu kommt, jemand anderes gehen, der bereits da ist. 






Reaktion Arbeitgeber: 
• bestreitet Gültigkeit der Verträge 
• bestreitet, dass es sich um Organisationsänderungen handelt: 

- LKZ wird entgegen der ersten Ansage doch nicht geschlossen, sondern besteht mit 6 Leuten weiter   
- bei den Kündigungen bleibt es aber - die KollegInnen die zu WBF wechseln sollen, tun das weiterhin, werden aber sofort wieder in die WBD eingegliedert, so dass sich faktisch nur der Vertragsarbeitgeber ändert. Der tut das als Formalie ab, aber die KollegInnen wollen aus leicht  nach-vollziehbaren Gründen nicht wechseln

• bestreitet Notwendigkeit von Sachverständigen und E-Stelle 
• bedroht den Betriebsrat, in dem er sich Schadensersatzansprüche vorbehält (das habe nicht mal ein Hoffmann, getan!)

Beim letzten Jour fixe habe man erneut versucht, zu schlichten und für einen vernünftigen Umgang um gemeinsame Lösungen für die Probleme zu finden, geworben.
Denn eines haben die letzten vier Jahre deutlich gezeigt: 
Der massive Personalabbau hat den Umsatz nicht gesteigert und die Position von Weltbild am Markt sehr geschwächt.
Deshalb wirbt der BR für:
  • Dokumentation der Arbeitsprozesse bei Weltbild
  • "Breites Kreuz" in Düsseldorf zeigen und nicht jede sinnfreie Idee des Herrn Droege umzusetzten
  • Vertrauen in die Kompetenz der Beschäftigten in Augsburg

Der BR bedauert, dass diese Appelle bis jetzt vergeblich waren und kündigt an, die Konflikte zu verrechtlichen und die Rechte der MitarbeiterInnen vor Gericht einzuklagen. Man könne zwar nicht garantieren, so Boßmann weiter, ob es in allen Fällen funktionieren wird, man verliere aber nicht den Mut und gebe den Kampf nicht auf.

Aus der Sicht der Gewerkschaft


"Jetzt seid Ihr richtig im Handel angekommen". So steigt Gewerkschaftssekretär Thomas Gürlebeck ins Thema ein. Es sei ein typisches Verhalten der Geschäftsführer im Handel mit allen Mitteln zu versuchen, die langjährigen und teuren MitarbeiterInnen durch neue, "billigere" zu ersetzen.
Im Handel werden nicht konsensual Entscheidungen getroffen, sondern mehrheitlich über die Gerichte.
Er bedauert sehr, dass Weltbild nach wie vor eine starken Führungspersönlichkeit fehle, die - vor allem -  Ahnung von Online-Handel hat und nicht stets vor einem Investor kuscht, wenn dieser in seiner Ahnungslosigkeit mal wieder eine sinnfreie und schädigende Entscheidung für das Unternehmen proklamiert.
Allein die Tatsache, dass ein Personalchef  androht, den Betriebsrat auf Schadensersatz zu verklagen, zeigt deutlich, welches Niveau inzwischen erreicht ist. 
Dies Alles lässt aber auch Spekulationen nach der weiteren Lebensdauer der GF inklusive Personalchef zu. Man kenne Droeges Spielereien ja inzwischen.

Er kritisiert scharf, dass die GF  den verbliebenen 329 KollegInnen keinerlei Wertschätzung entgegenbringe und auf Umgangsformen, die in den 1980ern und 1990ern populär waren, zurückfällt.

Er appelliert an die Anwesenden: "Ist der Personalchef in Greifweite, Finger weg vom Kugelschreiber, wehret den Anfängen!"
Mit der Bitte, den Betriebsrat zu unterstützen, dankt Thomas Gürlebeck der Belegschaft für den unermüdlichen Einsatz für das Unternehmen Weltbild.

Da die KollegInnen sehr viel Info erhalten haben, die erst einmal verdaut werden muss, kommen im Anschlss an Thomas Gürlebecks Rede, erstmal keine Fragen auf.
Timm Boßmann und natürlich auch die andren BR-Mitglieder stehen aber immer für Nachfragen und Einzelgespräche zur Verfügung. 
 
Sich für das zahlreiche Erscheinen und die entgegengebrachte Aufmerksamkeit bedanken, schließt der Vorsitzende die Versammlung.



Sonntag, 11. März 2018

Samstag, 18. März 2017

WELTBILD-Logistik nimmt Abschied: Danke, Herr Dröge, für NICHTS!


"Ihr wart verantwortlich für die Arbeitsbedingungen von Menschen, die ihr gar nicht kennt." Sichtlich bewegt nahm ver.di-Sekretär Thomas Gürlebeck am Freitag Abschied von den KollegInnen der WELTBILD-Logistik. Als einer der wenigen streikfähigen Betriebe habe WELTBILD die Tarifverträge des bayerischen Buchhandels entscheidend geprägt. "Ohne euch ist die Luft raus", fürchtet der Gewerkschafter und bedankte sich auf der letzten Betriebsversammlung vor der Schließung bei den KollegInnen.



Auch BR-Vorsitzender Peter Fitz nahm nach 26 Jahren Abschied: "Den größten Teil von euch kenne ich schon seit Jahrzehnten, und es war mir immer eine Freude mit euch zusammenzuarbeiten. Wir haben in dieser Zeit viel erreicht, und wir konnten uns immer aufeinander verlassen. Ohne euch wäre es unmöglich gewesen, auch nur eine der zahlreichen Gehaltserhöhungen durchzuboxen."

Der BR wehrte sich bis zuletzt gegen die Schließung

Peter Fitz betonte, dass sich der Betriebsrat bis zuletzt "vehement und mit allen guten Argumenten" gegen die Schließung gewehrt hatte. Am Ende leider erfolglos: "Wieder einmal hat es ein Kapitalist, in unserem Fall ein Herr Droege aus Düsseldorf, geschafft, ein Unternehmen, das man nach der Insolvenz wieder gut hätte weiterführen und zum Erfolg bringen können, durch Ignoranz, Kaltschnäuzigkeit und Rechthaberei an die Wand zu fahren."

Das bestätigte auch Gürlebeck: "Ihr seid dafür verantwortlich, dass es 2014 weiterging. Durch euren unverdrossenen Einsatz war es möglich, Herrn Dröge ein zukunftsfähiges Unternehmen zu übergeben. Jetzt nimmt er WELTBILD die größte Stütze weg – eine funktionierende Logistik."

Das betonte auch die langjährige Betriebsrätin Visnja Bernhard: "Wir haben bis zum Schluss unseren Job gemacht. Wir gehen erhobenen Hauptes hier raus, denn wir sind es wert!" Zusammen mit Peter Fitz hat Visnja Bernhard den Betriebsrat von WELTBILD über Jahrzehnte geprägt. Etliche Betriebsvereinbarungen – wie zum Beispiel zur flexiblen Arbeitszeit – gehen wesentlich auf ihren unermüdlichen Einsatz zurück. Dafür und für den kämpferischen Einsatz als Gewerkschafter bedankte sich Thomas Gürlebeck bei beiden mit einem Blumenstrauß.



"Wir gehen erhobenen Hauptes hier raus!"

Im Anschluß meldeten sich auch die Betriebsseelsorger Erwin Helmer, Hans Gilg und Leo Bernhard zu Wort. Alle drei haben die WELTBILD-Belegschaft während der letzten Jahre intensiv begleitet und unterstützt. Helmer erinnerte an Artikel 14 des Grundgesetztes: Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen. "Da hat wohl jemand gelesen: Eigentum soll der Gemeinheit dienen. Ihr seid Opfer einer Gemeinheit geworden und falscher Versprechungen. Hier werden Menschen zu Spekulationsobjekten gemacht, das ist eine Ungerechtigkeit."

Hans Gilg von der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) erzählte von der Begegnung mit einer Kollegin: "Die hat mir gesagt: Dröge hat mir die Gesundheit genommen und jetzt auch noch meinen Arbeitsplatz und meine Existenz. Aber meine Würde nimmt er mir nicht." Gilg ist sich sicher: "Wenn ihr am letzten Tag in den Spiegel schaut, dann könnt ihr reinschauen, denn ihr habt bis zuletzt gekämpft. Ich weiß nicht, was ein Herr Dröge sieht, wenn er in den Spiegel schaut."

Milliardär Dröge jetzt auf Platz 15 der reichsten Deutschen

Dazu passte auch ein Hinweis von Peter Fitz: In dem Zeitraum, in dem Droege tausende von Arbeitsplätzen bei WELTBILD und in den Filialen vernichtete, "kletterte er von Platz 74 auf Platz 15 auf der Liste der reichsten Deutschen und hat inzwischen ein Privatvermögen von unvorstellbaren 6,4 Milliarden Euro angehäuft."

Entsprechend versammelten sich ein letztes Fähnlein ungebrochener Logistik-KollegInnen für ein letztes Foto hinter einem Banner mit der Aufschrift "Vom Retter zum Schredder – Hauptsache Dröge geht es gut!" Beendet wurde die Betriebsversammlung mit einigen Piccolos Sekt, den die Gewerkschaft ver.di spendiert hatte. Auf den Etiketten stand zu lesen, was den KollegInnen auf der Zunge lag: "Ich habe fertig… Danke, Herr Droege, für NICHTS!"


Donnerstag, 9. März 2017

Letzte Betriebsversammlung in der Logistik


Am 31. März schließt die Logistik von WELTBILD. Alle verbliebenen rund 300 KollegInnen wechseln für 9 Monate in eine Transfergesellschaft. Unsere KundInnen sollen künftig über ein Lager in Tschechien beliefert werden. Der Betriebsrat hatte sich bis zuletzt für den Fortbestand der Auslieferung in Augsburg eingesetzt. Das Management des ALSO-Konzerns, zu dem die Logistik seit der Insolvenz gehörte, führte gezielt eine erneute Pleite herbei und will den billig erworbenen Standort künftig für eigene Geschäfte nutzen. MitarbeiterInnen von der WELTBILD-Logistik werden dabei aber nicht übernommen. 



Montag, 12. Dezember 2016

Gefährdungsbeurteilung: Arbeit bei Weltbild macht Mitarbeiter krank


Am Donnerstag informierte der WELTBILD-Betriebsrat die Belegschaft über die Ergebnisse der psychischen Gefährdungsbeurteilung. „Die Ergebnisse sind alarmierend“, erklärte der stellvertretende BR-Vorsitzende Timm Boßmann auf der Betriebsversammlung.

Seit einigen Jahren schreibt der Gesetzgeber eine Gefährdungsbeurteilung der psychischen Belastungen für alle Arbeitsplätze vor. Der Betriebsrat von WELTBILD hat diese Untersuchung immer wieder eingefordert, stieß beim Arbeitgeber aber lange auf taube Ohren. Erst als die Gefährdungsbeurteilung zur Bedingung für die Betriebsvereinbarungen über die Umzüge der Verwaltung gemacht wurde, konnte die Interessenvertretung sich durchsetzen.

„Not und Elend“

Die entsprechende Befragung durch ein unabhängiges arbeitswissenschaftliches Institut fand Ende Oktober statt. Niemand hatte nach den Turbulenzen durch die Insolvenz ein berauschendes Ergebnis erwartet. Tatsächlich aber sind die psychischen Belastungen noch weit höher als erwartet. Boßmann: „In manchen Abteilungen haben wir Not, in anderen Elend, in einigen Not und Elend.“

Katastrophal sind insbesondere die Ergebnisse zum Organisationsklima. Hier attestieren die Arbeitswissenschaftler durchgängig „eine „sehr erhebliche Belastung“, das ist die höchste Gefährdungsstufe auf der Skala.


Ebenfalls unzumutbar sind die Stressoren, denen die MitarbeiterInnen bei WELTBILD täglich ausgesetzt sind. Auch hier wieder mehrfach der Ausschlag auf eine „sehr erhebliche Belastung“


Insgesamt ergibt sich ein dramatisches Bild.


Die wenigen grünen Punkte stellte Timm Boßmann, der die Ergebnisse zusammen mit Betriebsrätin Manuela Natterer präsentierte, positiv heraus: „Wir sehen, dass viele MitarbeiterInnen ihre Tätigkeit grundsätzlich gern machen und sich gegenseitig ein hohes Maß an kollegialer Unterstützung geben.“

Nichtsdestotrotz bestehe dringender Handlungsbedarf. Das zeige auch ein Blick auf die körperlichen Beschwerden, die bereits jetzt bei vielen KollegInnen aufgrund der psychischen Belastung manifestieren:


„Es kann nicht sein, dass fast ein Drittel der Beschäftigten nicht mehr richtig schlafen kann“, betonte Boßmann die Dramatik der Situation bei WELTBILD. Der Betriebsrat ist deshalb direkt nach der Präsentation der Ergebnisse auf die Geschäftsführung zugegangen, um dringend notwendige Maßnahmen zu besprechen. Ein zunächst zugesagter Termin wurde unter einem Vorwand wieder abgesagt. Erst am Mittwoch fand die Geschäftsführung Zeit für das wichtige Thema; konkrete Zusagen mochte sie aber nicht machen. „Wir fürchten, dass der Arbeitgeber hier auf Zeit spielt und dringend notwendige Maßnahmen nicht angehen will“, berichtete Boßmann.

Das kann auch Betriebsratsvorsitzender Peter Fitz nicht nachvollziehen. Er verwies auf einen kürzlich erschienenen Artikel in der Augsburger Allgemeinen: „Jeder Euro, den der Arbeitgeber für die Gesundheit der MitarbeiterInnen ausgibt, kommt dreifach zurück.“ Es würde sich also auch finanziell lohnen, wenn der Arbeitgeber seiner Fürsorgepflicht nachkäme. Der Betriebsrat hat dazu eine Anzahl konkreter Vorschläge und Maßnahmen entwickelt.

Betriebsrat hat konkrete Forderungen

  1. Ziele und Zeitplan festlegen: Welche Veränderungen wollen wir in welchem Zeitraum erreichen? Klares Commitment der Geschäftsführung, die Arbeitsbedingungen bei Weltbild nachhaltig zu verbessern 
  2. Workshops in allen acht Bereichen unter der Leitung von Fachleuten nach arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen. Teilnehmen sollen im ersten Schritt ausschließlich MitarbeiterInnen ohne die Führungskräfte. Ein Angebot und Terminvorschläge für Januar des mit der Umfrage betrauten Instituts liegen dem BR vor.  
  3. Aktives Change-Management: Workshops mit Führungskräften – welchen aktiven Beitrag können diese zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen leisten? 
  4. Etat einstellen: Was ist das Unternehmen bereit und in der Lage für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen finanziell aufzuwenden? 
  5. Betriebsvereinbarung: Wann werden Befragungen wiederholt, um festzustellen, ob die Maßnahmen wirksam waren 
  6. Mängellisten aus den Begehungs-Protokollen jetzt zügig abarbeiten 

Der Betriebsrat wird weiter versuchen, mit der Geschäftsführung ernsthafte Maßnahmen zu vereinbaren. „Wir sind gesprächsbereit und wollen verhandeln“, kündigte Boßmann an. „Gleichzeitig prüfen wir sorgfältig, welche Möglichkeiten das Arbeitsschutzgesetz noch bietet. Wenn es sein muss, bitten wir auch das Gewerbeaufsichtsamt um Unterstützung.“

Donnerstag, 13. Oktober 2016

ALSO-Logistik schließt – Tarifgespräche bei WELTBILD abgebrochen


Die Weltbild-Logistik schließt endgültig am 31. März nächsten Jahres. Das teilte Betriebsratsvorsitzender Peter Fitz heute der Belegschaft auf einer Betriebsversammlung in Lechhausen mit. Betriebsrat und Gewerkschaft haben seit der Insolvenz 2014 um den Erhalt der Logistik in Augsburg gekämpft.

Allerdings konnten sie nicht verhindern, dass die Logistik des Versandhändlers in eine rechtlich eigenständige Firma namens "ALSO Logistics Services" ausgegliedert wurde. Trotzdem gelang es der Interessenvertretung immer wieder, Fortführungsvereinbarungen für die Logistik auszuhandeln. Nach der – wie viele sagen: vorsätzlich herbeigeführten – Insolvenz der ALSO wurde in mehreren Schritten massiv Personal abgebaut. Am Ende blieben nur noch rund 280 von einst über 1.000 KollegInnen. Jetzt kam auch für sie das endgültige Aus.

ver.di: Verantwortung für das Desaster liegt in Düsseldorf

Gewerkschaftssekretär Thomas Gürlebeck von ver.di benannte laut und deutlich die Verantwortlichen für das Desaster: "Der Erfüllungsgehilfe von Walter Droege in Ausgburg, Geschäftsführer Hofmann, ist verantwortlich, dass ihr jetzt arbeitslos werdet." Die Entscheidung von WELTBILD, die Logistikdienstleistungen nach Tschechien auszulagern, habe das Ende der Logistik besiegelt. "Dabei hätte es viele andere und bessere Möglichkeiten gegeben, für die ver.di zusammen mit eurem Betriebsrat bis zuletzt gekämpft hat."

Betriebsrat: Abfindungen und Transfergesellschaft für die Betroffenen

Peter Fitz führte aus, was der Betriebsrat erreichen konnte: • Alle MitarbeiterInnen können bis Ende März bleiben, es gibt keine weiteren Entlassungen vor der Schließung. • Es wird Abfindungen geben, die den Rahmen des Insolvenzrechts maximal ausschöpfen. Die Auszahlung erfolgt aber erst in einigen Jahren, wenn der Betrieb komplett abgerechnet sein wird. • Alle KollegInnen erhalten das Angebot zum Übertritt in eine Transfergesellschaft, die bis Ende 2017 laufen wird. • Die Spedition A. Schmid, die einen Teil der Logistik-Dienstleistungen übernehmen wird, hat dem Betriebsrat garantiert, KollegInnen von WELTBILD einzustellen. Zunächst mindestens 15, später eventuell weitere. Das bekräftigte auch Personalvorstand Herbert Robel von A. Schmid, der auf Einladung des Betriebsrats an der Versammlung teilnahm.


Weitere Betriebsversammlung bei WELTBILD


Nach der Betriebsversammlung in Lechhausen folgte eine zweite Versammlung für die KollegInnen der WELTBILD-Verwaltung im Univiertel. Dort arbeiten die verbliebenen rund 300 MitarbeiterInnen der Verwaltung inzwischen. Im Mittelpunkt hier: Die psychische Gefährdungsbeurteilung, die auf Betreiben des Betriebsrats kommende Woche startet.

Psychische Gefährdungsbeurteilung startet nächste Woche

Ein wissenschaftlich qualifiziertes Institut wird zunächst einen Fragebogen im Internet freischalten, den jedeR MitarbeiterIn unter Wahrung vollkommener Anonymität ausfüllen kann. Basierend auf der Auswertung des Instituts werden noch in diesem Jahr Gespräche zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung folgen. Ziel: Die tägliche Belastung und Stressfaktoren für die ohnehin insolvenz-gebeutelte Belegschaft senken. "Die Qualität des Arbeitsplatzes wirkt sich nachweislich direkt auf die statistisch zu erwartende Lebenszeit aus", machte der stellvertretende BR-Vorsitzende Timm Boßmann die Bedeutung des Themas deutlich. Betriebsbrätin Manuela Natterer erläuterte anschließend Details zu der Untersuchung und dem Verfahren. Über den Start der Befragung wird in der kommenden Woche per E-Mail informiert. Der dort enthaltene Link ist auch vom heimischen Computer aus aufrufbar.

Logistik-Schließung gefährdet auch WELTBILD

Bei der Versammlung im Univiertel ergriff Thomas Gürlebeck erneut das Wort. Er schilderte nochmals eindringlich die Risiken, die für WELTBILD mit der Entscheidung verbunden sind, die Logistik nach Tschechien zu verlagern,: "Kein anderer Versandhändler tut das heute noch. Im Gegenteil: Jene, die ihre Logistiken früher einmal ausgelagert haben, holen sie gerade zurück, weil die Qualität leidet und die Kosten eher steigen als sinken." Als Beispiel nannte der Gewerkschaftssekretär den WELTBILD-Konkurrenten Amazon. "Die Geschäftsführung dort lehnt es strikt ab, Logistikkompetenz aus der Hand zu geben. Amazon geht den umgekehrten Weg und holt weitere Teile der Wertschöpfungkette Versand in den eigenen Konzern." Gürlebeck kann die WELTBILD-Entscheidung nicht nachvollziehen: "In jedem anderen Bereich nennt euer Management Amazon als Benchmark, aber ausgerechnet bei dieser lebenswichtigen Frage macht Amazon Unsinn?"

Tarifverhandlungen gestoppt


Die Schließung der Logistik gefährde das Unternehmen WELTBILD, machte Gürlebeck deutlich. Deshalb hat die Gewerkschaft ver.di jetzt auch Sondierungsgespräche zum Thema "Sanierungstarifvertrag" beendet. Die Geschäftsführung versucht seit einigen Wochen, mit ver.di einen Sanierungstarifvertrag zu verhandeln, der deutliche Einkommenseinbußen für die Beschäftigten bei WELTBILD zu Folge hätte. Unter anderem sollte es um das Urlaubs- und Weihnachtsgeld gehen. "Die Voraussetzung für weitere Beiträge der Beschäftigten zur Sanierung ist ein tragfähiges Zukunftskonzept für das Unternehmen. Das sehen wir im Moment nicht.", erklärte der ver.di-Sekretär.

Eine weitere Forderung sei die Rückkehr des Unternehmens in einen Flächentarifvertrag nach der Sanierung. Aber auch hier ist Gürlebecks Eindruck ausgesprochen negativ: "Die Zusicherungen eurer Geschäftsführung sind wenig glaubwürdig." Vielmehr sei man schon während der ersten Gespräche über widersprüchliche Aussagen der Arbeitgebervertreter gestolpert, die diese nicht auflösen wollten. Auch  deshalb habe die Tarifkommission sich einhellig für den Abbruch der Gespräche entschieden. Gürlebeck forderte die Geschäftsführung auf, ihre Hausaufgaben zu machen und sich das Vertrauen der ArbeitnehmerInnen zu verdienen: "Dann können wir uns im nächsten Jahr wieder an einen Tisch setzen."

Mittwoch, 13. Juli 2016

Betriebsversammlung: Was von WELTBILD übrig blieb


Ein trauriges Bild: In der sogenannten Dachser-Halle, aus der einst über 400 Filialen beliefert wurden, traf sich am Montag der klägliche Rest der WELTBILD-Belegschaft zur Betriebsversammlung. Wo einst die Sortieranlage in der Größe eines Einfamilienhauses mit Etikettier-Robotern und Fördertechnik um die Wette ratterte, stehen heute Bierbänke. Die hat man sich von einer Brauerei geliehen. Drumherum ist noch sehr viel freier Platz. Auf den Bänken sitzen vielleicht 400 Menschen, also zwei Drittel der Rest-Belegschaft, die einst 2.400 Köpfe zählte. 

Die Stimmung ist ruhig. Sind die KollegInnen gelassen, oder erwarten sie einfach nichts mehr? Direkt nach der Pleite Anfang 2014 war das noch anders. Damals war viel Angst in den Gesichtern zu lesen. Aber auch die Entschlossenheit, alles zu geben, um WELTBILD doch noch irgendwie zu retten. "Wir sind alle Weltbild", stand auf den Plakaten zu lesen und auf Buttons, die sich die KollegInnen angesteckt hatten.

Mitte 2014 schien die Trendwende sogar geschafft. Nach einem herben Personalschnitt war immerhin noch rund die Hälfte der ursprünglichen Belegschaft an Bord. Im Sommer 2014 wurde Walter P. Droege als neuer Investor mit tosendem Applaus willkommen geheißen. Der Milliardär aus Düsseldorf war angetreten, um den "gesunden Kern" von WELTBILD zu neuen Erfolgen zu führen. Er setze auf den Einsatz und die Leistungsfähigkeit der WELTBILD-Beschäftigten, hieß es. Die Identifikation mit dem Betrieb sei bei WELTBILD außergewöhnlich hoch, habe man in Düsseldorf erkannt. Das sei der Erfolgsfaktor für die Zukunft.

WELTBILD Stück für Stück kaputtgemacht

Nach den warmen Worten folgte eine kalte Dusche der anderen: Die Logistik wurde erst abgespalten und dann zielstrebig in eine Folgeinsolvenz geführt. Eine andere Firma aus dem Droege-Imperium hat bessere Verwendungsmöglichkeiten für die wertvollen Immobilien, die ihr durch den Insolvenz-Deal zufielen. Zukünftig soll WELTBILD über einen Partner in Tschechien ausliefern. Dort ist bis jetzt aber nur eine Baustelle.

Das Filial-Netz des einstmals größten Buchhändlers Europas wurde in mehreren Schritten auf weniger als ein Viertel zurückgeschnitten. Dazu scheute Droege auch nicht vor der Allianz mit einer dubiosen Scheinfirma zurück, die ebenfalls absehbar pleite ging. Die Beschäftigten dieser Filialen schickte man ohne nennenswerten Sozialplan in die Arbeitslosigkeit.

In der Verwaltung wurde hin und her und her und hin restrukturiert, begleitet von weiteren Entlassungswellen. Der Betriebsrat kämpfte bis zuletzt für einen besseren Businessplan und gegen die Kündigungen. Am Ende meldeten sich viele KollegInnen freiwillig für die Transfergesellschaft. Sie hatten die Hoffnung aufgegeben.

Nun also sitzt der traurige Rest der WELTBILD-Mannschaft in der stickigen Dachser-Halle. An den Wänden die typischen Hinterlassenschaften eines eiligen Auszugs: kaputte Paletten, Verpackungsmaterial, Elektroschrott. Vorne am Rednerpult die Geschäftsführung. Sie dankt den Beschäftigten für ihren Einsatz. Die lassen die Köpfe hängen. Die Kostenreduktion sei erfolgreich gewesen, sagt die Geschäftsführung. Die Blicke schweifen durch die leergeräumte Halle: 10.000 Kubikmeter heiße, abgestandene Luft. Jetzt wolle man wieder nach vorn, verspricht die Geschäftsführung, "raus aus der Abwärts-Spirale!" Niemand klatscht.

Der Betriebsrat hätte sich lieber geirrt

Der Betriebsrat ergänzt, was die Geschäftsführung vergessen hat zu erzählen: Zum Beispiel, dass der Betrieb des Spielzeugversenders KIDOH in den nächsten Wochen eingestellt werden wird. Es lohne nicht mehr, hatte die Geschäftsführung eine Woche zuvor mitgeteilt und weitere Entlassungen angekündigt.

Der Betriebsrat hält nichts von dem Plan, die Logistik in Augsburg stillzulegen. Aber wenn, dann müsse man wenigstens dafür sorgen, dass in Tschechien auch alles funktioniere. Das sei bisher keinesfalls gesichert.

"Wir haben in den letzten zwei Jahren viel öfter recht gehabt, als wir es uns selber gewünscht hätten", stellt die Interessenvertretung klar. "Zwei verlorene Jahre", nennt es der Gewerkschaftsvertreter. Man hätte sich lieber geirrt, sagt der Betriebsrat, und verweist zum gefühlten 100.000sten Mal auf die Kompetenz und Erfahrung der MitarbeiterInnen. Vielleicht ist die Geschäftsführung nach der zwei Jahre währenden Talfahrt jetzt doch bereit zuzuhören? Applaus der Beschäftigten, keine Reaktion der Geschäftsführung. Niemand stellt eine Frage.

Am Ende stürmt eine Kollegin aus der Logistik über ein Ladetor in die Halle hinein. Sie entert das  Rednerpult. Im kommenden Jahr wird sie arbeitslos sein, zusammen mit über 300 anderen KollegInnen aus der Logistik. Ausnahmslos alle müssen gehen: "Nach über 20 Jahren, in denen wir fleißig waren." Sie kann es einfach nicht verstehen.

Es ist vorbei. Jemand ruckelt das Rednerpult hinüber zu dem anderen Schrott bei der Wand. Draußen ist Badewetter. Die KollegInnen drängen die Rampe hinunter und verstreuen sich über den stillgelegten Ladehof. Nächste Woche wird auch dieses Gelände an den Vermieter zurückgegeben.

Donnerstag, 7. Juli 2016

Betriebsversammlung: Die Frage nach der Zukunft


Für die KollegInnen in Haunstetter hat der Betriebsrat einen Bustransfer organisiert. 
Abfahrt am Montag um 12:30 Uhr vor Böwe. Darüber hinaus können aber auch Fahrgemeinschaften gebildet (und abgerechnet) werden.

JedeR hat das Recht an der Versammlung teilzunehmen. Vorgesetzte sind gehalten, die Teilnahme zu ermöglichen, auch wenn dafür Besprechungen verschoben werden müssten. Die Veranstaltung dauert ca. 1,5 Stunden.


Mittwoch, 30. September 2015

Und jetzt? Schließungsdrohung (vorläufig) vom Tisch


Am 29.9. fanden zwei Teil-Betriebsversammlungen in den leerstehenden Hallen der Deutschen Papier statt. Am Vormittag wurden die KollegInnen der ALSO und nachmittags die von Weltbild informiert.

Die wichtigste Nachricht stellte BR-Vorsitzender Peter Fitz jeweils gleich an den Beginn: Die Logistik wird nicht zum Ende September geschlossen! Die auflaufenden Verluste der ALSO Augsburg werden von Weltbild getragen – garantiert bis zum Ende Januar 2016, eventuell darüber hinaus bis zum 30.6.2016. Dadurch hat der Betriebsrat Zeit gewonnen für weitere Verhandlungen. Dies war bis letzten Donnerstag noch nicht klar.

ALSO-Pleite trotz Rekordgewinnen des Konzerns 
RA Michael Huber, Rechtsberater des Betriebsrats, beleuchtete zunächst die rechtliche Lage der ALSO-Insolvenz. Er kam dabei u.a. zu dem Schluss, dass schon der von der ALSO bei Gericht eingereichte Insolvenzantrag falsch und fehlerhaft gewesen sei.

Klaus Warbruck, Wirtschaftsberater des Betriebsrats, bestätigte den Irrsinn des Insolvenzantrags seitens der ALSO Augsburg wegen "Peanuts", während gleichzeitig der ALSO-Konzern fette Gewinne einfährt. Dies bestätigte Peter Fitz auch mit dem Hinweis, dass der ALSO-Konzern eine weitere Steigerung seiner Gewinne in Jahr 2016 erwartet –trotz eines insolventen Betriebes in Augsburg.

Verdi-Betriebsgruppensprecher und stellvertretender BR-Vorsitzender Timm Bossmann ließ nochmals die zahlreichen Verhandlungsrunden Revue passieren. Bossmann beklagte, dass dem Betriebsrat gegenüber neben dem offensichtlich wenig kompetenten Herrn Wenz, sündteure Anwälte und Berater saßen, die aber gar nichts entscheiden durften.

Erpressung statt Verhandlung, abschöpfen statt investieren 
Die ALSO trat in den Gesprächen gar nicht mehr als Arbeitgeber auf, sondern wie ein x-beliebiger Investor, der eine Pleitefirma – mit der er natürlich nichts zu tun hat – übernehmen will. Sie wollen einen insolventen Betrieb kaufen auf Kosten der Allgemeinheit und der Belegschaft. Derzeit bekommen die KollegInnen Insolvenzgeld, das die Agentur für Arbeit bezahlt. Weiterhin hätte ALSO gerne während Umbauzeiten auch Kurzarbeitergeld, welches auch die Agentur für Arbeit bezahlt. Wenn die verbleibenden KollegInnen (150? 100?) weiter arbeiten, dann bitte für deutlich weniger Geld, aber dafür länger. Wenn der Betriebsrat das nicht mitmachen sollte, wurde immer wieder mit der Schließung gedroht. „Wir lassen uns nicht erpressen“, stellte Timm Bossmann klar.

Der Betriebsrat hat immer wieder gefordert, dass die Entscheider am Verhandlungstisch sitzen müssen. Auch der Einigungsstellen-Vorsitzende Holger Dahl hatte dies unterstützt und Walter Droege zum zweiten Termin "eingeladen". Gekommen ist der Düsseldorfer Milliardär nicht – statt dessen kam der Insolvenzantrag. In der letzten Woche dann gab es eine Einladung auf ne Tasse Kaffee mit Herrn Moeller-Hergt, Aufsichtsratsvorsitzender der ALSO, am Münchner Flughafen, für ne halbe Stunde. Dies hat der Betriebsrat dankend abgelehnt.


Verdi-Sekretär Thomas Gürlebeck betonte, dass Betriebsrat und Gewerkschaft keine Abschlüsse tätigen werden, die a) unterirdisch sind und b) keinerlei Nachhaltigkeit und Sicherheit für die Beschäftigten bieten würden. Auf der zweiten Versammlung sagte Thomas Gürlebeck „das was bei ALSO passieren sollte, wäre eine Blaupause für Weltbild gewesen. Wenn es einmal geklappt hätte, dann auch noch ein zweites Mal, aber nicht mit uns.“

Am 8. Oktober trifft sich der Betriebsrat mit beiden Betriebsteilen in der Einigungsstelle um weiter zu verhandeln.

Dienstag, 4. August 2015

Droege boykottiert Einigung zwischen GF und BR


Auf der Betriebsversammlung von WELTBILD und ALSO in Augsburg erlebten die Beschäftigten des gemeinsamen Betriebs heute ein Wechselbad der Gefühle. Einleitend berichtete BR-Vorsitzender Peter Fitz vom Ergebnis der Einigungsstelle am Freitag. Betriebsrat und Geschäftsführung war es nach Monate langem Ringen gelungen, zumindest für den Bereich WELTBILD eine gemeinsame und tragfähige Lösung zu finden: ein freiwilliges Ausstiegsprogramm für die KollegInnen im kaufmännischen Bereich sollte betriebsbedingte Kündigungen unnötig machen.



Gestern wurden die Beratungen von Freitag fortgesetzt und die Eckpunkte des Freiwilligen-Programms gemeinsam mit Rechtsanwältinnen konkretisiert. Sogar die Arbeitsagentur kam am Nachmittag mit an den Verhandlungstisch und sagte eine Finanzierung über Transferkurzarbeitergeld (KuG) zu.

Die Eckpunkte des Freiwilligen-Programms bei WELTBILD

• Niemand muss gehen, der nicht gehen will.
• Wer freiwillig aussteigt, erhält die Sozialplanleistungen, die 2014 vereinbart wurden: 12 Monate Transfergesellschaft und eine gedeckelte Abfindung von maximal 45.000 Euro.
• Zielgröße des Stellenabbaus über das Freiwilligen-Programm sind 50 Vollzeitstellen. Es steht eine deutlich größere Bandbreite an "ausstiegsfähigen" Stellen zur Verfügung.
• Im Ergebnis kann jedeR gehen, wenn sein bzw. ihr Ausscheiden betrieblich organisierbar ist. Aber niemand hat einen Rechtsanspruch auf einen Ausstieg.
• Um das sinnvoll und diskret zu organisieren, wird eine paritätische Kommission gebildet, in der die Geschäftsführung und der Vorsitz des Betriebsrats gleichberechtigt vertreten sind.

Das war das Ergebnis von gestern Abend. Heute morgen informierte Geschäftsführer Patrick Hofmann den Betriebsrat, dass es kein OK von Düsseldorf gebe. Er sah sich heute außerstande, die verbindlichen Zusagen von gestern zu halten. Droege hatte in der Nacht per Telefon den mühsam errungenen Kompromiss kassiert.



Nichts desto trotz präsentierte Hofmann gemeinsam mit Geschäftsführer Sikko Böhm auf der Betriebsversammlung Erfolg versprechende Wirtschaftszahlen. Im Betriebsteil WELTBILD sei man auf einem guten Weg.

Bei ALSO stehen die Zeichen weiter auf Sturm

Gänzlich anders die Situation im Logistikbereich ALSO: Völlig überraschend hatte die Geschäftsführung von ALSO drei Tage vor dem Termin der Einigungsstelle einen Insolvenzantrag gestellt. Der Grund: Walter Droege hatte als Mehrheitsgesellschafter der Muttergesellschaft "ALSO Deutschland" dem Betrieb in Augsburg von heute auf morgen die Finanzierung entzogen. (Wir berichteten.) So will der Düsseldorfer Milliardär Massenentlassungen und die Auflösung der gültigen Tarifverträge mit Gewalt durchdrücken. "Das ist eine Sauerei und Missbrauch des Insolvenzrechts!", brachte ver.di-Sekretär Thomas Gürlebeck die Vorwürfe der Gewerkschaft auf den Punkt. "Wir werden genau überprüfen, ob sich Droege hier noch im Rahmen der Gesetze bewegt, oder ob die Bereicherung auf Kosten der Allgemeinheit einen illegalen Akt darstellt." (Presseerklärung der ver.di)



"Durch die vorsätzlich herbeigeführte Insolvenz der Logistik, gefährdet Walter Droege den gemeinsamen Betrieb von WELTBILD und ALSO in Augsburg!", entrüstete sich auch Peter Fitz: "Das ist ebenso unverantwortlich wie unverständlich, weil wir am Freitag in der Einigungsstelle bewiesen haben, dass tragfähige Lösungen gemeinsam möglich sind."

"Mit dem Eintritt in die Insolvenz verunmöglicht Droege jede vernünftige Einigung", führte Gürlebeck aus. "Diejenigen, die unter einem Arbeitsplatzverlust am meisten zu leiden haben, sollen jetzt gleichsam nackig auf die Straße gesetzt werden", erklärte Gürlebeck und kündigte konsequenten und öffentlichkeitswirksamen Widerstand gegen das "rücksichtslose und menschenverachtende" Vorgehen des Düsseldorfer Investors an.

Montag, 27. Juli 2015

Betriebsversammlung: Einigungsstelle und wirtschaftliche Lage


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

am Freitag, 31. Juli, findet die zweite Sitzung der Einigungsstelle statt. Am Montag, 3. August, tritt der Wirtschaftsausschuss zusammen. Wir möchten euch ganz aktuell und umfassend informieren und laden deshalb zur Betriebsversammlung ein:

Dienstag, 4. August, 
10:00 Uhr
Halle Deutsche Papier 
(Steinerne Furt 75)

Tagesordnung: 

  • Bericht über die Verhandlungen in der Einigungsstelle 

  • Darstellung der wirtschaftlichen Lage durch die Geschäftsführung 
  • 
Das meint die Gewerkschaft (Thomas Gürlebeck, ver.di) 





Montag, 16. März 2015

Betriebsversammlung: Wie weiter bei Weltbild?



Mittwoch, 
18. März, 14:00 Uhr
Halle Deutsche Papier
(Steinerne Furt 75)


Der Betriebsrat berichtet über den aktuellen Stand der Gespräche.

Die Geschäftsführung ist eingeladen, die geplanten Massenentlassungen darzustellen und zu erklären, wer die Arbeit in Zukunft erledigen soll.

Außerdem erwarten wir einen detaillierten Bericht zur wirtschaftlichen Lage und klare Aussagen, was die GF unternehmen will, um die Umsätze zu steigern und die Auftragslage bei ALSO zu verbessern.

Herr Walter P. Droege wurde ebenfalls eingeladen. Mal sehen, ob er den Mut hat, den Menschen ins Gesicht zu blicken, deren Existenzen er gerade vernichtet.

Donnerstag, 13. November 2014

Betriebsversammlung Weltbild 12.11.2014


Wieder einmal hatten wir eine Betriebsversammlung, in der wir uns über Arbeitsplatzbedrohung und Probleme unterhalten mussten, statt über Erfolge, Gewinne und Erfolgsprämien.
Doch dieses Mal wäre das nicht notwendig gewesen, wenn der Investor Herr Droege sein Wort halten würde und die Geschäftsführung die Geschäfte führen würde, statt sie zu verhindern.
Geschäftsverhinderer oder Geschäftsvernichter wäre die richtigere Bezeichnung für diese Herren, so war der Tenor der Versammlung.

Mehrere Male wurde die Forderung laut, statt dreier unfähiger Geschäftsführer fordern wir einen, der sich mit dem Handel auskennt und das Konzept Weltbild 2.0 weiter fortführt.
Diese drei Geschäftsführer und auch der Herr Droege hielten es übrigens nicht für nötig, sich den Fragen der Mitarbeiter zu stellen, sie blieben trotz Einladung der Betriebsversammlung fern, sie kommunizieren lieber über die Presse mit ihren Mitarbeitern.



Der Betriebsratsvorsitzende Peter Fitz eröffnete die Versammlung.

In der letzten Betriebsversammlung jubelten wir noch über den Einstieg von Droege, heute sieht das ganz anders aus.
Droege sagte damals, es werde keine weiteren Entlassungen geben, er möchte Ruhe in dem Laden, Weltbild vernünftig fortführen und er sehe großes Potential in diesem Unternehmen.

Die Übernahme hat sich von Anfang Juli bis Anfang Oktober verzögert.
Das hat Umsatz gekostet, es wurden Werbemaßnahmen reduziert, was automatisch mit weniger Aufträgen einhergeht.
Am 1.10. hat die neue Geschäftsführung übernommen, es gab mehrere Treffen des Betriebsrats mit der Geschäftsführung und bis heute haben wir keine konkreten Aussagen über ein Konzept für Weltbild.
Die Geschäftsführung ist heute nicht anwesend trotz Einladung.

Die Geschäftsführung hat in vielen Abteilungen für Unruhe gesorgt, viele Mitarbeiter haben schon freiwillig das Haus verlassen.
Wo will die Geschäftsführung hin ?
Der Betriebsrat bekam die Aussage, 160 Vollarbeitsplätze sollen abgebaut werden, das sind ca. 200 Mitarbeiter wegen Teilzeitarbeitsplätzen, aber ohne einen Plan, wie Weltbild weitergeführt werden soll.
Man muss vermuten, die Geschäftsführer kennen das Geschäft nicht, ihnen sind nicht einmal die Betriebsvereinbarungen im Detail bekannt.

Die Werbung wurde eingeschränkt, ein TV-Spot wurde abgesagt, die Absage verursacht sicher auch Kosten.
Es liegt kein gemeinsames Konzept für Weltbild Retail und die Logistik (Also) vor.
Das Konzept der Geschäftsführung, welches sie nach außen tragen, besteht aus Überschriften wie kundennah, schnell, digital - keine Inhalte, ohne Substanz !
Ein Personalabbau ohne Konzept ist mit dem Betriebsrat nicht zu machen.
Peter Fitz stinkt es, dass die Geschäftsführung nicht hierher kommt und mit uns spricht.

Gewerkschaftssekretär Thomas Gürlebeck von ver.di folgte als nächster Redner.
Wir haben alle zusammen Weltbild gerettet und brauchen niemanden von extern, der uns sagt, wie Weltbild dasteht.
Droege hat gewusst, was er kauft, es ist nicht fair, jetzt so zu tun, als ob der aktuelle Stand eine Überraschung wäre.
Die drei Geschäftsführer kommunizieren nicht mit der Belegschaft, sondern über die Presse.

Diejenigen, die die Krise verschärft haben, bleiben jetzt der Betriebsversammlung fern.
Es ist kein Manager mit Handels-Expertise an Bord.
"Bescheidenheit üben" war im Interview mit der Augsburger Allgemeinen für Patrick Hofmann der Grund für die Absage des TV-Spots zum Weihnachtsgeschäft.
Das ist dummes Zeug.

Digitalisierung und Newsletter sprechen die Online-Junkies an, die von einem Angebot zum nächsten hüpfen.
Die Geschäftsführung läuft nachts durch die Räume, um die Lichter auszuschalten.
Das sind nicht die richtigen Manager.
Das Feld sollte freigemacht werden für richtige Manager mit Expertise.

Die zweite Chance für Weltbild wurde in der Insolvenz erarbeitet und dann kam der Investor.
Die Umsetzung des mit Roland Berger erarbeiteten Konzepts Weltbild 2.0 sollte ab 1.7.2014 starten, durch die Verzögerung im Investor-Prozess wäre es jetzt der 1.10.2014 gewesen, nun müsste es losgehen.

Es hört sich alles sehr nach Luftnummern an.
Ein Personalabbau ohne Zukunftsperspektive für Weltbild wird vom Betriebsrat und ver.di nicht mitgetragen, das muss dann über das Arbeitsgericht laufen.

Es ist Unterstützung von uns allen nötig.
Die Mitarbeiter müssen den überbezahlten Managern Nachhilfe geben und kritisch sein.

Niemand sollte meinen, wenn 200 Mitarbeiter gehen, dass dann der Arbeitsplatz sicher wäre.
Keiner weiß, was Droege vorhat.
Der hat sich darüber aufgeregt, dass man ihn im Flugblatt als Milliardär bezeichnet hat.
Es wurde eine Klage auf Schadensersatz angedroht.
Die Geschäftsführung bedroht den Betriebsrat mit Schadensersatzforderungen, wenn dieser die Belegschaft informiert.
Wir lassen uns nicht den Mund verbieten, wenn es darauf ankommt, sammeln wir.
Wir lassen uns diesen Umgang nicht gefallen.

Unsere Botschaft ist: wir wollen statt drei Geschäftsführer nur einen, aber diese drei müssen alle weg.
Wir brauchen jemanden, der den Schneid hat, auch zu werben.
Wir wollen, dass die Entscheider hierher kommen und sich unseren Fragen stellen.

Anschließend informierte Peter Fitz weiter.
Die Antwort von Herrn Droege auf die Einladung zu Betriebsversammlung war, dass er sich nicht in die konkreten operativen Einzelmaßnahmen einmischen würde und volles Vertrauen in die neue Geschäftsführung habe.
Sein Stichwort war "Corporate Governance".
Am 19.11.2014 ist der nächste Termin zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung, in der Hoffnung, dass ein tragfähiges Konzept vorgestellt wird. Dieses sollte sich an das vorhandene Konzept halten.
Überschriften reichen als Konzept nicht.

In der folgenden Diskussion gab es diverse Beiträge.
In der ersten Jahreshälfte soll es nur einen Katalog geben, nämlich zu Ostern !
Wir sehen hier niemanden mehr, der überflüssig wäre.
Wir haben die Schnitte schon hinter uns, wir haben nur noch die Hälfte Mitarbeiter und sind überzeugt davon, dass der Laden bei weiterem Personalabbau nicht mehr funktionsfähig ist.

Wir sind motiviert und müssen für Umsatz GEGEN diese Geschäftsführung sorgen !
Wir haben die Erwartung, dass wir zusammenhalten und uns nicht auseinander dividieren lassen !
Die Insolvenzverwaltung ist nicht amüsiert über die Entwicklung.
Wir hätten die besten Voraussetzungen - mit einer anderen Geschäftsführung !

Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende und ver.di-Betriebsgruppensprecher Timm Bossmann führte fort.
Es sind nur Floskeln: schnell, flexibel, kundennah, Online, Katalog, Ausbau der Filialen - es ist davon nichts zu sehen.
Alle sind schon jetzt bis oben hin voll mit Arbeit, wie soll das die Hälfte der Mitarbeiter machen ?
Es gibt Druck der Geschäftsführung, Filialen zu schließen - von wegen neue Filialen aufmachen !
Multichannel ist das, was wir können und was Amazon nicht kann !
Der Tolino wird vor allem in den Filialen verkauft.

In der Zeitung (Interview Augsburger Allgemeine mit den Geschäftsführern) wurde schlicht Unsinn erzählt.
Stichworte Familie und Kinder - aber von Kidoh ist nichts zu hören.
Stichwort Bescheidenheit als Begründung, den TV-Spot nicht zu senden: die Aussage wäre "wir sind wieder da" - was ist daran falsch ?
Stichworte Millionen Kataloge: es werden 3 Millionen Kataloge versendet, früher waren das 15 Millionen, das bringt natürlich dann auch nur einen Bruchteil des Umsatzes !
Der Satz von Patrick Hofmann in der Augsburgen Allgemeinen zur Sicherheit der Arbeitsplätze bei Weltbild ist eine Unverschämtheit.
Wir müssen jetzt alle zusammenhalten und bei Aktionen müssen alle Gesicht zeigen und auf die Straße gehen !

In der folgenden Diskussion gab es verschiedene Wortbeiträge.
Für Droege ist das der erste Konflikt mit einer arbeitsamen und wehrhaften Belegschaft.
Wir können uns gut vorstellen, dieses Mal mit 15 Bussen nach Düsseldorf zu fahren !
Wir müssen die Kameraden dazu bringen, das zu tun, was Händler machen: Umsatz !
Wir brauchen eine Rückmeldung von den KollegInnen, wenn irgendwo ein mieses Spiel gespielt wird.
Wir diskutieren zu diesem Zeitpunkt über keine personellen Maßnahmen mit der Geschäftsführung.

Die Kirche ist außen vor, die Geschäftsführung muss das Geld für personelle Maßnahmen selbst aufbringen.
Auch bei Paragon wäre die Kirche außen vor, nur ohne Investor wären wir alle in die Transfergesellschaft gegangen, dann aber ohne Abfindung.
Der Bestandschutz (Besitzstandwahrung) gilt für ein Jahr, außer es wird ein neuer Tarifvertrag abgeschlossen.
Im Rahmen der Übernahme darf es keine Entlassungen geben.
Eine betriebsbedingte Kündigung ist durch den Betriebsübergang nicht geschützt, daher wird mit weniger Umsatz argumentiert.
Weder Betriebsrat noch ver.di haben dieses Gesetz gemacht !

Die Tarifverhandlungen wurden jedesmal abgesagt oder abgebrochen.
Es gab keine vernünftigen Verhandlungen, man fragt sich, was das für Leute sind und fühlt sich an die Grundschule erinnert.

Frage: Frau Fink hätte gesagt, dass Gedis bis 2016 für Aufnahmen zur Verfügung stünde.
Antwort: Das ist faktisch falsch, am besten bei Frau Fink nachfragen !
Laut Aussage Personalabteilung hätten wir nichts schriftlich.
Aber wir wollen zum heutigen Zeitpunkt auch gar nicht über Kündigungen sprechen !
Wir wollen, dass Weltbild 2.0 durchgeführt wird !

Lasst uns zusammenstehen und nach vorne sehen, statt zu resignieren !
Lasst uns diesen Droege aus Düsseldorf daran hindern, dass er einfach unseren Laden zumacht !


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