Montag, 25. April 2016

Ankündigung : 1.Mai 2016



Bald ist es wieder soweit. Der Feiertag aller Gewerkschafter steht schon vor der Tür.



Foto@ DGB

Unter dem Motto "Zeit für mehr Solidarität" finden deutschlandweit Aktionen, Demonstrationen und Kundgebungen des DGB und seiner Mitgliedsgewerkschaften zum 1.Mai 2016, dem "Tag der Arbeit", statt.

Auf der DGB Homepage findet Ihr weitere interessante Informationen rund ums Thema "1.Mai", unter anderem auch ein nettes Video zur Einstimmung.





Der "Tag der Arbeit" in Augsburg



Neben der großen zentralen Maikundgebung, die dieses Jahr in Stuttgart stattfindet, gibt es natürlich auch in Augsburg eine vielseitige Veranstaltung aller Mitgliedsgewerkschaften des DGB.

Wie jedes Jahr, startet der 1. Mai mit dem Demo-Zug.
Sammelpunkt ist um 9.45 Uhr am Gewerkschaftshaus am Katzenstadl, um 10.00 Uhr startet der Demo-Marsch und endet am Rathausplatz.
Diesjährige Gastrednerin ist Irene Schulz, Bundesvorstand der IG Metall.
Ein kulturelles Rahmenprogramm sorgt für Unterhaltung bei Groß und Klein und bietet Vieles an Information und Wissenswertes.

Auch dieses Jahr könnt Ihr mit dem 1.Mai-Pin gratis die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Diese sind in der ver.di-Geschäftsstelle im Gewerkschaftshaus am Katzenstadl erhältlich





Seid also alle mit dabei und geht mit uns raus!

Donnerstag, 21. April 2016

Erwartungshaltungen und Selbstausbeutung

Ist doch vorstellbar: 

Bei der Firma XY läuft es nicht wie geplant. Der Eigentümer, beispielsweise ein honoriger älterer Herr aus dem Rheinland, erwartet nun von seinen Geschäftsführern, dass sie entsprechende Maßnahmen ergreifen, damit es wieder besser läuft. Diese Maßnahmen stammen aus dem Regelbuch unserer Zeit und sind wie immer Einsparungen, Einschnitte, knappere Budgets und Personalabbau. 


Die handlungsorientierten und eloquenten Unternehmensführer stehen Gewehr bei Fuß, werden aber selbstverständlich nicht müde, die Maßnahmen zu bedauern: Niemand wolle das. Das dürfe man ihnen glauben. Aber es sein nun mal der einzig mögliche Schritt. Heutzutage gerne auch als „alternativlos“ bezeichnet. 

Die Folge: Immer weniger Mitarbeiter sollen die anfallende Arbeit stemmen. Arbeitsverdichtung, höherer Stress, zunehmender Zeitdruck. 

Die Geschäftsführung gibt den Druck und die Erwartungshaltung nach unten an die mittlere Führungsebene weiter. Man müsse jetzt nun mal mit den Einschnitten leben. Man erwarte jedoch, dass die einzelnen Abteilungen und Bereiche das bewältigen werden. 

Die mittlere Führungsebene kommt ins Schwitzen und schläft nachts schlecht. Niemand möchte, dass der von ihm oder ihr geleitete Bereich, die erwartete Leistung nicht erbringen kann. Niemand will mit seiner Abteilung schlecht da stehen und womöglich die eigene Position gefährden. Jeder ist angehalten seinen Bereich so aufzustellen, dass er weiterhin funktioniert. 

Folglich gibt die mittlere Führungsebene die Erwartungshaltung und den Druck nach unten weiter an ihre Mitarbeiter: Leider stehen uns jetzt nicht mehr die Mittel und das Personal zur Verfügung wie zuvor. Man erwarte aber, dass jede oder jeder das Möglichste tut, damit alles rund läuft und werde die Abläufe entsprechend anpassen. 

Womit wir bei den normalen Beschäftigten sind: Die erwarten höchstens noch, dass KollegInnen nicht plötzlich krank werden und sie deren Arbeit auch noch auffangen müssen. Sie sehnen den eigenen Urlaub herbei und fürchten den Urlaub der Kollegen, weil sie deren Arbeit dann natürlich ebenfalls auffangen müssen. Die Personaldecke ist dünn, die Belastung hoch. Der Stress überträgt sich auf das Arbeitsklima. Untereinander wird man gereizt und dünnhäutig. Kleinigkeiten reichen bereits aus, um die Emotionen hoch kochen zu lassen. 

Und doch tun die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter genau das, was von ihnen erwartet wird: 

Sie begeben sich auf den zermürbenden Pfad der Selbstausbeutung. Sie machen mehr Überstunden, um das Arbeitsaufkommen zu schaffen, sie rotieren tagein tagaus im Hamsterrad um Terminvorgaben einzuhalten, die Pausen werden kürzer, abends nehmen sie die Arbeit im Kopf mit nach Hause, sie kommen nicht mehr dazu abzuschalten, sonntags graut es ihnen bereits vor der kommenden Woche. Beziehungen, Familie und die Gesundheit leiden. Und doch biegen sie es jedes Mal mit Hängen und Würgen irgendwie hin. Man kann ihnen keinen Vorwurf machen. Es ist nur menschlich. Sie wollen schließlich nicht als diejenigen da stehen, welche die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllen. Und sie wollen ihre Jobs behalten. 

Am Ende sind alle glücklich mit der erfolgreichen Restrukturierung des Unternehmens:     

Der honorige ältere Herr und Eigentümer beim Blick auf die Bilanz und sein Renommee als erfolgreicher Wirtschaftsmann.

Die Geschäftsführer, weil sie keinen Einlauf bekommen und statt dessen einen neuen Dienstwagen. 

Die mittlere Führungsebene, weil ihnen die Abteilung nicht um die Ohren geflogen ist und sie nachts wieder etwas ruhiger schlafen. 

Haben wir jemanden vergessen? Ach ja die ganz normalen Beschäftigten. Aber die werden sicher auch glücklich sein. Denn der Laden läuft doch, oder? 

Ist irgend etwas falsch an dem System? Hat dieses System womöglich irgendwo einen Haken? Auf das schmale Brett kann auch nur eine Pflaume von Gewerkschafter kommen … 


Interessante Einblicke in personalpolitische Strategien und mehr zu den Gefahren der Selbstausbeutung stehen auch im ver.di Blog von Hugendubel: 



Montag, 18. April 2016

Einblick in der Logistik


Anfang April haben die letzten verbliebenen Kollegen, die in der VTA und VTB noch zu tun hatten, die alten Hallen in der Steinernen Furt verlassen. In den anderen Abteilungen wie VTK, VTM, VTJ ist man schon Anfang des Jahres umgezogen. Es macht einen schon traurig, wenn man nochmal zurückblickt und die leere Halle sieht in der ich 16 Jahre gearbeitet habe. Was ist nur aus unserem Weltbild geworden !?

Es wurde in fast allen Bereichen gehämmert und gebohrt. Ohne Ohrenstöpsel war das nicht auszuhalten und dann der fürchterlich Gestank, der sich durch die ganzen Hallen zog, wenn z.B. die Bodenschrauben abgeflext wurden.

Alle meine Kollegen haben sich in irgendeiner Weise eingebracht, sei es durch tägliche Überstunden, 6 Tage Woche, Einsatz in anderen Abteilungen oder auch über die Osterfeiertage in der Firma zu arbeiten. Mit Schnellläufer und Teewägen haben wir Druckpapier, Etiketten, Ordner, Blumen etc. auch WC-Bürsten in die Logistik gefahren, geschoben und getragen.

Die meisten Kollegen wurden oben im ZKL eingeteilt. Dort hat sich einiges geändert. Da oben ist bis auf das Shuttle nichts mehr wie früher. Jetzt ist alles so eng, man hat wenig Platz um seine Arbeit zu verrichten. Irgendwie ist immer ein RC, eine Palette oder eine S-Shuttlekiste im Weg. Auch der Staplerfahrer wird sein ganzes Können abverlangt, wenn er Paletten mit Kartonagen oder Behälter durch den ZKL-Parkur fährt und dabei keinen Kollegen übersehen darf.

Durch den Umzug, die vielen Überstunde, den neuen beengten Arbeitsabläufen,  immer wieder Stillstand über Stunden, keiner weiß Bescheid wie was ablaufen soll, der Rückstand, der immer mehr wird und dann sollen auch noch Urlaub / Krankheitstage geschultert werden. Soviel Energie und Kraft die wir in Weltbild steckten, ich bin am Ende …

Viele meiner  Kollegen sind mit den Nerven am Ende, eigentlich bräuchten wir psychologische Betreuung. Es wäre alles viel leichter zu ertragen, wenn nicht der 31.12 allem ein Ende machen würde.
Es reißt mir das Herz aus dem Leib, ich hab schon so viele Tränen vergossen, doch ich werde bis zum Schluss durchhalten - der KUNDE IST JA KÖNIG UND BEKOMMT SEIN PAKET.

Dies war ein kleine Einblick einer Logistik-KollegIn. Trotz Allem schaffen die KollegInnen es, dass die Kunden ihre Ware innerhalb von ein paar Tagen erhalten. Dieser Leistung gehört unser Respekt.

Freitag, 8. April 2016

Hurra, das Führungsvakuum bei Weltbild ist endlich beseitigt!


Nach langen und aufreibenden Auseinandersetzungen konnte die Geschäftsführung im Dezember letzten Jahres den teuren Personalüberhang endlich final abbauen. Dies schaffte nun ausreichend finanzielle Mittel, um die Geschäftsführung von bisher zwei auf vier Leistungsträger aufzustocken.

Am 01. April 2016 (leider kein Scherz!) übernahm Thorsten A. Gropp (47) bisher Geschäftsleiter Marketing und E-Commerce als Geschäftsführer  „die durchgängige Vermarktung der Sortimente in allen vier Vertriebskanälen der Marke Weltbild (Online, Direktmarketing, Stationär und Social Media)“*. Empfohlen für diesen Posten hat er sich eindeutig nicht durch großen Rückhalt bei seinen Untergebenen. Die Kernkompetenz muss wohl jenseits von Empathie und großer Wertschätzung der Mitarbeiter liegen.
Der Betriebswirt Dr. Benjamin Pfeifer (35), ein Adept aus dem Hause Droege, "verantwortet ab jetzt als Geschäftsführer alle kaufmännischen Belange der Marke Weltbild in Deutschland und soll den Aufbau eines markenorientierten Berichtswesens vorantreiben"*. Ein neuer Besen von dem noch keiner weiß, ob und wie gut er kehrt.

Daneben halten die beiden bisherigen Highperformer Patrick Hofmann, die diplomatische  Mittelstreckenrakete mit Hang zum blinden Aktionismus und Sikko Böhm, der Cyborg aus Düsseldorf, die Fahne der Neustrukturierung im Unternehmen hoch.

Mit vier hochbezahlten Unternehmenslenkern hat Weltbild, das aktuell  auf weniger als ein Viertel seiner ehemaligen Belegschaft geschrumpft ist, jetzt mehr Geschäftsführer als zu seiner Blütezeit.
Möchte man es hochrechnen, kommen auf jeden davon noch nicht einmal 100 Mitarbeiter - eine eigentlich blamable Bilanz.
Und was das ganze kostet, wollen wir lieber gar nicht wissen!

Unter dem Strich stellt sich aber auch die Frage, ob die "Verstärkung"* nicht vielmehr eine Kontrollmaßnahme Droeges ist, der mit Einsetzung der neuen Geschäftsführer gleichzeitig den alten sein Misstrauen ausspricht. Womöglich traut er ihnen alleine nicht mehr zu, den Karren noch aus dem Dreck ziehen zu können.

Die Lehren der Vergangenheit scheinen längst wieder in Vergessenheit geraten zu sein:  Dass nämlich zu viele "leitende Figuren" die Abläufe im Unternehmen in ständigem Kompetenzgerangel mehr behindern als voranbringen.
So mancher Stamm ist schon zu Grunde gegangen, weil vor lauter Häuptlingen kaum mehr Indianer da waren, die sich um das Tagesgeschäft kümmern konnten und in den sich überlagernden Machtstrukturen aufgerieben wurden.

Vielleicht haben sogar der alte Halff und Fön-Beer noch freie Kapazitäten, um im Weltbild-Brei mitzurühren. Und was wurde eigentlich aus Käpt'n Schultheis? Sollte man den nicht auch noch fragen? Viel hilft viel, wenn einem nicht mehr viel einfällt!

Ein einfacher und kostengünstigerer Plan wäre gewesen, die inneren Strukturen zu straffen und das Wissen der Mitarbeiter gegen das "Besserwissen" der mittleren und oberen Führungsebene stärker zu gewichten. Es gibt noch immer zu viele Entscheider, die Entscheidungen mehr verzögern als schnell zu treffen.

Wollen wir also hoffen, dass zur Finanzierung der beiden neuen Geschäftsführer nicht weitere fragwürdige Einsparungen in den unteren Bereichen gemacht werden, in denen die wirkliche Arbeit erledigt wird.

*Zitate aus der Pressemitteilung des Unternehmens

Freitag, 25. März 2016

Arbeiten in der Wolke


So könnte die Arbeit der Zukunft aussehen


Wir schreiben das Jahr 2020. Die Arbeitswelt hat sich gewaltig verändert. Die Menschen sind fast ausschließlich "Cloud Worker". Festanstellungen gibt es so gut wie gar nicht mehr. Die Unternehmen heuern, je nach Bedarf, ihre Arbeitskräfte über ein virtuelles Netzwerk an. Was mit der IT-Branche begann, betrifft nun nahezu alle Berufsgruppen. Ein Heer von Freelancern kämpft mit weltweiter Konkurrenz um Aufträge. Die Folge: Preisdumping. Heute verdienen die Leute ein Drittel von dem, was noch vor 10 Jahren gezahlt wurde. Ein Science Fiction über die gigantische Entwertung von Arbeit.


Wie glaubst du, wird die Arbeit der Zukunft aussehen? Nutze die Kommentarfunktion unten, um mit Kolleginnen und Kollegen zu diskutieren.

Dienstag, 22. März 2016

Playmobil - die dunkle Seite von niedlich


In letzter Instanz wurden vom Bundesarbeitsgericht in Erfurt die bisherigen Urteile zur Betriebsratswahl 2014 bestätigt und die Wahl für ungültig erklärt. Die IG Metall hat damit endgültig Recht bekommen und den Weg für Neuwahlen geebnet.

Vorausgegangen war dem juristischen Streit zwischen dem Unternehmen Geobra Brandstätter, zu dem Playmobil gehört und der Gewerkschaft, eine längere Phase, in der die IG Metall versuchte, die Arbeitnehmerrechte im Unternehmen zu stärken.
Der damals aktive Betriebsrat, dessen Vorsitzender zwar formal IG Metall-Mitglied ist, habe sich, so die Gewerkschaft, jeglicher Zusammenarbeit verschlossen und sei lediglich ein "Erfüllungsgehilfe" der Geschäftsleitung gewesen. So wurden alle Entscheidungen stets durchgewunken und widerstandslos abgenickt wie z.B. eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit ohne entsprechenden Lohnausgleich.

Um dieser Situation entgegenzuwirken, sollte zur Wahl 2014 als Alternative auch eine Liste der Gewerkschaft antreten. Diese Liste wurde aber vom Wahlvorstand, dessen Vorsitzender passenderweise der "alte" BR-Chef war, wohl auf Betreiben der Geschäftsleitung, nicht zugelassen. Dagegen hat die IG Metall geklagt und bereits in erster Instanz Recht bekommen.

Das Unternehmen hat in Folge alle Gesprächsangebote der Gewerkschaft ignoriert und den Streit immer wieder vor die jeweils nächsthöhere Instanz getragen. So zog sich das Verfahren über zwei Jahre hin, in denen ein geschäftsleitungfreundlicher Betriebsrat die Interessen der Belegschaft "vertrat". Dies hat nun vorerst ein Ende.

Die obersten Arbeitsrichter werteten Ende Februar abschließend, wie bereits alle vorigen Instanzen, die Nichtzulassung der Gewerkschaftsliste als Rechtsbruch. Die Betriebsratswahl 2014 ist somit ungültig und muss neu durchgeführt werden.

Während die Gewerkschaft das Urteil begrüßt, reagiert das Unternehmen mit Unverständnis. In einer Stellungnahme wird betont, dass die Wahl nicht für unwirksam erklärt wurde, weil man die IGM-Liste abgelehnt hätte, sondern "nur" da die Fristen zur Einreichung zu kurz gewesen wären. Diese Tatsache war dem Gericht bekannt und wurde sicherlich berücksichtigt.  Auschlaggebend ist aber abschließend doch wohl nur, dass die gesetzlichen Vorgaben nicht eingehalten wurden. Über welche Umwege auch immer die Liste nicht an der Wahl teilnehmen durfte, ist nicht von Bedeutung.

Fakt ist, dass bei der anstehenden Neuwahl ganz genau auf die Einhaltung der gesetzlichen Regeln aus dem Betriebsverfassungsgesetzes geachtet werden muss. Die Stimmung bei Geobra Brandstätter ist angespannt - auf beiden Seiten! Die Geschäftsführung fürchtet das Ende einer komfortablen Ära, in der man in seinen Entscheidungen quasi freie Hand hatte. Die Mitarbeiter haben Angst vor Benachteiligungen, wenn sie sich gegen den alten BR stellen und sich für die Gewerkschaft engagieren.

Auf einer Informationsveranstaltung der IG Metall Anfang März wurde der Vorwurf laut, dass das Unternehmen und der bisherige Betriebsrat massiv versuchen, die Neuwahl zu ihren Gunsten zu beeinflussen und Druck auf die Beschäftigten ausüben. So seien Mitarbeiter davor gewarnt worden, an der Veranstaltung teilzunehmen.
Treffenderweise  tauchte aktuell auch ein Flugblatt auf, das zwei Playmobil-Schiffe zeigt, von denen das Piratenschiff unter IG Metall-Flagge mit den Namen der Unternehmen "AEG, Metz, Grundig und MAN" auf dem Segel hart über Bug sinkt. Das andere mit dem Playmobil-Logo segelt fröhlich dahin.
Der Text darunter lautet: "Die IG-Metall hat schon einige Schiffe absaufen lassen, trotz Tarifvertrag und einer Schatztruhe voller Mitgliedsbeiträge".
Flugblatt und Beitrag des Bayrischn Rundfunks zu den Vorgängen

Das Unternehmen weiß von nichts, was fragwürdig erscheint, da Beschäftigten zufolge der alte Betriebsratsvorsitzende die Verteilung des Flugblatts organisiert hat. Dieser sagt, es handle sich dabei lediglich um eine legitime Meinungsäußerung. Von Gewerkschaftsseite wird der Flyer aber als Provokation und Einflußnahme auf die anstehende Wahl gesehen.

Die Einflussnahme auf eine Betriebsratswahl und deren Behinderung ist kein Kavaliersdelikt, sondern wird vom Gesetz als Straftat eingestuft, was sogar mit einer Freiheitsstrafe geahndet werden kann. Also: Dünnes Eis für diejenigen, die versuchen Veränderungen im Wege zu stehen.

Die Neuwahl wird in den nächsten Wochen stattfinden und vielleicht kommt Playmobil damit in der Realität an, in der man sich an gesetzliche Vorgaben zu halten hat. Mitbestimmung ist nicht ein Ermessen der Geschäftsleitung und ein Betriebsrat besteht nicht aus willfährigen Marionetten.

Frei erfundenen Gerüchten zufolge wurde als Konsequenz die Spielfigur "Gewerkschaftsmitglied" aus dem Sortiment genommen. Die Restbestände werden aktuell als Set zusammen mit dem "Großen Polizeieinsatz" abverkauft.
 


Unionbasher aufgepasst! Zugreifen solange der Vorrat reicht!

                    

Donnerstag, 17. März 2016

Mindestlohn - Jetzt geht es um die Erhöhung (Teil 2)


Fortsetzung der Artikel zum Mindestlohn aus der ver.di-Zeitschrift publik:

Schwierige Diskussion um eine europäische Lohnuntergrenze

Von Heike Langenberg

Zum 1. Januar 2017 soll der allgemeine gesetzliche Mindestlohn in Deutschland erstmals angepasst werden. Bereits jetzt wettern die Arbeitgeber gegen eine Erhöhung, fordern zudem Ausnahmen für weitere Gruppen wie Geflüchtete. Die Mindestlohn-Kommission, siehe Kasten, soll bis zum 30. Juni 2016 über die Anpassung entscheiden. Geht sie allein nach der Tarifentwicklung der beiden vergangenen Jahre, dürfte die Anpassung bei knapp 50 Cent pro Stunde liegen, rechnet Thorsten Schulten vor, Mindestlohn-Experte des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung.

Das würde dann knapp neun Euro pro Stunde bedeuten. Diesen Wert bezeichnete der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Ingo Kramer, als "völlig unverständlich und illusorisch". ver.di hingegen fordert zehn Euro pro Stunde, und das schon seit 2011. Spielraum dazu hätte die Kommission durchaus, soll sie doch laut gesetzlicher Vorgabe für einen "angemessenen Mindestschutz" sorgen.

Denn auch neun Euro pro Stunde zählen in Deutschland immer noch zu den Armutslöhnen. Deren Grenze liegt bei 9,87 Euro pro Stunde, nämlich weniger als 60 Prozent des sogenannten Mediaeinkommens, also des mittleren Einkommens. Auch liegen viele Branchen-Mindestlöhne über zehn Euro pro Stunde. Diese will ver.di weiter ausbauen, kündigte die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Andrea Kocsis Ende Januar bei einer Tagung in Berlin an.

Slowenien als Vorbild


Auch mit neun Euro pro Stunde läge Deutschland immer noch unter den in anderen westeuropäischen Ländern gezahlten Mindestlöhnen. 60 Prozent des Median­einkommens werden derzeit in Frankreich und Slowenien gezahlt. Diese Einkommensgrenze spielt auch in der Diskussion um einen europäischen Mindestlohn eine große Rolle. Unter anderem hat sich der Präsident der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, im Europawahlkampf für eine europaweit geltende Lohnuntergrenze stark gemacht. Allerdings zeigen Vorgaben der Europäischen Kommission für Krisenländer, dass sie durchaus 40 bis 50 Prozent des Medianeinkommens als ausreichende Höhe für einen Mindestlohn ansieht.

Bei der Tagung in Berlin, bei der das WSI, ver.di und die Friedrich-Ebert-Stiftung Bilanz von einem Jahr Mindestlohn in Deutschland gezogen haben, wurde mit ausländischen Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern auch die Frage eines euro­päischen Mindestlohns diskutiert. Klar wurde, dass es dabei aufgrund der unterschiedlichen Lohnniveaus und der unterschiedlichen Produktivität in den 28 Mitgliedsstaaten nicht um eine einheitliche Summe gehen kann. Es zeigte sich auch, wie schwierig es für die Gewerkschaften ist, sich über einen europäischen Mindestlohn zu verständigen. Gewerkschaften aus den nordischen Ländern lehnen politische Vorgaben beispielsweise ab, dort handeln die Gewerkschaften Lohnuntergrenzen mit den Arbeitgebern aus und schreiben sie in Tarifverträgen fest. Aufgrund einer hohen Tarifbindung haben diese Mindestlöhne aber eine große Reichweite.

Eine Forderung nach 60 Prozent des Medianeinkommens ist jedoch in der Öffentlichkeit schwer zu vermitteln, ist sie doch nicht so plakativ wie eine einheitliche Summe. Allerdings wird die Diskussion weitergehen, unter anderem im Herbst beim Kongress des Europäischen-Gewerkschaftsbundes.




Mindestlohn-Kommission


Regelmäßig soll der Mindestlohn angepasst werden. Dazu hat der Gesetzgeber eine Mindestlohn-Kommission eingerichtet, sie hat sich Anfang vergangenen Jahres konstituiert.

Vorsitzender ist mittlerweile der ehemalige RWE-Arbeitsdirektor Jan Zilius; außerdem gehören ihr je drei Mitglieder auf Vorschlag der Gewerkschaften und der Arbeitgeber an. Beratende Mitglieder sind zwei Wissenschaftler/innen. Vor Seiten der Gewerkschaften sind Robert Feiger, Vorsitzender der IG BAU, DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell sowie die Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung - Genuss - Gaststätten, Michaela Rosenberger, Mitglied.

Im Mindestlohngesetz heißt es, dass die Kommission prüfen soll, "welche Höhe des Mindestlohns geeignet ist, zu einem angemessenen Mindestschutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beizutragen, faire und funktionierende Wettbewerbsbedingungen zu ermöglichen sowie Beschäftigung nicht zu gefährden". Orientierungspunkt soll die Tarifentwicklung sein.






Montag, 14. März 2016

Seltener Gast: Insolvenzverwalter Kebekus verkündet Schließung in Augsburg


Heute Nachmittag hat der Düsseldorfer Insolvenzverwalter Dr. Frank Kebekus die Belegschaft der WELTBILD-Logistik zu einer MitarbeiterInnen-Versammlung zusammengerufen. Kebekus teilte den KollegInnen mit, dass sie ALLE am 31.12.2016 ihren Arbeitsplatz verlieren werden.

Kebekus versuchte darzustellen, dass die Entscheidung über die Schließung vor allem von zwei Faktoren abhängig sei: 1. WELTBILD hat sich entschieden, zukünftig auf eine externe Auslieferung zu setzen; 2. die ALSO als Eigentümer der Gebäude habe der Logistik leider gekündigt.

Kebekus und Hofmann haben nichts getan

Betriebsratsvorsitzender Fitz stellte umgehend richtig: Im Interessenausgleich über die Massenentlassungen im Dezember letzten Jahres war vereinbart worden, dass WELTBILD und Insolvenzverwaltung alles unternehmen, um die Logistik mit verringertem Personal langfristig zu erhalten. Allerdings habe weder die Geschäftsführung von WELTBILD, zuständig wäre Patrick Hofmann gewesen, noch die Insolvenzverwaltung, irgendwelche Schritte in Richtung Fortführung unternommen. Die Insolvenzverwaltung sei in den letzten Monaten nicht einmal vor Ort gewesen, monierte Fitz: "Die haben uns total über den Tisch gezogen!"

Kebekus und Hofmann verwehrten sich gegen diese Darstellung. Aber es gelang keinem der Manager, auch nur ansatzweise darzustellen, was sie für den Erhalt der Logistik tatsächlich getan haben wollen.

Neue Rekord-Gewinne bei der ALSO

Was auf der MitarbeiterInnen-Versammlung nicht thematisiert wurde: Jüngst hat die ALSO neue Umsatz- und Gewinnrekorde gemeldet. Der Umsatz stieg 2015 um fast 8% auf 7,8 Milliarden Euro, der Gewinn vor Steuern um knapp 11% auf 91 Millionen vor Steuern. Vor diesem Hintergrund ist es umso schäbiger, dass die ALSO trotz einer Haftungsverpflichtung die künftig arbeitslosen KollegInnen von WELTBILD mit nur 2 Millionen abspeist. Deshalb wird es für die Betroffenen nur eine 9-monatige Transfermaßnahme geben und dabei auch nur 80% des früheren Gehalts.

MitarbeiterInnen billig entsorgt

Viele KollegInnen haben über 20 Jahre lang für WELTBILD gearbeitet haben. Wenn sie Anfang nächsten Jahres billig entsorgt sein werden, wird die ALSO ihren geplanten Hungerlohn-Handy-Hub in den ehemaligen WELTBILD-Hallen eröffnen und weitere Millionen verdienen. Über die Familien, die dabei ihre Existenzgrundlage verlieren, spricht 2017 kein Mensch mehr.

Stattdessen bedankte sich Hofmann für die geleistete Arbeit und kündigte ein "kleines Incentive" an, wenn alle fleißig weiterarbeiten. Dr. Kebekus wünschte den KollegInnen "Alles Gute".

Seminar für GewerkschafterInnen: #Refugees Welcome – Aktiv gegen Rassismus


"Wir brauchen weniger Ausländer, die uns ausnützen, und mehr, die uns nützen!“
Günther Beckstein, FOCUS, 10. Juni 2000

Rassismus ist ständig in der öffentlichen Diskussion präsent und wird, wie das Zitat eindrucksvoll zeigt, auch gezielt geschürt. Mit den steigenden Flüchtlingszahlen hat sich die Situation polarisiert: Während viele Solidarität zeigen, Flüchtlinge im Alltag unterstützen und öffentlich für eine Willkommenskultur demonstrieren, kommt es fast täglich zu Brandanschlägen und Übergriffen auf Flüchtlinge und ihre Unterkünfte sowie rassistischer Hetze auf öffentlichen Plätzen, im Betrieb oder im Internet. Rassismus ist dabei keine „verständliche Reaktion besorgter Bürger“, kein Randphänomen „ungebildeter Ostdeutscher“, wie manche Erklärungsversuche nahe legen, sondern eine reaktionäre Ideologie, die sich durch alle Schichten und Regio- nen zieht. Das Thema Flucht und Migration sowie die Zusammenhänge von Rassismus, Nationalismus und Kapitalismus sollen in diesem Seminar genauer betrachtet werden.

Themen in diesem Seminar:

  • Was sind die unterschiedlichen Formen von Migration? 

  • Was sind die historischen Entwicklungen der Migration? 

  • Warum fliehen Menschen – früher und heute? 

  • Was ist Rassismus und was kann man dagegen tun? 

  • Welchen Bezug haben die Gewerkschaften sowohl zu Migration als auch zu Rassismus? 



Beginn: Freitag um 18:00 Uhr

Ende: Sonntag nach dem Mittagessen
Veranstaltungsnummer: 16/30/371

Das komplette Veranstaltungsprogramm mit den Anmeldeformularen kannst du hier herunterladen: Ge­werk­schaft­li­ches Bil­dungs­pro­gramm ver­.­di Bay­ern


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