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Freitag, 25. Mai 2018

Die Statik zielloser Bewegung


Umzüge sind nicht zwingend eine schlechte Sache. Im manchen Regionen, zu bestimmten Zeiten sind sie für gewisse Gruppen sogar der absolute Hammer. Zum Beispiel im Rheinland, im Februar ... für Narren. 
Es scheint als hätte dies die rheinische Frohnatur Walter P. J. (steht das für Jeck?) Droege dazu inspiriert auch hier in Augsburg etwas derartiges zu veranstalten. 

Geplant ist, durch einen riesigen Umzug alle Bereiche des Wareneinkaufs von Weltbild, der momentan auf zwei Gebäude verteilt ist, zusammenzuführen. Die Anzahl der betroffenen Mitarbeiter ist beträchtlich und die Planung noch "streng geheim", eventuell auch den Entscheidungsträgern bisher noch gar nicht eingefallen. 

Auf den ersten Blick mag das Vorhaben ganz sinnvoll erscheinen, Kollegen, die dasselbe tun, auch räumlich nahe beieinander zu haben. Der zweite Blick allerdings offenbart, dass die ganze Aktion außer Kosten, Arbeitszeitverlust und Stress herzlich wenig bewirken kann.
Die beiden Bereiche CM Media (Bücher, Musik, Filme) und CM Non-Media (der ganze Rest, größtenteils Importware) haben, laut Information der Kollegen, weder in den Arbeitsabläufen noch in der Sortimentsabstimmung besonders viel gemeinsam und liefen bisher auch auf die Distanz ganz geschmeidig nebeneinander her. Ob also ungeahnte Synergieeffekte dem Unternehmen Weltbild großen Nutzen bringen werden, ist mehr als fraglich.

Dazu kommt, dass die angespannte räumliche Situation ein unüberschaubares Stühlerücken auslösen wird. Es ist ja nicht so, dass die einen einfach zu den andern umziehen können, ohne, dass dafür wieder andere Mitarbeiter Platz machen müssten. Und vielleicht stellt man am Ende fest, dass die neue Ordnung bisher funktionierende Strukturen auseinander gerissen hat.
Möglich ist auch, dass nach der ganzen Reise nach Jerusalem für manche Mitarbeiter gar kein Platz mehr übrig ist ... dumm gelaufen. Das wäre aber kein Kündigungsgrund, oder? 
Move and fire, aber wir wollen niemand auf dummen Gedanken bringen.

Eine derartige Aktion leuchtet in Anbetracht der noch immer sehr angespannten, wirtschaftlichen Situation wirklich nicht ein. Sinnvoll wäre das Vorhaben zu bewerkstelligen, wenn Weltbild, wie Droege angekündigt hatte, zeitnah in ein neues Gebäude umzieht, in dem alle Mitarbeiter Platz finden und die Abteilungen in einem Ruck, ohne Stress zusammen geführt werden könnten. 

Wenn man es mit dem Zitat "Stillstand ist der Tod" halten möchte, ist sinnfreies Im-Kreis-Rennen zwar Bewegung, aber nichts, was einen auch nur einen Zentimeter vorwärts bringen könnte. An dieser Stelle erschließt sich auch der kryptische Titel dieser Zeilen.

Die fehlende Sinnhaftigkeit einer Idee, ist aber bei Weltbild leider schon lange kein Argument mehr, die Finger von komplettem Schwachsinn zu lassen ... der Hinweis auf den glorreichen  "Umzug" unserer Logistik nach Tschechien muss an dieser Stelle nicht explizit erfolgen. 

Was einem bei diesem mutmaßlich planlosen Plan am meisten erschreckt, ist die Tatsache, dass in der Vergangenheit das Endergebnis solcher Planungen, die schlimmsten Befürchtungen bei weitem übertroffen hat.

Den Kollegen läuft die Vorfreude auf den Umzug schon jetzt lauwarm den Innenschenken hinab.  In diesem Senne: "Helau und Alaf!".

Freitag, 18. Mai 2018

Um ein paar Knedlíky: WELTBILD feuert Kollegin nach 27 Jahren fristlos


Stellen Sie sich das einmal vor: Ihr Arbeitgeber schließt seine Logistik in Deutschland, weil es in Tschechien angeblich billiger geht. Sie und Ihre KollegInnen schmeißt er raus. Was Sie in den letzten 25 Jahren für das Unternehmen geleistet haben, ist Ihrem Arbeitgeber nichts wert. Betriebsrat und Gewerkschaft streiten wenigstens eine Transfergesellschaft zur Überbrückung und ein kleine Abfindung heraus, aber Ihren Job sind Sie im Alter von über 50 Jahren los. 

Dann stellt ihr Arbeitgeber fest, dass ein moderner Versandhandel doch etwas komplexer ist als vermutet. Darum fleht er Sie als ehemalige Fachkraft an, den neuen MitarbeiterInnen in Tschechien beizubringen, wie das Geschäft funktioniert. Sie willigen ein und arbeiten künftig hunderte Kilometer weit weg von zuhause in Bor. Dort gibt es keinen Betriebsrat, keine Gewerkschaft, keinen Arbeitsschutz: Sie arbeiten bis spät in die Nacht hinein, am Wochenende und über die Feiertage… Sie opfern sich auf, damit das Versandhandelsgeschäft Ihres Arbeitgebers nicht völlig zusammenbricht.

Hungerlöhne in der Diaspora

Ihre neuen KollegInnen sprechen kaum Deutsch. Die meisten sind LeiharbeiterInnen aus Rumänien, weil auch die Tschechen nicht zu den Hungerlöhnen arbeiten wollen, die Ihr Arbeitgeber für angemessen hält. Abends sitzen Sie mit der Handvoll Augsburger KollegInnen zusammen, die wie Sie in der tschechischen Diaspora gelandet sind. Manchmal laden Sie sich gegenseitig auf ein Bier oder ein Knödelgericht ("Knedlíky") ein.

Nach einem weiteren Jahr, in dem Sie so viel und so hart gearbeitet haben, wie nie zuvor in Ihrem Leben, glaubt Ihr Arbeitgeber, dass er jetzt ohne Sie auskommen kann. Ohne viel Federlesens schmeißt er Sie wieder raus. Sie sind aber nicht bereit, so mit sich umspringen zu lassen und reichen Kündigungsschutzklage ein. Daraufhin bietet der Arbeitgeber Ihnen einen Aufhebungsvertrag mit einer Abfindung an. Diese ist aber deutlich kleiner als Sie nach 27 Jahren Betriebszugehörigkeit erwarten dürfen. Und sie ist auch kleiner als in einem Sozialplan vorgesehen, den der Arbeitgeber mit dem Betriebsrat ausgehandelt hat. Folgerichtig unterschreiben Sie nicht, sondern wollen die Sache vom Gericht klären lassen.

Verhängnisvolle Knedlíky

Nun werden Ihnen die Knedlíky, die Sie mit Ihren KollegInnen genossen haben, zum Verhängnis. Sie haben vergessen, diese von den Verpflegungsmehraufwendungen, die auf der Reisekostenabrechnung angegeben werden, abzuziehen. Ihr Arbeitgeber hat sicher lange suchen müssen, aber dann hat er tief in den Kellern einige fehlerhafte Abrechnungen dieser Art gefunden und kündigt Ihnen deshalb fristlos. Um eine Abfindungszahlung zu sparen, wird Ihre Lebensleistung in den Dreck getreten!

An Ihrem Beispiel erkennen andere KollegInnen in Augsburg, dass Ihr Arbeitgeber inzwischen jeden Anstand und alle Skrupel verloren hat. Wer den GeschäftsführerInnen Christian Sailer und Angela Schünemann quer kommt, wird gnadenlos plattgemacht. Im Zweifel hat Personalchef Manfred Ries immer eine Idee, wie er Sie fertig machen kann.

Darum werden Ihre KollegInnen jetzt sehr vorsichtig und geben Fahrtkostenerklärungen und Spesenabrechnungen nur noch mit einer besonderen Erklärung ab:

Sehr geehrter Herr Sailer, sehr geehrte Frau Schünemann, sehr geehrter Herr Ries,

es ist eine Gnade, dass ich in Ihrer Firma arbeiten darf. Ich habe zwar seit sechs Jahren keine Gehaltserhöhung, keine Fortbildung oder sonst irgendeine Anerkennung erhalten, aber ich bin trotzdem zufrieden. 

Ich lasse mich gerne von fachfremden Managern belehren, erfülle bereitwillig unsinnige Vorgaben und arbeite einfach härter, schneller und länger, damit Ihre Firma trotzdem nicht untergeht. Aber ich weiß auch, dass mich das im Falle eines Falles nicht davor schützt, Ihren heiligen Zorn auf mich zu ziehen. 

Deshalb gebe ich diese Erklärung/Abrechnung nur unter Vorbehalt ab. Bitte lassen Sie vor der Auszahlung unbedingt von mehreren Fachleuten und Anwälten prüfen, ob tatsächlich alles korrekt ist. Im Zweifelsfall zahlen Sie lieber weniger oder gar nichts von meinen Auslagen zurück. Ich verzichte gern auf Geld und Anerkennung, wenn ich nur weiter für Sie und Herrn Walter Droege aus Düsseldorf arbeiten darf. 

Mit ergebensten Grüßen küsst den Boden, auf dem Sie wandeln 

IhrE MitarbeiterIn

PS: Dieser Text ist eine Satire, falls es der Arbeitgeber-Anwalt nicht von alleine merken sollte! 

Donnerstag, 23. März 2017

Der Knüller: Weltbild hatte mal eine tolle eigene Logistik!


Sensationeller Fund – Historisches Dokument aufgetaucht!


Kaum zu glauben. Aus den Tiefen des Internets ist bei youtube ein Video aufgetaucht, das ihr unbedingt anschauen müsst. Da fasst man sich an den Kopf und fragt sich staunend: Gab's das wirklich? Ja, das gab's wirklich – bei Weltbild.

Ein hochmodernes Versandzentrum, genau auf die Bedürfnisse von Weltbild zugeschnitten, wo komplexe Abläufe reibungslos ineinander laufen, wo alles genau aufeinander abgestimmt ist und ausgeführt wird von qualifiziertem Personal! Das Know-how, die Technik und die Kompetenz – alles in einer Hand bei Weltbild. Und das direkt vor der Haustür in Augsburg Lechhausen. All das mit einem einzigen Ziel: Damit die Kunden zügig genau das bekommen, was sie bestellt haben. Unglaublich!

Wenn es das nicht schon gegeben hätte, man hätte es erst erfinden müssen ... oder irgendwo anders mühsam neu bauen müssen ... 




Ja, hätte man das mal früher gewusst ... Hätte einem das mal einer gesagt ... 

Diejenigen, die sich heute mit den Abläufen der neuen Logistik in Bor befassen, werden mit großen Augen vor dem Bildschirm sitzen und denken: geradezu unglaublich, wie das alles funktioniert hat!

Und diejenigen, die jahrelang im Weltbild-Versandzentrum gearbeitet haben und dann miterleben mussten, wie es nach und nach platt gemacht wurde, und die alle in die Arbeitslosigkeit gegangen sind ... denen wird es die Tränen in die Augen treiben.

Kein Wunder, dass der Betriebsrat und die Gewerkschaft bis zuletzt vehement für eine Fortführung der Weltbild-Logistik gekämpft haben – und nie von diesem Ziel abgerückt sind.

Und nicht zuletzt wird diejenigen unter den KollegInnen, die meinten, ihre eigenen Jobs retten zu können, indem man stillschweigend die Logistik opfert, langsam ein mulmiges Gefühl beschleichen beim Vergleich des Videos mit dem aktuellen Bor-Versand. 

Ob die Überflieger von der Droege Group in Düsseldorf überhaupt wussten, was es hier für ein tolles Versandzentrum gab? Wahrscheinlich nicht, denn der sensationelle Film aus dem Internet kommt ja jetzt erst ans Tageslicht. 

Nee, Spaß beiseite. Natürlich wussten sie es. Aber es ist ihnen zu teuer gewesen. Kennt man ja.

Ist immer gut, wenn man einen Investor an Hand hat, der ein top funktionierendes Versandzentrum so konsequent schließen kann. Jedes Metier hat seinen Meister! 


Samstag, 18. März 2017

WELTBILD-Logistik nimmt Abschied: Danke, Herr Dröge, für NICHTS!


"Ihr wart verantwortlich für die Arbeitsbedingungen von Menschen, die ihr gar nicht kennt." Sichtlich bewegt nahm ver.di-Sekretär Thomas Gürlebeck am Freitag Abschied von den KollegInnen der WELTBILD-Logistik. Als einer der wenigen streikfähigen Betriebe habe WELTBILD die Tarifverträge des bayerischen Buchhandels entscheidend geprägt. "Ohne euch ist die Luft raus", fürchtet der Gewerkschafter und bedankte sich auf der letzten Betriebsversammlung vor der Schließung bei den KollegInnen.



Auch BR-Vorsitzender Peter Fitz nahm nach 26 Jahren Abschied: "Den größten Teil von euch kenne ich schon seit Jahrzehnten, und es war mir immer eine Freude mit euch zusammenzuarbeiten. Wir haben in dieser Zeit viel erreicht, und wir konnten uns immer aufeinander verlassen. Ohne euch wäre es unmöglich gewesen, auch nur eine der zahlreichen Gehaltserhöhungen durchzuboxen."

Der BR wehrte sich bis zuletzt gegen die Schließung

Peter Fitz betonte, dass sich der Betriebsrat bis zuletzt "vehement und mit allen guten Argumenten" gegen die Schließung gewehrt hatte. Am Ende leider erfolglos: "Wieder einmal hat es ein Kapitalist, in unserem Fall ein Herr Droege aus Düsseldorf, geschafft, ein Unternehmen, das man nach der Insolvenz wieder gut hätte weiterführen und zum Erfolg bringen können, durch Ignoranz, Kaltschnäuzigkeit und Rechthaberei an die Wand zu fahren."

Das bestätigte auch Gürlebeck: "Ihr seid dafür verantwortlich, dass es 2014 weiterging. Durch euren unverdrossenen Einsatz war es möglich, Herrn Dröge ein zukunftsfähiges Unternehmen zu übergeben. Jetzt nimmt er WELTBILD die größte Stütze weg – eine funktionierende Logistik."

Das betonte auch die langjährige Betriebsrätin Visnja Bernhard: "Wir haben bis zum Schluss unseren Job gemacht. Wir gehen erhobenen Hauptes hier raus, denn wir sind es wert!" Zusammen mit Peter Fitz hat Visnja Bernhard den Betriebsrat von WELTBILD über Jahrzehnte geprägt. Etliche Betriebsvereinbarungen – wie zum Beispiel zur flexiblen Arbeitszeit – gehen wesentlich auf ihren unermüdlichen Einsatz zurück. Dafür und für den kämpferischen Einsatz als Gewerkschafter bedankte sich Thomas Gürlebeck bei beiden mit einem Blumenstrauß.



"Wir gehen erhobenen Hauptes hier raus!"

Im Anschluß meldeten sich auch die Betriebsseelsorger Erwin Helmer, Hans Gilg und Leo Bernhard zu Wort. Alle drei haben die WELTBILD-Belegschaft während der letzten Jahre intensiv begleitet und unterstützt. Helmer erinnerte an Artikel 14 des Grundgesetztes: Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen. "Da hat wohl jemand gelesen: Eigentum soll der Gemeinheit dienen. Ihr seid Opfer einer Gemeinheit geworden und falscher Versprechungen. Hier werden Menschen zu Spekulationsobjekten gemacht, das ist eine Ungerechtigkeit."

Hans Gilg von der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) erzählte von der Begegnung mit einer Kollegin: "Die hat mir gesagt: Dröge hat mir die Gesundheit genommen und jetzt auch noch meinen Arbeitsplatz und meine Existenz. Aber meine Würde nimmt er mir nicht." Gilg ist sich sicher: "Wenn ihr am letzten Tag in den Spiegel schaut, dann könnt ihr reinschauen, denn ihr habt bis zuletzt gekämpft. Ich weiß nicht, was ein Herr Dröge sieht, wenn er in den Spiegel schaut."

Milliardär Dröge jetzt auf Platz 15 der reichsten Deutschen

Dazu passte auch ein Hinweis von Peter Fitz: In dem Zeitraum, in dem Droege tausende von Arbeitsplätzen bei WELTBILD und in den Filialen vernichtete, "kletterte er von Platz 74 auf Platz 15 auf der Liste der reichsten Deutschen und hat inzwischen ein Privatvermögen von unvorstellbaren 6,4 Milliarden Euro angehäuft."

Entsprechend versammelten sich ein letztes Fähnlein ungebrochener Logistik-KollegInnen für ein letztes Foto hinter einem Banner mit der Aufschrift "Vom Retter zum Schredder – Hauptsache Dröge geht es gut!" Beendet wurde die Betriebsversammlung mit einigen Piccolos Sekt, den die Gewerkschaft ver.di spendiert hatte. Auf den Etiketten stand zu lesen, was den KollegInnen auf der Zunge lag: "Ich habe fertig… Danke, Herr Droege, für NICHTS!"


Donnerstag, 13. Oktober 2016

ALSO-Logistik schließt – Tarifgespräche bei WELTBILD abgebrochen


Die Weltbild-Logistik schließt endgültig am 31. März nächsten Jahres. Das teilte Betriebsratsvorsitzender Peter Fitz heute der Belegschaft auf einer Betriebsversammlung in Lechhausen mit. Betriebsrat und Gewerkschaft haben seit der Insolvenz 2014 um den Erhalt der Logistik in Augsburg gekämpft.

Allerdings konnten sie nicht verhindern, dass die Logistik des Versandhändlers in eine rechtlich eigenständige Firma namens "ALSO Logistics Services" ausgegliedert wurde. Trotzdem gelang es der Interessenvertretung immer wieder, Fortführungsvereinbarungen für die Logistik auszuhandeln. Nach der – wie viele sagen: vorsätzlich herbeigeführten – Insolvenz der ALSO wurde in mehreren Schritten massiv Personal abgebaut. Am Ende blieben nur noch rund 280 von einst über 1.000 KollegInnen. Jetzt kam auch für sie das endgültige Aus.

ver.di: Verantwortung für das Desaster liegt in Düsseldorf

Gewerkschaftssekretär Thomas Gürlebeck von ver.di benannte laut und deutlich die Verantwortlichen für das Desaster: "Der Erfüllungsgehilfe von Walter Droege in Ausgburg, Geschäftsführer Hofmann, ist verantwortlich, dass ihr jetzt arbeitslos werdet." Die Entscheidung von WELTBILD, die Logistikdienstleistungen nach Tschechien auszulagern, habe das Ende der Logistik besiegelt. "Dabei hätte es viele andere und bessere Möglichkeiten gegeben, für die ver.di zusammen mit eurem Betriebsrat bis zuletzt gekämpft hat."

Betriebsrat: Abfindungen und Transfergesellschaft für die Betroffenen

Peter Fitz führte aus, was der Betriebsrat erreichen konnte: • Alle MitarbeiterInnen können bis Ende März bleiben, es gibt keine weiteren Entlassungen vor der Schließung. • Es wird Abfindungen geben, die den Rahmen des Insolvenzrechts maximal ausschöpfen. Die Auszahlung erfolgt aber erst in einigen Jahren, wenn der Betrieb komplett abgerechnet sein wird. • Alle KollegInnen erhalten das Angebot zum Übertritt in eine Transfergesellschaft, die bis Ende 2017 laufen wird. • Die Spedition A. Schmid, die einen Teil der Logistik-Dienstleistungen übernehmen wird, hat dem Betriebsrat garantiert, KollegInnen von WELTBILD einzustellen. Zunächst mindestens 15, später eventuell weitere. Das bekräftigte auch Personalvorstand Herbert Robel von A. Schmid, der auf Einladung des Betriebsrats an der Versammlung teilnahm.


Weitere Betriebsversammlung bei WELTBILD


Nach der Betriebsversammlung in Lechhausen folgte eine zweite Versammlung für die KollegInnen der WELTBILD-Verwaltung im Univiertel. Dort arbeiten die verbliebenen rund 300 MitarbeiterInnen der Verwaltung inzwischen. Im Mittelpunkt hier: Die psychische Gefährdungsbeurteilung, die auf Betreiben des Betriebsrats kommende Woche startet.

Psychische Gefährdungsbeurteilung startet nächste Woche

Ein wissenschaftlich qualifiziertes Institut wird zunächst einen Fragebogen im Internet freischalten, den jedeR MitarbeiterIn unter Wahrung vollkommener Anonymität ausfüllen kann. Basierend auf der Auswertung des Instituts werden noch in diesem Jahr Gespräche zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung folgen. Ziel: Die tägliche Belastung und Stressfaktoren für die ohnehin insolvenz-gebeutelte Belegschaft senken. "Die Qualität des Arbeitsplatzes wirkt sich nachweislich direkt auf die statistisch zu erwartende Lebenszeit aus", machte der stellvertretende BR-Vorsitzende Timm Boßmann die Bedeutung des Themas deutlich. Betriebsbrätin Manuela Natterer erläuterte anschließend Details zu der Untersuchung und dem Verfahren. Über den Start der Befragung wird in der kommenden Woche per E-Mail informiert. Der dort enthaltene Link ist auch vom heimischen Computer aus aufrufbar.

Logistik-Schließung gefährdet auch WELTBILD

Bei der Versammlung im Univiertel ergriff Thomas Gürlebeck erneut das Wort. Er schilderte nochmals eindringlich die Risiken, die für WELTBILD mit der Entscheidung verbunden sind, die Logistik nach Tschechien zu verlagern,: "Kein anderer Versandhändler tut das heute noch. Im Gegenteil: Jene, die ihre Logistiken früher einmal ausgelagert haben, holen sie gerade zurück, weil die Qualität leidet und die Kosten eher steigen als sinken." Als Beispiel nannte der Gewerkschaftssekretär den WELTBILD-Konkurrenten Amazon. "Die Geschäftsführung dort lehnt es strikt ab, Logistikkompetenz aus der Hand zu geben. Amazon geht den umgekehrten Weg und holt weitere Teile der Wertschöpfungkette Versand in den eigenen Konzern." Gürlebeck kann die WELTBILD-Entscheidung nicht nachvollziehen: "In jedem anderen Bereich nennt euer Management Amazon als Benchmark, aber ausgerechnet bei dieser lebenswichtigen Frage macht Amazon Unsinn?"

Tarifverhandlungen gestoppt


Die Schließung der Logistik gefährde das Unternehmen WELTBILD, machte Gürlebeck deutlich. Deshalb hat die Gewerkschaft ver.di jetzt auch Sondierungsgespräche zum Thema "Sanierungstarifvertrag" beendet. Die Geschäftsführung versucht seit einigen Wochen, mit ver.di einen Sanierungstarifvertrag zu verhandeln, der deutliche Einkommenseinbußen für die Beschäftigten bei WELTBILD zu Folge hätte. Unter anderem sollte es um das Urlaubs- und Weihnachtsgeld gehen. "Die Voraussetzung für weitere Beiträge der Beschäftigten zur Sanierung ist ein tragfähiges Zukunftskonzept für das Unternehmen. Das sehen wir im Moment nicht.", erklärte der ver.di-Sekretär.

Eine weitere Forderung sei die Rückkehr des Unternehmens in einen Flächentarifvertrag nach der Sanierung. Aber auch hier ist Gürlebecks Eindruck ausgesprochen negativ: "Die Zusicherungen eurer Geschäftsführung sind wenig glaubwürdig." Vielmehr sei man schon während der ersten Gespräche über widersprüchliche Aussagen der Arbeitgebervertreter gestolpert, die diese nicht auflösen wollten. Auch  deshalb habe die Tarifkommission sich einhellig für den Abbruch der Gespräche entschieden. Gürlebeck forderte die Geschäftsführung auf, ihre Hausaufgaben zu machen und sich das Vertrauen der ArbeitnehmerInnen zu verdienen: "Dann können wir uns im nächsten Jahr wieder an einen Tisch setzen."

Mittwoch, 13. Juli 2016

Betriebsversammlung: Was von WELTBILD übrig blieb


Ein trauriges Bild: In der sogenannten Dachser-Halle, aus der einst über 400 Filialen beliefert wurden, traf sich am Montag der klägliche Rest der WELTBILD-Belegschaft zur Betriebsversammlung. Wo einst die Sortieranlage in der Größe eines Einfamilienhauses mit Etikettier-Robotern und Fördertechnik um die Wette ratterte, stehen heute Bierbänke. Die hat man sich von einer Brauerei geliehen. Drumherum ist noch sehr viel freier Platz. Auf den Bänken sitzen vielleicht 400 Menschen, also zwei Drittel der Rest-Belegschaft, die einst 2.400 Köpfe zählte. 

Die Stimmung ist ruhig. Sind die KollegInnen gelassen, oder erwarten sie einfach nichts mehr? Direkt nach der Pleite Anfang 2014 war das noch anders. Damals war viel Angst in den Gesichtern zu lesen. Aber auch die Entschlossenheit, alles zu geben, um WELTBILD doch noch irgendwie zu retten. "Wir sind alle Weltbild", stand auf den Plakaten zu lesen und auf Buttons, die sich die KollegInnen angesteckt hatten.

Mitte 2014 schien die Trendwende sogar geschafft. Nach einem herben Personalschnitt war immerhin noch rund die Hälfte der ursprünglichen Belegschaft an Bord. Im Sommer 2014 wurde Walter P. Droege als neuer Investor mit tosendem Applaus willkommen geheißen. Der Milliardär aus Düsseldorf war angetreten, um den "gesunden Kern" von WELTBILD zu neuen Erfolgen zu führen. Er setze auf den Einsatz und die Leistungsfähigkeit der WELTBILD-Beschäftigten, hieß es. Die Identifikation mit dem Betrieb sei bei WELTBILD außergewöhnlich hoch, habe man in Düsseldorf erkannt. Das sei der Erfolgsfaktor für die Zukunft.

WELTBILD Stück für Stück kaputtgemacht

Nach den warmen Worten folgte eine kalte Dusche der anderen: Die Logistik wurde erst abgespalten und dann zielstrebig in eine Folgeinsolvenz geführt. Eine andere Firma aus dem Droege-Imperium hat bessere Verwendungsmöglichkeiten für die wertvollen Immobilien, die ihr durch den Insolvenz-Deal zufielen. Zukünftig soll WELTBILD über einen Partner in Tschechien ausliefern. Dort ist bis jetzt aber nur eine Baustelle.

Das Filial-Netz des einstmals größten Buchhändlers Europas wurde in mehreren Schritten auf weniger als ein Viertel zurückgeschnitten. Dazu scheute Droege auch nicht vor der Allianz mit einer dubiosen Scheinfirma zurück, die ebenfalls absehbar pleite ging. Die Beschäftigten dieser Filialen schickte man ohne nennenswerten Sozialplan in die Arbeitslosigkeit.

In der Verwaltung wurde hin und her und her und hin restrukturiert, begleitet von weiteren Entlassungswellen. Der Betriebsrat kämpfte bis zuletzt für einen besseren Businessplan und gegen die Kündigungen. Am Ende meldeten sich viele KollegInnen freiwillig für die Transfergesellschaft. Sie hatten die Hoffnung aufgegeben.

Nun also sitzt der traurige Rest der WELTBILD-Mannschaft in der stickigen Dachser-Halle. An den Wänden die typischen Hinterlassenschaften eines eiligen Auszugs: kaputte Paletten, Verpackungsmaterial, Elektroschrott. Vorne am Rednerpult die Geschäftsführung. Sie dankt den Beschäftigten für ihren Einsatz. Die lassen die Köpfe hängen. Die Kostenreduktion sei erfolgreich gewesen, sagt die Geschäftsführung. Die Blicke schweifen durch die leergeräumte Halle: 10.000 Kubikmeter heiße, abgestandene Luft. Jetzt wolle man wieder nach vorn, verspricht die Geschäftsführung, "raus aus der Abwärts-Spirale!" Niemand klatscht.

Der Betriebsrat hätte sich lieber geirrt

Der Betriebsrat ergänzt, was die Geschäftsführung vergessen hat zu erzählen: Zum Beispiel, dass der Betrieb des Spielzeugversenders KIDOH in den nächsten Wochen eingestellt werden wird. Es lohne nicht mehr, hatte die Geschäftsführung eine Woche zuvor mitgeteilt und weitere Entlassungen angekündigt.

Der Betriebsrat hält nichts von dem Plan, die Logistik in Augsburg stillzulegen. Aber wenn, dann müsse man wenigstens dafür sorgen, dass in Tschechien auch alles funktioniere. Das sei bisher keinesfalls gesichert.

"Wir haben in den letzten zwei Jahren viel öfter recht gehabt, als wir es uns selber gewünscht hätten", stellt die Interessenvertretung klar. "Zwei verlorene Jahre", nennt es der Gewerkschaftsvertreter. Man hätte sich lieber geirrt, sagt der Betriebsrat, und verweist zum gefühlten 100.000sten Mal auf die Kompetenz und Erfahrung der MitarbeiterInnen. Vielleicht ist die Geschäftsführung nach der zwei Jahre währenden Talfahrt jetzt doch bereit zuzuhören? Applaus der Beschäftigten, keine Reaktion der Geschäftsführung. Niemand stellt eine Frage.

Am Ende stürmt eine Kollegin aus der Logistik über ein Ladetor in die Halle hinein. Sie entert das  Rednerpult. Im kommenden Jahr wird sie arbeitslos sein, zusammen mit über 300 anderen KollegInnen aus der Logistik. Ausnahmslos alle müssen gehen: "Nach über 20 Jahren, in denen wir fleißig waren." Sie kann es einfach nicht verstehen.

Es ist vorbei. Jemand ruckelt das Rednerpult hinüber zu dem anderen Schrott bei der Wand. Draußen ist Badewetter. Die KollegInnen drängen die Rampe hinunter und verstreuen sich über den stillgelegten Ladehof. Nächste Woche wird auch dieses Gelände an den Vermieter zurückgegeben.

Donnerstag, 23. Juni 2016

Rüdiger Wenk geht nach LesensART-Pleite unter die Erde


Was ist eigentlich aus Rüdiger Wenk geworden? Wir erinnern uns: Wenk hatte im Februar 2015 rund 70 WELTBILDplus-Filialen übernommen und danach seine Firma "LesensART" zielstrebig in die Pleite geführt. So war es möglich, dass rund 350 KollegInnen billig entsorgt werden konnten.

Am Ende waren alle gekniffen

Der Betriebsrat in Augsburg hatte immer wieder vor dem zwielichtigen Deal gewarnt. Vergeblich. Für Walter Droege ging die Rechnung am Ende aber auch nicht auf: Viele Vermieter weigerten sich, die Mietverträge auf LesensART zu übertragen. Zu fadenscheinig war das anderthalb-seitige Konzept, das Rüdiger Wenk und sein Berater Bernhard Ludwig Winkelhaus vorgelegt hatten. Deshalb zahlte WELTBILD weiter Miete, ohne die teuren Flächen bewirtschaften zu können. So waren am Ende wieder einmal alle gekniffen: Der Milliardär, der es sich leisten kann, und die Familien, deren wirtschaftliche Existenz vernichtet wurde.

"Tiefbau mit Tiefgang"

Heute nun berichtet die Sueddeutsche Zeitung über die weitere Karriere des "umtriebigen" Kaufmanns Rüdiger Wenk (50). Er hat die Branche gewechselt und ist in den Tiefbau eingestiegen. Wenige Wochen nach der LesensART-Pleite heuerte Wenk als Geschäftsführer der Josef Dickerhoff & Co. Bauunternehmung GmbH in Haltern am See an. Das steht im Handelsregister. Dort beschäftigt er sich laut Webseite gerade mit der Verlegung von Druckrohrleitungen. „Tiefbau mit Tiefgang“ heißt das Motto der 25-Mann-Firma, die zuvor einige Monate von einem gewissen Bernhard Winkelhaus geleitet worden war.

Schlechte Aussichten für die 25 Beschäftigten des Tiefbauers, fürchten wir…

Montag, 14. März 2016

Seltener Gast: Insolvenzverwalter Kebekus verkündet Schließung in Augsburg


Heute Nachmittag hat der Düsseldorfer Insolvenzverwalter Dr. Frank Kebekus die Belegschaft der WELTBILD-Logistik zu einer MitarbeiterInnen-Versammlung zusammengerufen. Kebekus teilte den KollegInnen mit, dass sie ALLE am 31.12.2016 ihren Arbeitsplatz verlieren werden.

Kebekus versuchte darzustellen, dass die Entscheidung über die Schließung vor allem von zwei Faktoren abhängig sei: 1. WELTBILD hat sich entschieden, zukünftig auf eine externe Auslieferung zu setzen; 2. die ALSO als Eigentümer der Gebäude habe der Logistik leider gekündigt.

Kebekus und Hofmann haben nichts getan

Betriebsratsvorsitzender Fitz stellte umgehend richtig: Im Interessenausgleich über die Massenentlassungen im Dezember letzten Jahres war vereinbart worden, dass WELTBILD und Insolvenzverwaltung alles unternehmen, um die Logistik mit verringertem Personal langfristig zu erhalten. Allerdings habe weder die Geschäftsführung von WELTBILD, zuständig wäre Patrick Hofmann gewesen, noch die Insolvenzverwaltung, irgendwelche Schritte in Richtung Fortführung unternommen. Die Insolvenzverwaltung sei in den letzten Monaten nicht einmal vor Ort gewesen, monierte Fitz: "Die haben uns total über den Tisch gezogen!"

Kebekus und Hofmann verwehrten sich gegen diese Darstellung. Aber es gelang keinem der Manager, auch nur ansatzweise darzustellen, was sie für den Erhalt der Logistik tatsächlich getan haben wollen.

Neue Rekord-Gewinne bei der ALSO

Was auf der MitarbeiterInnen-Versammlung nicht thematisiert wurde: Jüngst hat die ALSO neue Umsatz- und Gewinnrekorde gemeldet. Der Umsatz stieg 2015 um fast 8% auf 7,8 Milliarden Euro, der Gewinn vor Steuern um knapp 11% auf 91 Millionen vor Steuern. Vor diesem Hintergrund ist es umso schäbiger, dass die ALSO trotz einer Haftungsverpflichtung die künftig arbeitslosen KollegInnen von WELTBILD mit nur 2 Millionen abspeist. Deshalb wird es für die Betroffenen nur eine 9-monatige Transfermaßnahme geben und dabei auch nur 80% des früheren Gehalts.

MitarbeiterInnen billig entsorgt

Viele KollegInnen haben über 20 Jahre lang für WELTBILD gearbeitet haben. Wenn sie Anfang nächsten Jahres billig entsorgt sein werden, wird die ALSO ihren geplanten Hungerlohn-Handy-Hub in den ehemaligen WELTBILD-Hallen eröffnen und weitere Millionen verdienen. Über die Familien, die dabei ihre Existenzgrundlage verlieren, spricht 2017 kein Mensch mehr.

Stattdessen bedankte sich Hofmann für die geleistete Arbeit und kündigte ein "kleines Incentive" an, wenn alle fleißig weiterarbeiten. Dr. Kebekus wünschte den KollegInnen "Alles Gute".

Donnerstag, 21. Januar 2016

Presseschau: Lesensart, Schöne Bescherung bei Amazon



Einen sehr kritischen und sehr kenntnisreichen Blick auf den Vorgang der Filialschließungen der Weltbild-Filialen mit Hilfe der Firma Lesensart und auf Herrn Droege kann man unter

https://www.immobilien-zeitung.de/134609/grosse-kunst-weltbild-halbiert-sein-filialnetz

nachlesen.

So einen Artikel würde man sich in der überregionalen Tagespresse wünschen !


In der ver.di-Zeitschrift publik, Ausgabe 8/2015, haben wir einen interessanten Artikel gefunden, der die schöne neue Arbeitswelt beschreibt, die Amazon gerade am lebenden Objekt ausprobiert.

Ab 2016 wird bei Amazon in Leipzig ein Urlaubstag gestrichen.
Das hat das Management so beschlossen.

Kollegen/innen werden lückenlos durch Scanner überwacht und erhalten Abmahnungen oder Motivationsgespräche mit Vorgesetzten, wenn sie zu früh in die Pause gehen oder 1-2 minütige Inaktivitäten (!) durch Unterhaltungen haben.

Auch dem größten Gewerkschaftsgegner sollte klar sein, dass solche Maßnahmen nur dann erfolgreich bekämpft werden können, wenn sich möglichst viele Mitarbeiter gewerkschaftlich organisieren und dass die Mitarbeiter der Willkür der Arbeitgeber ausgeliefert sind, wenn sie das nicht tun.
Und wenn Amazon damit Erfolg hat, wird das die Vorlage für alle anderen Arbeitgeber, bei denen die Mitarbeiter nicht ausreichend gewerkschaftlich organisiert sind.

Und nun der Artikel:

Aus:
https://publik.verdi.de/2015/ausgabe-08/gewerkschaft/titel/seite-1/A1



Illustration: Kittihawk

Der Versandhandelsriese bezeichnet sich gern als guten Arbeitgeber, doch den Amazon-Beschäftigten in Leipzig hat er jetzt einen Urlaubstag gestrichen. Die Streiks gehen weiter


Von Maria Kniesburges

Den Beschäftigten bei Amazon am Standort Leipzig wird ab Anfang kommenden Jahres ein Urlaubstag gestrichen. Die Ankündigung kam pünktlich zur Weihnachtszeit. Bei dem weltweit größten Online-Versandhändler herrscht die Devise: Wie die Arbeitsbeziehungen aussehen, das entscheidet allein das Konzern-Management. Verhandlungen über einen Tarifvertrag, wie sie ver.di fordert, lehnt der US-Konzern mit Jeff Bezos an der Spitze kategorisch ab. In dem zähen Kampf der Amazon-Beschäftigten für die tarifvertragliche Absicherung ihrer Arbeitsbedingungen geht es um elementares Arbeitsrecht. Eine Auseinandersetzung, deren Bedeutung weit über den direkten Konflikt hinausreicht.

"Bei Amazon treffen wir auf ein System totaler Kontrolle und Gängelung mit sogenannten Inaktivitätsprotokollen und Feedback-Gesprächen, in denen Mitarbeiter massiv unter Druck gesetzt werden", sagte der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske auf dem Bundeskongress der Gewerkschaft im September in Leipzig. Und er fügte hinzu: "Was wir bei Amazon antreffen, klingt nach Manchester-Kapitalismus und ist doch zugleich ein auf die Zukunft gerichtetes Labor der Ausbeutung." Aufgabe der Gewerkschaft sei es, "dafür zu sorgen, dass die Arbeit der Zukunft so nicht aussieht".

Ende November haben die Beschäftigten bei Amazon an nahezu allen Standorten ihren Streik wieder aufgenommen. Und sie haben angekündigt, im Dezember, also mitten im Weihnachtsgeschäft, abermals in den Streik zu treten.

"Solange der Versandhändler sich weigert, einen Tarifvertrag abzuschließen, wird es in diesem Jahr zu flexiblen, auch kurzfristig angesetzten Streiks kommen, auf die das Unternehmen sich schlechter einstellen kann", sagte Stefanie Nutzenberger, im ver.di-Bundesvorstand zuständig für den Handel. Sie nannte es einen "Skandal, dass Amazon das Recht der Beschäftigten auf einen Tarifvertrag und damit auf existenzsichernde und garantierte Arbeitsbedingungen missachtet".

Und für dieses Recht kämpfen die Amazon-Beschäftigten seit nunmehr rund zweieinhalb Jahren beharrlich und unbeirrt. Verschiedene Erfolge haben sie auf ihrem langen Weg bereits erreicht: Der US-Konzern zahlt mittlerweile Urlaubs- und Weihnachtsgeld, wenn auch nicht in der Höhe, wie sie in dem Tarifvertrag für den Einzel- und Versandhandel festgelegt ist. Auch Lohnerhöhungen konnten zwischenzeitlich erreicht werden, die jedoch ebenfalls deutlich unter der Lohnhöhe liegen, die der genannte Tarifvertrag vorsieht. Und: Die Erfolge sind nicht per Tarifvertrag abgesichert und können daher einseitig wieder gestrichen werden. Tarifvertragliche Festlegungen, die den Beschäftigten Sicherheit geben, lehnt das Management aber hartnäckig ab, das hat auch der Chef von Amazon Deutschland, Ralf Kleber, gerade erst wieder über die Medien bekräftigt. Dem Berliner Tagesspiegel sagte er noch am 7. Dezember: "Ich glaube nicht, dass man einen Tarifvertrag braucht, um ein guter Arbeitgeber zu sein." Soll heißen: Was "ein guter Arbeitgeber" ist, bestimmen wir.

Passend dazu wurde erst kürzlich bekannt, dass der Konzern Abmahnungen an Beschäftigte verschickt hat, denen er vorwirft, zu früh in die Pause gegangen zu sein. Und dabei geht es um den Zeitraum von einer Minute. Denn das Kontrollsystem bei Amazon ist lückenlos. Die Scanner in den Versandzentren zeichnen sämtliche Bewegungen der Beschäftigten auf. "Das System weiß immer, wer was in welcher Zeit transportiert. Und auf Inaktivität folgt Maßregelung. Ein sogenanntes Inaktivitätsprotokoll, das der Berliner Zeitung vorlag, enthielt zum Beispiel den Vermerk, dass ein Mitarbeiter bereits zweimal durch jeweils ein- und zweiminütige Unterhaltungen aktenkundig geworden sei. Man habe ihn daher im Gespräch belehrt, dass er seine arbeitsvertragliche Pflicht zur Erbringung der Arbeitsleistung verletzt habe", berichtete der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske auf dem ver.di-Kongress. So klingen Nachrichten über einen selbsternannten "guten Arbeitgeber".

Wie existentiell die lange Auseinandersetzung für die Beschäftigten ist, hat sich mit der willkürlichen Streichung eines Urlaubstags am Standort Leipzig gerade erst wieder gezeigt. Gegen Willkür braucht es einen langen Atem. Dass sie ihn haben, beweisen die Beschäftigten aufs Neue mit ihren Streiks in der Weihnachtszeit.

Gerade erschienen ist die Broschüre: Der lange Kampf der Amazon-Beschäftigten. Labor des Widerstands: Gewerkschaftliche Organisierung im Onlinehandel, von Jörn Boewe und Johannes Schulten, Rosa-Luxemburg-Stiftung (Hg.). Sie kann kostenlos bestellt werden unter bestellung@rosalux.de


Montag, 9. November 2015

Arbeitgeber lässt Einigungsstelle scheitern und brüskiert die Beschäftigten


Am Samstag ist die Einigungsstelle über weitere Massenentlassungen bei WELTBILD endgültig gescheitert. Die Geschäftsführung war nicht bereit, weiter mit dem Betriebsrat zu verhandeln. 

Wie wenig Wert der Arbeitgeber auf die Belange der Beschäftigten legt, zeigte er auch durch die Besetzung der Einigungsstelle: Kein Geschäftsführer hielt es für nötig zu kommen. Stattdessen schickte Sikko Böhm den E-Commerce-Leiter als Vertretung. Gegen dessen Einstellung klagt der BR immer noch vor dem Arbeitsgericht, weil er sie für widerrechtlich hält. Was der Arbeitgeber durch diese unnötige Brüskierung der Beschäftigten und ihrer Vertretung zu erreichen hofft, verstehen wir nicht.

Was bedeutet das für die Beschäftigten?

Mit dem endgültigen Scheitern der Einigungsstelle ist der Weg frei für weitere Massenentlassungen im Verwaltungsbereich. Nachdem Walter Droege das bereits fertig ausgehandelte Freiwilligen-Programm persönlich verhindert hatte, gibt es derzeit keinen Sozialplan für die Betroffenen. Der Betriebsrat geht davon aus, dass rund 60 Kündigungen (50 Vollzeitstellen) noch in diesem Jahr ausgesprochen werden. Nach unserem Tarifvertrag beträgt die Kündigungsfrist für betriebsbedingte Entlassungen einheitlich 6 Monate zum Quartalsende. Das heißt: Wer seine Kündigung in 2015 erhält, muss das Unternehmen am 30. Juni 2016 verlassen. Der Betriebsrat wird die Zeit nutzen, um einen Sozialplan vor einer weiteren Einigungsstelle durchzusetzen.

Warum wird gekündigt?

Es gibt bis heute kein schlüssiges Konzept, wie es bei WELTBILD weiter geht. Die Geschäftsführung war über Monate nicht in der Lage darzulegen, wie die Arbeit nach den Entlassungen zu bewältigen sein soll. Die neuerlichen Entlassungen dienen auch nicht der Rettung von WELTBILD vor einer neuerlichen Insolvenz. Nach eigenen Aussagen steht WELTBILD anderthalb Jahre nach der Pleite wirtschaftlich gut da, Ende des Geschäftsjahres sollen trotz Verlustübernahme von ALSO wieder kleine Gewinne eingefahren werden. Die Entlassungen dienen damit allein der Profitmaximierung des Investors Walter Droege. Außerdem nutzt die Geschäftsführung die Entlassungen, um verdiente WELTBILD-KollegInnen billig loszuwerden und durch andere Arbeitskräfte mit geringerem Lohn zu ersetzen.

Gibt es wieder einen Sozialplan wie 2014?

Als Walter Droege das Freiwilligen-Programm gekippt hat, nannte er die Kosten des hinterlegten Sozialplans als Grund. Darum ist nicht davon auszugehen, dass der Arbeitgeber die Gekündigten analog des Tarifsozialplans von 2014 entschädigen will. Die Vereinbarung, die dazu in der Überleitungsvereinbarung getroffen worden war, soll unterlaufen werden. Wenn die Verhandlungen dazu starten, werden die Kassen plötzlich wieder gähnend leer sein, und Walter Droege wird versuchen, sich mit dem Hinweis auf die schwierige wirtschaftliche Situation um angemessene Abfindungen zu drücken. Stattdessen wird er eine Transfergesellschaft anbieten, die sich die Betroffenen durch Verzicht auf ihre Kündigungsfrist selbst finanzieren sollen.

Ein IDW S6-Gutachten, das dem Wirtschaftsausschuss Klarheit über die tatsächliche wirtschaftliche Situation des Unternehmens bringen könnte, verweigert die Geschäftsführung seit Monaten. Der Betriebsrat leitet jetzt rechtliche Schritte ein, um des Papiers habhaft zu werden. Dann wird man sehen, welche Spielräume WELTBILD tatsächlich hat, um die Opfer der Profitgier wenigstens angemessen zu entschädigen.

Wie weiter bei ALSO?

Das Scheitern der WELTBILD-Einigungsstelle hat keinerlei Einfluss auf den Fortgang im Logistik-Bereich. Der Betriebsrat erwartet, dass der Arbeitgeber die von ihm abgebrochenen Verhandlungen über eine Fortführung der Logistik wieder aufnimmt. Der Arbeitgeber braucht auf jeden Fall einen Interessenausgleich mit dem Betriebsrat, bevor Kündigungen in der ALSO ausgesprochen werden können.

Freitag, 6. November 2015

Lügen und Verdrehungen – Arbeitgeber sucht Sündenbock


Gestern hat die Augsburger Allgemeine ein Interview mit den WELTBILD-Geschäftsführern Sikko Böhm und Patrick Hofmann veröffentlicht. Vergangene Woche ließ der Insolvenzverwalter der ALSO-Logistics, Frank Kebekus, ein Rundschreiben im Betrieb aushängen. Beide Veröffentlichungen enthalten falsche Aussagen und wahrheitswidrige Verdrehungen. Sie dienen allein dazu, den Betriebsrat zu diffamieren und die Belegschaft zu spalten.

1. Der Arbeitgeber behauptet, dass seit 12 Monaten intensive Gespräch mit dem BR geführt würden. Wahr ist, dass die Beratungen bereits Anfang März vom Arbeitgeber abgebrochen wurden und einseitig der Weg über die Einigungsstelle gewählt wurde.

2. Als diese Einigungsstelle Ende Juli vor dem Abschluss stand, schickte Walter Droege die Logistik in die Insolvenz und kassierte das bereits fertig ausgehandelte Freiwilligen-Programm bei WELTBILD.

3. Seither gibt es keine konstruktiven Gespräche mehr: Der Arbeitgeber bedroht die Belegschaft und stellt unannehmbare Forderungen an den Betriebsrat. Mit der Insolvenz bei ALSO sollten Massenentlassungen ohne Sozialplan und Armutslöhne für die verbleibenden Beschäftigten durchgesetzt werden. Bei WELTBILD sollen weiterhin rund 60 KollegInnen gefeuert werden, ebenfalls ohne Sozialplan, weil aufgrund der Verlustübernahme von ALSO das Geld dafür fehlt.

4. Zu keinem Zeitpunkt seit der erneuten Insolvenz hat es einen durchfinanzierten Sozialplan für die ALSO-Belegschaft gegeben. Alle Angebote blieben vage und beruhten auf Telefongesprächen, deren Inhalt der Betriebsrat nur vom Hörensagen kannte.

5. Die Grundstücksgesellschaft ALSO-Mobility, die für einen Sozialplan haften müsste, verweigert das und versucht sich billig aus ihren vertraglichen Verpflichtungen herauszukaufen. Die Massenentlassungen sollen fast ausschließlich über öffentliche Gelder und die Reste des Kirchgeldes von 2014 finanziert werden. Damit bleibt für die von Entlassung bedrohten KollegInnen bei WELTBILD nichts mehr übrig.

6. Sobald der Arbeitgeber eine Finanzierung auf die Beine gestellt hat, können neue Verhandlungen über einen Sozialplan aufgenommen werden. Wenn Walter Droege die Beschäftigten ohne Abfindungen und Transfergesellschaft in die Arbeitslosigkeit schickt, dann tut er das, weil er das genau so will. Zu behaupten, ein Sozialplan scheitere am fehlenden Verhandlungswillen des BR, ist schlicht absurd.

7. Der Betriebsrat hat die Verhandlungen weder „blockiert“ noch sein „Blatt überreizt“. Er hat aber seine Aufgaben ernst genommen und die Interessen der Beschäftigten entsprechend der gültigen Gesetze konsequent vertreten. Auf der anderen Seite hat der Arbeitgeber immer wieder gegen grundlegende Pflichten aus dem Betriebsverfassungsgesetz verstoßen. Ebenso hat er fast alle Verträge gebrochen, die für den Betriebsübergang 2014 ausgehandelt und unterschrieben wurden.

8. Für WELTBILD gibt es bis heute kein schlüssiges Konzept, wie das Unternehmen am Markt dauerhaft erfolgreich sein könnte. Letzte Woche hat der letzte Marketing-Chef mit Buchhandels-Expertise das Unternehmen verlassen. Weitere Leistungsträger der Führungsebene haben ihren Weggang angekündigt. In den Abteilungen herrscht Chaos, MitarbeiterInnen sind zum Teil wochenlang mit Burnout krank geschrieben. Die Arbeit bleibt stapelweise liegen, weil in allen Bereichen KollegInnen fehlen. Trotzdem sollen weitere 60 rausgeschmissen werden. WELTBILD geht jeden Tag wertvolles Wissen verloren, und wir büßen Kompetenz und Attraktivität bei unseren KundInnen ein.

9. Zum Schluss noch eine Klarstellung zu den Aussagen Patrick Hofmanns über das LesensArt-Desaster. Der Augsburger Betriebsrat und sein Berater haben von Anfang an das Konzept als Luftnummer abgelehnt und sich vehement gegen den Verkauf an Wenk & Co ausgesprochen. Leider lag es nicht in der Macht des Augsburger Gremiums die Notschlachtung der Filialen zu verhindern. Der Arbeitgeber hat den zuständigen Gesamtbetriebsrat von WeltbildPlus über den Tisch gezogen und den Verkauf an Wenk durchgesetzt. Auf die Erfüllung der in diesem Zusammenhang verhandelten Interessenausgleiche wartet der GBR unseres Wissens bis heute. Das Ergebnis der undurchsichtigen Transaktion ist bekannt und wurde genau so vom Augsburger Betriebsrat öffentlich vorhergesagt.  

Mit den Lügengeschichten über den Betriebsrat erreicht die Auseinandersetzung um die Arbeitsplätze und -bedingungen bei WELTBILD einen neuen, unrühmlichen Höhepunkt. Der Arbeitgeber behindert die Betriebsratsarbeit und sucht einen Sündenbock. Weil den verbliebenen MitarbeiterInnen bei WELTBILD und ALSO immer klarer wird, dass die Kaputtspar-Strategie gerade final scheitert, soll dafür öffentlich der Betriebsrat verantwortlich gemacht werden. Das ist armselig.

Dienstag, 15. September 2015

Ein abgekartetes Spiel: Friss und stirb trotzdem


Am Montag hat Hermann Scharl als Vertreter von ALSO dem Betriebsrat das Konzept präsentiert, das die Interessenvertretung bisher nur aus der Zeitung kannte. Hier die zentralen Forderungen des Arbeitgebers:
• Entlassung von 350 KollegInnen
• nur 150 MitarbeiterInnen dürfen bleiben
• dafür sollen im Schnitt bis zu 75 LeiharbeitnehmerInnen beschäftigt werden
• Aufhebung der Betriebsvereinbarungen (z. B. über Zulagen)
• Kürzung des Urlaubs auf 25 Tage im Jahr
• Erhöhung der Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden zum 1.10.2015
• Kürzung der Gehälter um ca. 20% sofort
• Umwandlung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld in leistungsbezogene Zahlungen
• Totale Flexibilisierung von Arbeitszeiten und Einsatzbereichen der MitarbeiterInnen
Thomas Gürlebeck, ver.di-Sekretär für den Handel in Augsburg, schäumt: "Über Jahre haben Gewerkschaft und der Betriebsrat für vernünftige, gesunderhaltende Arbeitsplätze gekämpft. Diese Arbeitsplätze will ALSO im Handstreich in prekäre Beschäftigungsverhältnisse umwandeln. Zahlen sollen am Ende die Sozialkassen und damit die Allgemeinheit." Gürlebeck sieht auch einen Angriff auf die gesetzlich verankerte Mitbestimmung: "Die neue ALSO soll betriebsrats- und gewerkschaftsfrei werden. Wir werden nur noch als Investitionshemmnis gesehen!" 

Die ersten KollegInnen sollen bereits am 30. September die Verträge für eine Transfergesellschaft unterschreiben. Allerdings verrät ALSO keine Details zu dieser Transfergesellschaft: Wir haben keine Antwort bekommen, wie lange die Transfermaßnahme dauern soll (2 Monate? Ein Jahr?) und wie hoch der Aufzahlungsbetrag sein könnte. Genauso wenig war ALSO bereit, irgendeine Aussage zur Beschäftigungssicherung der verbleibenden MitarbeiterInnen zu machen. Selbst konkrete Zahlen zum Leiharbeiter-Einsatz an anderen ALSO-Standorten wurden uns verweigert. 

Erpressung statt Verhandlungen

Am Montag war auf Arbeitgeberseite niemand bereit, irgendeine Art von Garantie für auch nur eine einzige der getroffenen Aussagen zu übernehmen. Standardantwort auf jede diesbezügliche Nachfrage: "Das hängt von der Geschäftsentwicklung ab." ALSO gefällt sich in der Rolle des Bieters für ein x-beliebiges Pleiteunternehmen. Von der gemeinsamen Vergangenheit will man auf ALSO-Seite nichts wissen, schon gar nicht von den unzähligen eigenen Versäumnisse im Zuge der missglückten Sanierung. Das Angebot von ALSO lautet kurz "Friss oder stirb!" Betriebsratsvorsitzender Peter Fitz ist fassungslos: "ALSO setzt das Insolvenzrecht als Waffe gegen die eigene Belegschaft ein." Der Standort sei hochattraktiv, das hätten die ALSO-Abgesandten am Montag mehrfach betont. "Aber sie wollen alles zum Nulltarif. Das ist modernes Raubrittertum."

Der Arbeitgeber lässt Betriebsrat und Gewerkschaft völlig in der Luft hängen. Auf keine Frage gibt es eine sinnvolle Antwort. ALSO zeigt keine Ansatzpunkte für zielführende Verhandlungen auf. Stattdessen wird immer wieder das Schreckgespenst einer Betriebsschließung beschworen, die gleichzeitig das Aus für WELTBILD bedeuten würde. Von der WELTBILD-Geschäftsführung sitzt übrigens niemand am Tisch. Es scheint langsam, als sei der Betriebsrat der einzige, der Interesse an einer gesicherten Zukunft hat. WELTBILD braucht eine leistungsfähige und auf unser Geschäft zugeschnittene Logistik. Das weiß auch unser Gegenüber. Trotzdem versucht ALSO die eigenen Verwertungsinteressen ohne Rücksicht auf Verluste durchzudrücken. "So wird die WELTBILD-Belegschaft als Geisel genommen", bedauert ver.di-Betriebsgruppensprecher Timm Boßmann: "Alles, wofür die verbliebenen KollegInnen fast zwei Jahre lang hart gearbeitet haben, wird für eine schnelle Kapitalrendite der ALSO-Aktionäre aufs Spiel gesetzt, von denen Walter Droege wiederum der größte ist."

Ein abgekartetes Spiel

Es wird immer deutlicher, dass hinter dem vordergründig chaotischen Handeln der Gesellschafter ein abgefeimter Plan steht. Als Weltbild Anfang 2014 insolvent ging, besorgten rund 1.000 KollegInnen die Logistik für WELTBILD, plus saisonale Aushilfskräfte und LeiharbeitnehmerInnen. Nach der ersten Insolvenz waren noch 500 MitarbeiterInnen im Bereich Lager/Versand übrig. Jetzt will ALSO die Belegschaft nochmals dritteln, aber nicht mehr für WELTBILD ausliefern. Von 1.000 bleiben so am Ende also 150. Es liegt nah, dass ALSO von Anfang an nicht die Absicht hatte, eine leistungsfähige Logistik für WELTBILD aufzubauen. Stattdessen will man sich mit den Geldern der Grundstücksgesellschaft Mobility vom Acker machen und sich einen attraktiven Logistikstandort für die Schweizer Aktiengesellschaft unter den Nagel reißen. 

Die Kosten für dieses Husarenstück sollen die Beschäftigten und die Allgemeinheit bezahlen: MitarbeiterInnen, die zum Teil seit Jahrzehnten für WELTBILD arbeiten, sollen die Existenzgrundlage ihrer Familien opfern. Als Finanzier der Umwandlung in einen reinen ALSO-Standort, hat man sich die Sozialkassen ausgeguckt: Derzeit zahlt die Arbeitsagentur das Insolvenzgeld für die Beschäftigten. Danach soll die Agentur die Hauptlast einer Transfergesellschaft tragen. Mitte 2016 plant man eine 6-monatige Betriebsschließung für den Umbau zum reinen ALSO-Standort. Die vorübergehende Freistellung der MitarbeiterInnen soll dann wieder über Kurzarbeitergeld der Agentur finanziert werden. So werden Millionen Steuerzahler-Euros auf die Schweizer Konten des Walter Droege umgeleitet.

Ein weiterer Hinweise sind die in 2014 zugesagten Investitionen, die nie getätigt wurden. Deshalb dürfte es sich auch bei den jetzt angekündigten Investitionen von rund 15 Millionen zum Umbau der Logistik um eine reine Luftnummer handeln. Die verbleibenden 150 MitarbeiterInnen bekommen höhere Arbeitszeiten, weniger Urlaub und einen Lohn, der für die Butter auf dem Brot nicht reicht. Am Ende ihres Arbeitslebens stehen dann die Aufstockung der Rente über Hartz IV und Altersarmut.
 
Als nächstes wird WELTBILD rasiert

"Walter Droege setzt auf Erpressung statt auf Verhandlungen", analysiert Boßmann. Und er fürchtet das Schlimmste für die weiteren Verhandlungen bei WELTBILD: "Die Strategie bei ALSO ist die Blaupause für das weitere Vorgehen bei WELTBILD." Es sei "sicher kein Zufall", dass Walter Droege den Interessenausgleich zum Personalabbau über ein Freiwilligen-Programm verhindert habe. Die Verschiebung der Einigungsstelle in den Oktober könne nur eins bedeuten: "Walter Droege wartet ab, ob die Erpressung bei ALSO erfolgreich ist, dann werden auch bei WELTBILD Arbeitsplätze und Gehälter gnadenlos rasiert."

Donnerstag, 10. September 2015

Betriebsrat ratlos aber nicht machtlos


"Betriebsrat ratlos aber nicht machtlos" Unter dieser Überschrift hat der Betriebsrat des gemeinsamen Betriebs von WELTBILD und ALSO in Augsburg heute die Belegschaft informiert. Offenbar wird das Agieren der Gesellschafter unter der Führung von Walter Droege immer konfuser. Wir dokumentieren das Informationsblatt des Betriebsrats hier im Wortlaut:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir ringen seit fast einem Jahr mit Walter Droege um die Sanierung von WELTBILD/ALSO. In der Einigungsstelle wollte der Arbeitgeber unter anderem 160 Kündigungen in der Logistik mit dem Sozialplan von 2014 durchsetzen. Als wir nach sehr schwierigen Verhandlungen kurz vor der Einigung standen, schickte Droege die Logistik in die Insolvenz.

Im August haben wir in der Einigungsstelle zusammen mit der Geschäftsführung ein Freiwilligen-Programm für die Verwaltung vereinbart. Damit wäre die WELTBILD-Belegschaft auf die zuletzt geforderten 280 Vollzeitstellen reduziert worden. Dieses Programm hat Walter Droege in der Nacht vor der Betriebsversammlung per Telefon kassiert.

In der Einigungsstelle am 24. August haben wir auf Wunsch des Arbeitgebers Verhandlungen außerhalb der E-Stelle zugestimmt. Dabei ging es leider genauso weiter. Im Insolvenzantrag hatte ALSO noch angekündigt, sich im Falle eines Personalabbaus von 167 Stellen an der Finanzierung zu beteiligen. Am Montagmorgen wurde uns mitgeteilt, dass ALSO diese Finanzierungszusage wieder zurückgezogen habe. Die Eigenverwaltung wisse nach eigenem Bekunden auch nicht, welchen Plan der Gesellschafter damit verfolge. 
Am Mittag hieß es dann: Es gebe doch einen Plan von ALSO, den könne man uns aber nicht mitteilen. Daraufhin wurden weitere Verhandlungen auf nächste Woche verschoben. Um das Maß voll zu machen, wurde am Mittwoch auf Wunsch des Arbeitgebers dann auch noch die Fortsetzung der Einigungsstelle in den Oktober hinein verschoben.

So torpedieren Droege und ALSO jeden Versuch des BRs, zu einer Lösung zu kommen. Dabei sollte allen Beteiligten klar sein, dass WELTBILD eine leistungsfähige und auf das WELTBILD-Geschäft zugeschnittene Logistik braucht – auch über Weihnachten hinaus! 

Aber egal, wie verrückt Droege handelt; egal, was der geheime Masterplan ist; fest steht:

• Wer rechtssicher kündigen will, braucht einen Interessenausgleich mit dem Betriebsrat oder die Einigungsstelle muss final scheitern. Aber selbst dann besteht die Pflicht für einen Sozialplan, der mit dem BR verhandelt werden muss.
• Wer einen finanziellen Beitrag der Belegschaft zur Sanierung will, muss mit der Gewerkschaft über einen Sanierungstarifvertrag verhandeln, Leistungen pauschal zusammenzustreichen, geht rechtlich nicht, weil diese auch in den individuellen Arbeitsverträgen festgeschrieben sind.
• Wer ein erfolgreiches Weihnachtsgeschäft meistern will, braucht eine leistungsstarke Logistik mit motivierten MitarbeiterInnen.
• Last but not least gibt es auch noch die Haftungsvereinbarung mit der millionenschweren Grundstücksgesellschaft Mobility Services GmbH für Sozialplan-Ansprüche der Beschäftigten.


Euer Betriebsrat

Samstag, 22. August 2015

Die Verhandlungskunst des Walter Droege


Nach allen Regeln der Kunst verarscht … 

So fühlen sich hunderte von Weltbild Mitarbeiter derzeit angesichts der fortlaufenden Bestrebungen von Seiten des Investors, vertragliche Vereinbarungen zu untergraben und mit Maßnahmen hart am Rande der Legalität seinen vermeintlichen „Sanierungskurs“ kompromisslos durchzusetzen. 

Dabei ist Walter Droege ein kultivierter und kunstsinniger Mensch. 

Jedenfalls dann, wenn man annimmt, dass seine Stolz nach außen getragene Vorliebe für Kunst tatsächlich persönlich motiviert ist, und nicht bloß ein raffiniertes Kalkül darstellt, um seine Droege Group von der Masse anderer Unternehmensberatungen und Investoren abzuheben. 

Die Zentrale der Droege Group in Düsseldorf hängt voll mit Kunstwerken. 

Viele bedeutende Namen sind darunter. Droeges Mitarbeiter werden angehalten, diese Werke als ein Mittel zu sehen, um unorthodoxe Sichtweisen und neue Perspektiven zu entwickeln. Verdiente Mitarbeiter erhalten bei den Weihnachtsfeiern sogar Platzteller mit Motiven, die eigens von hochkarätigen Künstlern gemalt wurden. Aktuell findet sich einer dieser Teller zur Ansicht auf der firmeneigenen Webseite, bemalt von Neo Rauch. 

(Den Teller findet ihr, wenn ihr auf der Seite ganz nach unten scrollt.)

Auch sehr interessant: 

Rauch beispielsweise zählt zu den wichtigsten zeitgenössischen Künstlern Deutschlands. Großformatige Bilder von ihm verkaufen sich im Schnitt für mehrere Hunderttausend Euro. Walter Droege hat sich von ihm also einen Teller bemalen lassen. Was sehen wir darauf: Zwei Männer, die auf einen Teller schauen. Der Maler besitzt offenbar Humor. 



So ähnlich kann man sich das Bild vorstellen


Was soll dieser Beitrag über die Kunst? Es hat auch mit uns zu tun!


Lustig ist das alles dennoch nicht. In gewisser Weise spiegelt das kleine Bild den großen Konflikt bei Weltbild wider.
Denn was steht bei der Droege Group als Interpretation neben dem Bild:
 „Allzu oft glauben wir unseren Bildern mehr, als dem, was wir vor uns haben.“ 
Man könnte auch sagen: 
Allzu oft glauben wir dem Bild, das wir von uns selbst und der Welt haben mehr, als der Realität. 

Genau hier liegt das Problem zwischen dem Investor Droege und den Interessenvertretern der Arbeitnehmer. Das zeigt sich exemplarisch bei Weltbild. Um dem Bild, das er von sich selbst hat gerecht zu werden, muss Walter Droege Erfolg haben und seine Ziele durchsetzen. Und zwar so wie er das will und ohne, dass ihm jemand reinredet. Alles andere ist für ihn angesichts seines Werdeganges anscheinend nicht vorstellbar und sein wirtschaftlicher Erfolg bekräftigt ihn darin. Bisher hat die Welt, die er vorgefunden hat, dem offenbar auch entsprochen. Es ließ sich jedenfalls nicht in Erfahrung bringen, dass er bei seinen Unternehmungen jemals auf ernsthaften Widerstand durch Betriebsräte oder Gewerkschaften gestoßen ist. 

Die Realität vor Ort 

In Augsburg ist die Realität allerdings eine andere. Sie entspricht nicht dem Bild, das Droege von sich und der Welt hat. Hier findet er plötzlich Leute vor, die sagen: „Moment mal! Das wurde vertraglich anders vereinbart.“ 

Diese Leute sind Betriebsräte und Gewerkschafter. Das Bild, das sie von sich und der Welt haben, ist, dass sie nur dann etwas für die Beschäftigten erreichen können, wenn sie es von den Arbeitgeberseite einfordern.
Das ist übrigens durch die Betriebsverfassung vom Gesetzgeber auch so gewollt.
Für sie gibt es eigentlich immer ein Verhandlungs-Gegenüber auf der anderen Seite des Tisches: in Form von Firmeneigentümern, Arbeitgeberverbänden, Geschäftsführern oder Personalreferenten. Erfolge erringen sie selten durch autonome Entscheidungen. Sie sind es von jeher gewohnt, um Positionen zu verhandeln und irgendwann Ergebnisse auszuhandeln. Das ist ihr tägliches Brot. Es gibt für sie immer ein Gegenüber auf der anderen Seite des Tisches, mit dem sie sich auseinandersetzen müssen um Lösungen zu finden. Und sie bestehen darauf, dass gesetzliche Bestimmungen, Tarifverträge und andere vertragliche Vereinbarungen eingehalten werden. Damit sollte ein Unternehmer heutzutage eigentlich leben können, oder?

Warum fällt eine Einigung so schwer?

Darin liegt der fundamentale Unterschied zwischen Droege und den Arbeitnehmervertretern bei Weltbild, die hier in der Realität aufeinander treffen. Walter Droege akzeptiert offenbar niemanden auf der anderen Seite des Tisches, der mitredet – zumindest nicht von Arbeitnehmerseite.

Soweit wir wissen, kennen Droege Group und ALSO es nicht, sich mit einer Arbeitnehmervertretung auseinander zu setzen. Sei es, weil die bisher aufgekauften Firmen nicht gewerkschaftlich organisiert waren, oder weil die dortigen Betriebsräte nicht in der Lage waren ein relevantes Gegengewicht zu bilden. Sie sind schlichtweg nicht an einem Kompromiss interessiert, wenn sie die Chance sehen, den ganzen Teller für sich allein zu haben. Das hat das Verhalten in der Einigungsstelle deutlich gezeigt. "Sich einigen", bedeutet für Droege, exakt dem Kurs zu folgen, den er haben will.  

Muss es so laufen, wie es läuft?

Da kann Walter Droege noch so kunstsinnig daher kommen: Es mangelt ihm offenbar an Verhandlungskunst und an der Kunst des Dialoges. Jedenfalls dann, wenn er diejenigen auf der anderen Seite des Tisches nicht als Verhandlungs-Gegenüber akzeptiert. 

Das üble Schmierentheater, das mit der Logistik aufgeführt wird, hat nur folgendes Ziel: 
Argumentative Grundlagen zu schaffen und enormen Entscheidungsdruck aufzubauen, um tarifliche Regelungen und betriebliche Mitbestimmung rechtswidrig völlig auszuhebeln. Damit Droege oder ALSO-Chefs wie Gustavo Möller-Hergt im Betrieb allein das Sagen haben und sie keinerlei Interessen der Belegschaft mehr berücksichtigen müssen! 
In Sachen Tarifrecht und betrieblicher Mitbestimmung ein absoluter Kahlschlag, den die wenigen verbleibenden Beschäftigten ausbaden sollen. Sofern überhaupt noch eine Handvoll übrig bleibt – den Rest besorgt dann Trenkwalder mit Leiharbeitern. Droege will sich frei machen von allem, was ihm lästig am Stiefel klebt. Wie schreibt das Börsenblatt treffend: Firmenführung nach Gutsherrenart. Keiner, der halbwegs bei Trost ist, kann erwarten, das ein Betriebsrat so etwas einfach abnickt. 

Wir würden gerne auch mal Positives über den Investor schreiben.

Im Ernst. Es macht uns keinen Spaß ständig Negatives ins Netz zu stellen. Ob man es glaubt oder nicht: Wir stehen da nicht drauf. Herr Doege hat es selbst in der Hand, sich in ein günstigeres Licht zu rücken. Er könnte das Bild, das von ihm gezeichnet wird, in eine Richtung lenken, die sein Ansehen in der Öffentlichkeit steigert, anstatt es zu demontieren. Dafür müsste er nur endlich die richtigen Entscheidungen treffen, statt seine bodenlose Vernichtungsstrategie fortzusetzen. 

Betriebsräte und Gewerkschafter haben das Wirtschaften nicht erfunden. Das haben sie auch nie von sich behauptet. Sie streben jedoch einen gesellschaftlichen Ausgleich an, damit Menschen zu fairen Bedingungen arbeiten können, sich ein Leben damit aufbauen können und nicht als reine Verfügungsmasse angesehen werden, die man beliebig ausbeutet und billig entsorgt. Bloß damit sich z.B. ALSO-Aktionäre beim Blick auf ihre Gewinne begeistert die Hände reiben können.

Wie heißt es weiter bei der Droege Group in der Bildbeschreibung des Tellers von Neo Rauch:

„Das Wie unseres Sehens in den Blick zu bekommen bedeutet, verborgene Potenziale zu entschlüsseln und zukunftsfähige Lösungen herbeizuführen.“ 

Für uns in Augsburg wird es höchste Zeit, dass ein Herr Droege sich in einer ruhigen Stunde mal den Teller von Neo Rauch zur Hand nimmt, den er für viel Geld in Auftrag gegeben hat. Vielleicht gelingt es ihm dann einmal über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken. So könnte er vielleicht erkennen, dass es auf der anderen Seite des Tisches auch ein Gegenüber gibt. Nur dann wird sich eine vernünftige Perspektive für Weltbild und seine Logistik finden lassen. Am Montag ist der nächste Termin der Einigungsstelle. Das wäre eine passende Gelegenheit dafür.


Mittwoch, 19. August 2015

Belegschaft fassungslos nach ALSO-Statement: "Es ist eine Schande!"


Die ALSO Deutschland GmbH lässt derzeit über eine Public-Relations-Agentur eine Stellungnahme zu den Vorgängen in Augsburg verbreiten. Darin wird ein völlig verzerrtes Bild der Voraussetzungen für die Übernahme der WELTBILD Logistik durch die ALSO gezeichnet. Die ALSO Deutschland gehört mehrheitlich der Droege Gruppe, die nach der Insolvenz in 2014 auch die Mehrheit des WELTBILD-Versandhandels übernommen hat. ALSO wirft Betriebsrat und Gewerkschaft vor, die Zukunft der Logistik durch "irrationalen und destruktiven Widerstand verspielt" zu haben. Das ist Unsinn. Die Interessenvertretung der Belegschaft nimmt hier dazu Stellung. 

Klaus Warbruck, Wirtschafts-Sachverständiger des Betriebsrats: "Die wirtschaftliche Situation der Logistik war Herrn Droege vor seinem Einstieg bestens bekannt. Es bestand Einigkeit mit dem Betriebsrat, der Gewerkschaft und dem Insolvenzverwalter Herrn Geiwitz darüber, dass die Logistik unterausgelastet ist. Aus dieser Unterlast resultiert das Kostenproblem und aus nichts anderem. Deshalb wurde das Personal in der Logistik vor der Übergabe an Droege um 50% reduziert. Das war für den Betriebsrat und die Gewerkschaft ein sehr schmerzhafter Schnitt, den wir aber mitgetragen haben, um die Logistik nachhaltig zukunftsfähig zu machen. So war es auch mit Herrn Droege abgesprochen. Er seinerseits hat dafür zugesagt, zusätzliches Geschäft aus der ALSO-Gruppe in Augsburg zu platzieren. Aus dieser Kombi – Personalreduzierung einerseits, Zusatzgeschäft andererseits – bestand der Sanierungsplan."

Peter Fitz, Vorsitzender des Betriebsrats: "Nur weil wir mit Herrn Droege diese Vereinbarung treffen konnten, hat er den Zuschlag für die Übernahme des Unternehmens bekommen. Andere interessierte Investoren hatten zwar Konzepte für WELTBILD, wussten aber offensichtlich nichts mit der Logistik anzufangen und hatten vor allem keine andere Logistik-Firma, von der Aufträge umleitbar gewesen wären. Für unsere Logistik hat Droege keinen Cent bezahlt, obwohl sie mit Grundstücken, Gebäuden und Technik hohe Sachwerte beinhaltet. Sein Teil des Deals wären das Zusatzgeschäft und die dafür erforderlichen Investitionen gewesen. Darüber bestand bei Vertragsabschluss auf beiden Seiten Klarheit."

So fährt Walter Droege WELTBILD/ALSO gegen die Wand

Was aber hat Herr Droege dann getan? Die Tarifverhandlungen mit der ver.di haben seine Anwälte platzen lassen. Ein Manager, der konkrete Schritte zur Ermöglichung des Drittgeschäfts geplant hat, wurde entlassen. Danach war die Augsburger Logistik über Monate führungslos, bis Reiner Wenz an Bord kam, dessen Biographie als Abwicklungsmanager ohne jede Logistik-Expertise Bände spricht.

In der Einigungsstelle haben die VertreterInnen von Droege konkrete Vorschläge schriftlich vorgelegt, darunter einen Interessenausgleich in dem ein Stellenabbau von ca. 150 Stellen in der Logistik detailliert beschrieben ist und einen Sozialplan, der dem Tarifsozialplan von 2014 entspricht. Das war der Verhandlungsstand nach der ersten Sitzung der E-Stelle Mitte Juli. Er hätte die Möglichkeit einer vernünftigen Einigung geboten. Stattdessen hat es der Arbeitgeber in der Einigungsstelle auf ein Scheitern der Verhandlungen angelegt. Peter Fitz: "Als die Vertreter von Droege gemerkt haben, dass eine Einigung unter der sehr guten Moderation von Einigungsstellen-Vorsitzendem Holger Dahl in greifbare Nähe rückte, hat Herr Droege die Notbremse gezogen und die Augsburger ALSO-Logistik in die Insolvenz geschickt. Als wir in der E-Stellen-Sitzung am 31.7. für den Teilbetrieb WELTBILD eine Einigung mit der Geschäftsführung ausgehandelt hatten – nämlich ein Freiwilligenprogramm zur Personalreduzierung – hat er die Finanzierung verweigert und die Vereinbarung über Nacht per Telefon kassiert."

Timm Boßmann, ver.di-Betriebsgruppensprecher bei WELTBILD/ALSO: "Aus unserer Sicht lässt dieses destruktive Verhalten nur einen Schluss zu: Herr Droege will sich mit uns nicht einigen, darum chaotisiert er die Verhandlungen und wird immer dann aktiv, wenn Ergebnisse sichtbar werden. Bis heute kam kein einziger konstruktiver Vorschlag aus Düsseldorf, sondern ausschließlich Störfeuer. Alle Verträge, die wir vor der Übernahme mit Herrn Droege geschlossen haben, um den Weg der Sanierung verbindlich zu beschreiben, hat dieser gebrochen. Nichts wurde eingehalten, aber im Wochenrhythmus immer neue Forderungen aus Düsseldorf. So führt man keine Verhandlungen, wenn man ein Interesse an einer Einigung hat!"

Thomas Gürlebeck, ver.di-Sekretär für den Handel in Augsburg: "Der Milliardär Walter Droege bereichert sich auf Kosten der Allgemeinheit. Durch die Planinsolvenz wälzt er die Lohnkosten auf die Arbeitsagentur und die Sozialversicherungsträger ab. Die Beschäftigten und der Steuerzahler sollen Millionen-Gewinne in Düsseldorf finanzieren. Dagegen wird sich die Gewerkschaft ver.di weiterhin mit allen Mitteln stemmen."

Dolores Sailer, Vorsitzende des Konzernbetriebsrats von WELTBILD: "Die Unterstellung der ALSO, der Betriebsrat und die Gewerkschaft hätten eine Einigung verhindert, ist Unsinn. Die Krokodilstränen, die hier produziert werden ("Zu unserem sehr großen Bedauern!") sind unverschämt angesichts der Erbarmungslosigkeit, mit der Herr Droege Hunderte Familien der schnellen Gewinnabschöpfung seiner Investition opfert. Wir, MitarbeiterInnen und Interessenvertretung, sind gleichermaßen fassungslos mit welcher Kaltschnäuzigkeit ein milliardenschwerer Unternehmer Existenzvernichtung im großen Stil betreibt. Es ist eine Schande! Die Vorwürfe der ALSO weisen wir auf das Schärfste zurück."

Alle gemeinsam wünschen sich, dass Walter Droege wieder zu Verstand kommt und endlich eine vernünftige Lösung mit dem Betriebsrat gemeinsam sucht. Vielleicht trägt die öffentliche Wahrnehmung dazu bei. Wenn Walter Droege WELTBILD/ALSO platt macht, wird das keinesfalls lautlos und ohne öffentlichen Widerstand der Belegschaft über die Bühne gehen.

Mittwoch, 12. August 2015

Vernichtung statt Sanierung: Droege lässt die Maske fallen


Nach monatelangem Ringen um einen Sanierungsplan für WELTBILD/ALSO setzt Walter Droege auf eine Vernichtungsstrategie und gefährdet damit den Fortbestand der gesamten Gruppe. Die vorsätzlich herbeigeführte Insolvenz der ALSO-Logistik in Augsburg ist der letzte Trumpf des Milliardärs aus Düsseldorf. Sein Ziel: die MitarbeiterInnen der Logistik sollen ohne einen angemessenen Sozialplan billig entsorgt werden, die Betriebsratsstrukturen zerschlagen und regulär Beschäftigte im großen Stil durch LeiharbeiterInnen ersetzt werden.

Zuvor hatten Droeges Anwälte die Einrichtung einer gerichtlichen Einigungsstelle gegen den Betriebsrat durchgesetzt. Der Vorsitzende dieser Einigungsstelle, der Arbeitsrichter Holger Dahl, forderte Walter Droege im Juli auf, persönlich an den Verhandlungen um die Zukunft des Augsburger Unternehmens teilzunehmen. Daraufhin veranlasste Droege die Insolvenz des Logistik-Bereichs. Offenbar hatte Droege erkannt, dass er Massenentlassungen zum Nulltarif auch über eine Einigungsstelle nicht erzwingen kann, und sich daraufhin für eine perfide Strategie entschieden: Er nutzt nun das Insolvenzrecht als Waffe gegen die Beschäftigten und ihre Interessenvertretung. So sollen die Beteiligungsrechte des Betriebsrats und die vertraglichen Ansprüche der MitarbeiterInnen aus der Überleitungsvereinbarung von 2014 vom Tisch gefegt werden.

Beim Einstieg hatte Droege 2014 folgende Punkte vertraglich mit Betriebsrat und Gewerkschaft vereinbart: • Kündigungen nur als letztes Mittel nach Ausschöpfung aller Alternativen (Kurzarbeit, zeitweiser Verleih von Arbeitskräften an andere Unternehmen, freiwilliges Ausscheiden mit Abfindung) • kein Einsatz von LeiharbeitnehmerInnen, solange in der Logistik noch Unterbeschäftigung besteht • Sozialplanleistungen und eine Transfergesellschaft wie 2014, falls doch Kündigungen notwendig sein sollten • Verhandlungen zum Abschluss eines Haustarifvertrags.

Stattdessen hat Reiner Wenz, Eigenverwalter der insolventen ALSO-Logistik in Augsburg, dem BR gestern ein E-Mail ausgehändigt. Dieses Mail richtete sich nicht an den Betriebsrat, sondern es handelte sich um das Schreiben eines Anwalts an einen anderen Anwalt. Beide stehen mittelbar in den Diensten von Walter Droege, der mit diversen und ständig wechselnden Rechtsvertretern seit Monaten jeden Verhandlungs-Fortschritt verhindert. Aktuell sind auf Arbeitgeberseite vier unterschiedliche Kanzleien beauftragt. Worin deren Auftrag genau besteht, ließ sich bisher nicht abschließend klären.

In dem Mail werden mehrere Forderungen formuliert, die ALSO Deutschland angeblich gegenüber dem Augsburger Betriebsrat aufstellt:
Zitat:
a) Personalabbau von 300 Vollzeitstellen zum 1.9.2015 (Abfindung maximal mit Faktor 2,5; insgesamt maximal 2,3 m€).
b) Kündigung aller Betriebsvereinbarungen zum 1.9.2015 (Wochenarbeitszeit, Urlaubstage, Sonderurlaub, Weihnachtsgeld, etc.).
c) Anwendung logistischer Tarifvertrag.
d) Keine Sozialauswahl.
e) Aufnahme von Leiharbeit.
Wenn diese Forderungen nicht erfüllt werden, droht laut Wenz die Schließung der Logistik noch vor dem 1. Oktober.

Ein verhandlungsfähiges Konzept liegt dagegen weiterhin nicht vor. Stattdessen verweisen die beteiligten Anwälte darauf, dass sie sich erst einarbeiten müssten. So wird der enge Zeitraum bis zur Insolvenzeröffnung am 1. Oktober bewusst vertan. Der aktuelle Geschäftsführer der Logistik, Interims-Manager Reiner Wenz, kann keinerlei Expertise im Bereich Logistik vorweisen und hat bis heute keinen einzigen eigenen Vorschlag zur Lösung der Misere beigetragen. Aus Sicht des Betriebsrats gehört auch das zur perfiden Strategie des Walter Droege: Chaos in die Verhandlungen bringen, Zeit schinden und dann die Insolvenzordnung nutzen, um Fakten zu schaffen und die Mitarbeiter billig zu entsorgen.

Wie geht es weiter? Am 24.8. ist die nächste Sitzung der Einigungsstelle und möglicherweise die letzte Chance auf eine vernünftige Einigung. Der Betriebsrat verlangt die Einhaltung der geltenden Verträge einschließlich der Haftungsvereinbarung mit der nicht insolventen ALSO Mobility GmbH für Sozialplanansprüche der Logistik-MitarbeiterInnen. Wir brauchen zeitnah einen runden Tisch mit den Anteilseignern, der Politik und dem BR und ver.di als Beteiligten. Dass die Logistik geräuschlos entsorgt wird, werden wir nicht zulassen.

Dienstag, 4. August 2015

Droege boykottiert Einigung zwischen GF und BR


Auf der Betriebsversammlung von WELTBILD und ALSO in Augsburg erlebten die Beschäftigten des gemeinsamen Betriebs heute ein Wechselbad der Gefühle. Einleitend berichtete BR-Vorsitzender Peter Fitz vom Ergebnis der Einigungsstelle am Freitag. Betriebsrat und Geschäftsführung war es nach Monate langem Ringen gelungen, zumindest für den Bereich WELTBILD eine gemeinsame und tragfähige Lösung zu finden: ein freiwilliges Ausstiegsprogramm für die KollegInnen im kaufmännischen Bereich sollte betriebsbedingte Kündigungen unnötig machen.



Gestern wurden die Beratungen von Freitag fortgesetzt und die Eckpunkte des Freiwilligen-Programms gemeinsam mit Rechtsanwältinnen konkretisiert. Sogar die Arbeitsagentur kam am Nachmittag mit an den Verhandlungstisch und sagte eine Finanzierung über Transferkurzarbeitergeld (KuG) zu.

Die Eckpunkte des Freiwilligen-Programms bei WELTBILD

• Niemand muss gehen, der nicht gehen will.
• Wer freiwillig aussteigt, erhält die Sozialplanleistungen, die 2014 vereinbart wurden: 12 Monate Transfergesellschaft und eine gedeckelte Abfindung von maximal 45.000 Euro.
• Zielgröße des Stellenabbaus über das Freiwilligen-Programm sind 50 Vollzeitstellen. Es steht eine deutlich größere Bandbreite an "ausstiegsfähigen" Stellen zur Verfügung.
• Im Ergebnis kann jedeR gehen, wenn sein bzw. ihr Ausscheiden betrieblich organisierbar ist. Aber niemand hat einen Rechtsanspruch auf einen Ausstieg.
• Um das sinnvoll und diskret zu organisieren, wird eine paritätische Kommission gebildet, in der die Geschäftsführung und der Vorsitz des Betriebsrats gleichberechtigt vertreten sind.

Das war das Ergebnis von gestern Abend. Heute morgen informierte Geschäftsführer Patrick Hofmann den Betriebsrat, dass es kein OK von Düsseldorf gebe. Er sah sich heute außerstande, die verbindlichen Zusagen von gestern zu halten. Droege hatte in der Nacht per Telefon den mühsam errungenen Kompromiss kassiert.



Nichts desto trotz präsentierte Hofmann gemeinsam mit Geschäftsführer Sikko Böhm auf der Betriebsversammlung Erfolg versprechende Wirtschaftszahlen. Im Betriebsteil WELTBILD sei man auf einem guten Weg.

Bei ALSO stehen die Zeichen weiter auf Sturm

Gänzlich anders die Situation im Logistikbereich ALSO: Völlig überraschend hatte die Geschäftsführung von ALSO drei Tage vor dem Termin der Einigungsstelle einen Insolvenzantrag gestellt. Der Grund: Walter Droege hatte als Mehrheitsgesellschafter der Muttergesellschaft "ALSO Deutschland" dem Betrieb in Augsburg von heute auf morgen die Finanzierung entzogen. (Wir berichteten.) So will der Düsseldorfer Milliardär Massenentlassungen und die Auflösung der gültigen Tarifverträge mit Gewalt durchdrücken. "Das ist eine Sauerei und Missbrauch des Insolvenzrechts!", brachte ver.di-Sekretär Thomas Gürlebeck die Vorwürfe der Gewerkschaft auf den Punkt. "Wir werden genau überprüfen, ob sich Droege hier noch im Rahmen der Gesetze bewegt, oder ob die Bereicherung auf Kosten der Allgemeinheit einen illegalen Akt darstellt." (Presseerklärung der ver.di)



"Durch die vorsätzlich herbeigeführte Insolvenz der Logistik, gefährdet Walter Droege den gemeinsamen Betrieb von WELTBILD und ALSO in Augsburg!", entrüstete sich auch Peter Fitz: "Das ist ebenso unverantwortlich wie unverständlich, weil wir am Freitag in der Einigungsstelle bewiesen haben, dass tragfähige Lösungen gemeinsam möglich sind."

"Mit dem Eintritt in die Insolvenz verunmöglicht Droege jede vernünftige Einigung", führte Gürlebeck aus. "Diejenigen, die unter einem Arbeitsplatzverlust am meisten zu leiden haben, sollen jetzt gleichsam nackig auf die Straße gesetzt werden", erklärte Gürlebeck und kündigte konsequenten und öffentlichkeitswirksamen Widerstand gegen das "rücksichtslose und menschenverachtende" Vorgehen des Düsseldorfer Investors an.

Dienstag, 28. Juli 2015

ver.di: "Droege macht Kasse auf Kosten der Allgemeinheit"


Die offizielle Presse-Mitteilung der ver.di:

Heute Morgen hat Reiner Wenz, Geschäftsführer der ALSO Logistic Services, einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht gestellt. Der Logistik-Dienstleister bildet einen gemeinsamen Betrieb mit der WELTBILD in Augsburg. Beide Unternehmen gehören mehrheitlich dem Düsseldorfer Milliardär Walter P. Droege. Er hatte das Unternehmen erst im September 2014 von Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz übernommen.

Aus Sicht der Gewerkschaft ver.di wurde die erneute Insolvenz gezielt herbeigeführt: „Das ist der Versuch des Milliardärs Walter Droege, sich auf Kosten der Allgemeinheit weiter zu bereichern“, sagt Thomas Gürlebeck, ver.di-Sekretär für den Handel in Augsburg. „Droege wälzt alles auf den Steuerzahler ab: Insolvenzgeld, Arbeitslosengeld, Sozialversicherungen.“

„Das der ALSO-Konzern, zu dem auch die Augsburger Logistik gehört, zeitgleich mit dem Insolvenzantrag, gestiegene Jahresgewinne von über 36 Millionen Euro meldet und im gleichem Atemzug die Augsburger Verluste von ca. 4 Millionen im ersten Halbjahr als Grund für die Insolvenz angibt, ist skandalös“, sagt Gürlebeck. Grund genug für Gewerkschaftssekretär Gürlebeck misstrauisch zu werden: „Wir werden das Insolvenzverfahren genau beobachten. Wenn Droege in seiner Gier die Grenzen der Legalität überschreitet, wird das nicht folgenlos bleiben.“

Bei WELTBILD/ALSO in Augsburg sind die Menschen schockiert. Betriebsratsvorsitzender Peter Fitz: „Die Kolleginnen und Kollegen haben in der schwierigen Situation seit der ersten Insolvenz ihr Letztes gegeben. Die Leute sind einfach nur noch fertig und enttäuscht: Niemand versteht, wie Walter Droege das einfach so mit ihnen machen kann.“ Fitz weiter: “Das die Geschäftsführung von ALSO es bis heute nicht umsetzen wollte, mandantenfähig zu werden sowie das zwingend erforderliche Drittgeschäft in Augsburg zu platzieren, ist die größte Ursache dieser Insolvenz. Keinerlei tragfähige Geschäfte wurden dem Betriebsrat vorgestellt, die die Zukunft des Unternehmens gesichert hätten. Die Vorschläge der Arbeitnehmerseite wurden abgetan. Dafür, dass die Manager dazu entweder nicht willens oder in der Lage waren, sollen jetzt die Lageristen mit ihrer Existenz bezahlen.“

Zumal die Insolvenz aus Sicht der Belegschaft nicht nachvollziehbar ist: „Es ist ja nicht so, dass die ALSO in Augsburg ohne Vermögen dasteht. Ihr gehören Gebäude und Maschinen im Millionenwert“, berichtet ver.di-Betriebsgruppensprecher Timm Boßmann.

Ver.di und Betriebsrat werden, wie auch schon in der Vergangenheit, alles daran setzen, die Zukunft der Beschäftigten in Augsburg als Ganzes zu sichern. Weltbild Retail und ALSO Logistic sind ein Gemeinschaftsbetrieb und können nur gemeinsam existieren und erfolgreich sein.

Augsburg, den 28.07.2015

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