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Donnerstag, 28. Juni 2012

Zukunftstarifvertrag bleibt

Auch nach der Umwandlung von WELTBILD in eine Stiftung bleiben alle 
Rechte der MitarbeiterInnen gewahrt 

Die Ankündigung der Bischofskonferenz, die Verlagsgruppe WELTBILD in eine Stiftung zu überführen, hat auf den Fluren des Augsburger Unternehmens für reichlich Gesprächsstoff gesorgt: Was bedeutet das für uns? Welches Arbeitsrecht gilt zukünftig? Was ist mit den Vereinbarungen aus dem Zukunftstarifvertrag?

Betriebsrat und GewerkschaftsvertreterInnen haben einen Fragenkatalog aufgestellt und mit dem Vorstandsvorsitzenden Carel Halff diskutiert. Sie erlebten einen sehr entspannten Geschäftsführer, der alle Fragen offen beantwortete:

1. Der Zukunftstarifvertrag bleibt bestehen. Insbesondere an der Mitwirkung bei wirtschaftlichen Entscheidungen durch den Wirtschaftsausschuss des Betriebsrats wird nicht gerüttelt. Die Regelungen zur Beschäftigungssicherung bis Ende 2014 gelten weiter.

2. Die Arbeitnehmerrechte werden nach der Überführung in eine Stiftung in keinster Weise beschnitten. WELTBILD bleibt eine GmbH, auch wenn der neue Eigentümer eine Stiftung sein wird. Das Betriebsverfassungsgesetz gilt somit ohne Einschränkungen.

3. Bevor die Überführung in eine Stiftung abgeschlossen ist, rechnet die Geschäftsführung mit komplexen Entscheidungsfindungen. Diese werden sich auch aufgrund der besonderen kirchlichen Strukturen über mehrere Monate hinziehen. Der folgende Prozess der Umwandlung bedarf der Genehmigung von Staat und Finanzamt, was ebenfalls Monate dauern dürfte.

Betriebsratsvorsitzender Peter Fitz war nach den Gesprächen erleichtert: „Die Stiftungslösung ist eine stabile Basis für erfolgreiche Geschäfte und bietet so gute Perspektiven für die Belegschaft.“

Timm Boßmann, Betriebsgruppen-Sprecher der ver.di, freute sich vor allem über das Bekenntnis der Geschäftsführung zum Zukunftstarifvertrag: „Dieser Tarifvertrag ist über Monate von der Belegschaft erkämpft worden. Es ist für beide Seiten nur von Vorteil, wenn die Vereinbarungen weiter gelten!“

Quelle: Pressemitteilung von ver.di am 28. Juni 2012

Presseschau: Was MitarbeiterInnen in der Zeitung lesen (müssen)

Frankfurter Allgemeine

Buchreport

Münchner Merkur

Handelsblatt

Hessische/niedersächsische Allgemeine

Der Spiegel

Augsburger Allgemeine

Und was bedeutet das für die Belegschaft? Konkret?

Mittwoch, 27. Juni 2012

Nicht überraschend, aber sehr plötzlich: WELTBILD wird Stiftung!

Eben erfahren wir, dass die Überführung von WELTBILD in eine katholische Stiftung offenbar beschlossene Sache ist. Auch Geschäftsführer Carel Halff hat das nach Presseberichten bestätigt: Domradio.de.

An und für sich eine positive Nachricht. Zu klären wird aber sein, warum der Betriebsrat das aus der Presse erfahren muss, obwohl Halff mehrmals öffentlich versprochen hat, die Belegschaft im Zusammenhang mit dem Verkauf stets zu informieren. Ganz schlechter Stil!

Montag, 11. Juni 2012

Bundeskonferenz der Betriebsräte aus dem Versandhandel

Wer sich erfolgreich für die Interessen der MitarbeiterInnen einsetzen will, muss sich vernetzen und Branchenwissen sammeln. Deshalb sind die WELTBILD-BetriebsrätInnen Visnja Bernhard, Peter Reichert-Meissl und Timm Boßmann im Mai zur 29. ver.di-Bundesarbeitstagung der Betriebsräte im Versandhandel nach Frankfurt gefahren. Hier ein Überblick.

Im Mittelpunkt der 3-tägigen Tagung standen die aktuellen Schließungspläne bei NECKERMANN. NECKERMANN gehörte einst zu Deutschlands führenden Versendern. Vor vier Jahren kaufte die amerikanische Kapitalgesellschaft Sun Capital 50% des Traditionsunternehmens. Nach der Arcandor-Pleite erwarb der Hedgefond auch die restlichen Anteile und ist nun alleiniger Besitzer.
 
NECKERMANN: Hunderte landen im sozialen Abseits
Das hat für die Belegschaft jetzt katastrophale Folgen. In der allgemeinen Krise des Versandhandels haben die Investoren sich zu einem brutalen Cut entschlossen: Die Textilsparte in Frankfurt soll dichtgemacht, der gesamte Versandbereich geschlossen werden. In der Logistik arbeiten derzeit 870 Menschen, darunter 220 Schwerbehinderte bzw. Gleichgestellte. 180 KollegInnen sind über 55 Jahre alt. Das heißt: für den überwiegenden Teil der Belegschaft führt die Kündigung geradewegs in Hartz IV!

NECKERMANN betreibt außerdem eins der größten Fotostudios in Deutschland, auch das soll geschlossen werden (knapp 100 Arbeitsplätze weg). Etwas besser sieht es für die KollegInnen im Bereich neckermann.de aus: Hier soll "nur" die Hälfte der Belegschaft gehen: wieder über 300 Menschen.

Betriebsrat schaltet die Politik ein

Die Eigentümer üben brutalen Druck auf den Betriebsrat aus, der den Entlassungen ohne Sozialplan und ohne Abfindungen zustimmen soll. Andernfalls drohen die Eigentümer, NECKERMANN direkt in die Insolvenz zu führen. An einem Rettungskonzept, das die Belegschaft gemeinsam mit ver.di und versierten Wirtschaftberatern erarbeitet hat, zeigen die Amerikaner kein Interesse. Alle konstruktiven Vorschläge werden freundlich aber entschieden abgelehnt. Der Betriebsrat hat jetzt die Politik eingeschaltet. Hessens Ministerpräsident Bouffier, will sich als Moderator vermittelnd einbringen. Geld für eine NECKERMANN-Rettung, das hat der CDU-Mann gleich klar gestellt, haben die KollegInnen aber keines zu erwarten.

Auch OTTO schleudert
Bei dem Hamburger Versandunternehmen kündigen sich ebenfalls schlimme Einschnitte an. Hier hat das Management sehr ehrgeizige Renditeziele für die gesamte Gruppe vorgeschrieben. Konzerntöchter, die diese nicht erreichen, sollen binnen kurzer Zeit verkauft oder geschlossen werden. Auch hier gilt offenbar: Geld zählt mehr als Loyalität gegenüber den MitarbeiterInnen.

WELTBILD Zukunftstarifvertrag ist wegweisend
Das gnadenlose Vorgehen der amerikanischen Eigentümer bei NECKERMANN zeigt, wie wichtig eine tarifvertragliche Absicherung ist, wenn ein Unternehmen verkauft werden soll. Entsprechenden Beifall erntete die Präsentation des Zukunftstarifvertrags, den die ver.di im Schulterschluss mit unserem BR durchgesetzt hat. Von einer solchen "Versicherungspolice" können die Beschäftigten bei anderen Versandhändlern nur träumen.

HESS NATUR: Genossenschaft will kaufen, darf aber nicht 

Die KollegInnen des Öko-Mode-Versanders haben eine andere Strategie gewählt, um ihr Unternehmen vor dem Zugriff skrupelloser Finanzinvestoren zu retten. Der Betriebsrat initiierte die Gründung einer Genossenschaft, die gemeinsam mit Banken und seriösen Investoren über 30 Millionen Euro aufstellte, um HESS NATUR selbst zu übernehmen. Auf dem Treffen der Versandhandels-BetriebsrätInnen waren die VertreterInnen von HESS NATUR noch optimistisch. Nach aktuellen Presseberichten scheint der derzeitige Eigentümer Primondo Specialty Group den MitarbeiterInnen aber einen Strich durch die Rechnung zu machen. Ob bei dem Verkauf, der jetzt offenbar innerhalb weniger Tage abgewickelt wurde, alles mit rechten Dingen zugegangen ist, darüber gibt es geteilte Meinungen.

In der ganzen Branche kriselt es

Wohin man schaut: in allen Versandhandelsunternehmen gibt es derzeit wenig Anlass zur Freude. Eigentümerwechsel, der Einstieg von Heuschrecken, Chaos durch verbockte SAP-Einführungen, schlechte Umsätze – die KollegInnen haben alle ihr Päckchen zu tragen, und viele fürchten ganz konkret um ihre Jobs.

Wohin geht die Reise im Versandhandel?
Das wollten die Betriebsräte vom Chefredakteur der Fachzeitung VERSANDHAUSBERATER, wissen. Dieser hielt einen sehr inspirierenden Vortrag und vertrat die These, dass es sinnlos sei, in Konkurrenz zum Platzhirschen Amazon treten zu wollen. Die klassischen Versender sollten sich auf ihr Stärken besinnen, z.B. ihre Erfahrung in der Katalogproduktion. Die Zukunft des Versandhandels sieht er in der Betonung von Alleinstellungsmerkmalen wie z.B. Eigenmarken und der Fokussierung auf klar definierte Zielgruppen.

Was meinen Sie? Ist WELTBILD mit seiner aktuellen Strategie gut aufgestellt? Nutzen Sie die Kommentarfunktion unter diesem Beitrag.

Donnerstag, 10. Mai 2012

Betriebsversammlung: viele Erfolge und ehrgeizige Pläne

Das muss es auch mal geben! Nachdem der Zukunftstarifvertrag unterschrieben und von den Bischöfen gesiegelt worden ist, traf sich die WELTBILD-Belegschaft zu einer sehr harmonischen und gut gelaunten Betriebsversammlung. 


Betriebsratsvorsitzender Peter Fitz berichtete von Erfolgen der täglichen BR-Arbeit, die in den letzten Monaten im Schatten des Themas »Zukunftstarifvertrag« kaum wahrgenommen wurden.

Erfolgsmeldungen des Betriebsrats 
BR-Vorsitzender Peter Fitz berichtete von den anderen Projekten, die der Betriebsrat in jüngster Zeit zufriedenstellend abgeschlossen hat:

  • Die Betriebsvereinbarung zur Reduzierung von Leiharbeit bei WELTBILD wurde konsequent umgesetzt. Damit sind über 450 neue, feste Arbeitsplätze geschaffen worden. In einigen Wochen im Jahr sind überhaupt keine LeiharbeiterInnen im Versand beschäftigt. Ein beispielloser Erfolg, den es in keinem anderen Versandhandelsunternehmen gibt. 

  • Ebenfalls positiv: Die Umstellung auf SAP kostet keine Arbeitsplätze in der IT. Ursprünglich wollte die Geschäftsführung rund 80 ES-9000-ProgrammiererInnen nach Einführung von SAP "dabei helfen, neue Jobs außerhalb des Unternehmens zu finden". Mit einer Betriebsvereinbarung und viel Kleinarbeit in der täglichen Mitbestimmung ist jetzt für alle KollegInnen aus dem Bereich gesorgt. 

  • Last but not least: seit die Kantine von WELTBILD direkt betrieben wird, schmeckt das Essen und wird von den meisten MitarbeiterInnen ausdrücklich gelobt. Kompliment an den neuen Koch! 

Angestellte in Verwaltung und Kreation werden mit Arbeitsaufträgen überhäuft. Statt Dank kriegen die KollegInnen am Ende des Geschäftsjahres auch noch Druck von ihren Vorgesetzten. In einem sehr gelungenen Sketch stellten die Kollegen Peter Hellriegel und Peter Reichert-Meissl die Situation treffend dar.

Neue Arbeitszeitregelung für die Verwaltung 
Eine neue Baustelle für den Betriebsrat ist die Arbeitszeitregelung im Verwaltungsbereich. Diese muss dringend überarbeitet werden. Peter Hellriegel und Peter Reichert-Meissl machten die täglichen Probleme der aktuellen Regelung mit einem gelungenen und äußerst amüsanten Sketch deutlich. Danach stellten sie das "Ampelmodell" des Betriebsrats vor: klar, praktisch und eigenverantwortlich – as sind einige Schlagworte zu diesem Thema. In Kürze werden wir hier ausführlicher berichten.


Wie immer sehr gut besucht: Am Montag kamen rund 1.000 KollegInnen zu den beiden Betriebsversannlungen.

Betriebliches Eingliederungs-Management 
Die Mitglieder des Gesundheits-Ausschusses Johannes Ihmenkamp und Tanja Sedlmeier sowie die Schwerbehinderten-Vertreterin Gaby Schäfer berichteten von Fortschritten beim betrieblichen Gesundheitsmanagement. Schwerpunkt ihrer vielstimmig vorgetragenen Präsentation war das sogenannte BEM (= Betriebliches Eingliederungs-Mangement). Das ist eine gesetzliche Regelung, die greift, wenn einE MitarbeiterIn länger als sechs Wochen innerhalb der letzten zwölf Monate krankgeschrieben war. Hier sorgt der BR dafür, dass diese neue gesetzliche Regelung bei WELTBILD im Sinne der Belegschaft ausgelegt wird und nicht etwas zum Druckmittel der Chefs verfremdet wird.

Neue Jugend- und Auszubildenden-Vertretung gewählt 
Auf der Betriebsversammlung stellten sich Jessica Uhl, Ramona Ratschker und Lisa Wiedenmann als frisch gewählte JAV vor. Dazu gibt es hier in Kürze einen eigenen Bericht mit Foto. Wir wünschen den mutigen jungen Kolleginnen viel Erfolg bei ihrer wichtigen Arbeit!


Nach den harten Auseinandersetzungen der letzten Monate fühlte sich diesmal auch Carel Halff sichtlich wohl im Kreise seiner MitarbeiterInnen. Der Vorsitzende der Geschäftsführung stellte viele neue Projekte vor, die WELTBILD an der Spitze des deutschen Buchandels halten sollen.

Bericht der Geschäftsführung 
Carel Half berichtete der Belegschaft von einem betriebswirtschaftlich abwechslungsreichen Geschäftsjahr. Den Schwerpunkt legte er auf die vielen Investitionen, mit denen WELTBILD seine Marktposition im (Versand-)Buchhandel ausbaut. Insbesondere im Bereich eBooks ist die Verlagsgruppe Spitze: Über eine Viertelmillion verkaufte Geräte und ein Angebot von mehr als 180.000 elektronischen Büchern sichern WELTBILD eine prominente Stellung im Buchmarkt der Zukunft. Direkten Konkurrenten wie THALIA (200.000 Euro Verlust im letzten Geschäftsjahr) haben große Schwierigkeiten, entlassen bereits Leute (NECKERMANN will 50% der Belegschaft kündigen) oder planen grundlegenden Veränderungen (OTTO-Gruppe). Carel Halff ist sich sicher, dass WELTBILD die Weichen bereits heute richtig gestellt hat: "Ich sehe sehr zuversichtlich in die Zukunft, wir haben ein großes Potential!"

Tarifrunde 2012: ver.di fordert 6 Prozent mehr Lohn 
Die Stichworte "Investitionen" und "Potential" kamen der Betriebsrätin Dolores Sailer gerade recht. Als Mitglied der ver.di-Tarif-Kommission forderte sie in einer sehr pointierten Rede: "Investieren Sie in die MitarbeiterInnen von WELTBILD: Wir haben dieses Unternehmen aufgebaut und wir sind das Potential für eine erfolgreiche Zukunft!" Die Gewerkschaft fordert 6% mehr Lohn (mindestens 110 Euro in den unteren Gehaltsgruppen) und 55 Euro mehr für die Auszubildenden bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Das entsprechende ver.di-Flugblatt wird in den nächsten Tagen im Betrieb verteilt.

Montag, 30. April 2012

Weltbild-Betriebsräte beim Arbeitnehmer-Empfang im Rathaus





Der Arbeitnehmer-Empfang im Goldenen Saal des Rathauses ist der traditionelle Auftakt zum 1. Mai in Augsburg. Am Vorabend des Maifeiertags waren BR-Vorsitzender Peter Fitz, ver.di-Betriebsgruppensprecher Timm Boßmann und Betriebsrat Johannes Ihmenkamp als Repräsentanten der WELTBILD- Belegschaft von Oberbürgermeister Kurt Gribl eingeladen.

In seiner Rede dankte der OB Betriebsräten und Gewerkschaften für ihren Einsatz, "dass die hart erkämpften Rechte der Arbeitnehmer gewahrt bleiben."

Zum Thema Leiharbeit positionierte sich das Stadtoberhaupt eindeutig: Wer arbeite müsse auch ein auskömmliches Einkommen haben, betonte Gribl.

Er freute sich über den Rückgang der Arbeitslosigkeit in Augsburg: 6,8 % gegenüber 7,4 % im Vorjahr trotz der Krise bei MAN-Roland: "Betriebsrat, Gewerkschaft und Geschäftsführung haben das Schlimmste verhindert: 1.500 Arbeitsplätze wurden gerettet!"

Gribl lobte auch den Tarifabschluss im Öffentlichen Dienst: "6,3 % sind eine haushalterische Herausforderung, aber gerechtfertigt!" So werde auf jeden Fall die Inflationsrate ausgeglichen.

Der Augsburger DGB-Chef Helmut Jung ging in seiner Rede hart mit der Unternehmens-(Un-)kultur in Deutschland ins Gericht: "Solange Raffgier, Korruption und Steuerbetrug an der Tagesodnung sind, solange ist der 1. Mai notwendig!"

Jung betonte den konstruktiven gesellschaftlichen Beitrag der Gewerkschaften: In den vergangenen 63 Jahren hätten die ArbeitnehmerInnen viel erreicht, das gelte es nun zu schützen. Jung wies ausdrücklich auf den Zukunftstarifvertrag bei WELTBILD hin: "Was wäre wohl passiert, wenn die KollegInnen das nicht durchgesetzt hätten...?!"

Zum Abschluss seiner überzeugenden Ansprache appellierte Jung an die anwesenden StadträtInnnen aller Fraktionen: "Nicht immer höhere Gewinne, sondern die Interessen der Menschen müssen im Mittelpunkt der Politik stehen."

Die Augsburger Maidemonstration der Gewerkschaften startet morgen früh um 9:30 Uhr am Moritzplatz.

Freitag, 23. März 2012

Zukunftstarifvertrag: Jetzt fehlt nur noch der Segen der Bischöfe

Gestern hat der Aufsichtsrat der Verlagsgruppe dem Zukunftstarifvertrag zugestimmt, den die Gewerkschaft ver.di mit Geschäftsführer Carel Halff ausgehandelt hat. Nun steht nur noch die Unterschrift der katholischen Gesellschafter aus, denen das Unternehmen gehört.

Nachdem prominente Bischöfe wie Kardinal Marx immer wieder öffentlich die soziale Verantwortung der Kirche gegenüber den MitarbeiterInnen betont hatten, hält Verhandlungsführer Stefan Kraft von ver.di deren Zustimmung für eine Formsache: „Wir gehen davon aus, dass die Bischöfe im April unterschreiben“, sagte Kraft gegenüber unserer Redaktion.

Auch Betriebsratsvorsitzender Peter Fitz zeigte sich sehr erleichtert: „Seit die Bischöfe im November letzten Jahres den Verkauf der Verlagsgruppe angekündigt hatten, herrschte große Unsicherheit im Unternehmen. Jetzt bekommt die Belegschaft endlich, was sie verdient: Arbeitsplatzgarantie und Sicherheit für ihre Familien.“

Der Zukunftstarifvertrag sichert alle Arbeitsplätze in Augsburg bis Ende 2014. Sämtliche Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen gelten in vollem Umfang weiter. Über einen Wirtschaftsausschuss wird die Mitwirkung des Betriebsrats beim Verkaufsprozess gesichert.

„Wir haben unsere wesentlichen Forderungen durchgesetzt“, erklärte ver.di-Betriebsgruppensprecher Timm Boßmann. „Diesen Erfolg verdanken wir dem Mut und der Entschlossenheit der Belegschaft!“ Die Augsburger Mitarbeiter hatten sich an zahlreichen Aktionen der Gewerkschaft beteiligt, unter anderem an einem großen Demonstrationszug zum Dom im Januar. „Der Zukunftstarifvertrag ist der Beweis, wie wichtig eine starke gewerkschaftliche Organisierung ist. Er zeigt, was Arbeitnehmer auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten erreichen können, wenn sie gemeinsam handeln.“

Freitag, 9. März 2012

Nach 4. Verhandlung: Zukunftstarifvertrag zum Greifen nah

Gewerkschaft ver.di sieht tragfähigen Kompromiss zur Beschäftigungssicherung.

Die Verhandlungen um den Zukunftstarifvertrag bei WELTBILD stehen unmittelbar vor dem Abschluss. Die Gewerkschaft ver.di setzt wesentliche Forderungen der Beschäftigten durch. Der neue Tarifvertrag soll ab Unterschrift bis zum 31.12.2014 gelten.

• Alle Arbeitsplätze sollen ab jetzt für 32 Monate gesichert werden. Es wird keine betriebsbedingten Kündigungen im Zusammenhang mit dem Verkauf geben.

• Der Standort Augsburg bleibt bis mindestens Ende 2014 erhalten.

• Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen gelten in vollem Umfang weiter.

• Auszubildende werden übernommen, die Anzahl der Ausbildungsplätze darf nicht reduziert werden.

• Über einen Wirtschaftsausschuss wird die Mitwirkung des Betriebsrats beim Verkaufsprozess gesichert.

Für die Beschäftigungssicherung wurde eine besondere Schutzklausel verhandelt: Diese bedeutet, dass betriebsbedingte Kündigungen nur über eine richterliche Einigungsstelle durchgesetzt werden können. In diesem Zusammenhang gibt es noch eine letzte juristische Frage, welche die WELTBILD-Geschäftsführung mit ihren Anwälten klären möchte.

Von der Gewerkschaft ver.di liegen zu dieser juristischen Frage zwei mögliche Lösungen auf dem Tisch. „Aus unserer Sicht sind die Verhandlungen beendet“, stellte Verhandlungsführer Stefan Kraft klar. „Wir erwarten die Unterschrift der Geschäftsführung im Laufe der nächsten Woche.“ Danach sind die Bischöfe dran, die den Vertrag mit ihren Unterschriften ratifizieren müssen. Dann wird sich zeigen, ob die Bischöfe zu ihren vielfachen öffentlichen Versprechungen stehen!

Was ist Ihre Meinung? Nutzen Sie die anonyme Kommentar-Funktion unten.

Presseschau



Einen ausführlichen Hintergrundbericht über "Ein veritabler Wirtschaftskrimi - Die wechselvolle Beziehung zwischen katholischer Kirche und dem Weltbild Verlag" findet man in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Man sollte den Weltbild-Verkauf überdenken, meint Hans Tremmel, Vorsitzender des Diözesanrats der Katholiken in der Erzdiözese München und Freising.
Interessanterweise sind die Artikel in kath.net
und ein bisschen weniger ausführlich in kathweb.at
deutlich länger als der in Radio Vatikan.
Ein bisschen Zensur kann nicht schaden, oder ?

Dann haben wir noch eine vierte Variante.
Die katholischen Medien sprechen mit vielen Zungen. Hier liest sich Herr Tremmel wieder etwas anders und spricht über die Erlöse und einen Teilverkauf.

Auch die Augsburger Allgemeine informiert über die Bischofskonferenz, interessant hier auch die Passage, daß die katholische Kirche laut Erzbischof Zollitsch gegen Leiharbeit ist und dagegen vorgeht.

Erzbischof Marx besteht auf einem Verkauf von Weltbild und meint, daß er sich für das Schicksal der Weltbild-Mitarbeiter interessiert und es sozialethisch wichtig sei, ihre Interessen im Blick zu behalten.
Er hat auch Verständnis für den Wunsch nach einem Tarifvertrag.

Man merkt, dass die Kirchenleute Meister der Worte sind.
Besonders verbindlich klingt das nicht.
Ich interessiere mich auch für das Schicksal der Schnecken im Garten und vermutlich ist es biologisch wichtig, ihre Interessen im Auge zu behalten.
Und ich habe Verständnis für ihren Wunsch nach frischen Salatblättern.
Ich streue aber trotzdem Schneckenkorn.

Die Stiftungslösung ist in der Frankfurter Allgemeinen Thema.

Der offene Brief findet Widerhall im Börsenblatt.

Was nettes zum Schmunzeln findet sich in der Süddeutschen - wie Mönche Wildschweine und Spanferkel in Wassertiere verwandelten, um sie während der Fastenzeit verspeisen zu können.

Ein Jesuit erzählt über die Medienpolitik der Kirche.
Über seine unternehmerischen Fähigkeiten soll sich jeder selbst ein Urteil bilden.
Er meint, dass Weltbild aufgrund der Überfülle der Titel und mangelnder Qualität wie Schlecker noch vor Ostern ins Trudeln geraten könne. Wie kommt er denn nur auf so etwas ?


Dienstag, 28. Februar 2012

Doppelter Druck auf die Deutsche Bischofskonferenz

Seit Montag tagt die Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Regensburg. Die Beschäftigten von WELTBILD haben sich mit einem Offenen Brief an die Gesellschafter in Erinnerung gebracht. Unterschrieben haben stellvertretend für die Belegschaft 18 Mitglieder des Betriebsrats und ver.di-Vertrauensleute. Hier dokumentieren wir den Offenen Brief im Wortlaut.

Parallel haben unsere KollegInnen bei Hugendubel 400 Protest-Postkarten an Kardinal Marx geschickt. Ausführlicher Bericht über diese gelungene Aktion im Hugendubel-ver.di-Blog.

Bitte nehmen Sie unsere Sorgen ernst und schenken Sie uns und unseren Familien eine sichere Zukunft

Hochwürdige Exzellenzen, sehr geehrte Bischöfe,

die meisten von uns arbeiten seit vielen Jahren – zum Teil seit Jahrzehnten – für WELTBILD. In dieser langen Zeit haben wir alles gegeben, um aus einem kleinen Zeitschriftenverlag den Marktführer im deutschen Buchhandel zu machen.

Wir respektieren Ihren Beschluss, die Verlagsgruppe WELTBILD zu verkaufen. Aber wir haben auch Angst: Angst um unsere Arbeitsplätze, Angst um die Sicherheit unserer Familien und Angst um die Arbeitsbedingungen, die wir als Mitarbeiter eines christlichen Unternehmens bisher hatten. Wir haben Angst um unsere Zukunft.

Deshalb verhandeln wir seit fast drei Monaten um einen Zukunftstarifvertrag, der unsere Leistung am Aufbau Ihres Unternehmens berücksichtigt. In vielen Punkten sind wir uns mit Ihrem Beauftragten, Herrn Carel Halff, schon einig: der Standort Augsburg soll erhalten bleiben, genauso Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen. Auch unsere Auszubildenden sollen übernommen werden. Das sind wichtige Fortschritte.

Bei dem wichtigsten Punkt – Beschäftigungssicherung – kommen wir dagegen gar nicht weiter. Die Geschäftsführung möchte sich angesichts schwieriger Marktbedingungen gern alle Wege offen halten und will nicht auf die Möglichkeit betriebsbedingter Kündigungen verzichten. Das mag man aus unternehmerischer Sicht verstehen; die Menschen im Betrieb verstehen es nicht.

Wir haben WELTBILD aufgebaut. Wir sind sicher, dass Sie einen würdigen Käufer finden können, der den Kolleginnen und Kollegen bei WELTBILD für vier Jahre ihre Arbeitsplätze garantiert. Mag sein, dass Sie als Eigentümer unter diesen Voraussetzungen einen etwas geringeren Verkaufspreis erzielen. Aber wir meinen: Das haben wir uns in den letzten 30 Jahren verdient.

Bitte unterstützen Sie unser Anliegen und machen Sie Ihren Einfluss gegenüber dem Aufsichtrat und der Geschäftsführung geltend. Wir brauchen einen Zukunftstarifvertrag, der diesen Namen verdient.

Vergelt’s Gott und herzliche Grüße von
2100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei WELTBILD
In der Presse hat der Offene Brief bereits erste Resonanzen ausgelöst:

Radio Vatikan: WELTBILD-Mitarbeiter erinnern an soziale Verantwortung

KathWeb – Erzbischof Zollitsch: "Wir wollen eine gute Zukunft für die Mitarbeiter."

Domradio.de: "Dialogprozess, Weltbild, Syrien"

Börsenblatt: Weltbild-Mitarbeiter fordern Jobgarantie

Der Buchreport berichtet auch über die Postkarten-Aktion unserer KollegInnen bei Hugendubel, die gleichzeitig durchgeführt wurde.

Im Hugendubel-ver.di-Blog wurde ebenfalls ausführlich über die Postkarten-Aktion berichtet.

Freitag, 24. Februar 2012

Wird WELTBILD nun doch nicht verkauft?

Ein Artikel der FAZ vom vergangenen Donnerstag sorgt für publizistischen Wirbel. Die FAZ hatte geschrieben, die Bischöfe suchten einen "dritten Weg" anstelle des Verkaufs. So wollten sie ihrer Verantwortung gegenüber den MitarbeiterInnen von WELTBILD gerecht werden. Auch der buchreport hatte bereits über die mögliche Wende im Verkaufsprozess berichtet.

Hier eine kleine Presseschau, was die Katholischen Presseorgane von dieser Option halten:

kath.net: Kommt doch Reform statt Verkauf?

Kathweb: Bischofskonferenz beurteilt nächste Woche "Optionen"

Pro (Christliches Medienmagazin): Quao vadis, Weltbild?

katholisch.de: Weltbild-Verkauf steht auf dem Prüfstand

Radio Vatikan: Bischöfe reden über Weltbild

Die Süddeutsche weist auf das grundsätzliche Dilemma hin


Wie beurteilen Sie die Option eines quasi "innerkirchlichen" Verkaufs? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion.

Mittwoch, 22. Februar 2012

SPD Augsburg: Solidarität mit WELTBILD-Belegschaft

Auch Augsburgs PolitikerInnen beobachten, was bei WELTBILD passiert. Ver.di-Betriebsgruppensprecher Timm Boßmann war heute zum Politischen Aschermittwoch der Augsburger SPD eingeladen, um über die Verhandlungen zum Zukunftstarifvertrag zu berichten. Wolfgang Kreissl-Dörfler, Mitglied des Europäischen Parlaments, Ulrike Bahr, Augsburger Parteivorsitzende, und der SPD-Fraktionschef im Rathaus, Stefan Kiefer, hörten genau hin, als Boßmann die Ängste der Beschäftigten schilderte und die Forderungen des Zukunftstarifvertrages vor über 100 ZuhörerInnen erläuterte. Wichtigster Punkt, da waren sich alle einig, ist die Sicherung der Arbeitsplätze von mehr als 2.000 Beschäftigten in Augsburg.

Neben Timm Boßmann berichteten auch die Betriebsratsvorsitzenden Jürgen Bänsch (manroland) und Willi Sattler (Osram) aus ihren Betrieben. Links im Bild: Gastgeber Michael Knuth, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA) in der SPD. 

Freitag, 17. Februar 2012

Neues aus der Presse


Die Abendzeitung titelt zur Hugendubel Betriebsversammlung:
Marx schwänzt Betriebsversammlung
Ein Kardinalsfehler

Ein Kommentar des Tagesspiegel zu "Die Kirche und die Weltlichkeit der Welt".

Dann gibt es noch einen Publizisten in der Passauer Neuen Presse, der bei uns den "katholischen Bildungsauftrag" vermisst.

Im Buchreport findet sich ein Videointerview mit dem Weltbild-Betriebsratsvorsitzenden Peter Fitz.

Viel Aufmerksamkeit hat die dritte Tarifverhandlungsrunde bekommen, sogar im Radio war Weltbild in den Nachrichten.
Darüber berichtet haben u.a.:
Der Buchreport
Das kathweb in Österreich (Katholische Presseagentur Österreich)
Die Stadtzeitung
Die Augsburger Allgemeine

Dienstag, 14. Februar 2012

3. Tarifverhandlung: Annäherungen – aber noch keine Lösung

Inhaltliche Annährung beim Thema Beschäftigungssicherung, aber Zeitraum weiter strittig

Nach dem unbefriedigenden Termin Ende Januar kam heute etwas Bewegung in die Verhandlungen um den Zukunftstarifvertrag bei WELTBILD. Die Geschäftsführung legte einen schriftlichen Entwurf vor, anhand dessen konstruktiv verhandelt wurde.

Beim Thema Beschäftigungssicherung hat die Geschäftsführung dem Druck der Tarifkommission nachgegeben. Die Beteiligungsrechte des Betriebsrats bei Kündigungen werden gestärkt. „Der neue Vorschlag des Arbeitgebers ist bedenkenswert“, sagte ver.di-Verhandlungsführer Stefan Kraft am Abend nach der vierstündigen Verhandlungsrunde. „Ob das Entgegenkommen ausreichend ist, hängt aber vom Gesamtpaket ab“, betonte Kraft.

Strittig ist weiterhin der Zeitraum, für den die Arbeitsplatz-Sicherung gelten soll. Die Geschäftsführung lehnt die Forderung von ver.di – vier Jahre ab Verkauf – immer noch ab. Thomas Gürlebeck, ver.di-Handelssekretär in Augsburg fordert: „Hier muss sich WELTBILD noch ordentlich bewegen, sonst kommen wir nicht zusammen.“

Am 9. März findet die vierte Verhandlungsrunde statt. Bis dahin haben beide Parteien Zeit, juristische Details zu klären und rechtlich sichere Formulierungen für die Punkte zu finden, bei denen man sich inhaltlich bereits einig ist. Das sind insbesondere Fragen der tarifrechtlichen Bindung nach dem Verkauf.

Donnerstag, 9. Februar 2012

Weltbild-BR zu Gast bei Hugendubel-Betriebsversammlung

Während wir in Augsburg bereits in die dritte Verhandlungsrunde über den Zukunftstarifvertrag gehen, herrscht in München noch Ruhe. Am Montag haben Betriebsratsvorsitzender Peter Fitz und Betriebsgruppensprecher Timm Boßmann als Gäste an der Hugendubel-Betriebsversammlung teilgenommen. Peter Fitz informierte über unsere Forderungen und den aktuellen Verhandlungsstand. Timm Boßmann berichtete von den vielfältigen Aktionen in Augsburg, mit denen wir Geschäftsführung und Kirche schon spürbar unter Druck gesetzt haben.


Zur Betriebsversammlung von Hugendubel kamen nur 80 KollegInnen. Bei 400 Angestellten in München ein bisschen schwach.

Uwe Kramm, BR-Vorsitzender von Hugendubel, machte deutlich, dass der Weltbild-Verkauf entgegen den Beruhigungsversuchen der Geschäftsführung sehr wohl schwerwiegende Folgen für die DBH-MitarbeiterInnen haben könnte. Er nannte in seiner Rede zahlreiche Beispiele für die enge Verflechtung zwischen Hugendubel/DBH und Weltbild:
»• Ohne einen konkurrenzfähigen Internetauftritt geht es für ein größeres Handelsunternehmen heute gar nicht mehr. Und die Basis für hugendubel.de ist die technische Plattform von Weltbild. Um im Internet reüssieren zu können, ist Hugendubel also auf Weltbild angewiesen.
• Wichtige Umsatzpotentiale realisieren wir bei Hugendubel, weil der Lieferant unserer Ware Weltbild ist. Sei es das Musiksortiment, seien es DVDs oder die Restauflagen von Jokers. Für die Belieferung durch Jokers haben wir unser MA-Zentrallager aufgegeben.
• Größe bedeutet Marktmacht und eine bessere Verhandlungsposition gegen¸ber Verlagen und Anbietern von Non-Books. Ohne die DBH und damit Weltbild könnte Hugendubel nicht die sehr guten Konditionen durchsetzen, die wir im Augenblick genieflen.
• Die Finanzierung des Unternehmens läuft über die DBH/Weltbild. Kapital beschafft sich Hugendubel über die Konzernmutter. Allein täte sich unsere Firma damit viel schwerer.«
Außerdem wies Kramm darauf hin, dass bereits jetzt zahlreiche Hugendubel-Filialen geschlossen oder verkleinert würden, z.B. das Flaggschiff in Berlin Tauentzien, die Filiale in Kassel und das Stammhaus am Salvatorplatz. Deshalb fordert ver.di seit Jahren einen Sozialtarifvertrag für die MitarbeiterInnen. Geschäftsführer Thomas Nitz ist weiterhin nicht zu Verhandlungen über einen solchen Tarifvertrag bereit. Er bot auf der Versammlung lediglich an, den mit dem BR vereinbarten Sozialplan zu verlängern.

Weltbild-BR-Vorsitzender Peter Fitz berichtete von den Fortschritten in Augsburg und machte klar: »Ihr müsst gemeinsam kämpfen, wenn ihr etwas erreichen wollt.«

Viel zu unverbindlich, fand Uwe Kramm und wurde darin im Laufe der Versammlung von zahlreichen Wortmeldungen unterstützt. Kramm verwies mehrmals auf Weltbild und die kämpferische Belegschaft in Augsburg:
»Mit gutem Zureden werden wir allerdings genau so wenig weiterkommen wie bisher. Deshalb lohnt sich der Blick zu Weltbild.
Hatte Herr Halff zunächst wenig Verständnis für die Forderung nach einem Zukunftstarifvertrag, wurden er und die Bischöfe als Gesellschafter durch das engagierte Auftreten der Weltbild-Beschäftigten schnell eines Besseren belehrt. Betriebsversammlung folgte auf Betriebsversammlung, es gab eine Postkartenaktion und sogar einen Protestmarsch zum Augsburger Dom!
Nur so funktioniert es: Das Schicksal in die eigenen Hände nehmen, dem Arbeitsgeber klarmachen, was man will, Taten statt Worte.
Nur wer beständig am Ball bleibt, wird seinem Ziel näherkommen!«
Einen ausführlichen Bericht und zahlreiche Kommentare finden Sie auch auf dem Hugendubel-ver.di-Blog und beim Buchreport.

Freitag, 3. Februar 2012

Presseschau


Ein paar neue Anmerkungen von Kardinal Marx zum Thema Weltbild, Kirchensteuer, Gott und den Teufel.
Sogar das Bistum Augsburg berichtet über das Treffen mit Bischof Zdarsa.

Auch das Münchner Kirchenradio befasst sich mit dem Thema Weltbild.
Und die Österrreicher.

Wenn sich die Katholiken als nächstes genauso intensiv mit der Durchsetzung des Zukunftstarifvertrags beschäftigen, könnten wir das Thema schnell erledigen.

Ein Bericht über das Treffen mit dem Bischof in der Süddeutschen.

Die Stadtzeitung zum Treffen mit Bischof Zdarsa, in welchem der Bischof Weltbild zum Tendenzbetrieb ernannte, in dem die Mitbestimmungsgesetze eingeschränkt wären.

Wer wissen will, wie wir in die Situation überhaupt gekommen sind, kann immer wieder gerne was über die Brüder Müller nachlesen.
Kurioserweise scheint Ihnen der Sturm, den sie ausgelöst haben, langsam ein bißchen zu viel zu werden, denn sie halten den Weltbild-Verkauf für die falsche und unkreativste Lösung.


Dienstag, 31. Januar 2012

Gedankenspiele in der AZ: Wer kauft WELTBILD?

In der Augsburger Allgemeinen vom Wochenende hat der Wirtschafts-Redakteur Dr. Michael Kerler einige interessante Überlegungen angestellt:

Wer kauft WELTBILD?

Für uns MitarbeiterInnen ist es letztlich egal, wer den Laden übernimmt: Der Zukunftstarifvertrag und unsere Aktionen schrecken unseriöse Interessenten ab. Alle Käufer müssen sich daran halten, was im Zukunftstarifvertrag vereinbart wird. Darum ist es so wichtig, dass wir uns mit unseren Forderungen durchsetzen. Und darum ist es so wichtig, dass der Zukunftstarifvertrag VOR dem Verkauf unter Dach und Fach ist!

Pressemeldungen zum Treffen mit Bischof Zdarsa

Über das Treffen haben wir bereits gepostet. Hier noch die Pressemitteilungen.

Domradio: Bischof Zdarsa äußert Verständnis für Weltbild-Mitarbeiter

Kathweb: "Weltbild"-Verkauf: Bischof zeigt Verständnis für Betriebsrat

Augsburger Allgemeine: Weltbild-Mitarbeiter und Bischof nähern sich an

Sonntag, 29. Januar 2012

Heiliger Bimbam: Die Sonntagssprüche von Kardinal Marx (Folge 8)

Viel ist in der letzten Woche passiert, und wir haben einiges für die MitarbeiterInnen und Mitarbeiter von Weltbild erreicht. Mancher mag munkeln, dass die neuen Meldungen aus dem Allgäu den Sinneswandel bei unserem Bischof herbeigeführt haben: Die Müller-Brüder aus Immenried wollen Weltbild nämlich gar nicht mehr verkaufen ;-) Spaß beiseite: Entscheidend für unser Gespräch mit Bischof Zdarsa war der öffentliche Druck und unsere Demo vor dem Dom.

Wir haben den Eindruck, dass der Bischof unser Anliegen verstanden hat und ernst nimmt. Allerdings gilt weiterhin, was wir seit neun Wochen fordern: "Klare Verträge statt weicher Worte!" Es kommt also darauf an, dass Bischof Zdarsa unserer Position in der Bischofskonferenz Gehör verschafft und den Absichtserklärungen konkrete Taten folgen.

Und wer könnte "unseren" Bischof dabei besser unterstützen, als Kardinal Marx, der sein Engagement für soziale Frage wie einen Banner vor sich her trägt? Darum setzen wir die "Sonntagssprüche" fort. Auch Kardinal Marx – so scheint es uns – braucht noch ein wenig Ermutigung, den schönen Worten gute Taten folgen zu lassen.

Heute z. B. drückt Kardinal Marx auf Seite 58 seines Buches seine feste Überzeugung aus, dass Fragen wie „Was bringt es? Funktioniert es? Kann ich es experimentell abrufen? Wirft es Gewinn ab?“ nicht alles sein können, wenn es um den Menschen geht. Da sind wir ganz der Meinung unseres Kardinals und Arbeitgebers. Und auch das, was er auf Seite 60 schreibt, können wir voll und ganz unterschreiben: Der Mensch habe eine unantastbare Würde und niemand dürfe über ihn verfügen, der Mensch ist nicht nur ein Mittel für fremde Zwecke, wir Weltbild Mitarbeiter dürfen also nicht nur von den Bischöfen verzweckt werden, um möglichst großen Reibach zu machen oder die Welt zu missionieren. Beruhigend sowas zu lesen und die Folgen für uns daraus zu ziehen.

Und auch der nächste Gedanke von Kardinal Marx findet unseren Beifall. Die Freiheit, so schreibt er Seite 61 in seinem „Kapital“, muss an letztverbindliche Normen gebunden werden, sonst wird sie zum Spiel der Interessen und der Macht. Meint: Freiheit darf nicht alles. Meine Freiheit ist bezogen auf andere Menschen. Und die Freiheit der Bischöfe, Weltbild zu verkaufen, ist bezogen auf die Freiheit der Weltbild-MitarbeiterInnen. Denn das Du und das Ich sind aufeinander bezogen.

Na, vielleicht kommt es ja doch noch zu einem Gespräch mit Kardinal Marx. Denn wie soll denn menschliches Aufeinander-Bezogensein funktionieren, ohne dass man miteinander spricht? Mit Bischof Zdarsa haben wir schon gesprochen – und es war gar nicht schlimm. Vielleicht kann sich Kardinal Marx auch bei seinem Mitbruder in Augsburg Mut holen.

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