Auf der Betriebsversammlung von WELTBILD und ALSO in Augsburg erlebten die Beschäftigten des gemeinsamen Betriebs heute ein Wechselbad der Gefühle. Einleitend berichtete BR-Vorsitzender Peter Fitz vom Ergebnis der Einigungsstelle am Freitag. Betriebsrat und Geschäftsführung war es nach Monate langem Ringen gelungen, zumindest für den Bereich WELTBILD eine gemeinsame und tragfähige Lösung zu finden: ein freiwilliges Ausstiegsprogramm für die KollegInnen im kaufmännischen Bereich sollte betriebsbedingte Kündigungen unnötig machen.
Gestern wurden die Beratungen von Freitag fortgesetzt und die Eckpunkte des Freiwilligen-Programms gemeinsam mit Rechtsanwältinnen konkretisiert. Sogar die Arbeitsagentur kam am Nachmittag mit an den Verhandlungstisch und sagte eine Finanzierung über Transferkurzarbeitergeld (KuG) zu.
Die Eckpunkte des Freiwilligen-Programms bei WELTBILD
• Niemand muss gehen, der nicht gehen will.
• Wer freiwillig aussteigt, erhält die Sozialplanleistungen, die 2014 vereinbart wurden: 12 Monate Transfergesellschaft und eine gedeckelte Abfindung von maximal 45.000 Euro.
• Zielgröße des Stellenabbaus über das Freiwilligen-Programm sind 50 Vollzeitstellen. Es steht eine deutlich größere Bandbreite an "ausstiegsfähigen" Stellen zur Verfügung.
• Im Ergebnis kann jedeR gehen, wenn sein bzw. ihr Ausscheiden betrieblich organisierbar ist. Aber niemand hat einen Rechtsanspruch auf einen Ausstieg.
• Um das sinnvoll und diskret zu organisieren, wird eine paritätische Kommission gebildet, in der die Geschäftsführung und der Vorsitz des Betriebsrats gleichberechtigt vertreten sind.
Das war das Ergebnis von gestern Abend. Heute morgen informierte Geschäftsführer Patrick Hofmann den Betriebsrat, dass es kein OK von Düsseldorf gebe. Er sah sich heute außerstande, die verbindlichen Zusagen von gestern zu halten. Droege hatte in der Nacht per Telefon den mühsam errungenen Kompromiss kassiert.
Nichts desto trotz präsentierte Hofmann gemeinsam mit Geschäftsführer Sikko Böhm auf der Betriebsversammlung Erfolg versprechende Wirtschaftszahlen. Im Betriebsteil WELTBILD sei man auf einem guten Weg.
Bei ALSO stehen die Zeichen weiter auf Sturm
Gänzlich anders die Situation im Logistikbereich ALSO: Völlig überraschend hatte die Geschäftsführung von ALSO drei Tage vor dem Termin der Einigungsstelle einen Insolvenzantrag gestellt. Der Grund: Walter Droege hatte als Mehrheitsgesellschafter der Muttergesellschaft "ALSO Deutschland" dem Betrieb in Augsburg von heute auf morgen die Finanzierung entzogen. (
Wir berichteten.) So will der Düsseldorfer Milliardär Massenentlassungen und die Auflösung der gültigen Tarifverträge mit Gewalt durchdrücken. "Das ist eine Sauerei und Missbrauch des Insolvenzrechts!", brachte ver.di-Sekretär Thomas Gürlebeck die Vorwürfe der Gewerkschaft auf den Punkt. "Wir werden genau überprüfen, ob sich Droege hier noch im Rahmen der Gesetze bewegt, oder ob die Bereicherung auf Kosten der Allgemeinheit einen illegalen Akt darstellt." (
Presseerklärung der ver.di)
"Durch die vorsätzlich herbeigeführte Insolvenz der Logistik, gefährdet Walter Droege den gemeinsamen Betrieb von WELTBILD und ALSO in Augsburg!", entrüstete sich auch Peter Fitz: "Das ist ebenso unverantwortlich wie unverständlich, weil wir am Freitag in der Einigungsstelle bewiesen haben, dass tragfähige Lösungen gemeinsam möglich sind."
"Mit dem Eintritt in die Insolvenz verunmöglicht Droege jede vernünftige Einigung", führte Gürlebeck aus. "Diejenigen, die unter einem Arbeitsplatzverlust am meisten zu leiden haben, sollen jetzt gleichsam nackig auf die Straße gesetzt werden", erklärte Gürlebeck und kündigte konsequenten und öffentlichkeitswirksamen Widerstand gegen das "rücksichtslose und menschenverachtende" Vorgehen des Düsseldorfer Investors an.