Freitag, 7. Dezember 2012

Streik hat sich gelohnt: Fast 1.000 Euro mehr pro Jahr für Tarifangestellte


Aus Angst vor weiteren Streiks im Weihnachtsgeschäft hat die Geschäftsführung der Verlagsgruppe WELTBILD heute eine Vereinbarung mit der Gewerkschaft ver.di unterzeichnet. Alle tariflichen Angestellten bei Weltbild erhalten mindestens 70 Euro mehr Lohn ab Januar und eine Einmalzahlung von 120 Euro noch im Dezember. Für TeilzeitmitarbeiterInnen werden diese Beträge anteilig gezahlt. Außerdem hat die Geschäftsführung den Bestand des Manteltarifvertrags zugesichert.

Das Ziel der Gewerkschaft ver.di war eine spürbare Erhöhung der Gehälter auch in den unteren Tarifgruppen. Dafür haben insbesondere die MitarbeiterInnen aus den Bereichen Lager/Versand drei Tage lang gestreikt. Der Einsatz hat sich gelohnt hat: In der Tarifgruppe I (1. Tätigkeitsjahr) wurden so über 4% Lohnerhöhung erkämpft!

Auf das Jahr gerechnet ergibt sich für Vollzeitkräfte ein Plus von 945 Euro, bzw. 990 Euro (Tarifgruppe VI).

Seit heute Mittag hatten ver.di-Landessekretär Stefan Kraft, der Augsburger ver.di-Sekretär für den Handel, Thomas Gürlebeck, und Betriebsratsvorsitzender Peter Fitz über sechs Stunden mit der Geschäftsführung verhandelt. Mehrmals stand der Abschluss auf der Kippe. Am Ende siegte der Respekt der Geschäftsführung vor einer entschlossenen Belegschaft, die jederzeit zu weiteren Streiks bereit gewesen wäre. "Diese Lohnerhöhung haben wir auf der Straße geholt", machte ver.di-Betriebsgruppensprecher Timm Boßmann deutlich: "Alle KollegInnen, die mitgestreikt haben, dürfen stolz auf sich sein!"

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Streik – pro und contra


Es brodelt ganz gewaltig im blog! Am Streik und an dessen Ablauf scheiden sich die Geister. Es gab jede Menge Kommentare dazu.
Ein paar grundlegende Fragen und Aspekte, die wir gelesen oder aufgeschnappt haben, seien hier noch einmal aufgegriffen.

Warum gerade jetzt im Weihnachtsgeschäft streiken, das für Weltbild so wichtig ist?

Ganz einfach: Weil jetzt verhandelt wird! Die Verhandlungstermine liegen nun einmal aus diversen Gründen direkt in der Vorweihnachtszeit. Also wird auch genau dann gestreikt, wenn keine Einigung in Sicht ist. Eine gescheiterte Verhandlung verlangt nach einer unmittelbaren Reaktion. Da kann man nicht erst 2 Monate abwarten, bis man darauf reagiert.





Die Streikenden schaden dem Weihnachtsgeschäft und verprellen unsere Kunden!

Diese Aussage ist nicht richtig und verkehrt die Tatsachen. Solche Behauptungen dienen lediglich dazu, den Streikenden und der Gewerkschaft den Schwarzen Peter zuzuschieben. Richtig muss der Satz nämlich lauten:

Der von der Arbeitgeberseite provozierte Streik schadet dem Weihnachtsgeschäft und verprellt unsere Kunden!

Denn das "Nicht-Angebot" vom 29.11. wurde mit Sicherheit im vollen Bewusstsein abgegeben, damit einen Streik auszulösen. Schließlich kennen beide Verhandlungsparteien die "Spielregeln" der Tarifauseinandersetzung. Wenn die einen sich nachsagen lassen müssen, den Streik zu führen, müssen sich die anderen nachsagen lassen, genau das provoziert zu haben. Und wenn die einen sich nachsagen lassen müssen, damit Kunden zu verprellen, müssen sich die anderen auch nachsagen lassen, genau das provoziert zu haben!

Was nützt ein Streik der Weltbild-Beschäftigten, wenn die Leiharbeiter trotzdem arbeiten?

Der Streik erzielt dennoch seine Wirkung. Wie sich in den letzten Tagen gezeigt hat, wissen die frisch fürs Weihnachtsgeschäft angeheuerten Leiharbeiter meist nicht, was zu tun ist, wenn sie ohne Anleitung der Stammbelegschaft in den Hallen herum stehen. Erst die Kompetenz der Weltbildler macht den Einsatz der Leiharbeiter effektiv. Ohne die Stammbelegschaft geht kaum etwas voran!

Warum werde ich auf dem Weg zum Arbeitsplatz von Streikposten angesprochen?

Das scheint ein spezielles Problem der Angestellten im "Glaspalast" gewesen zu sein. Der war bislang eher eine Art Insel, von der weitab entfernt im Lager- und Logistik-Bereich gestreikt wurde.

Letzte Woche machten viele Angestellte im Neubau große Augen, als sie sich morgens durch Streikposten hindurch schlängeln mussten. Was passiert hier? Was wollen die von mir? Von Streiks hatte man im Glaspalast bislang wenig mitbekommen und die meisten dort waren wohl der Ansicht, Lohnerhöhungen fielen wie Überraschungseier vom Himmel herab.

Diesmal mussten sie an den Streikposten vorbei, und sich die unangenehme Frage gefallen lassen, warum sie sich nicht beteiligen. Und warum sie ihre Kolleginnen und Kollegen nicht solidarisch unterstützen. Das mögen manche von der "Insel" als Zumutung empfunden haben – aber sie wurden lediglich mit der Wirklichkeit der Tarifauseinandersetzung konfrontiert. Und im Zuge dessen sollten sie sich den Fragen stellen und zu diesen Fragen auch Stellung beziehen. Das ist durchaus zumutbar. Schließlich arbeiten alle im selben Unternehmen!






Montag, 3. Dezember 2012

Streik: Bei Weltbild ging heute gar nichts mehr


Am vierten Streiktag in Folge hat der Arbeitskampf der Weltbild-Belegschaft seine volle Wirkung entfaltet. In den Bereichen Lager und Versand ging heute mittag rein gar nichts mehr. Die Bänder standen still, Waren auf Paletten und in Wagen verstopften die Arbeitszonen. Die wenigen KollegInnen, die dem Streikaufruf der Gewerkschaft ver.di nicht gefolgt waren, standen eher ratlos in den Hallen herum.


In den Versandzonen stapelten sich Zigtausende Fakturen, die nicht bearbeitet werden konnten. LKW, die neue Ware anliefern wollten, stauten sich bis auf die Aindlinger Straße hinaus. Ein deutlicheres Signal können wir der Geschäftsführung nicht geben: Redet endlich mit uns und sorgt mit einem vernünftigen Angebot für eine kundenfreundliche Abwicklung des Weihnachtsgeschäfts!


Im Streiklokal war die Stimmung dagegen entspannt. Die organisierten KollegInnen holten sich ihr Streikgeld ab und frühstückten gemeinsam. Die meisten waren überzeugt, dass in Kürze ein neues Angebot der Arbeitgeber auf dem Tisch liegen wird. Falls nicht, könnte es in einigen Tagen wieder heißen: "Weihnachten steht vor der Tür – wir auch!"




STREIK BEI WELTBILD – Teil 2



Es geht weiter

Montag 3. Dezember 2012


Treffpunkt: Platz vor dem Neubau


Uhrzeit: 7 Uhr

 

Zeigen wir, dass wir es ernst meinen! 
Wir lassen uns nicht veräppeln und wollen eine Lohnerhöhung, die auch diesen Name verdient. 
Wir wollen keine Almosen, sondern Geld in unserem Geldbeutel. 

 

Sonntag, 2. Dezember 2012

Gewerkschaft ver.di ruft erneut zum Warnstreik bei WELTBILD auf



PRESSEERKLÄRUNG

Die Gewerkschaft ver.di ruft die Beschäftigten der Verlagsgruppe Weltbild erneut zum Warnstreik auf. Beginn des dreitägigen Warnstreiks ist Sonntag, 2.12.2012, ab 20:00 Uhr. Geplantes Ende des Warnstreiks ist Dienstag, der 4.12.2012, um 6:00 Uhr. Bei den Tarifverhandlungen am vergangenen Donnerstag hatte die Arbeitgeberseite wieder kein abschlussfähiges Angebot unterbreitet, sondern mit der Kündigung des Manteltarifvertrags gedroht, falls das unzumutbare Arbeitgeberangebot (1,2 % Erhöhung ab Oktober 2013) nicht angenommen wird. Deshalb legten weit über 450 Beschäftigte der Verlagsgruppe Weltbild bereits vom 30.11. bis 1.12.2012 die Arbeit nieder und beteiligten sich am Warnstreik. Die Gewerkschaft ver.di fordert für die Beschäftigten des Buchhandels und der Verlage in Bayern eine Lohnsteigerung von 6 % mindestens jedoch 110 €. Die Ausbildungsvergütungen sollen sich um 50 € erhöhen.

Wir müssen den Druck erhöhen – und wir werden den Druck erhöhen
„Wenn die Arbeitgeber meinen, sie können die Beschäftigten erpressen, müssen wir den Druck im Weihnachtsgeschäft erhöhen. Eine geradezu lächerliche Lohnsteigerung nach 18 Leermonaten anzubieten und im gleichen Atemzug u.a. Urlaubs- und Weihnachtsgeld in Frage zu stellen, werden die Kolleginnen und Kollegen sich nicht bieten lassen“, stellte Thomas Gürlebeck von ver.di Augsburg klar.

Nach den ersten erfolgreichen Warnstreiks bei der Verlagsgruppe Weltbild in Augsburg zum ersten Adventswochenende sagte Gürlebeck weiter: „Wenn die Arbeitgeber nicht schnellsten ein abschlussfähiges Angebot abgeben, werden wir den Druck während des Weihnachtgeschäfts deutlich erhöhen. Hier bei Weltbild werden jedes  Jahr Gewinne generiert. Aber immer wenn es um Tariferhöhungen geht, soll auf einmal kein Geld mehr da sein. Das glauben die Beschäftigten schon lange nicht mehr.“ 

Weitere Streiks nicht ausgeschlossen
Die Gewerkschaft schließt weitere Streiks zur Durchsetzung der Forderungen nicht aus. „Wenn die Arbeitgeber ein ungestörtes Weihnachtsgeschäft wollen, wissen sie jetzt, was sie zu tun haben“, stellte der ver.di Verhandlungsführer Stefan Kraft abschließend fest. 

Für weitere Informationen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung:
Kontaktadressen: 
Thomas Gürlebeck, ver.di Augsburg, Tel. 0171/ 480 888 2
Stefan Kraft, ver.di München, Tel. 0170/ 229 486 5


STREIKAUFRUF – 2. Warnstreik


Anstatt ein vernünftiges Angebot abzugeben, bedrohen uns die Arbeitgeber mit der Kündigung unseres Manteltarifvertrages (30 Tage Urlaub, Weihnachtsgeld, 37,5-Stunden-Woche, Kündigungsschutz etc.). 

Das lassen wir uns nicht bieten, deshalb geht der Streik heute und morgen weiter. 

Wir meinen es ernst: Die Arbeitgeber müssen merken, dass gute Geschäfte nur mit uns gemeinsam möglich sind. Ohne uns geht nix!
Der Streik bei Weltbild geht weiter. Zum Vergrößern auf das Bild klicken.

Streik bei Weltbild: Alle Bänder stehen still…


Freitag und Samstag haben die KollegInnen bei WELTBILD in Augsburg einen fulminanten Streik-Auftakt hingelegt. Im Bereich Lager/Versand standen die Bänder stundenlang still. Im Warenzentrum ging nichts mehr: in einigen Abteilungen war mehr als die Hälfte der Belegschaft im Ausstand.

Erstmals in der Streik-Geschichte von Weltbild standen auch eine nennenswerte Anzahl von  
Angestellten aus  den kaufmännischen und kreativen Bereichen vor dem Verlagsgebäude. 
Hier sehen wir einige gut gelaunte KollegInnen kurz vor der Abfahrt ins Streiklokal.

Die StreikteilnehmerInnen vor dem Logistikzentrum fanden sehr klare Worte für das Angebot der Arbeitgeber in der laufenden Tarifrunde: "Das ist kein Angebot, das ist Verar…", sagte einer zu den 1,2% die es nach 18 Leermonaten im Oktober nächsten Jahres geben soll. Andere meinten: "Wir lassen uns nicht erpressen. Jetzt geht es auch um den Manteltarifvertrag. Da lassen wir keinen ran!"

Mit ihrer Drohung, den Mantel zu kündigen, haben sich die Arbeitgeber keinen Gefallen getan. Die KollegInnen bei Weltbild wissen, wofür sie auf der Straße stehen: 30 Tage Urlaub, Weihnachtsgeld, 37,5-Stunden-Woche: all das steht jetzt auf dem Spiel!


Für die Streikposten ein kaltes Vergnügen: Schon kurz nach 5 Uhr am Freitag standen 
dick vermummte  Mitglieder des Betriebsrats vor den Eingängen des Verlags und 
mobilisierten als Gewerkschaftsmitglieder für den Streik, zu dem ver.di alle 
Weltbild-MitarbeiterInnen aufgerufen hatte.
Der Streik ist das richtige Mittel, um den Manteltarifvertrag zu schützen und eine vernünftige Lohnforderung durchzusetzen. Die Geschäftsleitung von Weltbild sprach gegenüber der Presse von 50% liegen gebliebener Sendungen. Mitarbeiter gehen sogar von einem höheren Defizit aus. 

Aus Sicht unserer KundInnen ist das bedauerlich, aber die Belegschaft bittet um Verständnis für die besondere Situation. Sie wollen schließlich auch genug Geld verdienen, um ihren Familien Weihnachtsgeschenke kaufen zu können: "Wir stehen draußen, weil uns die Arbeitgeber mit ihrem Verhalten dazu zwingen!" Bis Dienstag soll der Rückstand wieder aufgeholt werden. Voraussetzung dürfte allerdings sein, dass alle KollegInnen wieder bei der Arbeit sind. Letztlich haben die Arbeitgeber in der Hand, wie erfolgreich das diesjährige Weihnachtsgeschäft für Weltbild wird…

Freitag, 30. November 2012

Miteinander packen wir es: Hugendubler streiken nach Betriebsversammlung


Gemeinsam erreichen wir mehr im Tarifkampf. Ver.di-Betriebsgruppensprecher Timm Boßmann
fuhr zwischen zwei Einätzen als Streikposten bei Weltbild auf die Betriebsversammlung von Hugendubel
in München. Er grüßte die KollegInnen von den Streikenden in Augsburg und forderte sie in einer
eindringlichen Rede zum Mitstreiken auf. Berichte zum anschließenden Warnstreik bei Hugendubel im
Hugendubel-ver.di-Blog.

Berichte der Presse über Streik bei Weltbild

Es berichtet die Fachpresse:

Buchreport: Arbeitgeber beissen auf Granit

Boersenblatt: Keine Einigung am Münchner Verhandlungstisch

Weitere Nachrichten:

Stadtzeitung - Beschäftigte von Weltbild streiken

BR-Online - Tarifkonflikt in Augsburg

STREIK BEI WELTBILD


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