Mittwoch, 12. August 2015

Vernichtung statt Sanierung: Droege lässt die Maske fallen


Nach monatelangem Ringen um einen Sanierungsplan für WELTBILD/ALSO setzt Walter Droege auf eine Vernichtungsstrategie und gefährdet damit den Fortbestand der gesamten Gruppe. Die vorsätzlich herbeigeführte Insolvenz der ALSO-Logistik in Augsburg ist der letzte Trumpf des Milliardärs aus Düsseldorf. Sein Ziel: die MitarbeiterInnen der Logistik sollen ohne einen angemessenen Sozialplan billig entsorgt werden, die Betriebsratsstrukturen zerschlagen und regulär Beschäftigte im großen Stil durch LeiharbeiterInnen ersetzt werden.

Zuvor hatten Droeges Anwälte die Einrichtung einer gerichtlichen Einigungsstelle gegen den Betriebsrat durchgesetzt. Der Vorsitzende dieser Einigungsstelle, der Arbeitsrichter Holger Dahl, forderte Walter Droege im Juli auf, persönlich an den Verhandlungen um die Zukunft des Augsburger Unternehmens teilzunehmen. Daraufhin veranlasste Droege die Insolvenz des Logistik-Bereichs. Offenbar hatte Droege erkannt, dass er Massenentlassungen zum Nulltarif auch über eine Einigungsstelle nicht erzwingen kann, und sich daraufhin für eine perfide Strategie entschieden: Er nutzt nun das Insolvenzrecht als Waffe gegen die Beschäftigten und ihre Interessenvertretung. So sollen die Beteiligungsrechte des Betriebsrats und die vertraglichen Ansprüche der MitarbeiterInnen aus der Überleitungsvereinbarung von 2014 vom Tisch gefegt werden.

Beim Einstieg hatte Droege 2014 folgende Punkte vertraglich mit Betriebsrat und Gewerkschaft vereinbart: • Kündigungen nur als letztes Mittel nach Ausschöpfung aller Alternativen (Kurzarbeit, zeitweiser Verleih von Arbeitskräften an andere Unternehmen, freiwilliges Ausscheiden mit Abfindung) • kein Einsatz von LeiharbeitnehmerInnen, solange in der Logistik noch Unterbeschäftigung besteht • Sozialplanleistungen und eine Transfergesellschaft wie 2014, falls doch Kündigungen notwendig sein sollten • Verhandlungen zum Abschluss eines Haustarifvertrags.

Stattdessen hat Reiner Wenz, Eigenverwalter der insolventen ALSO-Logistik in Augsburg, dem BR gestern ein E-Mail ausgehändigt. Dieses Mail richtete sich nicht an den Betriebsrat, sondern es handelte sich um das Schreiben eines Anwalts an einen anderen Anwalt. Beide stehen mittelbar in den Diensten von Walter Droege, der mit diversen und ständig wechselnden Rechtsvertretern seit Monaten jeden Verhandlungs-Fortschritt verhindert. Aktuell sind auf Arbeitgeberseite vier unterschiedliche Kanzleien beauftragt. Worin deren Auftrag genau besteht, ließ sich bisher nicht abschließend klären.

In dem Mail werden mehrere Forderungen formuliert, die ALSO Deutschland angeblich gegenüber dem Augsburger Betriebsrat aufstellt:
Zitat:
a) Personalabbau von 300 Vollzeitstellen zum 1.9.2015 (Abfindung maximal mit Faktor 2,5; insgesamt maximal 2,3 m€).
b) Kündigung aller Betriebsvereinbarungen zum 1.9.2015 (Wochenarbeitszeit, Urlaubstage, Sonderurlaub, Weihnachtsgeld, etc.).
c) Anwendung logistischer Tarifvertrag.
d) Keine Sozialauswahl.
e) Aufnahme von Leiharbeit.
Wenn diese Forderungen nicht erfüllt werden, droht laut Wenz die Schließung der Logistik noch vor dem 1. Oktober.

Ein verhandlungsfähiges Konzept liegt dagegen weiterhin nicht vor. Stattdessen verweisen die beteiligten Anwälte darauf, dass sie sich erst einarbeiten müssten. So wird der enge Zeitraum bis zur Insolvenzeröffnung am 1. Oktober bewusst vertan. Der aktuelle Geschäftsführer der Logistik, Interims-Manager Reiner Wenz, kann keinerlei Expertise im Bereich Logistik vorweisen und hat bis heute keinen einzigen eigenen Vorschlag zur Lösung der Misere beigetragen. Aus Sicht des Betriebsrats gehört auch das zur perfiden Strategie des Walter Droege: Chaos in die Verhandlungen bringen, Zeit schinden und dann die Insolvenzordnung nutzen, um Fakten zu schaffen und die Mitarbeiter billig zu entsorgen.

Wie geht es weiter? Am 24.8. ist die nächste Sitzung der Einigungsstelle und möglicherweise die letzte Chance auf eine vernünftige Einigung. Der Betriebsrat verlangt die Einhaltung der geltenden Verträge einschließlich der Haftungsvereinbarung mit der nicht insolventen ALSO Mobility GmbH für Sozialplanansprüche der Logistik-MitarbeiterInnen. Wir brauchen zeitnah einen runden Tisch mit den Anteilseignern, der Politik und dem BR und ver.di als Beteiligten. Dass die Logistik geräuschlos entsorgt wird, werden wir nicht zulassen.

Montag, 10. August 2015

BR stellt Aussagen von ALSO-GF Reiner Wenz richtig


Mit einem Aushang in allen Bereichen hat der Betriebsrat des gemeinsamen Betriebs von WELTBILD/ALSO in Augsburg heute einiges klargestellt:

Herr Wenz behauptet in der Augsburger Allgemeinen, der Betriebsrat habe „mit Blick auf die Urlaubszeit“ keine Zeit für Gespräche. Das ist falsch!

Richtig ist, dass Herr Wenz dem BR nicht sagen kann oder will, worüber er überhaupt mit uns reden möchte. Es gibt von seiner Seite keinerlei Vorschläge für ein gemeinsames Vorgehen. Im Gegenteil: er sagt selbst in der Zeitung, dass es derzeit kein Sanierungskonzept gibt, über das verhandelt werden könnte. Wir erwarten, dass die GF ihre Hausaufgaben macht, dann sind wir auch zu Gesprächen bereit.

Herr Wenz behauptet in seiner Mitarbeiter-Info, dass mit der Insolvenz von ALSO die Grundlage für den gemeinsamen Betrieb wegfalle und damit der Betriebsrat. Das ist falsch!

Richtig ist, dass es vollkommen egal ist, ob ein Teil des gemeinsamen Betriebs insolvent ist. Die Insolvenzordnung sagt ausdrücklich, dass der BR im Amt bleibt und sämtliche Rechte behält. Selbst wenn der gemeinsame Betrieb aufgelöst würde, hätte der jetzige BR ein 6-monatiges Übergangsmandat.

So einfach werden Sie uns nicht los, Herr Wenz!

Euer Betriebsrat

Betriebsrätekonferenz der Fraktion "DIE LINKE"


Am 08.Juli 2015 lud die Fraktion DIE LINKE zu einer Betriebsrätekonferenz ins Augsburger Zeughaus ein.Unter dem Motto "Das muss drin sein: Arbeit ist mehr wert" wurde von Vertretern aus Politik, Gewerkschaften und Betriebsräten unterschiedlicher Unternehmen das Thema prekäre Arbeit diskutiert.


Das Grußwort der Konferenz hielt Peter Fitz.
Er berichtete über die schleichende Prekarisierung bei Weltbild unter der Leitung der katholischen Kirche bis hin zur brutalen Profitgier und zum krankmachendem Kapitalismus unter Walter Droege.


Peter Fitz

Gute, tariflich geschützte Arbeit 



Im ersten Block beschäftigten sich die Teilnehmer mit gewerkschaftlichen Kämpfen und gesetzlichen Anforderungen für gute,tariflich geschützte Arbeit.

Luise Klemens, ver.di Landesbezirksleiterin Bayern, wies darauf hin, dass der "Wert" der Arbeit einen gesetzlichen Rahmen brauche, um die die zunehmende Tarifflucht der Unternehmen zu stoppen. Zudem benötigen wir eine gesellschaftliche und monetäre Aufwertung gerade in typischen Frauenberufen, wie in den Pflege- und Erziehungsberufen.

Karl Bauer, stellv. Regionalleiter IG BAU Bayern, merkte an, dass man mit dem Mindestlohngesetz auf einem guten Weg sei, dass er aber deutlich höher als 8,50€ liegen müsse. Langfristig gesehen führt prekäre Beschäftigung zwangsläufig zur Altersarmut.

Solidarität


In der Mittagspause versammelten sich die Teilnehmer im Biergarten des Zeughauses, um sich mit den Beschäftigten von Weltbild zu solidarisieren.

Solidarität mit den Beschäftigten von Weltbild

Betriebliche Auseinandersetzungen und Union Busting



Im zweiten Block ging es um betriebliche Auseinandersetzungen.

Thomas Gürlebeck, ver.di Sekretär, berichtete von dem nun schon sehr lange andauernden Kampf der Amazon Beschäftigten für einen Tarifvertrag, für weniger Befristungen und faire Bezahlung für gute Arbeit.

Bei Burger King werde massiv gegen Gewerkschaften und Betriebsräte vorgegangen mit Hilfe von zweifelhaften Anwälten, wie zum Beispiel Helmut Naukoks, erklärt Tim Lubecki, Geschäftsführer NGG Schwaben, und fordert Staatsanwaltschaften, die Verstöße gegen das Betriebsverfassungsgesetz verfolgen und Verfahren nicht wegen "Mangel an öffentlichem Interesse" einstellen.

Der Autor Werner Rügemer ("Die Fertigmacher. Arbeitsunrecht und professionelle Gewerkschaftsbekämpfung") beklagt den Umstand, dass Gesetze, wie das Mindestlohngesetz, von den Unternehmen systematisch unterlaufen werden und die Kontrollen hinterhinken, aber auch, dass gültige Urteile einfach nicht umgesetzt werden. Er plädiert dafür, dass der §119 BetrVG (Verhinderung/Behinderung von Betriebsratsarbeit) ins allgemeine Strafrecht aufgenommen wird.


Personen von links nach rechts:
Thomas Gürlebeck, Werner Rügemer, Tim Lubecki

Gute Arbeit - Gutes Leben



Im dritten Teil der Konferenz hielt Bernd Riexinger, Vorsitzender der Partei DIE LINKE einen Vortrag mit dem Thema:
"Das muss drin sein - Linke Alternativen für gute Arbeit in einem guten Leben"


Bernd Riexinger, Foto: Nils Holger Schmidt

Leiharbeit, Mini-Jobs, Befristungen, Werkverträge oder Out-Sourcing...all das sind Werkzeuge prekärer Beschäftigung.
Damit verbunden sind Tarifflucht, Dumpingverträge, Altersarmut und der schrittweise Abbau von Gewerkschaften.

Dabei ist die Prekarisierung der Beschäftigung weitestgehend unabhängig von der konjunkturellen Entwicklung der Wirtschaft. Sie ist inzwischen betriebliche Praxis und wird deshalb einfach weiter betrieben.


Um diesem Missstand entgegentreten zu können, bedarf es der Hilfe von Seiten der Politik.
Sachgrundlose Befristungen, Kettenbefristungen müssen abgeschafft werden, Mitbestimmungsrechte der Betriebsräte erweitert und die privaten Lebensverhältnisse bei Mieten oder Energiekosten entprekarisiert werden.
Soziale Ausgrenzung mündet in politischer Ausgrenzung und die daraus wachsende rechtsorientierte politische Haltung schadet Allen..
Nur gemeinsam - im Zusammenspiel zwischen Politik, Gewerkschaften und jedem einzelnen - ist es möglich, aus dieser Schieflage rauszukommen und ein entprekarisiertes Dasein zu führen .


Mehr Eindrücke zu der Betreibsrätekonferenz gibts hier.

Donnerstag, 6. August 2015

Gewerkschaftliches Bildungsprogramm: Überzeugen statt überreden


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

heute stellen wir Euch das nächste Seminar aus dem ver.di-Bildungsprogramm für die Mitglieder vor.

Nähere Infos finden sich auch unter www.verdi-bildungsportal.de.

Zur Erinnerung:
ver.di hat für die Mitglieder ein umfangreiches Bildungsprogramm, meist kostenlos und meist mit Fahrtkostenzuschuss.


Überzeugen statt überreden - Gesprächsführung für Vertrauensleute und Aktive


vom 09.10.2015 bis 11.10.2015 in Beilngries/Paulushofen

Beginn: Freitag um 18 Uhr
Ende: nach dem Mittagessen
Veranstaltungsnummer: 15/30/377

Seminarinhalt:

Wir haben gute Argumente, die für eine Mitgliedschaft in ver.di sprechen.
Diese müssen auch gekonnt an den Mann und die Frau gebracht werden.
Doch immer die richtigen Worte zu finden, ist gar nicht so einfach.
Wollen wir doch die Menschen von unseren Ideen überzeugen, so dass sie mit uns gemeinsam für unsere Ideale kämpfen.

Themen in diesem Seminar sind:
  • Wie kann ich gewerkschaftliche Ziele und Positionen überzeugend darstellen?
  • Wie wecke ich hierbei das Interesse der Zuhörer_innen?
  • Wie gehe ich mit Gewerkschaftsgegnern und Nörglern um?
  • Wie kann ich schlagfertig auf Gegenargumente antworten?
  • Wie kann ich mit Inhalt und Ausdruck mein Ziel erreichen?
  • Praktische Übungen zum Überzeugen und Argumentieren







Mittwoch, 5. August 2015

Solidaritätsschreiben des Gesamtbetriebsrats der Filialen


Uns hat ein Solidaritätsschreiben des Gesamtbetriebsrats der Filialen Jokers und Weltbild erreicht:


Liebe Kolleginnen und Kollegen aus dem Augsburger BR, 


während wir noch damit beschäftigt waren, die Nachricht von der Insolvenz unserer ehemaligen KollegInnen von LesensArt zu verdauen, erreichte uns die Nachricht von der Planinsolvenz der ALSO Logistik.


Schnell folgte die nüchtern-emotionslose Nachricht der Geschäftsführung, dass das Filialsystem nicht „betroffen“ sei - doch natürlich ist die Betroffenheit auch bei uns sehr hoch: schließlich teilen wir nicht erst seit gestern die Sorge um die Zukunft unser aller Arbeitsplätze.
Aus eigener Erfahrung wissen wir ja auch, wie belastend eine derartige Situation nicht nur für die betroffenen ArbeitnehmerInnen, sondern auch für deren privates Umfeld ist.

Die Entwicklung der letzten Jahre hat vor allem eins gezeigt: nie war es wichtiger als jetzt die Betriebsratsarbeit engagiert, motiviert, angstfrei, solidarisch und kämpferisch zu gestalten. Alle Steine aus dem Weg zu räumen und auch dann nicht zu resignieren, wenn es auf den ersten Blick aussichtslos erscheint. Sich seine Rechte notfalls juristisch zu erkämpfen anstatt vorschnell darauf zu verzichten. Sich permanent fortzubilden und sich nicht auf dem bisher Erreichten auszuruhen.

Bei aller Ungewissheit ist eines gewiss: All diese Eigenschaften und Kompetenzen werden euch nun weiterhelfen, auch in dieser Situation die Interessen der durch euch vertretenen ArbeitnehmerInnen bestmöglich zu wahren und unterstützt durch die Gewerkschaft Stärke zu zeigen!

Wir wünschen euch dabei viel Kraft und Erfolg.

Mit kollegialen Grüßen

Euer Gesamtbetriebsrat der Filialen Jokers und Weltbild

Diese Worte gelten nicht nur für den Betriebsrat , sondern auch für uns Mitarbeiter. Der Blogredaktion sagt vielen Dank.

Dienstag, 4. August 2015

Droege boykottiert Einigung zwischen GF und BR


Auf der Betriebsversammlung von WELTBILD und ALSO in Augsburg erlebten die Beschäftigten des gemeinsamen Betriebs heute ein Wechselbad der Gefühle. Einleitend berichtete BR-Vorsitzender Peter Fitz vom Ergebnis der Einigungsstelle am Freitag. Betriebsrat und Geschäftsführung war es nach Monate langem Ringen gelungen, zumindest für den Bereich WELTBILD eine gemeinsame und tragfähige Lösung zu finden: ein freiwilliges Ausstiegsprogramm für die KollegInnen im kaufmännischen Bereich sollte betriebsbedingte Kündigungen unnötig machen.



Gestern wurden die Beratungen von Freitag fortgesetzt und die Eckpunkte des Freiwilligen-Programms gemeinsam mit Rechtsanwältinnen konkretisiert. Sogar die Arbeitsagentur kam am Nachmittag mit an den Verhandlungstisch und sagte eine Finanzierung über Transferkurzarbeitergeld (KuG) zu.

Die Eckpunkte des Freiwilligen-Programms bei WELTBILD

• Niemand muss gehen, der nicht gehen will.
• Wer freiwillig aussteigt, erhält die Sozialplanleistungen, die 2014 vereinbart wurden: 12 Monate Transfergesellschaft und eine gedeckelte Abfindung von maximal 45.000 Euro.
• Zielgröße des Stellenabbaus über das Freiwilligen-Programm sind 50 Vollzeitstellen. Es steht eine deutlich größere Bandbreite an "ausstiegsfähigen" Stellen zur Verfügung.
• Im Ergebnis kann jedeR gehen, wenn sein bzw. ihr Ausscheiden betrieblich organisierbar ist. Aber niemand hat einen Rechtsanspruch auf einen Ausstieg.
• Um das sinnvoll und diskret zu organisieren, wird eine paritätische Kommission gebildet, in der die Geschäftsführung und der Vorsitz des Betriebsrats gleichberechtigt vertreten sind.

Das war das Ergebnis von gestern Abend. Heute morgen informierte Geschäftsführer Patrick Hofmann den Betriebsrat, dass es kein OK von Düsseldorf gebe. Er sah sich heute außerstande, die verbindlichen Zusagen von gestern zu halten. Droege hatte in der Nacht per Telefon den mühsam errungenen Kompromiss kassiert.



Nichts desto trotz präsentierte Hofmann gemeinsam mit Geschäftsführer Sikko Böhm auf der Betriebsversammlung Erfolg versprechende Wirtschaftszahlen. Im Betriebsteil WELTBILD sei man auf einem guten Weg.

Bei ALSO stehen die Zeichen weiter auf Sturm

Gänzlich anders die Situation im Logistikbereich ALSO: Völlig überraschend hatte die Geschäftsführung von ALSO drei Tage vor dem Termin der Einigungsstelle einen Insolvenzantrag gestellt. Der Grund: Walter Droege hatte als Mehrheitsgesellschafter der Muttergesellschaft "ALSO Deutschland" dem Betrieb in Augsburg von heute auf morgen die Finanzierung entzogen. (Wir berichteten.) So will der Düsseldorfer Milliardär Massenentlassungen und die Auflösung der gültigen Tarifverträge mit Gewalt durchdrücken. "Das ist eine Sauerei und Missbrauch des Insolvenzrechts!", brachte ver.di-Sekretär Thomas Gürlebeck die Vorwürfe der Gewerkschaft auf den Punkt. "Wir werden genau überprüfen, ob sich Droege hier noch im Rahmen der Gesetze bewegt, oder ob die Bereicherung auf Kosten der Allgemeinheit einen illegalen Akt darstellt." (Presseerklärung der ver.di)



"Durch die vorsätzlich herbeigeführte Insolvenz der Logistik, gefährdet Walter Droege den gemeinsamen Betrieb von WELTBILD und ALSO in Augsburg!", entrüstete sich auch Peter Fitz: "Das ist ebenso unverantwortlich wie unverständlich, weil wir am Freitag in der Einigungsstelle bewiesen haben, dass tragfähige Lösungen gemeinsam möglich sind."

"Mit dem Eintritt in die Insolvenz verunmöglicht Droege jede vernünftige Einigung", führte Gürlebeck aus. "Diejenigen, die unter einem Arbeitsplatzverlust am meisten zu leiden haben, sollen jetzt gleichsam nackig auf die Straße gesetzt werden", erklärte Gürlebeck und kündigte konsequenten und öffentlichkeitswirksamen Widerstand gegen das "rücksichtslose und menschenverachtende" Vorgehen des Düsseldorfer Investors an.

Samstag, 1. August 2015

Einigungsstelle


Der Termin vor der Einigungsstelle hat am Freitag wie geplant stattgefunden. Der Betriebsrat berichtet auf der Betriebsversammlung am kommenden Dienstag. Vorher gibt es keine Pressestatements. Die Belegschaft wird als erste erfahren, was besprochen wurde.

Dienstag, 28. Juli 2015

ver.di: "Droege macht Kasse auf Kosten der Allgemeinheit"


Die offizielle Presse-Mitteilung der ver.di:

Heute Morgen hat Reiner Wenz, Geschäftsführer der ALSO Logistic Services, einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht gestellt. Der Logistik-Dienstleister bildet einen gemeinsamen Betrieb mit der WELTBILD in Augsburg. Beide Unternehmen gehören mehrheitlich dem Düsseldorfer Milliardär Walter P. Droege. Er hatte das Unternehmen erst im September 2014 von Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz übernommen.

Aus Sicht der Gewerkschaft ver.di wurde die erneute Insolvenz gezielt herbeigeführt: „Das ist der Versuch des Milliardärs Walter Droege, sich auf Kosten der Allgemeinheit weiter zu bereichern“, sagt Thomas Gürlebeck, ver.di-Sekretär für den Handel in Augsburg. „Droege wälzt alles auf den Steuerzahler ab: Insolvenzgeld, Arbeitslosengeld, Sozialversicherungen.“

„Das der ALSO-Konzern, zu dem auch die Augsburger Logistik gehört, zeitgleich mit dem Insolvenzantrag, gestiegene Jahresgewinne von über 36 Millionen Euro meldet und im gleichem Atemzug die Augsburger Verluste von ca. 4 Millionen im ersten Halbjahr als Grund für die Insolvenz angibt, ist skandalös“, sagt Gürlebeck. Grund genug für Gewerkschaftssekretär Gürlebeck misstrauisch zu werden: „Wir werden das Insolvenzverfahren genau beobachten. Wenn Droege in seiner Gier die Grenzen der Legalität überschreitet, wird das nicht folgenlos bleiben.“

Bei WELTBILD/ALSO in Augsburg sind die Menschen schockiert. Betriebsratsvorsitzender Peter Fitz: „Die Kolleginnen und Kollegen haben in der schwierigen Situation seit der ersten Insolvenz ihr Letztes gegeben. Die Leute sind einfach nur noch fertig und enttäuscht: Niemand versteht, wie Walter Droege das einfach so mit ihnen machen kann.“ Fitz weiter: “Das die Geschäftsführung von ALSO es bis heute nicht umsetzen wollte, mandantenfähig zu werden sowie das zwingend erforderliche Drittgeschäft in Augsburg zu platzieren, ist die größte Ursache dieser Insolvenz. Keinerlei tragfähige Geschäfte wurden dem Betriebsrat vorgestellt, die die Zukunft des Unternehmens gesichert hätten. Die Vorschläge der Arbeitnehmerseite wurden abgetan. Dafür, dass die Manager dazu entweder nicht willens oder in der Lage waren, sollen jetzt die Lageristen mit ihrer Existenz bezahlen.“

Zumal die Insolvenz aus Sicht der Belegschaft nicht nachvollziehbar ist: „Es ist ja nicht so, dass die ALSO in Augsburg ohne Vermögen dasteht. Ihr gehören Gebäude und Maschinen im Millionenwert“, berichtet ver.di-Betriebsgruppensprecher Timm Boßmann.

Ver.di und Betriebsrat werden, wie auch schon in der Vergangenheit, alles daran setzen, die Zukunft der Beschäftigten in Augsburg als Ganzes zu sichern. Weltbild Retail und ALSO Logistic sind ein Gemeinschaftsbetrieb und können nur gemeinsam existieren und erfolgreich sein.

Augsburg, den 28.07.2015

Droeges nächster Schachzug: ALSO-Logistik planvoll in die Pleite


Heute morgen informierte ALSO-Geschäftsführer Reiner Wenz den Betriebsrat über den Insolvenzantrag unserer Logistik. Die ALSO AG verweigert der Augsburger Tochter jede weitere Finanzierung. 

Gleichzeitig meldet eben diese ALSO AG ein Umsatz-Plus von 11,9 % gegenüber Vorjahr auf insgesamt 3,67 Milliarden Euro Umsatz. Auch der Gewinn vor Steuern stieg trotz der Verluste in Augsburg von 30,5 Mio. auf 36,2 Mio. Dem gegenüber stehen Verluste bei ALSO in Augsburg von 4 Mio. im ersten Halbjahr. Die  Insolvenz ist damit eine freie Entscheidung der Gesellschafter der ALSO AG, deren Kopf und Mehrheitsgesellschafter Walter Droege ist.

Parallelen zwischen LesensArt und ALSO

Nach der undurchsichtigen Insolvenz bei LesensArt ist die Plan-Insolvenz von ALSO der nächste Schritt im Masterplan von Droege. Der Milliardär verfolgt offenbar weiter das Ziel, den Markenkern von WELTBILD zu isolieren und daraus schnellen Gewinn zu ziehen. So wurde die Insolvenz der ALSO gezielt herbeigeführt: 1. Durch das Abziehen der Aufträge von WELTBILD, indem das Werbebudget extrem reduziert und gleichzeitig der Einkauf bei Großhändlern forciert wurde, die selbst ausliefern. 2. Durch die Verhinderung des Drittgeschäfts, indem dafür notwendige und bereits vereinbarte Investitionen nicht getätigt wurden.

Der Zeitpunkt kurz vor dem nächsten Treffen der Einigungsstelle legt die Vermutung nahe, dass Droege um den Sozialplan herumkommen möchte, den seine VertreterInnen in der Einigungsstelle bereits vorgelegt hatten. Dieser Entwurf enthielt genau dieselben Regelungen, die von der Gewerkschaft im Sozialtarifvertrag 2014 ausgehandelt worden waren. Möglicherweise versucht Droege nun eine ähnliche Taktik wie beim Verkauf der WELTBILD-Filialen an LesensArt und der darauf folgenden Pleite: Die Mitarbeiterinnen und deren Familien sind dem Milliardär keinen Euro wert.

Wie geht es die nächsten Wochen weiter?

PLAN-Insolvenz heißt, dass die Geschäftsführung (Reiner Wenz) im Amt bleiben soll, unterstützt durch den Sachwalter einer Insolvenzverwaltung, der ihn im Namen der Gläubiger kontrolliert. Der Betrieb wird aufrecht erhalten. Derzeit kümmert sich ein  Anwalt aus Düsseldorf um die Organisierung des Insolvenzgeldes. Eigentlich wäre heute die Gehaltszahlung fällig gewesen, voraussichtlich müssen die KollegInnen der ALSO mit einer 1 Woche Verzögerung rechnen. Grundsätzlich ist das Einkommen der Menschen für 3 Monate gesichert.

Der Betriebsrat hat heute wenige Stunden nach dem Gespräch mit Wenz eine erste  Betriebsversammlung durchgeführt und die KollegInnen über die Ereignisse informiert. Fest steht bereits, dass Gewerkschaftssekretär Thomas Gürlebeck von ver.di die Ansprüche der Belegschaft im einzurichtenden Gläubiger-Ausschuss vertreten wird. Alles weitere ist momentan offen. Der Betriebsrat wird sich mit seinen Beratern und Anwälten besprechen und auch Kontakt mit Arndt Geiwitz aufnehmen. Zunächst muss ausgelotet werden, was realistische Ziele und Möglichkeiten in dieser schwierigen Situation sind, dann wird sofort die Belegschaft informiert. Der Termin für die Betriebsversammlung am kommenden Dienstag bleibt deshalb bestehen.

Migrationsausschuss ver.di Augsburg stellt sich vor


Am 29. Juni 2015 wurde in Augsburg der Migrationsausschuss gegründet. Wir sind 8 ver.di-Mitglieder, die sich für gleiche Rechte und Chancen sowie gegen Diskriminierung in Betrieben, Institutionen und Verwaltungen einsetzen. 
von li. nach re: Ellen Blom, Dolores Sailer (Vorsitz), Roland Baqué, Orhan Öztürk, Frédéric Zucco, Ibrahim Yarasir, Sara De Santi (stellv. Vorsitz) und Rahmi Yarasir (nicht auf dem Bild)
Unsere erste Aktion war die Beteiligung am Sommerfest des Integrationsbeirates am 18. Juli auf dem Rathausplatz. Wir hatten hier einen Infostand aufgebaut. Dieser wurde nach einem kleinen Regenschauer vormittags sehr gut besucht.



Gefragt waren Flyer über die Anerkennung im Ausland erworbener Qualifikationen. Hier bietet Tür an Tür e.V. Beratung an. Auch die Flyer des DGBs über Mindestlohn in verschiedenen Sprachen waren sehr begehrt. Dass die DGB-Mindestlohn-Hotline mehrere Sprachen anbietet, wussten viele nicht. Deswegen hier nochmal die Info:

Die DGB-Mindestlohn-Hotline: 0391/4088003 (zum Festnetztarif) ist von Montag bis Freitag von 7 bis 20 Uhr sowie von Samstag von 9 bis 16 Uhr zu erreichen. Die KollegInnen bieten folgende Sprachen an: Deutsch, Englisch, Türkisch, Bulgarisch, Mazedonisch, Polnisch, Kroatisch, Rumänisch, Serbisch und Ungarisch.

Dies war gewiss nicht unsere letzte Aktion, sondern der Auftakt. Weitere Aktionen werden hier rechtzeitig bekannt gegeben.

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