Samstag, 6. August 2011
Monitor-Beitrag zum Thema Leiharbeit
Was meinen Sie zum Thema Leiharbeit? Wie sollte Weltbild sich verhalten? Nutzen Sie die Kommentar-Funktion!
Freitag, 5. August 2011
Das Wort zum Freitag: Prima Klima in Lima
Immer wieder gibt das liebe Klima Anlass für Diskussionen, Irritationen und Unmutsäußerungen. Kein Wunder eigentlich, entstammt das Wort Klima doch ursprünglich dem Altgriechischen und bedeutet »Krümmung«, in der Verbform dann »krümmen, neigen, biegen«. Das Klima war also schon immer eine krumme Sache – oder, anders formuliert – eine schräge, fragwürdige und ziemlich labile Angelegenheit.
In Zusammenhang mit den Klimakonferenzen, die von den Vereinten Nationen jährlich abgehalten werden, könnte die inhaltliche Definition des Begriffs Klima durchaus noch ein bisschen mehr auf den Punkt gebracht werden: Klima – fragwürdig, entbehrlich …
Die Klimakonferenz – so überflüssig wie ein Herbsteinbruch im Juli und Wollsocken an den Hundstagen.
Aber mit Klima lässt sich durchaus auch Positives verbninden. Für viele Zeitgenossen ist ein vertrautes Klima, ein gewohntes Umfeld die Grundvoraussetzung für einen hohen Grad an Zufriedenheit, optimale Motivation und Leistungsbereitschaft. Insbesondere am Arbeitsplatz!
Das gilt auch für die Verlagsgruppe Weltbild. Wo ein Arbeitsplatz-Wohlfühlklima leider alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist. Doch diverse Arbeitsgruppen im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsheitsmanagements (BGM) sind ja emsig damit befasst, daran etwas zu ändern. Bleibt zu hoffen, dass die Weltbild-Gesundheitsmanager sich nicht endgültig im dichten Gestrüpp von detailstrotzenden Konzepten, Agenden, abstrakten Absichsterklärungen und wohl tönenden Zielvorgaben verheddern – und dabei den Startschuss für konkrete Maßnahmen überhören und den Pfad in die Arbeitswirklichkeit aus den Augen verlieren.
Es gibt übrigens auch Menschen, die verlassen nie die gemäßigten Klimazonen – noch nicht einmal im Urlaub. So ein »Gemäßigter« käme nie auf die Idee, nach Lima zu reisen. Lima, die Hauptstadt Perus, liegt der subtropischen Klimazone. Selbst im kältesten Wintermonat beträgt die Durchschnittstemperatur dort satte 15 Grad Celsius. Allerdings ist die Metropole häufig in dichten Nebel getaucht!
Das klingt schon fast nach Treibhausklima, was zur Zeit in Augsburg herrscht und (nicht nur mir) die Mattigkeit in Kopf und Gliedmaßen treibt.
Wirklich zufrieden mit dem Klima können in diesem »Sommer« eigentlich nur die Nackt- und Weinbergschnecken sein. Sie leben ja bis zu ihrer Pensionierung dauerhaft in der Mikroklima-Zone, also dem Bereich der bodennahen Luftschichten – die bis zu etwa zwei Metern Höhe reicht. Dort fühlen sie sich sauwohl, weil sie es immer schön feucht haben.
Das Büroklima ist den Schnecken schnuppe, denn sie dürfen an der frischen Luft arbeiten. Ihre Arbeitsmotivation ist konstant hoch, weil es für sie immer etwas Frisches im Gemüse- und Kräutergaren zu bearbeiten bzw. zu futtern gibt. Das einzige, was den Kriechtieren wirklich Sorgen macht, sind die vielen Experten, die einen Klimawandel prognostizieren. Dass eine globale Erwärmung auch ihre heimischen Gärten betreffen könnte, wäre für unsere Schnecks der Klimagau.
Montag, 1. August 2011
Liebe KollegInnen von WeltbildPlus…
…immer wieder werden wir aufgefordert, mehr Nachrichten aus den Filialen in diesem Blog zu veröffentlichen. Verschiedene Vermutungen wurden geäußert, warum wir das bislang unterlassen haben. Hier mal ein bisschen was zum Hintergrund.
WeltbildPlus ist nicht Weltbild
Auch wenn es auf den ersten Blick anders aussieht: WeltbildPlus ist nicht identisch mit der Verlagsgruppe Weltbild. Die Filialen der Marken Weltbild und Jokers werden von der WeltbildPlus Medienvertrieb GmbH betrieben. Diese wiederum ist Teil der DBH in München, genauso wie Hugendubel, Weiland, DBH-Warenhaus (Karstadt Buch) usw. Die DBH ihrerseits gehört je zur Hälfte der Verlagsgruppe Weltbild GmbH und den Hugendubel-Erben. Firmenrechtlich also ein bisschen kompliziert… Das ist übrigens auch der Grund, warum der Weltbild-Betriebsrat keine Mitbestimmungsrechte innerhalb der Filialen hat.
Bisher: Konzentration auf Augsburg
Nun muss es uns als ver.di-Blogger nicht interessieren, was der Weltbild-Betriebsrat darf oder kann. Trotzdem haben wir uns in der Vergangenheit auf die Berichterstattung über die Verlagsgruppe Weltbild GmbH in Augsburg konzentriert. Das hat einerseits mit der Arbeitsbelastung zu tun, andererseits mit dem Informationsfluss: Wir kriegen in Augsburg schlicht sehr wenig mit von dem, was in der Fläche passiert.
Das ändert sich jetzt glücklicherweise: Innerhalb von WeltbildPlus gibt es mittlerweile ebenfalls zwei Betriebsräte, nämlich in den Jokers-Filialen in Göttingen und Regensburg. Diese bilden einen Gesamtbetriebsrat, der mit Nicole Molthan in Göttingen eine sehr aktive Vorsitzende hat. Ein guter Grund zur Hoffnung, dass es mit den Infos in Zukunft besser klappt.
Außerdem werden in den Filialen derzeit weitere BR-Wahlen zusammen mit unserer Gewerkschaft ver.di organisiert. Wir hoffen sehr, dass sich in den Reihen der Gewerkschaftsmitglieder weitere BloggerInnen finden, die hier über die Zustände in den Filialen berichten möchten. Meldet euch bitte mit Beiträgen unter der E-Mail-Adresse blogredaktion@web.de .
Ab jetzt: Berichte über WeltbildPlus
Langer Rede kurzer Sinn: Wenn wir ein bisschen Unterstützung kriegen, berichten wir hier in Zukunft gerne auch über die Filialen. Wir starten heute mit einem Interview mit der WeltbildPlus-GBR-Vorsitzenden Nicole Molthan, das unsere KollegInnen vom Hugendubel-ver.di-Blog geführt haben.
"Zwei von 250": Plus-GBR-Vorsitzende Nicole Molthan im Gespräch
Infoblog: Wann warst Du eigentlich das letzte Mal in einem Media-Markt?
Nicole Molthan: Mein letzter Besuch in einem Media Markt ist schon etwas länger her. Ich persönlich schätze eine ruhige und angenehme Verkaufsatmosphäre und das ist für mich bei den meisten Media-Märkten nicht gegeben. Laute Musikberieselung und aggressive, sich penetrant wiederholende Dauerwerbung aus den Lautsprechern ist nicht so nach meinem Geschmack. Außerdem bin ich selten fündig geworden, was z.B. Filme jenseits der aktuellen Blockbuster und Massenware angeht. Daher meide ich die Läden eher.
Infoblog: Weißt Du, was die Weltbildplus- und die Jokers-Filialen mit Media-Markt gemeinsam haben?
Nicole Molthan: Ja, leider. Media Markt ist genauso wie Weltbildplus/Jokers eine bundesweit agierende Verkaufskette mit ca. 230 stationären Filialen. Von diesen ca. 230 Filialen haben meines Wissens bisher nur zwei Filialen einen Betriebsrat gewählt. Und da kommen wir auf die Gemeinsamkeit. Bei den über 250 Filialen von Weltbildplus/Jokers haben bisher auch nur zwei Filialen einen jeweils einköpfigen Betriebsrat gewählt.
Infoblog: Warum gibt es so wenige BR bei Weltbildplus/Jokers?
Nicole Molthan: Von den über 250 Filialen müsst ihr erstmal ca. 77 Filialen abziehen, die aufgrund ihrer Mitarbeiterstruktur (weniger als fünf Beschäftigte in der Filiale, laut BetrVG ist erst ab fünf Beschäftigten eine BR Wahl möglich) zur Zeit nicht in der Lage sind, selber einen BR zu wählen, obwohl ich Kenntnis von Filialen habe, die dieses sehr gerne tun möchten. Mit dieser Problematik, die sicherlich in Zukunft immer mehr Einzelhandelsketten betreffen wird (stetiger Personalabbau), müsste sich mal der Gesetzgeber beschäftigen. Das BetrVG stammt leider aus einer Zeit, in der es nicht so viele Ketten mit Minibesetzung gab.
Infoblog: Und bei einer Zusammenlegung von Filialen, zwecks Ermöglichung von BR Wahlen, müsste die Geschäftsführung einverstanden sein, oder?
Nicole Molthan: Ja. Bei den restlichen ca. 180 Filialen (die Zahl schwankt ständig, bedingt durch Filialschließungen und durch den Zuwachs der Wohlthat’s Filialen im Bundesgebiet) kann ich natürlich nur Vermutungen anstellen. Zum einen gab es vor 2009 keinen Betriebsrat im Unternehmen. Das heißt, für viele Kolleginnen und Kollegen ist das Thema „Betriebsrat“ und alles, was damit zusammen hängt, ein gänzlich unerforschtes Themengebiet. In der Schule lernt man nichts über Betriebsräte, in vielen Studiengängen vermutlich auch nicht und so kann es durchaus sein, dass man sein gesamtes bisheriges Berufsleben ohne Kenntnis von Betriebsräten und Betriebsratsarbeit durchlaufen hat. Bei vielen Kolleginnen und Kollegen herrscht noch viel Unsicherheit und Angst. „Was kommt da auf mich zu?“ „Kann ich das überhaupt?“ „Was wird mein Vorgesetzter sagen?“
Infoblog: Was gab bei Dir den Anstoß?
Nicole Molthan: Ich selber bin auch erst nach der Entlassungswelle im Mai 2009 aufgerüttelt worden und habe mich daraufhin mal etwas näher mit dem Thema BR befasst. Daher habe ich viel Verständnis für die Kolleginnen und Kollegen, die noch zögern und unsicher sind. Es ist eine Art Denk- und Lernprozess, der sich entwickeln muss und sich auch entwickeln wird.
Infoblog: Was sind die Hauptschwierigkeiten, einen neuen BR zu bilden?
Nicole Molthan: Eigentlich gibt es keine Schwierigkeiten. Die formalen juristischen Wege sind einzuhalten, dabei hilft der GBR (Gesamtbetriebsrat). Interessierten Kolleginnen und Kollegen werden Seminarangebote gemacht, damit die BR Wahl korrekt abläuft. Niemand wird alleine gelassen.
Ganz wichtig ist meiner Einschätzung nach aber, dass das gesamte Team in der Filiale die interessierte Kollegin, den interessierten Kollegen unterstützt. Quasi eine Art Gemeinschaftsentscheidung. Denn die dann hoffentlich erfolgreiche und konsequente Betriebsratsarbeit kommt letztlich dem gesamten Team zugute. Am Anfang wird es sicherlich ein wenig holprig, bis sich die Betriebsratsarbeit wie selbstverständlich in den Arbeitsalltag integriert. Aber auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt. An dieser Stelle auch ein ganz herzliches Dankeschön an mein eigenes Team für die Unterstützung und das Verständnis.
Infoblog: Wenn KollegInnen einen BR gründen wollen, was sollten Sie als erstes tun?
Nicole Molthan: Als erstes prüfen, ob die formalen Voraussetzungen vorliegen. Die Personalstruktur ändert sich in den Filialen derart rasant, dass die Listen, die dem GBR vorliegen, meist nur Makulatur sind. Wenn die BR Gründung jedoch möglich ist und der Entschluss feststeht, sollte sich die/der künftige BR zwei Getreue aus der Filiale für den Wahlvorstand an die Seite holen und dann Kontakt mit dem GBR aufnehmen.
Infoblog: Das Management von Media-Markt unternimmt alles, um die Bildung von BR zu behindern. Gibt es ähnliche Erfahrungen bei Weltbildplus/Jokers?
Nicole Molthan: Nach eigener Aussage hat die Geschäftsführung nichts gegen BR Wahlen, wenn sie juristisch korrekt ablaufen. Der GBR hat bereits Wahlvorstände für einige Filialen benannt und die BR Wahlen werden in allernächster Zukunft durchgeführt werden. Ich hoffe nicht, dass es zu Behinderungen kommen wird.
Infoblog: Seit wann bist Du Betriebsrätin?
Infoblog: Es war bestimmt nicht immer ganz einfach, oder?
Nicole Molthan: Der Anfang war wirklich nicht ganz einfach. Da es keine bereits existierenden Betriebsräte gab oder wenigstens das Gremium aus mehr als einer Person beständen hätte, wusste ich am Anfang auch nicht so recht, was da auf mich zukommen würde und was ich jetzt eigentlich tun muss. Anders als in anderen Betrieben, wo der BR in der Regel doch zumindest aus drei Personen aufwärts besteht, konnte ich keinen gewieften, langjährigen, mit allen Wassern gewaschenen BR-Kollegen um Rat und Beistand fragen. Daher dauerte vieles natürlich etwas länger. Aber mittlerweile bestehen enge Kontakte zu meinen BR Kollegen von Hugendubel; der Verlagsgruppe Weltbild; DBH Warenhaus; Deuerlich; Weiland; Schmorl & von Seefeld und Wohlthat’s.
Infoblog: Und seit wann bist Du GBR-Vorsitzende?
Nicole Molthan: Nach einigen Anlaufschwierigkeiten (das „Börsenblatt“ berichtete im April 2010, dass der Gesamtbetriebsrat nicht kommen würde) bin ich seit Juli 2010 die Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, der zur Zeit naturgemäß nur aus zwei Mitgliedern besteht. Aber ich bin zuversichtlich, was die Erhöhung der Mitgliederzahl angeht (lacht).
Infoblog: Was sind Deine Hauptaufgaben als GBR-Vorsitzende?
Nicole Molthan: Meine Hauptaufgabe ist sicherlich, den Kolleginnen und Kollegen bei Fragen rund um das Thema „Betriebsrat“ und „Betriebsratsarbeit“ mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Dazu gehören Informationen allgemeiner Art, aber auch die persönliche Beratung und Unterstützung. Und natürlich viel Überzeugungsarbeit, Aufklärungsarbeit und Ermunterung. Ich denke, bei vielen Kolleginnen und Kollegen erwächst jetzt so langsam ein Bewusstsein dafür, dass sie nicht ohne Rechte sind, aber dass sie für die Durchsetzung dieser Rechte selber aktiv werden müssen. Und dabei wird sie der GBR unterstützen. Der GBR bietet Hilfe zur Selbsthilfe.
Infoblog: Was war/ist für Dich die verblüffendste Erkenntnis als BR/GBR-Vorsitzende?
Nicole Molthan: Dass die Betriebsratsarbeit wirklich Spaß machen kann. Ich hatte am Anfang nur diffuse Vorstellungen. Ich dachte, man muss sich nur mit trockenen Gesetzestexten und Vorschriften beschäftigen. Mit der Zeit habe ich aber gelernt, wie interessant und spannend es ist, dass Betriebsverfassungsgesetzt mit Leben zu erfüllen. Natürlich stößt man immer wieder auf Schwierigkeiten und auf den ersten Blick schier unüberwindbare Hindernisse, die einen kurzzeitig vielleicht entmutigen. Aber dann steht man wieder auf und versucht einen anderen Weg.
Infoblog: Was ist Deiner Meinung nach wichtig für die Betriebsratsarbeit?
Nicole Molthan: Beharrlichkeit, Neugierde, Lernbereitschaft, Gerechtigkeitssinn, Konfliktfähigkeit und Humor.
Und natürlich auch der Mut, Fehler zu machen und aus diesen zu lernen. Ich glaube, Passivität, vielleicht aus Angst etwas falsch zu machen, ist der größte Feind erfolgreicher Betriebsratsarbeit.
Infoblog: Wie kommunizierst Du mit den Kolleginnen und Kollegen in den Filialen?
Nicole Molthan: Jede Kollegin und jeder Kollege hat zwei persönliche Info Briefe des GBR bekommen, in denen es um die Voraussetzungen und die Notwendigkeit der BR Wahl ging.
Da es sich um räumlich weit voneinander entfernte Filialen handelt, bleibt mir oft nur das Mittel der Rundmail. Diese Wahl der Kommunikation ist nicht ganz zufriedenstellend, da die Rundmails des GBR in der Flut der täglichen Filialmails leicht untergehen können. Aber die Information über Mails entspricht den Gepflogenheiten des Unternehmens. Dies leuchtet auch ein, wenn man sich klar macht, dass es schier unmöglich ist, komplexe und auch nicht für die Öffentlichkeit gedachte Themen wie die BR Wahl am Telefon zu besprechen, wenn man in Einerbesetzung im Laden an der Kasse steht. Andererseits hat das BetrVG ganz klar festgelegt, dass es jedem Mitarbeiter möglich sein muss, während seiner Arbeitszeit mit dem GBR Kontakt aufzunehmen. Daher bleibt die Mail vorerst wohl die erste Wahl. Jeder Mitarbeiter kann aber auch gerne telefonisch mit dem GBR Kontakt aufnehmen und in gemeinsamer Abstimmung wird sich bestimmt die Möglichkeit für ein ausführliches Telefongespräch finden.
Infoblog: Trotz allem geht es in unserem Beruf immer noch um Bücher:
Wenn Du nach Job und Betriebsratsarbeit noch Zeit hast - welches Buch liest Du gerade bzw. kannst Du den Leserinnen und Lesern des Infoblogs empfehlen?
Nicole Molthan: Ich bin leider auch der Unsitte verfallen, wie vermutlich viele leidenschaftliche Buchliebhaber, dass ich meistens mehrere Bücher gleichzeitig lese. Eigentlich möchte ich mich immer nur auf ein Buch konzentrieren, dann kommt doch wieder ein neues spannendes Buch dazwischen. Zur Zeit lese ich also als „Hauptbuch“ von Lea Singer „Vier Farben der Treue“ und erfreue mich sehr am Sprachstil. Gleichzeitig sind folgende vier Bücher angelesen und warten auf die Entscheidung, welches von ihnen das nächste „Hauptbuch“ wird. Von Eckart Kleßmann „Universitätsmamsellen“ mit Bezug zu Göttingen; „Als Poesie gut – Schicksale aus Berlins Kunstepoche 1786 bis 1807“ von Günter de Bruyn; „Witwe im Wahn“ von Oliver Hilmes oder doch „Drood“ von Dan Simmons. Mal sehen.
Infoblog: Und ganz allgemein: Gibt es einen Autoren oder Bücher für dich, die du immer wieder lesen könntest, quasi „all time favourites“?
Nicole Molthan: Oh je, wenn ich die alle aufzählen würde, könntet ihr euren Blog vermutlich wegen Speicherkapazitätüberschreitung schließen (grinst).
Ich versuche mich also zu beschränken. Lieblingsautoren/innen sind für mich Jane Austen, Arthur Schnitzler, Thomas Mann, Theodor Fontane, Henry James, Elisabeth von Arnim, Oscar Wilde, Edgar Allan Poe, die Brontës und um wenigstens noch zwei zu nennen, die noch nicht seit Ewigkeiten vor sich hin modern ....
Sven Regener und Max Goldt.
Infoblog: Liebe Nicole, vielen Dank für das sehr aufschlußreiche Gespräch und die Literatur-Tips zum Schluß! Wir wünschen Dir für Deine Arbeit als Betriebsrätin und GBR-Vorsitzende viel Kraft, Geschick und die notwendige Portion Humor!
Nicole Molthan ist unter folgenden Kontakt-Mail-Adressen zu erreichen:
nicole.molthan@wbpd.de
gbr-welt-bild-plus@web.de
Zum Weiterlesen ein Situationsbericht eines Kollegen von Weltbildplus: "Das Weltbild von Weltbild"
Donnerstag, 28. Juli 2011
BR entschärft Betriebsvereinbarung zur Ausgangskontrolle
Auf zwei Mitarbeiterversammlungen stellte Personalreferent Claudius Ulrich heute die neue Betriebsvereinbarung gemeinsam mit dem Betriebsrat vor. In zähen Verhandlungen hat der BR mitarbeiterfreundliche Regelungen durchgesetzt. So kann jetzt jedeR selbst entscheiden, ob er oder sie die umständlichen Warenbegleitscheine ausfüllen möchte. Kontrolliert werden ausschließlich Rucksäcke und Tragetaschen. Niemand wird gezwungen, einzelne Gegenstände herauszunehmen. Andere Behältnisse wie Schminktaschen etc. werden gar nicht kontrolliert. Ausgeschlossen ist selbstverständlich jede Form von Leibesvisitation. Außerdem werden mit Start der Ausgangskontrollen die durchsichtigen Plastiktaschen im Bereich Lager/Versand abgeschafft. Damit entfällt eine sehr entwürdigende Auflage für die KollegInnen.
Wir dokumentieren hier die Stellungnahme des Betriebsratsvorsitzenden Peter Fitz:
"Liebe Kolleginnen und Kollegen,
wie wir bei der letzten Betriebsversammlung schon gesagt hatten, ist eine Betriebsvereinbarung zwischen der Geschäftsleitung und uns zu verhandeln gewesen.
Es war nicht ganz einfach, letztlich konnte die Vereinbarung nun statt der ursprünglichen 11 auf jetzt 8 Paragraphen und von ca. 3 ½ auf 2 ½ Seiten reduziert werden. Folgende Punkte haben wir erfolgreich verhindert bzw. deutlich entschärft:
• Zu kontrollierende Gegenstände:
Geplant waren: Taschen, Jacken(-taschen), Hosen- und Rocktaschen, Rucksäcke, Mützen, Flaschen u. Thermoskannen, Brotzeitboxen, Schminktaschen, alle Arten von Taschen und Behältnissen mit Stauraum
Jetzt gilt: Nur Tragetaschen und Rucksäcke dürfen kontrolliert werden.
• Es erfolgt keine Leibesvisitation (dies wurde auf unsere Veranlassung hinzugefügt).
• Die Kontrollen werden vor dem Passieren der Stempeluhren durchgeführt, bzw. wo dies noch nicht möglich sein sollte, wird die Arbeitszeit nachgetragen. Das heißt: Die Kontrollen zählen zur Arbeitszeit und werden bezahlt.
• Sollten aufgrund der durchgeführten Kontrollen öffentliche Verkehrsmittel nicht mehr erreicht werden können, wird sichergestellt, dass die Kolleginnen und Kollegen durch eine Sammelbeförderung kostenfrei und in angemessener Zeit nach Hause oder zur nächsten noch bedienten Haltestelle gebracht werden.
• Ausgänge: Es werden wirklich alle Ausgänge kontrolliert. Das gilt damit auch für die Zugänge zu den Tiefgaragen, die vornehmlich von Führungskräften benutzt werden.
• Der Passus der Geschäftsführung, dass MitarbeiterInnen, die sich "auffällig" von einem Kontrollpunkt entfernen, sofort kontrolliert werden können, wurde ersatzlos gestrichen.
• Art der Kontrollen:
Geplant war: Sämtliche Behältnisse und Gegenstände sollten geöffnet vorgezeigt werden. Der Werkschutz konnte MitarbeiterInnen auffordern, einzelne Gegenstände herauszunehmen und die Innentaschen sichtbar zu öffnen.
Jetzt gilt: Nur Rucksäcke und Tragetaschen müssen geöffent vorgezeigt werden. Gegenstände müssen nicht herausgenommen werden, der Werkschutz darf lediglich darum bitten, einzelne Gegenstände, z. B. Jacken, innerhalb der Tasche zur Seite zu schieben. Wenn der Werkschutz einen begründeten Verdacht hat, muss er die Polizei hinzuziehen: Kein Werkschutzmitarbeiter darf unsere Kollegen zu etwas zwingen, selbst in dessen Tasche greifen oder gar anfassen!
• Bei den Kontrollen kann – und sollte – jedeR einen Betriebsrat oder einE KollegIn seines/ihres Vertrauens hinzuziehen. Der Zeitrahmen dafür wurde von 15 auf verdoppelt.30 Minuten
• Warenbegleitschein:
Geplant war: Sämtliche Gegenstände, für die man keinen Kaufnachweis beibringen kann, müssen auf einem Warenbegleitschein vom Vorgesetzten quittiert werden.
Jetzt gilt: Persönliche Gegenstände sind von den Kontrollen explizit ausgenommen! Lediglich wer originalverpackte bzw. offensichtlich neuwertige Gegenstände aus dem Weltbildsortiment mit sich führt, kann einen Warenbegleitschein ausfüllen, um Missverständnissen vorzubeugen. Diese Warenbegleitscheine sind aber freiwillig! Selbst wenn es zu Missverständnissen kommen sollte, steht der Arbeitgeber in der Beweispflicht. Das Heißt: Nicht ich muss nachweisen, dass ich den Gegenstand gekauft habe – der Arbeitgeber muss beweisen, dass ich ihn gestohlen habe!
• Bei Kontrollen, die aufgrund eines begründeten Verdachts durchgeführt werden, ist grundsätzlich ein BR-Mitglied hinzuzuziehen. Ist dies, z. B. während der Nachtschicht, ausnahmsweise nicht möglich, muss die Polizei gerufen werden!
• Sollte es während der Kontrollen Ärger geben, kann und wird der Betriebsrat diese BV mit einer dreimonatigen Frist kündigen. Es gibt keine Nachwirkung der Vereinbarung. Die BV müsste also komplett neu verhandelt werden.Und? Sind Sie mit den getroffenen Regelungen zufrieden? Nutzen Sie die Kommentarfunktion unter diesem Beitrag und diskutieren Sie mit! Einfach auf den kleinen, blauen Kommentar-Link klicken. Alle Kommentare können vollständig anonym abgegeben werden.
• Bislang waren die KollegInnen in Lager/versand verpflichtet, ihre privaten Sachen in durchsichtigen Plastikbeuteln zu transportieren. Diese entwürdigende Auflage entfällt mit Start der Kontrollen am 1. August. Das Unternehmen stellt diesen KollegInnen zukünftig Leinentaschen zur Verfügung.
Wie Sie sehen, haben wir in schwierigen Verhandlungen viel erreicht und dafür gesorgt, dass die Kontrollen auf ein Mindestmaß beschränkt bleiben und mitarbeiterfreundlich durchgeführt werden."
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Freitag, 1. Juli 2011
Teilerfolg des Betriebsrats: 50 LeiharbeiterInnen übernommen
Das Infoblatt »Flurfunk« der Geschäftsführung meldet zum 1. Juli 2011 die Übernahme von 50 weiteren LeiharbeiterInnen bei Weltbild. Die Kolleginnen und Kollegen erhalten einen unbefristete Vertrag mit Jahresarbeitszeit, sprich Teilzeit. Darüber hat der »Flurfunk« nicht berichtet.
Der Betriebsrat begrüßt die Übernahme der sogenannten Stamm-Leiharbeiter. Die Übernahme fand nur statt, weil der Betriebsrat Druck gemacht hat. Und er wird das Thema Leiharbeit weiter auf der Tagesordnung belassen. Es gibt da noch viel zu tun!
Montag, 20. Juni 2011
TV-Tipp: ZDFzoom - Das Recht des Stärkeren
Die Zeiten sind härter geworden für Arbeitnehmer in Deutschland.
Menschen, die ins Berufsleben einsteigen, erhalten häufig nur befristete Verträge. Die Zahl der "working poor", derer, die trotz Vollzeitarbeit Hartz IV beantragen müssen, steigt. In dem Film "Das Recht des Stärkeren", der am Mittwoch, 22. Juni 2011, 22.45 Uhr, in der Reihe "ZDFzoom" zu sehen ist, nehmen Günter Wallraff und Pagonis Pagonakis dubiose Kooperationen zwischen Arbeitgebern und unseriösen Anwaltskanzleien unter die Lupe.
Unter Einsatz einer versteckten Kamera ist es den Autoren gelungen, bei Seminaren zu drehen, in denen Arbeitgeber lernen, wie man "Unkündbare" los wird und wie man Arbeitnehmern Fallen stellt, um ihren Ruf zu schädigen. Die Betroffenen leiden oft noch jahrelang seelisch und körperlich an den Folgen dieses Vorgehens.
Günter Wallraff sucht Arbeitnehmer und Betriebsräte auf, die Opfer dieser bestürzenden Methoden geworden sind, spricht mit Arbeitsrechtlern, Betriebsseelsorgern und Mobbing-Experten. Er konfrontiert Rechtsanwaltskammern und versucht zu ergründen, warum niemand diesen Anwälten Einhalt gebieten kann oder will.
(Quelle ZDF Pressemitteilung)
Samstag, 11. Juni 2011
MitarbeiterInnen-Durchsuchung bei WELTBILD: erlaubt oder verboten?
Nachdem es zu unserem Artikel über die Betriebsversammlung zum Thema Taschenkontrolle so viele Diskussionsbeiträge gab, wollen wir den Sachverhalt hier nochmals darstellen: Was ist erlaubt, was ist verboten, und wie wird das im Betrieb geregelt?
Gesetze, Verträge und Vereinbarungen definieren den Rahmen, in dem wir arbeiten. Juristen nennen das "Rechte-Pyramide". Ganz oben stehen die Gesetze, z. B. das Arbeitszeitgesetz, das u. a. festlegt, dass niemand länger als 10 Stunden pro Tag bzw. 48 Stunden/Woche arbeiten darf.
Eine Stufe darunter sind die Tarifverträge, die von der Gewerkschaft mit den Arbeitgeberverbänden geschlossen werden. Hier ist z. B. vereinbart, dass wir nur 37,5 Stunden pro Woche arbeiten müssen – statt 48, die das Gesetz vorsieht.
Darauf folgen die Betriebsvereinbarungen. Das sind Verträge, die der Betriebsrat als Vertretung der Belegschaft mit der Geschäftsführung abschließt, und die damit für diesen Betrieb bindend sind. So hat der WELTBILD-Betriebsrat u. a. eine Betriebsvereinbarung "Arbeitszeit" abgeschlossen, in der z. B. die Gleitzeit, die Regeln der Zeiterfassung, die Servicezeiten usw. usf. geregelt werden.
Auf der untersten Stufe steht der Arbeitsvertrag der einzelnen MitarbeiterInnen. Hier wird – um im Beispiel zu bleiben – festgelegt, ob einE MitarbeiterIn an der Zeiterfassung teilnimmt oder darauf verzichtet.
Die "Rechte-Pyramide"
In der "Rechte-Pyramide" gilt die Regel "Ober toppt Unter". Das heißt: In einem Tarifvertrag darf nichts vereinbart werden, was den Gesetzen widerspricht. Themen, die dem Tarifrecht vorbehalten sind (z. B. Urlaubsanspruch) können in einer Betriebsvereinbarung nicht zum Nachteil der ArbeitnehmerInnen anders geregelt werden. Und last but not least haben Vereinbarungen im Arbeitsvertrag keine Gültigkeit, die den Abmachungen in Betriebsvereinbarungen zuwiderlaufen.
(Für KlugscheißerInnen: Es gibt natürlich auch Öffnungsklauseln, abweichende Regelungen für Leitende Angestellt etc. pp. – aber dieser Beitrag soll keine Jura-Vorlesung werden, sondern nur das Grundprinzip darstellen.)
Sind Durchsuchungen illegal?
In den Tarifverträgen sind Ausgangskontrollen in der Regel kein Thema. Im "Bayerischen Verlags- und Buchhandelstarif" steht jedenfalls kein Wort darüber.
Last Exit "Einigungsstelle"
Bleibt also die Betriebsvereinbarung. In §87 des Betriebsverfassungsgesetzes ist festgelegt, dass ein Arbeitgeber Kontrollen nicht ohne die Zustimmung des BR einfach anordnen kann. Also wird sich WELTBILD-Geschäftsführung mit dem BR auf eine Regelung – sprich: eine Betriebsvereinbarung – einigen müssen. Falls es zu keiner Einigung kommt, sieht das Gesetz eine sogenannte "Einigungsstelle" vor. Hier hört sich ein Richter die Argumente beider Parteien an und fällt dann einen Schiedsspruch, der letztlich den Inhalt der Betriebsvereinbarung festlegt. Diese ist dann für Arbeitgeber und ArbeitnehmerInnen bindend. (Keine Jura-Vorlesung ;-)
Das wiederum bedeutet: einfach "Bocken" wäre unklug! Wenn der BR der Einigungsstelle keinen eigenen Vorschlag für eine Regelung im Sinne der Belegschaft macht, entscheidet der Richter nur über den Vorschlag des Arbeitgebers. Wenn dieser Vorschlag gesetzeskonform ist, wird der Richter im Sinne des Arbeitgebers entscheiden – der BR hat dem ja argumentativ nichts entgegengesetzt.
Wenn der BR einen eigenen Vorschlag macht, wird der Richter abwägen: und zwar zwischen dem grundsätzlich berechtigten Interesse des Arbeitgebers, sein Eigentum zu schützen, und dem Schutz des Persönlichkeitsrechts des Arbeitnehmers, den der BR in diesem Fall einfordern wird.
Alles in allem also ein ziemlich komplexes Verfahren, für das es keine einfache Entweder-Oder-Lösung geben wird. Deshalb war es für den BR so wichtig, bei der Betriebsversammlung von der Belegschaft zu erfahren, was aus Sicht der MitarbeiterInnen gegen die geplanten Durchsuchungen spricht. Alle diese Einwände werden jetzt in den "Gegenvorschlag" des BR eingearbeitet und dann mit der Geschäftsleitung verhandelt. Wenn der BR dabei kein akzeptables Ergebnis erzielt, geht die Sache vor die Einigungsstelle, und der Richter entscheidet.
Freitag, 10. Juni 2011
Streiks erfolgreich: 5% mehr Lohn im Einzelhandel Baden-Württemberg
• 3,0 % Erhöhung der Entgelte in 2011 mit zwei Nullmonaten
• 36 Werktage Wochen Urlaub für alle
• Regelung der AGG relevanten Themen im Manteltarifvertrag
Damit wurde für dieses Jahr eine tabellenwirksame Entgeltsteigerung von 3 % durchgesetzt. Es ist weiter gelungen, die Tariferhöhung in 2012 ebenfalls tabellenwirksam zu gestalten (die Arbeitgeber wollten das partout nicht). Als großen Erfolg sehen wir die Regelung an, dass es nun 36 Werktage Urlaub für alle Beschäftigten gibt, was eine Erhöhung der unter 24 jährigen Beschäftigten um 4 Tage bedeutet.
Der Abschluss zeigt eindrucksvoll, was erreichbar ist, wenn sich ArbeitnehmerInnen organisieren und selbstbewusst für vernünftige Bezahlung und faire Arbeitsbedingungen eintreten. Wir gratulieren dem streikstärksten Landesbezirk zu diesem Erfolg.
Mittwoch, 1. Juni 2011
Betriebsversammlung: Glückwünsche der Geschäftsführung an alle, die zu Amazon wechseln!
Bei der heutigen Betriebsversammlung der Verlagsgruppe WELTBILD kamen viele Themen auf den Tisch: • Gesundheitsmanagement • Taschendurchsuchung • Kantinenessen • Leiharbeit und die • Ansiedlung von Amazon in der benachbarten Ortschaft Graben. Der Betriebsrat hatte eine informative und unterhaltsame Veranstaltung mit zahlreichen Einlagen und mehreren Gastrednern vorbereitet. Bei der Belegschaft kam die kurzweilige Versammlung sehr gut an. Verwundert reagierten die rund 800 MitarbeiterInnen auf eine Aussage des obersten Geschäftsführers Carel Halff zum Thema Amazon. Der konkurrierende Versandhändler sucht mit Hochdruck Personal für sein Logistikzentrum, das in der Nähe von Augsburg gebaut wird. Die Geschäftsführung sieht die neue Konkurrenzsituation offenbar mit allergrößter Gelassenheit.
Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM)
Als Fortsetzung des GRAziL-Projekts installieren Betriebsrat und Geschäftsführung derzeit gemeinsam ein ehrgeiziges Programm mit dem etwas sperrigen Namen »Betriebliches Gesundheitsmanagement«. Die BetriebsrätInnen Johannes Ihmenkamp, Tanja Sedlmeier und Angelika Jahnke stellten Inhalt und Ziele des Gesundheitsprogramms vor. Der Leiter der Unternehmensentwicklung, Matthias Haack, erläuterte die Organisation des Projekts. Geschäftsführung und Betriebsrat treiben die Arbeit mit großem Engagement gemeinsam voran und entscheiden gleichberechtigt über die zu ergreifenden Maßnahmen. Das BGM wird mit großem personellen Aufwand vorangetrieben – keine Selbstverständlichkeit in Zeiten knapper Mittel, wie Haack betonte. Im Unterschied zu GRAziL umfasst das BGM nicht nur die Bereiche Lager & Versand, sondern soll auch für zahlreiche Verbesserungen im Angestellten-Bereich sorgen.
»Meine Tasche gehört mir!«
Unter diesem Titel führten die Betriebsräte Peter Hellriegel und Raimund Wegemer einen pointierten Sketch auf. Die Einlage zeigte anschaulich, wie die Ausgangskontrollen ablaufen könnten, wenn es nach dem Willen der Geschäftsführung geht. Betriebsrat Timm Boßmann moderierte den Programmteil und machte deutlich, dass der BR ein weitreichendes Mitspracherecht bei der Gestaltung der geplanten Taschendurchsuchungen hat. Die zahlreichen kritischen Reaktionen der KollegInnen zeigten, dass vieles an den Plänen noch unausgegoren ist. Hier werden Betriebsrat und Geschäftsführung intensiv um eine Betriebsvereinbarung ringen müssen, die den Interessen des Unternehmens und dem der MitarbeiterInnen gleichermaßen gerecht wird.
»Uns schmeckt's nicht.«
Mit roten, gelben und grünen Kärtchen benoteten die MitarbeiterInnen das derzeitige Angebot des Kantinenbetreibers Eurest. Leider gab es überwiegend mittelmäßige und negative Noten für die Qualität des Mittagessens. Betriebsratsvorsitzender Peter Fitz sprach für den Kantinenausschuss: Offenbar muss man den Anbieter immer wieder unter Druck setzen, um zumindest eine kurzfristige Verbesserung der Qualität zu erreichen. Im Ausschuss will man jetzt gemeinsam mit Eurest nach Möglichkeiten für eine dauerhafte Verbesserung suchen.
Prekäre Beschäftigung bei WELTBILD
Obwohl die Kirchen eine klare Position zum Thema »Leiharbeit« vertreten, beschäftigt auch der katholische Arbeitgeber WELTBILD dauerhaft zwischen 300 und 1.600 LeiharbeitnehmerInnen. Dolores Sailer und Michael Haugg vom Betriebsrat stellten die unwürdigen Arbeitsbedingungen in einem kleinen Frage-und-Antwortspiel vor. Die LeiharbeiterInnen verdienen bei gleicher Arbeit deutlich schlechter als die Stammbelegschaft. Viele von ihnen sind trotz Vollzeitarbeit auf Hartz-IV-Zuschüsse angewiesen. Außerdem haben diese KollegInnen keinerlei Sicherheit für sich und ihre Familien, da sie permanent von kurzfristiger Kündigung bedroht sind.
Halff: »Gewerkschaften müssen bessere Tarife durchsetzen!«
Zum Thema Leiharbeit hatte der Betriebsrat die katholischen Betriebsseelsorger Erwin Helmer und Hans Gilg eingeladen. Die beiden Kirchenmänner verurteilten die Bedingungen der Leiharbeit aufs Schärfste und forderten WELTBILD als kirchliches Unternehmen auf, nach christlichen Grundsätzen zu handeln. Geschäftsführer Carel Halff misshagte die deutliche Kritik ganz offensichtlich. Er sieht die Verantwortung in der Politik und bei den DGB-Gewerkschaften, die entsprechende Tarifverträge zugelassen haben. Die Gewerkschaften müssten eben »ihren Job machen«, meinte Halff.
Außerdem verwies er darauf, dass WELTBILD im Januar 50 LeiharbeitnehmerInnen in feste Beschäftigungsverhältnisse übernommen habe, und kündigte für den Sommer die Übernahme von 50 weiteren KollegInnen an. Betriebsratsvorsitzender Peter Fitz begrüßte diese Planung, machte aber auch deutlich, dass der BR keine Einzelmaßnahmen zum Ziel hat, sondern die Bedingungen der Leiharbeit bei WELTBILD in einer Betriebsvereinbarung grundsätzlich regeln will.
»Angst vor Amazon, Herr Halff?«
Unter dieser Überschrift hatte der BR den Geschäftsbericht angekündigt. Er wollte wissen, was WELTBILD in der direkten Konkurrenzsituation tun wird, um wertvolle MitarbeiterInnen im Unternehmen zu halten. Angst ist dem WELTBILD-Geschäftsführer offensichtlich fremd. Konkurrenz belebe nicht nur das Geschäft, sondern sei auch positiv für MitarbeiterInnen und Kundschaft. »Wenn Sie bei Amazon einen besseren Job mit einem höheren Gehalt angeboten kriegen, bewerben Sie sich noch heute. Ich werde persönlich jeden beglückwünschen, der bei Amazon eine Stelle bekommt.« Diese Demonstration arbeitgeberischen Selbstbewusstseins wurde von der Belegschaft mit pikiertem Schweigen aufgenommen. Die nahe Zukunft wird zeigen, wieviele Ex-Mitarbeiter-Hände der Geschäftsführer demnächst schütteln muss. Nach Informationen des Betriebsrats haben sich bereits mehrere Dutzend KollegInnen beworben. Erste Verträge sollen schon unterschrieben sein.



