§3 Unser AngebotLeitmedium unseres Angebots ist das Buch, das uns unverwechselbar macht und von dem wir in hohem Maße unsere Kompetenz und Glaubwürdigkeit beziehen.Die anderen Kaufmedien wie CDs, Videos und DVDs, Software, Games, Kalender, Gesellschaftsspiele, Sammlereditionen und Zeitschriften sind ebenfalls Kernsortiment.Dies wird ständig um attraktive Versandsortimente, in medienaffinen Bereichen rund um Haus und Familie, erweitert: Hobby und Freizeit, Praktisches und Nützliches, Schule und Beschäftigung, Dekoration und Geschenk. Alle Angebote berücksichtigen konsequent die Qualitätserwartung der Kunden.
Schön wär's – wir meinen:
Unverwechselbar ist am Weltbild-Angebot zur Zeit leider gar nichts. Von einer besonderen Kompetenz bei der Auswahl der Artikel ist wenig zu spüren. Die Buchangebote, die ohnehin nur noch rund 50% des Katalogs ausmachen, sind vollkommen austauschbar und werden nach Marktforschungs-Ergebnissen ausgesucht. Überraschungen? Trendsetter-Angebote? Titel, die wirklich nur Weltbild anbietet? Im Katalog suchen unsere KundInnen vergebens. Und im Internet heißt es lapidar: "Wir haben alles".
Im Non-Book-Bereich wird dagegen fleißig experimentiert: von Kleinmöbeln über Motorroller bis hin zur Wurst. Alles findet seinen Platz im Katalog des "Katholischen Buchversenders". Ob sich unsere KundInnen in diesem Wirrwarr noch zurecht finden? Die Umsatzzahlen sprechen dagegen.
Die Qualität? "Hauptsache billig!" Das ist heute die einzige Antwort auf die "Qualitätserwartung der Kunden".
Unser Fazit:
Einige wenige (wie Amazon) haben wirklich "alles" – und technische Lösungen gefunden, wie sie ihren Kunden ein riesiges Sortiment zugänglich machen können, ohne selbst ein finanzielles Risiko zu laufen. Andere (wie Quelle) haben alles auf "alles" gesetzt und verloren.
Warum laufen die Weltbild-Strategen überlegenen Konkurrenten hinterher bzw. setzen auf überholte Konzepte? Im Marketing-Sprech nennt man das "me-too-Positionierung", und BWL-StudentInnen lernen schon im ersten Semester, das es so nicht geht.
Die frühere Stärke von Weltbild lag im mit viel Sachkenntnis und feinem Gespür ausgesuchten, klar abgegrenzten Angebot. Service und Versand kamen aus einer Hand, nämlich von hochmotivierten MitarbeiterInnen aus Augsburg. Darauf konnten sich unsere KundInnen verlassen. Weltbild kannte (und schätzte) seine Zielgruppe. Der Katalog war in vielen Haushalten ein gern gesehener Gast. Heute trommeln wir wie eine Drückerkolonne gegen die Haustür und wundern uns, wenn es heißt "Wir kaufen nichts!"
Wir MitarbeiterInnen würden uns wünschen, dass sich Weltbild wieder auf seine alten Tugenden zurückbesinnt. Dazu muss man Atem holen und genau nachdenken, was unsere Kunden 2010 - 2020 von uns erwarten. Keine leichte Aufgabe. Dafür braucht man Ideen, Durchhaltevermögen und ein langfristiges Ziel. Vielleicht brauchen wir dafür mittlerweile sogar Hilfe von außen. Aber neue Geschäftsführer mit McKinsey-Meriten, denen außer Personalabbau eh nichts einfällt, helfen in dieser Situation bestimmt nicht weiter!