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Donnerstag, 23. Juni 2016

Rüdiger Wenk geht nach LesensART-Pleite unter die Erde


Was ist eigentlich aus Rüdiger Wenk geworden? Wir erinnern uns: Wenk hatte im Februar 2015 rund 70 WELTBILDplus-Filialen übernommen und danach seine Firma "LesensART" zielstrebig in die Pleite geführt. So war es möglich, dass rund 350 KollegInnen billig entsorgt werden konnten.

Am Ende waren alle gekniffen

Der Betriebsrat in Augsburg hatte immer wieder vor dem zwielichtigen Deal gewarnt. Vergeblich. Für Walter Droege ging die Rechnung am Ende aber auch nicht auf: Viele Vermieter weigerten sich, die Mietverträge auf LesensART zu übertragen. Zu fadenscheinig war das anderthalb-seitige Konzept, das Rüdiger Wenk und sein Berater Bernhard Ludwig Winkelhaus vorgelegt hatten. Deshalb zahlte WELTBILD weiter Miete, ohne die teuren Flächen bewirtschaften zu können. So waren am Ende wieder einmal alle gekniffen: Der Milliardär, der es sich leisten kann, und die Familien, deren wirtschaftliche Existenz vernichtet wurde.

"Tiefbau mit Tiefgang"

Heute nun berichtet die Sueddeutsche Zeitung über die weitere Karriere des "umtriebigen" Kaufmanns Rüdiger Wenk (50). Er hat die Branche gewechselt und ist in den Tiefbau eingestiegen. Wenige Wochen nach der LesensART-Pleite heuerte Wenk als Geschäftsführer der Josef Dickerhoff & Co. Bauunternehmung GmbH in Haltern am See an. Das steht im Handelsregister. Dort beschäftigt er sich laut Webseite gerade mit der Verlegung von Druckrohrleitungen. „Tiefbau mit Tiefgang“ heißt das Motto der 25-Mann-Firma, die zuvor einige Monate von einem gewissen Bernhard Winkelhaus geleitet worden war.

Schlechte Aussichten für die 25 Beschäftigten des Tiefbauers, fürchten wir…

Donnerstag, 23. Juli 2015

LesensArt pleite: Was wird aus den 350 MitarbeiterInnen?


Leider keine Überraschung: Die LesensArt GmbH von Rüdiger Wenk meldete gestern Insolvenz an. Das berichtet heute der buchreport.

Wenk hatte erst im Februar rund 70 Filialen von WELTBILDplus übernommen. Seine LesensArt GmbH hatte ein Stammkapital von 25.000 Euro. Mit der Übernahme der WELTBILD-Standorte wurde LesensArt gleichsam über Nacht zum drittgrößten Buchhändler der Republik.

Dafür hat Wenk vor allem defizitäre Filialen in Centern mit besonders hohen Mieten übernommen. Sein Sanierungskonzept umfasste gerade mal anderthalb DIN A4-Seiten. Branchenkenner zweifelten sofort an der Seriosität des Geschäftsmodells. Der Betriebsrat in Augsburg warnte vor dem Verkauf und fürchtete, das eigentliche Ziel des Deals sei die billige Entsorgung von MitarbeiterInnen ohne Sozialplan. Trotzdem verkaufte Walter Droege die Filialen samt Belegschaft an den dubiosen Geschäftsmann aus Ahaus.

Bizarres Geschäftsgebaren mit Cowboyhut

Danach mehrten sich Meldungen über bizarre Vorgänge bei LesensArt: Eine Büroadresse, für die Wenk keinen Mietvertrag hatte. Ein Berater, der mit Cowboyhut vor die Presse trat und seinen Namen nicht verraten wollte. Ein Immobilienmakler, der Mietverträge neu verhandeln sollte, aber angeblich Hausverbot in den meisten Centern hat. Der „Cowboy“ – Bernhard Ludwig Winkelhaus mit Namen, wie schließlich herauskam – der Filialleiter zur Übernahme ihrer Filialen drängte und gegen hohe Gebühren Kredite vermitteln wollte…

Schließlich die Weigerung vieler Vermieter, die Mietverträge für die Filialen auf Wenk zu überschreiben. Mit der Folge, dass WELTBILD bis heute die meisten der teuren Mieten bezahlen muss. Am Ende Schließungen im Wochentakt, oft ohne Ankündigung, gleichsam „über Nacht“ und die Freistellung des Personals…

Offener Brief an Walter Droege blieb ohne Antwort

Über all das hat der Gesamtbetriebsrat der LesensArt die Öffentlichkeit informiert und sich schließlich in einem Offenen Brief an Walter Droege, Patrick Hofmann und Arndt Geiwitz mit der Bitte um Hilfe gewandt. Vergeblich: Der Brief blieb ohne Antwort.

Jetzt die Pleite. Wie und ob sich die Insolvenz auf WELTBILD auswirkt, ist noch unklar. Für die 350 KollegInnen, die Walter Droege und Rüdiger Wenk vertraut hatten, sind die Folgen jedenfalls fatal: Sie stehen vor dem Nichts.

Freitag, 26. Juni 2015

Offener Brief des Gesamtbetriebsrats von LesensArt


Sehr geehrter Herr Patrick Hofmann, 
Sehr geehrter Herr Walter Droege, 
Sehr geehrter Herr Arndt Geiwitz,

wir – der Gesamtbetriebsrat der LesensArt Rüdiger Wenk GmbH – schreiben Ihnen heute stellvertretend für die gesamte Belegschaft der 67 ehemaligen Weltbild Buchhandlungen, die im Februar von Ihnen an Rüdiger Wenk verkauft wurden. Leider bleibt uns nur dieses ungewöhnliche Mittel der Kommunikation, da alle anderen Versuche, Sie auf unsere verzweifelte Lage aufmerksam zu machen, und Sie für unser Schicksal zu interessieren, von Ihrer Seite unbeantwortet blieben.

Von Verzweiflung sprechen wir nicht leichtfertig. Wir könnten auch Fassungslosigkeit, tiefe Enttäuschung und völlige Hoffnungslosigkeit hinzufügen. Die Mitarbeiter - immerhin noch über 350 Kollegen und Kolleginnen (viele von ihnen mit Familie und Kindern) - der ehemaligen Weltbild Buchhandlungen sind zwischen Hammer und Amboss geraten und werden seit Wochen rücksichtslos zerrieben.

Auf der einen Seite stehen unsere neuen Eigentümer LesensArt, die sich zu keiner Zeit nach dem Verkauf an das uns und Ihnen durch den Unternehmensberater B.L. Winkelhaus von der GUO Berlin vorgestellte Konzept gehalten haben. Wie es sich uns heute darstellt, war das Geschäftsmodell von Beginn an nicht auf den Betrieb einer Buchhandlung, sondern lediglich auf deren Weiterverkauf ausgerichtet. Nach minimalen Investitionen in die ehemaligen Weltbild Filialen, wurden die verkauften Filialen mehreren Filialleitern und Filialleiterinnen geradezu zum Weiterverkauf aufgedrängt: Hierzu sollten private Kredite in Höhe von rund 100.000,00 € aufgenommen werden. Die Filialleiter/innen sollten ihre Filialen kaufen bevor Mietverträge neu verhandelt bzw. der eigentliche Sanierungsprozess überhaupt begonnen hatte.

Als dies nicht funktionierte, weil die Verträge den Mitarbeitern unseriös und vor allem überteuert erschienen, begann ein psychologischer Kleinkrieg:

Ohne Information des Wirtschaftsausschusses oder des Gesamtbetriebsrates, ohne jegliche Verhandlungen der vertraglich vereinbarten Strukturkommission, ohne jegliche Verhandlung zu Interessenausgleich und Sozialplan werden Filialen geschlossen oder weiterverkauft (z.B. an eine andere Firma, an der Herr Winkelhaus beteiligt ist).

Drei LesensArt Buchhandlungen und viele Mitarbeiter sind den Herren Wenk und Winkelhaus schon zum Opfer gefallen und täglich werden es mehr, da weitere Schließungen, Verkäufe und Untervermietungen an Dritte anstehen.

Auf der anderen Seite stehen Sie, Weltbild, unsere alten Eigentümer und Geschäftsführer, die scheinbar mit Unterzeichnung des Kaufvertrages jegliches Interesse an uns verloren haben und auch jede Verantwortung für uns von sich weisen.

Und doch bestimmt Weltbild weiter über unsere Zukunft: Mit Unterzeichnung des Kaufvertrages wurden wir alle in unseren Buchhandlungen - laienhaft ausgedrückt - illegale Untermieter. Die Vermieter wurden von Ihnen über den Verkauf der Buchhandlungen monatelang nicht informiert, und als dann doch endlich die Kommunikation mit ihnen gesucht wurde, haben Sie nachweislich in mehreren Fällen nicht etwa versucht, die Zustimmung der Vermieter zum Übergang des Mietverhältnisses auf die LesensArt GmbH zu erlangen, sondern haben vielmehr die Auflösung des Vertrages bzw. die Untervermietung an einen 1-Euro Shop angestrebt.

Damit besiegelt Weltbild unser aller Schicksal, das letztendlich nur bedeuten kann, dass alle verkauften Filialen abgewickelt werden – völlig im Gegensatz zu der Fürsorgepflicht, die doch ein Arbeitgeber gegenüber seinen Arbeitnehmern nach dem Gesetz hat, und die auch in Bezug auf einen Verkauf gilt. Das Grundgesetz spricht sogar davon, dass Eigentum verpflichtet – daher bitten wir Sie sehr eindringlich, sich Ihrer Verantwortung für uns nicht zu entziehen, sondern uns zu helfen.
Wir – die noch verbliebenen Mitarbeiter der ehemaligen Weltbild Buchhandlungen – stehen heute vor einer mehr als ungewissen Zukunft.

Die Mitarbeiter der Firma LesensArt sind immer noch bereit das ursprüngliche Sanierungskonzept umzusetzen, denn wir glauben an die Zukunft des stationären Buchhandels. Die ersten kleinen Schritte hierzu sind getan, helfen Sie uns nun auch den Rest des Weges zu gehen!

Der Gesamtbetriebsrat der LesensArt Rüdiger Wenk GmbH

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