Montag, 26. Januar 2015

Droeges Kahlschlag: 400 Jobs bei WELTBILD bedroht


Am Freitag hat die Geschäftsleitung der ALSO Logistics dem Betriebsrat ihr Restrukturierungskonzept vorgestellt: 120 Vollzeitstellen sollen wegen schlechter Umsätze entfallen. Umfangreiche Rationalisierungsmaßnahmen gefährden zusätzlich 40 - 60 Jobs. Weitere 30 KollegInnen werden mit Kündigung bedroht, um Urlaubskürzungen und die Erhöhung der Wochenarbeitszeit durchzusetzen. In Summe sind damit in der Logistik rund 200 Vollzeitstellen in Gefahr.

Im November hatte die Geschäftsführung der WELTBILD Retail bereits angekündigt, rund 200 Arbeitsplätze in der Verwaltung streichen zu wollen. Als Grund wurden sinkende Umsätze genannt. Diese sind durch die massive Senkung des Werbeetats aber selbst verursacht worden.

Der Umsatzrückgang schlägt nun direkt auf die Auftragslage der Logistik durch. Deshalb sollen dort weitere 120 Vollzeitstellen gestrichen werden. Nach dem Willen von Hermann Scharl und Hans Schmitz-Wenzel von ALSO sollen tatsächlich hauptsächlich Vollzeitbeschäftigte gehen. JahresteilzeitlerInnen werden geschont, weil sie flexibler einsetzbar sind.

Insgesamt geht es bei Retail und ALSO um 400 Arbeitsplätze

Parallel läuft in der Logistik ein umfangreiches Rationalisierungsprogramm an. Das Ziel: kürzere Durchlaufzeiten und niedrigere Stückkosten, um die Logistik als Dienstleister für andere Unternehmen attraktiv zu machen. So soll das angekündigte Drittgeschäft ins Haus geholt werden. Dagegen ist grundsätzlich nichts zu sagen. Die Dienstleistung für Dritte ist auch Teil des vom Betriebsrat unterstützten WELTBILD-2.0-Konzepts. Eine schnellere Auslieferung ist wichtig, um neue KundInnen zu gewinnen und wieder zu wachsen. Die bessere Auslastung soll die Kosten für WELTBILD senken und Arbeitsplätze sichern.

Betriebsspaltung als Ziel

Während der Betriebsrat aber immer WELTBILD als Ganzes  im Blick hat, geht es den   ALSO-Managern einseitig um die Rendite des Logistikbereichs. WELTBILD ist für sie nur ein möglicher Kunde unter vielen. Das heißt: wenn die Akquise des Drittgeschäfts misslingt oder WELTBILD durch das Wirken von Patrick Hofmann und Sikko Böhm weiter Umsatz verliert, werden mit der Rationalisierung weitere Arbeitskräfte überflüssig. Hans Schmitz-Wenzel und Hermann Scharl nennen eine Zahl „zwischen 40 und 60“.

Hinter den am Freitag vorgestellten Plänen wird sichtbar, dass es dem Mehrheitsgesellschafter Droege mittelfristig um eine Spaltung des Betriebs in Augsburg geht. Damit wäre der Weg frei für eine deutliche Verschlechterung der Tarife in der Logistik. Schon jetzt fordern die ALSO-Manager eine höhere Wochenarbeitszeit und weniger Urlaubstage. Um das durch-zusetzen, haben sie als Gegenwert weitere 30 Vollzeitstellen genannt.

Die Gewerkschaft ver.di und der Betriebsrat lassen sich aber nicht erpressen. Wir stehen weiterhin für den gemeinsamen Betrieb in Augsburg und fordern die Umsetzung des WELTBILD-2.0-Konzepts. Der derzeitige Kurs von Walter Droege bedeutet ein Sterben auf Raten.

Ausverkauf: 70 Filialen weg

Wie katastrophal sich das aktuelle Missmanagement auswirkt, wurde am Freitag nachmittag nochmals deutlich. Am Rande des Infotreffens wurde dem Betriebsrat mitgeteilt, dass sich Walter Droege zum Verkauf von 70 unrentablen WELTBILDplus-Filialen entschlossen habe. Schon wieder weniger Aufträge für die Logistik…

Erste Berichte in der Presse

Augsburger Allgemeine: 400 Jobs und 70 Filialen in Gefahr: Droht Weltbild ein Kahlschlag?

Buchreport: Sterben auf Raten

Süddeutsche Zeitung: Weltbild könnte bis zu 70 Filialen verkaufen

Bayerischer Rundfunk: Weltbild auf dem Weg zum Kahlschlag

Mittwoch, 21. Januar 2015

Entdecke das Mitgliedernetz von ver.di


Schon gewusst – eure Gewerkschaft kann auch Social Media.

Bereits seit mehreren Jahren gibt es das ver.di Mitgliedernetz. Hier sind GewerkschafterInnen aus den verschiedensten Branchen ganz unter sich und können sich miteinander vernetzen, Nachrichten austauschen, Beiträge posten, Kontakte knüpfen, sich gegenseitig Tipps geben und in Foren Diskussionen führen.




Im Gegensatz zu öffentlichen Internet-Plattformen sind die angemeldeten ver.di-Mitglieder hier in einem geschützten Raum, der für andere nicht einsehbar ist. Das erleichtert das offene Sprechen über Probleme am Arbeitsplatz und stärkt den Zusammenhalt der MitgliederInnen untereinander. Eure Beiträge sind nur für Angemeldete sichtbar und können über das normale Internet bzw. Internet-Suchmaschinen nicht aufgefunden werden.




 Die Vorteile der Mitgliedschaft nutzen:
• Fakten, Infos, Service, Bildungsangebote, Beratung,Tarifverträge, Foren und Gruppen
• Austausch über gewerkschaftliche, politische und gesellschaftliche Fragen
• Informieren und diskutieren
• Kontakte zu anderen Mitgliedern


Der Weg ins Mitgliedernetz: 

Die Anmeldung und Registrierung erfolgt in wenigen einfachen Schritten über eure persönliche ver.di-Mitgliedsnummer. 
Das ver.di-Mitgliedernetz: Komm rein, mach mit!




Hier der Link zur Startseite:   ver.di-Mitgliedernetz






Sonntag, 11. Januar 2015

Ein Jahr nach Insolvenzantrag – der Stand der Dinge


Als Carel Halff, Dr. Martin Beer und Josef Schultheis vor einem Jahr den Gang zum Insolvenzgericht antreten mussten, hat kaum jemand an eine Zukunft für WELTBILD geglaubt. Einzig der Betriebsrat und die Gewerkschaft ver.di waren – und sind – überzeugt, dass WELTBILD einen gesunden Kern hat, und die Belegschaft im Gegensatz zum Management gute Arbeit geleistet hat und weiter leistet.

Mit enormen Einsatz haben BR und ver.di für die Zukunft des Unternehmens gekämpft: Wir haben die Kirche dazu gebracht, die soziale Verantwortung für die Pleite zu übernehmen, deren Opfer finanziell abzusichern und mit einem Massekredit den Neustart zu ermöglichen. Wir haben der Politik klar gemacht, dass WELTBILD in der Region unverzichtbar ist, und die Unterstützung der Landesregierung gesichert. Wir haben die Insolvenzverwaltung überzeugt, dass es sich lohnt einen anderen Weg als den der Abwicklung einzuschlagen.

2.000 Arbeitsplätze bis heute gerettet

Der Lohn dieser Überzeugungsarbeit: WELTBILD gibt es noch. Wir haben 2.000 Arbeitsplätze bis heute gerettet: 445 in der WELTBILD Retail, 505 in der ALSO Logistics und ca. 1.000 in den WELTBILDplus-Filialen. 2.000 Menschen haben weitere 12 Monate ihre Gehälter bekommen und davon ihre Familien ernährt. Das ist ein Erfolg.

Rund 1.000 andere Menschen haben ihre Arbeit verloren und sind heute in einer der Transfergesellschaften beschäftigt: 650 KollegInnen von WELTBILD in Augsburg, 300 aus den Filialen. Viele haben noch keinen neuen Arbeitsplatz gefunden. Das ist bitter.

Die Entlassungen waren der Preis, der gezahlt werden musste, um für WELTBILD eine Chance auf Zukunft zu schaffen. Gemeinsam mit der Unternehmensberatung Roland Berger und der Insolvenzverwaltung SchneiderGeiwitz haben wir ein tragfähiges Konzept für den Neustart von WELTBILD entwickelt. Einen Plan, der viele schmerzhafte Schnitte beinhaltete. Etwas anderes kann man nicht erwarten, wenn knallharte Sanierungsexperten von Roland Berger am Tisch sitzen, zusammen mit einem erfahrenen Insolvenzverwalter, der als Vertreter der Gläubiger alles doppelt und dreifach durchrechnet. Betriebsrat und ver.di haben um jeden einzelnen Arbeitsplatz gekämpft, aber das wichtigste Ziel war immer der Fortbestand des Unternehmens. So ist das Konzept WELTBILD 2.0 entstanden: keine sozialromantische Fantasiegeburt, sondern das Ergebnis harter Arbeit von kompetenten Fachleuten innerhalb der Firma und erfahrenen BeraterInnen von außen.

Walter Droege verzockt unsere Zukunft

Das Problem ist: Die von Walter Droege gesteuerte Geschäftsführung setzt WELTBILD 2.0 nicht um. Andererseits können Patrick Hofmann und Sikko Böhm auch kein alternatives Konzept auf den Tisch legen. Mit Gerd Robertz hat das einzige GF-Mitglied mit Buchhandels-Expertise nach nur sieben Wochen die Firma verlassen. Im Streit um die Strategie, wie viele mutmaßen, die es durchaus wissen könnten. Unter der Leitung des Insolvenzverwalters hatte auch Robertz am Konzept WELTBILD 2.0 mitgewirkt.

Die einzig erkennbare Strategie der zurück gebliebenen Droege-Manager ist das Totschrumpfen der Firma: Werbegelder werden gestrichen; der daraus resultierende Umsatzrückgang wird als Argument für die Forderung nach weiteren Entlassungen hergenommen. Die Filialen werden kaum beworben und nur eingeschränkt mit Ware beliefert; das gefloppte Weihnachtsgeschäft soll weitere Schließungen begründen. Als nächstes werden die durch den Umsatzrückgang stark geschrumpften Aufträge der Logistik bejammert werden; das ist absehbar und wird bei der ALSO als Argument für den geplanten Personalschnitt benutzt werden.

Das Schlimmste aber ist, dass die Marke und das Geschäftsmodell von WELTBILD zerstört werden, jeden Tag ein bisschen mehr.

Enttäuschung, Unsicherheit und Misstrauen

Die Stimmung in der Belegschaft ist drei Monate nach dem Droege-Einstieg katastrophal. Drei Gefühle dominieren: ENTTÄUSCHUNG – weil Walter Droege seine Versprechen nicht gehalten hat. UNSICHERHEIT – weil viele wieder um ihren Arbeitsplatz fürchten müssen. MISSTRAUEN – weil Droeges Strategie für alle erkennbar in die falsche Richtung geht.

Auch der Betriebsrat und die Gewerkschaft ver.di sind enttäuscht und wütend, weil Droeges Statthalter in Augsburg jeden Tag neues Porzellan zerschlagen. Das Ergebnis monatelanger, harter Arbeit wird zielstrebig ruiniert, als wolle man Selbstmord verüben aus Angst vor dem Tod.

BR und ver.di weiter gesprächsbereit

Von Seiten der Arbeitnehmer-VertreterInnen hat es zahlreiche Gesprächsangebote gegeben: Wir waren bereit über Führungsstruktur und -gehälter zu verhandeln, genauso wie über unsere Tarifverträge. Wir waren willens, die geltenden Betriebsvereinbarungen zu überprüfen und Abstriche zu machen. Mit uns wären Anpassungen vereinbar gewesen, die dem Unternehmen helfen konkurrenzfähig zu bleiben. Wir wollten Innovationspotentiale innerhalb der Firma heben. Wir waren und sind bereit für jede Strategie, die WELTBILD als Unternehmen nach vorne bringt.

Dagegen beharrt die Droege-Geschäftsführung einseitig auf ihrer Forderung nach einem umfassenden Personalabbau – ohne ein schlüssiges Konzept vorlegen zu können, wie es danach mit WELTBILD weitergehen soll. Wir werden trotzdem weiter mit dem Arbeitgeber sprechen. In der Hoffnung, dass am Ende doch die Vernunft und das Verantwortungsgefühl über die Gier des Düsseldorfer Milliardärs nach dem schnellen WELTBILD-Euro siegen werden. Die nächsten Gesprächstermine sind für Ende Januar vereinbart.

Zum Abschluss noch der Hinweis auf einen Bericht in der Süddeutschen Zeitung vom Samstag: "Allein der Glaube bleibt".

Montag, 5. Januar 2015

Gewerkschaftliches Bildungsprogramm 2015 ver.di Landesbezirk Bayern


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ver.di hat ein umfangreiches Bildungsprogramm für die Mitglieder, meist kostenlos und meist mit Fahrtkostenzuschuss.

Nähere Infos finden sich auch unter www.verdi-bildungsportal.de.
Wir werden hier in lockerer Reihenfolge Veranstaltungen des Bildungsprogramms ankündigen und vorstellen.





Mehr als das Gold
hat das Blei die Welt verändert,
und mehr als das Blei in der Flinte
jenes im Setzkasten der Drucker.
(Georg Christoph Lichtenberg, 1742-1799)

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

mit diesem gewerkschaftspolitischen Bildungsprogramm des ver.di Landesbezirks Bayern wollen
wir auch im Jahr 2015 wieder Seminare anbieten, die die Handlungsfähigkeit der Kolleginnen
und Kollegen in den Betrieben stärkt. Bildung ist eine der wichtigsten Waffen, um für eine bessere,
solidarische Welt zu kämpfen.

Deshalb liegt der Schwerpunkt auch 2015 wieder auf Seminaren für gewerkschaftlich aktive
Kolleg_innen. Darüber hinaus haben wir aber auch Angebote für neue Gewerkschaftsmitglieder,
die ver.di näher kennen lernen wollen und sich aktiv bei ver.di engagieren wollen.

Die Ziele und Prinzipien unserer gewerkschaftlichen Bildungsarbeit sind dabei:


  • Mitglieder- und beteiligungsorientierte Methoden und solidarisches Lernen
  • Aufbau und Stärkung betrieblicher Gewerkschaftsstrukturen
  • Neue Mitglieder gewinnen und alte halten
  • Selbstaktivierung statt Stellvertreterpolitik
  • Stärkung des Konfliktbewusstseins und der Durchsetzungsfähigkeit


Alle Seminare in diesem Programm werden in Kooperation mit dem Bildungswerk der ver.di
Bayern e.V. durchgeführt.

Wir bitten Euch, Eure Kolleginnen und Kollegen über das Seminarangebot von ver.di zu informieren
und freuen uns über reges Interesse.

In diesem Sinne: Bildung kann die Welt verändern – mitmachen lohnt sich!

Linda Schneider
stellv. Landesbezirksleiterin
ver.di Bayern


"Auf einem Baum ein Kuckuck" - die vergessenen Revolutionen oder die Geschichte der Arbeiterbewegung in Deutschland

vom 06.02.2015 bis 08.02.2015 in Brannenburg
Beginn: Freitag um 18:00 Uhr
Ende: Sonntag nach dem Mittagessen
Veranstaltungsnummer: 15/30/370

Veranstalter: BW ver.di Bayern
Ort: ver.di Haus Brannenburg
Kosten: Für ver.di-Mitglieder kostenlos. Für Nicht-ver.di-Mitglieder: Keine Anmeldung möglich
Teilnahmebeschränkung: Nur ver.di-Mitglieder
Nur Bundesländer: Bayern

Seminarinhalt:

"Cäsar schlug die Gallier.
Hatte er nicht wenigstens einen Koch bei
sich?" (Bertolt Brecht)

Die Geschichte der Arbeiter_innenbewegung in Deutschland ging immer mit Revolutionen
einher. Diese hatten dann auch weitreichende Veränderungen zur Folge. All die
Errungenschaften, auf die wir heute zählen können, sind nicht vom Himmel gefallen,
sondern sind Ergebnisse von mutigen Männern und Frauen, die für ihre Ideen gekämpft
haben. Dennoch liest man davon in den Geschichtsbüchern sehr wenig.
Diese Errungenschaften stehen immer wieder zur Diskussion und es gilt sie täglich zu
verteidigen. Mit diesem Seminar wollen wir uns diese Ereignisse wieder bewusst machen
und Brücken in die Gegenwart schlagen.

Themen in diesem Seminar sind:

  • Welche Rolle spielte die Arbeiter_innenbewegung bei der Durchsetzung von sozialen Errungenschaften?
  • Wie sahen die Kämpfe der Arbeiter_innen aus und warum wurden sie so oft niedergeschlagen?
  • Warum steht davon in den Geschichtsbüchern so wenig?
  • Wichtige Stationen der Arbeiter_innenbewegung
  • Was können wir aus der Geschichte der Arbeiter_innenbewegung lernen?

Aus der Seminarreihe: "Auf einem Baum ein Kuckuck" - die vergessenen Revolutionen oder die Geschichte der Arbeiterbewegung in Deutschland soll dieses Wochenendseminar in die bewegte Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung einführen. Anhand von Texten, Bildern, Filmausschnitten und Musik wird ein grundlegender Einblick über eineinhalb Jahrhunderte Geschichte der Organisationen der deutschen Lohnabhängigen gegeben. Die Vielfalt des Lebens wird in diesen Beispielen aus Literatur, Kunst, Architektur, Film und Musik lebendig werden. Das Seminar wird als Grundlagenseminar durchgeführt und enthält vier Module. Anhand der Methode des exemplarischen Lernens wird der Streifzug durch die Geschichte im Revolutionsjahr 1848 beginnen und in vier Etappen einen Überblick bis in unsere Tage geben: 

- Beginn der Arbeiterorganisationen: Arbeiterverbrüderung, Gründung der Arbeiterparteien, Rolle der Frauen in den Gründungsorganisationen; Verbot der Organisationen 1850er Jahre, Neugründung ab 1860 bis zum Sozialistengesetz, 1878-1890 Sozialistengesetz, 1890 Erstarken der Gewerkschaften und SPD zu Massenorganisation, Sozialpolitik (Sozialversicherung); Arbeitskämpfe und Tarifpolitik bis zum I. WK; Der I. WK und die Arbeiterbewegung 

- Novemberrevolution 1918 und Weimarer Republik (WRV, Betriebsrätegesetz, Tarifvertragsgesetz, Sozial-politik) Spaltung der Arbeiterbewegung, Wirtschaftsdemokratie 

- 1933 Nazi-Terror und Widerstand der Arbeiterbewegung 

- Nach 1945: Ordnungsmacht und/oder Gegenmacht DGB und FDGB bis 1989; Sozialstaat BRD und Rolle von SPD und DGB; DDR-Sozialismus und Rolle SED und FDGB; Friedensbewegung in Ost und West in den 1980ern; Frauen in der Arbeiter_innenbewegung; Rolle von Parteien und Gewerkschaften im Zeitalter der Globalisierung (ab 1990) 



Montag, 22. Dezember 2014

Atem holen, Kräfte sammeln


Ein ereignisreiches Jahr geht seinem Ende zu. Es war ein Jahr, das viele gern missen würden, ein Jahr, einzelner Hochs und langer Tiefs, in dem wir viele liebe Kollegen und Illusionen verloren haben. Es war ein Jahr, in dem wir lernen mussten, dass alles, was für uns sicher und unumstößlich war, schneller auseinander fällt als wir es jemals für möglich gehalten hätten.

Wer hätte geglaubt, dass der von der Kirche   gestützte Titan "Weltbild" längst auf tönernen Füßen stand, die dann am 10. Januar zu Staub zerfielen. Wer hätte geglaubt, dass "Papa" Halff,  sehenden Auges oder völlig blind gegenüber den Realitäten, die Zukunft des Unternehmens verzockte?
Wir haben erlebt wie ein berüchtigter Interims-Kapitän einen fiktiven Nordstern anpeilte und so schnell wieder verschwunden war, dass man sich an seinen Namen kaum mehr erinnert. Wir erinnern uns aber gut an die Namen derer, die gehen mussten, um zu retten, was noch zu retten war.
Und dann begann das zweite große Zittern! Leichenfleddern oder Reanimation? Könnte der Insolvenzverwalter einen Gesamt-Investor finden oder würde man Weltbild zerschlagen?

Auch das haben wir durchgestanden und am Ende wirklich geglaubt, dass Droege derjenige ist, der das Geld, die Geduld und den Glauben an uns hat, um Weltbild wieder ins Licht zu führen. Aber auch hier scheint die Gier über der Verantwortung zu stehen und der schnelle Reibach der nachhaltigen Sanierung vorgezogen zu werden. Die Zeichen stehen auf Sturm, aber noch sind wir nicht verloren!

Lasst uns die freien Tage zu Weihnachten nutzen, um im Kreis der Familie und Freunde abzuschalten und Kraft zu schöpfen. Vielleicht ist es möglich über die Feiertage etwas Abstand zu gewinnen und den Kopf frei zu bekommen.
Dann können wir im neuen Jahr mit neuer Energie für unser Weltbild, für unsere Arbeitsplätze kämpfen.
Wir wünschen euch, liebe Kollegen, ein besinnliches und erholsames Weihnachtsfest.

Samstag, 20. Dezember 2014

Ungleichheit – schöne Bescherung


Die Kluft zwischen Arm und Reich nimmt überall weiter zu. So das Ergebnis einer neuen OECD-Studie zur Einkommensungleicheit in 34 entwickelten Ländern. In Deutschland verdienten vor 30 Jahren die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung im Schnitt rund fünf Mal so viel wie die ärmsten zehn Prozent. Heute liegt das Verhältnis bei 7 zu 1. Große Sorge bereitet der OECD, dass die Ungleichheit auch dort stark zunimmt, wo es früher gleicher zuging.


Vor allem die Ärmeren wurden immer weiter abgekoppelt. Ihnen bleiben kaum noch Mittel für gute Bildung und Ausbildung ihrer Kinder. Das schädigt wiederum die ganze Gesellschaft. Ohne die gestiegene Einkommensungleichheit hätte auch die deutsche Wirtschaft stärker wachsen können. Das Sozialprodukt hätte seit 1984 um ein Drittel zunehmen können. So war es „dank“ Ungleichheit nur ein Fünftel mehr. Höhere Einkommen und Steuereinnahmen hätten für den Ausbau des Sozialstaats, notwendige Zukunftsinvestitionen oder den ökologischen Umbau genutzt werden können.

Der wachsende Reichtum muss endlich allen zugutekommen. Der gesetzliche Mindestlohn ab 2015 ist das beste Geschenk der Gesellschaft an sich selbst. Ein höherer Spitzensteuersatz, eine Vermögensteuer und höhere Steuern auf große Erbschaften sind überfällig. Neoliberale Ökonomen erzählen noch immer, das sei schlecht für die Wirtschaft. Alles Humbug! In diesem Sinne: Frohe Weihnachten.

Entnommen aus: Wirtschaftspolitik aktuell – eine Informationsschrift der ver.di Bundesverwaltung

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Die Azubis haben gewählt: Die neue JAV stellt sich vor


Am 22. Oktober fand die Wahl für die neue Jugend- und Auszubildendenvertretung statt.

Hier ergab sich schon die erste Neuerung. Nachdem wir im Hause Weltbild zum Stichtag nur noch 18 Azubis hatten, wurde aus dem ehemaligen Dreiergespann (nach BetrVG: JAV aus 3 Personen bei 21 bis 50 Azubis) nur noch ein Gremium aus einer Person mit Stellvertretung (nach BetrVG: JAV aus 1 Person bei 5 bis 20 Azubis) gewählt.

Nach der konstituierenden Sitzung ergab sich folgendes Ergebnis: Vorsitzende der JAV wurde Lisa Wiedenmann (zweite Amtszeit, Betriebsrastassistenz) mit ihrer Stellvertreterin Marie Rauscher (erste Amtszeit, Auszubildende Kauffrau für Bürokommunikation).

Gemeinsam stark für die Azubis bei Weltbild: Marie Rauscher (links) und Lisa Wiedenmann.

Die JAV unter Druck

Die derzeitige Situation geht auch an den Auszubildenden und ihrer Vertretung nicht spurlos vorbei.
Nachdem Weltbild bis vor ein paar Jahren noch als einer der Top-Ausbildungsbetriebe in Augsburg mit Höchstzahlen bis zu knapp 40 Azubis im Unternehmen galt, herrscht derzeit mehr Ebbe als Flut.
Im letzten Jahr wurden keine neuen Auszubildenden eingestellt und auch in den nächsten Jahren scheint sich dies nicht zu ändern.

Wir fragten bei der JAV nach:

Wie macht sich die derzeitige Situation bei den Azubis bemerkbar?
»Die Situation geht auch an den Azubis nicht spurlos vorbei. Fragen der Unsicherheit wie z.B. „Kann ich hier denn meine Ausbildung überhaupt noch fertig machen?“ oder „Was ist, wenn ich die Ausbildung hier aufgrund von Kündigungen nicht abschließen kann?“ begegnen uns leider jeden Tag. Noch dazu herrscht derzeit leider in vielen Abteilungen das Chaos, Azubis können aufgrund von Zeitmangel der Mitarbeiter oftmals nicht richtig eingelernt werden und dienen eher als Blitzableiter anstatt hier etwas zu lernen.«
Wie geht es weiter?
»Wir haben derzeit 18 Azubis (4 Logistik, 14 Retail) bei Weltbild. Im Jahr 2015 werden davon 11 ihre Abschlussprüfungen bestehen, natürlich leider ohne eine Chance auf Übernahme. 2016 werden uns dann noch die restlichen 7 verlassen. Somit haben wir spätestens in 1 ½ Jahren keine Auszubildenden mehr im Hause und verlieren zusätzlich noch den Status „Ausbildungsbetrieb“.«
Was habt ihr als Jugend- und Auszubildendenvertretung euch vorgenommen?
»Wir werden natürlich versuchen unser Bestes zu geben. Hierbei steht die Betreuung der Azubis bei Fragen und Problemen an vorderster Stelle. Außerdem achten wir natürlich darauf, dass alle gesetzlichen Regelungen eingehalten werden. Da die Auszubildenden auch normale Beschäftigte im Unternehmen sind, jedoch schnell und gerne übersehen werden, ist die JAV auch bei den Gesprächen mit der Geschäftsführung mit am Tisch in enger Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat.«

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Geschäftsführung 
 lässt Gespräche mit 
 dem BR platzen


Am heutigen Donnerstag sollte ein weiterer Informationsaustausch mit der Geschäftsführung stattfinden. Die Arbeitgeberseite ließ den seit Wochen vereinbarten Termin platzen, indem sie den Augsburger Betriebsrat grob brüskierte. Was ist passiert?

Ende letzter Woche hat die GF ohne jede Rücksprache beschlossen, den Konzernbetriebsrat (KBR) zu der Besprechung hinzuzuziehen, zu der Peter Fitz als Vorsitzender des gemeinsamen Betriebsrats von Weltbild Retail und ALSO Logistics eingeladen hatte. Das Augsburger Gremium machte umgehend deutlich, dass der KBR  bei dem Termin nichts verloren habe. Es standen keine Themen auf der Tagesordnung, die den Konzern (also auch Weltbildplus) betroffen hätten:
"Nachdem wir (BR & GF in Augsburg) in den vergangenen Wochen ziemlich Mühe hatten, eine gemeinsame Gesprächsbasis herzustellen, halten wir die Anwesenheit eines weiteren Gremiums nicht für zielführend und bitten Sie, die KollegInnen wieder auszuladen. Eventuell können wir zu einem späteren Zeitpunkt unsere Gespräche – wo es allen Beteiligten sinnvoll erscheint – zusammenführen. Dazu müsste aber auch der KBR zunächst einen  gemeinsamen Standpunkt erarbeiten und durch Beschlüsse absichern. Zum jetzigen Zeitpunkt sehen wir keine gemeinsame Gesprächsbasis und lehnen die Erweiterung unseres Kreises am Donnerstag ausdrücklich ab."
Zur großen Überraschung des Augsburger Gremiums beharrte die Geschäftsführung jedoch auf der Teilnahme des KBR. Das interpretiert der Augsburger BR so, dass der Arbeitgeber den Versuch unternimmt, die Verhandlungen über den Stellenabbau in Augsburg auf ein externes Gremium zu verschieben. Dabei dürfte folgende Überlegung ausschlaggebend sein: Der Augsburger BR hat im Interessenausgleich zum Betriebsübergang unter anderem zwei Ansprüche vertraglich gesichert: 1. Über Entlassungen kann erstmals im Januar 2015 verhandelt werden. 2. Bevor Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren, müssen zunächst alle anderen Möglichkeiten erwogen und ausgeschöpft werden, z. B.: Kurzarbeit, Altersteilzeit, zeitweise Verleihung von Weltbild-MitarbeiterInnen in auftragsschwachen Zeiten, Freiwilligenprogramme etc.

Der Konzernbetriebsrat hat dagegen keinerlei Verträge mit dem Arbeitgeber geschlossen und damit eine ungleich schwächere Verhandlungsposition. Das weiß auch der KBR und hat im solidarischen Schulterschluss mit den KollegInnen in Augsburg auf das Ansinnen der GF reagiert:
"Der KBR hat erfahren, dass wir gegen den ausdrücklichen Willen des gemeinsamen Betriebsrats der Weltbild Retail GmbH & Co. KG und der ALSO Logistics Services GmbH in Augsburg zu dem Informationstermin am Donnerstag eingeladen worden sind. Das halten wir für schlechten Stil der Geschäftsführung.
Unsere Teilnahme ist dem Arbeitgeber offenbar so wichtig, dass er die KollegInnen in Augsburg brüskiert und ein Platzen der Gespräche riskiert. Daraus können wir nur schließen, dass wir in Augsburg nicht als Gäste einer Informationsveranstaltung geladen wurden, sondern dass mit uns verhandelt werden soll.
Das können wir ohne intensive Vorbereitung und entsprechende Beschlüsse im KBR nicht leisten. Deshalb sagen wir den Termin hiermit ab."
Für den Fortgang der geplanten Restrukturierungen bedeutet das Platzen des Termins, dass die Gespräche erst im Januar fortgesetzt werden können. Nachdem der Arbeitgeber zunächst den Eindruck höchsten Zeitdrucks vermittelte, ist die Torpedierung der Gespräche von dieser Seite überraschend.

Andererseits reiht sie sich ein in die Absage der Tarifverhandlungen und die Aufgabe der Verhandlungen über unsere Betriebsvereinbarungen. In beiden Fällen waren Gewerkschaft und Betriebsrat grundsätzlich bereit, über einen Sanierungsbeitrag der Arbeitnehmerseite konstruktiv zu verhandeln. Die Geschäftsführung aber ist entweder nicht willens oder nicht in der Lage, diese Bälle aufzunehmen. Erstaunlich – wie so vieles in den letzten Wochen…

Freitag, 5. Dezember 2014

Neue Betriebsvereinbarung zu Parkplätzen


Derzeit gibt es bei Weltbild wahrlich wichtigere Baustellen, als die Parkplatzsituation. Den Mitarbeitern brennen ganz andere Fragen auf den Nägeln. Dennoch ist die Regelung der Parkplatz-Frage notwendig und der Betriebsrat hat eine entsprechende Betriebsvereinbarung abgeschlossen. Wer jeden Tag mit dem Auto zur Arbeit muss, will schließlich wissen, wo er parken kann.

Wobei gesagt werden sollte, dass die Betriebsvereinbarung noch mit Arndt Geiwitz ausgehandelt wurde. Den neuen Geschäftsführern fällt es anscheinend eher schwer, Gespräche mit dem Betriebsrat wahrzunehmen, wie sie durch die betriebliche Mitbestimmung gesetzlich vorgeschrieben sind. Erst unter der Androhung einer gerichtlichen Verfügung erging endlich der Auftrag der neuen GF an die Zentralen Dienste, die BV umzusetzen. Wir rechnen mit der Ausführung innerhalb dieses Monats.

Nachvollziehbare und transparente Regelung

Durch die Insolvenz sind mehrere Betriebsgebäude aufgegeben worden und damit einhergehend viele Parkflächen weggefallen. Ziel der Vereinbarung ist es, dass der Zugang zu den verbleibenden Plätzen nachvollziehbar und transparent geregelt wird. Damit nicht einigen wenigen Auserwählten Privilegien gewährt werden, sondern in erster Linie die Funktion eines Mitarbeiters ausschlaggebend ist. Die vorhandenen Parkplätze sollen auch nicht nur nach dem "Nasen-Prinzip" vergeben werden.

Im Wesentlichen teilen sich die Parkplätze wie folgt auf: 

1.) Frei zugängliche für alle Mitarbeiter, nach dem Prinzip: Wer zuerst kommt parkt zuerst.


2.) Nicht frei zugängliche (z.B. hinter Schranken oder in Tiefgaragen). Hierfür wird der Zugang unter den Mitarbeitern ausgelost.

3.) Prozentual errechneter Anteil für Führungskräfte.
Die Geschäftsführung entscheidet, welche Führungskraft einen festen Parkplatz erhält.

4.) Ausnahmen / Sonderberechtigungen. Z.B. Parkplätze für Geschäftsführung, Geschäftsleitung, Schwerbehinderte u.a.


Verteilung: 

Die Parkplätze werden für Logistik und Verwaltung prozentual anteilig nach der Mitarbeiterzahl vergeben. Beispiel: 1.000 Mitarbeiter insgesamt - in der Logistik 600, in der Verwaltung 400.
Dann entfielen auf die Logistik 60% aller Parkplätze und auf die Verwaltung 40%.
Dies ist nur ein Rechenbeispiel.

Nach demselben Prinzip werden die Parkplätze unter den Führungskräften und übrigen Beschäftigten verteilt. Frei nach obigem Beispiel: 400 MA in der Verwaltung, davon 50 Führungskräfte (12,5 %). In dem Fall würden von den Verwaltungs-Parkplätzen 12,5% auf die Führungskräfte entfallen und 87,5% auf die übrigen Verwaltungs-Angestellten. Auch dies nur ein Rechenbeispiel.

Ausnahmen / Sonderberechtigungen 

Ein kleiner Teil der Parkplätze wird fest definierten Funktionsträgern und besonders bedürftigen MitarbeiterInnen zur Verfügung gestellt. Dies sind zum Beispiel: Geschäftsführung/Geschäftsleitung, Freigestellte Betriebsratsmitglieder, Schwerbehinderte (wenn eine kurze Wegstrecke vom Auto zum Arbeitsplatz notwendig ist), Mitarbeiter im Bereitschaftsdienst (nicht an die Person gebunden, sondern an den tagesaktuellen Einsatzdienst), Besucher, Fuhrpark etc.

Anzahl der Parkplätze

Aktuell stehen rund 640 Plätze zur Verfügung. Abzüglich der genannten Sonderberechtigungen verbleiben 583. Die Anzahl der Mitarbeiter in Logistik und Verwaltung liegen relativ nah beieinander. Daher entfallen nach der prozentualen Rechnung auf die Logistik 299 aller vorhandenen Plätze und auf die Verwaltung 284.

Die Anzahl der Führungskräfte ist klar definiert. Allein der Arbeitgeber entscheidet darüber, welche Führungskräfte aus dem anteiligen Kontingent einen festen Parkplatz gekommen. 
Für die 56 Führungskräfte der Verwaltung stehen prozentual 33 Plätze zur Verfügung. Für die 40 Führungskräfte der Logistik stehen 24 Parkplätze zur Verfügung.

Nutzung der übrigen Parkplätze

a.) Parkplätze, die von den Straßen frei zugänglich sind, werden von den Mitarbeitern belegt nach dem Prinzip: Wer zuerst kommt, parkt zuerst. Auf diesen Parkflächen sind rund 10% der Plätze in möglichst gut einsichtigen und beleuchteten Bereichen als "Frauenparkplätze" gekennzeichnet und dürfen ausschließlich von Frauen genutzt werden.

b.) Parkplätze, die sich hinter einer Schranke oder in einer Tiefgarage befinden, werden unter den interessierten Beschäftigten verlost. Die Verlosungen werden alle 2 Jahre von der Personalabteilung in Absprache mit dem Betriebsrat durchgeführt.


Zum Vergrößern der Ansicht auf die Skizze klicken

Übersicht

Parkplätze zur Nutzung durch Mitarbeiter der Verwaltung befinden sich bei:
Deutsche Papier / Lantana / vor dem Altbau / vor der IT

Parkplätze zur Nutzung durch Mitarbeiter der Logistik befinden sich:
vor der Filialbelieferung / Außenbereich Halle 4b / Tiefgarage Halle 4b / Warenzentrum am Drehkreuz / Warenzentrum am Eingang / Pfaffenhofener Straße

Parkplätze zur gemeinsamen Nutzung befinden sich:
Hinter Lagerverkauf / Rampe Filialbelieferung / hinter dem Altbau / IT hinter der Schranke

Mit dieser Betriebsvereinbarung wird den verschiedenen Interessen innerhalb der Firma Rechnung getragen. Es gibt frei zugängliche und ausgeloste Parkflächen für alle Beschäftigte sowie ein prozentual berechneter Anteil für Führungskräfte und Sondergenehmigungen für bedürftige MitarbeiterInnen und Funktionsträger der Betriebes. Außerdem werden Frauenparkplätze gekennzeichnet, die insbesondere für Mitarbeiterinnen im Schichtbetrieb von Bedeutung sind.

Mittwoch, 3. Dezember 2014

Ein kurzes Update zum Fall der Fälle


Die Zeichen stehen auf Sturm im Hause Retail! Da von der Geschäftsführung und dem Investor keine klaren Ansagen gemacht werden, wie der zukünftige Weg aussehen soll und gleichzeitig gebetsmühlenhaft von der Notwendigkeit "personeller Anpassungen" gesprochen wird, ist die Angst vor einer Kündigung verständlicherweise groß.

Wie aber sehen die Regelungen aus, wenn es zum Äußersten kommt?

Zum einen ist die Insolvenz mit dem Einstieg von Droege beendet und der eingeschränkte Kündigungsschutz damit aufgehoben. Zum anderen aber wurde der Manteltarifvertrag, der vielfach die Kündigungsfristen bei Weltbild geregelt hat, diesen Sommer vom Arbeitgeberverband gekündigt.
Das bedeutet, dass es aktuell drei Regelungen bezüglich der Kündigungsfristen gibt:
  1. Es gelten die im Arbeitsvertrag festgelegten Fristen.
  2. Ist dort nichts konkret geregelt, sind für alle ver.di-Mitglieder, die bereits vor der Kündigung des Manteltarifvertrags beigetreten sind, die dortigen Regelungen weiterhin gültig. Diese betragen X Monate zum Quartalsende in Abhängigkeit von der Betriebszugehörigkeit: • unter 5 Jahren: 6 Wochen • ab 5 Jahren: 3 Monate • ab 8 Jahren: 4 Monate • ab 10 Jahren: 5 Monate • ab 12 Jahren: 6 Monate  
  3. 
Bei KollegInnen, die nicht in der Gewerkschaft sind, werden die Kündigungsfristen im BGB § 622 geregelt. Das Arbeitsverhältnis kann demnach mit einer Frist von vier Wochen zum Fünfzehnten oder zum Ende eines Kalendermonats gekündigt werden. Es gelten dann entsprechend der Betriebszugehörigkeit folgende Fristen: • ab 2 Jahren: 1 Monat • ab 5 Jahren: 2 Monate • ab 8 Jahren: 3 Monate • ab 10 Jahren: 4 Monate • ab 12 Jahren: 5 Monate • ab 15 Jahren: 6 Monate
Ein gesetzlicher Anspruch auf eine Abfindung besteht leider nicht.
Ob es Abfindungen gibt und wie hoch diese ausfallen, wird erst im Zuge des Interessenausgleichs vom BR mit der Geschäftsführung verhandelt. Ohne diesen Interessenausgleich kann jeder Arbeitnehmer mit guten Erfolgsaussichten gegen seine Kündigung eine Kündigungsschutzklage einreichen. Um eine solche Klage mit unkalkulierbarem Ausgang zu vermeiden, versuchen viele Arbeitgeber das Ausscheiden des Arbeitnehmers über eine Abfindung zu „erkaufen“, wenn dieser die dreiwöchige Klagefrist verstreichen lässt.
Auch die Gründung einer etwaigen Transfergesellschaft ist Bestandteil der Verhandlungen, zum Interessenausgleich im Rahmen eines Sozialplans.

In der aktuellen Situation, ohne schlüssiges Konzept und ohne erkennbaren Willen, Weltbild zu sanieren, wird sich der BR sich nicht auf Verhandlungen einlassen. Droege kann sich also schon Mal auf ein Welle von Klagen einstellen. 
Jeder wie er es verdient!

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