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Mittwoch, 27. Mai 2020

Gnadenloser Stellenabbau


aus ver.di publik 02/2020

PAYPAL — Der amerikanische Online-Bezahldienst schrumpft seinen Standort in Berlin, auf Kosten hunderter Beschäftigter


Von Gudrun Giese | 20. März 2020

Berlin – "Für jeden eine gute Lösung" verspricht der Online-Bezahldienst PayPal auf seiner deutschen Website seinen Kundinnen und Kunden. Nur für die PayPal-Beschäftigten gilt das nicht. Sie leisten gute Arbeit und verhelfen ihrem Arbeitgeber damit zu schwarzen Zahlen, dennoch will die Geschäftsleitung seit dem vergangenen Jahr 309 von 355 Stellen am Standort Berlin-Wilmersdorf abbauen (ver.di publik 6_2019). Kosten darf das aber nichts: Bisher weigert sich der Arbeitgeber, angemessene Abfindungen und Ausgleichszahlungen zu zahlen. Deshalb haben Betriebsrat und ver.di Ende Februar mit einer öffentlichen Aktion auf die Missstände aufmerksam gemacht.

Wie smart PayPal wirklich ist


"Nachdem der Arbeitgeber in mehr als zehn Verhandlungsrunden nicht schlüssig darlegen konnte, warum am Standort Berlin über achtzig Prozent der Arbeitsplätze abgebaut werden müssen, und jedes Alternativkonzept ungeprüft verworfen hat, wollten wir auch der Öffentlichkeit zeigen, wie smart PayPal wirklich ist", sagt Mike Döding, Leiter des Fachbereichs Finanzdienstleistungen im ver.di-Landesbezirk Berlin-Brandenburg, anlässlich der Protestaktion vor dem PayPal-Sitz in Wilmersdorf. Die Wirklichkeit bestehe darin, in Deutschland Millionengewinne einzustreichen, gleichzeitig keine Steuern zu zahlen, da der europäische Firmensitz sich in Luxemburg und Irland befinde, aber letztlich "die Folgen und Kosten ungebremster Profitgier der Gesellschaft zur Last" zu legen.

"Es gibt diesen Standort seit 2011", sagt der Betriebsratsvorsitzende Anselm Mathes. "Bisher ist er kontinuierlich gewachsen, und unser Team arbeitet in der Kundenbetreuung ebenso wie im Verkauf von neuen Produkten an Händler." Doch trotz der positiven wirtschaftlichen Entwicklung gehe es der ehemaligen eBay-Tochter PayPal vor allem darum, Kosten zu reduzieren. "Aufgaben werden verstärkt an externe Dienstleister ausgelagert", sagt Mathes. Bei Externen würden derzeit ebenso zusätzliche Kapazitäten aufgebaut wie bei PayPal in Polen. Auch nach Irland möchte der US-amerikanische Online-Bezahldienst Aufgaben aus Berlin verlagern, findet dort aber nicht das passende Personal. "Die Geschäftsleitung hat ganz unverfroren erklärt, dass wir uns ja neu auf ausgeschriebene Stellen bewerben könnten", so der Betriebsratsvorsitzende.

Da mittlerweile wenig Hoffnung besteht, den Standort Wilmersdorf mit allen Stellen zu erhalten, und sich bereits mehr als 50 der dort Beschäftigten andere Jobs gesucht haben, wollen Betriebsrat und ver.di nun wenigstens einen guten Interessenausgleich und Sozialplan mit dem Arbeitgeber aushandeln. Aber hier erweist sich PayPal, das 2019 weltweit einen Umsatz von knapp 18 Milliarden US-Dollar verbuchte, als knauserig. Nach zahlreichen ergebnislosen Gesprächen hat die Arbeitgeberseite nun immerhin eine Einigungsstelle angerufen. Für den 2., 8. und 30. April wurden die ersten Verhandlungen terminiert.

Nachteilausgleich muss drin sein


"Eine Verständigung kann es nur geben, wenn PayPal angemessene Abfindungen inklusive eines Nachteilausgleichs zahlt", sagt Anselm Mathes. Sollten Beschäftigte etwa künftig in einem Call Center arbeiten müssen, hätten sie dort schlechtere Verdienstmöglichkeiten als bei PayPal. Diesen Nachteil müsse der Arbeitgeber ausgleichen. Zudem fordern Betriebsrat und ver.di eine Transfergesellschaft für alle, die nicht gleich eine neue Stelle finden.

Die PayPal-Zentrale im kalifornischen San José hatte den Berliner Standort bereits zum Jahresende 2019 auf nur noch 46 Kundenbetreuer*innen schrumpfen wollen. Als neues Ziel sei nun, so Anselm Mathes, Ende April ausgegeben worden. Doch angesichts der bisherigen zähen Verhandlungen glaubt er eigentlich nicht, dass das Unternehmen sich bis zu diesem Zeitpunkt zu Zahlungen in angemessener Höhe durchringen wird.

Freitag, 13. Dezember 2013

Verhandlung vor dem Landesarbeitsgericht noch vor Weihnachten


Der Widerspruch des Betriebsrats gegen die Einsetzung einer Einigungsstelle wird am

Donnerstag, 19. Dezember, ab 13:30 Uhr 
vor dem Landesarbeitsgericht, Sitzungssaal 12, 
Winzerer Str. 104, 80797 München.

verhandelt. Die Verhandlung vor dem Landesarbeitsgericht ist öffentlich. Interessierte KollegInnen sind herzlich willkommen.

Hintergrund: Der Arbeitgeber hat die Verhandlungen um einen Interessenausgleich in Bezug auf das Outsourcing des CCC einseitig für gescheitert erklärt und versucht, den Betriebsrat per Gerichtsbeschluss in eine Einigungsstelle zu zwingen.

Die Einigungsstelle unter dem Vorsitz eines Arbeitsrichters soll dann versuchen, doch noch einen Interessenausgleich zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat zu vermitteln. 

Der Betriebsrat ist nach wie vor der Überzeugung, dass die Schließung des eigenen Kundendienstes ein Schritt in die falsche Richtung ist: Die Einsparpotentiale sind vergleichsweise niedrig, die Risiken sind hoch.

Sollte das Landesarbeitsgericht gegen den Betriebsrat entscheiden und eine Einigungsstelle einsetzen, wird der Betriebsrat dort ein alternatives Konzept vorstellen, das die KollegInnen im CCC gemeinsam mit dem Sachverständigen Klaus Warbruck erarbeitet haben. Dieser Vorschlag beinhaltet Kostenoptimierungen ebenso wie eine nachhaltige Verbesserung des WELTBILD-Kundendienstes.

Erst wenn der Interessenausgleich auch vor der Einigungsstelle scheitert, also die Geschäftsführung weiter auf der Schließung des CCC beharrt, wird ein Sozialplan für die betroffenen 140 MitarbeiterInnen des CCC verhandelt. Zeitlich würden diese Verhandlungen ins erste Quartal des neuen Jahres fallen.

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Einladung zur Betriebsversammlung Montag 9.12.2013


Termin:  9.12.2013
Uhrzeit: 14 Uhr
Ort:        Kuppelsaal

Es gibt diesmal nur eine Veranstaltung für alle Mitarbeiter !

Themen sind (siehe auch Bild unten):

- Aktuelles aus dem Betriebsrat: Arbeitsgericht, Bundesagentur für Arbeit, befristete
Arbeitsverträge

- Zukunftskonzept CCC

- Vorstellung Hr. Schultheis

- Gründung einer Tarifkommission:
Um den Aktionismus der Geschäftsführung in geordnete Bahnen lenken zu können, haben die
Weltbild-ver.di-Mitglieder eine Tarifkommission gegründet und gewählt, die den Auftrag
hat, Verhandlungen mit der Geschäftsführung zum Abschluss eines
Beschäftigungssicherungs-Tarifvertrags und eines Tarifvertrags Altersteilzeit aufzunehmen.

- Wie geht es weiter bei Weltbild ? (Thomas Gürlebeck, Gewerkschaftssekretär ver.di
Augsburg)

- Arbeit haben (und nicht haben) (Hans Gilg, kath. Betriebsseelsorge)

- Betriebsratswahl 2014

Wir freuen uns über zahlreiche Teilnahme an der Betriebsversammlung !





Dienstag, 3. Dezember 2013

Vermittlungsversuch der Agentur für Arbeit gescheitert


Anfang November hat der Betriebsrat die Agentur für Arbeit um Vermittlung beim Streit um das Outsourcing des WELTBILD-Kundendienstes und die angekündigten 140 Entlassungen gebeten. Gestern fand der Termin in den Räumen der Agentur in München statt. 

Auf unserer Seite des Tisches: Betriebsratsvorsitzender Peter Fitz, ver.di-Betriebsgruppensprecher Timm Boßmann, der BR-Anwalt Michael Huber und BR-Sachverständiger Klaus Warbruck. Der Arbeitgeber war vertreten durch Personalleiter Michael Seher, CCC-Geschäftsleiterin Ilona Weigand, den Unternehmensberater Thomas Hohlfeld und Rechtsanwalt Dr. Wiegelmann.

Warum Outsourcing keine Lösung ist

Der Betriebsrat wollte erreichen, dass gemeinsam und ergebnisoffen über die geplante Auslagerung beraten wird. Eben so wie es das Betriebsverfassungsgesetz im Falle einer Betriebsänderung vorsieht. Die MitarbeiterInnenvertretung ist weiterhin der Auffassung, dass die Schließung des eigenen Kundendienstes ein Schritt in die falsche Richtung ist. Die Qualität der Kundenbetreuung wird – das zeigen die Beispiele in vielen anderen Firmen – sinken und WELTBILD weitere Umsatzeinbußen bescheren. Die möglicherweise einzusparenden Kosten von 1 bis 2 Millionen jährlich werden frühestens in 3 Jahren ergebniswirksam. Die Kündigung von 140 MitarbeiterInnen leistet damit keinen wirksamen Beitrag zur Refinanzierung des Unternehmens, sondern gefährdet die Substanz von WELTBILD weiter. Wir haben kein Kostenproblem, sondern ein Umsatzproblem.

Vertraulichkeit in den Verhandlungen

Nachdem beide Seiten unter dem Vorsitz von zwei Vertretern der Arbeitsagentur Vertraulichkeit in den Verhandlungen vereinbart haben, hier nur so viel: Auch dieser Versuch des Betriebsrats, doch noch außergerichtlich zu einer vernünftigen Abwägung der Interessen zu kommen, ist gescheitert. Weitere Termine mit der Agentur für Arbeit hat der Anwalt des Arbeitgebers mit dem Hinweis auf "Rechtssicherheit" in einem möglichen Verfahren vor dem Landes-Arbeitsgericht abgelehnt.

Hintergrund: Derzeit versucht die Geschäftsführung den Betriebsrat gerichtlich in eine Einigungsstelle zu zwingen. Das geht nur, wenn der Richter das Scheitern der Verhandlungen anerkennt. Die Bemühungen des Betriebsrats um einen ergebnisoffen zu verhandelnden Interessenausgleich widersprechen dem Ziel des Arbeitgebers, die Entlassungen möglichst schnell durchzuziehen.

Der Betriebsrat berät jetzt die weiteren Schritte und wird die Belegschaft in der Betriebsversammlung am 9. Dezember informieren.

Donnerstag, 21. November 2013

Presseschau


Es hat sich viel seit der letzten Presseübersicht ereignet.
Leider nichts Gutes.
Gemeinsam können wir uns anstrengen, etwas Gutes zu erreichen.

Die Presseübersicht beginnt mit den ältesten Berichten und endet mit den jüngsten.
Es gibt noch weit mehr Berichte als die unten stehenden, das sind dann aber gleichlautende, die keine weiteren Informationen bringen.

offener Brief an Halff (9.10.2013):
http://www.augsburger-allgemeine.de/wirtschaft/So-kaempfen-Weltbild-Mitarbeiter-um-ihre-Arbeitsplaetze-id27316407.html

Zur Demonstration am 26.10.2013:
http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Weltbild-Mitarbeiter-demonstrieren-gegen-geplanten-Stellenabbau-id27542757.html
http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.weltbild-verlag-in-augsburg-ein-trauermarsch-zum-bischofssitz.765b1a36-d53d-45c0-ae36-b9ce24193827.html
http://www.jungewelt.de/2013/10-29/002.php

Zu Herrn Schultheis:
http://www.augsburger-allgemeine.de/wirtschaft/Weltbild-holt-Experten-fuer-Sanierung-id27557582.html
http://www.br.de/nachrichten/schwaben/weltbildverlag-sanierer-schultheis-josef100.html

Ein aufschlussreiches Interview mit Herrn Halff (30.10.2013):
http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Weltbild-Chef-Halff-Unsere-Liquiditaet-ist-ausreichend-id27570422.html

Derweil überlegt man sich schon, wie man neue Mitarbeiter rekrutieren kann (30.10.2013):
http://www.haufe.de/personal/hr-management/employer-branding-kai-anderson-zur-kampagne-von-weltbild_80_205222.html

Weltbild in der Krise (15.10./22.10./31.10./3.11.2013):
http://www.sueddeutsche.de/bayern/weltbild-verlag-in-der-krise-druck-von-allen-seiten-1.1794944
http://www.sueddeutsche.de/medien/kirchliche-verlagsgruppe-weltbild-wankt-1.1800591
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/weltbild-verlag-in-der-krise-jede-filiale-muss-sich-rechnen-1.1807807
http://www.welt.de/print/wams/wirtschaft/article121482812/Baldiges-Millionengrab.html

Die Kirche investiert:
http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/katholische-kirche-insolvenz-von-weltbild-verlag-vorerst-abgewendet-12646418.html
http://www.internetworld.de/Nachrichten/E-Commerce/Handel/Insolvenz-vorerst-abgewendet-Weltbild-erhaelt-neues-Kapital-80980.html
http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Hoffnung-aber-keine-Erloesung-bei-Weltbild-id27631102.html
http://www.kathweb.at/site/nachrichten/database/58457.html
http://www.kath.net/news/43587
http://de.radiovaticana.va/news/2013/11/07/d:_engagement_bei_weltbild_ist_moralische_verpflichtung/ted-744548

Die Münchner Kirchennachrichten sind besonders gut informiert, sehr interessant der 2. Artikel, der den "Verlust" der Bischöfe von 130 Millionen auf 15
Millionen Euro relativiert (4.11./6.11.2013):
http://www.muenchner-kirchennachrichten.de/tagesheilige/tagesheiliger/article/alt-eigentuemer-muessen-130-millionen-euro-abschreiben.html
http://www.muenchner-kirchennachrichten.de/meldung/article/weltbild-soll-gewinne-erwirtschaften.html

Weltbild Plus:
http://www.buchreport.de/nachrichten/handel/handel_nachricht/datum/2013/11/05/minus-bei-weltbildplus.htm

Weltbild möchte KollegInnen entlassen und geht gleichzeitig auf Einkaufstour:
http://www.buchreport.de/nachrichten/handel/handel_nachricht/datum/2013/11/06/im-rueckwaertsgang-auf-die-datenbahn.htm
http://www.boersennews.de/nachrichten/artikel/wuwekuitisiert-uebernahme-von-buecherde-durch-weltbild/298108999/1000
http://www.neues-deutschland.de/artikel/838354.bischoefe-wollen-dem-weltbild-verlag-helfen.html
http://www.b4bschwaben.de/nachrichten/augsburg_artikel,-Verdi-kritisiert-WELTBILD-uebernimmt-buecherde-_arid,132029.html

Weltbild zerrt den eigenen Betriebsrat vor das Arbeitsgericht (15.11.2013):
http://www.buchreport.de/nachrichten/verlage/verlage_nachricht/datum/2013/11/15/konstruktiv-vs-kahlschlag.htm
http://www.br.de/nachrichten/schwaben/weltbild-kuendigungen-arbeitsgericht-100.html

http://www.sueddeutsche.de/C5O38E/1663452/Einigungsstelle-soll-Weltbild-Sozialplan-klaeren.html



Dienstag, 19. November 2013

ver.di-Mitglieder bei WELTBILD wählen Tarifkommission


Gestern Abend informierte die Gewerkschaft ver.di ihre Mitglieder bei WELTBILD im Rahmen einer Mitgliederversammlung.

Handelssekretär Thomas Gürlebeck fasste den bisherigen Verlauf der Auseinandersetzungen um das Outsourcing des CCC zusammen und machte deutlich, dass die Geschäftsführung im Auftrag der Gesellschafter handelt: "Die Kirche hat es in der Hand, was mit den Arbeitsplätzen bei WELTBILD geschieht."

Betriebsgruppensprecher Timm Boßmann erläuterte detailliert die rechtlichen Hintergründe des Einsetzungsverfahrens zur Einigungsstelle und erklärte den Unterschied zwischen Interessenausgleich und Sozialplan, und was das für die Beschäftigten bei WELTBILD bedeutet.

Betriebsratsvorsitzender Peter Fitz schilderte die Verhandlung vor dem Arbeitsgericht am Freitag und gab einen Ausblick auf den weiteren Verlauf der juristischen Auseinandersetzung, die jetzt in die zweite Instanz gehen wird.

Am Ende der Versammlung wählten die Mitglieder eine Tarifkommission, die zwei Tarifverträge für die KollegInnen bei WELTBILD verhandeln werden:

1. einen Perspektiv-Tarifvertrag zur Sicherung der Arbeitsplätze bei WELTBILD

2. einen Tarifvertrag zur Altersteilzeit, der den Arbeitsplatzabbau bei WELTBILD sozialverträglich gestalten soll.

Mitglieder dieser Tarifkommission sind in alphabetischer Reihenfolge: Visnja Bernhard, Timm Boßmann, Peter Fitz, Peter Hellriegel, Johannes Ihmenkamp, Manuela Natterer, Peter Reichert-Meißl, Dolores Sailer, Josef Trutt, Raimund Wegemer.

Die weitere Information der Belegschaft erfolgt in zwei Schritten: Am 29.11.2013 wird es eine Abteilungsversammlung im CCC geben. Dabei steht das Alternativkonzept im Mittelpunkt, das die Mitglieder einer ExpertInnen-Kommission zusammen mit dem BR-Berater Klaus Warbruck erarbeitet haben.

Am 9.12.2013 folgt eine Betriebsversammlung, bei der alle Beschäftigten über den aktuellen Stand im CCC informiert werden und die Erwartungen des Betriebsrats zum weiteren Fortgang der Restrukturierungsmaßnahmen diskutiert werden sollen.

Montag, 18. November 2013

Vermittlungsersuchen bei der Bundesagentur für Arbeit


Bekanntermaßen hat die Geschäftsführung von Weltbild die Vorschläge des Betriebsrates zur
Situation im CCC und zur allgemeinen Verbesserung der Geschäftsposition von Weltbild nicht nur
ignoriert, sondern ohne sich ernsthaft zu bemühen, die Verhandlungen für gescheitert erklärt und
die Einigungsstelle beim Arbeitsgericht Augsburg angerufen:
http://weltbild-verdi.blogspot.de/2013/11/verdi-ruft-zu-protesten-gegen-weltbild.html

Die Rechtsanwälte des Betriebsrates halten das für ein nicht zulässiges Vorgehen.
Daher bittet der Betriebsrat die Bundesagentur für Arbeit um Vermittlung in dieser Angelegenheit.
Da die Bundesagentur großes Interesse daran haben sollte, dass möglichst wenig Menschen ihre
Arbeit verlieren, ist zu hoffen, hier einen kompetenten Mitstreiter zu gewinnen.

Der Betriebsrat begründet die Anrufung auf Vermittlung damit, dass die Arbeitgeberseite voreilig
und einseitig eine Anrufung der Einigungsstelle durchführte, um möglichst schnell die Entlassungen
einleiten zu können.
Es wurde dem Betriebsrat von der Arbeitgeberseite keine Gelegenheit geboten, ein eigenes
sozialverträgliches Gegenkonzept zu entwickeln und vorzulegen.

Der Betriebsrat wäre selbstverständlich bereit, Maßnahmen mitzutragen, die die wirtschaftliche
Zukunft des Unternehmens sichern können.
Hinsichtlich der Schließung des CCC ist der Betriebsrat überzeugt, dass diese Kernkompetenz im
Hause erhalten bleiben muss.

Laut Betriebsverfassungsgesetz muss, wenn er angefordert wurde, erst der Vermittlungsversuch
der Bundesagentur für Arbeit durchgeführt werden, bevor die Einigungsstelle angerufen werden
kann.
Damit ist die Anrufung der Einigungsstelle durch die Geschäftsführung von Weltbild nicht zulässig.
Es bleibt zu hoffen, dass das die Einigungsstelle genauso sieht und sie das ganze Verfahren
zunächst auf den Vermittlungsversuch der Bundesagentur für Arbeit zurück verweist.

Donnerstag, 14. November 2013

Weltbild Geschäftsführung zwingt Betriebsrat in arbeitsgerichtliche Auseinandersetzung


Pressemitteilung von ver.di:

Im Konflikt um die Auslagerung des Kundendienstes (CCC) der Verlagsgruppe Weltbild und die damit verbundenen 140 Kündigungen hat die Geschäftsleitung ein arbeitsgerichtliches Verfahren gegen den Betriebsrat eingeleitet.

Ziel der Weltbild-Geschäftsleitung ist es, ohne jegliche inhaltliche Erörterung und Beratung über mögliche Alternativen den Betriebsrat in eine Einigungsstelle zu zwingen. Der Arbeitgeber will die betroffenen 140 Kolleginnen und Kollegen einfach so schnell wie möglich entlassen.

"Kahlschlagorgie" ohne Betriebsrat

Dass der Arbeitgeber den Betriebsrat in eine solche Auseinandersetzung zwingt,ohne vorher ernsthaft und mit dem Willen einer Einigung zu verhandeln, ist einmalig. "Die Geschäftsleitung will ihren eingeschlagenen Kurs der Kahlschlagorgie kompromisslos durchziehen“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Peter Fitz. "Dass die Geschäftsleitung nun das Arbeitsgericht als Machtinstrument missbraucht, ist ein deutliches Signal gegen den Betriebsrat und die Belegschaft. Aber wir werden diesen Aktionismus nicht unterstützen, und wir werden als Betriebsrat weiterhin dazu stehen, dass wir unsere Kolleginnen und Kollegen nicht verkaufen", so Fitz weiter.

Der zuständige ver.di Gewerkschaftssekretär Thomas Gürlebeck ist sichtlich erzürnt über die Vorgehensweise der Geschäftsleitung. "Da kann man sich als Weltbild-Beschäftigter schon langsam verarscht vorkommen. Zuerst heißt es, man muss Geld sparen und daher sei das Outsourcing des Kundendienstes notwendig. Dann wird ein neuer Geschäftsführer eingestellt, dessen Konzept unklar und wenig nachhaltig ist. Als nächstes schießen die Eigentümer Geld in das Unternehmen, um zu versuchen die Beschäftigten zu beruhigen. Fast gleichzeitig wird bekannt, dass Weltbild für Millionen bücher.de übernehmen will", sagt Gürlebeck verärgert. "Der Gipfel ist jetzt, dass der Betriebsrat durch das Arbeitsgericht gezwungen werden soll, ausschließlich über Abfindungen der CCC-MitarbeiterInnen zu verhandeln, statt über mögliche Alternativen der Weiterbeschäftigung. Unglaublich was da passiert", sagt Gürlebeck abschließend.

Mitarbeiter verlieren das Vertrauen in die Führung

Ver.di-Betriebsgruppensprecher Timm Boßmann fasst die Stimmung unter den Beschäftigten zusammen: "Bei den KollegInnen kommt an, dass ihre Interessen in der Krise an letzter Stelle stehen. Das ist keine gute Voraussetzung, um das Unternehmen wieder auf Spur zu bringen. Den Turnaround in die Gewinnzone schaffen wir nur gemeinsam." Boßmann weiter: "Die Beschäftigten warten immer noch auf positive Signale. Wenn Geschäftsleitung Kompromissbereitschaft zeigen würde, könnten wir endlich konstruktiv handeln. Die Eskalation vor Gericht untergräbt das Vertrauen in die Führung und beschädigt das Unternehmen langfristig."

Der erste Termin am Arbeitsgericht Augsburg findet am 15.11.2013 um 9:45 Uhrstatt.
Die Gewerkschaft ver.di lädt zu einer Solidaritätskundgebung ab 9:00 Uhr
vor dem Arbeitsgericht Augsburg, Frohsinnstraße, ein.


Dienstag, 12. November 2013

Ergebnis der letzten Umfrage






Was denken die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über die aktuelle Situation bei Weltbild? 
Wie schätzen die Beschäftigten die Lage ein?

Wir haben in dem Blog eine Umfrage gestartet, um das derzeitige Stimmungsbild einzufangen.
Ganz herzlichen Dank an dieser Stelle noch einmal an all die vielen KollegInnen, die daran teilgenommen haben.

Bis Samstag, den 09.11., sind insgesamt 301 Rückmeldungen eingegangen.

Die Umfrage ist natürlich nicht repräsentativ und jeder mag die Ergebnis-Grafiken deuten wie er möchte. Bei den Fragen sind Mehrfach-Antworten möglich gewesen, so dass in der Summe die Zahl teils höher ausfällt als 301.

Zur genauen Ansicht einfach auf die Bilder klicken.


1.) Zusammengenommen rund 86% schätzen die Lage als sehr ernst ein und/oder haben bei langjähriger Tätigkeit im Unternehmen noch nie so eine schlimme Situation erlebt. Nur 13% sind der Ansicht, es handele sich um eine schwierige Umbruchphase, die jedes Unternehmen irgendwann mal durchläuft.





2.) Nur 6% halten ihren Arbeitsplatz bei Weltbild noch für sicher. Die Verunsicherung ist groß: Ein Drittel kann die Gefährdung bzw. Sicherheit ihres Arbeitsplatzes nicht einschätzen. Und mehr als die Hälfte hält ihn in den kommenden Monaten für konkret gefährdet. Einigen anderen wurde bereits schon gekündigt.




3.) Lediglich 4% erscheint das Handeln der Geschäftsführung als souverän. Etwa ein Drittel vermutet, dass die Geschäftsführung selbst nicht wisse, wohin die Reise geht. Über 60% fühlen sich offenbar bewusst getäuscht und haben das Vertrauen bereits verloren.






4.) Insgesamt über 90% kritisieren das Verhalten der Bischöfe. 67% beklagen nicht nur fehlende Unterstützung, sondern glauben sogar, dass die Bischöfe aktiv den Stellenabbau vorantreiben.





5.) Der Betriebsrat erhält einen Zuspruch von 22%. Die beiden ersten Antworten offenbaren die Zwickmühle in der er sich befindet: Über ein Drittel meint er solle für den Erhalt der Arbeitsplätze kämpfen. Ein weiteres Drittel ist der Ansicht, er solle über Abfindungen verhandeln. Die beiden Größenordnungen halten sich in etwa die Waage. Das heißt: Es werden von der Belegschaft ganz unterschiedliche Erwartungen an ihn gerichtet, die schwer zu verbinden sind.

Momentan verfolgt der Betriebsrat das Ziel, um die Arbeitsplätze zu kämpfen. Somit kann man sagen neben den 22% reinen Zuspruch unterstützen auch weitere 35% den eingeschlagenen Weg.



6.) Auch in Hinblick auf die Gewerkschaften ist das Meinungsbild gespalten. 37% bewerten ihr Handeln als gut und 22% wünschen sich darüber hinaus noch mehr Einsatz und Aktionen. Zusammengenommen etwa 40% stehen der Gewerkschaft kritisch gegenüber.

Vergleicht man alle bisherigen Antworten miteinander ist jedoch klar erkennbar, das Betriebsrat und Gewerkschaft momentan wesentlich mehr Zuspruch und Vertrauen bei der Belegschaft genießen als die Geschäftsführung und die Eigentümer.




7.) 34% haben an der letzten Demo in Augsburg teilgenommen. Das ist für Weltbild-Verhältnisse ein hoher Wert. Aber 66% haben aus verschiedenen Gründen nicht teilgenommen. Bedenkt man, wie viele vorher angekreuzt hatten, dass sie ihren Arbeitsplatz in Gefahr sehen, dann verwundert es, dass nicht noch mehr zur Demo gegangen sind. 40% fürchten dabei, dass solche Aktionen dem Image von Weltbild schaden könnten. Das ist ein hoher Prozentsatz. Offenbar gibt es bei den Beschäftigten noch starke Vorbehalte gegen öffentliche Proteste. Ein Thema, das wir bald noch mal in einem eigenständigen Blog-Beitrag ansprechen werden.





8. Auf einer Skala von 1 bis 5 sollte bewertet werden, wie hoch man die Wahrscheinlichkeit einschätzt, dass weitere Stellen abgebaut werden. Das folgende Ergebnis spricht für sich, oder?




Fazit: Jeder mag diese Umfrage interpretieren, wie er möchte und darf sie auch gerne kritisieren.
Für uns ist sie ein wichtiges Stimmungsbild das insgesamt Folgendes zeigt:

Das Vertrauen in die Geschäftsführung und auch in die kirchlichen Eigentümer hat enorm gelitten.
Die Mehrheit der Weltbild-Beschäftigten sehen das Unternehmen in einer sehr kritischen Lage.
Über die Hälfte der Belegschaft fürchtet in den nächsten Monaten ganz konkret um ihren Arbeitsplatz.
Betriebsrat und Gewerkschaft finden einerseits Zuspruch, werden andererseits auch kritisch betrachtet.
Ein Teil der Beschäftigten ist bereits auf die Straße gegangen, um aktiv gegen Stellenstreichungen zu protestieren.
Viele Beschäftigte reagieren bislang zurückhaltend. Sie haben teils hohe Erwartungen an ihre institutionellen Interessenvertreter (Betriebsrat und verdi), scheuen aber derzeit noch davor zurück, sie aktiv zu unterstützen und sich selbst an Protesten und Aktionen zu beteiligen.





Freitag, 8. November 2013

Wie geht's weiter? Interview mit BR-Berater Klaus Warbruck


WELTBILD steckt im größten Umbau seit Bestehen der Verlagsgruppe. Auf der Zielgeraden ist das Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Jetzt machen die katholischen Gesellschafter Druck auf die Geschäftsführung. Carel Halff und Dr. Martin Beer fällt in dieser Situation wenig ein: Sie setzen einseitig auf Kostensenkung und Personalabbau. Alles andere geht weiter wie gehabt.

Der Betriebsrat setzt dagegen auf einen Optimierungsprozess unter Beteiligung der MitarbeiterInnen. Sie wollen mitreden und mitentscheiden, wie es in Zukunft weitergeht. Um die Beteiligungsrechte der Beschäftigten durchzusetzen, hat der Betriebsrat einen externen Berater hinzugezogen, der das Gremium mit betriebswirtschaftlichem und juristischem Sachverstand unterstützt. Die Blog-Redaktion hat Klaus Warbruck von www.brconsult.de zum Interview eingeladen.

Was sind deine Aufgaben in den nächsten Wochen?


Der Betriebsrat  hat entsprechend den betriebsverfassungsrechtlichen Möglichkeiten beschlossen, mich  für die jetzt anstehenden Interessenausgleichsverhandlungen als Sachverständigen zuzuziehen.

Wir haben im Verhandlungsteam – dazu gehören neben den BR-Vertretern auch noch Rechtsanwalt Michael Huber und ver.di Sekretär Thomas Gürlebeck – zunächst anhand der vorliegenden Unterlagen (Jahresabschlüsse, Präsentationen zur geplanten Reorganisation,…) die Ausgangslage für die Verhandlungen analysiert.

Meine Aufgabe bestand darin, diese Bestandsaufnahme in ein Positionspapier zu überführen, das als Grundlage für den ersten Meinungsaustausch am 14.10.2013 dienen sollte.

Ansonsten ist die Informationslage noch sehr rudimentär und aus Sicht der Interessenvertretung für eine qualifizierte Beratung auf keinen Fall ausreichend. Wir haben deshalb weitere Unterlagen angefordert, die im nächsten Schritt beurteilt und ausgewertet werden müssen.

Neben der konkreten Beschreibung der geplanten Veränderungen im CCC brauchen wir vor allem auch Informationen  zur wirtschaftlichen Lage der Weltbildgruppe (Wirtschaftsprüfbericht 2012/2013, Fortführungsprognose und kurzfristige Liquiditätsplanung für die nächsten Monate).
Von besonderem Interesse sind außerdem die Arbeitsergebnisse der Unternehmensberatung KPMG, die im Auftrag der Anteilseigner und in Abstimmung mit der Geschäftsführung ein auf zwei Jahre angelegtes Sanierungsgutachten erstellt hat.

Die Unterlagen und die Klärung der offenen Fragen mit der Geschäftsführung liefern den Rahmen für die Positionierung des BR im Interessenausgleich. Das gilt für freie Verhandlungen ebenso, wie für ein eventuell notwendiges Einigungsstellenverfahren.

Wir wollen uns als Verhandlungsteam aber nicht nur auf die Geschäftsführung als Informationsquelle verlassen. Alle von den Restrukturierungsmaßnahmen betroffenen Beschäftigten – aktuell die Mitarbeiter im CCC – sollen aktiv in den laufenden Verhandlungsprozess einbezogen werden. Dazu gehört die schriftliche Abfrage möglicher Verbesserungs- und Optimierungspotentiale genauso, wie die Einrichtung eines Expertenteams, dass die Verhandlungskommission bei der Erarbeitung eines qualifizierten Fortführungskonzeptes für das CCC unterstützen soll.

Meine Aufgabe ist die Sammlung der unterschiedlichen Vorschläge und Anregungen und die Überleitung der Arbeitsergebnisse aus der Mitarbeiterbeteiligung in die Verhandlungsführung.

Kannst du ein bisschen was über dich persönlich erzählen?


Jahrgang 1959. Arbeiterkind aus Duisburg-Walsum, dem die Chance gegeben wurde, Abitur zu machen und zu studieren. Sozialwissenschaften und Betriebswirtschaft. Parallel zum Studium mehrjährige BR-Tätigkeit. Nach dem Studium Assistent im Bildungszentrum Springe des DGB Bildungswerk e.V.. Seither – fast 25 Jahre – gewerkschaftliche Bildungsarbeit. Genauso lange umfangreiche Beratungstätigkeit/Schulungen für verschiedenste BR-Gremien. Seit 2008 Arbeitnehmervertreter  im Aufsichtsrat der swb AG Bremen. Wohnort: Buchholz in der Nordheide.

Was willst du zusammen mit dem Betriebsrat und der ver.di für die Beschäftigten bei WELTBILD erreichen?


Der Konflikt zwischen Geschäftsführung und Anteilseignern auf der einen und dem BR und ver.di auf der anderen Seite findet auf verschiedenen Handlungsebenen statt. Entsprechend unterschiedlich sind unsere Ziele.

Kurzfristig geht es um die Verhinderung der Fremdvergabe weiterer Leistungen aus der Kundenbetreuung an Dritte und um die Absicherung der 150 Arbeitsplätze im CCC. Hierzu brauchen wir einen Interessenausleich, der die zukünftige Aufteilung der Kundenbetreuung zwischen Eigenleistung und Fremdvergabe regelt und außerdem betriebsbedingte Kündigungen ausschließen soll. Dafür treten wir in den jetzt begonnenen Verhandlungen an.

Das geplante Outsourcing des CCC ist aber nur ein Teil des Kostensenkungspakets der Geschäftsführung. Wir brauchen eine Rahmenvereinbarung die gewährleistet, dass auch alle weiteren Maßnahmen und Teilprojekte vom abzuschließenden Interessenausgleich und Sozialplan erfasst werden. Und das mindestens für die nächsten zwei bis drei Jahre.

Wir sind auf der Arbeitnehmerseite übereinstimmend der Meinung, dass die bloße Abfederung möglicher Nachteile und – soweit das überhaupt durchsetzbar ist – die Verhinderung von Kündigungen insgesamt zu kurz greift.

Weltbild steht in einer existentiellen Krise, die einen grundlegenden Umbau der Unternehmensorganisation und eine strategische Neuausrichtung notwendig macht. Dieser Umbau geht nach unserem Verständnis nur mit den Mitarbeitern und nicht gegen sie. Wir streben einen konstruktiven Dialog mit der Geschäftsführung und den Anteilseignern an, um diesen – notwendigen und unabdingbaren – Umbau gemeinsam zu gestalten. Dafür müssen jetzt die Voraussetzungen geschaffen werden.

Wie bewertest du die Pläne der Geschäftsführung?


Die Pläne der Geschäftsführung – soweit man zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt von einem Plan reden kann – werden von Aktionismus bestimmt. Den Anteilseignern und der Öffentlichkeit  soll Handlungsstärke und  Führungswillen demonstriert werden. Die Fremdvergabe des CCC leistet keinen Beitrag zur Sanierung. Dem rechnerischen  Einsparvolumen von vielleicht 2 Mio. Euro stehen Sozialplan- und Restrukturierungskosten gegenüber, so dass die Maßnahme frühestens in zwei Jahren einen wirtschaftlichen Effekt hätte.

Auch weitere darüber hinausgehende Kostensenkungsprogramme werden keine Lösung bringen. Schon gar nicht kurzfristig.

Weltbild erlebt eine Umsatzkrise, die sich bei kaum veränderbaren Fixkosten (Gebäude, technische Anlagen, Softwareinvestitionen, Verwaltungsoverhead,…) zu einer existenzbedrohenden Ertrags- und Liquiditätskrise ausgewachsen hat. Der  Ausweg  liegt in der Stabilisierung bestehender und der Erschließung neuer Geschäftsfelder. Die bestehenden Fixkosten müssen besser ausgelastet und die damit die Produktivität erhöht werden. Nur so lassen sich positive Deckungsbeiträge (sogenannte Skalenerträge) erschließen, die Weltbild nachhaltig wieder rentabel machen können.

Jede Personalmaßnahme wird sich an der Frage messen lassen müssen, wie sich diese Maßnahme auf die Fähigkeit der Weltbildgruppe zur Realisierung von Marktchancen auswirken wird. In dieser Hinsicht ist die Fremdvergabe der Kundenbetreuung an unternehmensfremde Dritte möglicherweise ein fataler Fehler.

Die Verhandlungen stehen ganz am Anfang – wie wird es weitergehen? 


Der weitere Gang der Verhandlungen  hängt von der Bereitschaft der Geschäftsführung zu einer ergebnisoffenen  und konstruktiven Beratung der jeweiligen Themen ab.

Unsere Erwartungen und Ziele habe ich ja schon beschrieben. Wir haben uns bisher nicht auf eine Verfahrensregelung verständigen können. Das heißt aber nicht, dass das nicht noch möglich wäre. Wir sind jedenfalls für zielführende Absprachen über das weitere Verfahren zu haben.

Sollte die Geschäftsführung bei ihrer bisherigen Gangart bleiben, werden die Verhandlungen schwierig.

Was empfiehlst du den MitarbeiterInnen im Bereich CCC?


Dass es in der Organisation des CCC Defizite gibt, wissen alle Beteiligten.

Der Betriebsrat hat sich die Einbeziehung der Beschäftigten in eine systematische Analyse und Bewertung der Schwachstellen auf die Fahne geschrieben. Ziel ist die Beseitigung von Ineffizienzen und die gemeinsame Erarbeitung von Verbesserungsvorschlägen.

Außerdem soll  gemeinsam mit den Beschäftigten ausgelotet werden, mit welchen Maßnahmen das CCC einen Beitrag zur besseren Kundenbindung und  zur Verbesserung der Wettbewerbssituation von Weltbild leisten kann. Wir nennen das: „Optimierung im Bestand“.

Ziel ist der Erhalt des CCC als wesentlichem Bestandteil einer eigenständigen Kundenbetreuung durch Weltbild. Hierzu möchte ich alle Mitarbeiter herzlich einladen.


Montag, 4. November 2013

Josef Schultheis: Viel Wind, wenig Wegweisendes


Jetzt ist er also da: Josef Schultheis, der Erzengel, den unsere katholischen Gesellschafter zur Rettung von WELTBILD nach Augsburg gesandt haben. Er selbst sieht sich offenbar als eine Art Schiffersmann auf schwerer See. Seine Vorstellung auf der heute Mittag einberufenen Mitarbeiter-Versammlung war wenig präzise aber dafür reich an seemännischen Sprachbildern.

Drei Ziele macht der geschmeidige Interims-Manager aus: 1. "Den Nordstern finden", soll heißen, das Ziel der Restrukturierung festlegen. 2. "Herausfinden, wie viel Wasser wir unterm Kiel haben" = den tatsächlichen (Re-)Finanzierungsbedarf feststellen. 3. "Klippen umschiffen", meint: es besser machen als die Manager vorher.

Wer hat bei WELTBILD das Sagen?

So weit so hochseetauglich. Auf die Frage von ver.di-Betriebsgruppensprecher Timm Boßmann, wer denn zukünftig als Kapitän das Sagen auf dem WELTBILD-Dampfer habe ("Sie oder Herr Halff, den wir alle kennen?"), gab Schultheis eine eher nebulöse Antwort. Man werde sich innerhalb der Geschäftsführung abstimmen und stets im Konsens nach außen treten. Schön, wenn sich die Herren wenigstens nach außen einig sind.

Etwas klarer wird diese Antwort, wenn man überlegt, was Josef Schultheis NICHT gesagt hat: "Carel Halff bleibt wie bisher der Vorsitzende einer mehrköpfigen Geschäftsführung, er trifft und verantwortet somit weiterhin alle zentralen Entscheidungen." DAS hat der neue Lotse/Steuermann/Kapitän(?) NICHT gesagt.

Etwas unsicher war der Neue auch in der Frage, wer ihn denn berufen habe: "Wer hat Sie uns geschickt? Der Aufsichtsrat? Die Gesellschafter? Die Banken?" Schultheis tippte auf den Aufsichtsrat, Herr Halff wies ihn dann darauf hin, dass bei WELTBILD immer noch die Gesellschafter die Geschäftsführer bestimmen. Prima, schon was gelernt über WELTBILD. Immerhin: Die Banken sollen mit Schultheis' Einsatz nichts zu tun haben. Sagt er zumindest.

Was der Neue (nicht) mitbringt

Die in der offiziellen Pressemitteilung angekündigte "herausragende Expertise bei Restrukturierungen und Finanzierungsverhandlungen" konnte Schultheis im Kuppelsaal leider ebenso wenig belegen, wie "die umfangreichen Erfahrungen im Bereich des digitalen Handelns". An den Pleiten von ALPINE und PRAKTIKER, die Schultheis in Krisenzeiten ebenfalls betreut hatte, seien andere schuld gewesen. Die Online-Expertise rührt von QUELLE her (upps: ebenfalls pleite) und schließlich habe auch PRAKTIKER einen Online-Shop gehabt… Immerhin: den Buchhandel kennt er aus seiner Zeit bei Karstadt (gemeint sind wohl die Buchflächen, die mittlerweile WELTBILD/DBH-Warenhaus übernommen haben).

Auch auf andere Fragen aus den Reihen des Betriebsrats und der MitarbeiterInnen blieb unser neuer CRO (Chief-Restructuring-Officer) die Antworten schuldig. In welchen Bereichen die nächsten Maßnahmen anstehen? Zu früh, erstmal gucken. Welche konkreten Ideen er mitgebracht habe? Noch keine, erstmal gucken. Wie genau er die Lage von WELTBILD einschätze? Weiß nicht, erstmal gucken. Und so weiter…

CCC-Outsourcing wird nicht hinterfragt

Entscheidungen der jüngsten Vergangenheit (Outsourcing des CCC) werden von Josef Schultheis nicht überprüft. Dafür ist es offenbar nicht zu früh, um vor versammelter Mannschaft sagen zu können, dass hier die Zahlen für sich sprächen und die Vernichtung der 140 CCC-Arbeitsplätze richtig und notwendig sei. Klare Kante, der Mann.

Und noch etwas weiß der neue Mann auf der Brücke schon jetzt: Dass wir alle noch viel, viel mehr arbeiten müssen als bisher. Geschäftstermine am Abend werden nötig sein, warnte der Nachtlotse die Führungskräfte vorsorglich. Schade, dass keineR unserer Oberen den Mumm hatte nachzufragen: "Meinen Sie, dass wir bisher zu wenig gearbeitet haben?"

Bis Ende März soll es einen Plan geben

Wie auch immer. Nach einigem Würgen war dem neuen Skipper immerhin ein grober Fahrplan zu entlocken. Zunächst wird analysiert, dann werden Maßnahmen entworfen, am Ende wird umgesetzt. Der Gesamtplan der Grausamkeiten soll bis Ende März 2014 vorliegen. Aber auch auf dem Weg dahin müssten bereits viele dringende Entscheidungen getroffen und exekutiert werden. (In der Bildersprache sind wir zu diesem Teil der Veranstaltung bereits beim "Notarzt, der auf der Autobahn auch nicht mehr jeden Motorradfahrer retten kann" angelangt.)

Der kapitalistische Kompass des neuen Käpt'ns ist somit ordentlich geeicht und die Ruderer im Bauch der WELTBILD-Galeere dürfen sich auf einen ordentlichen Trommelwirbel einstellen. Hoffentlich wird niemand seekrank…

Mittwoch, 30. Oktober 2013

Stellenabbau bei Weltbild – Ein Kunde schreibt

Zum Thema Outsourcing des Kundendienstes hat uns das E-Mail einer Kundin erreicht, das wir hier gerne
 veröffentlichen.
Wenn Sie auch eine Meinung zu dem Thema haben, können Sie gern die Kommentar-Funktion unter diesem Beitrag nutzen.



Das E-Mail:

Meine Enkelin hat mir geholfen, diese E-Mail zu verfassen. Sie hat auch das Blog gefunden und meinte, ich soll das hier euch schreiben.

Ich hatte bei Weltbild angerufen, um eine Bestellung aufzugeben und wollte noch ein paar Sachen zur Lage von Weltbild wissen. Man liest und hört soviel. Ich mache mir gerne ein eigenes Bild. Aber außer ein paar Standard-Antworten habe ich nichts bekommen. Ich versuche mal das Gespräch hier wiederzugeben:

Telefonistin: Guten Tag, Verlagsgruppe Weltbild, Sie sprechen mit Frau xy (Name habe ich nicht verstanden), was kann ich für Sie tun?
Ich: Ich möchte eine Bestellung aufgeben, aber ich möchte gerne noch was wissen, weil man liest so viel über Weltbild
Telefonistin (leicht seufzend): Was möchten Sie denn wissen?
Ich: Ist Weltbild Pleite?
Telefonistin: Nein, Weltbild befindet sich in einer Umbauphase. Wir sind nicht Pleite. Sie können ohne Bedenken bei uns weiterhin einkaufen.
Ich: Auch in den Filialen?
Telefonistin: Es wird weiterhin ein Filialnetz geben.
Ich: Warum werden dann Stellen in Kundendienst abgebaut, wenn alles ok ist? An wen wende ich mich dann? Ich habe kein Internet und die Filiale hier im Ort gibt es nicht mehr.
Telefonistin (kurze Pause und dann vorlesend): Der Umbau zu einem Online- und Digitalunternehmen erfordert harte und schmerzhafte Maßnahmen und lässt uns keine andere Wahl. Wir haben keine andere Möglichkeit, als diese Arbeiten extern zu vergeben.
(Dies habe ich mir zweimal vorlesen lassen, weil ich es mir notiert habe.)
Ich: Wo bin ich denn jetzt gelandet? Ich hoffe doch in Augsburg?
Telefonistin: Sie sind bei einem Dienstleister. Ich kann Ihnen auch helfen.
Ich: Das merkt man, Sie haben gerade eben was zweimal vorgelesen und Sie sind nicht von den Entlassungen betroffen.
Telefonistin: Möchten Sie jetzt bestellen?

Ich bin schon lange Kunde bei Weltbild und hatte schon mal kleinere Probleme. Und jedes Mal hat man mir gesagt, dass ich ein Rückruf bekomme. Die Rückrufe erfolgten auch. Jetzt denke ich, dass die sogenannten Dienstleister meine Probleme an Augsburg weitergeleitet haben. Wenigsten wurden diese dann zu meiner Zufriedenheit  gelöst. Aber warum geht das nicht gleich? Ich erwarte, wenn eine Firma in Augsburg sitzt, auch Mitarbeiter dort, die mir helfen, mich beraten und Bestellungen aufnehmen. Oder bin ich, wie meine Enkelin sagt, nicht mehr auf dem Laufenden?

Ich habe immer bei Weltbild bestellt, weil ich mir dachte, in diesem katholischen Unternehmen würden noch gewisse Grundsätze gelten. Aber anscheinend ist das Geld wichtiger als der menschliche Umgang, egal ob mit dem Kunden oder mit dem Mitarbeiter.

Übrigens habe ich bestellt. Aber ich werde beobachten, wie das mit Weltbild weitergeht.

Samstag, 26. Oktober 2013

WELTBILD-Beschäftigte demonstrieren gegen Job-Vernichtung


Heute nachmittag demonstrierten rund 200 WELTBILD-MitarbeiterInnen in Augsburg gegen das Outsourcing des Customer-Care-Centers (CCC) von WELTBILD. Die Geschäftsführer Carel Halff und Dr. Martin Beer wollen den gesamten Kundendienst an Fremdfirmen übertragen, um Kosten zu sparen – ohne Rücksicht auf Beschäftigte oder KundInnen. Belegschaft, Betriebsrat und die Gewerkschaft ver.di stemmen sich mit aller Kraft gegen diese Pläne und zeigen hier: "Wir sind bereit, um unsere Arbeitsplätze zu kämpfen!"

Start an der City-Galerie am Willy-Brandt-Platz.

Weiter ging's über die Maximilianstraße.

Am Königsplatz bog der Demonstrationszug in die Fußgängerzone ein.

Am sonnigen Shopping-Samstag war den DemonstrantInnen die Aufmerksamkeit 1000er WELTBILD-KundInnen gewiss.

Ein kurzer Solidaritäts-Stopp vor der ESPRIT-Filiale. Dort wird der frisch gewählte Betriebsrat von der Filialleitung unter Druck gesetzt.

Am Augsburger Dom verhüllten die Beschäftigten ihre Gesichter mit Masken. WELTBILD verliert sein Gesicht, wenn der Kundendienst ausgelagert wird. Der Bischof ließ sich indes nicht blicken.


Montag, 21. Oktober 2013

WELTBILD Geschäftsführer Carel Halff will 140 Leute kündigen – aber der Betriebsrat stellt sich quer


Die WELTBILD-Geschäftsführung hat heute mitgeteilt, dass Herr Halff und Herr Dr. Beer beschlossen haben, unser CCC zu schließen und den WELTBILD-Kundendienst in die Hände von Dienstleistern zu übergeben. Rund 140 MitarbeiterInnen sollen deshalb gekündigt werden.

Der Betriebsrat hat heute morgen ein entsprechendes Papier der Geschäftsführung erhalten und ist zu Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan aufgefordert worden. Das Gesetz sieht vor, dass im Rahmen des Interessensausgleichs nicht allein über „sozialverträgliche“ Kündigungs-Modalitäten verhandelt wird, sondern dass BR und GF gemeinsam nach alternativen Lösungen suchen und beraten, wie Kündigungen im Zuge einer Betriebsänderung (z. B. Outsourcing) vermieden werden können.

Beschäftigte wurden über Monate im Dunkeln gelassen

Der Gesetzgeber will gerade nicht, dass die Beschäftigten und Ihre Interessenvertretung vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Kündigungen dürfen immer nur das allerletzte Mittel sein. Zuvor muss ernsthaft beraten werden, ob es keine anderen Möglichkeiten gibt. Dazu wäre in den vergangenen Monaten viel Zeit gewesen, wenn die Geschäftsführung zugegeben hätte, dass es Pläne zum Outsourcing des Bereichs CCC gibt. Betriebsrat und Wirtschaftsausschuss haben mehrfach nachgefragt, was aus dem CCC werden soll: Herr Dr. Beer und unser Personalchef Herr Seher haben Outsourcing-Pläne stets weit von sich gewiesen.

Betriebsrat will ernsthaft verhandeln

Nun will Herr Halff das CCC offenbar im Hauruck-Verfahren erledigen. Der Betriebsrat will jedoch ernsthaft im Sinne des Gesetzgebers verhandeln und wird das mit entsprechender betriebswirtschaftlicher und juristischer Unterstützung in den nächsten Wochen auch tun. Wie es konkret weitergeht, darüber informiert der BR die KollegInnen im CCC am Mittwoch in einer Teilbetriebsversammlung in der Aindlinger Straße.

An Alibi-Veranstaltungen der Geschäftsführung wird der Betriebsrat dagegen nicht teilnehmen. Dazu zählen im Besonderen auch die heute nachmittag kurzfristig einberufenen MitarbeiterInnen-Versammlungen. 

Der Betriebsrat trägt den rücksichtslosen, kurzsichtigen und das Unternehmen in seiner Substanz gefährdenden Plan von Herrn Halff und Herrn Dr. Beer nicht mit. Aus Sicht des BR ist das eine unternehmerische Kurzschlussreaktion, die nur eines zum Ziel hat: Die Geschäftsführer wollen Eigentümer und Banken durch entschlossenes Krisenmanagement beeindrucken. Dieser Aktionismus ist schon in etlichen anderen Firmen schief gegangen. Es gibt viele Beispiele, in denen der Kundendienst zunächst außer Haus gegeben und wenige Jahre später mühsam wieder intern aufgebaut wurde.

Solange diese Tatsachen und die vielen konstruktiven Verbesserungsvorschläge der KollegInnen nicht gemeinsam beraten und ernsthaft gewürdigt wurden, wird der Betriebsrat keine gemeinsamen Veranstaltungen mit der Geschäftsführung absolvieren.

Sonntag, 13. Oktober 2013

Die Presse berichtet über unseren Protest



In der letzten Woche haben Weltbild-Beschäftigte mit Nachdruck gegen einen Stellenabbau bei Weltbild protestiert. Einmal mit einem offenen Brief an die Geschäftsführung – der von vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Kundenservices (CCC) direkt an Carel Halff übergeben wurde.
Zweitens mit einer Flugblatt-Aktion von verdi-Vertrauensleuten und Betriebsräten vor den Toren der Frankfurter Buchmesse.


Das mutige Eintreten aller Beteiligten für den Erhalt Ihrer Arbeitsplätze wird auch in der Presse aufgegriffen und in die Öffentlichkeit getragen.

Hier einige Links zu den Beiträgen:

Kündigungen befürchtet   

So kämpfen die Weltbild-Mitarbeiter   

Börsenblatt-Bericht

Bayrischer Rundfunk


Auch die Kolleginnen und Kollegen bei Hugendubel schreiben in ihrem Blog über das Thema:

hugendubelverdi.blogspot


Aktuell: Auch noch sehr aufschlussreich ist ein Bericht der Süddeutschen Zeitung:

Druck von allen Seiten



Dienstag, 8. Oktober 2013

CCC-Beschäftigte appellieren an Carel Halff: "Unser Wissen lässt sich nicht outsourcen!"


Ungewohnter Aufruhr in den Fluren der Geschäftsleitung von WELTBILD. Am Dienstag Mittag versammelten sich rund 60 MitarbeiterInnen, um dem Vorsitzenden der Geschäftsführung, Carel Halff, einen Brief zu übergeben, in dem sie selbst Stellung nehmen zur Situation im Bereich Kundendienst.

Die Geschäftsführung hat kürzlich angekündigt, dass im Customer Care Center (CCC) umfangreiche Personal-Maßnahmen bevorstehen. Was genau geplant ist, war bisher nicht zu erfahren. In diesem Zusammenhang wurde den MitarbeiterInnen vorgehalten, dass sie dreimal soviel kosten würden wie der teuerste externe Dienstleister. Deshalb fürchten viele das komplette Outsourcing des Bereichs Kundenservice und damit den Verlust ihrer Arbeitsplätze.

Die Beschäftigten des CCC präsentieren ihren Brief mit 70 Unterschriften vor der Übergabe an 
Geschäftsführer Carel Halff der Lokalpresse. Die Augsburger Allgemeine und die Stadtzeitung 
hatten RedakteurInnen und Fotografen zu der Aktion entsandt. 
Vor diesem Hintergrund haben die MitarbeiterInnen des Kundendienstes eine Stellungnahme verfasst, die wir weiter unten dokumentieren. Die Beschäftigten wollen nicht warten, bis die Geschäftsführung das Ergebnis ihrer Überlegungen präsentiert, sondern aktiv in den Prozess eingreifen. In ihrem Brief nennen sie zahlreiche Argumente für einen internen Kundenservice und machen Vorschläge zur Optimierung des Bereichs.

Fast alle haben unterschrieben

70 Betroffene haben diesen Brief unterschrieben. "Das ist ein Schritt in die richtige Richtung", sagte ver.di-Betriebsgruppensprecher Timm Boßmann. "Die kluge Argumentation in ihrem Brief beweist, dass die MitarbeiterInnen am besten wissen, wo es bei WELTBILD 'hakt'." Die Geschäftsführung sei gut beraten, die Anregungen der KollegInnen ernst zu nehmen, wenn WELTBILD wieder auf Kurs gebracht werden soll.

Betriebsratsvorsitzender Peter Fitz erklärte: "Das ist erst der Anfang von etwas. Niemand soll glauben, über das Schicksal des Kundendienstes sei bereits entschieden." Erste Gespräche zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung zum Thema CCC finden kommenden Montag statt. Noch ist völlig offen, wohin die Reise geht. Der richtige Zeitpunkt für die Betroffenen, um ihre Stimme zu erheben und ihren Anliegen Gehör zu verschaffen.

"Wir sind Menschen, keine Nummern!"

"Die Geschäftsführung soll hautnah erleben, dass sie nicht über Kostenstellen entscheidet, sondern über Menschen und ihre Familien", erklärte Boßmann die ungewöhnliche Aktion in den Räumen der Geschäftsführung. "Wir sind keine Nummern, sondern lebendige Menschen!"

Im Flur der Geschäftsleitung wurde es eng, als über 60 Beschäftigte des CCC ihre Stellungnahme 
persönlich an den Vorsitzenden der Geschäftsführung übergaben und einige offene Worte sprachen.
Geschäftsführer Carel Halff war offenbar überrascht von der Konfrontation und versicherte, er werde das Schreiben sehr aufmerksam lesen und die Argumente der Beschäftigten bei seinen Entscheidungen berücksichtigen. Zahlreiche MitarbeiterInnen nutzten die Gelegenheit, der Geschäftsführung ihren Einsatzwillen und ihre Verbundenheit mit dem Unternehmen zu erklären: "Wir arbeiten arbeiten nicht nur für WELTBILD – wir sind Teil dieser Firma." Er werde sich das zu Herzen nehmen, versprach Carel Halff, den das Bekenntnis der KollegInnen sichtlich berührte.

In den Verhandlungen mit dem Betriebsrat kann die Geschäftsführung beweisen, dass ihr das Schicksal der Menschen, die zum Teil seit Jahrzehnten für WELTBILD arbeiten, wirklich am Herzen liegt.

Die Stellungnahme der CCC-Beschäftigten im Wortlaut:


Weltbild hat sich im Laufe von Jahrzehnten im CCC einen Kundenservice geschaffen, der über die 
Verfahrensweisen im Unternehmen und die Probleme und Fehlerquellen im Versand bestens 
Bescheid weiß. Dieses profunde Wissen sollte nicht zur Disposition stehen. Dieses Wissen lässt sich 
nicht "outsourcen".

Da im Moment geprüft wird, in wieweit sich das CCC umbauen, verkleinern oder ganz aufgeben 
lässt, möchten wir nach den Beurteilungkriterien fragen, die hierzu herangezogen werden.
Nackte Zahlen, wie Kosten oder Durchsatz an Calls/Mails/Aufgaben/Briefen pro Zeiteinheit werden 
zwangsläufig gegen uns sprechen. Aber wie wird die Qualität des Kundenservice in diese Abwägung 
miteinbezogen?

Wir, die Mitarbeiter im CCC, identifizieren uns mit Weltbild. So wird das Anliegen des Kunden zum 
persönlichen Anliegen, das bestmöglich erledigt wird.
Unser Bestreben zielt auf die Lösung der Probleme, möglichst in einem einzigen Schritt. Die 
Bearbeitung mag länger dauern, dafür können viele Kundenanliegen zum Abschluß gebracht 
werden. Der Kunden ist zufrieden, wenn er sich nicht nochmals mit der Sache befassen muss, kein 
weiterer Kontakt nötig ist.

Bei externen Dienstleistern wird unter Zeitdruck gearbeitet, möglichst viele Calls in möglichst 
kurzer Zeit sind das primäre Ziel. Dies führt zwangläufig zu Fehlern und Falschaussagen. 
Reklamationen und Fragen, die einen höheren Zeitaufwand erfordern, werden oft weitergeleitet 
oder unzureichend erledigt. Der Kunde muss sich erneut an uns wenden, um Antworten zu erhalten 
oder neue Fehler zu melden bzw. länger auf eine Lösung warten. Dies schadet Weltbild.

Wer schlecht bezahlt ist, unter großem Druck steht und keinen Bezug um Unternehmen hat, ist 
deutlich weniger motiviert gute Qualität zu liefern.
Dienstleister haben aufgrund dieser Arbeitsbedingungen eine hohe Mitarbeiterfluktuation. Das führt 
dazu, dass immer wieder "Neue" angelernt werden müssen, die zu Beginn zwangsläufig unsicher 
sind und mehr Fehler machen. Es ist nicht möglich, den Wissensstand der Mitarbeiter auf ein 
ähnlich hohes Niveau wie im CCC zu bringen.

Das CCC lässt sich jedoch durchaus noch optimieren, ohne die Mitarbeiterzahl zu reduzieren:
Dienstleister sollten weiterhin die Masse der Reklamationen bearbeiten, schwierige Fälle jedoch - 
wie früher möglich - an besser ausgebildete Mitarbeiter im CCC weiterverbinden können. Dieser 
direkte Kontakt, mit der Möglichkeit der direkten Nachfrage, führt zu schnelleren Lösungen, bei 
denen der Kunde sich gut aufgehoben fühlt.
In Zeiten ohne Anrufe könnten auf einer zweiten Arbeitsoberfläche andere Bearbeitungen (Post, 
Mails) durchgeführt werden, so dass keine "Totzeiten" entstehen.

Der unmittelbare Kontakt der einzelnen Abteilungen untereinander und vor allem mit den 
Debitoren sollte verbessert werden.
Durch eine effektive Zusammenarbeit lassen sich Rückstände vermeiden, wie sie in letzter Zeit des 
öfteren aufgetreten sind.
Der Kundenservice von Weltbild kann durch das engere Verzahnen der einzelnen Bereiche und dem 
direkteren Kundenkontakt, dem Unternehmen einen merklichen Vorteil gegenüber Wettbewerbern, 
die ausschließlich auf die Betriebskosten sehen, verschaffen. Dies könnte noch mit fortführenden 
Weiterbildungen im Bereich Kommunikation verstärkt werden.

Ein überdurchschnittlicher Kundenservice mag teuer sein, zahlt sich aber letztlich aus. Der Kunde 
weiß, dass selbst wenn Fehler passieren, diese unkompliziert und zu seiner Zufriedenheit bereinigt 
werden.

Wir ersuchen Sie, das bei Ihrer Entscheidung zu berücksichtigen.



Donnerstag, 26. September 2013

Presseschau


Zur Zeit ist die Presse wieder voll mit Meldungen über Weltbild.
Zu verdanken haben wir das zunächst der Insolvenz-Meldung aus der FAZ, welche das öffentliche Interesse wieder auf Weltbild gelenkt hat.

Wie inzwischen allseits bekannt, hat die Geschäftsführung von Weltbild passend zu dieser Meldung beschlossen, im Unternehmen Stellen abzubauen.

Über Umfang und Art und Weise dieser Maßnahme haben wir auf der Betriebsversammlung leider nichts konkretes von Herrn Halff erfahren.
Im Gegensatz dazu hat der Betriebsrat ein Konzept präsentiert, wie wir unsere Firma wieder voran bringen können.

Was schreibt die Presse über uns (sortiert nach Erscheinungsdatum rückwärts, die aktuellsten zuerst):

http://www.sueddeutsche.de/medien/verlag-in-der-krise-wie-die-bischoefe-um-weltbild-ringen-1.1779777

http://www.domradio.de/themen/bischofskonferenz/2013-09-25/bischoefe-beraten-ueber-zukunft-des-weltbild-verlages

http://www.handelsblatt.com/economy-business-und-finance-weltbild-betriebsrat-bittet-bischoefe-um-hilfe-fuer-kirchenverlag/8839316.html

http://www.augsburger-allgemeine.de/wirtschaft/Mitarbeiter-appellieren-an-die-Bischoefe-id27128322.html

http://www.focus.de/finanzen/news/wirtschaftsticker/unternehmen-weltbild-betriebsrat-bittet-bischoefe-um-hilfe-fuer-kirchenverlag_aid_1110641.html

http://www.augsburger-allgemeine.de/wirtschaft/Eigentuemer-sind-sich-ueber-Zukunft-von-Weltbild-nicht-einig-id27128592.html

http://www.boersenblatt.net/638061/

http://www.onlinepc.ch/index.cfm?page=104029&artikel_id=40625

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/verlagsgruppe-in-der-krise-das-katholische-weltbild-12584257.html

http://www.sueddeutsche.de/bayern/krise-beim-weltbild-verlag-hiobsbotschaften-in-augsburg-1.1775551

http://www.augsburger-allgemeine.de/meinung/Kommentare/Bischoefe-duerfen-nicht-schweigen-id27073272.html

http://www.augsburger-allgemeine.de/wirtschaft/Bei-Weltbild-waechst-der-Druck-auf-die-Kirche-id27066387.html


Montag, 12. Juli 2010

Geschäftsführung reagiert auf "Picker"-Artikel


Auf einen Artikel im aktuellen Betriebsratsinfo "Picker" hat die Geschäftsführung sichtlich verärgert reagiert. Der Betriebsrat hatte unter der Überschrift "Flurfunk: Ist die Werbung in Gefahr?" berichtet, dass die Geschäftsleitung anscheinend eine externe technische Lösung als Ersatz für das Weltbild-Mediasystem (WBMS) plant.

Das, so war im "Picker" spekuliert worden, eröffne technisch die Möglichkeit, die Katalogerstellung an Dienstleister, z.B. eine Werbeagentur, zu vergeben. Damit seien rund 60 Arbeitsplätze in der Weltbild-Werbung bedroht.

Carel Halff, Vorsitzender der Weltbild-Geschäftsführung, stellte gegenüber dem Betriebsrat klar, Outsourcing sei zur Zeit kein Thema im Unternehmen: "weder in der Werbung noch in einem anderen Unternehmensteil!" In diesem Zusammenhang seien keine Arbeitsplätze in Gefahr.

Der Betriebsrat freut sich über das klare Bekenntnis des Weltbild-Bosses zur Werbeabteilung. Allerdings hat man in anderem Zusammenhang erfahren, dass noch keine Entscheidung gefallen ist, ob die neue, externe Lösung auf PC oder Macintosh-Basis realisiert werden soll. Sollte sich die Geschäftsführung für die PC-Variante entscheiden, stellt sich die Frage nach der Zukunft der Kollegen im Bereich Mac-Support. Derzeit kümmern sich rund zehn Spezialisten hauptsächlich um den Betrieb der Apple-Systeme. Auch für diese Kollegen sollte die Geschäftsführung schnellstens Klarheit schaffen!

In jedem Fall unterliegt der Systemwechsel dem Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats nach §87 BetrVG. Die ArbeitnehmerInnen-Vertretung wird zu diesem Thema deshalb eine gesonderte Betriebsvereinbarung abschließen, welche die gesetzlichen Rechte der Belegschaft sichert.

Abschließend bleibt zu bemerken, dass auch in diesem Fall die Geschäftsführung den Betriebsrat nur zögerlich und auf dezidierte Nachfrage umfassend informiert hat. Solange man den Herren da oben jedes Wort einzeln aus der Nase ziehen muss, bleibt die engagierte Öffentlichkeitsarbeit des Betriebsrats die einzige Möglichkeit, die Geschäftsführung an ihre gesetzliche Pflicht zu erinnern, den BR jederzeit und umfassend von allen Planungen zu unterrichten (§§ 80,90 BetrVG).

Dienstag, 16. Februar 2010

Unternehmensberater im CCC unterwegs


Im CCC werden derzeit vermehrt "Schlipsträger" gesichtet. Der Betriebsrat wollte vom Leiter der Weltbild-Unternehmensentwicklung, Thomas Heinrich, wissen, was da im Gange sei.

Bei den Besuchern handelt es sich – wie schon vermutet – um Unternehmensberater. Hintergrund laut Heinrich: Der Vertrag für die derzeitige Telekommunikations-Anlage läuft in einem Jahr aus. Vor dem Hintergrund der geplanten SAP-Einführung wolle man sich rechtzeitig um neue Angebote kümmern.

"Wir fragen uns: Wie investiert man jetzt sinnvoll?", sagte Heinrich. Im Moment laufe die Bestandsaufnahme. Die geplante Investition sei ein Beleg dafür, dass man kein Outsourcing des CCC-Bereichs plane, versicherte der Leiter der Unternehmensentwicklung. Im Gegenteil: man wolle Kompetenz und neue Funktionalitäten aufbauen.

Der Betriebsrat hat diese Aussage zur Kenntnis genommen. Wenn Sie, liebe KollegInnen im CCC, Vorgänge beobachten, die andere Rückschlüsse zulassen, informieren Sie bitte den Betriebsrat. Der BR wird dann intensiv nachfragen und Sie in diesem Blog informieren.

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